Kapitel 8: McPherson und McPherson

Als James am Mittwoch in den Kerker eintrat, in dem sie Zaubertränkeunterricht hatten, wusste er nicht, wie er die nächsten Stunden überleben sollte. Mit einem Slytherin zusammenarbeiten zu müssen! Wegen dieses Idioten Connal McPherson hatte er schon den ganzen Morgen schlechte Laune. Beim Frühstück hatte er sich bei seinen Freunden über Slughorn beschwert, und während des Kräuterkundeunterrichts hatte er herumjammert, wie unfair die Welt doch sei, weil Remus mit Lily arbeiten durfte. Nun setzte sich Sirius zu Peter, und James wollte sich gerade missmutig zu seinem Partner begeben, als ihn Remus zurückhielt und ihm leise ins Ohr raunte: „Hey, du schafft das!" James antwortete mit einem schiefen Lächeln: „Ja, natürlich." Remus klopfte ihm auf die Schulter, ging nun in die Reihe schräg hinter James und setzte sich zu Lily. James ließ sich an dem Tisch nieder, an dessen anderem Ende Connal McPherson saß und in seinem Zaubertrankbuch las. James räusperte sich und wartete einen Moment, bis er schließlich die Aufmerksamkeit des Slytherin besaß, dann sagte er: „Lass uns das so gut wie möglich über die Bühne bringen. Ich brauche die guten Noten in diesem Fach und du sicherlich auch." Der andere schaute ihn einen kurzen Moment gereizt an, doch dann sagte er resigniert: „Meinetwegen. Lass uns anfangen, damit die Stunde möglichst schnell vorbeigeht". James nickte. Dass war wahrscheinlich das erste Mal, dass er einem Slytherin zustimmte; doch auch er wollte, dass die Stunde möglichst schnell zu Ende ging. Er stand also auf und holte die Zutaten, die sie für den ersten Teil des Trankes brauchen würden. Beim Schrank mit den Zutaten traf er auf niemand anderen als Lily, die er besonders herzlich grüßte. Ein kleiner Lichtblick in dieser lästigen und öden Stunde! Sie erwiderte seinen Gruß und ging zurück zu ihrem Tisch. Den Rest der Stunde verbrachten die Schüler mit konzentriertem Arbeiten. Lily genoss die Zusammenarbeit mit Remus. Auch wenn sie lieber mit einer ihrer Freundinnen zusammengewesen wäre, war Remus ihr doch allemal lieber als so mancher andere. Er war ein Mensch, der das, was er tat, ernst nahm und zudem einer der besseren Zaubertränkeschüler. Dass ausgerechnet James Potter mit seinen fundamentalen Vorurteilen allen Slytherins gegenüber mit einem von ihnen zusammenarbeiten musste, amüsierte Lily. Sie war erstaunt, dass bisher noch keine Fetzen geflogen waren – aber wer weiß, vielleicht würde der angriffslustige James ja bei dieser Gelegenheit merken, dass es in allen Häusern nette und weniger nette Menschen gab.

Später im Gemeinschaftsraum der Gryffindors saßen die Rumtreiber an einem Tisch am geöffneten Fenster und erledigten ihre Hausaufgaben für Verwandlung, die sie morgen würden abgeben müssen. Remus sagte: „Wir hätten sie wirklich früher erledigen können! Unter Zeitdruck zu arbeiten, ist einfach nicht mein Ding!" Auf den Ausruf folgte lediglich ein Murren seiner Freunde. Auch wenn sie wussten, dass er Recht hatte – sie hatten sich einfach nicht früher aufraffen können. Sirius sagte schließlich: „Mann, Mooney, es ist die erste Woche, da kannst du doch nicht von uns erwarten, dass ..." „… ihr eure Hausaufgaben zeitig angeht", fuhr Remus für seinen Freund fort. „Genau das meinte ich", sagte Sirius zufrieden. James und Peter nickten zustimmend. Remus schwieg einen Moment, dann sagte er: „Nun, dann sollten wir nicht reden, sondern zusehen, dass wir fertig werden." Mit diesen Worten schlug Remus sein Verwandlungsbuch auf und begann etwas für seinen Aufsatz nachzulesen. Die andern drei fingen leise wieder an zu arbeiten. Keiner wollte Remus stören; sie wussten, wie wichtig ihm gute Leistungen in der Schule waren.

