DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.
WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft and beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!
ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!
GERMAN TRANSLATION: primax
GERMAN BETA: Haley
A/N: Kapitel zehn!. :0) Ein nichtsahnender Nathan bereitet sich auf einen Monat Nachsitzen bei seinem nun sehr wissenden Vater vor. Das kann was werden!
Kapitel 10: Bekanntschaften
Nathan verließ Professor Snapes Büro tief in Gedanken versunken. Er hatte den eigenartigen Ausdruck auf Professor Snapes Gesicht bemerkt, als er ihn nach der Vergangenheit seiner Mutter gefragt hatte. Er weiß etwas, dachte er, genau wie Onkel Harry. Jeder, der etwas darüber wusste, was ihm helfen konnte, seinen Vater zu finden, zog es vor, ihm gar nichts zu sagen. Warum? Ist er ein so schrecklicher Mensch, dass jeder glaubt, dass man mich vor ihm beschützen muss?, fragte er sich. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Gedanke gekommen war.
Er ging zurück zum Gryffindor Turm und versuchte herauszufinden, was an seinem Vater so furchtbar sein könnte. Ist er tot? Nein, er hatte bereits über diese Möglichkeit nachgedacht und sie ausgeschlossen. Wenn sein Vater tot wäre, dann wäre seine wahre Identität nicht mehr so wichtig, oder? Er dachte nicht, dass dies möglich war. Er muss ein grausamer, gefährlicher Mann sein. Das wäre schon eher möglich. Sein Vater war ein Monster. Ist er dann vielleicht in Askaban? Das könnte es sein, denn über eines war er sich ganz sicher: Sein Vater war ein Zauberer. Aber warum war es dann von solcher Bedeutung, dass er seine Identität nicht kannte? Nathan schüttelte seinen Kopf über die fehlenden Antworten.
Er war das Ganze schon so oft durchgegangen und hatte noch immer nichts herausgefunden, das ihn wirklich auf den Namen seines Vaters bringen würde. Snape wusste etwas. Das war neu. Onkel Harry war der beste Freund seiner Mutter, daher konnte Nathan annehmen, dass er etwas über diese Sache wusste, aber Snape… das kam wirklich unerwartet. Nathan hatte Snape niemals als einen Bekannten seiner Mutter gesehen. Er hatte den Zaubertränkelehrer nur aus einem Impuls heraus nach ihren Beziehungen gefragt, und nun begriff er, dass Snape etwas wusste. Was weiß er? Weiß er, wer mein Vater ist? Nathan seufzte.
Nathan betrat den Aufenthaltsraum und war noch immer ganz in seinen Gedanken versunken. Kevin entdeckte ihn beim Durchgang durch das Porträt und rief Andy, welcher gerade seine Verwandlungsaufgabe schrieb. Beide Jungen beobachteten ihren Freund, wie er ziellos durch den Raum ging. Kevin brachte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück, indem er rief, „Hey, Nathan!"
Nathan sah überrascht in ihre Richtung und ging auf sie zu. „Hey, Jungs", sagte er, ohne auch nur eine Spur von Begeisterung, und ließ sich in einen der Sessel fallen, der an dem Tisch stand, an dem sie arbeiteten. Er war müde. Sowohl die Aktivitäten des heutigen Tages, welche an seinem noch schwachen Körper zerrten, als auch sein überanstrengter Geist, forderten ihren Tribut.
Andy, dem Nathans ungewöhnliches Verhalten auffiel, fragte: „Geht es dir gut?"
Nathan seufzte. „Ja, ich bin okay. Nur ein bisschen müde, aber das ist alles."
„Hat es etwas mit Snape zu tun?", fragte Kevin. „Ich habe ihn noch nie so unheimlich erlebt wie heute." Nach einem kurzen Moment fügte er hinzu: „Hat er dir etwas zu trinken angeboten? Du hast es doch nicht genommen, hast du doch nicht, oder?" Er sah Nathan besorgt an.
„Glaubst du, dass ich so dumm bin?" Nathan schüttelte ungläubig seinen Kopf. „Ich bin vielleicht blöd genug, dass ich alleine in den Verbotenen Wald gehe, aber ich würde nie etwas trinken, dass mir Professor Snape in seinem Büro anbietet", sagte er.
„Das wäre wirklich dumm", stimmte auch Andy zu. „Jeder weiß doch, dass Snape ein bösartiger Zauberer ist und so wie er sich heute benommen hat..."
„Professor Snape ist nicht böse! Er hat mir gestern mein Leben gerettet, schon vergessen?", sagte Nathan mahnend. „Ich würde einfach nur nichts trinken, was er mir anbietet, weil er ein Slytherin ist."
„Das ist auch ein guter Grund", bestätigte Kevin und nickte voller Zustimmung. „Also, wie war euer Treffen dann?"
„Fünfzig Punkte Abzug und einen Monat Nachsitzen", sagte Nathan ganz einfach.
„Einen Monat? Das ist schrecklich! Wie soll jemand einen Monat Nachsitzen bei Snape überleben?", fragte Andy ungläubig.
Nathan seufzte. „Ich komm schon klar", versicherte er seinen Freunden. „Wenn ich einen Tag überlebt habe, dann werd ich auch den Rest schaffen."
„Aber einen ganzen Monat? Ich weiß nicht so recht...", sagte Andy unsicher. „Du solltest zur Schulleiterin gehen und sie fragen, ob sie etwas machen kann. Ich glaube nicht, dass sie will, dass irgendjemand so lange mit Snape zusammen ist."
„Es wird schon gehen!", versicherte Nathan seinen Freunden noch einmal. Jetzt betrachtete er einen Monat Nachsitzen bei Professor Snape in einem ganz anderen Licht, aber das wussten seine Freunde nicht. Der Zaubertranklehrer wusste etwas über seinen Vater, und darum war es nicht so schlimm, einige Zeit mit ihm zu verbringen. Er würde mehr Gelegenheiten haben, weiter nachzuforschen, und das konnte seine Chance sein, endlich etwas über seinen Vater herauszufinden.
Nathan hatte mit seinen Freunden nie darüber gesprochen. Sie hatten ihn niemals gefragt, und er hatte diese Information auch nicht freiwillig preisgegeben. Das passte Nathan eigentlich sehr gut, da er nicht wollte, dass ihn seine Freunde als den Bastard ansahen, der er ja war. Nein, er würde ihnen nichts sagen. Er würde diese Sache für sich behalten.
