Disclaimer: Diese Geschichte basiert auf Charakteren und Situationen, die das Geistige Eigentum von J.K.Rowling sowie von verschiedenen Verlegern, inklusive Bloomsbury Books, Raincost Books und Warner Bros. Inc.- jedoch nicht nur von diesen -sind. Ich verdiene hiermit Kein Geld, noch ist es meine Absicht, irgendwelche Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.


Kapitel X Der peinlichste Tag in Katies Leben…

So wenige Worte und doch verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Sie rissen Katie förmlich den Boden unter den Füßen weg. Es zu ahnen oder zu vermuten war etwas anderes, als es aus seinem Mund zu hören. Die Gefühle, welche sie in diesem Moment überwältigten, konnte Katie beim besten Willen nicht mehr in Worte fassen. In ihr tobte ein Sturm und sie konnte nicht sagen welches Gefühl überwog, der Schock an sich oder die Freude darüber, die sie nun nicht einmal mehr vor sich selbst verheimlichen konnte.

Das die Frau am anderen Ende ihre Großmutter war, darin lag kein Zweifel. Immerhin war sie die einzige Person die ihre Nummer kannte und da Marcus von einer Enkelin gesprochen hatte, erübrigte sich jegliches weitere Mutmaßen. Sie hatte es anscheinend nicht mehr ausgehalten, bis Katie sich getraut hätte, sich bei ihr zu melden. Den Anruf ihrer Großmutter im Büro hatte sie ja versucht zu verdrängen.

Anscheinend war hier aber mal wieder die Neugierde der älteren Dame stärker gewesen. Zudem hatte sie sich wie immer Sorgen gemacht, sonst hätte sie Marcus niemals eine Frage gestellt, auf die er so antworten konnte.

Was sie jedoch jetzt genau mit dieser Erkenntnis anfangen sollte, wußte sie nicht. Aber eins konnte sie definitiv für sich feststellen, unangenehm war es ihr nicht wirklich. Nur ... wie sollte sie sich nun ihm gegenüber verhalten?

Bisher hatte sie schon seine bloße Anwesenheit nervös gemacht, aber was sollte jetzt werden? Erst einmal musste sie sich über ihre eigenen Gefühle Marcus gegenüber klar werden. Zumindest sollte sie diese genauer definieren können, als bisher.

„Ja natürlich! Heute bei Ihnen zum Abendessen? Da müsste ich erst Katie fragen…wenn Sie das meinen...in Ordnung, dann bis später...war nett mit Ihnen zu sprechen!"

Marcus war mehr als verwirrt über das soeben geführte Telefongespräch. Er fühlte sich überrumpelt und konnte immer noch nicht realisieren, was in den letzte Minuten wirklich passiert war, insbesondere was da über seine Lippen gekommen war. Ein Geständnis, dass er sich bisher nicht einmal selbst offenbart hatte, geschweige denn anderen offenbaren wollen.

Jetzt musste er nur noch Katie von dem Essen bei ihrer Großmutter erzählen und das möglichst ohne sein Liebesgeständnis zu erwähnen, denn er war sich sicher, dass es nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt war mit solch einer Nachricht in Katies Gefühlswelt einzufallen. Aber es war bereits zu spät wie, er keine Sekunde später feststellen musste, als Katie statt sich so leise wie möglich aus dem Staub zu mache, ungeschickt ins Wohnzimmer stolperte.

Kurz vor sich hinfluchend richtete diese sich wieder auf und lächelte dann peinlich berührt ihren Mitbewohner an, um ihn dann mit einem eher geflüsterten „Hi!" zu begrüßen.

Plötzlich wurde ihm heiß und kalt. Sie musste alles mit angehört haben. Dabei hatte er das ganze selbst noch nicht so ganz verdaut, wie würde sie selbst erst darauf reagieren? Wahrscheinlich hatte er jetzt alles kaputt gemacht, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Aber er war nun mal durch und durch ein Slytherin und sich vor der Situation zu drücken, wäre nicht seine Art gewesen. Deswegen kam nur die Flucht nach vorne für ihn in Frage.

„Wie lange stehst du da schon?"

Es war die erste Frage die ihm einfiel und es war die einzig richtige. Auf irgendwelche morgendlichen Begrüßungsfloskeln verzichtete er bewusst. Das war jetzt nebensächlich. Wichtiger war die Antwort die er von Katie erwartete.

„Lang genug, um ehrlich zu sein."

Wieso sollte sie ihm was vormachen? Würde sie ihn jetzt anlügen, würde er es früher oder später sowieso merken. Immerhin wusste sie nicht mal wie sie sich ab jetzt ihm gegenüber benehmen sollte.

