Hier ein kleines Kapitel, pünktlich zu Weihnachten. Entschuldigt bitte, die lange Verzögerung, aber ich hatte viel mit der Schule am Hals.
Würde mich sehr über ein paar weihnachtliche Reviews freuen :)
LG und Frohe Weihnachten.
Lucia
Amicitia et fides
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Freundschaft und Treue
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Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.
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Kapitel 10
Draco
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Dreizehn Tage – dreizehn verdammte Tage, in denen die Sorge um Lucius Severus fast verrückt gemacht hatte. Noch nie hatten die Gryffindors in so kurzer Zeit so viele Punkte verloren. Und Lucius' Brief hatte seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt – nun ja, fast. Immerhin war sein ... Freund noch am Leben. Schon das genügte, um eine Welle der Erleichterung durch Severus' Körper fluten zu lassen. Doch das gesamte Pergament war mit blutigen Fingerabdrücken und zahlreichen Flecken der gleichen Herkunft übersät. Außerdem war Lucius' Schrift so krakelig, dass Severus sie kaum entziffern konnte. Sofort nachdem er Lucius' Schreiben gelesen hatte, griff er zur Feder und setzte eine Antwort auf.
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Sehr geehrter Mr. Malfoy,
ich habe mittlerweile noch einmal mit Ihrem Sohn gesprochen. Draco lässt ausrichten, es gehe ihm gut, er komme in der Schule hervorragend zurecht und er habe, Zitat: „einige uneinsichtige Mitschüler in Bezug auf ihre falsche Auffassung über die Ehre des Namens Malfoy korrigieren können", Zitat Ende.
Auf Ihre Bemerkung bezüglich meiner Interpretationsfreiheit will ich hier lieber nicht eingehen, ich könnte sonst leicht etwas unhöflich wirken.
Hochachtungsvoll
Prof. Severus Snape.
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Nachdem er den ersten Teil des Briefes verfasst hatte, machte Severus sich sofort an den später zu verbergenden zweiten Teil
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Lieber Lucius,
zu allererst: Ich nehme deine Entschuldigung an. Dann: Ich kapituliere. Ich kapituliere vor deinem Starrsinn, deinem Stolz und deiner Arroganz. Vermutlich sollte es mir gleichgültig sein, ob du die Wachen so provozierst, dass sie dich zu Brei schlagen oder dich verfluchen, bis du zu einem undefinierbaren schleimigen Etwas geworden bist. Aber es ist mir nicht egal, Lucius! Und Narcissa oder deinen Sohn würde es mit Sicherheit auch nicht kalt lassen – auch wenn ich ihnen natürlich niemals erzählen werde, in was für eine Lage du dich gebracht hast. Sie haben auch so schon genug Sorgen.
Wenn du dich für deine Ehre oder für die deiner Familie schlagen lassen willst, dann kann ich es nicht ändern. Aber ich bitte dich hiermit nachdrücklich, dich nicht auch noch für meine „Ehre" in den Ring zu werfen – ich bin Todesser, Spion und Slytherin, meine Ehrbegriffe sind äußerst vage und keinesfalls wert, dass du für sie – oder mich – deine Gesundheit riskierst. Obwohl ich die Geste von dir durchaus zu schätzen weiß. Übrigens wäre ich interessiert zu hören, wie und in welchem Zusammenhang dieser Wächter mich beleidigt haben soll. Und ich bitte um Ehrlichkeit deinerseits!
Ich bezweifle sehr stark, dass es dir gut geht – da du offenbar gezwungen bist, mit der linken Hand zu schreiben, darf ich wohl eine nicht ganz unbedeutende Verletzung im Bereich der rechten annehmen. Auch wenn du mir mitteilst, dass du einen Wächter schwer verletzt – ich lese zwischen den Zeilen: „fast umgebracht" – hast in einem deiner unkontrollierbaren Wutausbrüche und man dir das doppelt und dreifach vergolten habe, deutet das nicht eben darauf hin, dass du dich wohl befindest. Was ist die dreifache Steigerung von „schwer verletzt"?
Ja, meine heilkundlichen Ratschläge waren zweifellos gut gemeint – wenn ich auch wenig Hoffnung hatte, dass man dir die Möglichkeit lassen würde, sie anzuwenden. Ich weiß, dass du in allem, was mit Heilen und Zusammenfügen zu tun hat, ein fast hoffnungsloser Fall bist, du verstehst dich hauptsächlich auf die Kunst der Folter und der Zerstörung. Da viel Zeit verging, bis deine Antwort mich erreichte – auch nicht eben ein Zeichen deiner guten Gesundheit –, habe ich inzwischen ausgiebig recherchieren können. Es existiert ein Heilfluch von allgemeinerer Art, der sich ohne Zauberstab anwenden lässt. Er lautet schlicht „cura curatio", und wenn dir etwas an unserer Freundschaft liegt, dann wirst du ihn verdammt noch mal anwenden!