Als Andy begann Geschichten über seinen Vater zu erzählen, wie er ihm Quidditch Flugmanöver beigebracht hatte und ihm einige andere lustige Dinge gezeigt hatte, wollte auch Nathan einen Vater haben. Er hatte schon so viel verpasst, was nur ein Vater einem zeigen konnte. Nathan versuchte sich auszumalen, wie ihm sein Vater alles beibrachte, worüber Andy sprach, aber das Bild wurde nie wirklich klar. Irgendetwas fehlte, denn er konnte sich das Gesicht seines Vaters nicht vorstellen.
Nathan hatte nicht die Kraft mit dem Lesen der Bücher zu beginnen, wie er es sich eigentlich für heute Abend vorgenommen hatte. Er verabschiedete sich und ging in die Schlafräume. Morgen hatte er sein erstes Nachsitzen, und er dachte noch immer darüber nach, was er mit den Informationen anfangen sollte, die er heute bekommen hatte. Snape wusste etwas über seinen Vater.
---
Severus hatte es geschafft, sich nach seinem Wutausbruch etwas zu beruhigen. Nun ging er im Wohnzimmer seines Quartiers auf und ab und überlegte, was er zu tun hatte. Jeder neue Gedanke brachte eine weitere Möglichkeit, wie er Hermine Granger verletzen konnte, und das brachte ihn dazu seine Runde durch sein Quartier zu unterbrechen. Er atmete tief durch, nur um sogleich wieder mit dem Auf- und Ablaufen zu beginnen.
Für einen kurzen, wahnwitzigen Moment dachte er zunächst daran, Miss Granger zu töten, dann daran, sich selbst das Leben zu nehmen, aber er hatte noch genügend Selbstkontrolle, um zu erkennen, dass diese beiden Möglichkeiten nicht die Lösung waren. Das alles war überhaupt nur geschehen, weil er gewollt hatte, dass sie überlebte. Der Gedanke sich selbst zu töten, verweilte noch einige Augenblicke in seinem Geist, irgendwo zwischen einem schlechten und einem noch schlechteren Gedanken, doch seine Slytherin-Instinkte der Selbsterhaltung, verweigerten ihm bald auch diese Option. Schließlich war er wieder bei Null angekommen. Er hatte noch nicht einmal eine einzige, schlappe Idee, was er machen sollte.
Des Herumgehens müde, setzte er sich in seinen Lehnstuhl und wandte sich dem knackenden Feuer zu, das den Raum erleuchtete. Wie konnte sie mir das antun? Er knurrte, frustriert darüber, dass er die Antwort nicht kannte. Wie hat sie sich das selbst antun können? Er seufzte. Snape konnte sich keinen Grund ausdenken, warum eine Frau wie Hermine so etwas machen sollte, ein Kind aus einer Vergewaltigung zu bekommen. Unter diesen Umständen war eine Abtreibung vollkommen angemessen, und er war sich sicher, dass sie das gewusst hatte. Aber warum dann? Warum mit einer Schwangerschaft fortfahren, die unter solchen Umständen zustande gekommen war? Er konnte sich keinen triftigen Grund für ihr Handeln ausmalen, ein weiteres Rätsel, das er zu den Geheimnissen um Miss Granger hinzufügen musste.
Sie wusste, dass er mein Kind ist, daran hatte er keinen Zweifel, und es verwirrte ihn nur noch mehr. Die Tatsache, dass sie wusste, dass sie sein Kind bekommen würde, und trotzdem damit weitermachte war beunruhigend. Warum würde sie ein Kind aus meinem Fleisch und Blut behalten wollen? Bei diesem Gedanken wurde ihm ganz übel. Er war noch nicht bereit, sich damit auseinander zu setzen – er hatte ein Kind. Er konnte nur mit Gefühlen umgehen, die er verstand, und im Moment fühlte er einfach zu viel. Er wollte irgendjemandem die Schuld für diesen Sturm an Gefühlen geben. Nathan konnte er nicht beschuldigen, denn der Junge hatte selbst überhaupt keine Wahl gehabt. Er würde seiner Mutter alle Schuld zuschieben.
Seine Gedanken wanderten zu Nathan. Nein, dem Jungen konnte er keine Schuld geben, aber er musste ihn auch nicht mögen. Der Junge war so lästig wie seine Mutter. Und auch genauso intelligent wie seine Mutter, musste er zugeben. Das Geschick des Jungen mit Zaubertränken... das kam von ihm. Er erinnerte sich, wie er Nathans Arbeit während des Unterrichts bewundert hatte. Jetzt konnte er es zugeben, denn er wusste, dass der Junge diese Fähigkeiten von ihm hatte. Severus schüttelte seinen Kopf, denn in diese Richtung wollte er seine Gedanken gar nicht gehen lassen. Er wollte überhaupt nicht über den Jungen nachdenken.
Er stand auf, verließ das kleine Wohnzimmer und ging ins Badezimmer. Vielleicht würde ein Bad ihm helfen, seine Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken. Er musste klar denken können, wenn er damit umgehen wollte, doch im Moment fühlte er sich so müde, als wäre er einem Dutzend Dementoren gegenübergetreten. Er drehte am Wasserhahn und begann, die Wanne zu füllen. Er drehte sich um und sah in sein Spiegelbild, das ihm aus dem Spiegel entgegensah. Er stand einfach nur da, starrte sich selbst an und hörte, wie das Wasser in die Wanne lief und seine Gedanken durchströmte. Er schloss seine Augen und legte den Kopf nach hinten, um sich den Nacken zu reiben. Schließlich öffnete er seine Augen wieder. „Du bist eine Katastrophe", sagte er zu seinem Spiegelbild. „Immer bringst du anderer Leute Leben durcheinander."
Er blickte sich weiterhin an, bis das Wasser die richtige Höhe erreicht hatte. Er zog sich aus und tauchte seinen wunden Körper in das warme Wasser. Ich sollte Miss Granger damit konfrontieren, dachte er sich, und ihr sagen, dass das was sie tat, ihr schlimmster Fehler gewesen ist. Er seufzte. Mit solch einer dummen Handlung würde er gar nichts erreichen. Was passiert war, war passiert. Aber ich werde dafür sorgen, dass sie bereut, was sie getan hat, dachte er und presste dabei zornig seine Kiefer zusammen. Wenn er schon nicht zurückgehen und die Tatsache ändern konnte, dass er einen Sohn hatte, so würde er die Frau, die dafür verantwortlich war, für ihren Fehler bezahlen lassen.
