Für den Rest des Tages war Harry still und distanzierte sich von seinen Freunden. Hermine war noch immer deutlich wütend auf Ron, und Ron wütend auf sie. Da die Beiden kein Wort miteinander sprachen, hatte auch Harry keine Probleme damit eine Unterhaltung zu vermeiden.
Er war abgelenkt und... verwirrt.
Eine Stunde nach dem Mittagessen fand er sich in der Schulbibliothek wieder und sah sich mit einem verwirrten Blick verloren um.
„Benötigen Sie Hilfe, Mr. Potter?", fragte Madam Pince als sie neben ihm zum stehen kam.
„Ich... ja... hat diese Schule Kopien von Shakespeare?"
Zuerst sah sie für eine Sekunde verwirrt aus, dann füllte sich ihr Blick mit Erstaunen. „Es tut mir Leid Mr. Potter, aber ich fürchte es gibt keine."
Harry runzelte die Stirn. Enttäuschung breitete sich in ihm aus und er fragte sich ob es überhauptein Geschäft in der Magischen Welt gab, in dem er ein Muggelbuch bestellen konnte. Oder ob er bis zum Sommer warten musste, wenn er wieder in die Muggelwelt abgeschoben wurde.
„Oh, nun... trotzdem danke.", sagte er seufzend und verließ die Bibliothek.
Sein Begleiter war für den Großteil des Tages Stumm geblieben, aber Harry konnte seine Anwesenheit in seinem Hinterkopf immer noch spüren. Die Präsenz erinnerte ihn daran nicht alleine zu sein und es war eine besänftigende Beruhigung.
Um seine Gedanken zu leeren, wanderte er für eine Weile durch die Gänge des Schlosses. Schließlich wandte er sich dringenderen Bedürfnissen zu und ging zurück zum Gryffindorturm um seine Sachen für seine erste Einnahme des Beschleunigungstrankes vorzubereiten.
Er packte seinen Umhang, die Karte des Rumtreibers und seinen Ranzen mit der ersten Dosis des Beschleunigungstranks, sowie eine Dosis der anderen Beiden Tränke die er am nächsten Morgen benötigen würde. Er vermutete es würde nicht Schaden sie direkt zur Hand zu haben.
Er benötigte fürs Packen nicht mal annähernd genug Zeit und seufzte in frustrierter Ungeduld.
Er beschloss in den Gemeinschaftsraum zu gehen wo er auf Ron, Dean und Seamus traf, die an einem Tisch zusammen Exploding Snap spielten. Sie verhielten sich unglaublich laut und Harry sah verächtlich auf die kleine Versammlung.
„Harry?"
Harry wirbelte herum und maskierte schnell seinen Gesichtsausdruck als er mit Hermine Auge in Auge gegenüberstand.
„Bist du in Ordnung?"
„Huh? Oh, ja. Es geht mir gut.", sagte Harry und schenkte ihr ein, hoffentlich, überzeugendes Lächeln.
Sie lächelte zurück und nickte. Sie war schon beinahe an ihm vorbei gegangen als sich in Harry's Gedanken eine Idee formte.
„Hey, Hermine?"
„Ja, Harry?"
„Hast du zufällig ein paar Muggelbücher in deiner Sammlung?"
„Natürlich."
Harry blinzelte und war erstaunt über die große Hoffnung die sich in seiner Brust ausbreitete. Warum war es so verdammt Wichtig dieses Buch in die Hände zu bekommen?Er schob den Gedanken zur Seite und bohrte weiter.
„Hast du auch etwas von Shakespeare?"
Hermine's Augen begannen zu leuchten und sie lächelte. „Oh, ja. Ich habe jedes einzelne seiner Werke!"
„Wirklich? Kann ich sie ausborgen!", fragte Harry begeistert.
Zu sagen dass Hermine geschockt war, war reine Untertreibung. „N-natürlich! Aber warum?"
„Ich... Ich wollte nur ein paar seiner Stücke lesen."
„Welche?"
„Uh, King Lear und Julius Caesar?"
Hermine nickte nachdenklich und summte. „Diese Beiden sind wirklich gut. Zwei seiner Tragödien."
„Ja. Denkst du... eh, denkst du ich könnte sie mir jetzt ausborgen?"
„Oh! Natürlich. Ich bin gleich zurück.", sagte sie und eilte zurück zum Mädchenschlafsaal. Sie war für beinahe fünf Minuten weg und Harry fühlte wie er ungeduldig zu zappeln begann. Schließlich kam sie, mit einem dicken Buch unter ihren Arm geklemmt und lächelnd zurück.
