Samtpfoten und Saphiraugen

Joey

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Noch kann ich mein Glück kaum fassen und es kommt mir vor wie ein Traum und ehe ich mich versehe, sticht mir auch schon der farbige Haarschopf von Yugi in die Augen und ich tapse ungelenk darauf zu, auch wenn ich weder Joey noch Mokuba bei ihm und Tea stehen sehen kann.

Irgendwann plumpse ich einfach gegen Yugis Bein und maunze schwach hoch.

Der entsetzte Blick der beiden sagt mir, dass sie mich erkannt haben und tatsächlich hebt mich Yugi ziemlich schnell hoch.

„Seto? Bist du das wirklich? Oh Gott, wie siehst du denn aus? Tea, ruf Joey an, dass wir Seto gefunden haben..."

Gefunden? Ihr mich? Na ja, mir egal was du sagst, aber Joey hier, das wäre schon nicht schlecht, aber gerade nehme ich auch mit dem Arm des ‚Herz der Karten'- Typens vorlieb und kuschle mich an und egal wie erledigt ich bin, als er mir behutsam über das struppige Fell streichelt, schnurre ich sogar.

„Joey nimmt das Telefon nicht ab", meinte Tea kurz darauf niedergeschlagen und streichelt mir behutsam übers Fell.

„Dann bringen wir ihm Seto einfach. Der wird vielleicht Augen machen..."

In der Tat, als wir bei Joeys Wohnblock angekommen sind und dieser die Tür öffnet, scheinen dem Hundchen fast die Augen aus dem Kopf zu fallen und ehe ich mich versehe, werde ich aus Yugis Armen gerissen.

„Seto! Du bist wieder da! Du bist wieder da..." Ich werd fest gegen Joeys Brust gedrückt und kann darin dessen rassendes Herz hören.

Yugi und Tea grinsen sich nur einen ab, während Joey unentwegt auf mich einlabert, aber die Hälfte davon versteh ich gar nicht richtig, weil er sie in mein Fell nuschelt und die andere Hälfte klingt schön in meinen müden Ohren.

Joeys Freunde entschliessen sich, uns alleine zu lassen und zur Schule zurück zu gehen, um zu verkünden, dass Joey wohl bald wieder hin kommen würde.

Was hat denn das zu bedeuten? Hast du etwa die Schule geschwänzt Wheeler? Fragend gucke ich hoch und maunze leise. Weißt du, ich freu mich ja auch über unser Wiedersehen, aber irgendwie wäre mir was zu Futtern fast lieber, als stundenlange Knuddelattacken.

Und wieder einmal scheint es, als würde Joey meine Gedanken lesen können, denn nachdem seine Freunde sich verabschiedet haben, schliesst Wheeler die Tür und trägt mich in die Küche, wo ich als erstes zwei dick mit Leberwurst bestrichene Brötchenhälften vorgesetzt bekomme. Ich glaub so was gutes hab ich noch nie in meinem Leben gegessen und schlecke mir danach ausgiebig das Mäulchen. Ich hab fast das Gefühl zu platzen. Was sonst nicht viel hermacht, scheint eine Menge zu sein für ein kleines Kätzchen.

Zufrieden blinzle ich nun Joey an, der neben dem Tisch steht, auf dem ich hocke und mich mit seltsam glänzenden Augen ansieht.

Hey, was ist denn? Heulst du gleich? Siehst jedenfalls so aus. Fragend lege ich meinen Kopf schief, doch zur Antwort hebst du mich lediglich hoch, drückst mich wieder an dich und gehst mit mir ins Wohnzimmer.

Wow, hier hat sich aber was getan. Wo sind denn all die Bierflaschen und der Müll hin? Sieht ja wirklich beinahe wie ein Wohnzimmer aus und riecht auch weder nach Alkohol, noch nach Zigaretten.

Verwirrt gucke ich zu dir hoch und maunze fragend, was sogar ein Lächeln auf deine Lippen bringt. Man bin ich stolz auf mich. Ein Maunzen und du lächelst, jawohl, das ist die Macht eines echten Kaibas.

Joey setzt sich schliesslich aufs Sofa und mich auf seinem Schoss ab. Wir beide gucken uns in die Augen und während du behutsam über meine Seiten streichelst, wo man deutlich jede Rippe spüren kann, gucke ich dir nur unentwegt ins Gesicht.

Ich kann regelrecht sehen, wie sich deine Stimmung wandelt und deine Mundwinkel nach unten sinken. Ein dicker Kloss macht sich in deiner Kehle breit, den du vergeblich versuchst runter zu schlucken.

Hey, was ist denn? Du heulst doch nicht gleich wirklich oder?

Scheisse, er tut es echt und ich kann nur erschrocken miauen, als Wheeler die ersten Tränen vergiesst.

„...du bist wieder da", schluchzt Joey mit einem mal und ich bekomm ganz grosse Augen und sehe ihn baff an.

„Wenigstens DU bist wieder da. Du bist zu mir zurück gekommen", weint der blonde Junge weiter und streichelt weiter wie mechanisch meine Seiten. „Wenigstens du...dein...dein Namensvetter hat mich nämlich verlassen..."

Wie? Was? Hä? Irgendwie kapier ich gerade gar nichts mehr und wimmere leise, was man kaum hört, wegen Joeys Weinen.

„Weißt du...Kaiba war ein Arsch, aber...aber er war mein Arsch, verstehst du? Meiner! Nur ich hatte das Recht ihn herauszufordern und zu ärgern und nur bei mir hat er die Provokationen auch angenommen...nur bei mir...scheisse...und jetzt..."

