Weihnachten
Der nächste Morgen war der Tag der Geschenke und Ted war ziemlich glücklich über ein Buch über Pflanzen, schöne gelb-schwarze Socken und einer seltenen Pflanze, namens Mondbeerenknolle.
Ted hatte seine Geschenke für Harry und Ginny in Hogsmeade gekauft und die beiden schienen auch recht zufrieden über ein neues Paar Handschuhe und Süßigkeiten zu sein.
Draußen schneite es schon wieder, während die gesamte Familie Weasley gemütlich beisammen saß. Wie jedes Weihnachten hörte Grandma Molly Celestina Warbeck im Radio und summte zu dem Lied „Ein Kessel voller heißer starker Liebe". Fleur hatte sich bereits verzogen, als sie das Radio angestellt hatte, mit der Ausrede, die auch in jedem Jahr dieselbe war, noch ein paar Briefe an ihre Eltern und ihre Schwester nach Frankreich schreiben zu müssen. Wahrscheinlich hob sie sich das auch immer genau dafür auf.
Gegen Mittag klopfte plötzlich eine ihnen unbekannte Eule ans Fenster und als Ginny zu ihm kam und ihm den Brief reichte, sank ihm das Herz in die Hose. Er hatte versprochen Annie zu schreiben und hatte es komplett vergessen.
Nachdem er sich bei Ginny bedankt hatte, rannte er hinauf in sein Zimmer, wobei ihm wohl einige der Anwesenden Blicke hinterher warfen.
Lieber Ted,
es ist alles genau, wie ich es erwartet hatte, Weihnachten mit Grandma ist grässlich. Ich kann nicht viel erzählen, weil einfach alles öde und eintönig ist.
Ich war ein wenig traurig, dass du mir noch nicht geschrieben hast, obwohl du es versprochen hattest. Erzähl mir, was du so machst, ja? Ich halte es hier nämlich nicht mehr aus. Wie sehr wünsche ich mich manchmal in die Küche von Hogwarts, wo ich mit dir Kuchen backe.
Bitte, lass von dir hören!
In Liebe,
Annie
Ted schluckte. Er hatte Annie so gut wie vergessen gehabt, die ganze Zeit über. Jetzt kam ihm ein schlechtes Gewissen auf, das begann an seinen Eingeweiden zu nagen. Wie hatte er sie so leicht vergessen können? Er seufzte, denn er kannte die Antwort.
Um sein Gewissen zu beruhigen, schrieb er schnell zurück, in der Hoffnung, dass sie damit etwas aufgemuntert wurde.
Liebe Annie,
es tut mir Leid, dass ich Dir nicht geschrieben habe bisher, aber hier ist ziemlich viel zu tun und deshalb bin ich einfach nicht dazu gekommen. Gestern habe ich mit Lily, der kleinen Tochter von meinem Paten und Lucy, deren Cousine, einen Schneemann gebaut. Die beiden sind sieben und echt niedlich. Bei jeder Partie Zauberschach gegen Ron, den besten Freund von meinem Paten, verliere ich kläglich, er ist einfach zu gut und der einzige aus der Familie, der es wohl mit ihm aufnehmen kann ist sein Sohn Hugo, obwohl der erst acht Jahre alt ist.
Das Haus ist ziemlich voll und manchmal frage ich mich, wie Grandma Molly und Grandpa Arthur das ganze Jahr über so allein hier leben können, obwohl so eine große Familie auf Dauer sicher viel Stress bedeutet.
Es tut mir Leid, dass du so einsam bist an Weihnachten und ich freue mich schon darauf dich nach den Ferien wiederzusehen.
In Liebe,
Ted
Gerade, als er geendet hatte, klopfte es an der Tür.
„Ich wollte fragen, ob du Lust hast ein wenig spazieren zu gehen", sagte Victoire und sah ihn erwartungsvoll an.
„Ja, ich muss nur noch kurz diesen Brief abschicken", antwortete Ted und er band jenen an Berts Bein fest.
Sie zogen sich warm an und traten dann aus dem Haus.
„Irgendwie wollte ich mal aus dem ganzen Trubel herauskommen", sagte Victoire und Ted grinste.
„Kann ich gut verstehen, aber deine Mutter scheint das ganze ja auch nicht so zu mögen", sagte er.
„Die soll sich nicht immer so anstellen. So schlimm sind die Lieder von Celestina Warbeck auch nicht", sagte sie.
„Dann hast du wohl den Geschmack von Grandma Molly geerbt", lachte Ted.
„Sehr lustig, nein, ich finde nur einfach, dass Mum das ein bisschen mehr respektieren sollte und vielleicht habe ich mich einfach viel zu sehr an die Lieder gewöhnt, sodass ich angefangen habe sie zu mögen", sagte Victoire.
„Wenn das so ist, musst du auch Professor Baddock mögen", sagte Ted, doch Victoire schüttelte nur lachend den Kopf.
„Niemals!"
Und dann griff sie nach einer Hand voll Schnee und warf sie ihm ins Gesicht.
„Bist du sicher, dass du dich mit mir anlegen möchtest?", fragte Ted und feuerte geradewegs zurück und traf sie im Rücken.
„Eigentlich nicht", gab Victoire zu, machte jedoch weiter und so entwickelte sich daraus eine Schneeballschlacht.
Irgendwann rannte Ted mit einer Hand voll Schnee in den Händen auf sie zu und hielt sie fest, eigentlich wollte er ihr das Zeug ins Gesicht reiben, aber irgendwie doch nicht und, da beide das Gleichgewicht verloren, fielen sie um, zum Glück fiel sie auf ihn und nicht anders herum, denn das hätte etwas schmerzhaft für sie sein können.
„Ich glaube, ich bin schön weich gefallen", sagte Victoire und sah ihn mit ihren großen tiefblauen Augen an. Ted grinste breit.
„Gern geschehen", sagte er.
Ted musst zugeben, dass er das Gefühl von ihrem Körper auf seinem genoss. Er bekam wieder dieses angenehme Kribbeln und ihm wurde ganz warm, während er und sie sich tief in die Augen sahen. Es war einer dieser magischen Momente, von dem man in Filme erwartete, dass die beiden sich jetzt küssten, doch Ted und Victoire taten es nicht.
Victoire kletterte einfach von ihm herunter und klopfte sich mit heißem Gesicht den Schnee von der Kleidung.
