Tach, Leute! Vielen Dank für den Review! :)
Sarah: Schön, dass du wieder dabei bist. ;) Joa, könnte sein, dass das keine so gute Idee war, in das Arbeitszimmer einzubrechen...^^
DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Quidditch (1/2)
„Tach, Leute!" Sirius zog die Abteiltür hinter sich zu und lief sich auf einen Platz fallen. „Wo ist James?"
„Noch nicht da." Remus legte sein Buch zur Seite und runzelte die Stirn. „Du siehst furchtbar aus, Sirius."
So fühle ich mich auch.
„Hatte die Grippe. Hab die letzte Ferienwoche vor allem im Bett verbracht."
„Oh... Geht's dir jetzt besser?"
Sirius war sich nicht ganz sicher, ob Peter gut schauspielern konnte oder ob er die Frage wirklich ernst meinte.
„Ja, ein bisschen. Vielleicht sollte ich mir nachher in Hogwarts noch einen Aufpäppel-Trank von Madam Pomfrey holen."
„Ja, das glaube ich auch", meinte Remus mit einem scharfen Unterton in der Stimme. Er jedenfalls glaubte Sirius kein Wort, so viel war klar.
„Wo bleibt James eigentlich?", versuchte Sirius das Thema zu wechseln. Remus warf einen Blick auf seine Uhr.
„Gute Frage. Wenn er nicht bald auftaucht, fährt der Zug ohne ihn ab."
In diesem Augenblick wurde die Abteiltür heftig aufgerissen und James schlitterte herein.
„Puh, gerade noch geschafft", stieß er erleichtert hervor und ließ sich auf einen der Sitze fallen. „Hatte was vergessen." Dann starrte er Sirius an. „Was hast du denn gemacht?"
Ich muss ja echt mies aussehen...
„Grippe. Danke übrigens für eure Geschenke", redete er schnell weiter. „Sind meine Antworten bei euch angekommen? Ich weiß nämlich immer noch nicht, wie diese Kassette funktioniert, Remus."
„Oh, ach ja, das war tatsächlich etwas unüberlegt von mir", gab Remus etwas verlegen zu. „Mein Vater hat auch gesagt, dass du so was wahrscheinlich nicht kennst."
„Ja, ja, jetzt weiß ich ja, was eine Kassette ist", meinte Sirius ungeduldig. „Ich will vor allem wissen, wie sie funktioniert. Ich hab sie mit dem Zauberstab angetippt und so, aber es ist nichts passiert."
Remus brach in schallendes Gelächter aus.
„Du hast was gemacht? Du hast versucht, eine Kassette abzuspielen, indem du sie mit dem Zauberstab angetippt hast?"
Sirius spürte, wie er ärgerlich wurde.
„Na, was hätte ich denn sonst tun sollen?"
Immer noch lächelnd antwortete Remus: „Eine Kassette benutzt man in der Mugglewelt um...hm, sagen wir mal, Geräusche und Töne und Musik oder Gespräche zu speichern. Und wenn man sich seine Aufzeichnungen anhören will, dann spielt man die Kassette mit einem Kassettenrekorder ab."
„Was ist ein Kassettenrekorder?", wollte James wissen.
„Ein Gerät zum Abspielen einer Kassette", wiederholte Remus. „Aber anscheinend gibt's das nur in der Muggle-Welt. Und da liegt unser Problem", wandte er sich an Sirius. „Ich könnte zwar von zu Hause einen Rekorder nach Hogwarts mitbringen, aber er würde dort nicht funktionieren. Tut mir leid, die Kassette kannst du in nächster Zeit wohl erst mal nicht hören."
„Schade", sagte Sirius und meinte es auch so. Er hätte gerne mal Muggle-Musik gehört.
„Wenn du die Kassette unbedingt anhören willst, dann komm doch in den Ferien mal vorbei. Oder ich bringe den Rekorder zu James mit."
„Hey, tolle Idee", stimmte James begeistert zu. „Komm doch über die Osterferien zu mir, Sirius, und dann besuchen wir Remus und Peter."