Sie übergab das Buch einem ungeduldig aussehenden Harry. Er nahm es und betrachtete es beinahe ehrfürchtig. Es war ein Ausdruck, den Hermine nicht von Harry gewohnt war, wenn er ein Buch ansah. Einen Besen, vielleicht – aber ein Buch?
„Du hast dich in diesem Jahr wirklich sehr verändert, Harry.", meinte sie nachdenklich.
Harry sah ruckartig zu ihr auf und runzelte die Stirn. „Was meinst du?", fragte er zögernd nach.
„Nun... Ich sehe dich mit den anderen kaum noch Schach- oder Exploding Snap spielen. Du gehst mit Ron nicht fliegen und Debatten über Quidditch begeistern dich nicht, und es scheint so als würdest du eine Menge lesen."
Harry zuckte desinteressiert mit seinen Schultern und wandte sich von ihr als er sich zu einem der Sessel begab.
„Ich sehe nicht wie das eine schlimme Sache sein sollte", sagte er leise nachdem sie ihm gefolgt war.
„Nein...", antwortete sie langsam. „Das ist es nicht. Eigentlich würde ich sagen dass du erwachsener geworden bist. Du bist... ich denke du gehst mit den Menschen in deinem Umfeld vertrauter um. Ich bin wirklich beeindruckt davon wie viel ernster du dein Studium nimmst."
„Meine Prioritäten haben sich geändert. Außerdem habe ich gelernt, Hogwarts zu sehen, für was es wirklich ist."
Hermine wartete auf eine Erklärung, aber als er Still blieb, bohrte sie nach. „Was meinst du?"
„Nun... Ich denke ich habe es bis jetzt anders gesehen... nun, zu aller erst, als Fluchtmöglichkeit von den Dursley's. Aber zweitens war es nur eine Schule. Du kommst hier her, kriegst Aufgaben, und du nimmst Tests und gibst deine Hausaufgaben ab. Du weißt schon – nur Schule."
„Aber nun siehst du es nicht mehr so?", fragte Hermine verwirrt.
„Nein. Es geht nicht um Noten oder Tests oder Hausaufgaben. Es geht ums lernen. Um Wissen zu erlangen. Es ist eine Gelegenheit besser zu werden. Stärker zu werden. Indem ich es nicht ernst nahm, verschwendete ich eine große Gelegenheit."
Er sah auf und Hermine blickte ihn mit einer Mischung aus Freude und Ehrfurcht an. „Harry! Ich bin so stolz auf dich!"
Harry senkte seinen Kopf und konnte den finsteren Blick, der sich auf seinem Gesicht ausbreiten wollte, nur knapp zurückhalten. Stattdessen zog er seine Stirn in geringe Falten.
„Ja, nun... Ich habe... Ich habe nur erkannt dass ich ein Idiot war. Ich bin Ron gefolgt weil es einfacher war, aber auch weil ich dachte dass es wichtiger wäre Freunde zu haben anstatt O's zu bekommen. Ich wusste, wenn ich anfangen würde in meinen Klassenarbeiten und Noten gut zu werden, würde ich ihn verstimmen. Weißt du? Wenn ich in Beidem gut sein würde, würde er angepisst sein."
Hermine sah ihn finster an und rümpfte ihre Nase. „Ja, nun, er ist ein Idiot.", spuckte sie harsch aus.
Harry lachte. Ein echtesLachen.
Hermine zuckte zusammen und sah ihn sonderbar an. Eine Minute später schaffte es Harry schließlich sich zu beruhigen. „Entschuldige, 'Mine. Ehm...ja. Ron istein Idiot. Aber genau das ist es, was mich erkennen ließ dass ich ebenso ein Idiot war dadurch dass ich mir ihn als Vorbild nahm. Ich imitierte sein Verhalten und das aus den falschen Gründen. Also hörte ich damit auf."
„Nun, ich bin wirklich stolz auf dich, Harry.", sagte sie und schenkte ihm ein stolzes Lächeln.
„Er...Ja. Danke."
Letztendlich entkam er ihren Untersuchungen und ließ sich in einen Sessel nieder, um das Buch zu lesen. Als es Zeit fürs Abendessen war, wurde er von Hermine, die ihm auf die Schulter tappte, aus seiner Konzentration gerissen.
Ron bedachte ihn mit einem verdutzten Blick als er das Buch mit nahm und während dem gesamten Abendessen, darin vertieft war. Zurück im Gemeinschaftsraum, verbrachte er den Abend ebenso vertieft in dem Buch. Er war fast mit Julius Caesar durch als Ron mitteilte, er würde bald ins Bett gehen.