Erneut schloss er die Augen und versuchte sich zu erholen. Er wollte kein Kind, er hatte noch nie eines gewollt. Ein weiterer Snape - genau das, was die Welt braucht, dachte er sarkastisch. Eine Familie war nie Teil seines Lebensplans gewesen. Es war noch nicht einmal bei den zehn Dingen dabei, die er unbedingt wollte, aber wenn er begann über all die Dinge nachzudenken, die er sich je in seinem Leben gewünscht hatte, so kam er schnell darauf, dass er sich all diese Jahre den falschen Dingen gewidmet hatte. All die Fehler, die er in seiner Jugend begangen und die er im Erwachsenenalter gemacht hatte... Weiß ich wirklich, was ich will, dachte er plötzlich. Alles was ich möchte ist, in Ruhe gelassen zu werden. Und dabei war er sich sicher.
Ruhe schien nun jedoch ein wenig weit weg zu sein. Er war wieder mittendrin in den Folgen seiner Taten, die nicht aufhörten, ihn heimzusuchen. Kein Friede, nur Ungewissheit und Entscheidungen, die getroffen werden mussten – wieder mehr Möglichkeiten, noch mehr Fehler zu machen. Bis morgen früh werde ich eine Lösung haben, dachte er überzeugt. Alles was er jetzt brauchte, war Ruhe, eine Möglichkeit seine Gedanken zu reinigen und Schlaf. Er beendete sein Bad und zog sein Nachthemd an.
Er legte seinen müden Körper auf das weiche Bett und versuchte Schlaf zu finden, aber obwohl er es versuchte, konnte er sich nicht entspannen. Er drehte sich von einer Seite auf die andere, und sein Geist wanderte zu jenen Ereignissen, die sein Leben wieder einmal verändert hatten. Er würde in dieser Nacht keinen Schlaf finden. Er glaubte, dass er auch für viele weitere Nächte nicht würde schlafen können.
Als der Morgen kam, bereitete sich Snape darauf vor, zum Frühstück in die Große Halle zu gehen. Er hatte sich entschlossen, sein Leben nicht zu ändern, nur weil in den Adern eines Kindes etwas von seinem Blut floss. Er verließ sein Quartier und traf auf dem Weg zur Großen Halle nur sehr wenige Schüler. Es war noch sehr früh, und er war einer der Ersten, die zum Frühstück kamen, was ihm sehr gut passte. Er war nicht in der besten Stimmung, um mit lästigen Schülern umzugehen oder sich an leerem Gerede mit seinen Kollegen zu beteiligen.
Snape nahm seinen angestammten Platz ein und nahm sich seine gewohnte Tasse Kaffee. Wie immer brachte eine Eule ihm seine Ausgabe des Tagespropheten, und er begann die unwichtigen Nachrichten aus der Zaubererwelt zu lesen, während er immer wieder einen Schluck Kaffee trank. Er butterte sich einen Toast, aß einige Eier und Würstchen, so wie immer. Dann musterte er, in noch einer weiteren täglichen Angewohnheit, die Tische der Schüler und die Eingangstür, sah eine Gruppe Erstklässler aus Gryffindor die Große Halle betreten und begriff, dass nichts mehr wie gewohnt sein würde.
Nathan Granger und seine Freunde gingen auf den Gryffindor Tisch zu und bemerkten nicht, wie der Zaubertränkelehrer um Normalität kämpfte. Nathan hatte diese Nacht nur sehr wenig geschlafen, da er über die Ereignisse des gestrigen Tages nachgedacht hatte. Jetzt hatte er seine Gedanken jedoch bei ganz anderen Dingen. Als er an diesem Morgen die Stiegen heruntergekommen war, die die Schlafräume der Jungen mit dem Aufenthaltsraum verbanden, hatte er eine große Anzahl an Schülern vor einer Anzeige am Schwarzen Brett stehen sehen. Er musste sich nicht durch die Masse kämpfen um zu sehen, um was es dabei ging, denn Kevin kam bereits auf ihn zu und hatte ein breites Lächeln im Gesicht. „Es wird ein Halloween Fest geben!", sagte er voller Enthusiasmus und seitdem wurde über nichts anderes mehr gesprochen.
Nathan war ganz aufgeregt bei der Vorstellung, Halloween in der Welt der Zauberer zu erleben. Obwohl er in der Muggel-Welt aufgewachsen war und dort auch den größten Teil seines Lebens verbracht hatte, wusste er, dass dies ein großer Feiertag für Zauberer war. Er hatte schon einige Geschichten über die Feste in Hogwarts gehört und wenn alles dem entsprach, was er gehört hatte, dann würde es eine großartige Feier werden!
Während seiner Kindheit hatte Nathan Halloween immer auf Muggel-Art gefeiert. Er und einige seiner Freunde trugen Kostüme und gingen in den Straßen der Nachbarschaft von Tür zu Tür und fragten nach Süßigkeiten. Seiner Mutter gefiel diese Idee nie sehr gut. Sie konfiszierte immer die Hälfte der Süßigkeiten, die er gesammelt hatte. Nathan versuchte das Ganze jetzt Kevin und Andy zu erklären.
„Du trägst also ein Kostüm, läufst damit von Tür zu Tür und fragst nach Süßigkeiten?", fragte Andy.
„Genau, man klopft an eine Haustüre und sagt: Süßes oder Saures. Wenn sie keine Süßigkeiten haben, spielst du ihrem Haus einen Streich", erklärte Nathan.
„Und die können gar nichts dagegen machen? Die schauen dir einfach dabei zu, wenn du wer-weiß-was mit ihrem Haus machst und unternehmen gar nichts?", frage ein verwirrter Andy.
„Nur wenn sie keine Süßigkeiten haben. Aber sie haben immer welche", versicherte ihm Nathan.
„Haben sie auch geschnitzte Kürbisse?", unterbrach ihn Kevin.
„Einige Leute schnitzen sich Kürbisse, aber nicht jeder. Man kann auch nachgemachte kaufen, die man einfach nur in die Steckdose steckt; das ist viel einfacher", erklärte Nathan, was nur noch mehr zur Verwirrung seiner Freunde beitrug. Sie sahen sich gegenseitig an und zuckten mit den Schultern; Nathan verdrehte die Augen.
Die Unterhaltung wechselte zu ihrer Aufgabe in Zauberei und dann zu Quidditch. Nathan aß Cornflakes aus einer Schüssel, als er begann sich unwohl zu fühlen. Es fühlte sich an, als würde ihn jemand beobachten. Er blickte sich in der Großen Halle um und blickte schließlich in die Augen von Professor Snape, welcher ihn anstarrte. Er starrte zurück, so wie er es immer machte, und war verwundert, als der Zaubertränkelehrer nicht missbilligend die Stirn runzelte, wie er es sonst immer tat. Nathan kniff seine Augen zusammen und noch immer erhielt er keine Gegenregung. Es war, als würde Professor Snape ihn ansehen und ihn eigentlich doch nicht sehen. Was ist los mit ihm, dachte Nathan. Er sah ihn noch eine Weile länger voller Neugierde an und widmete sich dann wieder seinem Frühstück. Eigenartig.