Lily und Lea saßen unweit der Rumtreiber am Kamin und redeten über den Tag und vor allem über den Zaubertrankunterricht, denn so ein Großprojekt gab es schließlich nicht häufig. Kitty war noch beim Abendessen, würde jedoch wahrscheinlich bald kommen. Lea sagte gerade: „Mensch, wie schade, dass wir nicht zu dritt arbeiten dürfen", doch Lily schüttelte beruhigend den Kopf: „Remus ist ein guter Partner; immerhin muss ich nicht mit James Potter zusammenarbeiten." Lea grinste und meinte dann: „Der hätte bestimmt nichts dagegen, vor allem in Anbetracht seines jetzigen Partners." Lily antwortete: „ Es könnte lustig werden, die Zusammenarbeit zwischen James und Connal McPherson …" Noch während Lea gesprochen hatte, war Kitty durch das Potrait gestiegen. Sie hatte Lilys Antwort gehört und sagte freudig: „Wer von ihnen, glaubt ihr, wird zuerst in den Krankenflügel eingeliefert?" Keine von ihnen hatte eine Idee, doch in einem waren sie sich einig: Es würde irgendetwas passieren.

Als Lily abends in ihrem Bett einen Roman las, den sie im Sommer angefangen hatte, dachte sie daran, wie vertraut ihr hier alles war: der tägliche Ablauf mit Unterricht, Hausaufgaben, den Gesprächen mit ihren Freundinnen im gemütlichen Aufenthaltsraum und den geselligen Mahlzeiten in der niemals ruhigen großen Halle.

Als James mit seinen Freunden am nächsten Tag eben diese Halle zum Frühstück betrat, galt sein erster Blick dem Lehrertisch. Erfreulicherweise war der Stuhl zwischen Albus Dumbledore und Minerva McGonagall wieder belegt, was bedeutete, dass sie heute zum ersten Mal den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste haben würden. Er freute sich und war gespannt. Gleich wies er seine Freunde darauf hin, und auch sie waren begeistert. Für James war der Tag durch die Aussicht auf sein Lieblingsfach gerettet, hatte ihm doch allein die Vorstellung, den Tag mit dem Zaubertränkeunterricht abzuschließen, schon beim Aufstehen gänzlich die gute Laune verdorben. Zwar hatten sie sich gestern geeinigt, dieses Projekt zugunsten ihrer Noten sauber über die Bühne zu bringen, doch deshalb musste er sich ja trotzdem nicht auf die Stunden freuen. Er saß mittlerweile neben Sirius am Gryffindortisch, sie aßen und spekulierten, wie wohl der neue Lehrer sein würde, welche Zauber zu Verteidigung und Angriff er ihnen wohl erklären und welche bösartigen Wesen sie wohl zu bekämpfen lernen würden.

James war frohgemut durch den Tag gegangen, und erst als sie auf den Weg in die Kerker waren, erinnerte er sich daran, warum er auf den Weg in die große Halle am Morgen so schlechte Laune gehabt hatte. Eben vor dem Kerker angekommen, sahen sie, wie einge Slytherins aus seinem Jahrgang einen Erstklässer bedrängten. Einer von ihnen rief: „Du gehörst hier nicht her, du bist nichts weiter als ein Schlammblut." Außer den sechs Slytherins, die bei dem Kleinen waren und einem, der abseits von den anderen an die Wand gelehnt stand, waren noch keine Schüler hier unten, und die Slytherins schienen die Rumtreiber noch nicht zu gesehen zu haben. James blickte seine Freunde kurz an, diese nickten, und nun gingen sie zu viert auf die Gruppe zu und James räusperte sich vernehmlich. Die Quälgeister drehten sich um, während der Erstklässler die Gelegenheit nutzte, in Richtung Treppe rannte und kurze Zeit später verschwunden war.

Remus fühlte sich unruhig, denn für einen Moment sah es so aus, als ob die Slytherins, die sich ärgerten, dass sie unterbrochen worden waren, sie nun angreifen würden. Sie waren zwar in der Minderzahl, doch die Rumtreiber wussten, dass sollte es zum Kampf kommen auch sie Schaden davon tragen würden. Einen Moment blieben beide Gruppen angespannt stehen, doch dann siegte offenbar der Respekt vor dem Einfluss des Schulsprechers und die Slytherins zogen sich zurück. Kurze Zeit später hörten sie etliche Leute die Treppen herunterkommen und gleich darauf tummelten sich etliche Schüler vor dem Eingang in den Kerker. Sie mussten noch etwa fünf Minuten warten, bis Slughorn sie schließlich einließ und sich alle Schüler an ihre Plätze begaben. Dieser Vorfall hatte James' Vorfreude darauf, mit einem Partner aus Slytherin zusammenzuarbeiten, nicht wirklich vergrößert.