„Oh, hey! Ron?", rief Harry als der Rothaarige begann die Treppen zum Schlafsaal hochzusteigen. Er stoppte und drehte sich fragend um.
„Ich muss morgen an meinem Trank weiter arbeiten deshalb werde ich wirklichfrüh aufstehen. Ich bin wahrscheinlich schon weg bevor du aufwachst und werde bis nach dem Mittagessen wohl in den Kerkern sein."
„Ugh, ernsthaft? Verdammt, Kumpel! Du arbeitest zu hart! All dieses Zaubertrank brauen und lesen. Du musst dich auch mal entspannen. Spiel mit uns morgen Nachmittag doch ein bisschen Exploding Snap."
„Ja... Ich werde darüber nachdenken, Ron.", antwortete Harry ihm mit einem falschen Lächeln.
„Gehst du auch ins Bett?"
„Ja, das sollte ich wohl.", sagte Harry mit einem resignierten Seufzen als er sein Buch schloss und aufstand.
Er folgte Ron die Treppen hoch und ging durch seine übliche Routine vor dem Schlafen gehen. Beurteilt nach den lauten Schnarchgeräuschen, lagen alle anderen Mitbewohner des Schlafsaals schon schlafend in ihren Betten. Ron kletterte in sein Bett und zog seine Vorhänge zu. Harry machte es ihm nach, aber anstatt zu schlafen, saß er in seinem Bett, bis er sich sicher gehen konnte dass Ron eingeschlafen war.
Er schlüpfte aus dem Bett, zog seine Vorhänge zu und verzauberte sie mit einem Ungesagten Klebezauber. Er legte sich seinen Unsichtbarkeitsumhang um, schnappte sich seine Tasche und die Mappe und schlich sich leise aus dem Raum.
…
Zehn Minuten später betrat er Slytherin's Arbeitszimmer in der Kammer des Schreckens. Er breitete seine Utensilien auf einem kleinen Tisch, an der Seite des Sofas, aus und entledigte sich seiner Roben. Darunter trug er bequeme Pyjamahosen aus Wolle, und ein T-Shirt.
Er betrachtete den dickflüssigen silbrigen Trank misstrauisch. Er wusste dass es kein Zuckerschlecken werden wird. Außerdem wusste er, dass er nichts dagegen tun konnte. Er hatte sich dazu entschlossen diesen Trank zu nehmen, also würde er jetzt auch keinen Rückzieher machen.
Er legte sich auf das Sofa und hielt das Fläschchen vor sich. Er schluckte den Klos in seinem Hals runter und öffnete sie. Dann entleerte er die Flüssigkeit so schnell wie es ihm möglich war in seinen Mund und schluckte die dicke Flüssigkeit bevor er noch seine Nerven verlor.
Es schmeckte... kalt. Es war beinahe minzig. Er war erstaunt über die Tatsache dass es nicht abscheulich schmeckte, aber jeder Gedanke an den Geschmack verließ ihn in der Sekunde als das Brennen begann.
Erst bog sich sein Rücken durch, und als die Wellen des Schmerzes durch ihn zogen, rollte er sich eng zusammen. Ein erschrockener Schrei hallte durch den Raum. Der Schmerz und die Qual waren intensiv und es traf ihn schnell. Er fragte sich für einen Augenblick ob er nicht einen schrecklichen Fehler begangen hatte, wusste aber von den Warnungen aus dem Buch dass er sich so fühlen sollte. Er war gewarnt gewesen. Er konnte nicht behaupten nichts davon gewusst zu haben.
Er biss die Zähne zusammen und winselte wehklagend während er seine Finger in seinen Haaren festkrallte und heftig daran zog.
Merlin, er war so ein Idiot! Wie könnte er diesen Schmerz für ganze zwölf Stunden aushalten? Und das einmal pro Woche für zwei verdammte Monate!
Tränen strömten über seine Wangen und sein ganzer Körper zuckte und krampfte durch Verstand-zerschmetternde Schmerzen. Er fürchtete, der Schmerz würde ihn noch vor dem Morgengrauen verrückt machen wenn es so weiter ging.
Harry...
Harry stöhnte und krümmte sich weiterhin.
Harry... komm zu mir. Entkomme... in deinen Geist...
...fliehe vor den Schmerzen... hier... zu mir.
Harry schaffte es nur mit viel Mühe die Worte durch die Wand des brennenden Feuers zu verarbeiten. Er versuchte seine Atmung zu beruhigen, musste aber bald feststellen dass die Mühe umsonst war. Stattdessen ließ er sich von seinen geübten Instinkten leiten und versank in die tiefen seines Geistes.
