Sam wählt die Nummer und kurz darauf ertönt eine genervte Stimme: „Wer stört, mitten in der Nacht?" Sam grinst, doch fasst sich schnell: „Hey Steve… hier ist Sam Winchester. Ich bin…" „Ich weiß schon, der Jura-Student. Was kann ich in den frühesten Morgenstunden für dich tun?" „Ich bräuchte deine Hilfe." „Genauer." Sam seufzt leise: „Mein Bruder ist krank und…" „Dann bring ihn ins Krankenhaus." „Er ist nicht wirklich krank." „Sam bitte, ich bin nicht annähernd wach." „Mein Bruder hat psychosomatische Beschwerden… Das hatte er schon früher. Aber es war nie so schlimm." Steve fährt sich übers Gesicht und versucht sich zu konzentrieren: „Was hat er?" „Hohes Fieber, normalerweise bleibt es unter 39.5° C, jetzt sind wir schon weit darüber. Kaltschweißigkeit, schneller Puls, Unruhe… Steve bitte… Ich brauch deine Hilfe. Es war noch nie so schlimm und ich will ihn nicht ins Krankenhaus bringen." Steve seufzt tief: „Okay, ich komm vorbei. Versuch ihn zu kühlen." „Das haben wir schon. Es ist nur noch schlimmer geworden." „Sag mir die Adresse." Sam gibt ihm die Adresse und geht dann hinüber, wo sein Vater auf seinem Bett sitzt und Dean, der sich immer wieder hin- und herdreht, beobachtet.
„Ich hab Steve angerufen. Er kommt her." John seufzt. „Ich weiß, du bittest nicht gerne fremde Menschen um Hilfe… Aber uns bliebe nur noch das Krankenhaus und das willst du doch nicht." John schüttelt stumm den Kopf: „Passt schon." „Mum… Mummy nicht!", Dean wird wieder lauter und Sam setzt sich zu ihm: „Sch Dean, ganz ruhig, es ist alles okay." John sieht seine Söhne besorgt an: „War es schon immer so?" „Noch nie so schlimm… Aber im Grunde genommen schon… Ja." „Wieso hab ich nie was mitbekommen?" Sam grinst: „Wenn wir alle beide bei ihm waren, war er nicht so unglücklich." „Ich hätte das nie von Dean gedacht." „Bobby meint, es kommt weil Dean immer alles verdrängt. Als ich älter wurde, hab ich Dean dann ab und an zum Reden gebracht… das hat auch oft geholfen…" Sam wischt Dean den Schweiß aus dem Gesicht: „Und es ist immer nur in den ersten Novembertagen so schlimm… immer um die Tage um Mums Todestag."
Eine viertel Stunde später klopft es an der Tür. Sam steht auf: „Wer ist da?" „Kane, mach schon auf!" Sam grinst und öffnet die Tür: „Hallo. Danke, dass du vorbeigekommen bist." „Du hast so hilflos geklungen.", Steve grinst, doch Sam ist nicht danach: „Das bin ich auch." John kommt und Sam stellt die beiden vor: „Steve, mein Dad, John Winchester. Dad, das ist Steve Kane." John sieht den Eindringling abschätzend an. Die langen braunen Haare und das spitzbübische Grinsen gefallen ihm zwar nicht gerade, aber er macht einen ehrlichen Eindruck. John schätzt sein Alter auf Anfang dreißig, sein Gesicht zeigt markante Züge und die Augen haben ein helles blau. John gibt ihm die Hand und meint höflich: „Danke, dass sie gekommen sind." Steve erwidert den Gruß und wendet sich dann sofort wieder Sam zu: „Wo ist denn mein Patient?" Sam dirigiert ihn ins Nebenzimmer. Steve sieht John noch an und bittet: „Warten sie hier." John ist kurz davor zu widersprechen, aber Sam meint schnell: „Keine Sorge, ich bleib bei ihm… Er will Dean nur helfen." John nickt widerwillig und setzt sich.