Professor Snape hatte den Kampf verloren, so zu tun, als ob sich nichts verändert hätte. Sein Sohn war jetzt im selben Raum wie er und aß mit seinen Gryffindor Freunden sein Frühstück. Er sah den Jungen gedankenverloren an. Er hatte nicht einmal bemerkt, dass Nathan ihn einen kurzen Moment zuvor angestarrt hatte. Es war ihm nicht gelungen, den Jungen zu ignorieren. Er schüttelte seinen Kopf und richtete seinen Blick auf seinen Teller. Er spielte eine Weile mit dem Essen herum, bis eine Stimme hinter ihm sein Handeln unterbrach. „Ich habe nach Ihnen gesucht", sagte Harry.
„Was wollen sie Potter?", fragte Snape und hörte auf, mit der Gabel unerkennbare Muster in seinem Essen nachzufahren. Er wendete seinen Blick jedoch nicht vom Teller ab. Warum habe jemals ich gedacht, ich könnte ein wenig Ruhe haben? sinnierte er.
„Nun, Freitag ist mein letzter Tag hier und ich denke, wir sollten unser Duell austragen", sagte Harry.
Seit dem Jahr als Voldemort geschlagen wurde, forderte Harry Snape jedes Jahr zu einem Duell. Zuerst wollte Harry einfach nur gegen Snape kämpfen, wie Ron vorgeschlagen hatte, und forderte Snape zu einem Duell heraus. Nachdem er noch einmal Feigling genannt worden war, akzeptierte Snape die Einladung und von diesem Jahr an wurde es eine Art von Tradition. Es war größtenteils gutmütig, aber sie würden die Abneigung nie vollständig begraben können, die so lange zwischen ihnen bestanden hatte. Harry hatte bis jetzt auch noch niemals gewonnen, was seinen Wunsch nur verstärkte, die Tradition fortzusetzen.
Snape dachte eine Weile über diese Aufforderung nach und nach kurzer Überlegung traf er Harrys Blick. „Glaubst du immer noch, dass du mich schlagen kannst, Potter? Nach all den Jahren, in denen du gescheitert bist?", verspottete er den Helden.
„Sie wissen, was ich denke. Sind sie dieses Mal bereit für mich?", spöttelte Harry zurück.
„Ich bin immer bereit für dich, Potter", sagte Snape und widmete seine Aufmerksamkeit wieder seinem Frühstück. „Du bist derjenige, der nie bereit für mich ist."
„Das werden wir am Freitag ja sehen", damit setzte sich auch Harry an seinen Platz am Tisch und nahm sich ein wenig von dem Essen der Hauselfen.
Snape hatte im Moment viel wichtigere Dinge im Sinn, aber er begrüßte die Ablenkung. Lieber dachte er im Moment darüber nach Potter zu duellieren, als sich mit den Grangers zu befassen. In Wirklichkeit war dies eines von jenen Dingen, welche er während des Jahres immer herbeisehnte, Harry Potter auf seinen Platz zu verweisen. Er genoss jede Gelegenheit Potter zu zeigen, dass er seine Lektionen selbst nach all diesen Jahren noch immer nicht gelernt hatte.
Snape aß noch ein wenig und verließ den Lehrertisch, um zurück in die Kerker zu gehen. Sein Blick wanderte nur kurz zu den Jungen hinüber, die sich am Gryffindor Tisch angeregt unterhielten, als er bei ihnen vorbei ging. Er schalt sich selbst für diese noch so kleine Geste und verließ leise fluchend die Halle.
Nathan fiel nicht auf, dass der Zaubertranklehrer aus der Großen Halle stürmte. Er war in die Gespräche rund um ihn herum vertieft. Sie hatten eine lautstarke Diskussion über fliegende Besen. Seitdem sie in der letzten Woche ihre erste Flugstunde gehabt hatten, hinterfragte Josephina, die schreckliche Angst vor Besen hatte, den Sinn dieses Unterrichts. „Ich bin der Meinung, dass wir die Wahl haben sollten, ob wir Flugstunden haben wollen oder nicht. Ich hasse fliegen!", sagte sie.
„Ich weiß nicht, was man am Fliegen hassen kann! Es ist das beste Gefühl, das ich jemals hatte. Der Wind, die Freiheit...", sagte ein verträumter Andy. Er war von Besen und Quidditch fasziniert, genau wie sein Vater.
„Ich verstehe, was du meinst, Jose. Meine Mutter ist seit ihrer ersten Flugstunde niemals wieder einen Besen geflogen. Mir gefällt das Fliegen aber", meinte Nathan.
„Ich finde Fliegen großartig! Ich denke, die sollten Erstklässlern ihren eigenen Besen erlauben. Ich weiß, dass Harry Potter einen hatte und er auch in seinem ersten Schuljahr Quidditch gespielt hat", fügte Kevin hinzu und sah dabei Harry an, der sich am Lehrertisch gerade mit McGonagall unterhielt.
„Ja, das wäre fantastisch", pflichtete ihm Andy bei. „Ich würde gerne als Hüter oder Jäger spielen. Welche Position hättest du gerne, Nathan?"
„Ich weiß nicht. Onkel Harry sagt, ich wäre wahrscheinlich zu groß, um als Sucher zu spielen und Onkel Ron sagt, ich wäre ein guter Fänger, aber – "Nathan wurde von einer höhnischen Stimme hinter ihm unterbrochen.
„Ich glaube nicht, dass du auf irgendeiner Position gut spielen würdest, Granger. Was ist, wenn der Quaffel in den Verbotenen Wald fliegt? Würdest du Harry Potter rufen, damit er ihn für dich holt?" Devon Malfoy stand da und hatte zwei andere Erstklässler aus Slytherin an seiner Seite.
Nathan schien von dem Spott ungerührt zu sein. Er drehte sich nur auf seinem Platz um, um einen besseren Blick auf Malfoy zu bekommen, fast so als wollte er ihn dazu auffordern, noch mehr zu sagen. Als weiter nichts kam, drehte er sich wieder zum Tisch und sagte, „Wenn das das Beste ist, was du kannst, Malfoy, schlage ich vor, dass du mit deiner Gang wieder zum Slytherin Tisch zurückkehrst."