Er keuchte erleichtert als der ganze Schmerz so plötzlich ging wie er kam und er blieb in der Mitte der fleckigen grauen Fläche seines Geistes stehen. Die schwarze Silhouette seines Begleiters stand nervös und mit angespannten Schultern neben ihm.
Geht es dir gut, Harry?
Harry seufzte und nickte während er einige große Schritte nach vorne machte. Als er auf seinen Begleiter zutrat, öffnete dieser seine Arme weit in einer einladenden Geste und schlang sie dann, wärmend um Harry, als der jüngere Zauberer ihn erreichte.
Ein Gefühl der Vollkommenheitfüllte ihn als er seine Arme um die Hüfte seines Begleiters schlang und er seufzte erleichtert.
…
Mit Schmerzen und völlig erschöpft, 'wachte' Harry am nächsten Morgen auf. 'Bewusstlos' für die Außenwelt, war er für die ganzen zwölf Stunden in seinem Geist geblieben. Einzuschlafen bedeutete ein großes Risiko sein Bewusstsein wieder zu erlangen und sofort von den schneidenden Schmerzen aufzuwachen. Also blieb er, in Sicherheit eingeschlossen, in seinem eigenen Geist. Geschützt vor dem Schmerz.
Er stand mit schwachen, wackeligen Beinen von dem Sofa auf. Sein Hals fühlte sich trocken und heißer an und er vermutete es kam von seinem durchgehenden Schreien. Wackelig schritt er quer durch das Arbeitszimmer zu dem großen Standspiegel. Harry zischte einen Reinigungszauber und winkte mit seiner Hand, um den fünfzig Jahre lang angesammelten Staub und Dreck zu entfernen, und betrachtete sich dann darin.
Zuerst sah er nicht viel. Er langte nach dem Saum seines T-Shirts und zog es in einer langsamen, zuckenden Bewegung über seinen Kopf.
Seine Haut war übersät mit verblassten gelben und grünen Flecken. Sie sahen aus, als wären sie mehrere Wochen alt, obwohl sie es nicht waren. Das Buch besagte dass die Flecken am Ende des Tages verschwunden sein sollten. Er war sich also ziemlich sicher dass sie niemand zu Gesicht bekommen würde.
Darüber hinwegsehend, konnte Harry schon eine deutliche Veränderung an seiner Körpermasse erkennen. Obwohl er immer noch ziemlich dünn war, waren seine Rippen nicht mehr zu sehen. Er drehte sich und versuchte seinen Rücken zu betrachten. Seine Wirbelsäule war normalerweise erschreckend offensichtlich gewesen, jetzt aber, sah man nichts mehr davon. Sogar seine Unterarme waren nicht einmal mehr annähernd so dünn.
Abgesehen von den blauen Flecken, sah auch seine Haut besser aus. Gesünder, und sie hatte eine bessere Farbe. Nicht zu blass oder kränklich. Sein Gesicht war ein bisschen ausgefüllter – seine Wangen- und Augenhöhlen waren nicht mehr so eingesunken; trotzdem hoffte er dass diese Veränderungen fein genug waren um keine Fragen aufzubringen.
Generell waren die Veränderungen klein, aber es war eine Verbesserung. Und er wusste es war besser dass die Veränderungen langsam kam ansonsten würden die Leute anfangen es zu bemerken und ihm Fragen stellen.
Harry ging zurück zum Sofa und hob seinen Zauberstab von dem Tisch der daneben stand. Er sprach ein paar Reinigungszauber auf sich selbst, wusste aber auch dass er bald eine echte Dusche benötigen würde. Während seiner Qual hatte er geschwitzt wie ein verrückter und er fühlte sich leicht klebrig. Er sprach auch auf das Sofa einen Reinigungszauber und war plötzlich überaus froh darüber, in der Nacht seine Gedärme nicht verloren zu haben. Er war beinahe darüber überrascht dass er sie nicht verlor.
Er zog eine Grimasse. Daswar definitiv etwas, mit dem er nichts zu tun haben wollte.
Ew.
Harry wechselte in seine saubere Robe die er mit sich gebracht hatte und nahm seine Morgendosis des Nährtranks und Muskelerneuerungstrankes bevor er seine Sachen zusammenpackte und die Kammer verließ.
…
Am darauffolgenden Tag fragte Harry Hermine ob sie von einem Ort wüsste, wo er ein Bad nehmen könnte. Sie sah ihn komisch an und fragte ihn warum er unbedingt ein Bad nehmen wollen würde und warum eine Dusche nicht ausreichte.