Sirius' Augen leuchteten auf. Es wäre wunderbar, zwei Wochen bei den Potters in Godric's Hollow zu verbringen und nicht zum Grimmauldplatz zurückzukehren. Sie werden es niemals erlauben. Die Erkenntnis ernüchterte in schlagartig.
„Bis zu den Osterferien ist es noch lange hin", sagte er gespielt gleichgültig. „James, wenn wir in Hogwarts sind, müssen wir unbedingt Quidditch spielen. Ich muss den Schläger von Peter ausprobieren."
„Gefällt er dir?", fragte Peter schüchtern. „Ich wusste nicht genau, was für einen du gut findest, ich kenn mich ja nicht so aus..."
„Er ist großartig."
Peter strahlte.
Es war schon dunkel, als der Hogwarts-Express in Hogsmeade einfuhr. Sie fuhren mit den pferdelosen Kutschen zum Schloss, aßen schnell in der Großen Halle zu Abend und gingen danach in den Gryffindor-Turm. James, Remus und Peter hatten immer noch viel zu erzählen, sie holten ihre Geschenke aus den Koffern und probierten sie gegenseitig aus, aber Sirius war müde und ging früh schlafen.
Mitten in der Nacht wurde er von James geweckt.
„Was'n los?", murmelte er verschlafen.
„Steh auf und mach dich fertig", flüsterte James zurück. „Ich muss dir unbedingt was erzählen."
„Hat das nicht bis morgen Zeit?"
„Nein. Jetzt komm schon!"
James gab nicht auf und schließlich verließ Sirius widerstrebend sein Bett. Sie schlüpften unter den Tarnumhang und schlichen sich aus dem Gryffindor-Turm.
„Wo gehen wir hin?", wollte Sirius wissen.
„In den vierten Stock in unseren Geheimgang", flüsterte James zurück. „Da sind wir sicher."
„Mann, 'ne ganze Menge los heute Nacht", meinte James, als sie hinter dem Spiegel verschwanden.
„Die wollen wohl sichergehen, dass es keine magischen Kreaturen mehr hier reinschaffen", antwortete Sirius und setzte sich auf den Boden. „Also, James, jetzt spuck's schon aus. Weshalb sind wir hier? Hast du was rausgefunden? Und warum sollen Remus und Peter nichts mitkriegen?"
„Weil ich eine Idee hab, wie wir Remus helfen können. Aber es könnte gefährlich werden, deshalb würde er wahrscheinlich alles tun, um uns davon abzuhalten. Darum hab ich's nicht schon vorhin erzählt. Remus darf nichts davon wissen."
„Wovon denn, James?", wollte Sirius ungeduldig wissen. „Jetzt sag doch endlich, was du für einen Plan hast!"
James holte tief Luft.
„Wir werden Animagi."
„Was?" Sirius glaubte, sich verhört zu haben. „Animagi? Bist du verrückt geworden?"
„Nein, ich meine es ernst!" James lief aufgeregt auf und ab, während er redete. „Es ist ganz logisch. Werwölfe sind nur für Menschen gefährlich...naja, jedenfalls können sie nur Menschen zu neuen Werwölfen machen. Aber wenn wir Tiere wären, dann könnten wir Remus Gesellschaft leisten. Er wäre nicht mehr allein!"
„Wie bist du da drauf gekommen?", wollte Sirius wissen.
„Erinnerst du dich noch an dieses affige Werwolf-Gedicht? Irgendwie ist es mir nicht aus dem Kopf gegangen. Und dann hab ich in dem Verwandlungsbuch, das mir meine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat, einen Text über Animagi gelesen. Und da ist es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen gefallen. Wir hätten schon viel früher daran denken sollen, aber irgendwie haben wir wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen."
„Und wie stellst du dir das Ganze vor?", fragte Sirius. „Ich meine, dass wir Animagi werden."
Das ist verrückt, dachte er, völlig verrückt. Aber es war auch irgendwie...genial. Wenn wir das schaffen würden...