Das ärgerte Devon sichtlich. „Du glaubst du bist clever, aber du hast so viele Punkte von Gryffindor verloren, dass nicht einmal die dummen Antworten, die du im Unterricht gibst, reichen werden, dies wieder auszugleichen. Wir müssen uns nicht einmal Sorgen wegen des Hauspokals machen. Waren es fünfzig Punkte, die du gestern verloren hast?", sagte Malfoy, und die Slytherins lachten.
All die anderen Schüler waren sehr interessiert an dem Gespräch der beiden. Sie alle hatten aufgehört zu essen und zu reden, um zu beobachten, wie Nathan und Devon Beleidigungen austauschten.
„Das war schon besser. Netter Versuch", antwortete Nathan und drehte sich noch einmal um, um Devon anzusehen. „Aber ich bin mir sicher, ich kann all die fünfzig Punkte zurückgewinnen, wenn ich das muss, und das ist mehr, als ich von dir behaupten kann!" Nathan drehte sich dieses Mal nicht wieder um. Er starrte auf Malfoy, welcher ihn ebenfalls hasserfüllt anblickte. Die Spannung zwischen ihnen war bei den tuschelnden Zuschauern förmlich spürbar.
Bevor jedoch irgendetwas schlimmes passieren konnte, bahnte sich McGonagall, gefolgt von Harry, ihren Weg durch die Menge, die die beiden Jungen umgab. „Was hat das zu bedeuten?", fragte die Schulleiterin. Als sie keine Antwort von den Jungen bekam, die kurz davor waren, sich gegenseitig zu verfluchen, wandte sie sich an die Slytherins. „Ich fordere Sie auf, zurück an ihren Tisch zu gehen, Mr. Malfoy", sagte sie und fügte hinzu, „und das gilt auch für den Rest von Ihnen."
Für einen Moment starrten sie sich noch an, dann machten sich die Slytherins ohne ein weiteres Wort zu ihrem eigenen Tisch davon. Professor McGonagall blickte die übrigen Zuschauer ernst an, und alle widmeten sich augenblicklich wieder ihrem Essen. „Kann mir jemand erklären, was hier vorgegangen ist?", fragte sie und sah Nathan an. Es war jedoch Kevin, der ihr eine Antwort gab.
„Malfoy hat angefangen. Er ist nur hergekommen, um Nathan zu provozieren", sagte er.
„Was hat er gesagt?", fragte Harry, den sehr interessierte, was Nathan zu sagen hatte.
„Die haben mich nur veräppelt", sagte Nathan geringschätzig. „Es ging um nichts wichtiges."
Weder Harry noch McGonagall waren mit dieser Erklärung zufrieden, aber sie fragten nicht weiter. Harry blickte Nathan nachdenklich an. Der Junge hatte eine ausdruckslose Miene, die nichts verriet. Nathan wollte nicht, dass Harry versuchte ihn zu beschützen. Er hatte jedes Wort gehört, das Malfoy zu ihm gesagt hatte, und es würde die Situation nur noch schlimmer machen. Nein, Nathan würde sich selbst darum kümmern.
---
„Ich erwarte diese Arbeit bis nächste Woche, keinen Tag länger", sagte Hermine ihrer Klasse in Anorganischer Chemie, als die Unterrichtsglocke läutete und das Ende der Stunde an diesem Morgen ausrief.
Der Lärmpegel in dem stillen Klassenzimmer stieg an, als die Studenten ihre Sachen einsammelten, ihre Pläne für den restlichen Tag diskutierten und die Klasse für das Mittagessen verließen. Hermine ging zurück zu ihrem Schreibtisch, um ebenfalls ihre Sachen zu packen. Einige Augenblicke später, als auch der letzte Student gegangen war, hörte sie ein Klopfen an der Klassenzimmertüre. Sie drehte ihren Kopf in Richtung des Geräusches und sah ihren Kollegen auf sie zukommen.
„Haben Sie Lust, mich zum Mittagessen zu begleiten, Professor Granger?", lud er sie mit einem Lächeln ein.
Professor William Brice, der ebenfalls Lehrer und Forscher im Institut für Chemie war, war immer sehr nett zu Hermine. Er war ganz neu an der Universität und hatte noch nicht allzu viele Freunde gefunden.
„Sicher, wohin wollen wir denn gehen?", fragte Hermine.
Er kam an ihren Tisch und nahm ihr die Bücher ab, die sie gerade gestapelt hatte. Hermine wollte schon protestieren, entschied sich dann aber doch anders. „Ich glaube, diese Mal haben Sie die Wahl", antwortete er und lächelte sie an.
„Dann sag ich italienisch", sagte sie, und sie verließen das Klassenzimmer und gingen gemeinsam über die Flure zu ihrem Büro. Sie öffnete die Türe und legte ihre Unterrichtsmaterialien und die Arbeiten der Studenten auf dem Tisch ab. Professor Brice folgte ihr und legte die Bücher, die er trug, daneben. Als er die Anzahl der Unterlagen auf ihrem Schreibtisch sah, sagte er: „Sie mögen wohl Hausaufgaben! Das sieht nach einer Tonne von Essays aus, die zu korrigieren sind."
Hermine lächelte. „Ich glaube einfach, dass sie beim Lernprozess hilfreich sind." Sie nahm ihren Mantel und ihren Geldbeutel und verkündete: „Ich bin fertig, lass uns gehen."
Sie verließen das Gebäude und gingen, in ein lebhaftes Gespräch vertieft, ein paar Blöcke weiter, die die Universität von einem netten italienischen Restaurant trennten, in dem Hermine immer wieder einmal aß. Sie nahmen an einem Tisch am Fenster Platz, und der Kellner kam, um ihre Bestellungen entgegen zu nehmen.
Während sie auf das Essen warteten, unterhielten sie sich über eine Vielzahl an Dingen, welche mit ihrem Unterricht und ihrer Forschung zu tun hatten. Sie aßen, und das Gespräch kam auf persönlichere Themen. „Ich habe gehört, dass Ihr Sohn auf eine Internatsschule geht", sagte Brice.
„Es ist dieselbe Schule, auf die auch ich gegangen bin, als ich in seinem Alter war. Es ist eine sehr angesehene Einrichtung", sagte Hermine und hoffte, dass diese Aussage reichen würde, um sein Interesse zu anderen Gesprächsthemen zu lenken.
„Sie müssen sich etwas einsam fühlen, so ganz ohne ihn", sagte er dann.
Hermine war ein bisschen verblüfft von dem Verlauf, den ihre Unterhaltung zu nehmen schien. „Natürlich vermisse ich ihn, aber ich wusste, dass diese Zeit irgendwann kommen würde. Sie kommt immer", gab sie zu.