Er erklärte ihr dass das Ei unter Wasser geöffnet werden musste um den nächsten Teil des Hinweises zu bekommen. Seine Antwort schien ihr genug zu sein und sie fragte nicht weiter nach. Sie informierte ihn darüber, dass die Badezimmer der Vertrauensschüler Bäder beinhalteten und er könnte immer nach der Erlaubnis fragen, eines benutzen zu dürfen.
Direkt nach dem Abendessen setzte er Hermine's Vorschlag in die Tat um, und suchte Professor McGonagall auf. Sie wusste eindeutig über das Ei Bescheid, denn sie war nicht im Geringsten Überrascht als er um die Erlaubnis für die Benutzung des Bades fragte. Und ohne große Probleme gab sie ihm das Passwort für das Badezimmer der Gryffindor-Vertrauensschüler.
Er holte das Ei aus seinem Koffer, schnappte sich ein paar Hygieneartikel und Kleidung zum Wechseln, und machte sich auf den Weg.
Zehn Minuten später stand Harry splitternackt neben der enormen, mit Schaumbad gefüllten Badewanne – sein Goldenes Ei in der Hand. Er rutschte in die herrliche Wärme und verschwand in dem, mit magischen Blasen umgebene Duftwasser. Er genehmigte sich ein paar entspannte Minuten bevor er schließlich seufzte und sich aufsetzte. Harry legte seine Brille zur Seite, atmete tief ein und tauchte unter Wasser.
Er öffnete das Ei und auf der Stelle hallten singende Stimmen durch das Wasser.
„Komm, such, wo unsere Stimmen klingen,
denn über dem Wasser können wir nicht singen.
Und während du suchst, überlege jenes:
Wir nahmen, wonach du dich schmerzlich sehntest.
In einer Stunde musst du es finden
und es uns dann auch wieder entwinden.
Doch brauchst du länger, fehlt dir das Glück,
zu spät, 's ist fort und kommt nicht zurück."
Harry hob seinen Kopf wieder aus dem Wasser, nahm einen erneuten tiefen Atemzug und runzelte leicht die Stirn als er erneut über die Worte in seinem Kopf ging. Er nahm noch einen tiefen Atemzug, tauchte unter, und hörte noch einmal zu.
Er wiederholte die Prozedur bis er sich sicher war, dass es Wort für Wort in seinem Kopf war. Das nun wieder geschlossene Ei stellte er auf den Boden neben die Wanne, dann begann er sich erneut zu entspannen.
Komm, such, wo unsere Stimmen klingen, denn über Wasser können wir nicht singen.
Also Unterwasser. Wassermenschen können nicht über dem Wasser singen. Tatsache ist, jetzt wo er darüber nachdachte, dass er in einem Buch über Magische Kreaturen gelesen hatte, dass die Sprache der Wassermenschen für normale Menschen über dem Wasser wie ein ächzendes Kreischen klang. Er schüttelte sanft seinen Kopf und seufzte, verärgert darüber dass er nicht schon eher darauf gekommen war. Im Schwarzen See gab es Wassermenschen, richtig?
In einer Stunde musst du es finden
Genau da lag im Moment das größte Problem. Er musste also eine Stunde unter Wasser bleiben und währenddessen noch etwas suchen und finden. Also musste er nicht nur dazu fähig sein, unter Wasser zu atmen, er musste auch schwimmen und navigieren können. Außerdem müsste er etwas sehen können um auch etwas – was auch immer es sein sollte – finden zu können. Der See wurde nicht umsonst Schwarzer Seegenannt. Er war tief und er war dunkel.
Also; Unterwasseratmung. Eine Art von Schwimmhilfe. Etwas um seine Sicht zu verbessern.
Und sie würden ihm etwas entwenden.
Wir nahmen, wonach du dich schmerzlich sehntest.
Was könnten sie womöglich nehmen? Seinen Unsichtbarkeitsumhang? Dieser wäre mit Sicherheit nicht einfach zu finden. Schon gar nicht unter Wasser. Er hoffte dass das nicht der Fall sein wird. Es gab nicht wirklich viel dass sie von ihm nehmen konntenwonach er sich 'schmerzlich sehnte'. Der Umhang, die Karte, seinen Zauberstab. Alles andere konnte Ersetzt werden.
Also, davon abgesehen von den anderen Dingen die er Nachforschen musste, wäre es wahrscheinlich Nützlich ein paar Aufstöberungszauber zu lernen, die er dort unten benutzen konnte.
Mit dieser Entscheidung, genoss er die restliche Zeit in seinem Bad und entspannte sich bis die Schaumblasen verschwunden waren.