„In meinem Verwandlungsbuch steht ziemlich viel drin und es gibt ein Literaturverzeichnis. Uns steht die ganze Bibliothek von Hogwarts zur Verfügung. Verdammt, Sirius, warum sollten wir es nicht schaffen? Was wir hier in der Schule lernen, ist doch absolut lächerlich. Das wäre eine echte Herausforderung!"
James glühte vor Begeisterung. Und sie war ansteckend.
„Wir werden Animagi, James. Und wenn es das letzte ist, was wir tun."
James lächelte.
„Ich wusste, dass du dabei bist." Urplötzlich wurde er ernst. „Sirius...was ist in den Ferien passiert?", fragte er. „Du siehst völlig fertig aus."
„James..."
„Haben dich deine Eltern bestraft, weil du versucht hast, was rauszufinden?"
Sirius fühlte sich plötzlich sehr müde und sehr alt.
„Sirius, was tust du hier?"
„Vater, ich..."
„Durchsuchst du meine privaten Dokumente, Sirius? Spionierst du mir hinterher?"
„Sagen wir einfach, ich hab mich verkühlt, als ich nachts umhergeschlichen bin, obwohl ich eigentlich schlafen sollte, okay?", schlug er matt vor. Er wollte nicht darüber reden. Er konnte nicht darüber reden.
...Vertrauensbruch...
„Crucio."
….Verrat...
„Crucio."
...Verbrechen...
„Crucio."
Schmerz. Geschmack von Erbrochenem.
„Geh mir aus den Augen!"
James sah aus, als lägen ihm 1000 Fragen auf der Zunge. Er kämpfte einen Moment mit sich, aber dann nickte er.
„Also gut."
Seine Stimme hatte einen schmerzlichen Unterton. Sirius atmete auf.
„Übrigens habe ich nichts herausgefunden", ergänzte er noch klärend.
„Ich auch nicht", meinte James bedauernd.
„Aber ich habe eine Vermutung. Erinnerst du dich noch daran, was dein Dad geschrieben hat? Dass er glaubt, dass gerade die Ruhe vor dem Sturm herrscht?"
James nickte langsam. Und Sirius erzählte ihm von seiner Vermutung hinsichtlich Voldemort und Dumbledore. Als er fertig war, sah James ihn bestürzt an.
Remus reagierte skeptisch.
„Alles schön und gut", sagte er, „aber dann müsste ein Todesser hier sein. Und Hogwarts ist der sicherste Ort der Welt. Man kann hier nicht so einfach eindringen."
„Es muss ja auch nicht gleich ein Todesser sein", erwiderte James. „Voldemort bräuchte nur irgendeinen Handlanger, einen Spion oder so."
„Ihr habt schon einmal geglaubt, dass ein Eindringling in Hogwarts ist, und dann war es nur Madam Pomfrey", erinnerte sie Remus.
„Das war etwas völlig anderes", mischte sich Sirius ein. „Der Spion könnte jeder sein."
„Zum Beispiel einer von den Slytherins", ergänzte James. Remus verdrehte die Augen.
„Lass mich raten: Snape."
„Warum nicht?", verteidigte sich James. „Er ist ein Slytherin, er hasst Mugglestämmige..."
„Er ist mit Lily Evans befreundet."
„Und er wendet dunkle Magie an."
„Er ist nur ein Zweitklässler. Kein Zweitklässler würde alleine mit einem Troll fertig werden"
„Schniefelus vielleicht nicht", warf Sirius ein, bevor James widersprechen konnte, „aber Malfoy schon." Er machte eine Pause und alle drei starrten ihn erwartungsvoll an. „Er ist ein Siebtklässler und er würde mit einem Troll fertig werden. Und sein Vater ist garantiert ein Todesser."
Remus blieb immer noch skeptisch.
„Nur mal angenommen es ist ein Slytherin...unter der Voraussetzung, dass es überhaupt einen Spion gibt und dass dieser Spion und ein Schüler ist, was..."
„Remus!", warf James warnend ein.
