10.Kapitel
Post vom Zaubereiminister
Wie von Heiler Diggins voraus gesagt, ging es Harry am nächsten Morgen deutlich besser. Die sechs Freunde frühstückten, wie schon am Morgen zuvor gemeinsam mit Harry.
„Mum hat diese Goldana richtig ins Herz geschlossen. Dauernd sieht man die beiden irgendwo zusammen sitzen oder sie machen gemeinsame Spaziergänge.", erzählte Ron mit vollem Mund, was ihm einen verächtlichen Blick von Hermine einbrachte.
„Ja, das stimmt, sie hat Goldana sogar zum Weihnachtsfest zu uns eingeladen. Dad überlegt schon, ob er es schafft vor Weihnachten noch wenigstens ein Zimmer anzubauen, bei den vielen Leuten, die Mum schon eingeladen hat. Zum Glück verbringt Bill Weihnachten mit Fleur in Frankreich.", fügte Ginny dem Bericht ihres Bruder hinzu.
„Wer kommt denn alles über Weihnachten in den Fuchsbau? Mir erzählt ja keiner was!", Harry tat als wäre er beleidigt.
„Also, es kommen Hermine und Linda mit ihren Eltern, Neville mit seiner Oma, Tonks und Lupin, Professor McGonagall, diese Goldana und wir halt alle.", zählte Ron zusammen.
„Alter, das sind fast zwanzig Leute. Hat Eure Mum denn schon einen Plan, wo sie die alle unterbringen will?", Harry zog die Augenbrauen hoch.
„Nö,", antwortete Ginny, „im Notfall müssen wir halt alle im Wohnzimmer schlafen oder so. Ach, nun stellt euch mal nicht so an. Das ist doch schön, wenn wir alle zusammen feiern können."
„Apropros Feiern,", Hermine, die bis eben in ihren Tagespropheten vertieft war, blickte auf, „Überall machen sie Feste, um den Sieg über Voldemort zu feiern. Ich weiß nicht, ist das gut schon so die Sau rauszulassen, obwohl noch überall im Land Todesser rum laufen?"
„Na, die Auroren und die Mitglieder vom Orden tun doch im Moment nichts anderes, als denen auf die Schliche zu kommen. Aber du hast Recht, feiern würde ich jetzt auch nicht. Liegt aber wohl daran, dass wir die Schlacht und alles aus der ersten Reihe mitbekommen haben.", sagte Harry.
„Hmm, ich glaube, die Todesser sind viel besser organisiert als beim letzten Mal. Es gibt kaum Festnahmen und immer noch haufenweise Angriffe.", überlegte Hermine.
„Tja, die scheinen sich halt diesmal alles gut überlegt zu haben. Hoffentlich können die bald gefasst werden. Wenn die letzten eingesperrt werden, dann feiern wir auch.", meinte Ginny.
Nach dem Frühstück zogen sie sich alle warme Wintersachen an. Heiler Diggins hatte Harry erlaubt für eine halbe Stunde mit seinen Freunden spazieren zu gehen.
So zogen sie los. Harry schaffte es heute ohne Hilfe der anderen. Zwar war er noch ein wenig schlapp und wie zufällig blieben seine Freunde häufig stehen, mit den Worten „Oh...schaut mal da..." Dann deuteten sie auf so Dinge, wie eine vorbeifliegende Eule oder einen verschneiten Baum. Harry schmunzelte, sie wollten ihm nicht das Gefühl geben, dass sie sich Sorgen machten oder Angst haben, Harry könnte wieder einen seiner Schmerzanfälle bekommen. Aber Harry hielt die halbe Stunde locker durch und wäre auch gern noch länger draußen geblieben, doch Hermine und Ginny waren sehr resolut und schoben ihn nach fünfundzwanzig Minuten wieder in Richtung Krankenflügel zurück.
Kaum hatte Harry seine Winterkleidung ausgezogen, als Mrs. Weasley in der Tür stand.
