Teil 9 Einladung
„Lily!" konnte ich wieder von weiten hören und leise brummte ich nur vor mich hin. „Hmmm!" „Lily, wach doch bitte wieder auf!" hörte ich eine leicht verzweifelte Stimme. Langsam öffnete ich daraufhin meine Augen, wobei ich mich erstmals an das Licht gewöhnen musste und somit in ein wunderbar, braunes anderes Paar schaute, das mich mit voller Wärme und Angst anblickte. Jetzt erst merkte ich, dass es sich um die von James handelten. „Das erste Mal auf dem Feld und schon mit Absicht vom Gegner verletzt worden. Nee, nee, nee!" sagte er frech und winkte mit seinem Zeigefinger, als ob ich ein kleines Kind wäre, vor mir hin und her. Ich wischte seine Hand weg und setzte mich vorsichtig auf. „Was ist passiert? Wo sind denn die anderen?" fragte ich ihn leicht verwirrt. „Die anderen sind beim Packen. Der Zug fährt doch in einer halben Stunde. Übrigens du hast es deinem netten MacDoubt zu zuschreiben, dass du jetzt hier im Krankenflügel liegt. Der Idiot ist als Treiber genauso schlecht wie als Hüter. Von Flight hat er sich doch tatsächlich den Schläger geschnappt und auf mich gezielt und dann was macht dieser Idiot drauß? Er schießt dich ab. Das war nicht nett." „Is schon ok, warum packen die denn schon? Es ist doch Sonntag, oder?" fragte ich immer noch leicht konfus, obwohl ich mir sicher war, dass ich Joe das trotzdem noch heimzahlen würde. „Nein, es ist Montag. Du hast die ganze Zeit geschlafen. Dieser Klatscher hat dir mehrere Rippen gebrochen und leicht deinen Lunge gequetscht." „Glaubst du ich kann gehen?" „Warte mal kurz, ich frag Poppy schnell!" Kaum hatte er seine Worte verklingen lassen, war er auch schon in dem Büro der Heilerin verschwunden, was ich ausnützte und mich schnell zwar unter ein paar Schmerzen in die Klamotten, die auf einem Stuhl neben mir lagen, zwängte. Dann stahl ich mich leise aus dem Zimmer. Ich hasste es in diesem Raum zu kommen, aber ich konnte mir immer nicht erklären warum eigentlich. Das war schon seit ich nach Hogwarts gekommen war. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich allgemein Krankenhäuser nicht mag. Langsam schlenderte ich weiter, aber plötzlich ertönten laute und schnelle Schritte hinter mir. Somit versteckte ich mich geschwind in einer kleinen dunklen Nische, von denen es viele im Schloss gab und wartete auf die näher kommende Person.
Es war James, der mir auf den Fersen war, wobei er nicht lang fackelte, als er mir in meine Richtung ging und genau auf mein Versteck zu schritt. „Lily, komm raus. Ich weiß, dass du dich da hinten befindest." befahl er mir mit einem strengen und ernsten Ton in seine Stimme, welchen ich eigentlich von ihm nicht gewöhnt war. Ich trat aus dem Schatten vor ihn und befand mich dabei an seinem Gesicht mit meinem verdammt nahe dran. Zu nahe für meinen Geschmack. „Was ist denn? Ich muss packen! Ich muss doch auch nach Hause fahren!" antwortet ich ihm schnippisch, wobei ich in meinen Gedanken hinzu setzte: „Auch wenn ich keine männliche Begleitung habe!" „Ich mach mir Sorgen um dich! Madame Pomfrey fand es unverantwortlich, dass du ohne eine weitere Untersuchung einfach verschwunden bist." „Ach, was die findet! Wenn es nach ihr ginge, würde ich doch die ganzen Ferien dort oben bleiben!" antworte ich ihm genervt. „Gut, da hast du auch wieder Recht!" erwiderte James mir niedergeschlagen und seine darauffolgende Handlung brachte mich dann völlig aus dem Gleichgewicht. Er hatte einfach meine Hand gepackt und mir leise zugeflüstert: „Wir müssen uns beeilen, wenn du deinen Zug noch erwischen willst!" Wir stürmten zum Gryffindorturm, wobei ich eher mit gezogen wurde als selbst mit ihm mithalten zu können. Als wir beide durch das Portrailoch stiegen, kam alle Spieler kurz auf mich zu und erkundigten sich wie es mir ging.
