A/N: Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und ich habe am Freitag begonnen, meinen Balkon wieder in ein Frühlings-/Sommerparadies zu verwandeln (und bin noch lange nicht fertig damit). Im Augenblick sitze ich auf genau diesem Balkon un dsehe in Richtung ... Westen? Nordwesten? ... keine Ahnung wohin genau, aber ich weiß, dass irgendwo da hinten in nicht allzu großer Entfernung Ostfriesland und die Nordsee liegen.

Ich weiß nicht so genau, was ihr heute noch macht, aber ich habe fest vor, an dem neuen HP-Projekt weiter zu schreiben, dass ich Anfang März begonnen habe. Wenn ich es bis zum geplanten Veröffentlichungstermin (irgendwann im Spätsommer/Frühherbst) fertig haben will, sollte ich mich damit auch beeilen, denn es wird ein ziemliches Monster werden, mit wesentlich mehr (etwa 30) und längeren (etwa 15 - 17 Wordseiten) Kapiteln als dieses Werk. Ich sage nur soviel: Macht euch auf was gefasst. Es wird hoch her gehen ... oh, da fällt mir ein, ich sollte bis dahin auch Bodyguards engagiert haben, denn die werde ich ab einem bestimmten Zeitunkt wohl brauchen. Ihr werdet mich nämlich erst lieben, dann aber sehr schnell hassen °breitgrins° und am Ende werdet ihr ... naja, hoffentlich wieder versöhnt sein und ich kann meine Bodyguards wieder entlassen.

Wie auch immer, genug aus dem Nähkästchen geplaudert. Hier ist Kapitel 10 von der aktuellen Geschichte (ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob ich nicht doch heute schon Bodyguards brauche, da das hier schon sehr an "Charakter quälen" grenzt °grübel°. Naja, egal. Es hat trotzdem Spaß gemacht, das Kapitel zu schreiben).

Viel Spaß beim lesen.


Kapitel 10 – Schockstarre

Das mulmige Gefühl hielt bei Katie noch den gesamten Sonntag über an. Es war ungewöhnlich ruhig im Schloss, was hauptsächlich daran lag, dass ¾ der Schüler noch die Nachwirkungen der rauschenden Party im Gryffindoturm auskurierten und das letzte Viertel die Niederlage wohl noch nicht ganz verwunden hatte. Beim Frühstück war kaum jemand in der Großen Halle, auch wenn es schon weit nach zehn Uhr, und somit einige Stunden später war, als an normalen Schultagen. Am vollsten war der Ravenclawtisch, der zwischen den Tischen der Gryffindors und Hufflepuffs stand. Katie hatte das unbestimmte Gefühl, dass es daran lag, dass sie einfach die größte Erfahrung mit dem Gold-Champagner hatten, der gestern im Gryffindorturm die Stimmung erst so richtig zum kochen gebracht hatte. Doch auch an diesem Tisch klafften riesige Lücken. Cho konnte sie nicht entdecken, und auch der Kapitän der Ravenclaws war nirgends zu sehen. Dafür sorgte allerdings Dean Morgan am unteren Ende für Stimmung, als er irgendeinen Witz oder kleine Anekdote zum besten gab.

Leise in sich hinein lachend wandte sie sich von diesem Anblick ab und angelte quer über den Tisch nach dem Brötchenkorb. Sie saß alleine am Tisch, denn in ihrem eigenen Schlafsaal hatte sich noch niemand auch nur ansatzweise gerührt und von den im Moment Anwesenden kannte sie niemanden gut genug, um sich dazu zu setzen. Außerdem war sie sich nach der kleinen ungeplanten Showeinlage mit Oliver am Vorabend nicht so ganz sicher, ob sie beim Großteil der Gryffindors überhaupt noch willkommen war. Die unbestimmten Blicke, die ihr an diesem Sonntag Vormittag immer wieder zugeworfen wurden, sprachen da immerhin eine sehr deutliche Sprache.

