Nasenbluten

„Das war nicht klug von dir, Narcissa.", sagte er langsam, während er die schwarzen Lederhandschuhe abstreifte.

Immer noch kullerten dicke Tränen aus ihren Augen.

„Überhaupt nicht klug."

Dann schlug er zu.

Narcissa fiel rückwärts über den Sessel. Sekundenlang blieb sie liegen und hielt sich die brennende Wange.

Er holte wieder aus.

Diesmal traf sie nicht die flache Hand sondern seine geballte Faust mitten ins Gesicht.

Das Mädchen schrie auf. Etwas Warmes lief aus ihrer Nase über ihren Hals, herunter über ihr Décoltée auf ihr Kleid.

Wimmernd fasste sie sich an die Nase und versuchte die Blutung mit der Hand abzudrücken.

Und wieder schnellte seine Hand nach Oben. Diesmal war sie schnell genug. Mit beiden Händen packte sie den Arm und stach ihre Fingernägel dorthinein, wo sie das Dunkle Mal vermutete.

Der Mann schrie gequält auf und ließ von ihr ab.

Sie nutzte ihre Chance und lief zur Haustüre. Ein Stockwerk tiefer. Das Tor so nahe- Es musste einfach funktionieren.

Obwohl ihr von dem Schöag fürchterlich schwindelig war, hastete sie hinaus aufs Gelände.

Sie streifte im Gehen die hohen Schuhe ab und lief Barfuss über den feuchten Kiesweg.

Sie warf einen Blick über die Schulter. In der monströsen Eingangstüre erschien er.

Er konnte sie nicht einholen. Ein Schockzauber flog an ihrem rechten Ohr vorbei.

Noch 2 Meter bis zum Tor.

Ein letzter Blick zurück. Lucius stand noch immer in der Türe mit einem selbstgefälligen Ausdruck auf seinen Lippen.

„Guten Abend, schöne Frau.", zwei starke Arme schlangen sich um ihren Brustkorb und hielten sie fest.

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„Habt ihr Fangen gespielt?", fragte Rodolphus Lestrange amüsiert und legte das ohnmächtige Mädchen auf die Couch in Lucius Zimmer.

Der Schlag war anscheinend doch heftiger gewesen, als sie gedacht hatte. Kurz nachdem der junge Mann sie gepackt hatte, war Narcissa bewusstlos geworden.

Rodolphus besah sich ihre blutende Nase.

„Erzähl mir jetzt nicht, dass sie gegen den Türrahmen gelaufen ist.", er sah Lucius immer noch leicht belustigt an.

„Sie hat es verdient, Rodolphus.", sagte er ungerührt und schenkte seinem Freund ein Glas Portwein ein.

Der dunkelhaarige Mann hob eine Braue.

„Ein hübsches Mädchen.", sagte er kurze Zeit später und strich ihr eine Locke aus dem Gesicht.

„Fass sie nicht an, Rodolphus."

Sein Freund hob die Hände, als würde er sich ergeben und grinste.

„Du magst sie."

Lucius zuckte die Schultern. „Das geht dich nichts an."

Rodolphus Grinsen wurde noch breiter. „Also ja."

„Hast du was an den Ohren?"

Das Mädchen bewegte sich. Rodolphus rutschte ein Stückchen zur Seite, dass sie sich strecken konnte.

Einen Moment sah sie die Beiden verwirrt an. Dann richtete sie sich auf.

„Bleib noch liegen.", ordnete Lucius von seinem Sessel aus an.

„Ich glaube ich kann ganz gut alleine entscheiden, was ich mit meinen Körper tue und was nicht.", sagte sie noch etwas benommen und stand auf.

Nach drei ziemlich wackligen Schritten knickten ihr die Beine weg.

Als hätte er damit gerechnet, fing Lucius sie auf bevor sie auf den Boden prallte.

„Was habe ich gesagt?", fragte er mürrisch und legte sie auf sein Bett. „Bleib jetzt liegen."

Sie sah ihn aus ihren großen blauen Augen an und wieder konnte er ihrem Blick nicht standhalten.

Rodolphus räusperte sich.

„Du gehst?", fragte Lucius erstaunt, als er seinen Freund an der Türe wieder fand.

„Ja, ich lasse euch Beide jetzt besser alleine.", sagte er grinsend und öffnete die Türe.

„Und du magst sie doch!"

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Lucius und Narcissa verbrachten den gesamten restlichen Abend im gleichen Zimmer. Sie lag auf seinem Bett, in dem locker eine 10-köpfige Familie Platz gehabt hätte, und versuchte die Blutung in ihrer Nase mit Taschentüchern zu stillen.

Er saß auf seiner Couch und las den Abendpropheten.

Gegen Mitternacht faltete er die Zeitung zusammen. Dann stand er auf und ging auf sein Bett zu, wo Narcissa immer noch versuchte das stetige Tröpfeln von ihrem Blut zu vermindern.

„Ist es immer noch nicht besser?", fragte er.

Sie sah ihn überrascht an.

Der Mann zog seinen Zauberstab.

Bitte nicht schon wieder. Was habe ich jetzt wieder verbrochen?

„Zeig mal her."

Er nahm ihre Hände von der Nase und begutachtete sie im Licht seiner Nachttischlampe. Sanft fuhr er mit seinem Zauberstab über den Nasenknochen.

Ein angenehmes Kribbeln und die Blutung und der Schmerz stoppten.

„Besser?"

Sie nickte, dann versuchte sie wieder aufzustehen, um in ihr Zimmer zu gehen.

„Bleib liegen und ruh dich aus."

Narcissa glaubte sich verhört zu haben, doch der junge Mann ging hinüber in sein Ankleidezimmer und kam mit seinem Pyjama unter dem Arm wieder heraus.

Relativ zügig ging er herüber zur Türe.

„Danke.", sagte sie leise.

Er drehte sich um und starrte sie an.

Hatte sie ‚Danke' gesagt?

Er sah ihre großen blauen Augen. Ihre Lippen, die sich zu einem schwachen Lächeln geformt hatten.

Irritiert drehte er sich wieder um und ging aus dem Zimmer.

Soooo. Vielen lieben Dank für eure Reviews!!!!!! Macht weiter so :-D

Lg Lucia