„Also, worauf ich hinaus will: Warum gerade Malfoy und nicht, hm, beispielsweise Lestrange? Seine Familie steht doch auch auf Voldemorts Seite."
James warf Remus einen irritierten Blick zu.
„Seit wann kennst du dich mit den reinblütigen Familien aus?"
„Ich lese und bilde mich weiter", erwiderte Remus würdevoll. Etwas ernster setzte er hinzu: „Ich bin Halbblüter und...", er senkte die Stimme, sodass sie ihn kaum verstehen konnten, „...ein Werwolf. Wenn ich außerhalb der Schule überleben will, muss ich Bescheid wissen."
Sirius machte ein verächtliches Geräusch.
„Ich kann dir Nachhilfe geben. Die wichtigsten Regeln lauten: Alles, was Spaß macht, ist verboten, und alle Leute außer dir, deiner Familie und ein paar ausgewählten Verbündeten sind nicht mal den Dreck unter deinen Fingernägeln wert." Etwas ernster fuhr er fort: „Um auf deine Frage zurückzukommen: Malfoy ist der Anführer der Slytherins. Sie werden alles tun, was er sagt. Lestrange kommt erst nach ihm...oder nach Narzissa. Es wäre dumm, ihn zu nehmen, wenn Malfoy das Ganze aus einer Machtposition viel besser durchziehen kann."
„Und er ist Schulsprecher", fügte James hinzu. „Die Lehrer vertrauen ihm. Niemand würde ihn verdächtigen."
Remus war immer noch nicht ganz überzeugt, aber immerhin gab er zu, dass ihre Theorie nicht unmöglich war.
„Und was tun wir jetzt?", fragte Peter in ein nachdenkliches Schweigen hinein. „Sollen wir zu Prof. Dumbledore gehen?"
Remus schüttelte den Kopf.
„Wir haben keine Beweise."
„Dann müssen wir welche finden", erklärte James entschlossen. „Und ich habe auch schon eine Idee wie."
Es stellte sich heraus, dass seine Idee darin bestand, dass Sirius und er selbst unter dem Tarnumhang verborgen Malfoy überall hin folgten. Irgendwann, davon war James überzeugt, würde er einen Fehler machen und sich verraten. Doch Lucius Malfoy machte keine Fehler. Er aß in der Großen Halle. Er schwänzte nicht eine Schulstunde. Seine Fächer waren Verwandlung, Zauberkunst, Zaubertränke und Arithmantik. Er patrouillierte durch die Gänge, ermahnte die anderen Schüler und zog den Gryffindors Punkte ab. Er küsste Narzissa in einem leeren Klassenraum. Er kommandierte die Slytherins herum. Er fluchte, als er zum zweiten Mal in die Wasserpfütze vor dem Mädchenklo im ersten Stock trat. Er schickte Eulen nach Malfoy Manor. Aber er schlich sich nicht nach draußen, um magische Wesen in das Schloss zu lassen, er traf keine zwielichtigen Personen und er verlor kein Wort über einen geheimen Plan oder ein Komplott gegen Dumbledore.
Eine Woche später saßen Sirius, James, Remus und Peter wieder im Gemeinschaftsraum und waren nicht einen Schritt weiter. Remus sah müde und abgespannt aus, die Ringe unter seinen Augen waren dunkel. Die kommende Nacht würde eine Vollmondnacht sein und entsprechend sah Remus' Laune aus. Die anderen versuchten, ihn aufzumuntern, aber ohne besonders großen Erfolg. Schließlich machte sich der Werwolf auf den Weg in den Krankenflügel.