Schweigend kaute sie schließlich an ihrem Brötchen, nippte hin und wieder an ihrem Kaffeebecher und ließ den Blick wieder durch die Große Halle schweifen, bis er schließlich am Slytherintisch hängen blieb. Dort hatten sich inzwischen die leeren Plätze weiter gefüllt, auch wenn niemand dort einen wirklich frischen oder glücklichen Eindruck machte.

'Die haben sich wohl gestern den Frust ziemlich von der Seele getrunken.', meinte Katie in Gedanken zu sich selber. 'Kein Wunder, nachdem sie sich so sicher waren, das Ding gestern zu gewinnen, nur um dann doch noch von uns abgefangen zu werden. Harry sei Dank, kann ich nur sagen.'

Sie war so in ihren Gedanken versunken, dass sie erst mit einiger Verzögerung bemerkte, dass sie von diesem Tisch aus angesehen wurde. Chris Warrington sah sie mit einem seltsam nachdenklichen Ausdruck in den Augen an, der ihr mulmiges Gefühl, dass sie seit dem vergangenen Abend beherrschte, noch stärker machte. Suchend sah sie sich in seiner näheren Umgebung um und stellte fest, dass bis aus Miles Bletchley und Adrian das gesamte Slytherinteam inzwischen anwesend war. Irritiert runzelte sie die Stirn und warf Chris einen fragenden Blick zu. Dieser gab den Blick jedoch ziemlich finster zurück und wandte sich schließlich von ihr ab.

„Was war das denn?", murmelte sie leise vor sich hin und ließ verblüfft ihren Kaffeebecher sinken, aus dem sie gerade einen großen Schluck getrunken hatte.

„Was war was?", fragte eine Stimme hinter ihr, die sie gleich als Leannes erkannte.

„Nichts.", meinte sie daraufhin jedoch nur und griff nach einem weiteren Brötchen, als Leanne sich neben sie an den Tisch setzte und erstmal herzhaft gähnte.

Katie sah sie unterdrückt grinsend an, hob kommentarlos die Kaffeekanne an und kippte Leanne den Becher voll. Diese warf ihr einen dankbaren Blick zu und legte gleich die Hände um den Becher, um in kleinen Schlucken zu trinken. Milch und Zucker ignorierte sie völlig.

„Wow!", meinte Katie spöttisch und biß herzhaft in ihr Brötchen. „Mir scheint, du bist gestern Abend ziemlich abgestürzt."

„Abgestürzt ist gar kein Ausdruck.", antwortete Leanne gequält und sah finster zum Ravenclawtisch hinüber. „Erinnere mich daran, dass ich nie wieder mit Ravenclaws zusammen feiere. Die haben allesamt keine Ahnung, wann Schluß sein sollte."

„Das liegt wahrscheinlich eher daran, dass die mit bestimmten Getränken mehr Erfahrung haben, als wir."

Leanne nickte und starrte in ihren Kaffeebecher.

„Mhhmmmm", brummelte sie. „Gold-Champagner mag zwar gut schmecken, aber haut auch ziemlich rein. Das sollte einem vorher gesagt werden."

„Kann ich nicht beurteilen.", meinte Katie trocken. „Ich habe nur zwei bis drei Schlucke davon gehabt."

„Und danach hast du Gryffindors Dreamboy Nummer 1 mal wieder einen ziemlichen verbalen Kinnhaken verpaßt.", entfuhr es Leanne, bevor sie sich zurückhalten konnte. Ein genervtes Stöhnen entwich ihr und sie wedelte mit einer unbestimmten Geste mit der Hand durch die Luft. „Vergiss es. Das hätte ich nicht sagen sollen, auch wenn ich es wirklich nicht begreife, warum zum Henker du das getan hast."

„Stimmt.", stimmte Katie ihr zu. „Das hättest du nicht sagen sollen. Ich muß mich für meine Entscheidungen nicht rechtfertigen."