Mit kurzen und eintönigen Antworten wimmelte ich sie ab, was mir eigentlich auch wieder leid tat, denn ich hatte mich wirklich darüber gefreut, dass es überhaupt jemanden interessierte, wie mein Befinden war. „James, bleibst du jetzt hier?" vernahm ich von einer Fünftklässlerin, die sich gerade versuchte an Potter ranzumachen. Ganz locker antwortete ihr: „ Ja, eigentlich schon, Kathy, aber die anderen fahren heim." „Dann bleibt er also echt alleine hier!" schoß es mir durch den Kopf. „Hey Lily, beweg dich jetzt endlich mal! Der Zug geht in fünfzehn Minuten!" „Mann, sag das GLEICH!" schrie ich ihm entgegen, während ich schon auf dem Weg zu meinem Schlafsaal war. „Hab ich doch!" rief er mir nach. Ich konnte sein freches Grinsen schon sogar in seiner Stimme spüren. Keine fünf Minuten später stand ich fertig mit meiner gepackten Reisetasche unten. Ich war ehrlich gesagt zu faul den riesigen Schulkoffer mit nach Hause zu schleppen. James wartete schon auf mich und lies mal wieder einen seiner unwichtigen Kommentare von sich. „Schon irgendwie schade, dass du nicht hier bleibst! Wär bestimmt lustig mit uns zwei geworden!" Bei diesen Worten zwinkerte er mich wieder frech wie es seine Art war an. Bevor ich mich schon versah, hatte ich ihm so gleichgültig wie möglich geantwortet ohne es so richtig realisiert zu haben. „ Na, ja, wenn du willst, kannste ja mit kommen. Meine Eltern wollten auch unbedingt, dass ich jemanden mitbringe." Wie ich so über meine Worte nachdachte, merkte ich erst wirklich wie viel Mitleid ich mit ihm hatte. Es war wirklich nicht schön alleine Weihnachten zu feiern und eine kleine Stimme flüsterte bei meiner Überlegung auch noch ganz leise vor sich hin: „So übel ist er ja auch wieder nicht! Er ist so gar total nett!", was mich schon fast ans Verzweifeln brachte. Solche Gedanken von MIR! Ich bemerkte, dass James mich immer noch ungläubig musterte und anscheinend darauf wartete, dass ich irgendwas dagegen sage.
James P.O.V
Ich glaube heute ist mein Glückstag. Das ist doch unmöglich. Sie hat mich wirklich freiwillig zu sich zu Weihnachten eingeladen. Ob sie vielleicht doch etwas für mich empfindet? Ich würde es mir wirklich wünschen. „Ach, weißt du, dieses Angebot nehm ich doch gleich gerne an. Du bist mir sowieso noch etwas schuldig. Gut, dass ich mir das aufgehoben habe.!" Ich grinste sie noch mal frech an und flitzte kurz darauf in mein Zimmer, um mit einem schnellen Wink meines Zauberstabs meine Sachen in meinem Koffer zu verstauen. Danach stampfte ich auf Lily zu und meckerte: „Beeil dich mal, wir wollen doch nicht UNSEREN Zug verpassen!" Irgendwie zeichnete sich durch meinen Anblick ein Lächeln auf Lily' s Gesicht ab, was anscheinen nicht beabsichtigt war, aber ich freute mich trotzdem darüber, dass sie es mir geschenkt hatte. So ein warmes Strahlen war man von ihr nicht mehr gewöhnt. Ich wartete auf sie vor dem Portraitloch, wobei sie mir nur entgegnete: „Bin schon da!" Schnell schnappte sie sich ihren Koffer und lief mit mir aus dem Schloß und über die Ländereien bis zum Bahnhof in Hogsmeade. Völlig aus der Puste kamen wir dort an und konnten noch gerade rechtzeitig aufspringen, bevor er abgefahren wäre. „War das jetzt knapp oder was?" entfuhr es mir. „Ja, das kannste laut sagen!" Daraufhin schritten wir beide durch den Zug auf der Suche nach den anderen. In einem der letzten Abteile fanden wir sie dann auch endlich. Als wir es betraten, starrten uns Sirius, Laura, Remus, Peter und Stella erst mal ungläubig an, fingen aber dann doch an uns herzlichst zu begrüßen. Sofort erzählte ich den anderen, wo ich hinfuhr, wobei sich diese das Lachen nicht verkneifen konnten. „Sag, mal wie hast du denn unser Wildkätzchen dazu gebracht? Erpressung? Irgendein Zauber? Ein Zaubertrank? Oder wart in Tränke warst du noch nie so ein As wie ich" vermutete Tatze immer noch lachend. Bevor ich antwortete, war Lily wütend aufgestanden und hatte Moony hinter sich hergezogen. Ein trauriger Blick wurde ihr von mir nachgeworfen. Warum konnte sie sich nicht mir so anvertrauen wie ihm?
