Kapitel
Ihr schien, als hätte sie gerade 10 Minuten geschlafen, als ein überaus wütender Snape hereinstürmte. Ein Blick auf die Uhr belehrte sie jedoch eines Besseren, 2 Stunden waren zutreffender.
„Severus, so spät am Abend kommst du hierher? Der Trank hätte sicher auch bis morgen warten können, Miss Granger geht es schon wieder ein bisschen besser...", gähnte Poppy mit einer Hand vor dem Mund. „Es ist viertel nach zwölf, Severus"
Doch Snape hatte keine Lust auf den Austausch von Höflichkeiten. „Lass uns alleine, Poppy, geh schlafen oder mach, was immer du willst. Ich bin im Auftrag Dumbledores hier"
„Miss Granger, Sie sind wach?" knurrte er mit gereizter Stimme. „Wenn ja, dann sehen Sie her: Hier ist Ihr Gegentrank. Sie müssen jetzt gleich die Hälfte davon einnehmen und in 4 Stunden die andere Hälfte. Ich werde so lange bei Ihnen bleiben."
„Sie werden WAS?", keuchte Hermine, „Sie werden hier bleiben? Vier Stunden? Ich versichere Ihnen, ich schaffe es auch alleine, einen Trank einzunehmen! Und was heißt, Sie sind im Auftrag Professor Dumbledores hier?"
„Jetzt einmal langsam, Miss Granger!", donnerte Snape. „Sie können mir glauben, ich habe nicht gebettelt, hier zu sein, noch habe ich mich darum gerissen, die nächsten Stunden in der Krankenstation auf Ihrer Seite zu verbringen! Dumbledore hat es verordnet und da ich tief in seiner Schuld stehe und er nun einmal der Direktor hier ist, muss ich mich auch daran halten! Und jetzt keine dummen Fragen mehr, Miss Granger, schlafen Sie wieder, ich werde Sie in vier Stunden aufwecken."
Na super. Snape an Ihrer Seite, Snape der sie beobachtete da er wach bleiben musste, und sie sollte jetzt hier einfach weiterschlafen als sei nichts geschehen. Warum war es Dumbledore denn wichtig, dass er hier war? Normalerweise langte es doch vollkommen aus, Poppy hier zu haben. Warum also auch noch ihr Tränkelehrer?
Ergebnislos versuchte Hermine, Snape zu vergessen und weiterzuschlafen, doch nach 20 Minuten gab sie es auf.
„Ähm, Professor?" Snape fuhr aus seinen Gedanken auf.
„Was wollen Sie noch? Ist es nicht genug verlangt, dass ich hier bleiben muss? Muss ich mir jetzt auch noch die dummen Kommentare eines Gryffindor Mädchens anhören?" schnauzte er.
„Jetzt hören Sie mir aber mal gut zu!", schrie Hermine mit blitzenden Augen, während sie versuchte, so wütend wie möglich auszusehen und sich im Bett aufzurichten.
„Sie können mir glauben, dass ICH auch NICHT auf IHRE Anwesenheit hier erpicht bin, genauso wenig wie ich mich an meiner jetzigen Situation erfreue!"
„Ach ja, Miss Granger, und warum reden sie dann mit mir? Warum ignorieren Sie mich nicht einfach so gut es geht?"
„Was denken Sie denn, was ich versucht habe? Und warum ich mit Ihnen rede, wollen Sie wissen? Wollen Sie es wirklich wissen? In Echt wissen SIE es doch schon längst, nur MIR haben Sie nicht die Wahrheit gesagt!"
„Was soll das heißen?" fragte Snape scharf.
„Was das heißen soll? Das fragen Sie noch? Ich habe Sie durchschaut, Sie elender Lügner! Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gefährliche Zutat in den Trank gegeben und nur deswegen sind Sie hier, sie müssen hier sein um zu sehen, dass mir nichts passiert!"