„Habe ich auch nie von dir verlangt. Ich verstehe deine Entscheidung nur nicht. Das ist alles." Aufstöhnend stützte Leanne den Kopf in die Hände. „Ich glaube, ich lege mich gleich wieder ins Bett. Mir geht's wirklich übel."

Katie warf ihrer Freundin einen leicht verwirrten Blick zu und wandte sich dann kopfschüttelnd ab. Leanne sah wirklich ziemlich mitgenommen aus und es wäre wirklich das beste, wenn sie sich wieder ins Bett verzog. Sie hätte zwar nichts gegen Gesellschaft gehabt, aber sie würde den Tag auch anders irgendwie platt kriegen, wenn es sein mußte.

„Ja, mach das mal.", meinte sie schließlich. „Du siehst wirklich nicht gut aus."

Leanne stöhnte gequält auf und ließ den Kopf schließlich ganz auf die Tischplatte sinken.


Den Rest des Sonntags verbrachte Katie weitestgehend alleine. Nach dem Frühstück machte sie einen großen Spaziergang über die Hogwartsländereien und am See entlang, um den Kopf einigermaßen klar zu kriegen und um das merkwürdige Gefühl im Magen los zu werden, dass jedoch eher immer schlimmer wurde, statt besser. Sie konnte es sich selber nicht erklären, aber sie hatte das ungute Gefühl, als würde sie die berühmte Ruhe vor dem Sturm erleben.

Nachmittags verzog sie sich in die Bibliothek, um für die jetzt unaufhaltsam näher rückenden Prüfungen zu lernen. David gesellte sich nach einer Weile zu ihr und im stummen Miteinander arbeiteten sie sich durch ihre Bücher und Notizen. Nach und nach füllte sich die Bibliothek allerdings, denn viele schienen ebenfalls realisiert zu haben, dass die Prüfungen nicht mehr lange hin war. Es gab eigentlich kaum jemanden, der an diesem Tag nicht lernte oder durch die Regalreihen schlich, und da Katie an einem strategisch sehr günstigen Tisch saß, von dem aus man die Eingangstür im Auge behalten konnte, konnte sie das allgemeine Kommen und Gehen recht gut beobachten.

Cho winkte ihr kurz zu, als sie durch die Tür trat, verzog sich aber gleich darauf zu einigen ihrer Ravenclawfreunde an einen anderen Tisch. Fred und Lee guckten kurz suchend durch die Tür und verschwanden gleich darauf wieder. Wahrscheinlich waren sie auf der Suche nach George, denn freiwillig lernten sie so schnell nicht, wenn es sich vermeiden ließ. Das wußte Katie nur zu gut. Ihre beiden Schlafsaalkameradinnen, mit denen sie nur ein recht loses Verhältnis hatte, saßen einige Tische weiter und kämpften sich durch Verwandlung und Zauberkunst, wie Katie an den Büchern erkannte, die sie auf dem Tisch liegen hatten.

„Könntet ihr noch ein kleines Eckchen für mich frei machen?", meinte jemand neben ihr, und als Katie aufsah, sah sie Matt, der sie fragend ansah. „Hier scheint man heute ja ohne Reservierung keinen Tisch zu kriegen."

„Das Geheimnis ist, dass man heute schnell genug ist.", gab David bereitwillig Auskunft und schob mit dem Fuß einen Stuhl soweit unter dem Tisch hervor, dass Matt sich setzen konnte, während Katie einige Bücher vom Tisch auf einen anderen Stuhl umpackte, um für Matt ein wenig Platz auf dem Tisch zu machen.

„Danke", meinte Matt, ließ sich zu den beiden am Tisch nieder und packte den gerade frei gewordenen Teil der Tischfläche nun mit seinen eigenen Unterlagen voll, bevor er Katie fragend ansah. „Irgendwas davon gehört, wie Adrian die Niederlage gestern verkraftet hat?"

Katie schüttelte den Kopf und ließ seufzend ihre Feder sinken.

„Nein, der ist den ganzen Tag über noch nicht aufgetaucht. Und ich habe irgendwie ein merkwürdiges Gefühl. So als ob etwas nicht stimmt."

