Alle Charaktere -außer den von mir selbst erfundenen- gehören der bezaubernden J.K.Rowling! Ich habe nur zum Spaß geschrieben und verdiene kein Geld mit dieser Geschichte!
Kapitel
10.1 - Weihnachten (Teil1)
„Legen sie bitte alle ihre Federn aus der Hand, die Prüfung ist beendet." Während der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste die Pergamente zu sich nach vorne beschwor, fingen die Schüler an ihre Antworten zu vergleichen. Es klingelte und die Klasse packte ihre Taschen zusammen und machte sich brabbelnd auf, das Klassenzimmer zu verlassen.
„Puh, das war die letzte! Endlich! Bin ich froh, das diese Woche um ist!" Sirius warf sich seine Tasche lässig über die Schulter und legte den freien Arm um Summer.
„Ja, das war wirklich anstrengend. Ich bin einfach nur froh, es hinter mir zu haben." Sie lächelte ihrem Freund zu. Alice drängelte sich an ihnen vorbei.
„Schön für euch, ich hab noch eine. Arithmantik. Keine Ahnung warum ich dieses Mistfach belegt habe. Wünscht mir Glück!" Und damit drängelte sie sich den Gang entlang durch die Schülerschar hindurch der nächsten Prüfung entgegen.
Es war Freitag und nur noch vier Tage bis Weihnachten. Die Woche der Vorprüfungen war voller langer Stunden zwischen der Bibliothek und dem Schulsprecherraum gewesen. Lily war froh darüber gewesen, dass sie vor dem kleinen Zwischenfall im Schnee den Raum bereits zusammen als Studierzimmer benutzt hatten. So konnte sie sicher sein, James dort nicht alleine zu begegnen. Seit dem letzten Wochenende war sie ihm gegenüber wieder befangener gewesen. Durch die viele Arbeit hatte es zwar sowieso kaum Gelegenheiten gegeben, in denen sie allein gewesen wären, dennoch war sie froh über jede Ausrede gewesen, die sie hatte nutzen können um ihm auszuweichen.
Am Abend hatten die Freunde sich alle zumindest eine Stunde gemeinsam am Kamin gegönnt, wo sie entspannt beisammen saßen. Lily hatte so gut sie konnte versucht, ihre Gefühle zu überspielen und niemand hatte sie auf den Sonntagnachmittag angesprochen, nicht einmal Summer. Sie war fröhlich in das Lachen der anderen eingestimmt und hatte wie zuvor mit ihnen gescherzt. Doch innerlich war sie unausgeglichen und verstört. Sie fühlte sich merkwürdig, konnte aber den Grund nicht richtig erfassen.
Es schien als sei es zum Greifen nah, doch sie konnte es nicht erreichen.
Zur Mitte der Woche hatte sie die Gedanken endlich beiseite geschoben und war tatsächlich wieder etwas entspannter gewesen. Doch abends im Bett kam das merkwürdig drückende Gefühl zurück.
Nun machte sie sich mit ihren Freunden auf den Weg in die Große Halle um den Beginn der Weihnachtsferien zu feiern. Die ausgelassene Stimmung steckte sie an und fröhlich ließ sie sich neben Summer am Tisch nieder.
„Na mein Schatz, Hunger?" Summer grinste Sirius an.
„Was denkst du?" grinste dieser frech zurück, bevor er sich eine riesige Schüssel voller Backkartoffeln griff. Die Anderen lachten. Jojo lehnte sich zu Remus rüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er lachte kurz auf und zwinkerte ihr dann zu. Scheint ganz so, als wäre ich bald nur noch von Pärchen umgeben. überlegte Lily und tat sich ihren Teller voll Milchreis.
„Hey, wir gehen doch immer noch alle zusammen auf den Weihnachtsball, oder muss ich mir auf die Schnelle jetzt doch noch eine Partnerin suchen?" James blickte misstrauisch zu den zwei Turteltauben ihm gegenüber.