Slughorn trat vor die Tafel und begann zu sprechen: „Ich muss leider eine kleine Veränderung an den Gruppen vornehmen, weil zwei Partner, sagen wir, nicht wirklich gut miteinander auskommen." Die Schüler sahen sich um, alle wollten diejenigen sehen, die nicht zusammenarbeiten konnten. Auch James drehte sich um, entdeckte jedoch niemanden, der beschämt den Kopf senkte, weil es ihm oder ihr peinlich war. Vermutlich würden nun zwei bestehende Gruppen getrennt und neu zusammengesetzt werden. Er hoffte inständig, dass er und Connal McPherson diese Zweiergruppe sein würden. Jeder andere wäre ihm zur Zusammenarbeit lieber! Er fragte sich, ob Remus und Lily wohl nicht zusammenarbeiten konnten und nun Lily mit ihm arbeiten musste. Obwohl das schon unwahrscheinlich war... Lily und Remus verstanden sich wunderbar und das schon seit der Fünften, als sie zusammen Vertrauenschüler geworden waren.

James war so in Gedanken versunken, dass er Slughorns nächste Worte nicht mitbekam, und auch das Stühlerücken drang nicht zu ihm durch.. Er wurde durch eine schneidende Mädchenstimme in seinen Träumereien unterbrochen. Er seufzte. Das klang gar nicht nach Lily. Nun sah er auf und entdeckte ein wütendes junges Mädchen mit kurzen braunen Haaren, das ihn energisch ansah und erneut die Lippen öffnete: „Wenn du nicht auf der Stelle Platz machst, so dass ich mich setzen kann, setzt es was!" Sie zog ihren Zauberstab. Er stand schnell auf, um sie vorbeizulassen. Offensichtlich hatte er wohl tatsächlich Glück gehabt, und sie war seine neue Partnerin für dieses Projekt. Obwohl sie sicher nicht seine erste Wahl gewesen wäre, war James froh, dass Slughorn seinen stummen Wunsch erhört hatte, denn mit Mädchen konnte er gut umgehen. Auf den ersten Blick erkannte er sie nicht – das war ungewöhnlich, denn sie war hübsch, und dafür hatte er zuverlässig einen aufmerksamen Blick. Slughorn sagte nun: „So, wo wir das geschafft haben, fahren Sie doch fort" und setzte sich an seinen Tisch, um ein Buch zu lesen.

James lächelte vor sich hin und sah sich kurz im Kerker um. Lily und Remus arbeiteten konzentriert zusammen, und auch die anderen waren jetzt mit ihren Tränken beschäftigt. Er wollte gerade schauen, was Sirius und Peter wohl machten, als ihn wieder diese Stimme aus den Gedanken riss: „Wollen wir nun endlich anfangen, oder was?" Er drehte sich zu ihr um und fragte: „Wie heißt du eigentlich?" Sie antwortete mit fester Stimme: „Angelica McPherson", stand auf und drängte sich an ihm vorbei. Über die Schulter ergänzte sie: „Ich hole die Zutaten: die wir heute brauchen", dann war sie verschwunden.

James wusste nicht so recht, ob er sich nun freuen, weil er mit jemand anderem zusammenarbeiten konnte oder sich ärgern sollte, dass das neue Gruppenmitglied wie der erste Partner aus Slytherin kam. Nach einigen Momenten kehrte sie zurück, häufte die Zutaten auf den Tisch und setzte sich wieder an ihren Platz.

James und Angelica arbeiteten recht still vor sich hin, und als die Stunde zu Ende war und die Schüler ihre Sachen zusammenpackten, wollte James schon einfach aufstehen und den Raum verlassen, als ihn Angelica noch einmal zurückhielt und fragte: „Was ist dein Problem mit mir?" James war verblüfft, denn er dachte, seine Abneigung ihr gegenüber würde sie verstehen, weil sie dieselbe Abneigung ihm gegenüber verspürte. Doch dem war offensichtlich nicht so. Er seufzte: „Was mein Problem ist, willst du wissen? Naja, ich bin aus der Zusammenarbeit mit einem Slytherin befreit wurden, nur um mit der nächsten zusammenarbeiten zu müssen". Sie dachte nach und sagte nach kurzem Schweigen: „Es liegt also daran, dass ich eine Slytherin bin. Gut, dann solltest du wissen, dass, nur weil einige aus unserem Haus ziemlich merkwürdige Ansichten haben, nicht alle von uns glühende Rassisten sind, okay?". Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern stand auf und verließ eilig den Kerker.