„Wie meinst du das?", fragte David sie und sah sie jetzt auch neugierig an.

„Ich weiß nicht. Es ist so ein komisches Gefühl.", meinte Katie, zuckte mit den Schultern und ließ den Blick unbestimmt durch die Bibliothek wandern, bis er an Miles Bletchley hängen blieb, der mit Chris Warrington und einigen weiteren Freunden an einem Tisch saß und lernte. Als ob er es ahnen würde, dass sie ihn ansah, hob er den Blick, sah sie leicht skeptisch an und schubste dann Chris Warrington leicht an, damit dieser aufsah. Miles nickte zu Katie hinüber und als Chris sah, was Miles meinte, veränderte auch dieser den Blick und erreichte damit, dass es Katie kalt den Rücken runter lief.

Auch Matt und David schienen diese Blickkontakte bemerkt zu haben.

„Was ist denn mit denen los?", fragte Matt verwirrt. „So extrem nachtragend können die doch nun wirklich nicht sein. Es kann doch nunmal nur einer gewinnen. Und in diesem Jahr wart ihr das halt."

„Ja", meinte Katie nachdenklich und wandte den Blick von den Slytherins ab. „Allerdings habe ich irgendwie nicht das Gefühl, als würde es hier um Quidditch gehen. Ich wünschte nur, Adrian würde sich endlich blicken lassen, damit ich endlich weiß, was da abgeht. Diese Unsicherheit macht mich wahnsinnig."

Sie sah, wie Matt und David einen kurzen Blick wechselten, tat aber so, als würde sie es nicht bemerken. Ihr Magen zog sich allerdings heftig zusammen und sie konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, in einem leichten Anfall von Panik aus der Bibliothek zu stürzen.


Das mulmige Gefühl hielt auch den Rest des Sonntags über an. Adrian tauchte nicht mehr in der Bibliothek auf und auch beim Abendessen ließ er sich nicht blicken. Dafür war aber Oliver inzwischen aufgetaucht. Ziemlich verkatert zwar und auch nicht sonderlich ausgeschlafen, aber zumindest soweit wach, dass er etwas essen konnte. Sein Blick traf kurz auf Katies, doch das war auch alles, was er tat, um ihre Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen. Katie selber vergrub den Kopf in den Händen und fragte sich, wieso sie sich nur so verflucht unwohl fühlte, wenn sie eigentlich nach dem gestrigen Tag in absoluter Hochstimmung befinden sollte. Das konnte nicht nur an dem Streit mit Oliver liegen. Dieses Gefühl hatte sie vorher schon gehabt.

Sie schlief unruhig in dieser Nacht und war am Montag Morgen eine der Ersten in der Großen Halle. Heute konnte Adrian sich nicht mehr verkriechen, denn schließlich gab es heute wieder Unterricht. Doch ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn Adrian kam erst kurz vor dem Ende des Frühstücks in die Große Halle gestürzt, schlang im Rekordtempo zwei Brötchen und einen Becher Kürbissaft herunter und verließ sie dann mit einigen seiner Jahrgangskameraden im Eiltempo wieder. Katie selber hatte keine Chance, ihn zu erwischen, denn in der allgemeinen Aufbruchstimmung kam sie nicht schnell genug an ihn heran.

Den ganzen Tag über versuchte Katie, Adrian zu erwischen, doch sie hatte keinen Erfolg. Erst hatte sie noch ihre unterschiedlichen Stundenpläne als Erklärung dafür, dass sie sich immer wieder verpassten, doch spätestens beim Mittagessen wurde ihr klar, dass dies nicht der alleinige Grund sein konnte. Adrian hatte in der Eingangshalle nämlich klar und deutlich gesehen, dass sie auf ihn zu kam, doch er wandte lediglich den Blick ab und verschwand im Gewusel der sich in die Große Halle drängenden Schüler. Katie rief ihm zwar nach, dass er gefälligst warten sollte, was ihr einige überraschte Blicke einbrachte, doch er hatte sie entweder nicht gehört oder er wollte sie nicht hören. Verärgert machte sie sich schließlich auf zum Gryffindortisch, hakte missmutig auf ihre Frikadellen ein und versuchte stur, wieder Blickkontakt mit Adrian aufzunehmen. Doch dieser machte nichtmal ansatzweise den Eindruck, als würde ihn interessieren, was am Gryffindortisch vor sich ging.