Sam schließt die Tür und deutet auf Dean: „Mein großer Bruder, Dean." Steve zieht sich seine Jacke aus und legt die, und seinen Arztkoffer, aufs andere Bett. Steve sieht sich Dean an und fühlt sein Gesicht: „Dein Bruder ist heiß… und ich meine das ehrlich gesagt ein- und zweideutig." Sam grinst, Steve würde sich nie ändern… Aber gerade diese Lockerheit konnten sie jetzt gut brauchen: „Er glüht vor Fieber, wir wissen aber leider nicht, wie lange er das schon hat… Und mach dir gar keine Hoffnungen… er ist der reinste Weiberheld." Steve hat seine Tasche aufgemacht und nimmt ein Fieberthermometer das er Dean ins Ohr steckt. Er seufzt leise: „Hui, über 40.4° C." „Das ist noch mal höher… so schnell.", Sam ist noch besorgter und setzt sich zu Dean aufs Bett. Steve bemerkt seinen ängstlichen Blick und fragt vorsichtig: „Ihr steht euch wohl sehr nahe?" „Dean hat mich mit großgezogen. Er hat sich immer um mich gekümmert… wenn mein Dad nicht da war… Wir haben uns jetzt monatelang nicht gesehen…" Bevor Sam weiter in Erinnerungen schwelgen kann, sieht er Steve an: „Kannst du ihm helfen?" „Eines nach dem anderen." Er hebt Deans T-Shirt und hört seine Lungen ab: „Klingt frei." „Er ist nicht krank… er verarbeitet so seine Trauer… Es ist nicht das erste Mal, aber es war nie so schlimm." „Lass ihn mich trotzdem kurz untersuchen."
Keine zwei Minuten später seufzt Steve: „Okay, sieht so aus, als wäre er sonst kerngesund." „Das hab ich doch gesagt! Es gibt keinen wirklichen Grund, für diese Symptome. Und es entspricht seinen typischen Reaktionen… es ist nur viel schlimmer diesmal." „Okay, ich hab, nach deinem Bericht am Telefon, gleich eine Infusion mitgebracht, eine Vollelektrolytlösung. Da er wohl länger nichts gegessen und wenig getrunken hat, wird ihm das gut tun. Dadurch dürfte er wieder ein wenig kräftiger werden. Gegen das Fieber spritz ich ihm aber noch Metamizol, das hat auch eine schmerzlindernde Wirkung und dürfte ihn beruhigen." Sam nickt, steht aber auf und öffnet die Tür: „Dad."
John schreckt aus seinen Gedanken hoch und steht sofort auf: „Alles okay?" John geht ins Nebenzimmer und sieht Steve unsicher an, der nickt: „Ich hab's Sam schon erklärt. Ich finde keine Krankheit oder einen anderen Ursprung, für seine Symptome. Ich leg ihm jetzt eine Infusion mit einer Vollelektrolytlösung und gebe ihm eine Injektion mit Metamizol." „Die Infusion wird seine Mängel ausgleichen, das Metamizol senkt das Fieber und lindert die Schmerzen, falls er welche hat." Steve sieht John erstaunt an: „Wenn sie vom Fach sind, wozu haben sie mich dann geholt?" Sam bekommt auf einmal zwei Blicke zugeworfen und will sich schon verteidigen, als John leicht lächelt und erklärt: „Ich hab mir nur Basiswissen angeeignet… Ich könnte nie eine Diagnose bei solch unspezifischen Symptomen stellen."
Steve zuckt nur irritiert mit den Schultern und macht sich an die Arbeit. Sam geht zu John und erklärt leise: „Ich wollte nur dass du weißt was er tut." „Du musst dich nicht erklären, du hast das schon richtig gemacht, Sam." Sam lächelt ein wenig beruhigt und setzt sich wieder zu Dean. Steve legt sich alles für einen Zugang bereit und meint dann zu Sam: „Halt ihn ein wenig fest, nicht dass er sich bewegt, während ich die Nadel einsteche." Sam nickt und greift sich Deans Arm. Steve reinigt die Handoberfläche und legt geübt einen Zugang. Dann zieht er eine Spritze, ohne Nadel, auf und injiziert das Mittel in den Zugang. John hat den Abfalleimer geholt und wirft die Plastikverpackungen hinein. Steve schließt noch den Infusionsschlauch an und sucht dann nach einer Haltemöglichkeit. John geht nach nebenan und bringt den Hut- und Schirmständer. Steve grinst, als er ihn neben das Bett stellt, so dass Steve die Infusion daran aufhängen kann. „Danke." John schüttelt abwehrend den Kopf.
