Date: 10. Dezember
Author: Cissy(lein)
Category: Short Story
Characters/Pairing: Tonks, Lupin, Narzissa, Weasleys
Genre: Drama
Rating: T (PG 13)
Disclaimer: Die Figuren von Joanne, die Story von mir.
A/N: Das ist eine Nachkriegsstory. Es muss auch mal ein paar traurige Türchen geben. ;)
„Grün? Oder rot? Nein, ich weiß! Kariert!"
Remus Lupin betrachtete seine Freundin, deren Haar Farben und Muster eines Weihnachtsstrumpfes angenommen hatte, mit gerunzelter Stirn. „Also … ich würde bei einer Farbe bleiben."
„Wirklich?", fragte Tonks erschrocken. „Ich finde an Weihnachten kann es nicht farbig genug sein."
„Ja, das dachte ich mir", entgegnete Lupin, während er seinen Blick durchs Wohnzimmer schweifen ließ. Es gab kaum ein Möbelstück das Tonks mit bunten Dekorationen, Girlanden oder Socken verschont hatte. Schmunzelnd zog Lupin den Teebeutel aus seiner Tasse und ließ sich dann entspannt in den Sessel sinken, der sich nahe am Kamin befand. „Schau mal da rein", sagte er und zeigte auf einen Spiegel, der ebenfalls von bunten Lichterketten behangen war.
„Ach du grüne Neune", stieß Tonks aus und begann heftig zu lachen.
„Ach du rot-grün-karierte Neune um genau zu sein", grinste Lupin. „Am Ende nimmt dich Santa Clause noch mit, weil er dich für eine seiner Elfen hält."
Tonks drehte sich lächelnd zu ihm um. „Du meinst also, man könnte mich mit einer Weihnachtselfe verwechseln?"
„Wenn du dich nicht ständig aufführen würdest wie ein Elefant im Porzellanladen, und ein paar Kraftausdrücke weg lässt – durchaus."
Tonks grinste, schnappte sich eine Walnuss und warf damit nach ihm.
Lupin zog den Kopf ein. „Und etwas weniger Brutalität würde auch nicht schaden."
„Ach", winkte Tonks ab und schlenderte auf ihn zu, „mit dir muss man so umgehen." Sie ließ sich auf seinen Schoß sinken, griff nach einem Plätzchen und tunkte es in seinen Tee.
„Nicht doch, nachher hab ich wieder die ganzen Krümel in meinem Tee", beschwerte sich der Werwolf.
„Merlin, du hast den Krieg überlebt, da wirst du doch wohl mit ein paar Kekskrümeln in deinem Tee fertig werden."
„Ich fände es sehr tragisch, den Krieg überlebt zu haben und dann an Krümeln zu ersticken die mir meine Freundin in den Tee geträufelt hat."
Tonks nahm ihm die Tasse aus der Hand, stellte sie auf den Tisch und schlang dann ihre Arme um seinen Hals.
„Ich mag es, wenn du das sagst."
„Was denn?"
„Meine Freundin. Das hört sich fabelhaft an."
„Naja, das bist du ja auch, ich wüsste nicht wie ich dich sonst nennen soll."
„Keine Ahnung, aber ich finde es eben schön."
„Ok also, meine Freundin", sagte Lupin lächelnd, „was hältst du davon, wenn du dein Haar zu Weihnachten einfach mal so lässt wie es ist?"
„Mausbraun? Dann sehe ich ja so langweilig aus wie du!"
„Ich wusste nicht, dass du graue Strähnen hast."
„Oooch, armer alter Mann", feixte Tonks und küsste ihn. „Du, lass uns noch mal auf den ersten Weihnachtsfeiertag zurückkommen. Also zu Essen haben wir genug, deshalb ... was hältst du davon, wenn wir auch Narzissa einladen?"
Lupin hielt in seiner Bewegung inne. „Narzissa Malfoy?"
„Eigentlich schon." Tonks runzelte die Stirn. „Es sei denn du kennst noch eine andere."
Lupin stupste sie in die Seite, wurde jedoch sofort wieder ernst. „Ich weiß nicht ... hältst du das für so eine gute Idee?"
„Ja, warum nicht?"
„Ich weiß nicht ob die Weasleys so begeistert davon wären."
„Die Weasleys haben sie mehr als akzeptiert. Und erstaunlicherweise ist gerade Molly sehr nett zu ihr. Du kennst sie ja. Sie kann zwar dickköpfig sein, aber am Ende überwiegt immer ihre Warmherzigkeit. Ich glaube sie würde keinem Menschen böse sein können, der solche Verluste erlitten hat wie Narzissa." Tonks zog die Nase kraus. „Weißt du, ich glaube du schiebst die Weasleys nur als Grund vor um nicht zugeben zu müssen, dass es dir nicht passt."