„Und? Hast du endlich kapiert, was hier in den letzten Wochen wirklich gelaufen ist?"

Finster starrte Katie Angelina an, die neben ihr saß und den triumphierenden Ausdruck in ihren Augen nicht ganz verbergen konnte.

„Wir haben dich gewarnt, Katie.", meinte nun auch Alicia, die ihr gegenüber saß und sie mit einem leicht mitfühlenden Lächeln bedachte. „Er hat mit dir gespielt. Es ging immer nur darum, dich für das Spiel so weit zu verwirren oder dich um ein paar unserer Teamgeheimnisse zu erleichtern, um den Pokal für Slytherin zu sichern. Es hätte genauso gut einer der anderen sein können, die sich an dich ranmachen. Oder an Angelina und mich. Dass es dich und Pucey getroffen hat, war reiner Zufall."

„Geschickt von Snape eingefädelt.", warf Angelina ein und angelte mit der Gabel nach einer weiteren Frikadelle.

„Wisst ihr, wenn ihr keine Ahnung habt, von was ihr redet, lasst es lieber bleiben.", gab Katie verärgert zurück und stand auf. „Das zwischen mir und Adrian hat schon angefangen, bevor Snape seine schmierigen Finger da mit reingebracht hat. Ihr habt absolut keine Ahnung, was da wirklich die ganze Zeit über gelaufen ist."

Schlecht gelaunt schlang sie sich ihren Rucksack über eine Schulter und ging davon. Das wieder stark in den Vordergrund tretende mulmige Gefühl in ihrem Magen versuchte sie krampfhaft zu ignorieren.

„Ach, aber du, oder wie?", gab Angelina so laut zurück, dass sich jetzt mehrere Köpfe zu ihnen herumdrehen. Köpfe, deren Besitzer nicht nur am Gryffindortisch, sondern auch am Ravenclawtisch saßen.

Katie winkte jedoch mit einem genervten Schnauben ab, und machte sich nichtmal die Mühe, sich zu Angelina umzudrehen. Stattdessen lief sie schnurstracks auf den Slytherintisch zu, um endlich Klarheit zu kriegen. Sie betete stumm, dass sie sich nicht in Adrian geirrt hatte und ihre Freunde doch immer Recht gehabt hatten, aber sie fragte sich inzwischen auch, was Adrian überhaupt am Anfang dazu gebracht hatte, ihr zu helfen. Dass es lediglich ein Gefallen war, den er seinem Cousin noch schuldete und deshalb bei ihr einlöste, hatte sie ihm noch nie so recht geglaubt. Dazu war er einfach viel zu sehr Slytherin. Und die waren nicht einfach mal so nett, nur weil ein Verwandter aus einem anderen Haus das wollte.

„Adrian, wir müssen reden.", meinte sie laut, als sie nahe genug bei ihm war. Ihre Tonlage war so entschlossen dass allen die zuhörten deutlich bewußt wurde, dass sie es ernst meinte. „Ich habe es jetzt anderthalb Tage lang hingenommen, dass du mich ignorierst, und zumindest gestern habe ich dir zugestanden, dass du eure Niederlage erstmal verdauen mußt, aber heute zieht das nicht mehr. Ich will jetzt endlich wissen, was Sache ist."

Adrian drehte sich langsam und so überdeutlich gelassen um, dass allen klar wurde, dass er gerade das im Moment absolut nicht war. Fragend hob er eine Augenbraue und sah sie einfach nur an.