Er dagegen war von dieser Antwort nicht wirklich begeistert. Es war die Antwort die er befürchtet hatte und mit der er sich nicht wirklich anfreunden konnte. Also würde das ganze von nun an noch viel komplizierter werden. Aber egal wie sich die Dinge nun darstellten, er wollte eine Reaktion von Katie. Und zwar umgehend.

„Und?"

Katie schaute ihn nur verdutzt an. Mehr fiel ihm dazu nicht ein als ein idiotisches „Und?". In Ordnung, was er konnte, das konnte sie schon lange. Langsam, und bedacht darauf nicht wieder ungeschickt über ihre eigenen Füße zu stolpern, bewegte sie sich auf ihn zu und blieb erst stehen, als sie beide nur noch wenige Zentimeter voneinander trennten.

Marcus wusste nicht so recht was Katie nun schon wieder vor hatte. Die Situation gefiel ihm ganz und gar nicht. Tausende von Varianten, was sie nun zu tun gedachte, formten sich in seinem Kopf und keine davon war weniger brutal als die andere. Doch weiter darüber nachzudenken, war ihm nicht mehr möglich. Katie hatte sich nun so weit vorgebeugt, das ihre Lippen schon fast sein Ohr berührten und ihr Atem eine Gänsehaut bei ihm verursachte. Und dann kamen die Worte, auf die er nicht vorbereitet gewesen war.

„Beweis es!"

Und schon hatte sich der Abstand in Sekundenschnelle zwischen den beiden wieder vergrößert. Katie stand wieder am Türrahmen und war dabei das Wohnzimmer zu verlassen. Sie lächelte ihm noch über die Schulter zu und war dann verschwunden.

Das erste was ihm nun in den Sinn kam, war, sich einfach in den Sessel fallen zu lassen. Dann würde er weiter sehen, denn die Fähigkeit in wirklich zusammenhängenden Sätzen zu denken, geschweige denn zu reden, schien ihm vorübergehend abhanden gekommen zu sein.

Irgendwann, nachdem Marcus sich wieder im Stande fühlte etwas anderes zu tun als dämlich in der Gegend herum zu sitzen und die Wand anzustarren, kam ihm eine Idee. Schnell sprang er auf und lief wieder in Richtung Telefon. Zwar hatte er noch immer eine immense Abneigung gegen diesen Muggel-Apparat, aber jetzt würde er ihm doch eine Hilfe sein. Direkt neben dem Telefon lag ein kleiner Organizer in dem Katie sämtliche wichtige Nummern vermerkt hatte und wenn Merlin ihn nicht zutiefst hasste, würde er dort auch Alicias Nummer finden.

Es dauerte keine zwei Sekunden und er fand den gesuchten Eintrag, der mit einem dicken roten Stift eingetragen war. So leicht hatte er sich das nicht vorgestellt. Auch wenn er kein Fan von Muggelartefakten war, so konnte er dennoch mit ihnen umgehen. Ein Slytherin würde sich niemals die Blöße geben, etwas nicht zu können. Im nächsten Moment hatte er die Telefonnummer gewählt und wartete gespannt ob jemand abhob.

Eine ganze Weile später hob endlich jemand ab und nuschelte ein verschlafenes „Ja?". Diesen Jemand konnte Marcus eindeutig als Adrian identifizieren. Er hatte also recht gehabt, wo sollte er ihn auch anders finden.

„Einen wunderschönen guten Morgen, mein Freund!"

Adrian der gerade noch halbwegs in einer Traumwelt gewesen war, saß nun kerzengrade im Bett, womit er auch seine Freundin aus dem Schlaf riss. Er hätte ja vieles erwartet als er das Telefongespräch annahm, aber nicht die Stimme seines besten Freundes zu hören.

„Flint, verdammt warum rufst du an?" Und schon war auch bei Alicia nicht mehr an Schlaf zu denken, die jetzt permanent auf ihren Freund einredete, er solle doch auf Lautsprecher schalten.

„Alicia, bitte das ist ein Privatgespräch!"

Wenn Adrian auch nur 5 Sekunden geglaubt hatte, er könnte die junge Frau damit ruhig stellen, hatte er sich gewaltig geirrt.

„Wie schön. Und das ist mein Telefon. Also entweder du lässt mich an dem Gespräch teilhaben oder ihr sucht euch ein anderes Kommunikationsmittel!"

Nicht wirklich begeistert davon betätigte Adrian den Lautsprecher, so dass auch seine Freundin am Gespräch teilhaben konnte.

