***Dank an alle für die Rückmeldungen. Ich führe die Story also hier weiter und hoffe, es gefällt Euch***
Die Arbeitswoche nach Hermines verheerendem „Besuch" bei Snape verging recht ereignislos.
Während Hermine versuchte sich innerlich auf ihr Zusammentreffen mit Malfoy einzustellen, begann sie unauffällig Erkundigungen einzuziehen, wann und vor allem wo, sich eine Gelegenheit bieten könnte ihn anzutreffen, um ein Gespräch führen zu können. Daß er einen angekündigten Besuch mit Sicherheit ablehnen würde und sie, sollte sie gar unangekündigt bei ihm auflaufen, wahrscheinlich entweder gar nicht erst herein, bestimmt aber recht unsanft wieder entfernen lassen würde, setzte sie bei Ihren Überlegungen schlicht voraus.
Durch Zufall fiel ihr eines Morgens, bei der Postverteilung in ihrer Firma, ein Stapel Eintrittskarten für eine Wohltätigkeitsveranstaltung in die Hände. Aus dem beiliegenden Anschreiben des Vorsitzenden, in dem er einige großzügige Spender namentlich aufführte, erfuhr Hermine, daß auch Lucius Malfoy auf dieser Veranstaltung erwartet wurde und sah ihre Chance. Sie hatte etwas Gewissensbisse, als sie eine der Eintrittskarten unauffällig unter ihren eigenen Aktenstapel schob, beruhigte sich aber mit der Überlegung, daß dies ihre einzige Möglichkeit sei, dort hingehen zu können, und ein Teil der Eintrittskarten in ihrer Firma sonst wahrscheinlich ohnehin nicht genutzt werden würde.
Am Abend des Wohltätigkeitsballs überlegte Hermine lange, was sie anziehen sollte, entschloss sich dann ihr leichtes, ärmelloses, nachtblaues Kleid magisch dem Anlass anzupassen. Über dieses lange, schlichte aber trotzdem elegante Kleid zog sie einen kurzen schwarzen Bolero , schnappte sich dann ihre Handtasche und ging nach unten, um sich ganz profan an der nächsten Ecke ein Taxi zu rufen, da die Veranstaltung im Penthouse eines eleganten großen Hotels in der Innenstadt stattfand und Hermine dorthin nicht einfach apparieren konnte.
Nachdem der Fahrer sie vor dem Foyer ausstiegen ließ, ging Hermine zielsicher zu den Aufzügen, um in den obersten Stock hinauf zu fahren. Vor dem Aufzug wartete bereits eine kleine Gruppe elegant gekleideter Personen, die offensichtlich ebenfalls zu dem Ball wollten. Kurz überflog Hermine vorsichtig ihre Gesichter, weil sie nicht riskieren wollte, noch bevor sie im Saal war, einem ihrer Vorgesetzten in die Arme zu laufen und somit in Erklärungsnot zu gelangen, was sie denn hier wolle und vor allem wie sie an eine Einladung gelangt war.
Nachdem sie unbehelligt vor dem Penthouse ankam, zeigte sie einem an der Tür postierten livrierten Angestellten ihre Einladung und wurde in den Saal geführt. In dem Saal waren auf einer großen Fläche mehrere reich dekorierte Tische vor einer großen Bühne aufgestellt worden. Da es bei der Einladung keine Rückmeldung hatte geben müssen, ging Hermine davon aus, daß es keine festgelegte Tischordnung gab und beschloss sich an einen der kleineren Tische in der Nähe der zwei Nischen, durch die gläserne Türen auf eine große Dachterrasse führten, zu setzen. Zugleich hoffte sie durch ihre Platzwahl, bei der sie die Eingangstür recht gut im Auge behalten konnte, Lucius frühzeitig zu sehen, falls er überhaupt kam. Ihr war erst kurz bevor sie von zu Hause aufbrach eingefallen, daß die Tatsache, daß er erwartet wurde, nicht gleichbedeutend mit seiner tatsächlichen Anwesenheit war.
Der Saal begann sich rasch zu füllen und Hermine beglückwünschte sich zu ihrer Platzwahl, da sie bis jetzt immer noch alleine an dem mit insgesamt 4 Gedecken hergerichteten Tisch saß. Offensichtlich waren doch nicht so viele Besucher erschienen, wie es sich der Veranstalter erhofft hatte.
Nachdem die Gäste alle an den Tischen saßen und die ersten Getränke bestellt hatten, wurde das Licht im Raum herunter gedimmt und auf der nun hell erleuchteten Bühne erschien der Veranstalter, um die Anwesenden zu begrüßen und seine kurze Einführungsrede zu halten. Hermine stellte enttäuscht fest, daß sie Malfoy bisher nicht hatte entdecken können und begann langsam ihr Vorhaben zu bereuen. Sie musste nun hier bleiben und diese langweilen Vorträge aussitzen, da sie sich kaum bereits nach 20 Minuten erheben und einfach gehen konnte. „Das kann ja heiter werden", dachte sie etwas missmutig.
Als der Vorsitzende endlich geendet hatte, trat ein zweiter Mann auf die Bühne und begann seinen Vortrag. Hermine schloss genervt die Augen und schaute verzweifelt zur Tür, wobei sie ihre Chancen abschätzte, diese unauffällig und unbemerkt zu erreichen. In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet und Lucius betrat den Saal, an seiner Seite ein hochgewachsener silberblonder Kleiderhaken, in etwas schillernd Grünem, welches Hermine erst nach einiger Zeit als Kleid identifizieren konnte. Wie sich die Trägerin allerdings in diesen zwar hochgeschlossenen, aber skandalös kurzen Schlauch hinein gebracht haben mochte, erschloss sich ihr nicht.