Kaum war Remus verschwunden, schossen Sirius, James und Peter die Treppe hinauf in ihren Schlafsaal und holten ihre Bücher aus den Verstecken, die sie heimlich aus der Bibliothek geholt hatten. Animagus werden war unglaublich kompliziert, noch viel komplizierter und schwieriger als es in James' Buch angedeutet wurde und als die beiden Gryffindors gedacht hatten, aber das minderte nicht ihre Entschlossenheit. Peter war nicht gerade von ihrem Plan überzeugt gewesen, aber James hatte ihn schließlich überredet. Und während Remus in der Bibliothek Hausaufgaben machte, hatten Sirius, James und Peter im Geheimgang hinter dem Wandspiegel einen unbrechbaren Schwur geleistet, nämlich dass sie alle Animagi werden würden oder keiner und dass sie Remus erst davon erzählen würden, wenn sie es erfolgreich geschafft hätten. Dummerweise war Remus zu schlau und zu aufmerksam, um nicht zu merken, dass sie irgendetwas vor ihm verbargen.
„Sagt mal, was lest ihr da eigentlich die ganze Zeit?", wollte er eines Tages wissen. „Seid ihr etwa immer noch an der Malfoy-Sache dran?"
„Nee. Wenn ich den noch mal mit Narzissa knutschen sehe, wird mir schlecht."
„Und was ist es dann?", fragte Remus nach. „Fangt ihr etwa an, Hausaufgaben zu machen?"
„NEIN!", riefen James und Sirius wie aus einem Munde. Remus lachte.
„Hätte ich auch nicht wirklich gedacht. Also, was ist es?", setzte er jetzt neugierig geworden hinzu.
„Okay, okay, wir geben's ja zu, Remus", sagte James. „Du hast uns durchschaut."
„Dabei haben wir uns so viel Mühe gegeben, dass du nichts bemerkst", meinte Sirius.
„Aber jetzt, wo du uns eh erwischt hast, müssen wir's wohl sagen", fuhr James fort. Peter starrte sie beide ungläubig an.
„Ihr wollt es ihm sagen? Aber wir haben doch geschworen..."
„Ja, aber das war, bevor wir gemerkt haben, wie unglaublich scharfsinnig Remus ist", unterbrach ihn James.
„Er ist einfach so schlau, dass wir keine Chance haben", ergänzte Sirius. „Sagst du es ihm, James?"
„Ja, ich werde für uns gestehen", erklärte James theatralisch, als wolle er die Schuld für ein schweres Verbrechen auf sich nehmen, das er gar nicht begangen hatte. „Remus, wir planen einen Streich."
„Einen Streich?", wiederholten Remus und Peter gleichzeitig.
Dann wollte Remus wissen: „Und das war euer ganzes Geheimnis?"
Während Peter fragte: „Was für ein Streich?"
„Der Streich, um Remus aufzumuntern", erklärte Sirius. „Du weißt schon, 'n bisschen Spaß und so statt trübe Laune."
„Seit wann wäre ein Streich geeignet, um mich aufzumuntern?", wollte Remus misstrauisch wissen. „Ihr verarscht mich doch."
„Aber, Remus!", rief James, als hätten ihn diese Worte tief getroffen. „Das würden wir doch niemals tun!"
„Wir hatten schon so tolle Ideen", pflichtete ihm Sirius bei. „Pinke Umhänge für die Slytherins..."
„Grüne Haare für Schniefelus..."
„Stinkbomben in den Verliesen..."
„Säuredrops im Kürbissaft..."
„Eine Liebeserklärung an Prof. McGonagall..."
„Feuerwerk..."
Remus hob abwehrend die Hände.
„Ist ja gut, ist ja gut. Das Übliche also. Und wie weit seid ihr schon?"
„Ähm...noch nicht so besonders weit", gab James zu.
„Genau genommen noch ganz am Anfang", präzisierte Sirius. James setzte sein strahlendstes Lächeln auf.
„Vielleicht kannst du uns ja helfen, Remus."
Remus' Augenbrauen zogen sich unheilverkündend zusammen.
„Wie kommst du da drauf, dass ich euch helfen würde, James? Du weiß genau, was ich von Streichen halte."
„Ach, komm schon, Remus", meinte Sirius, „jetzt gib's schon zu, unsere Streiche haben dir immer Spaß gemacht."
„Du hast uns nie verpfiffen..."
„Sondern mitgemacht. Erinnerst du dich? Der Flubberwurm-Schleim..."