„Zufrieden?" Da er darauf nicht wirklich eine Antwort erwartete, bekam der junge Mann auch nur ein siegreiches Lächeln seiner Freundin zu sehen, bevor sich beide wieder auf den Gesprächspartner am anderen Ende konzentrierten.

„In Ordnung, Marcus warum zum Teufel benutzt du ein Telefon und was willst du zu solch einer Uhrzeit?"

Marcus ließ sich nicht von der gereizten Stimme seines Freundes beeindrucken. Immerhin kannte er ihn lange genug um zu wissen, dass das Sprichwort „Hunde die Bellen beißen nicht" genau auf seinen Freund zutraf.

„Ganz ruhig, mein Lieber. Ich benutze ein Telefon, weil ich mir schon dachte das ich dich bei deiner Freundin erreiche und es ist ein Notfall!"

Alicia verdrehte schon die Augen. Wenn es bei Männern hieß, es sei ein Notfall, war es meist nichts wirklich aufregendes und für sie ziemlich langweilig. Deshalb wollte sie sich auch eigentlich auf den Weg ins Badezimmer machen, aber bevor sie oder Adrian auch nur etwas erwidern konnten, redete Marcus weiter.

„Na ja, Katie hat sozusagen ein indirektes Liebesgeständnis von mir an sie mitbekommen!"

Für zwei Sekunden lang herrschte Totenstille bis plötzlich ein ziemlich hysterischer Schrei erklang, der eindeutig von Alicia kam.

„Merlin noch mal, verdammt Alicia wenn du so weiter machst sind wir beide taub!"

Dabei schaute Adrian seine Freundin strafend an und hielt sich währenddessen das rechte Ohr, das nun ziemlich taub war.

„Ja ist ja gut! Und nun zu dir Flint, das ist ja so romantisch, das ... hachjaaa!"

„Romantisch? Das ist eher komisch, merkwürdig und eine ziemlich komplizierte Situation, aber doch nicht romantisch. Ihre Großmutter hat hier angerufen und ich hab ihr am Telefon gesagt, dass ich ihre Enkelin liebe … und Katie hat alles gehört!"

„Wow ich wusste ja, dass du was von ihr willst, aber das du gleich von Liebe redest überrascht mich dann doch. Trotzdem, wie hat Katie reagiert?"

Sowohl Adrian als auch Alicia waren sehr überrascht, dass es wirklich so ernst zwischen Katie und Marcus gefunkt hatte. Sie hatten ja beide davon gewusst, dass etwas in der Luft lag, aber dass es sich gleich zu solch etwas Ernsthaftem entwickeln würde, hätten sie nicht erwartet.

„Na ja zu Anfang dachte ich noch sie würde mich umbringen…!"

Alicia musste bei der Vorstellung laut auflachen. Das konnte sie sich nur zu gut vorstellen.

„Jetzt sag schon. Den Kopf wird sie dir ja nicht abgerissen haben, oder?"

Adrian schaute bei der Aussage nur auf seine Freundin und schüttelte den Kopf.

„Und mit so was Albernem führe ich eine Beziehung!"

„Ach, jetzt ist das schon eine Beziehung? Wie interessant!"

Marcus war nicht gerade begeistert, dass die beiden anscheinend etwas abgelenkt waren und ihm keine weitere Beachtung schenkten.

„HALLO!!! Hier spielt die Musik, ich wäre euch dankbar, wenn ihr euch wieder meinem Problem zuwenden würdet."

„Wow, bleib ruhig. Wir hören dir ja zu, aber wo genau liegt jetzt dein Problem? Wie hat Katie denn nun reagiert?"

„Sie kam zu mir und sagte „Beweis es!" Und ich habe keine Ahnung was ich jetzt machen soll!"

„Na endlich, ich dachte schon die Frau kommt gar nicht mehr in die Puschen!"

Adrian war über den Enthusiasmus seiner Freundin ein wenig überrascht und schaute sie nur verwirrt von der Seite an. Was genau war nun an dieser verzwickten Situation so erfreulich. Es war eindeutig noch zu früh am Morgen um solch ein Gespräch zu führen.

Marcus war nicht minder überrascht über diese Reaktion, jedoch war er sich nicht zu schade dafür auch seinen Unmut über den ihm unverständlichen Enthusiasmus zum Ausdruck zu bringen.

„Warum um Merlins Willen freut dich das? Was soll denn bitte daran gut sein? Verrate mir das verdammt noch mal und hör auf wie ein kleines Schulmädchen zu kichern. Das ist auch so eine ätzende Gryffindor-Angewohnheit!"

Nicht das Alicia die offensichtliche Beleidigung nicht mitbekommen hätte, aber in diesem Fall sah sie einfach darüber hinweg und ignorierte es indem sie ihm immer noch fröhlich vor sich hinkichernd antwortete.