Der Auftritt der beiden blieb nicht lange unbemerkt, weil die Intelligenzbestie an Malfoys Seite mit etwas zu schriller Stimme verkündete „Oh Daddy, wieso ist es denn hier so düster, ich dachte wir gehen zu einer Party?"
Hermine meinte kurz vor einer Brechattacke zu stehen „Daddy????" - dachte sie, ging es nicht noch klischeehafter? Zu ihrer Belustigung schien allerdings auch Lucius von diesem verbalen Ausflug seiner Begleitung nicht wirklich erbaut. Er lächelte etwas säuerlich ins Gelände und zischte dann dem Ausbund an Stil an seiner Seite zu: „Es ist besser, Du lässt für den Rest des Abends das Denken." Was ihr ein gezwitschertes „Natürlich Schatzi" entlockte, während sie ihn so strahlend anlächelte, daß Hermine glaubte sogar aus der Entfernung den Zustand ihrer Backenzähne erkennen zu können.
Der Redner auf der Bühne entschärfte die leicht peinliche Situation, indem er den Moment nutze Malfoy zu begrüßen und nochmals für alle Anwesende herausstellte, daß dieser einen beträchtlichen Betrag für das neue Projekt gespendet hatte. Lucius ging mit seiner Begleitung zu einem der vorderen Tische und begrüßte auf dem Weg dorthin einige Bekannte, dann setzten sich die beiden und das Programm auf der Bühne ging weiter.
Hermine saß etwas desillusioniert auf ihrem Platz und wußte nicht, wie sie nun weiter vorgehen sollte. Sie war zwar nun in einem Raum mit dem Mann, den sie in Verdacht hatte, ihr Angreifer zu sein, sah aber keine Möglichkeit mit ihm in ein Gespräch, geschweige denn in eines unter zwei Augen zu kommen.
Während sie ihn verstohlen musterte, wechselten sich auf der Bühne die Redner ab und plötzlich wurde das Licht im Saal wieder heller geschaltet und der Vorsitzende betrat die Bühne, um mitzuteilen, daß man nun eine kleine Pause von etwa 20 Minuten machen wolle.
Viele Anwesende erhoben sich, einige gingen aus dem Saal, um die Waschräume aufzusuchen, andere traten an die kleine Bar gegenüber der Bühne am anderen Ende des Saales und manche gingen an Hermines Tisch vorbei durch die Glastüren auf die Dachterrasse. Als Lucius mit seiner Begleitung und einigen seiner Bekannten ebenfalls an ihr vorbei zur Dachterrasse steuerte, versteckte Hermine schnell ihr Gesicht hinter der Getränkekarte, damit er sie nicht erkennen konnte und somit eventuell gewarnt war.
Nachdem sich die Leute langsam auf der Terrasse verteilt hatten, beschloss auch Hermine hinaus zu gehen. Die Terrasse schien um das gesamte Penthouse herum zu führen und war durch Lampen, die auf der steinernen Ummauerung angebracht waren, leicht erhellt. Da es an den Außenwänden des Penthouses keine Lampen gab, hielt sich Hermine vorsichtig nahe den Wänden im Schatten, während sie versuchte Lucius ausfindig zu machen. Als sie an der ersten Ecke des Gebäudes angekommen war, sah sie, daß man am Übergang zu der schmalen fensterlosen Seite des Penthouses eine Art Wintergarten im Stil eines Pavillons angefügt hatte. Das Pavillongestell bestand aus metallenen Rankelementen, die mit wildem Wein bewachsen waren. Vorsichtig schob sie sich zwischen zwei Elementen in die Dunkelheit des künstlichen Gartens, um von dort aus einen besseren Überblick über den größeren Terrassenteil zu haben, ohne selbst entdeckt zu werden. Wie Hermine erleichtert feststellte, zogen die anderen Gäste es offensichtlich vor, sich auf dem besser beleuchteten Terrain aufzuhalten, so daß sie hier ganz alleine war.
Nachdem sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bemerkte sie kurz hinter sich eine kleine Bank und beschloss von dort aus ihre Beobachtung weiter zu führen.
Leider konnte sie Malfoy nicht ausfindig machen und bemerkte verdrossen, daß die Pause bald zu Ende war und die Leute wieder in den Saal gehen würden.
In der Hoffnung, ihn eventuell als einen der letzten, die den Saal wieder betraten, abfangen zu können, beschloss Hermine noch einige Minuten zu warten. Schließlich war es ihm in seiner unglaublichen Arroganz auch egal gewesen, zu Beginn der Veranstaltung zu spät zu kommen und somit den Ablauf des Programms zu stören.
Nach einigen Minuten wurde ihr klar, daß sich ihre Hoffnung nicht erfüllen würde. Sie sah wie im Saal das Licht wieder herunter gedreht wurde und auch die letzten Frischluftfans wieder hinein gingen.
Als Hermine sich gerade erheben wollte, um ebenfalls wieder unauffällig an ihren Platz zurück zu kehren, spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter und ein leises Flüstern „Hast Du auf mich gewartet?" …..