„Guten Morgen, meine Lieben, ich wollte euch nur sagen, dass ihr bitte eure Sachen zusammen suchen sollt. Wir werden heute Nachmittag abreisen. Das gilt für euch alle. Ich habe mit Heiler Diggins gesprochen und da Goldana heute gleich mit zu uns kommen wird, stellt auch Harrys Zustand kein Problem da. Also los! Beeilt euch ein wenig!", scheuchte Mrs. Weasley sie alle auf, „Es wurde extra, für die Letzten, die noch in Hogwarts sind einen Zug bereitgestellt."
Als sie grade alle den Raum verlassen wollten hielt Mrs. Weasley Ron zurück, „Ron, sei so nett und packe Harrys Sachen mit ein und hol seine Eule!"
Mit einem zustimmenden Kopfnicken ging Ron den anderen nach.
„Dann ist der Gryffindorturm also nicht zerstört wurden?", fragte Harry, dem es etwas unangenehm war, dass Ron seine Sachen mit einpacken sollte.
„Nein, mein Junge. Der Turm ist intakt, was man von dem Rest des Schlosses nicht grade sagen kann.", antwortete Mrs. Weasley.
Harry nickte, sie haben bei ihrem Spaziergang das Schloss halb umrundet, wobei sie allerdings die Ländereien, auf denen der Kampf gegen Voldemort stattgefunden hatte, gemieden hatten. Ein großer Teil des Schlosses lag in Schutt und Asche.
„Wie soll es nun weiter gehen, Mrs. Weasley? Ich meine, mit den Schülern und so. Irgendwo müssen sie doch alles beigebracht kriegen.", wollte Harry wissen.
Mrs. Weasley nickte und seufzte.
„Ja, Hogwarts gibt es nicht mehr und wird es auch nie wieder geben. Die Lehrer und das Ministerium beraten bereits darüber, aber sie scheinen fast einig darüber zu sein, dass es jedenfalls kein Internat sein soll. Die Eltern wären wohl nicht bereit, ihre Kinder wieder einer solchen Gefahr auszusetzen.", Mrs. Weasley seufzte. „Ja, und was nun aus euch werden soll, ohne vorzuweisende UTZs, das weiß noch keiner so genau. So, Harry, nun muss ich aber los, wenn ich die anderen nicht ein bisschen antreibe, wird es nachher wieder ein heilloses Durcheinander geben. "
Harry schaute aus dem Fenster und dachte nach. Ja, was sollte nun eigentlich aus ihnen werden? Seit Harry vor sechs Jahren erfahren hatte, dass er ein Zauberer war, bestand sein ganzer Lebensinhalt aus Hogwarts und vor allem daraus, Voldemort zu entkommen oder gegen ihn zu kämpfen. Er wolle immer Auror werden, um dann Voldemorts Anhänger zu jagen und natürlich Voldemort selbst. Doch Voldemort schien vernichtet und bis Harry seine Auroren-Ausbildung beendet hatte würden seine Anhänger bereits einige Jahre in Askaban schmoren. Es würde zwar immer wieder schwarzmagische Zauberer geben, doch Harry wollte nicht irgendwen jagen, es ging ihm immer ausschließlich um Voldemort und seine Aasgeier.
Diese Gedanken verfolgten Harry solange, bis die Tür zum Krankenflügel krachend geöffnet wurde und seine Freunde rein kamen, um ihn abzuholen.
Kaum hatten sie es sich in einem der Zugabteile gemütlich gemacht, da brach draußen ein ausgemachter Schneesturm los. „Puh, Gott sei dank sind wir da nicht reingeraten.", keuchte Linda, die noch ganz außer Atem war, weil sie zum Zug rennen musste, da sie im Schloss noch etwas vergessen hatte.
„Ach, weißt du Linda, es gibt da herrliche Zaubersprüche, die einem die Klamotten trocknen und die Füße wärmen.", erklärte ihr Neville.
Harry musste unwillkürlich lächelnd, als er sah, wie Neville Lindas Hände in die seinen nahm, um sie zu wärmen. Linda war so alt wie Ginny, auch wenn Harry sie vom Äußeren her deutlich jünger geschätzt hätte. Wie es schien hatten sich Neville und Linda in einander verliebt. Harry hätte erwartet, dass es nun, nach allem was sie durch machen mussten, auch zwischen Ron und Hermine endlich mal klappen würde, doch die Beiden waren weiterhin nur gute Freunde, wie beide betonten.