„Quatsch, wir haben gesagt, wir gehen alle zusammen, also gehen wir auch alle zusammen. Wir sollten dieses letzte Weihnachtsfest auf Hogwarts als Freunde feiern. Wer weiß, wann wir das nächste Mal zusammen Weihnachten feiern." Summer sah in die Runde.
Lily saß am Fenster im Gemeinschaftsraum. Draußen tobte ein regelrechter Schneesturm. Summer und Sirius hatten sich den Schulsprecherraum ‚geborgt', Alice und Frank waren in der ‚Bibliothek' wo immer diese auch sein mochte, Jojo saß mit Emmely und Remus irgendwo und spielte eine Runde Zauberskat und der Gemeinschaftsraum war trotz allem leer. Die meisten Schüler waren gleich am Freitagnachmittag nach dem Unterricht nach Hause gefahren, um mit ihren Familien Weihnachten zu feiern. Die Gryffindor-Siebtklässler hatten sich bereits Anfang Oktober dazu entschlossen, ihr letztes Weihnachten im Schloss gemeinsam zu verbringen. Lily störte es nicht, dass sie ihre blöde Schwester nicht sehen würde, aber sicher würde sie ihre Eltern vermissen. Andererseits freute sie sich auf den Ball und darauf, ihre Freunde zu beschenken. Sie hatte für alle kleine Geschenke besorgt oder gebastelt. Für Alice und Frank hatte sie einen Gutschein für Madame Puddifoots gebastelt, Emmely bekam einen hübschen Pullover den sie ihr bereits in Frankreich gekauft hatte. Er hatte vorne ein Rentier mit blinkender Nase abgebildet, das unter dem Eifelturm stand. Quer über dem Wahrzeichen Frankreichs hing ein Schild, auf dem im Takt zu Rudolfs blinkender Nase der Schriftzug ‚Joyeux Noel' zu sehen war. Emmely stand auf solchen Kitsch und Lily hatte ihn durch Zufall entdeckt, mitten im Sommer. Für Remus hatte sie ein Buch mit neusten Forschungsberichten über Werwölfe, für Jojo ein Buch über Drachen. Für Summer hatte sie eine Konzertkarte für die Schicksalsschwestern, wo sie zusammen hingehen würden. Beim letzten Konzert hatten sie sich gemeinsam fast die Seele aus dem Leib geschrien und noch Wochenlang über den Abend gelacht. Sirius war am Schwierigsten von allen gewesen, aber schließlich hatte sie sich dazu entschieden, ihm ein Fotoalbum zu schenken. Sie hatte Fotos von ihm und der Clique gesammelt. Außerdem hatte sie Bilder aus ihrem Urlaub dazugetan und alles mit kleinen Kommentaren beschriftet. Es hatte viel Arbeit gemacht, aber es hatte sich gelohnt. Es war wirklich ein hübsches Album geworden. Tja, und dann war da noch James. Sie hatte von Anfang an gewusst, was sie ihm hatte schenken wollen. Jetzt lag das Geschenk oben in ihrem Koffer und sie war sich nicht mehr sicher, ob sie es ihm wirklich geben sollte.
Hinter ihr knisterte es plötzlich und sie drehte sich vom Fenster weg. James erschien am Ende der Treppe mit seinem gelben Knuddelmuff im Arm. Er schaute sich verdutzt im Gemeinschaftsraum um, bis er Lily am Fenster entdeckte.
„Wo sind denn alle hin?" fragte er, während er auf sie zu schlenderte. Lily zuckte mit den Achseln.
„Der Großteil dürfte zu Hause sein und unsere Freunde haben sich alle in Luft aufgelöst. Dabei fällt mir allerdings ein, dass du es dir verkneifen solltest in nächster Zeit in den Schulsprecherraum zu gehen, es sei denn, du möchtest deinen besten Freund gerne in, na sagen wir Aktion erleben."