„So sagt man. Sie wissen, dass Sie zu mir kommen können, wenn Sie irgendetwas brauchen, ja?", sagte er und blickte ihr in die Augen. Er ergriff ihre Hand, die auf dem Tisch lag, und fügte hinzu: „Sie müssen nicht alleine sein, Hermine."
Sie wich nicht von seiner Berührung zurück, fühlte sich aber auch nicht besonders wohl. „Ich werde daran denken, William", brachte sie zustande und zog ihre Hand unter seiner hervor. Sie zahlten die Rechnung und verließen das Restaurant. Dieser kurze Moment hatte eine unangenehme Spannung zwischen ihnen hinterlassen. Hermine konnte nicht verstehen, warum sie ihn so einfach ausgeschlossen hatte. Er ist ein großartiger Mann, intelligent, sanft, lustig, attraktiv. Warum gebe ich ihm also keine Chance?
Sie hatten den Weg zur Universität in peinlichem Schweigen zurückgelegt. Sie konnte sehen, dass sie seine Gefühle verletzt hatte.
„Ich schätze, wir sehen uns", sagte er und verabschiedete sich damit.
„Bis bald, William", sagte sie und er verließ sie vor ihrer Bürotüre. Sie blickte ihm nach, bis er um die nächste Ecke gebogen war und aus ihrer Sicht verschwand. Sie seufzte. Das war schrecklich, dachte sie und betrat ihr Büro. Diesen Nachmittag hatte sie keinen weiteren Unterricht und musste nur Arbeiten korrigieren. Sie konnte nicht verstehen, warum sie an einem Mann wie William nicht interessiert war. Was ist denn bloß los mit mir? fragte sie sich. Sollte ich William nicht zumindest eine Chance geben? Warum nicht? Sie wusste es nicht.
Sie nahm den ersten Stoß an zu korrigierenden Arbeiten und begann die erste zu lesen. Sie erreichte nicht einmal die Mitte der ersten Seite. Ihre Gedanken wanderten zu den Geschehnissen während des Mittagessens. Ist es nur, weil er ein Muggel ist? Bei diesem Gedanken musste sie schnaufen. Das war lächerlich! Natürlich machte es ihr nichts aus, ob er Zauberkräfte hatte oder nicht. Sie selbst war eine Muggelgeborene, die in der Welt der Muggel lebte. Warum also? dachte sie. Alles was sie wusste, war, dass es sich nicht richtig anfühlte, dass sie nicht ihn wollte.
Wen mag ich denn dann? fragte sie sich selbst und plötzlich tauchte aus dem Nichts das Bild von Severus Snape in ihren Gedanken auf, und ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Zumindest für einen kurzen Augenblick, bis sie bemerkte, was das zu bedeuten hatte und dann erschrak sie. Was zur...
---
Snape betrat die Große Halle für das Mittagessen. Er würde es nicht zulassen, dass der Junge ihm auf den Geist ging. Der Junge war bereits da, bemerkte er, und dann blickte er missmutig drein, erbost darüber, dass es ihm überhaupt aufgefallen war.
Während des Essens gelang es ihm, Nathan völlig zu ignorieren, doch dann erschien der Junge vor dem Lehrertisch.
„Professor Snape?", sagte Nathan.
Verborgen hinter einem Vorhang aus Haar schloss Snape seine Augen, bevor er ihm antwortete. „Was wollen Sie, Granger?", fauchte er.
„Ich möchte die Zeit für mein Nachsitzen heute wissen, Sir."
Nachsitzen? Über allem, was der Bestrafung gefolgt war, hatte Severus vergessen, dass er Nathan Nachsitzen gegeben hatte. Aber jetzt kam alles wieder zurück. Einen Monat Nachsitzen, erinnerte er sich und starrte den Jungen finster an. „Kommen Sie um sieben in mein Unterrichtszimmer", sagte er nur.
„Ja, Sir", antwortete Nathan und ging, um seine Freunde bei der Türe zur Großen Halle zu treffen.
Snape blieb mit der Gewissheit zurück, dass er Nathan nicht länger ausweichen konnte. Er hatte das Nachsitzen vergessen, aber um sieben Uhr würde er auf den Jungen vorbereitet sein.
Diese kleine Unterhaltung während des Mittagessens war dafür verantwortlich, dass viele Schüler seinen Nachmittagsunterricht in Tränen verließen, und ebenso für das Absinken der Edelsteinlevel in den Sanduhren aller Häuser zur Abendessenszeit. Am Ende des Tages hatte Snape noch immer keine Lösung für das kommende Nachsitzen gefunden. Er entschloss sich, das Abendessen ausfallen zu lassen, und zog sich in sein Büro zurück.
Um sieben Uhr - er war bereits wieder zurück im Zaubertränkesaal - hörte Snape ein Klopfen an der Türe. „Herein", sagte er.
Nathan betrat das Zimmer und wollte auf den Zaubertranklehrer zugehen, nur um von Snape aufgehalten zu werden. „Bleiben Sie, wo Sie sind, Mr. Granger", hörte er den Professor sagen. „Wir gehen und werden ihre Situation mit der Schulleiterin diskutieren."
Nathan runzelte bei dieser Nachricht fragend die Stirn. „Warum, Sir?", fragte er.
„Müssen Sie immer alles hinterfragen?", presste Snape wütend zwischen den Zähnen hervor, und ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen, stürmte er an Nathan vorbei und verließ den Klassenraum. Nathan musste sich beeilen, um den langen Schritten des Zaubertranklehrers folgen zu können.
Schweigend erklommen sie die Stiegen, welche die Kerker vom Turm trennten, in dem das Büro der Schulleiterin lag. Beim Wasserspeier nannte Snape das Passwort und die sich drehende Wendeltreppe brachte sie nach oben. Snape klopfte und wartete auf die Antwort der Schulleiterin. Als er McGonagalls Stimme hörte, die Herein rief, öffnete er die Türe.
„Was kann ich für dich tun, Severus?", fragte sie.
„Ich bin hier um über Mr. Grangers Strafe für das Brechen der Schulregeln und das Betreten des Verbotenen Waldes zu diskutieren. Ich habe seinem Haus bereits fünfzig Punkte abgezogen und ihm einen Monat Nachsitzen aufgetragen", sagte er zur Schuldirektorin, als wäre Nathan nicht im Raum. „Ich brauche nur jemanden, der dieses Nachsitzen beaufsichtigt."
„Warum kannst du das nicht machen, Severus?", fragte McGonagall und sah Snape etwas verwundert an. „Du bist doch sonst immer so gerne bereit, in diesen Dingen auszuhelfen, speziell wenn es um Schüler aus Gryffindor geht."
„Es ist nicht meine Aufgabe Gryffindors Disziplin beizubringen, Minerva", sagte er verärgert. „Das ist Lupins Job."