Nach einer etwa einstündigen Fahrt ging ihre Abteiltür rein und ein Auror, der auf dem Flur patrouillierte, kam mit einer großen Schleiereule auf dem Arm hinein.
„Mr. Potter? Die hier scheint sich verflogen zu haben. Sie trägt einen Brief mit sich, der an sie adressiert ist.", er reichte Harry die Eule, nickte ihnen noch einmal zu und ging wieder auf den Flur.
„Lass sehen, Harry. Von wem ist der Brief?", fragte Ron ungeduldig.
„Es sind drei Briefe... uuaahh, ganz durchweicht von dem Schnee.", Harry versuchte die nassen Briefe von einander zu trennen, ohne sie zu zerreißen.
„Ach gib her, Harry." Hermine nahm die Briefe und schwang mit ihrem Zauberstab. „So, bitte!" Sie hielt Harry drei trockene Briefe hin. Harry nahm sie und grinste Hermine an.
Grade als Harry schauen wollte, für wen die beiden anderen Briefe sind, öffnete sich erneut die Abteiltür.
„Noch eine Eule, diesmal für Miss Granger. Als wäre ich der Zustellbeamte aus einem Postamt...", mit leicht verärgerter Miene verließ der Auror das Abteil.
„Mensch, was geht denn jetzt ab?", fragte Ron und schaute von Harry zu Hermine.
„Also, ich habe hier je einen für Ginny, Neville und mich.", sagte Harry und reichte die Briefe weiter.
„Ich habe je einen für Ron und mich.", Hermine reichte Ron den an ihn adressierten Brief.
Harry, der seinen Brief las, zog langsam eine Augenbraue hoch. „Das ist doch 'ne Verarsche, oder?", Harry schaute in die Runde und bemerkte, dass seine Freunde nicht minder verdutzt dreinblickten.
Harry las seinen Brief noch einmal:
Sehr geehrter Mr. Potter,
wir würden Sie gern einladen, am 4.Advent, einem Sonntag, den 20. Dezember um 14:00 Uhr zu einer Feier ins Zaubereiministerium zu kommen.
Die Zaubererschaft hat einstimmig beschlossen, Ihnen den Orden des Merlin, 3. Klasse zu verleihen, wegen Ihres furchtlosen Einsatzes im Kampf gegen Lord Voldemort und der Mithilfe bei der Ergreifung des Todessers Lucius Malfoy.
Wir würden uns freuen, sie am 20. Dezember in unseren Räumen begrüßen zu dürfen.
Hochachtungsvoll
Elias Alexander Hubertus Leplate (Zaubereiminister)
Harry schaute zu seinen Freunden, die ähnlich fassungslos wie er, von einem zum anderen schauten.
„Himmel noch mal, nun sagt schon was los ist!!", Linda rutschte ganz ungeduldig auf ihrem Platz hin und her.
„Also, meiner muss falsch adressiert worden sein,", sagte Neville tonlos und starrte noch immer auf seinen Brief, „hier gibt sich jemand als Zaubereiminister aus und will mir einen Merlinorden 3. Klasse verleihen, wegen meines entschlossenen Einsatzes im Kampf gegen Bellatrix Lestrange und weil ich ein Mitglied des Phönixordens vor ihr gerettet habe."
„Hhmm, ich soll auch einen Merlinorden bekommen, einen Ehrenorden, so steht es hier jedenfalls, weil ich durch meinen furchtlosen Einsatz im Kampf geholfen habe, Voldemort zu töten. Kann doch gar nicht stimmen. Ich hab Voldemort ja nur von weitem einmal kurz gesehen.", stammelte Ron, der einen Blick zu Harry warf.
„Ja, das steht bei mir auch. Und was steht in euren Briefen?", fragte Hermine an Harry und Ginny gewand.
„Ich soll einen Merlinorden 3. Klasse bekommen, weil ich bei der Ergreifung von Malfoy eine maßgebende Rolle gespielt habe.", sagte Ginny mit einem glucksen in der Stimme, „Ehrlich mal, da hat sich einer mit uns einen Scherz erlaubt, wenn ihr mich fragt. Was steht denn bei dir drin, Harry?"