„Das fragst du noch? Das war eine Einladung mein Freund. Wenn dir bisherige Signale nicht gezeigt haben, dass sie an dir interessiert ist, dann sollte das hier genügen. Ran an den Speck!"

„Was?"

Adrian war es müde seiner Freundin und ihren Ausführungen zu folgen und lies sich gefrustet in die Kissen fallen. Was zum Henker hatte denn jetzt Speck mit der ganzen Sache zu tun? Entweder er hatte im entscheidenden Moment etwas verpasst oder es war mal wieder eine Art verdrehte Frauenlogik, die er nie verstehen würde.

„Ach vergesst es, nur ein Muggelsprichwort!"

Oder das. Entweder Frauenlogik oder schlimmer Muggelsprichwörter. Etwas das Adrian in letzter Zeit viel zu oft zu hören bekam. Worauf hatte er sich da nur mit dieser Frau eingelassen?

„Also wenn ich mal deine kryptischen Ausführungen deuten soll, dann willst du mir damit sagen, dass ich Katie einfach packen und sie um den Verstand knutschen soll?"

So direkt hatte sie das jetzt zwar nicht gesagt, aber das brachte es so ungefähr auf den Punkt, wenn da nicht ein kleiner Fehler wäre.

„Eigentlich ja, aber auch wieder nein, immerhin hattet ihr noch nicht euer erstes Date!"

Ein Specht war nichts gegen das Hämmern, welches sich momentan in den Köpfen der beiden ehemaligen Slytherins breit machte. Die Frau war in ihren Augen komplett durchgeknallt.

„Erstes Date, Schatz willst du mich verarschen? Die beiden kennen sich seit Ewigkeiten. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, falls du das vergessen hast!"

Alicia konnte darauf nur die Augen verdrehen, als müssten die beiden etwas wissen, was in ihren Augen mehr als selbstverständlich war.

„Also wirklich, das verstößt gegen den Datekodex!"

Adrian konnte nur noch verzweifelt aufstöhnen. Das war doch jetzt nicht ihr Ernst? Was für einen verdammten Datekodex?

„Rede verdammt noch mal Klartext Spinnet, sonst schick ich dir durchs Telefon sämtliche Flüche die ich kenne. Und glaub mir, das sind nicht wenige!"

Was hatte sie auch anders erwartet? Immerhin war er trotz allem ein Slytherin und daran würde auch Katies Einfluss nichts ändern können.

„Ist ja schon gut Flint, reg dich nicht künstlich auf und beruhige dich wieder, es geht eben darum, das ihr noch kein Date miteinander hattet, das ist Pflicht!"

Erst sagte sie ihm er solle sich beruhigen und in derselben Sekunde gab sie wieder solch einen unvernünftigen Mist von sich. Marcus wusste beim besten Willen nicht, was sein bester Freund an dieser Frau fand oder warum ausgerechnet Alicia eine der besten Freundinnen von Katie war.

„Du willst mir doch nicht allen ernstes erzählen, ich darf Katie nicht küssen, ehe ich sie um ein Date gebeten habe. Komm schon Spinnet, das ist Unsinn. Wir kennen uns seit Ewigkeiten, sehen uns jeden Tag, wozu brauchen wir da ein Date?"

Er versuchte es ja irgendwie zu verstehen, aber es wollte ihm nicht einleuchten, wozu ein Date noch gut sein sollte. Er verbrachte schon so fast seine ganze Freizeit mit Katie und aß im Ministerium gemeinsam mit ihr zu Mittag. Es war nicht so, dass sie sich noch kennen lernen mussten. Sie lebten immerhin in einer mehr oder weniger gemeinsamen Wohnung und verstanden sich auch die meiste Zeit überaus blendend. Also wozu sollte dann ein Date gut sein?

„Ganz einfach, mein Lieber. Schon mal was von Romantik gehört? Gehe um ihretwillen mit ihr aus und nicht einfach um Gesellschaft zu suchen. Mache ihr den Hof und versuche mal nicht mit ihr zu streiten. Glaube mir, es wird wahre Wunder wirken!"

Skeptisch grummelt Marcus noch etwas vor sich hin und beendete dann das Gespräch kurzerhand, indem er den beiden noch viel Spaß wünschte und über Alicias Ratschläge den Kopf schüttelte. Von diesem Gespräch hatte er sich mehr erhofft. Zumindest mehr Klarheit darüber, wie es jetzt weiter gehen sollte, aber das ganze bereitete ihm nun noch mehr Kopfzerbrechen als zuvor.