Nathan hörte genau zu und ließ sich kein einziges Wort der Diskussion entgehen. Er hörte neugierig zu, wie Snape versuchte, ihn auf jede auch nur erdenkliche Weise loszuwerden. Nathan war nicht der Einzige, der den Zaubertranklehrer aufmerksam beobachtete. Ein Paar blauer Augen ruhten seit dessen Eintreten ebenfalls auf dem Mann.
„Du weißt sehr gut, dass Lupin im Moment nicht zur Verfügung steht", sagte McGonagall und verlor allmählich die Geduld mit Severus.
„Dann sollten vielleicht Sie die Bestrafung von Granger selbst übernehmen", wagte Snape zu sagen und zeigte damit ganz deutlich, wie verzweifelt er war.
McGonagall sah Snape ungläubig an. „Ich bin die Schulleiterin und ich habe keine Zeit Nachsitzen zu beaufsichtigen. Da Remus unpässlich ist, wirst du sein Nachsitzen selbst beaufsichtigen müssen, Severus."
Da war kein Platz für eine weitere Diskussion. Snape ließ hörbar seinen Atem entgleiten und gab sich geschlagen. „Zurück zu den Kerkern, Mr. Granger", sagte er, ohne Nathan dabei anzusehen.
Nathan zögerte, bevor er das Zimmer verließ. Es war das erste Mal gewesen, dass er das Büro der Schuldirektorin betreten hatte, und darum hatte er sich alles voller Interesse angesehen, während er dem Gespräch der Lehrer gelauscht hatte. Hinter dem Schreibtisch von Professor McGonagall hingen viele Portraits und alle hatten ihren Blick auf die beiden Professoren gerichtet, mit Ausnahme von einem. Zuerst hatte er, wie all die anderen, Snape beobachtet, aber nach einer Weile wanderten die blauen Augen zu Nathan. Das Portrait hatte geschmunzelt, als Nathan befohlen wurde, zu gehen.
Er ging zurück in die Kerker und dachte darüber nach, was passiert war. Professor Snape will mein Nachsitzen nicht beaufsichtigen. Warum nicht? Ist es wegen dem Gespräch, das wir gestern hatten? Er erinnerte sich an den eigenartigen Ausdruck in Snapes Gesicht. Er versucht mich zu meiden, und das, weil er etwas weiß.
Als er die Kerker erreicht hatte, entschied er, dass es besser wäre, das Klassenzimmer sofort zu betreten, anstatt an der Türe zu warten. Das Klassenzimmer war nur schwach erleuchtet. Er setzte sich an den Arbeitsplatz, der am nächsten zu Professor Snapes Tisch stand und sah sich nach einer Beschäftigung um, während er auf den Professor wartete. Er musste jedoch nicht lange warten.
Snape betrat den Raum und war sichtlich verärgert. Er ging zu seinem Tisch und, ohne Nathan anzusehen, sagte er: „Pergament und Feder heraus! Du wirst Strafsätze schreiben."
Nathan schaute den Zaubertranklehrer für einen Moment an, bevor er gehorchte. Als er das georderte Material aus seinem Rucksack genommen hatte, sprach Professor Snape erneut. „Trage deine Sachen zu der hintersten Arbeitsfläche und schreibe einhundert Zoll lang Ich darf die Schulregeln nicht brechen."
Nathan hinterfragte diese Anordnung nicht, aber er hielt sie doch für eigenartig. Warum schickt er mich in den letzten Winkel des Zimmers? Er nahm seine Unterlagen, setzte sich in die letzte Bank und begann mit der Aufgabe.
Snape hatte den Jungen ans Ende des Raumes geschickt. Er wollte ihn nicht in seiner Nähe haben, doch seine Gedanken waren da anderer Ansicht. Von Zeit zu Zeit brachten sie ihn dazu, seinen Kopf zu heben und Nathan beim Schreiben der Zeilen zu beobachten, eine Geste, welcher, sobald er sich ihrer bewusst wurde, der Gedanke folgte, Hermine Granger etwas anzutun. Während des ganzen Nachsitzen verließ er seinen Platz jedoch nicht.
Eine Stunde später, kam Nathan zu Snape und hatte das aufgerollte Pergamentpapier in seiner Hand. „Ich bin fertig, Sir."
Snape nahm die hingehaltene Pergamentrolle. „Hinaus!"
Nathan zögerte ein bisschen, als ob er noch etwas sagen wollte, schließlich aber ging er ohne ein weiteres Wort.
Snape öffnete die Pergamentrolle und begann die Zeile zu lesen, welche sich auf der ganzen Seite wiederholte. Ich darf die Schulregeln nicht brechen. Seine Augen wanderte über die ganzen hundert Zoll und blieben an einer abweichenden Zeile ganz am Ende hängen. Er kniff die Augen zusammen. Dort stand: Ich darf die Schulregeln nicht brechen Ich habe Sie enttäuscht, Professor Snape. Ich verspreche, dass ich nie wieder so dumm sein werde. Es tut mir Leid.
Er zerknüllte das Pergamentpapier.
---
Zur selben Zeit am nächsten Tag standen Nathan und die Anderen in der Eingangshalle herum. Kevin und Andy hatten beschlossen Nathan Gesellschaft zu leisten, während dieser auf die Zeit für sein Nachsitzen wartete.
„Glaubst du, dass er dich wieder Zeilen schreiben lässt?", fragte Andy.
„Ich weiß nicht. Ich hoffe nicht. Es ist so langweilig, nur da in diesem dunklen Raum zu sitzen und bescheuerte Zeilen zu schreiben", beschwerte sich Nathan.
„Würdest du lieber, wie beim letzten Mal, Kessel reinigen?", fragte Kevin.
„Ich glaube schon. Zumindest ist es produktiver als Strafarbeiten zu schreiben", antwortete Nathan.
Sie warteten noch ein wenig, bis es sieben Uhr wurde. Kevin und Andy wünschten Nathan viel Glück und gingen in Richtung Gryffindor Turm, während Nathan sich in die Kerker aufmachte. Er klopfte an die Tür des Zaubertranksaals und wartete. „Herein", konnte er hören.
„Guten Abend, Professor Snape", grüßte Nathan und bekam wie immer keine Antwort. Er blickte auf den Arbeitsplatz, den er am Vortag gebraucht hatte, und sah dort einen Kessel stehen. Er zögerte, weil er nicht wusste, ob Snape wollte, dass er zu seinem Schreibtisch kam, oder ob er einfach bei seinem letzten Arbeitsplatz bleiben sollte. Da der Professor nichts sagte, näherte sich Nathan ihm und blieb vor dem Zaubertrankmeister stehen. „Was ist meine Aufgabe heute?"