Der Spruch funktioniert wie folgt: Du schließt die Augen und konzentrierst dich auf deinen magischen Kern – so lange, bis du seine Energie bildlich vor dir sehen kannst. Dann denkst du – nicht sprechen! – „cura curatio", und zwar so intensiv, dass du die Worte deutlich in deinem Kopf hören kannst. Dadurch sollte eine ziemliche Spannung in deinem Körper entstehen, die sich eventuell etwas unangenehm anfühlen könnte – dies nur zu Warnung, damit du dich nicht durch ein etwaiges Unbehagen davon abbringen lässt, den Zauber zu Ende zu führen. Wenn die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat – du merkst das daran, dass sie unerträglich wird –, lass sie explodieren und schick die Energie in jede Zelle deines Körpers. Auch wenn du keine „Leuchte" in Heilkunde bist, das solltest du schaffen. Der Spruch wird nicht alles heilen können, sollte aber zu einer deutlich spürbaren Verbesserung deines Allgemeinzustandes führen. Und wenn du kannst, schreib mir, wo und wie du verletzt wurdest. Ich werde dann versuchen, speziellere Zauber ausfindig zu machen.
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An diesem Punkt ließ Severus die Feder sinken, erhob sich und verließ eiligen Schrittes seine Privaträume. Diesmal würde Draco Lucius schreiben, und wenn er den Jungen dafür unter den Imperius setzen musste. Lucius brauchte einfach Nachricht von seinem Sohn, um durchzuhalten. Vielleicht sollte er auch Narcissa bitten, ihrem Mann zu schreiben, da dieser sich offensichtlich nicht dazu überwinden konnte, von sich aus mit ihr in Kontakt zu treten.
Vor der Tür zu den Slytherin-Quartieren angekommen, zischte Severus ein nachdrückliches „Vipera aspis!" und stürmte in den Gemeinschaftsraum, ohne sich vorher irgendwie anzukündigen. „Draco Malfoy!", fuhr er einen Zweitklässler an, der an einem der Tische saß und ihn wie paralysiert anstarrte. „Wo?"
Mit zitternder Hand wies der Junge auf die Tür zu den Jungenschlafräumen. Severus eilte zum Dormitorium der Sechstklässler und machte sich auch hier nicht die Mühe anzuklopfen, ehe er eintrat. Das Zimmer war leer, bis auf Draco, der auf seinem Himmelbett saß, ein Buch in den Händen, und überrascht aufblickte, als die Tür gegen die Wand krachte und er sich unvermittelt seinem Hauslehrer gegenüber sah.
„Draco."
„Professor", grüßte Lucius' Sohn mit einem schiefen und respektlosen Lächeln zurück. „Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?"
„Ich habe erneut einen Brief von deinem Vater erhalten. Er macht sich Sorgen um dich. Du wirst ihm schreiben."
„Und wenn nicht?", fragte Draco herausfordernd.
Severus zog den Zauberstab, richtete ihn wie beiläufig auf seinen Schüler. „Ich bin sicher, dass du das nicht wissen willst."
„Sie mieser" –
„Sei lieber still, ehe es zu spät ist!", fuhr Severus ihm herrisch über den Mund. „Wir sind beide am Wohlergehen deines Vaters interessiert, du und ich, und wir sollten" –
„Die Frage ist nur, welcher Art dieses Interesse ist, nicht wahr, Professor Snape?", fauchte Draco zurück. Seine Augen waren zu Schlitzen verengt und funkelten drohend. „Nun? Welcher Art ist Ihr Interesse an meinem Vater ... Sir?"
„Colloportus!", befahl Severus ruhig, indem er seinen Zauberstab auf die Tür richtete. „Wir müssen reden. Ungestört."
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Eine halbe Stunde später saß Severus wieder an seinem Schreibtisch, um seinen Brief an Lucius zu beenden.
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Was Draco betrifft – ich versuche es, Lucius, ich versuche es wirklich. Woher bist du dir eigentlich so sicher, dass der Junge nach seiner Mutter gekommen ist? Sein Starrsinn hat verdammt viel Ähnlichkeit mit deinem eigenen. Immerhin ist es mir gelungen, ihm ein paar Zeilen an dich abzuringen, die ich unten angefügt habe. Ich will auch versuchen, mit Narcissa über Bellatrix zu reden, aber ich kann nichts versprechen.
Immer noch in Sorge
Severus.
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Unter sein eigenes Schreiben fügte er Dracos Nachricht an.
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Lieber Vater,
es geht mir gut. Mach dir nicht zu große Sorgen um mich und Mutter.
Ich glaube, du hast ein falsches Bild von Tante Bellatrix. Mag sein, dass sie ein wenig ... ungewöhnlich ist, aber sie gibt sich sehr viel Mühe mit mir. Sie lehrt mich Okklumentik, ohne dass ER es weiß, und sie hat es von sich aus angeboten. Ich glaube wirklich, dass sie uns helfen will – nun, zumindest soweit es mich und Mutter betrifft. Dich kann sie nicht ausstehen, und sie macht auch kein Geheimnis daraus.
Mit meiner Aufgabe komme ich gut voran. Ich käme noch besser voran, wenn Snape mich nicht ständig behindern würde. Er hat schon mehrmals versucht, mir die Unterstützung von Crabbe und Goyle zu entziehen, indem er sie unter lächerlichen Vorwänden zu Nachsitzen und Strafarbeiten verdonnert hat. Kannst du Snape nicht schreiben, dass er das lassen soll? Ich komme gut zurecht, wie gesagt, also kein Grund zu Sorge, aber er verzögert das Ganze auf ausgesprochen ärgerliche Weise.
Vater ... ich liebe dich. Das wollte ich dir nur einmal schreiben, falls ... falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Aber mach dir bitte keine Sorgen, es geht mir gut.
Dein Sohn
Draco.
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Fortsetzung folgt.