„So ist es nicht."
„Was hast du denn gegen sie?"
„Ich habe nichts gegen sie."
„Wo liegt dann das Problem? Remus, mir tut sie einfach Leid. Es ist Weihnachten und die Vorstellung wie sie allein mit Draco in diesem riesigen Haus vor dem Weihnachtsbaum hockt …" Tonks schüttelte seufzend den Kopf. „Ich glaube Gesellschaft tut ihr gut. Gerade in dieser Zeit. Außerdem gehört sie zur Familie."
„Schon gut, schon gut", seufzte Lupin. „Ich bin ja kein Unmensch."
„Eben drum, um ehrlich zu sein überrascht es mich, dass ich dich überhaupt überreden muss."
„Na ja weißt du, die Vorstellung, mit einer Frau vorm Weihnachtsbaum zu sitzen gegen die ich vor wenigen Jahren noch duelliert habe, ist etwas seltsam."
Tonks seufzte, rutsche von Remus' Schoß und lief wieder vor den Spiegel, in dem sie ihr buntes Haar betrachtete.
„Da brauchst du nicht seufzen, Tonks", sagte Lupin säuerlich, „ich muss dich wohl nicht daran erinnern wie sehr du damals über sie hergezogen bist."
„Ja ich weiß", entgegnete Tonks, „wie oft willst du mir das jetzt noch vorhalten und wie oft wollen wir über dieses Thema denn noch diskutieren? Es ist Weihnachten, Remus, hör auf zu stänkern." Sie schüttelte den Kopf. „Du hast während des Krieges definitiv zu viel Zeit mit Snape verbracht." Eine Pause entstand. Tonks warf einen vorsichtigen Blick zu Lupin, der seine Teetasse jetzt steif umklammerte. „Entschuldige", sagte Tonks hastig und lief zu ihm, ließ sich diesmal jedoch nicht auf seinem Schoß, sondern vor ihm auf den Boden nieder und griff nach seiner Hand. „Das hätte ich nicht sagen sollen. Ich weiß, dass er unglaublich viel für uns getan hat", erörtere sie, während ihr Daumen über Lupins Handfläche streichelte, „und dass ihr beide am Ende so etwas wie Freunde geworden seid. Das war unfair von mir, entschuldige bitte."
„Ist schon in Ordnung", sagte Lupin und nahm einen großen Schluck von seinem Tee. „Außerdem wird es Zeit wieder über ihn zu sprechen."
Tonks lächelte. „Du könntest einen Toast für ihn aussprechen. Morgen Abend."
-#-
Die Reaktionen auf Narzissa, als sie am nächsten Tag im feierlich geschmückten Wohnzimmer eintraf, fielen recht unterschiedlich aus. Tonks küsste sie herzlich auf die Wange, Molly Weasley begrüßte sie mit einem Lächeln und einer etwas scheuen Umarmung, Arthur schüttelte ihr höflich, aber auch sehr förmlich die Hand. Lupin war der letzte der sie begrüßte und diese Begrüßung war mit einem unterkühlten Händedruck abgehandelt.
„Wo haben Sie Draco gelassen, meine Liebe?", erkundigte sich Molly. „Unsere Kinder sind noch in Hogsmeade, den Honigtopf plündern; als ob es zu Weihnachten nicht schon genug Süßigkeiten gäbe."
„Draco ebenfalls", antwortete Narzissa mit einem Lächeln. „Vielleicht schließt er sich den anderen ja an und kommt mit ihnen zurück."
„Das wäre ja prächtig", bemerkte Arthur Weasley. „Aber wieso stehen wir noch hier herum? Mit einer Tasse Tee auf dem Sofa lässt es sich doch viel besser plaudern."
„Noch nicht", sagte Tonks entschlossen. „Mit euch beiden", sie zeigte auf Lupin und Narzissa, „habe ich andere Pläne. Der Weihnachtsbaum muss noch organisiert werden! Und zwar jetzt!"
„In Ordnung, ihr Lieben", sagte Molly, „dann kümmere ich mich in der Zwischenzeit um das Essen. Willst du auch irgendwie nützlich sein, Arthur?"
„Ich könnte dir dabei zusehen, Liebling!", sagte Mr. Weasley vergnügt und schob seine Frau in die Küche, während sich Tonks, Lupin und Narzissa dick einmummelten und ins Freie traten.
„Hach Kinder", sagte Tonks und atmete tief aus, wobei sich weißer Nebel vor ihrem Mund bildete. „Ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich Weihnachten liebe!" Sie lächelte in die Runde und Narzissa erwiderte ihr Lächeln kaum sichtbar, während Remus' Kopf Wärme suchend in seinem Schal versank.