„Die Springenden Knollen..."
„Die Konfetti-Bombe..."
„Die Idee mit dem Verwirrungselexier und dem Vergesslichkeitstrank..."
„Ja, ja." Remus musste gegen seinen Willen grinsen. „Ist ja gut. Was fehlt euch denn noch zum perfekten Plan?"
Und die vier Unruhestifter steckten die Köpfe zusammen.
In der nächsten Zeit waren Sirius und James schwer beschäftigt. Ihr neuer Streich, eigentlich nur als Ablenkungsmanöver für Remus gedacht, entwickelte sich zu richtiger Arbeit. Dazu kam der Unterricht (den Sirius und James vor allem nutzten, um den versäumten Schlaf nachzuholen), dreimal in der Woche Quidditch-Training, ihr Animagi-Projekt, von dem Remus natürlich nichts ahnen dürfte, und selbstverständlich hatten die beiden ihre Suche nach Beweisen gegen Malfoy keineswegs aufgegeben. Wann immer sie Zeit hatten, schlüpften sie unter den Tarnumhang, belauschten Slytherins, verfolgen Malfoy, erkundeten das Schloss oder hielten nach verdächtigen Verhaltensweisen und anderen Anhaltspunkten Ausschau. Das einzige, was sie fanden, war ein neuer Geheimgang hinter der Statue von Gregor dem Kriecher im dritten Stock und mehrere nützliche Abkürzungen bei der Flucht vor Filch und patrouillierenden Lehrern. Das waren zwar großartige Entdeckungen, aber nicht das, wonach sie gesucht hatten.
„Remus, du bist der Meister des Minimalismus", verkündete James am Morgen, als es losgehen sollte. Remus grinste selbstgefällig.
„Ich weiß."
Dann warf er sich den Tarnumhang über, während James, Sirius und Peter sich wie üblich auf den Weg in die Große Halle machten. Sie aßen gerade ihre Toasts, als ein Haufen verstörter Ravenclaws hereinkam mit zerknitterten Umhängen und zerzausten Haaren. Sirius, James und Peter grinsten und taten, als hätten sie noch nie etwas Köstlicheres als labbrigen Toast mit Erdnussbutter gegessen, während sie gespannt lauschten.
„...und dann sind die Treppenstufen einfach unter uns verschwunden", hörten sie einen aufgeregten Drittklässler wild gestikulierend berichten. „Davon hab ich noch nie gehört, dass so etwas passiert!"
Die Antwort eines älteren Ravenclaws konnten sie nicht verstehen, aber es schien nicht das zu sein, was der Berichterstatter hören wollte. Mit einer zornigen Geste setzte er sich hin.
James verschluckte sich, als er versuchte sein Lachen zu unterdrücken. Sirius klopfte ihm grinsend auf den Rücken. Einen Augenblick später kam Remus herein.
„Warum habt ihr mich nicht geweckt, ihr Verräter?", fuhr er sie an. „Wenn ich nicht zufällig ohne Wecker aufgewacht wäre, hätte ich total verschlafen!"
„Ach, Remus, du hast sooo friedlich geschlafen", meinte James mit seinem nettesten Lächeln (das man nur zu sehen bekam, wenn er das Gegenteil davon meinte), „da konnten wir dich einfach nicht wecken..."
Der Werwolf setzte sich zu ihnen.
„Scheint ja alles wie geplant geklappt zu haben", flüsterte Sirius so leise, dass nur die vier Freunde ihn hören konnten.
„Erste Sahne", kam es von Remus genauso leise zurück.
„Was haben wir eigentlich jetzt?", fragte James beiläufig.
„Verteidigung gegen die dunklen Künste", antwortete Sirius.
„Oh nein!", rief Peter laut. „Ich dachte Kräuterkunde! Ich muss schnell mein Buch holen!"
Er rannte los.