Mit einem wissenden Grinsen schüttelte James den Kopf.
„Nein danke, muss nicht sein." Er ließ sich neben ihr am Fenster nieder, ließ Sir Henry neben sich auf die Fensterbank gleiten und kraulte abwesend seinen Schopf. Lily beugte sich zu dem kleinen Fellknäuel hinüber.
„Wer ist denn dieser niedliche kleine Kerl?" fragte sie neugierig. Sie hatte gar nicht gewusst, dass James ein Haustier besaß, noch dazu hier in Hogwarts. James lächelte.
„Das ist Sir Henry, ein Knuddelmuff. Hab ihn letztes Weihnachten von meiner Tante bekommen."
„Wie süß. Darf ich ihn mal streicheln oder beißt er?" Lily hob den Blick und sah James an. Dieser lächelte noch immer.
„Klar kannst du ihn streicheln. Keine Angst, beißen tun Knuddelmuffs nicht, aber es könnte sein, dass er seine lange Zunge in deine Nase zu stecken versucht. Das macht er jedenfalls bei Sirius immer." Als er ihren entsetzten Blick sah musste er lachen. „Sirius hasst es, aber er mag Sir Henry. Ich schätze das ist die einzige Tatsache, die ihn davon abhält den kleinen Wuschelkopf hier morgens an die Wand zu werfen." Er nahm den Kleinen hoch und setzte ihn Lily auf den Schoß. Diese fing an ihn hinter den Ohren zu kraulen. Sir Henry fing an zu gurren.
„Das mag er. Genauso wie das hier." James griff hinüber und wuschelte dem gelben Fellball über den Kopf.
„Ah, jetzt hat er die gleiche Frisur wie du." Lily lächelte. Es war das erste richtig entspannte Lächeln, das James von ihr sah, seit dem merkwürdigen Augenblick letzte Woche. Sie hatte sich alle Mühe gegeben, aber er hatte bemerkt, dass ihr Lachen nicht echt war, wenn sie abends alle noch kurz zusammen gesessen hatten. Und es hatte ihm in der Seele wehgetan, sie so zu sehen.
„Was ist?" Lily hatte ihren Blick von Sir Henry abgewandt und bemerkt, dass James sie ansah.
„Nichts", sagte er nachdenklich, „es ist schön, dich lächeln zu sehen." Lily sah wieder zu Sir Henry.
„Ja, dafür gab es letzte Woche wenig Grund. War echt anstrengend." Irgendwie war sie sich sicher, dass er wusste, dass sie ihre gute Laune in der vergangenen Woche nur vorgespielt hatte.
„Ja das stimmt. Aber ich hab ein recht gutes Gefühl was die Vorprüfungen angeht, sogar bei Zaubertränke."
Sie lächelte wieder, schaute aber weiter Sir Henry zu, der sich genüsslich ihrem Kraulen hingab.
„Ja, dein Trank sah sehr gut aus. Er hatte auf jeden Fall die richtige Farbe."
„Ich weiß, pink! Hätte mir das jemand letzten Monat gesagt, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Und was meinst du wie Verwandlung bei dir gelaufen ist?"
„Ich denke ganz gut. Die praktischen Aufgaben hab ich alle geschafft. Bei den schriftlichen müsste ich auch ganz gut durchgekommen sein." James nickte.
„Du bist das erste Mal über Weihnachten in der Schule, oder? Was machst du denn sonst so?"
„Was ich sonst so mache? Naja Weihnachtsvorbereitungen eben. Meine blöde Schwester kommt zum Glück meist erst einen Tag vor Weihnachten oder direkt an Heilig Abend nach Hause. Also habe ich die ersten Ferientage meine Eltern für mich alleine. Wir gehen den Weihnachtsbaum kaufen, backen Kekse und schmücken das Haus. Solche Dinge eben. Und du?"