„Was?", fauchte sie ihn an. „Ist das wirklich so verwunderlich, dass ich wissen will, was mit meinem Freund los ist, wenn er mich regelrecht ignoriert? Ich habe gedacht, da läuft was zwischen uns. Ganz oder gar nicht, erinnerst du dich? So lange ist das noch nicht her, aber scheinbar hast du schon wieder völlig vergessen, dass wir zusammen sind. Entweder das, oder du hast einen Klatscher zuviel von Fred oder George abbekommen."

Adrian lachte trocken auf und neigte den Kopf skeptisch zur Seite.

„Sind wir das?", fragte er schließlich leise und so deutlich lauernd, wie es eben nur ein Slytherin hinbekam. „Sind wir tatsächlich zusammen, Katie?"

Katie stutzte kurz, setzte zu einer Antwort an und schloss den Mund gleich darauf wieder, um ihn verwirrt anzusehen. Was sollte das denn jetzt? Das mulmige Gefühl wurde so stark wie nie und sie hatte Mühe, sich nicht hier und jetzt zu übergeben. Sie versuchte es nochmal mit einer Antwort und diesmal schaffte sie es sogar. Wenn auch nicht ganz so fest und sicher, wie sie es sich gewünscht hätte.

„Sie hatten die ganze Zeit über recht, nicht wahr?", würgte sie ziemlich tonlos hervor. „Du hast mir immer nur was vorgespielt. Du hast mich nach Strich und Faden verarscht und ich war so naiv, darauf herein zu fallen. Merlin, wie konnte ich nur so blöd sein?"

Kopfschüttelnd vergrub sie das Gesicht in den Händen und atmete tief durch, um ihn nicht mehr ansehen zu müssen und Haltung zu bewahren. Und um vor den spöttischen Blicken der Slytherins um ihn herum sicher zu sein, genau wie vor den mitfühlenden Blicken der Hufflepuffs. Sie konnte keinem von ihnen diese Blicke verdenken, denn sie hatte sich hier wirklich gerade kolossal blamiert. Es würde in Jahren noch Gesprächsstoff sein, dass es einem Slytherinspieler tatsächlich erfolgreich gelungen war, eine Gryffindorspielerin für dumm zu verkaufen.

„Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.", konnte sie Adrians Stimme hören. Dieser Satz war wie ein gewaltiger Schlag in die Magengrube, und wenn sie sich nicht stark irrte, war er inzwischen aufgestanden und stand direkt vor ihr.

Langsam und resigniert ließ sie die Hände sinken und wappnete sich davor, wieder diesem faszinierenden Blick aus seinen tiefblauen Augen ausgesetzt zu sein, der sie die ganze Zeit über so in seinen Bann gezogen hatte. Adrian stand tatsächlich inzwischen direkt vor ihr, doch in seinen Augen war nichts mehr von all dem zu sehen, was sie dort in den letzten Wochen gesehen hatte. Vor ihr stand wieder der reservierte, kalte, spöttische Slytherin, den sie schon seit Jahren kannte. Eine klassische Wendung um 180°. Alles auf Anfang.

„Einer von uns hat den anderen tatsächlich verarscht.", meinte er leise und trat noch einen Schritt näher auf sie zu, was sie reflexartig dazu brachte, einige Schritte zurück zu weichen. Doch Adrian ließ nicht zu, dass sie Abstand zwischen sie brachte und ging weiter. „Die Frage ist nur, wer hier wen verarscht hat. Kannst du mir das vielleicht verraten?"

Überrumpelt blieb Katie nun doch stehen und sah ihn leicht ungläubig an.

„Wer hier wen …?", fing sie an, brach jedoch ab, da sie absolut nicht begriff, was hier gerade vor sich ging. Verwirrt schüttelte sie den Kopf, um wieder einigermaßen klar denken zu können. „Was soll das denn jetzt? Willst du etwa allen ernstes mir die Tatsache in die Schuhe schieben, dass du ein manipulatives Arschloch bist, der keine Skrupel hat, auf den Gefühlen anderer Leute rum zu trampeln?"