„Das kommt davon, wenn man seine Freunde morgens nicht aufweckt!", rief ihm Remus hinterher. Die drei aßen ihre Toasts auf und machten sich auf den Weg zu Prof. Aridus' todlangweiligem Verteidigungsunterricht, während Peter unter dem Tarnumhang verborgen dafür sorgte, dass die Hufflepuffs auf den Weg zu Zauberkunst die Treppe wieder hinuntersegelten.
Als James, Sirius, Remus und Peter abends nach dem Quidditch-Training im Gemeinschaftsraum saßen, war jeder Hogwartsschüler mindestens einmal eine Treppe heruntergerutscht, weil sich die Treppenstufen unter ihnen plötzlich in eine glatte Rutschbahn verwandelt hatten. Die Slytherins hatten außerdem festgestellt, dass sie mal wieder Opfer einer Stinkbombenattacke geworden war und Snapes Haare hatten sich auf geheimnisvolle Weise grün und sein Umhang pink verfärbt.
Alle diskutierten, lachten oder schimpften über den geheimnisvollen Vorgang und die vier Gryffindors schafften es nur mit Mühe, das Lachen zu unterdrücken, das immer wieder in ihnen aufstieg. Das Dauergrinsen konnten sie allerdings nicht von ihren Gesichtern wischen. Plötzlich stand Lily Evans vor ihnen.
„Habt ihr euch heute gut amüsiert?", fragte sie zuckersüß.
„Äh...ja, haben wir", antwortete James und warf ihr ein umwerfendes Lächeln zu. „Du dich etwa nicht?"
„Mary hat sich den Fuß verstaucht, als sie eine Treppe runtergerutscht ist. Wir konnten uns gar nicht mehr einkriegen vor lachen."
Ihre freundliche Stimme passte nicht so recht zu dem, was sie sagte. James warf Sirius einen alarmierten Blick zu.
„Naja, so einen verstauchten Fuß heilt Madam Pomfrey ja im Handumdrehen, aber die tolle Erinnerung bleibt für die Ewigkeit", warf Sirius mit einem charmanten Lächeln ein.
„Nicht wenn man sich gerade in den Verliesen befindet und die Treppe vor einem zu einer Rutschbahn geworden ist." Sie beugte sich vor. „Ich weiß genau, dass ihr vier dahinter steckt!"
James versuchte es mit einem unschuldigen Lächeln.
„Wie kommst du denn da drauf? Hast du jemanden von uns gesehen, wie er die Treppen verhext hat?"
„Nein", erwiderte Lily und jetzt hörte man die Wut in ihrer Stimme, „aber ihr seid die einzigen, die idiotisch genug sind, um sich so einen bescheuerten Streich auszudenken und es auch noch lustig zu finden, und die mit einem dämlichen Dauergrinsen im Gemeinschaftsraum zu hocken!"
„Ach komm, Evans, es war lustig. Aber wie kommst du eigentlich auf Remus und Peter? Remus ist der brave von uns und Peter ist zu feige, das weiß doch jeder. James und ich sind die bösen Jungs."
„Ich weiß, dass ihr vier es zusammen ward, weil ihr Glisseo benutzt habt, um die Treppen in Rutschbahnen zu verwandeln. Und dass das funktioniert, lässt sich der Geschichte Hogwarts entnehmen. Und ich weiß auch, dass ihr zwei viel zu beschränkt seid, um auch nur den Blick auf einen Buchrücken zu werfen. Also hat Remus euch den Tipp gegeben. Und hört auf, Peter feige zu nennen, das ist gemein!"
Sie drehte sich um und marschierte mit erhobenem Kopf davon. Die vier sahen ihr entgeistert hinterher. James lachte nervös.
„Mann, die ist ja richtig unheimlich."
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Ist doch egal. Sie kann nichts beweisen." Er grinste. „Und alle bis auf sie fanden's lustig. Wenn Remus jetzt noch aufhört, schuldbewusst zu gucken, dann haben wir unser Ziel erreicht."
Remus verzog seinen Mund zu einem halbherzigen Grinsen und Sirius klopfte ihm auf den Rücken.
„Na also, geht doch!"