Harry hatte den Brief gedreht und gewendet und schaute nun auf. „Merlinorden 3. Klasse, weil ich so furchtlos im Kampf gegen Voldemort war und wegen der Ergreifung Malfoys. Mensch, auf dem Brief ist aber das Siegel des Ministeriums. Hab es ja schon mal gesehen, als ich meine Vorladung zu der Anhörung bekam. Das sah genauso aus."
Die Tür ging auf und Mrs. Weasley kam, mit sechs Butterbierflaschen unter dem Arm herein.
„Mum, hier wollte uns jemand verarschen. Wir haben alle Briefe bekommen in denen steht, dass wir Melinorden verliehen bekommen. Von irgend so einem Elias Hubertus Albert Dingsbums unterschrieben.", Ron streckte seiner Mutter seinen Brief entgegen.
„ARTHUR!!ARTHUR, KOMM HER. DAS MUSST DU DIR ANSEHEN!!", kreischte Mrs. Weasley über den Gang. Ron rutschte ein wenig tiefer in den Sitz, als er hörte, wie sich überall Abteiltüren öffneten, aus denen neugierige Blicke geworfen wurden.
„Molly, Donnerwetter, was ist denn passiert! Schrei doch nicht so!", Mr. Weasley sah aus als ob er grad bei einem Schläfchen gestört wurde, die Haare standen wild zu Berge und seine Brille saß schief auf seiner Nase. Mrs. Weasley hielt ihm Rons Brief unter die Nase.
Mr. Weasley schien die Zeilen auswendig lernen zu wollen, er las den Brief ein ums andere Mal und sagte nur immer wieder: „Donnerwetter...Donnerwetter.."
„Ey Dad, komm schon, da will uns doch einer veräppeln. Harry, Neville und ich sollen sogar einen Merlinorden 3. Klasse bekommen und wer zum Henker soll denn bitte schön dieser Elias Alexander Hubertus Leplate sein?", fragte Ginny kopfschüttelnd und hielt ihrem Vater nun auch ihren Brief hin.
„Merlinorden 3. Klasse? Neville und Harry auch?", Mrs. Weasley wuselte aus dem Abteil, um im Bruchteil von Sekunden mit Nevilles Großmutter im Schlepptau wieder aufzutauchen.
„Ähm, ich hab auch einen.", murmelte Hermine und da sie als einzige in Mrs. Weasleys Reichweite war, drückte und herzte Mrs. Weasley sie, bis sie kaum noch Luft bekam. „Lauf schnell, Hermine, und zeig den Brief deinen Eltern. Ach was, ich hol' sie schon!", und schon war Mrs. Weasley wieder verschwunden.
Langsam wurde es eng im Abteil, vor allem, als Mrs. Weasley mit Hermines Eltern sowie Fred und George wieder rein kam.
„Also, mal ehrlich, Mr. Weasley, die sind doch nicht echt. Oder haben wir etwa einen neuen Zaubereiminister, der wahllos Orden verteilt?", fragte Harry, der nun mit angezogenen Beinen auf seinem Sitz hockte und sich dicht an die Zugwand drücken musste, damit alle Platz hatten.
„Was denn für Orden und warum denn überhaupt?", fragte Fred, der dem ganzen Geschehen nicht recht folgen konnte.
„Ob die echt sind, Harry? Natürlich. Elias Alexander Hubertus Leplate ist unser neuer Minister für Zauberei. Nach dem was geschehen ist, konnte Scrigemour doch nicht Minister bleiben.", antwortete Mr. Weasley.
„Sie meinen also, dass, wenn wir am 20. Dezember ins Ministerium gehen, bekommen wir Merlinorden verliehen?", Harry konnte das nicht so recht glauben. Erst hatte es Ewigkeiten gedauert, bis das Ministerium ihnen überhaupt glaubt, dass Voldemort zurück ist. Sie haben Dumbledore sämtliche Orden erst entzogen, dann wieder gegeben. Sie hatten ihnen Umbridge auf den Hals gehetzt. Sie hatten ihnen den Kampf gegen Voldemort erschwert, wo sie nur konnten. Und jetzt wollten sie ihnen Orden verleihen?
„Hinterhältiges Pack.", murmelte Harry.