Katie hingegen war mit sich und der Welt ganz zufrieden, wenn man davon absah, dass sie ein wenig durcheinander wirkte und sich beim Frühstück Kaffee über ihr Müsli schüttete.

„Mist verdammter!"

Das hatte sie sich alles selbst zuzuschreiben. Wäre sie doch heute Morgen einfach im Bett geblieben, dann wäre ihr das ganze jetzt nicht so unangenehm. Aber nein, sie konnte nicht einfach mal liegen bleiben.

„Oh, eine neue Kreation? Ich wusste ja das du Kaffee liebst, aber so sehr nun auch wieder nicht!"

Marcus hatte sich langsam wieder beruhigt und hatte sich dazu entschlossen wie schon zuvor die Flucht nach vorne anzutreten. Wenn sie Beweise forderte, würde sie diese auch bekommen. Er wusste zwar noch nicht wie, aber er war ein Talent im improvisieren. Und vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht befolgte er ja Alicias Ratschlag mit dem Date. Immerhin gab es da ja noch das ausstehende Abendessen bei Katies Großmutter, bei dem sie definitiv als Paar erscheinen mussten.

„Sehr witzig wirklich. Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich bin heute Morgen ein wenig „durcheinander"!"

Dieser Ausdruck war schon mehr als untertrieben. In Katies Körper wurde mehr Adrenalin produziert als während einer Achterbahnfahrt. Sie war so nervös, dass ihr Hände zitterten, als wäre sie tagelang auf Kaffeeentzug, obwohl sie schwören könnte gerade im Alleingang eine ganze Kanne geleert zu haben.

„Ich glaube, wir sollten, bevor ich dir irgendwelche „Beweise" liefere, ein wenig reden!"

Reden war genau das, was sie jetzt gar nicht wollte. Sie brauchte definitiv eine Wand gegen die sie ihren Kopf schlage konnte, eine dunkle Höhle in der sie sich verkriechen konnte oder einfach die Badewanne in der es bessere Möglichkeiten gab sich zu ertränken, als in der Dusche.

„Reden? Ich wüsste nicht worüber!"

Das sie es überhaupt noch zustande brachte zu lügen war schon ein Wunder. Katie fühlte sich in der Gegenwart ihres Mitbewohners mehr als Unwohl. Außerdem war sie sich sicher, dass er ihren ungewöhnlich schnellen, und ihrer Meinung nach viel zu lauten, Herzschlag hören musste.

„Das weißt du ganz genau Sonnenschein. Du hast heute Morgen etwas gehört, dass dich verständlicherweise aus der Bahn geworfen hat und vielleicht sollten wir endlich wie Erwachsene darüber reden, statt ständig wie Katz und Maus umeinander herumzuschleichen!"

Das war direkt und zu dumm, dass selbst Katie einsah, das er vollkommen Recht hatte, doch sie wäre nicht sie selbst wenn Sturheit und Trotz über den Verstand siegen würden. Erwachsen! Wer wollte schon erwachsen sein? Damit kamen doch erst all diese Probleme.

Katie atmete schwer aus und blies damit eine widerspenstige Strähne aus ihrem Gesicht.

„Vielleicht hast du ja Recht - du brauchst jetzt gar nicht so dämlich zu grinsen. Ich bin noch nicht fertig, denn bei mir gibt es ein aber, und dieses aber ist nun mal … ich will jetzt nicht drüber reden. Ich kann ja nicht mal meine eigenen Gedanken ordnen. Bei mir fährt alles Karussell!"

Nicht das was er sich erhofft hatte, aber wenigstens direkt und ehrlich.

„In Ordnung wenn du jetzt nicht reden willst verstehe ich das. Aber du solltest trotzdem wissen, dass wir zum Abendessen bei deiner Großmutter eingeladen sind. Und das als Paar."

Das wäre dann der Teil in den Zeichentrickfilmen, bei denen ernüchternd ein Amboss auf den Protagonisten fällt und er danach wie ein Ochs vorm Berge steht. Katie hatte in etwa denselben Gesichtsausdruck auf Lager, auch wenn bei ihr der Amboss wahrscheinlich dazu verholfen hätte ihren unsagbar lästigen Problemen vorerst aus dem Weg zu gehen.

„Großmutter? Essen? Wann?"

Zugegebenermaßen war Katie auch ohne einen auf sie herabstürzenden schweren Gegenstand nicht mehr wirklich dazu in der Lage, vernünftige Sätze zu bilden.

„Ganz ruhig Katie. Du siehst aus, als wenn du mir jeden Moment aus den Latschen kippen würdest. Nimm erst mal ein Schluck Wasser zu dir und dann erkläre ich dir alles!"