„Zuallererst möchte ich wissen, was Sie sich gestern dabei gedacht haben, mir nicht zu gehorchen?" Snape wartete keine Antwort ab. „Ich dachte, ich hätte mich in Bezug auf ihre Aufgabe klar ausgedrückt, Mr. Granger. Aber wieder einmal haben sie bewiesen, dass sie nicht so klug sind, wie sie zu sein glauben. Welchen Satz habe ich Ihnen aufgegeben zu schreiben?"
„Ich darf die Schulregeln nicht brechen, Sir", war Nathans Antwort.
„Und was haben Sie geschrieben?", fragte ihn Snape.
Nathan wurde ganz still. Er hatte diese Zeilen geschrieben, aber er hatte am Ende auch noch etwas anderes hinzugefügt. Als er begriff, dass Snape ihn gleich wieder beschimpfen würde, antwortete er: „Ich habe die geforderte Länge an Sätzen geschrieben, wie sie verlangt haben, Sir, und ich habe nur einen weiteren Satz hinzugefügt, als ich fertig war."
Snape war sprachlos. Nathan hatte ihn ein weiteres Mal überrascht. Das wurde schon zu einer Gewohnheit. Der Junge ist pfiffig, dachte er. Er runzelte die Stirn darüber, dass er noch eine weitere bewundernswerte Eigenschaft an dem Jungen bemerkte, und befahl: „Reinigen Sie diesen Kessel, bis er wie ein Spiegel glänzt. Glauben Sie, dass Sie das zustande bringen?"
„Ja, Sir", antwortete Nathan und ging mit gesenktem Kopf wieder zu seinem Platz zurück.
Er reinigte den Kessel, während Professor Snape Arbeiten korrigierte, oder zumindest versuchte sie zu verbessern. Wie schon am Vortag, erwischte sich Snape dabei, wie er von Zeit zu Zeit Nathan beobachtete. Was er allerdings nicht wusste, war, dass auch er von dem Jungen beobachtete wurde.
Warum dieses Getue wegen einer einfachen Entschuldigung? dachte Nathan. Ich dachte, er möchte wissen, dass es mir Leid tut, dass er all die Zeit mit mir verbringen muss. Für einen Augenblick ruhte Nathan seine Arme aus, die ihm vom Schrubben des Kessels schmerzten, und nahm sich einen kurzen Augenblick, um Snape zu beobachten. Als guter Beobachter erkannte Nathan, dass Snape nicht wirklich mit der Korrektur von Arbeiten beschäftigt war, sondern es nur vorgab. Vielleicht war das der passende Moment, ihn zu fragen.
„Professor Snape?", rief Nathan.
„Ich hoffe Sie unterbrechen mich, um mir zu sagen, dass Sie fertig sind."
„Ich glaube nicht, dass ich Sie unterbreche, Sir", sagte Nathan und ohne Snape Zeit für eine weitere Rüge zu lassen, fügte er hinzu: „Ich wollte nur wissen, ob alles in Ordnung ist, Sir."
„Es ging mir besser, als ich mich nicht mit Ihnen herumschlagen musste, Granger", presste Snape verärgert zwischen seinen Zähnen hervor. Und das war auch die absolute Wahrheit.
Ah, er ist also böse auf mich, entschied Nathan. „Es tut mir Leid, dass Sie sich um mich kümmern müssen, Sir. Ich wollte nicht, dass das passiert."
„Das wollten Sie nicht, ja? Sind Sie sich sicher, dass Sie diese ganze Sache nicht geplant haben?" Snapes Stimme wurde mit jeder Frage lauter. Er erhob sich aus seinem Sessel. „Ich weiß, was Sie im Verbotenen Wald gemacht haben, und ich glaube ehrlich nicht daran, dass Sie es ohne Hintergedanken getan haben. Wollten Sie unbedingt Nachsitzen bekommen? Wollten Sie hier in den Kerkern mit mir festsitzen?" Severus war mit diesen Worten neben Nathan angelangt. „Ich weiß nicht, was du von mir willst, Junge, aber ich möchte, dass du weißt, dass dieses kleine Spiel, von dir und deiner Mutter, genau hier endet!" Er starrte in das Gesicht seines Sohnes.
„Ich weiß nicht, worüber sie sprechen, Sir", sagte Nathan verwirrt. „Ich ging wegen dem Einhornhaar in den Verbotenen Wald. Ich gebe zu, dass das dumm war. Aber ich habe es gemacht, damit sie stolz auf mich sind und nicht, um Nachsitzen bei Ihnen zu bekommen. Ich wollte wirklich nicht mit Ihnen hier festsitzen, Sir, und ich weiß nicht, von welchem Spiel sie hier sprechen. Meine Mutter und ich machen gar nichts!", Nathan war bei der Erwähnung seiner Mutter wütend geworden. Was glaubt er, wer er ist, wenn er so über meine Mutter spricht?
„So, Sie wissen also nichts über Ihre Mutter", bemerkte Snape „Oder über mich!"
„Ich weiß sehr wenig über Sie, Sir. Aber Sie können nicht sagen, dass ich nichts über meine eigene Mutter weiß", sagte Nathan.
„Dann sage mir, wer dein Vater ist", sagte Snape böse.
Nathan starrte den Mann vor ihm einfach nur wütend an. Er wollte schreien. Er wollte ihn verletzen.
Snape brach diesen Wettkampf im Anstarren zuerst ab. Er war sich sicher gewesen, dass der Junge die Wahrheit wusste und nur mit ihm spielte. Aber jetzt, war er sich nicht mehr sicher.
Er hörte, wie Nathan tief einatmete und dann sagte: „Ich hätte wissen müssen, dass Sie diese Information gegen mich verwenden. Das ist es, was Sie tun, nicht wahr? Das ist es, was alle Slytherins machen. Sie nutzen ihr Wissen über die Schwäche eines anderen zu ihrem Vorteil." Nathans Stimme war leise und klang sehr verletzt.
„Ich werde den Kessel fertig reinigen und dann Ihren Kerker verlassen, Sir."
Er sah, wie der Junge seine Arbeit schnell abschloss und dann ging.
A/N: Ich hoffe, dass euch die Geschichten neben der Haupthandlung gefallen. Lasst es mich einfach durch eure Reviews wissen. Wir werden in meinem LJ (Homepage-Link ist im Profil) die einzelnen Reviews beantworten!
Im nächsten Kapitel… Halloween kommt näher, ein Duell wird vereinbart und natürlich gibt es mehr Nachsitzen für Nathan