„Ich war eigentlich die letzten Jahre Weihnachten immer hier. Im dritten Schuljahr waren Sirius und ich bei mir zu Hause, aber ansonsten haben wir Weihnachten immer hier zusammen gefeiert." James zuckte mit den Schultern. „Hogwarts ist echt cool im Winter und Weihnachten kann hier richtig schön sein. Zu Hause können wir es ja die nächsten Jahre immer noch feiern, aber hier ist es das letzte Mal."
„Du wirst die Schule ganz schön vermissen, oder?"
„Ich hatte bisher viel Spaß hier. Du siehst alle deine Freunde jeden Tag und auch wenn es ab und zu ein paar Strafen gibt, wird es nirgendwo wieder so unbeschwert sein wie hier. Ja, ich denke ich werde Hogwarts schwer vermissen." Er seufzte und sah aus dem Fenster. Dann sah er wieder zu Lily. „Und du, du vermisst deine Vorbereitungen, stimmt's? Ich meine das Kekse backen und schmücken und so weiter."
„Ja, allerdings. Aber ich freue mich auch riesig auf Weihnachten hier mit euch."
„Ich hab eine Idee. Warte hier." James sprang auf und nahm Lily den Knuddelmuff ab. Dann flitzte er nach oben und kam in Windeseile zurück. In seinem Arm hatte er einen silbernen Umhang.
„Der ist nur für den Fall, dass es länger dauert", grinste er, als Lily ihn fragend ansah. Er nahm ihre Hand und zog sie hinter sich her aus dem Gryffindorturm. Sie liefen durch verschiedene Korridore, nahmen Lily noch unbekannte Abkürzungen und standen schließlich in einer Sackgasse. Vor ihnen hing ein Stillleben an der Wand, auf dem sich eine Schale mit Obst befand.
„Du musst falsch abgebogen sein, hier geht es nicht weiter", schnaufte Lily.
„Im Gegenteil, hier sind wir goldrichtig." James lächelte, drehte sich um und begann die Birne auf dem Bild mit dem Finger zu kitzeln. Das Bild schwang herum und eröffnete ihnen den Weg in eine riesige lang gestreckte Küche, in der es von Hauselfen nur so wimmelte. Lily riss vor Staunen Mund und Augen auf. James zog sie durch die Öffnung und das Bild verschloss den Eingang zur Küche. Überall dampfte und brodelte es. Die Elfen waren scheinbar bereits damit beschäftigt das Abendessen vorzubereiten. James flüsterte mit einem Elfen, der ihn bereits zu kennen schien. Die Augen des kleinen Wesens begannen zu leuchten und es piepste: „Gerne Mister Potter Sir. Mr. Potter Sir und junge Lady warten hier. Krumbly sein gleich zurück." Damit verschwand der Elf und ließ Lily und James mitten im Gewusel der Küche zurück.
„Du bist wohl öfter hier?" fragte Lily sichtlich beeindruckt. James nickte. Einige Augenblicke später kam Krumbly zurück und verbeugte sich vor den beiden Schülern. „Bitte folgt Krumbly." Piepste er erneut und bahnte sich einen Weg durch die Küche. Am Ende bog er nach rechts ab und öffnete eine kleine Tür. Er verbeugte sich wieder und ließ die beiden eintreten. „Wenn Mr. Potter Sir noch irgendetwas benötigt braucht er nur nach Krumbly rufen." Und mit einem kleinen Schnipser war der Elf verschwunden.
Lily sah sich in dem Raum um. In der Mitte stand ein langer Tisch, an den Seiten waren mehrere Schränke mit Arbeitsflächen, auf denen sich alle möglichen Küchengeräte befanden. Am Ende des Raumes befanden sich drei Backöfen mit jeweils mehreren Blechen drin. Fragend drehte sie sich zu James um.