Ja? Und jetzt? Joey, ich sitz doch hier, hör auf zu heulen, ich... ja was eigentlich? Ich kann gar nichts tun, denn ich bin nur eine kleine, blöde Katze und muss mit ansehen, wie du wirklich wegen mir Tränen vergiesst. Warum nur Joey? Bin... war ich dir so wichtig?

Scheinbar, denn die Tränen laufen nun richtig, man könnte meinen ich sei...

„...übermorgen ist die Beerdigung."

Was?! Wie bitte?! M-meine?

„Sie haben seine Kleider gefunden, weißt du...und sie waren ganz dreckig und zerschlissen. Sie...gehen von einem Gewaltverbrechen aus und...nach all der Zeit...sie haben ihn für tot erklärt...einfach so...einfach so..."

Nun bin ich wirklich baff. Ich soll...die wollen...dass kann doch nicht sein. Nervös schlägt mein Schwanz hin und her, doch ein erneutes Schluchzen Joeys reisst mich aus meinen Gedanken.

„K'soo...Seto...dieser...Bastard...wie kann er es wagen...? Wie nur, Seto... ich kann doch nicht ohne ihn, ich hab ihm nie..."

Was hast du nie?

„...er wird nie wissen, warum ich ihn so gern geärgert habe...warum ich einfach nur seine Aufmerksamkeit wollte, auch wenn es nur sein Ärger war... ich hab...ihn geliebt..."

Wham! Das sitzt und wie. Fassungslos gucke ich Joey an und so langsam wird mir einiges aus meiner Vergangenheit klarer und auch, warum er nun so herzzerreissend weint und unweigerlich treibt es mir auch die Tränen in die Augen.

Die silbernen Tränen aus den rehbraunen Augen berühren mich tief ihm Herzen und ich senke den Kopf, um meine eigenen Tränen irgendwie zu unterdrücken. Trotzdem möchte ich Joey irgendwie trösten und legte meine Hand auf seine, während ich trotz grosser Mühe leise schniefe und immer wieder meine Nase hochziehe.

„Seto...?", höre ich Joeys verweinte Stimme fragen und schluchze noch einmal leise, ehe ich den Kopf wieder hebe und auf Joey runter blicke...

M-m-moment mal...runter...blicke?

Ich...ich blicke runter in Joeys Gesicht, dessen Augen riesengross zu mir hoch blicken. „Seto..." Wieder wispert er meinen Namen, doch klingt er diesmal irgendwie anders und seine Hände liegen noch immer auf meiner Seite und streichen über nackte Haut.

Es scheint als würden wir uns minutenlang nur einfach anstarren.

„Das...das...das kann nicht sein", stammelt Joey, doch dann schlingen sich seine Arme um meine Taille und ich werd auf ihn runter gezogen und finde mich an seine Brust gekuschelt wieder, die wunderbar warm ist.

Erst jetzt merke ich, dass es merklich kühler geworden ist, denn nun fehlt das warme Fell mit einem mal, aber mein Herz ist ganz warm und das nicht aus Erleichterung, weil ich meinen alten Körper wieder habe. Nein, dieses Gefühl löst alleine Joey aus, der mich immer noch fest an sich gedrückt hält und mir über den Rücken streichelt, doch diesmal fange ich nicht an, vor Behagen zu schnurren.

Nach einer schier halben Unendlichkeit gibt er mich endlich wieder etwas frei, doch nur, um seine Hände an mein Gesicht zu legen. Fast so, als müsse er sich sicher sein, dass ich es wirklich bin.

„Du...bist es...du warst es... die ganze Zeit? Wie...warum? Ich meine..."

Ich kann nur hilflos mit den Schultern zucken, denn ich weiss es selber nicht. Nicht genau jedenfalls. Sollte mich das Ganze Demut lernen oder etwas anderes? Oder sollte es mir die Gefühle offenbaren, die nun eindeutig zwischen Joey und mir herrschen?

Der blonde Junge weint nun wieder, doch diese Tränen hier sind anders, sie tun nicht weh, sondern sie zeugen von Erleichterung und Freunde.

Immer wieder streichelt er mein Gesicht und ich gucke ihm einfach nur in die Augen. „Joey..." Meine Stimme kratzt noch etwas, denn zu lange hab ich sie nicht mehr gebraucht.

Doch sofort siehst du mich an und ein erstes, zartes Lächeln legt sich auf deine Lippen, ehe du mich einfach zu dir runter ziehst.

„Bevor ich dir wieder verliere...", hauchst du nur Sekunden bevor sich dein Mund sanft auf meine bebenden Lippen legt und mich zärtlich küsst.

Ich kann gar nicht anders und schliesse die Augen.

In den Kuss hinein, merke ich, wie mein Körper sich immer schwerer anfühlt und wie es mir nicht mehr möglich ist, die Augen zu öffnen.

Als wir den Kuss lösen, spüre ich nur, wie eine deiner Hände über meine Seite streichelt.

„Du bist so dünn geworden", höre ich deine Stimme besorgt neben meinem Ohr. „Keine Sorge, Seto...ich werd dich schon wieder aufpäppeln. Aber erst einmal musst du schlafen."

Ich bin sicher, ich bin grösser als Joey, trotzdem spüre ich, wie dieser mich mit einem mal hoch hebt und mich aus dem Wohnzimmer trägt.

Ein kurzes Blackout folgt, ehe ich wieder mitbekomme, wie er mich in seinem Bett ablegt und mir in eine Pyjamahose hilft, ehe er mich zudeckt.

Ich merke kaum noch, wie er sich neben mich legt und mich in seine Arme zieht, als ich auch schon wegdrifte.