„Lasst uns etwas weiter den Hügel hinauf", schlug Tonks vor und deutete auf eine Anhöhe, „ich glaube die Tannen dort sind nicht zu groß für´s Wohnzimmer."
Ihre Schritte erzeugten ein sanftes Knirschen unter ihren Füßen, als sie losmarschierten, doch sie waren kaum ein paar Meter gegangen, als die Stimme von Mrs. Weasley zu ihnen hinüber wehte. „Tonks", brüllte sie, „ich brauch dich unbedingt in der Küche! Der Weihnachtsbraten den du da gekauft hast, ist so groß, von dem könnte meine gesamte Familie eine Woche lang leben!"
Tonks lachte. „Ihr habt´s gehört", sagte sie. „Ich werde gebraucht. Ihr müsst den Baum ohne mich holen, aber ich vertraue eurem Geschmack. Remus, du weißt ja ungefähr wie groß er sein darf." Sie winkte den beiden zu und stapfte mit großen Schritten zum Haus zurück.
Lupin und Narzissa blickten ihr einen Moment hinterher, bis das Schweigen zwischen ihnen unangenehm wurde.
„Also dann", sagte Lupin und nahm den Marsch durch den hohen Schnee wieder auf, ohne auf Narzissa zu warten. Sie folgte ihm, gab sich jedoch keine Mühe aufzuholen, sondern blieb den ganzen Weg über immer ein paar Schritte hinter ihm. Sie wechselten kaum ein Wort miteinander. Als sie die Anhöhe erreicht hatten, blieben sie stehen.
„Es ist kalt", sagte Narzissa. Lupin betrachtete sie einen Moment und nickte. „Ja." Er drehte sich um und deutete auf eine kleine Hütte, die auf ihrem Dach eine dicke Schneedecke trug. „Die Laube gehört zu unserem Haus", sagte er. „Wir können uns einen Moment aufwärmen. Ich glaube der Tannenbaum da vorn hat auch genau die richtige Größe. Finden Sie nicht?"
„Ja, er ist schön", entgegnete Narzissa und diesmal war sie es, die voran ging.
Wie Puderzucker rieselte der Schnee vom Dach der Laube, als Lupin die Tür mir sanfter Gewalt öffnete und zur Seite trat um Narzissa einzulassen. Die blonde Frau schob sich mit einem schüchternen Lächeln an ihm vorbei und blieb dann in der Mitte des Raumes stehen, musterte die Laube flüchtig, während Lupin einen letzten Blick zurück zum Haus warf, welches auf Grund der Entfernung die Größe eines Lebkuchenhauses angenommen hatte.
Narzissa wehrte sich nicht im Geringsten, als Lupin auf sie zutrat, sie an sich presste und ihre Lippen mit einem verzweifelten Kuss verschloss. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, erwiderte seinen Kuss seufzend und zog ihn langsam mit sich, bis sie eine Wand in ihrem Rücken spürte.
„Ich habe versucht dich zu vergessen", sagte Lupin, als er sich keuchend von ihren Lippen löste. „Aber jedes Mal wenn ich dich sehe …", er schluckte hart, unfähig seine Gefühle in Worte zu fassen und bedeckte ihr Gesicht stattdessen mit Küssen.
„Ich hätte nicht herkommen sollen", sagte Narzissa, während ihre Hände durch sein Haar und an seinen Wangen hinabglitten.
„Vielleicht", erwiderte Lupin, „aber jetzt bist du hier. Narzissa", stöhnte er, „ich glaube ich habe mich verliebt."
„In Tonks? Das wäre von Vorteil, wenn du mit ihr zusammen bist."
Lupin schüttelte gequält den Kopf und umfasste ihr Gesicht mit seinen Händen.
„In mich?", flüsterte Narzissa. „Du bist nicht in mich verliebt, Remus, du begehrst mich nur." Sie lächelte. „Und das ist auch besser so, denn ich liebe dich nicht. Und auch sonst niemanden. Nie wieder."
„Warum nicht?"
„Ich habe all meine Liebe nur einem Menschen geschenkt."
Lupin zögerte. „Aber … dieser Mensch ist tot."
„Der Mensch. Aber nicht die Liebe. Er hat sie mitgenommen."
Sie schwiegen einige Augenblicke. Lupin versank fast in diesen blauen Augen, die seinen Blick offen erwiderten. Narzissa wickelte ihm langsam den Schal vom Hals und begann dann die Knöpfe von seinem Mantel zu öffnen. Lupin schloss die Augen, als er spürte wie ihre Hände an seinem Bauch hinab glitten.
„Wenn du es nicht willst, musst du es mir sagen", bemerkte Narzissa und hielt kurz in ihrem Tun inne.