„Jetzt können wir wenigstens Kekse backen." Er lächelte sie aufmunternd an. „Allerdings kenne ich keinerlei Rezepte. Ich bin nur gut im Kekse-Essen, nicht im Kekse-Backen."
Lily konnte es kaum glauben. Wie konnte er so was einfach aus dem Ärmel schütteln?
„Legen wir los? Du musst mir sagen, was ich machen soll. Ich bin ein echter Küchentrottel."
Ihre Augen begannen zu strahlen.
„Ja, fangen wir an. Wenn du mit meiner Hilfe Zaubertränke brauen kannst, ist das hier ein Kinderspiel!"
„Weiß einer von euch wo James und Lily stecken?" Sirius kam die Treppe vom Jungenschlafsaal herunter. Remus, Frank und die Mädels saßen alle an ihrem Lieblingsplatz vor dem Kamin.
„Oben bei uns sind sie nicht. Also ich meine auch Lily ist nicht oben…Na ihr wisst was ich meine." Summer grinste. Als sie und Sirius wieder in den Gemeinschaftsraum gekommen waren, saßen Emmely, Jojo und Remus zusammen und machten einen Test aus der neusten Hexenwoche. Kurz nach ihnen waren Frank und Alice aufgetaucht, doch von Lily und James war keine Spur.
Plötzlich schwang das Portrait der fetten Dame zur Seite und die beiden traten in den Gemeinschaftsraum. Sie hatten mehrere große Dosen auf den Armen und sie lachten über irgendetwas. Als sie ihre Freunde sahen kamen die zwei auf sie zu und stellten die Dosen auf den Boden.
„Wo kommt ihr denn her? Und was verdammt noch mal riecht hier so gut?" Sirius blickte von Lily zu James und zurück zu Lily. „Und übrigens, du hast da was auf der Nase." Lily zog die Stirn kraus. James lachte nur, während Lily mit ihrem Ärmel über ihre Nase wischte.
„Ist es weg?"
„Ja, war nur noch etwas Restmehl." James lachte immer noch in sich hinein.
„James Potter, du hättest mir ruhig sagen können, dass ich noch Mehl auf der Nase habe."
„Aber es sah doch so putzig aus." Lily schnaufte und drehte sich zu der Clique herum, die immer noch fragend zu den beiden hochsah. Sie ließ sich plumpsend neben Jojo auf den Boden fallen und zog eine Dose zu sich heran.
„Ich war vorhin ein bisschen mürrisch, weil ich das erste Mal nicht zu Weihnachten zu Hause bin, und da hat James mich mit in die Küche genommen." Alle sahen sie erwartungsvoll an. „Und, wir waren backen!" Mit eine geschickten Handbewegung öffnete sie die Dose und der Duft von frischgebackenen Weihnachtsplätzchen durchflutete den gesamten Gemeinschaftsraum. Alle sogen den Duft ein und ihnen lief das Wasser im Munde zusammen.
„Na los, greift zu!" Lily strahlte und hielt ihren Freunden die Dose entgegen. Die ließen sich nicht zweimal auffordern und griffen begierig zu. Sirius wollte gerade in ein riesiges Plätzchen beißen, als er misstrauisch innehielt.
„Sag mal James, du hast doch nicht auch welche gebacken, oder?"
„Doch mein lieber, das habe ich." James schaute seinen besten Freund boshaft an.
„Lils, weißt du noch von wem der hier ist? Ich meine, ist das ganz sicher einer von dir oder ist er von dem Meisterbäcker hier?" Lily kicherte.
„Du kannst sie alle essen. James kann sehr gute Plätzchen backen. Ich hab sie probiert. Ganz ehrlich."
Immer noch misstrauisch biss Sirius in den Keks. Seine letzten Zweifel schienen jedoch sofort zerstreut, denn einen Augenblick später war der Keks verschwunden und er griff bereits erneut in die Dose.
Als zwei der großen Dosen leer waren, nahm Lily entschlossen die beiden anderen noch unangerührten Dosen und stand auf.