James räumte seine Sachen zusammen, ging nun ebenfalls hinaus und traf auf dem Weg seine Freunde. Er erzählte ihnen, was eben passiert ist und Remus fragte nachdenklich: „Hat Lily dieses Gespräch mitbekommen?" James dachte nach. Er hatte bemerkt, dass Lily zu Beginn seiner Unterhaltung mit Angelica noch im Raum gewesen war, doch wusste er nicht, wie viel sie mitgehört hatte. Er antwortete entsprechend, worauf Remus nickte und dann meinte: „Sie hat dir doch immer gesagt, dass du nicht alle Slytherins über einen Kamm scheren sollst, oder?" James nickte und fragte: „Ich sollte sie wohl ganz normal behandeln, oder?" Remus nickte: „Ich weiß, dass es dir schwer fällt, manche Menschen vorurteilslos zu betrachten; aber sollte nicht jeder nur nach dem bewertet werden, was er tut? Ist es nicht ungerecht, ein Urteil fertig zu haben, sobald man weiß, aus welcher Familie oder welchem Haus jemand kommt? Denk zum Beispiel an Sirius! Der ist allen anderen aus seiner Familie so unähnlich, wie man nur sein kann. Du könntest nicht falscher liegen, wenn du ihn nach denen beurteilen würdest." James dachte über die Worte seines Freundes nach. Natürlich hatte Remus Recht. Wenn man das, was er sich über Angelica gedacht hatte, ein wenig veränderte, so hätte es wunderbar auch ein Slytherin über eine Mugglegeborene sagen können: Ich soll sie also ganz normal behandeln, obwohl sie eine Mugglegeborene ist? So wollte er nicht sein! Er würde also versuchen, nicht mehr alle aus dem Haus Slytherin in eine Schublade zu werfen, sondern sie individuell zu beurteilen.

Er nickte also und sagte: „Du hast recht, Remus, ich sollte nicht so vorschnell über Menschen urteilen." Mit einem Lächeln fügte er hinzu: „ Wenn sie nur nicht so häufig meine Vorurteile bestätigt hätten. Denk nur an die Sache mit dem Erstklässler vorhin." Remus lachte: „Leider wahr. Ich will ganz bestimmt nicht sagen, dass alle Slytherins Engel sind. Vermutlich ist der Prozentsatz an Arschlöchern größer als in Gryffindor, Hufflepuff und Ravenclaw. Gib nur denen, die du noch nicht kennst, die Chance, die sie verdienen." James und Remus setzten ihren Weg nun fort, und Sirius und Peter, die ihnen schweigend zugehört hatten, schlossen sich an.

Als die vier Freunde schließlich im Gemeinschaftsraum ankamen, setzten sie sich an den Kamin und begannen widerwillig mit den Hausaufgaben, denn Remus hatte ihnen gesagt, dass er seine eigenen Aufgaben auf jeden Fall jetzt erledigen würde. Und so saßen die Rumtreiber die gesamte große Pause im Gemeinschaftsraum und arbeiteten, so dass sie sich schließlich mit dem Gefühl etwas geschafft zu haben, auf den Weg zum Unterricht für Verteidigung gegen die dunklen Künste machen konnten.

Sie saßen schon seit einigen Minuten im Klassenraum, als endlich der neue Lehrer den Raum betrat und sich hinter das Lehrerpult stellte. „Guten Tag, mein Name ist Marik Rose. Ich komme aus Ägypten und bin ein ausgebildeter Auror. Falls also einige von ihnen vielleicht Auror werden möchten, erzähle ich ihnen gern, was sie erwartet." An dieser Stelle grinste James seine Freunde an, denn er und Sirius wollten Auroren werden. Der Lehrer fuhr fort: „Nun möchte ich zuerst einige Ankündigungen machen. Zum Unterricht: In den ersten zweieinhalb Monaten werden wir den Patronuszauber studieren, dann lernen wir einige stärkeren Verteidgungszauber kennen. Im Dezember werden wir uns ein wenig im Duellieren üben, und was wir nach den Weihnachtsferien machen, werde ich später entscheiden." James hatte die Worte gierig aufgenommen. Er hatte schon einiges über den Patronuszauber gelesen, hatte ihn tatsächlich selbst einmal ausprobiert, jedoch nichts weiter als ein wenig silberfarbenen Rauch zustande gebracht.