Steve überprüft noch einmal die Infusion und greift dann zu einem Verband. Er sieht zu John und erklärt. „Ihr Sohn ist sehr unruhig, darum wickle ich noch einen Verband um die Hand, damit er den Zugang nicht rauszieht." „Gute Idee.", stimmt John trocken zu. „Ich würde ihm noch eine Infusion für später geben… Soll ich…" „Wenn die alte Infusion nur entfernt und die Neue angeschlossen werden muss, ist das kein Problem. Das schaff ich selbst." Steve sieht Sam unsicher an, der nickt aber. Steve verbindet, mit Sams Hilfe, Deans Hand und legt noch einen Infusionsbeutel raus, dann lächelt er: „Mehr kann ich nicht tun." „Sie haben schon sehr viel getan.", erwidert John ruhig. Sam steht vom Bett auf: „Danke vielmals. Ich weiß nicht, was wir ohne dich gemacht hätten. Wie kann ich…?" „Stell ihn mir einfach mal vor. Ich würde diese wahnsinnig schönen Augen gerne mal mit Leben erfüllt sehen." Sam grinst: „Das lässt sich sicher einrichten…", er wirft John einen festen Blick zu: „So schnell lass ich Dean nicht mehr gehen."
Sam bringt Steve noch zur Tür und verabschiedet sich, als er zurückkommt, sitzt John bei Dean: „Er ist schon etwas ruhiger. Vielleicht hatte er doch Schmerzen." Sam nickt seufzend.
Über eine Stunde später dringt Deans Stimme durch die Räume. „Mum bitte… bitte nicht… Mummy!" Sam und John sind schon auf den Sprung und eilen hinüber. John stellt sich vors Bett, aber Sam fackelt nicht lange. Er beugt sich zu Dean und rüttelt an seiner Schulter: „Dean?! Dean, wach auf!" „Sam bitte…" Deans verzweifelte Stimme schafft Sam fast, mit zitternder Stimme entgegnet er: „Ich bin hier, Deano. Es ist alles gut. Ich bin bei dir."
Plötzlich schreckt Dean hoch. Er braucht ein paar Momente, um zu sich zu kommen und seine Aufregung zu senken… dann sieht er John und Sam peinlich berührt an: „Sorry." Bevor John irgendwas entgegnen kann, meint Sam sofort: „Du musst dich nicht entschuldigen." Dean sieht ihn verwirrt an: „Was machst du hier?" Sam setzt sich zu Dean aufs Bett, überhört die Frage, und entgegnet stattdessen: „Wieso warst du nicht bei mir?" Dean schließt die Augen, dann gesteht er leise: „Ich war dort." Sam wirft John einen verwirrten Blick zu, der zuckt nur mit den Schultern, so fragt Sam weiter: „Wo dort? Ich hab dich nicht sehen." Dean legt sich erschöpft zurück, unfähig Sam anzusehen: „Ich hab dich gesehen… Vorgestern… als du zu deinem Kurs für Rechtsgeschichte gegangen bist." „Wieso hast du denn nichts gesagt?", Sam sieht ihn verwirrt an.
Dean schlägt die Hände übers Gesicht und bemerkt da erst den Verband: „Was ist das?!" „Dein Zustand war kritisch", John geht zum Bett und stellt sich hinter Sam: „Sam hat einen Bekannten angerufen und der hat dir eine Infusion gelegt. Außerdem hast du eine Injektion bekommen." „Was habt ihr mir gegeben? Ein Beruhigungsmittel?! Wer war der Kerl überhaupt?", Dean sieht Sam wütend an, der erklärt ruhig: „Steve Kane ist Arzt und er hat dir nur eine Infusion gegeben, damit wir deinen Stoffwechsel aufbauen. Außerdem hat er dir Metamizol gegeben, das…" „senkt das Fieber und ist schmerzlindernd.", entgegnet Dean bitter, was John zustimmend nicken lässt.
Dean steht auf und würde am liebsten flüchten. Er schafft es ans Fenster und sieht hinaus. Sam und John sind schon auf dem Sprung, um ihm zu helfen. Als sie aber sehen dass er alleine stehen und gehen kann, beruhigen sie sich wieder. Dean sieht fast eine halbe Minute nur stumm hinaus, bevor er seufzt und leise gesteht: „Du sahst so glücklich aus. Du hast mit deinen Freunden gelacht und… ich wollte…" Sam steht nun doch vom Bett auf und geht zu ihm, vorsichtig bohrt er nach: „Du wolltest…" Dean schließt verzweifelt die Augen. Doch Sam bohrt weiter: „Bitte Dean. Sag's mir." „Ich wollte dich nicht stören." „Bitte was?!", Sam kann es kaum glauben, er schüttelt den Kopf: „Dean, sag das noch mal." „Nein.", Deans Stimme zittert. Sam packt ihn bei den Schultern: „Sieh mich an, Dean." Doch sein Bruder senkt den Kopf nur noch tiefer. Sanft greift Sam sein Kinn und drückt es leicht hoch: „Sieh mich bitte an, Deano." Dean zittert und schafft es nur langsam, den Blick zu heben und Sam ins Gesicht zu sehen.