Eine Pause entstand – „Ich habe Recht, nicht wahr?" fragte Hermine in unsicherem Ton, überrascht von ihrer eigenen Courage. Wer hätte gedacht, dass Sie einmal einen ihrer Lehrer so anschreien würde!
„Ja, Sie haben Recht, Miss Granger", antwortete Snape in müdem Ton. „Es tut mir leid, ich weiß nicht, was mit mir los wahr. Dumbledore hat davon Wind bekommen und veranlasst, dass ich hier sitze und auf Sie aufpasse, seiner Meinung nach bin ich dafür geeigneter als Poppy."
„Was haben Sie in den Trank gegeben?" fragte Hermine mit ängstlichem, aber unnachgiebigem Ton.
„Ich habe Ihnen einen vollkommen falschen Trank zubereitet, Miss Granger. Anstatt eines einfachen Heiltrankes gab ich Ihnen einen leicht modifizierten und abgeschwächten Trank, der normalerweise geistig verwirrten Zauberern helfen sollte, wieder zu Ihrem alten Ich zu finden. Ich habe ein bisschen daran herumgebastelt und ich versichere Ihnen, dass sie nicht in akuter Gefahr sind. Allerdings kann es vorkommen, dass, wenn der Trank an geistig gesunde Menschen ausgegeben wird, Schwindelgefühl, Depressionen, Kopfschmerzen und Brechsucht entstehen. Deshalb bin ich hier."
„Sie sind hier um mich zu schützen", stelle Hermine fest.
Snape nickte. Die beiden verfielen in tiefes Schweigen.
„Danke, dass Sie hier sind" murmelte Hermine, unsicher was sie sagen sollte.
„Nicht Sie sollten danken, sondern Ich, Miss Granger, dass Sie mir nicht gleich den Untersuchungsausschuss auf den Hals gehetzt haben. Es hätte schlecht für Sie ausgehen können, wenn Sie nicht gleich auf die Ursache Ihrer Krankheit gekommen wären. Sie können es aber natürlich nachholen, Recht dazu hätten Sie allemal. Dumbledore meinte, dass Sie das entscheiden könnten und er werde Ihre Entscheidung akzeptieren."
Hermine überlegte. Endlich hätte Sie einmal die Gelegenheit, Snape richtig böse mitzuspielen. Eine Rache gegen Ihn, die Sie sich schon so lange gewünscht hat, würde in Erfüllung gehen, und dazu auch noch ganz zu Recht, sogar von Dumbledore unterstützt. Snape würde die nächsten paar Wochen im Ausschuss aussagen müssen und nicht unterrichten können, je nachdem wie er sich anstellen würde, drohte ihm vielleicht sogar eine kurze Haftstrafe in Askaban... und vielleicht auch eine Suspendierung als Lehrer hier in Hogwarts...
„Nein, ich werde Sie nicht anzeigen, Sie können beruhigt sein", murmelte Sie in Richtung Snape, unfähig ihn anzusehen, sicher würde er sonst in Ihrem Gesicht lesen können, was Sie gerade eben noch gedacht hatte.
„Sehen Sie mich an, Miss Granger" forderte er sie auch schon auf.
Unsicher blickte sie zu ihm hoch. Snape sah ihr tief in die Augen und aus seinen Augen war jegliche Häme und jeglicher Spott verschwunden. Stattdessen blickte sie in Augen, die tiefe Dankbarkeit ausstrahlten.
„Danke" sprach er in ruhigem Ton. „Sie wissen nicht, was das für mich bedeutet, weiß ich doch was die Schüler von mir denken. Ich danke Ihnen für Ihre Entscheidung. Hogwarts zu verlassen, hätte meinem Leben den Sinn genommen"
„Schlafen Sie noch ein wenig, Sie können es gebrauchen" meinte er dann und drehte sich zur Seite, so dass sie sein Gesicht nicht mehr sehen konnte. Trotzdem spürte Hermine, dass er von tiefen Gefühlen überwältigt wurde.
„Gute Nacht, Professor" wünschte sie ihm in weichem Ton. Und dann endlich schlief sie wieder ein.