„Nein, Katie.", gab er jetzt lauter zurück und auf seiner kühlen, zurückhaltenden Fassade, die er bisher an den Tag gelegt hatte, waren kurzfristig leichte Risse zu erkennen, die von deutlicher Verärgerung zeugten, bevor er sich wieder fing. „Ich habe es nicht nötig, dir irgendwas in die Schuhe zu schieben, wenn du es perfekt selber schaffst, dir Schuld aufzuladen. Nicht ich bin es, der dich verarscht hat. Du hast mich verarscht, denn du hast nie wirklich mich haben wollen, sondern immer noch ihn. Es ging immer noch um Woody-Boy, als du angeblich mit mir zusammen warst. Nicht um mich. Ich habe wirklich kein Problem damit, diesen Idioten mit dir zusammen ein wenig zu verarschen. Das habe ich, denke ich, in den letzten Wochen deutlich genug gezeigt. Aber ich habe definitiv ein Problem damit, wenn ich in diese Verarsche nicht eingeweiht bin." Mit finsterem Blick trat er auf Katie zu und sah sie so drohend an, dass sie leicht ins schwanken geriet. „Du hast einen gewaltigen Fehler gemacht, einen Slytherin auf solchem Niveau zu verarschen, Kitty. Wenn ich du wäre, würde ich also möglichst schnell möglichst viel Abstand zwischen uns beide bringen.", warnte er sie so leise, dass sogar Katie Mühe hatte, ihn zu verstehen.

„Ich habe absolut keine Ahnung, was du meinst.", stammelte sie verwirrt. „Wie kommst du darauf, dass ich dich verarsche? Und was hat Oliver damit zu tun? Das mit ihm ist endgültig vorbei. Merlin nochmal, ich habe sogar unsere eigene Siegesparty kurzfristig gesprengt, als ich ihm das vorgestern Abend im gerammelt vollen Gemeinschaftsraum nochmal an den Kopf geknallt habe."

„Du bist entweder eine verdammt gute Schauspielerin, Katie Bell, oder ziemlich wankelmütig.", meinte Adrian trocken, der sich jetzt wieder abwandte und auf seinen Platz zurück ging. „Denn nach der Siegerehrung vor eurer Kabine sah das noch völlig anders aus."

Es dauerte einen Moment, bevor Katie kapierte, was Adrian da gesagt hatte, doch dann riss sie entgeistert die Augen auf und stieß danach einen herzhaften Fluch aus. Humorlos auflachend sah Adrian nochmal zu ihr herüber und setzte sich dann zwischen Miles und Chris wieder an den Slytherintisch.

„Ihr hättet euch noch zwei Minuten länger beherrschen sollen, dann hättest du mich weiterhin verarschen können, Bell. Dann wäre ich so schnell nicht dahinter gekommen, was für ein falsches Spiel du da tatsächlich treibst."

„Das hast du völlig falsch verstanden, Adrian.", flüsterte Katie und ging langsam ein paar Schritte auf ihn zu, bevor sie stehen blieb und ihn bittend ansah. „Das war nicht so wie es aussah."

„Also für mich war das ziemlich eindeutig.", gab Adrian zurück und wandte ihr den Rücken zu, um ihr zu zeigen, dass das Gespräch für ihn beendet war.

„Adrian, bitte.", versuchte sie es nochmal. „Das was du da gesehen hast, war wirklich nicht so, wie es ausgesehen hat."

„Hör gefälligst auf, um den heißen Brei herum zu reden, wenn du schon keine Ruhe geben kannst, Katie.", fuhr Adrian sie so heftig an, dass sogar seine eigenen Freunde ihn verwundert ansahen. „Zeig gefälligst soviel Anstand, deinen angeblichen Gryffindormut zu beweisen und sag klipp und klar, was da gelaufen ist. Du und Wood habt so hemmungslos miteinander geknutscht, dass nicht viel gefehlt hat, und ihr wärt euch gegenseitig an die Wäsche gegangen. Und du glaubst ernsthaft, ich würde das einfach so kommentarlos hinnehmen? Tut mir leid, aber da bist du schief gewickelt. Und jetzt verschwinde gefälligst, bevor ich mich endgültig vergesse und dir einen wirklich hinterhältigen Fluch auf den Hals hetze."