„Ich liebe dich, Dean. Du bist mein Bruder. Der wichtigste Mensch in meinem Leben." Dean zuckt, beim letzten Satz, zusammen. „Ich hätte mich wahnsinnig gefreut, wenn ich dich gesehen hätte… Ich hab die ganze Zeit nur darauf gewartet, dass du mich besuchen kommst." Dean senkt wieder den Blick, aber Sam fährt unbeirrt fort. „Ich hab so oft an dich gedacht und ich hab mir auch Sorgen gemacht… Ich hab nur gedacht, du würdest dich schon melden, wenn es dir schlecht geht… Aber ich hätte es besser wissen müssen…" Sam weiß nicht weiter, so umarmt er Dean einfach und umklammert ihn fest: „Ich hab dich so lieb, Deano. Nie hättest du mich gestört. Ich hätte alles stehen und liegen lassen." Dean zuckt zusammen und braucht einen Moment, bevor er die Umarmung erwidern kann. Dann drückt er Sam fest an sich und legt den Kopf an seine Schulter.
Sie wissen nicht, wie lange sie so da stehen, als plötzlich Deans Beine nachgeben. Zum Glück kann Sam sein Gewicht auffangen. „Hey, langsam…" „Sorry… mir wird schwindelig." Sam dreht sich und bevor er etwas sagen kann, kommt John und greift Dean am Arm: „Komm Junge, bringen wir dich wieder ins Bett." Dean weigert sich die Beine zu bewegen, er sieht John flehend an: „Es tut mir so leid… Ich war schwach." „Unsinn! Dein Bruder und ich haben die Fehler gemacht, wir hätten für dich da sein müssen… In Zukunft kommst du zu uns, wenn's dir nicht gut geht und wenn du wieder traurig bist… Und Sam und ich sind ein wenig aufmerksamer." Dean bringt ein kleines Lächeln zustande und lässt sich jetzt, von den beiden, zum Bett führen und mit dem Infusionsschlauch helfen.
Diesmal setzt John sich zu ihm und legt ihm eine Hand auf die Stirn: „Dein Fieber ist wieder gestiegen." Sam eilt in die Küche, während Dean lapidar erklärt: „Das ist normal. Keine Sorge, das vergeht nach ein, zwei Tagen wieder." Sam hat ein Glas Wasser geholt und reicht es nun Dean, der schüttelt aber den Kopf: „Danke, aber ich hab keinen Durst." Sam will etwas erwidern, doch John kommt ihm zuvor: „Du schwitzt und du bist eh schon schwach. Dein Körper braucht Flüssigkeit… also trink." Dean wagt keinen Widerspruch mehr, er nimmt das Glas und leert es. John nickt zufrieden: „Sehr schön. Jetzt kannst du noch ein bisschen schlafen und später mach ich dir was Leichtes zu essen." Sam nickt: „Ich bleib noch da. Falls…" „Nein, du hast heute einen Test und…" Sam sieht Dean überrascht an: „Woher weißt du das denn?"
Dean grinst nur und meint: „Geh schon. Ich will nicht, dass du dir deine gute Note verbaust…" Er überlegt kurz, fasst sich dann ein Herz und meint: „Es wäre nur schön… wenn du später… also wenn du noch mal vorbei kommst." Sam strahlt: „Sowieso Dean." Dean lächelt: „Sehr schön… und nun hau ab." Sam sieht John fragend an, doch der nickt zustimmend, so packt Sam schnell seine Tasche und zieht die Jacke an, bevor er noch mal ins Schlafzimmer kommt: „Ich bin gegen Mittag wieder da. Ich bring uns drei was Leckeres zu Essen mit… was ganz Gesundes." John nickt: „Sehr gut. Und mach dir keine Sorgen, um deinen Bruder, ich pass auf ihn auf." „Ich kann auf mich selbst aufpassen." „Ja, das haben wir ja wieder mal gesehen.", meint Sam direkt und John stimmt zu: „Da hat er Recht. Heute wirst du im Bett bleiben und genügend Essen und Trinken. Wenn nötig werde ich dir am Nachmittag noch eine Infusion legen." Dean stöhnt, aber Sam lächelt. Er sieht Deans entspanntes Gesicht, fasst sich und meint: „Okay, ich muss los. Bis später." Dean lächelt: „Bis dann, Sammy."