„Die sind für Weihnachten." Die Freunde fingen an zu protestieren, doch Lily schüttelte den Kopf. „Erstens bekommt ihr alle Bauchschmerzen, wenn ihr noch mehr esst und außerdem sind wir alle traurig, wenn wir übermorgen keine mehr haben." Entschlossen machte sie sich auf den Weg nach oben. Summer rief ihr hinterher.
„Warte Lily, ich komm gleich mit. Ich muss ins Bett, ich bin todmüde." Sie verabschiedete sich von den anderen und gab Sirius einen Gute-Nacht-Kuss, bevor sie Lily hinterher eilte. Der Rest der Clique löste sich ebenfalls auf.
Als die Jungen fast alle bereits in ihren Betten lagen, klopfte es leise an die Tür zu ihrem Schlafsaal. Sirius schaute fragend zu den anderen, doch sie blickten nur fragend zurück. James kam aus dem Bad, als Sirius die Tür öffnete. Lily stand davor. Verwundert sah er sie an.
„Lily, alles okay?"
„Ja, entschuldige, ich wollte euch nicht stören. Ich hoffe, ich hab noch niemanden geweckt."
„Ach quatsch, komm rein." Er öffnete die Tür um sie reinzulassen, doch sie schüttelte den Kopf. Remus und James schauten sie erstaunt an, als sie sahen, wer in der Tür stand.
„Ich wollte eigentlich nur noch mal kurz mit James sprechen. Und ich hab Sir Henry eins von den Plätzchen gebracht. Ich weiß nicht, ob er so was essen darf." Sie sah sich suchend um, bis sie das Körbchen mit dem kleinen Fellknäuel entdeckt hatte. James nickte und nahm ihr den Keks ab. Sirius ging wieder zu seinem Bett und ließ sich darauf fallen. Er tat so, als würde er sich mit dem Knuddelmuff beschäftigen, aber seine Ohren waren gespitzt, damit ihm kein Wort der leisen Unterhaltung entging.
„Ich wollte mich eigentlich nur noch mal bei dir bedanken, dafür, dass du mich heute aufgemuntert hast. Das war ein sehr schöner Nachmittag. Hat mir viel Spaß gemacht."
„Das hab ich gern gemacht. Ich mag es, wenn du richtig lächelst. Und danke für den Keks für Sir Henry."
„Gern geschehen, gute Nacht James. Gute Nacht Jungs!" rief sie an ihm vorbei in den Raum hinein und verschwand im dunklen Flur. James schloss die Tür. Er ging zu seinem Bett und gab Sir Henry den Keks.
„Alles klar Krone?" Sirius grinste ihn an.
„Ja, alles klar Tatze. Nacht Jungs", sagte James und schloss summend seine Bettvorhänge.
Draußen an der Wand lehnte Lily, das Bild von James in Pyjamahose, mit nacktem Oberkörper vor den geschlossenen Augen. Das war nicht das erste Mal, dass sie ihn so gesehen hatte und aus irgendeinem unerfindlichen Grund hoffte sie, es würde nicht das letzte Mal gewesen sein.
„Du warst gestern noch mal bei den Jungs drüben und hast mit James gesprochen?" Summer lehnte am Türrahmen zum Badezimmer und sah zu, wie Lily sich die Zähne putzte. Diese nickte und beugte sich dann zum Wasserhahn herunter, um sich den Mund auszuspülen. Sie griff nach einem kleinen Handtuch und wischte sich den Mund ab.
„Ja, aber Summer, bevor du irgendwas sagst solltest du wissen, dass ich einfach nur noch danke sagen wollte."
„Ich wollte gar nichts sagen. Ich fand es nur interessant."
„Was ist denn daran interessant? Ich hatte unten keine Möglichkeit mehr, mich zu bedanken, also hab ich es eben später gemacht. Was ist denn da dabei?"