Ohne auch nur auf irgendeine Reaktion von seiner Mitbewohnerin zu warten, was er ziemlich oft tat, goss er ihr ein Glas Wasser ein und reichte es ihr.

„So also, eigentlich müsstest du das vorhin mitbekommen haben. Als ich mir deiner Großmutter telefoniert habe, hat sie uns für heute Abend zum Essen eingeladen und ich konnte da nicht wirklich viel machen. Sie hat mich quasi überfallen. Das werden wir schon hinbekommen."

Damit beugte Marcus sich kurz zu Katie, gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand im Badezimmer.

Katie, die noch gerade einen Schluck Wasser trinken wollte, verschluckte sich gleich daran. Als seine Lippen ihre Wange berührt hatten, war die Karussellfahrt in ihrem Inneren auf dem Höhepunkt. Wenn seine Lippen auf ihrer Wange schon solche Hitzewellen durch ihren Körper jagen konnten, was passierte dann wenn … nein, so weit durfte sie gar nicht denken. Seine Lippen auf ihrer Halsbeuge in der Badewanne hatten sie damals schon durcheinander gebracht. Wenn sie das ganze jetzt noch einmal erleben würde, wüsste sie nicht wie sie darauf reagieren würde.

Sie musste zuerst einmal wieder unter die Lebenden. Sie fühlte sich wie eine Leiche und sah wahrscheinlich auch so aus. Der gesamte Kaffee auf der Welt würde nicht dazu ausreichen, sie wach zu bekommen, also griff sie wie immer noch unkonventionellen Methoden. Sie nahm das noch halbvolle Glas Wasser wieder zu Hand und schüttete sich die erfrischende Flüssigkeit mit Schwung ins Gesicht.

Trotz das sie eigentlich darauf vorbereitetet war, ließ sie einen kurzen Schrei aus und war schließlich mit dem Ergebnis hochzufrieden. Wach war sie jetzt jedenfalls - na ja und nebenbei auch klitschnass, aber sie hatte es so gewollt.

Marcus hatte sich den ganzen Tag darauf vorbereitet, auf Katies Großmutter zu treffen und ihr höchstwahrscheinlich das Missverständnis zu erklären. Das müsste er tun, wenn Katie es verlangen würde. Er wollte sie nicht in noch größere Schwierigkeiten bringen, als sie beide eh schon waren. Eigentlich rechnete er aber damit, dass Katie irgendwann in sein Zimmer stürmte und ihm mitteilte, das sie das Abendessen abgesagt hatte. Immerhin sah sie nicht danach aus, als hätte sie große Lust dazu gehabt und außerdem bezweifelte er, dass sie psychisch wirklich dazu in der Lage war. So durcheinander wie am heutigen Morgen in der Küche hatte er sie noch nie erlebt, und sie war oft durcheinander.

Aber zu seiner Überraschung passierte etwas völlig anderes. Katie stand irgendwann wirklich in seiner Zimmertür, nur war es mittlerweile kurz vor sieben und ihrem Aussehen nach zu urteilen, hatte sie sehr wohl doch die Absicht am heutigen Abend die Wohnung zu verlassen.

„Was ist? Mach' dich fertig. Meine Großmutter wird nicht ewig mit dem Essen auf uns warten. Außerdem ist es unhöflich so spät zu kommen."

Ihrer Stimme nach zu urteilen hatte Katie sich beruhigt oder eine unglaubliche große Menge Valium geschluckt. Wie dem auch sei, das war nicht wirklich das, was Marcus im Moment beschäftigte. Vielmehr konnte er seinen Blick nicht von ihr losreißen, denn in dem was sie trug sah sie nicht gerade sehr unschuldig aus, denn das rote Kleid, welches knapp über ihren Knien endete, sah nicht gerade für ein Familienessen geschaffen aus.

Marcus musste sie selbst ermahnen nicht zu sabbern und endlich einen Ton heraus zu bekommen. Es war gar nicht seine Art wie ein vertrottelter Teenager Frauen hinterher zu starren und zudem den Lippen nicht auseinander zu bekommen. Das überließ er lieber anderen. Er war eben ein Macher und niemand der nur zuschaute.

„Wow! Du siehst fantastisch aus. Sag bloß du hast dich heute für mich so hergemacht?"

Es war nie falsch die Frau aus der Reserve locken zu wollen und bei Katie hatte er eigentlich immer Erfolg damit. Und er wurde nicht wirklich enttäuscht, auch wenn ihre Worte nicht gerade die waren, die einem Mann schmeichelten, verriet der leichte Rotton in ihrem Gesicht, dass er mit seiner Vermutung genau richtig gelegen hatte.