Lily P.O.V
Dieses Affentheater konnte ich mir jetzt echt nicht mehr mit anschauen. Ich hatte zwar genau gesehen, wie mir Laura einen vernichtenden Blick zuwarf, als ich Monny gepackt hatte und hinter mir hergezogen hatte, aber ich hatte es echt dort drinnen nicht mehr ausgehalten. Anscheinen war dieser sogar froh darüber, dass ich mich mit ihm nach draußen in den Gang gesellte, denn kaum hatten wir die Tür hinter uns geschlossen, platzte schon seine Fragen heraus, die auch schon Black interessiert hatten. „Wie kommt es, dass er mitkommt? Und zwar zu dir?", blickte mich dabei aber immer noch verwirrt an. „Na, ja, weißt du meine Eltern wollen, dass ich MEINEN Freund mitbringe, damit sie mich, falls ihnen etwas zustoßen sollte, in guten Händen wissen. Das ist wenigstens meine Meinung. Meine Mutter hat nach der Trennung fast die Krise gekriegt, weil sie meinte, dass ich jetzt wahrscheinlich keinen mehr abkriege! Zwar wollte ich ja eigentlich dich fragen, aber ich wollte deine traute Zweisamkeit mit Laura nicht zerstören. Weißt du manchmal glaub ich, dass meine Eltern mich einfach abschieben wollen. Ich wollte ihn zwar wirklich nicht mitnehmen, aber wie er sich da so Sorgen um mich gemacht hat und mir so freudig entgegen schaute, weil ich fahren konnte, tat er mir wirklich leid. Dass mit meinen Eltern verklicker ich ihm dann schon noch, bevor wir auf sie treffen!" „Also ich weiß nicht so recht, ob du dich mit dieser Aktion nicht in Teufelsküche bringst." „Ach was! Du solltest deinem Kumpel mehr Vertrauen schenken!" antwortet ich ihm lächelnd, damit er sich keine unnötigen Sorgen weiter machte, aber ich konnte ihn nicht davon abbringen. „ Ich red ja nicht mit ihm sondern mit dir! Bist du dir darüber eigentlich im Klaren, dass ihr euch dann auch wie ein Paar benehmen müsst!" Ich schlug mir mit der Hand geschockt gegen die Stirn. „Oh, scheiße, das hab ich ja völlig vergessen!" „Sacht ma, was quatscht ihr da solange! Wir wollen doch auch noch was von unseren wieder gesunden Treiberin!", sagte Sirius, der das Abteil geöffnet hatte und sich nun gegen den Türrahmen lehnte. „Ja, is schon ok. Ihr könnt mich schon gleich wieder haben!" „Nein, sofort, wir wollen noch eine kleine Nachfete veranstalten!" Er zog mich einfach mit rein und Remus konnte einfach nur den Kopf schütteln, als ich ihn leicht flehend anschaute, wobei ich mir nicht mal so sicher war, wem diese Bewegung gegolten hatte.
Erzähler P.O.V
Sirius und Peter packten einige Butterbierflaschen aus und alle stießen kurz darauf auf den Sieg über die Slytherin an. Dabei fiel Lily wieder ein, dass sie mit MacDoubt noch eine offene Rechnung hatte. „Moony, hat sich Joe noch irgendwas geleistet, während ich im Krankenflügel war?" „Oh, stimmt, ja du weißt es ja noch gar nicht! Er hat sein Amt als Kapitän niederlegen müssen, weil er dir seine eigene Spieltaktik verraten hatte." „Das nenn ich die Strafe des Himmels!" „Nein, nenn es lieber ein kleiner Tipp von jemanden, der Rache verüben wollte." „Du hast doch etwa nicht...!" ungläubig blickte sie ihn an. „Na, ja sag mal lieber, es waren die Rumtreiber." Dabei kratzte er sich leicht verlegen hinter dem Ohr. „Er hätte dich eben nicht anrühren sollen!", flüsterte er ihr noch zu und Lily schenkte ihm daraufhin ein liebes Lächeln, welches Laura wieder dazu brachte einen eifersüchtigen Blick nach den anderen auf sie abzuschießen. „Woher wusstet ihr eigentlich, dass ich diese kleine Information Foster am Sonntag zu spielen wollte?", antwortete sie ihm noch leise. Aber seine Antwort ging in dem Lachen und den Alberheiten von den anderen unter, die bis zum Ankommen in King' s Cross anhielten.
Lily P.O.V
Die anderen waren schon ausgestiegen und James und ich waren die letzten, als ich ihn zurückhielt und sein Handgelenk umklammerte. „Könntest du mir bitte einen Gefallen tun?" „Hmmm? Und der wäre?" „Spiel meinem Freund! Bitte nur vor meinen Eltern, damit sie endlich aufhören mich verkuppeln zu wollen." „Aber das kostet eine Kleinigkeit!" „Wieviel willst du?"