In dieser ersten Stunde lernten sie die Formel für den Patronuszauber kennen, doch die meisten schafften es nicht, auch nur irgendetwas Silbernes zu erschaffen. James und einige andere erzeugten eine wenig überzeugende silberne Wolke; doch der Lehrer betonte, dass sich niemand schämen müsse, weil dieser Zauber wirklich zu den richtig schweren gehöre.

Nach der Stunde machten sich die Freunde zusammen mit den meisten anderen auf den Weg in die große Halle, um dort Abendbrot zu essen. Sie trafen in der Eingangshalle auf die beiden McPhersons, die wohl auch gerade auf den Weg zum Essen waren. Sie gingen gerade an den Rumtreibern vorbei, als James kurz entschlossen auf Angelica zuging und sie fragte, ob sie einen Moment Zeit für ihn hätte. Angelica nickte und sagte ihrem Bruder, er solle schon mal vorgehen. Auch James sagte zu seinen Freunden: „Ich komme gleich nach", worauf diese nickten und verschwanden.

James sagte etwas verlegen: „Es tut mir Leid, ich habe wohl zu schnell geurteilt. Ich denke immer, dass alle Slytherins begeisterte Schwarzmagier mit einem Hass auf Muggle beziehungsweise Mugglegeborene sind." Sie nickte aufgebracht: „Es gibt durchaus auch Zauberer aus anderen Häusern, die das oder Schlimmeres denken." James nickte und wollte gerade etwas erwidern, als sie schon fortfuhr: „Aber eines möchte ich dir noch sagen, meine Familie ist weder schwarzmagisch interessiert, noch stehen wir hinter Voldemort und seinem verrückten Gerede von reinem Blut." Sie drängte ihn beiseite und wollte gerade die Halle betreten, als James rief: „Ich sagte doch, dass es mir leid tut, zu schnell geurteilt zu haben." Sie drehte sich noch einmal um und erwiderte: „Ist ja in Ordnung, ich nehme deine Entschuldung an. Nur lerne auch was draus!" Nach diesen Worten drehte sie sich um und verschwand wie zuvor ihr Bruder und James' Freunde in der großen Halle.

Als er kurz nach seinem Gespräch mit Angelica selbst die Halle betrat, dachte er über das eben Geschehene nach. Er hatte sich bei einer Slytherin entschuldigt - er wurde wohl tatsächlich erwachsen. Am Tisch angekommen, erzählte er seinen Freunden ruhig von dem eben Geschehenen. Sirius konnte es kaum glauben und Remus klopfte ihm lächelnd auf die Schulter und sagte: „Gut, das du über deinen Schatten gesprungen bist. Sirius witzelte: „Vielleicht geht sie irgendwann mit dir aus", doch James schüttelte lachend den Kopf und antwortete: „Ich will gar nichts von ihr, ich habe bloß über Remus' Worte nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, ihr die Chance zu geben, meine Meinung über die Slytherins zu verändern."

Sie saßen lange gemütlich beim Abendessen und gingen anschließend in den Gemeinschaftsraum, um noch ein wenig zu lernen, bevor sich James später in seine Wohnung begeben würde. James dachte noch immer über seine neuen Erkenntnisse nach. Plötzlich fiel ihm Sirius' scherzhafte Bemerkung von vorher ein und er sagte: „Obwohl Angelica eigentlich ganz hübsch ist!" Seine Freunde starrten ihn einige Augenblicke lang stumm an, dann fingen sie an zu lachen, und James fiel in ihr Lachen mit ein. Vom Tisch hinter ihnen stand plötzlich ein Mädchen mit langen roten Haaren auf und verließ den Gemeinschaftsraum.

Lily – denn sie war das Mädchen gewesen, dachte auf dem Weg zur Schulsprecherwohnung nach. Ihr war Angelica nie aufgefallen, und als sie heute in Zaubertränke aufgerufen wurde, fand sie sie auch eher normal aussehend, nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut.

Im Gemeinschaftsraum lachten die Rumtreiber noch immer, und als sie sich beruhigt hatten, sagte Sirius nach einigen tiefen Atemzügen schließlich: „Aber sie ist nicht so hübsch wie Lily, oder?" James schüttelte noch immer lächelnd den Kopf und antwortete: „Aber natürlich nicht!" Er stand auf und verabschiedete sich: „Ich mache mich mal besser auf den Weg ins Bett. Bis morgen!"