„Träum' weiter Flint. Dein Ego nimmt viel zu viel Platz ein. Wer sagt denn, dass ich nicht noch eine Verabredung nach dem Abendessen habe?"

Hatte sie zwar nicht, aber Marcus zu provozieren machte doch immer wieder Spaß und überspielte auch gekonnt ihre anhaltende Unsicherheit.

„Du brichst mir das Herz Sonnenschein. Aber wir sollten uns lieber auf den Weg machen, bevor deine Großmutter wirklich anfängt, sich Sorgen zu machen."

Irgendwie fand sie es frustrierend, dass er nicht auf ihre Provokation einging, aber der Abend war noch jung und sie hatte bestimmt noch viele weiter Möglichkeiten auf ihre Kosten zu kommen.

„Ich will ja nichts sagen, aber du solltest dich vielleicht vorher umziehen. Neben mir siehst du nämlich aus wie ein Landstreicher!"

Ein wenig übertrieben war ihre Aussage schon - immerhin sah er selbst in seinen Hausklamotten zum anbeißen aus - aber sie hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als dies laut auszusprechen.

Marcus hingegen zückte nur seinen Zauberstab und war in null Koma nichts angemessen gekleidet.

„Und? Zufrieden? Oder gibt es noch irgendetwas auszusetzen?"

Eigentlich war sie rundum zufrieden, deshalb wusste sie auch nicht welcher Teufel sie ritt als sie ihm etwas völlig anderes entgegnete.

„Na ja wenn ich ehrlich bin, bin ich erst zufrieden, wenn ich auch dein herrliches Aftershave an dir riechen kann!"

Warum tat sich nicht augenblicklich der Boden unter ihren Füßen auf und verschlang sie, damit ihr nicht auch dies noch peinlich sein musste. Aus welchen absurden Regionen ihres Unterbewusstseins kam nun dieser Satz wieder. Ihre innere Stimme war es definitiv nicht, die flötete schon seit Stunden den Hochzeitsmarsch und machte damit Katie nur noch giftiger.

Marcus, der mehr als überrascht war dies zu hören, zog nur eine Augenbraue in die Höhe und schlenderte mit einem charmanten Lächeln, dass jede Frau zum dahinschmelzen brachte, an ihr vorbei um ihr den Gefallen zu tun.

„Gut zu wissen, wirklich!"

Katie konnte sich nicht an einen peinlicheren Tag in ihrem Leben erinnern. Demnach wurde ihr klar, dass es nichts Vergleichbares gab. Das hier war ihr peinlichster Tag und wie ihr zuvor schon aufgefallen war, war der Abend noch jung. Was konnte also noch alles passieren?

Kurze Zeit später standen sie bereits vor der Tür von Katies Großmutter. Oder besser gesagt, vor deren Tor, denn das Anwesen, welches sich stolz vor ihnen in die Höhe reckte, konnte man kaum noch als Haus bezeichnen. Marcus war überrascht. Irgendwie hatte er mit einem kleinen Backsteinhäuschen gerechnet, aber wäre er der letzte, der sich darüber beschweren würde.

Es dauerte nicht lange bis sie hineingelassen wurden und kaum hatte man ihnen die Tür geöffnet stürmte schon eine ältere Frau auf Katie zu und zog sie in ihre Arme. Marcus konnte sie eindeutig als Katies Großmutter identifizieren. Schon allein an der Stimme, die ihr versichere wie glücklich sie war, dass Katie ihrer Einladung nachgekommen war, konnte er Katies Wesen erkennen.

Genau genommen hatte sie ja auch keine Wahl gehabt, aber das schien hier niemanden zu kümmern. Nun war es an der Zeit, das Katie ihrer Großmutter den langersehnten Verlobten vorstellte.

„Großmutter, das ist Marcus Flint, mein … mein Verlobter!"

Es war komisch so etwas zu sagen und besonders komisch jemanden aus ihrer Familie so etwas zu sagen. Katies Großmutter jedoch fiel dieser Umstand nicht auf. Viel mehr war sie damit beschäftigt, ihn von oben bis unten zu betrachten. Es dauerte eine ganze Weile, aber dann bildete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht und sie zog ihn unverhofft in eine Umarmung während sie „Willkommen in der Familie!" murmelte.

Vorbei war jegliche Hoffnung, dieses Missverständnis jemals aufklären zu können. Er würde es nicht übers Herz bringen diese Frau zu enttäuschen. Niemand hatte ihn bisher so herzlich empfangen. Auch Katie wurde sich in diesem Moment bewusst, das ihre Großmutter niemals herausfinden durfte, dass sie nicht verlobt waren.