Aufgeregtes Geraune war nach diesem Ausbruch von Adrian in der Großen Halle zu hören und Katie wünschte sich verzweifelt, einfach im Boden versinken zu können. Diese Wendung der Dinge hatte sie nicht voraus geahnt. Dass Adrian diesen Kuß gesehen haben könnte, der sie selber so völlig überrumpelt und verwirrt hat, hatte sie nichtmal ansatzweise geahnt. Allerdings war es bei näherer Betrachtung gar nicht so unwahrscheinlich, denn ihre Kabinen waren nicht soweit voneinander entfernt.

„Ich habe diesen Kuß nicht gewollt, Adrian.", meinte sie resigniert. „Es war eine spontane Sache im Siegesrausch und wenn du noch einen Moment länger gewartet hättest, dann hättest du gesehen, dass ich mich von Oliver losgerissen und ihm gesagt habe, dass das mit uns definitiv vorbei ist."

„Ich habe gesehen, wie du seinen Kuß erwidert hast und das hat mir gereicht.", gab Adrian sauer zurück. „Und du kannst nun wirklich nicht von mir erwarten, dass ich mir das ganze Schauspiel bis zum Ende ansehe, wenn ich es vermeiden kann."

Mit viel zu viel Schwung hieb er daraufhin seine Gabel in eine Frikadelle und biß hinein. Katie sah ihn immer noch völlig entgeistert an und wandte sich dann ab. Vollkommen durcheinander verließ sie die Große Halle und stürzte die große Marmortreppe hinauf und von dort aus schließlich weiter. Sie achtete kaum darauf, wo sie hin ging und sah erst auf, als sie fast mit etwas zusammen stieß. Verwirrt blinzelnd sah sie auf ein hohes Bücherregal, dass sie als genau das Regal in der Bibliothek erkannte, hinter dem sie sich mehr als einmal mit Adrian wiedergefunden hatte. Mal freiwillig, mal unfreiwillig, aber immerhin so oft, dass es schon fast ihr Bücherregal war. Leise aufschluchzend sackte sie schließlich zu Boden und vergrub das Gesicht in den Händen. In diesem Moment brach alles einfach nur über ihr zusammen und ihr Magen krampfte sich noch mehrfach zusammen, bevor sie dieses mulmige Gefühl endgültig weg geheult hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie aus diesem Schlamassel wieder hinaus kommen sollte.


A/N: Meine Güte, was für ein Chaos. Aber irgendwie auch wieder lustig. Zumindest aus meiner Sicht, denn ich hatte einen Heidenspaß dabei, diese Wendung der Dinge zu schreiben, das könnt ihr mir glauben. Allerdings ist eure Sicht der Dinge für mich im Moment wesentlich interessanter. Also, haut in die Tasten und teilt es mir mit. Vielleicht schafft ihr es ja tatsächlich bei den letzten beiden Kapiteln noch die 100-Reviews-Marke zu knacken. Es fehlen nur noch 22 Reviews. Das sollte zu schaffen sein, oder? Damit würdet ihr mir eine Riesenfreude machen und mich enorm anspornen, mein neues, großes Meisterwerk weiter voran zu treiben.

Ich freue mich über jede Review, egal ob kurz und knapp oder lang und ausführlich (auch wenn ich an diesen mehr Spaß habe, weil es einfach mehr zu lesen gibt). Und von mir aus dürfen die Reviews einer gewissen Leserin auch weiterhin "wiederholend/eintönig" bleiben und erst sehr spät eintrudeln, solange sie überhaupt kommen. Denn ich liebe diese "wiederholend/eintönigen" Reviews von ihr sehr.