„Gar nichts." Summer hob die Schulter und ging ins Zimmer zurück. Lily kam ihr hinterher. Sie waren allein, da Jojo, Em und Alice bereits beim Frühstück waren. Die drei wollten in Hogsmeade noch schnell die letzten Weihnachtseinkäufe erledigen.
„Gar nichts?"
„Ich wunder mich nur, warum du mir gestern nichts davon gesagt hast, dass du noch mal rüber willst. Ich hätte dich begleiten können. Außerdem protestierst du mir in letzter Zeit zu oft, wenn es um das Thema James geht. Das ist alles."
„Ich protestiere gar nicht." Summer warf ihrer Freundin einen viel sagenden Blick zu.
„Okay, vielleicht protestiere ich, aber doch nur, weil ihr alle immer gleich zuviel in irgendetwas herein interpretiert. Gut, ich gebe zu du hattest Recht mit dem, was du über James gesagt hast, aber das heißt noch lange nicht, dass ich mich wie alle kleinen Mädchen jetzt sofort in ihn verknallen muss."
„Nein, da hast du Recht, das heißt es nicht, aber es überzeugt mich auch nicht vom Gegenteil. Im Gegensatz zu dir kann ich die Situation neutral betrachten. Ich denke, du willst es nur nicht wahrhaben."
„Du redest Quatsch Sum. Das ist die rosarote Brille, die Verliebte sich aufsetzen. Sie wollen überall die große Liebe sehen, damit alle so glücklich sind wie sie selbst", neckte Lily ihr beste Freundin, auch, um von sich selbst abzulenken. Summer ließ sich seufzend auf ihr Bett fallen.
„Ich hätte nie gedacht, dass es noch besser ist seine feste Freundin zu sein, als einfach nur ein Kumpel. Er ist so…so…ach, er ist einfach unbeschreiblich sexy!" Das erste Mal seit Sirius und Summer zusammen gekommen waren saßen die beiden Mädchen zusammen und unterhielten sich ausgiebig darüber.
Als sie endlich runter in den Gemeinschaftsraum gingen, waren die anderen drei Mädels bereits zurück und kamen ihnen auf der Treppe entgegen. Sie brachten ihre Einkäufe nach oben und trafen dann den Rest der Clique wieder im Gemeinschaftsraum. Gemeinsam verbrachten sie nicht nur den Nachmittag, sondern auch die letzten Tage vor Weihnachten. Sie bauten eine ganze Familie aus Schneemännern, halfen bei den letzten Dekorationen im Schloss und schmückten den gesamten Gryffindorturm. Nach und nach verwandelte sich Hogwarts in einen weihnachtlichen Traum und alle Schüler, die wegen des Balles in der Schule geblieben waren konnten es kaum mehr erwarten, bis endlich Weihnachten war.
Am 24. Dezember wurde abends in der Großen Halle ein gemütliches Essen hergerichtet. Neben den Schülern der siebten Jahrgangsstufe, die komplett aus allen vier Häusern anwesend waren, gab es noch einige Schüler aus den fünften und sechsten Klassen, die nicht nach Hause gefahren waren. Vereinzelt sah man auch noch jüngere Schüler, aber diese konnte man an zwei Händen abzählen. Als Professor Dumbledore die Weihnachtsgans anschnitt und dann sein Glas erhob, sagte er feierlich mit zwinkernden Augen:
„Ich denke, es sind ausreichend Personen anwesend, um morgen Abend einen wunderschönen Weihnachtsball abzuhalten. Ich habe noch einige Anmeldungen von Schülern und Eltern erhalten, die der Veranstaltung morgen zusätzlich beiwohnen werden, sodass wir uns keine Sorgen um leere Stühle machen müssen. Außer natürlich, wenn wir alle das Tanzbeinschwingen. Aber genug von morgen Abend. Ich wünsche euch allen ein fröhliches Fest und jetzt erstmal einen guten Appetit!"