Nachdem Marcus aus der Umarmung entlassen wurde, bat sie die beiden ins Haus, wo es schon angenehm nach Essen roch.

Bei Tisch gab es nicht die übliche Stille die Marcus noch von Zuhause kannte, wenn seine Familie am Tisch gesessen hatte. Katies Großmutter plapperte fröhlich und munter drauf los und Marcus konnte nicht umhin zu bemerken, dass er gerne ein Teil dieser Familie wäre.

Auch Katie vergaß für einen Moment alle Sorgen. Hier fühlte sie sich frei, hier musste sie nicht ständig Lügen, auch wenn sie gerade hier die größte all ihrer Lügen spielte.

„Und wie habt ihr euch kennen gelernt?"

Das war zumindest eine Frage die man drehen und wenden konnte wie man wollte, hier mussten sie nicht lügen.

„Wir kennen uns aus der Schule, obwohl wir uns da noch nicht wirklich leiden konnten. Wir waren in verschiedenen Häusern und auch im Quidditch Gegner!"

Marcus war überrascht, wie ehrlich Katie zu ihrer Großmutter war. So viel hatte sie ja nicht einmal wissen wollen, aber wahrscheinlich bemühte sie sich um so viel Wahrheit wie möglich, wenn sie ihre Großmutter in der wichtigsten Sache überhaupt anlügen musste.

„Ah, ich erinnere mich. Du hattest mir einmal davon erzählt. Wie das Schicksal so spielt, früher war er noch der Junge den du - wie nanntest du es noch? - nicht süß finden durftest, und nun seid ihr verlobt!"

Beinahe wäre Katie an ihrer Kartoffel erstickt. Verdammt, sie liebte ihre Großmutter wirklich, aber warum war diese auch noch so ein großes Plappermaul? Sie plauderte einfach zu viel aus. Das musste sie unterbinden.

„Ja komisch nicht? Wie geht es eigentlich Tante Rose?"

Ihr fiel nun mal nichts besseres ein, als das Thema zu wechseln. Der Abend war noch lang genug und wenn sie noch sehr lange Zeit bei ihrer Großmutter verbrachten, konnte sie diesen Tag nicht nur als ihren peinlichsten sondern als den peinlichsten in der gesamten Menschheitsgeschichte verbuchen.

Marcus hingegen fand den Abend von Minuten zu Minute nicht nur amüsanter, er fand ihn auch äußerst interessant. Was man nicht so alles von einer Großmutter erfahren konnte. Er sollte öfters Besuche bei Katies Familie machen. Dies könnte ihn um viele Erkenntnisse reicher machen.

„Kinder, entschuldigt mich kurz. Ich will nur eben meine Medikamente zu mir nehmen, danach komme ich wieder und wir können uns auf den Nachtisch stürzen."

Und schon hatte Katies Großmutter das Esszimmer verlassen.

Marcus nutze die Gelegenheit und rückte näher mit seinem Stuhl an Katie heran.

„Habe ich das gerade richtig verstanden? Du durftest mich nicht süß finden, hast es aber trotzdem getan?"

Wenn er etwas in Katies Augen nicht gebrauchen konnte, war es jemand der sein Ego noch mehr puschte, aber ihre Großmutter war da wohl anderer Meinung.

„Bilde dir bloß nichts darauf ein. Teenager leiden ab und an unter Geschmacksverirrung!"

Dabei zwinkerte sie ihm frech zu und war voll und ganz mit sich zufrieden.

„Und unter was leidest du zur Zeit?"

Doch noch bevor Katie ihm eine Antwort geben konnte, hörte sie ihn noch „Scheiß aufs erste Date!" murmeln, bevor seine Lippen die ihren verschlossen.


A/N:

So ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen, ich habe ja auch lange genug dazu gebraucht, dafür das meine letztes so schnell kam, hat dieses Ewigkeiten auf sich warten lassen, Klausuren und jetzt dieser Intensiv spanisch kurs, aber da dieser am 17. mit meiner Klausur endet wird es viel schneller weiter gehen, da ich auch Semesterferien habe und ich zur Zeit auch ein wenig inspiriert bin ;-) Ich hoffe ich bekomme wieder schöne und viele Reviews von euch. Kommt schon der kleine Lilane knopf dort unten beißt nicht und ich freue mich immer über einen Kommentar und vieleicht spornt es mich an noch viel schneller zu schreiben. Vielleicht setze ich mich auch gleich nächstes wochenende hin und schreibe das 11. kapitel, je nachdem wie meine Motivation sich zeigt...

lg, Midnight