Doch Lupin schüttelte mit einem Seufzen den Kopf. „Ich hatte schon das letzte Mal keine Kraft zu widerstehen. Wie sollte ich es jetzt können?" Sie küssten sich erneut, inniger diesmal, mutiger.
Und im nächsten Moment war nichts mehr zu hören außer ihrem Atem, das Rascheln von Stoff, als Lupin Narzissas Rock an ihrem Oberschenkel hinaufschob und ihr verhaltenes Keuchen, als er sie hochhob und sich in ihren Schoß presste.
-#-
„Bei Merlins Arsch, ihr glüht ja wie zwei Liebesäpfel!" Tonks lachte, als Lupin und Narzissa mit roten Wangen zurückkehrten, schweigsamer und distanzierter als je zuvor. „Was habt ihr denn so lange da draußen gemacht? Wir dachten schon ihr habt euch verlaufen."
„Wir haben kurz Unterschlupf in der Laube gesucht", sagte Lupin etwas zerstreut. „Da oben ist es ziemlich kalt."
„Ziemlich kalt?", lachte Tonks. „Schatz, wir haben tiefsten Winter. Was erwartest du denn anderes vom Wetter? Wo ist der Baum?"
„Vor der Tür", antwortet Lupin, woraufhin Tonks strahlend nach draußen eilte.
Mrs. Weasley war aus der Küche gekommen. Sie wischte sich lächelnd die Hände an ihrer Schürze ab und betrachtete Lupin, der Narzissa gerade aus ihrem Mantel half. Der kurze Blick, den Lupin dabei auf den schlanken Nacken der Frau vor sich warf, entging Mrs. Weasley nicht. Auch nicht wie sich seine Hand verkrampfte, nachdem er sie aus Versehen berührt hatte.
Und der Blick, der sich mit dem von Molly traf, hatte beinahe etwas Ertapptes. Mit großen Schritten floh Lupin ins Wohnzimmer.
Niemandem sonst wäre irgendetwas aufgefallen. Aber für Mrs. Weasley war die Sache klar.
Der Rest des Abends verlief fröhlich. Ron, die Zwillinge, Ginny, Harry und Hermine trudelten pünktlich zum Essen ein und zu Mollys und Narzissas Freude, hatten sie Draco gleich mitgebracht.
Lupin und Narzissa wurden während des Weihnachtsessens von zwei Augenpaaren kritisch beäugt: Von Tonks, die sich ärgerte, dass die beiden nur die nötigsten Worte miteinander wechselten, und von Mrs. Weasley, die jede Bewegung der zwei überwachte.
Zu vorgerückter Stunde schließlich, hatte sich jeder an einen gemütlichen Platz zurückgezogen. Arthur und Molly saßen vor dem Kamin und unterhielten sich leise. Lupin dagegen saß abseits von ihnen in seinem Sessel, ein Buch in der Hand, doch er blickte nicht ein einziges mal hinein. Seine Augen waren auf Narzissa gerichtet, die allein am Fenster saß und dem Schneetreiben zusah. Er senkte seinen Blick erst, als Tonks ins Wohnzimmer stürzte, von einer Schneeballschlacht mit den Kindern völlig außer Atem. Sie machte Anstalten zu Narzissa zu gehen, doch da die vollkommen in Gedanken versunken war, steuerte Tonks auf Lupin zu und ließ sich auf seinem Schoß sinken.
„Danke, dass du sie eingeladen hast", sagte sie leise.
Lupin hob den Kopf. „Ich? Es war doch deine Schuld."
Tonks stutzte. „Meine Schuld?"
„Deine Idee, meine ich", beeilte sich Lupin zu sagen.
„Ja, aber du hast es zugelassen, obwohl du anfangs nicht so begeistert warst."
Lupin nickte. „Es tut mir Leid", sagte er mit rauer Stimme.
„Macht doch nichts", entgegnete Tonks, die nicht verstand, nicht wissen konnte, dass hinter dieser Entschuldigung mehr steckte, als sie ahnte. Sie küsste ihn zärtlich auf die Stirn. „Ich liebe dich", sagte sie leise.
„Ja", erwiderte Lupin und fühlte sich noch elender, als in dem Moment in dem er mit Narzissa die Laube verlassen, und beide sich wieder so distanziert gegeben hatten wie zuvor.
Mit Mühe schaffte er es, seinen Blick von Narzissa zu reißen und starrte mit einem verzerrten Lächeln auf Tonks' verwaschene Jeans. „Ja, ich liebe dich auch."
A/N: Ich nochmal. Ein ungewöhnliches Pairing, vor allem für mich, aber für so was ist der AK die perfekte Gelegenheit. Einen schönen 2. Advent wünsch ich euch.
