Da bin ich schon wieder! Und heute sogar mit Beta, danke an Shira1111 fürs drüberschauen :)

Übrigens hab ich am Freitag nochmal alle Kapitel etwas korrigiert und verbessert, weil mir doch einige Fehler ins Auge gefallen waren - für Kritik bin ich aber weiterhin offen.


Willst du mich heiraten?"

„Harry ...", murmle ich und starre angespannt an die Decke während ich versuche, meine Tränen zurückzuhalten. Keine Tränen des Glücks, der Freude, des Schocks oder der Überraschung.

Frustration. Ungeduld. Verzweiflung.

Wie konnte es so weit kommen?

Ich muss die Zeit vergessen muss sich irgendwie vor mir versteckt haben. Eine Stunde hier. Ein halber Tag da. Entwischt, so dass ich es nicht bemerken konnte. Bis wir in dieser unmöglichen Situation aufeinander prallen; als hätte sich die Zeit gegen mich verschworen. Um mich zu bestrafen. Um mich an der Kehle zu packen, mich zu schütteln und zu schreien 'Jetzt wird's aber verdammt ernst, oder? Du solltest langsam mal was tun, was?'

„Ginny, weinst du?", fragt mich Harry sanft. „Bist du glücklich? Überwältigt? O-oder ist es der Ring? Gefällt er dir nicht?"

Um Merlins Willen, Harry, ich hab den Ring noch nicht mal angesehen! Das helle Aufblitzen hat mir schon mehr als genug über diesen Ring gesagt. Ich will den verdammten Ring nicht ansehen.

„Gin?"

Wenn du eine große, schmutzige Ratte in eine Ecke stößt, dann wird sie dich angreifen und nach deiner Kehle springen. Dich am schwächsten Punkt angreifen, um dir soviel Schaden wie nur möglich zuzufügen. Das erzählte mir Fred als ich noch ein Kind war. Es machte mir entwickelte fast schon eine Phobie vor Ecken, falls ich ausversehen etwas dahin drängen würde, das mir wehtun könnte. Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich damit, vorsichtig im Kreis zu laufen.

Jetzt sitze ich in der Ecke fest und habe nicht den Mut, ihm an die Halsschlagader zu springen.

Es wird nur schlimmer und schlimmer und ich weiß nicht, wie lange ich noch atmen kann, ohne irgend etwas zu sagen. Aber ich weiß nicht, wie viele Lügenworte ich noch ertragen kann. Ich ertrinke in diesen verdrehten Lügen und diesem falschen Leben. Wenn ich alleine zu Boden sinken würde, wäre das wohl gerecht; aber weil ich Harrys Ärmel erwischt habe, ziehe ich ihn mit zum schmutzigen Boden.

Ich will endlich auftauchen.

„Harry, ich ..."

Was ich vor mir sehe, lässt einen Schmerz in mir entstehen, als würden sich meine Innereien umkrempeln. Harry, auf den Knien, wie er diesen wundervollen Ring hält, sein Gesicht vor Hoffnung leuchtend.

Ich werde einfach genug Luft einsaugen, um nicht völlig zu ertrinken und wieder in die Tiefen zurückkehren, an die ich gewöhnt bin.

„Harry, es tut mir so Leid, ich hab komplett vergessen, dass ich mich nach der Arbeit mit Mum verabredet habe", schnappe ich falsch nach Luft, während ich mir in falscher Erkenntnis mit der Hand gegen die Stirn schlage.

„O.. Oh", stottert er, und steht auf. „Und du .."

„Ich muss jetzt gehen. Wir müssen noch so viel für die Hochzeit planen", erkläre ich und versuche, überzeugend zu wirken. „Ich hab es ihr versprochen. Tut mir Leid. Können wir später darüber reden?"

Merlin. Seit wann helfe ich Mum mit der Hochzeit? Wie kommt dieser Unsinn nur mit solcher Leichtigkeit über meine Lippen?

„Ähm, okay, wenn dir das lieber ist."

„Super", lächle ich und küsse ihn auf die Wange. „Wir sehen uns dann am Dienstag, okay? Wegen dem Probelauf?"

Was heißt, dass mir bis Dienstag besser eine Antwort oder eine Erklärung oder verdammt nochmal eine bessere Ausrede eingefallen ist. Ich sollte mir einfach meine persönliche Schaufel kaufen; perfekt, um mir selbst 24 Stunden am Stück ein Grab zu schaufeln.

Ich glaube, dass der verzweifelte Anblick von Harry, wie er um meine Hand anhält, einen ernsthaften Einfluss auf meine Fähigkeit zu lügen hat. Ich eile hinüber zum Schlafzimmer und stopfe Klamotten für die nächsten Tage in eine Reisetasche. Ich gehe zum Fuchsbau. Wie verdammt konnte es so weit kommen? Wie war das mit dem Aufklären? Was war mit dem Vorsatz geschehen, auf keinen Fall zu gehen?

„Wir könnten uns doch morgen treffen, oder?", fragt er sanft, während er mich beim Packen beobachtet. „Ich komme nach der Arbeit zu euch. Wir könnten reden und ..."

„Ich kann nicht", antworte ich. „Da werden die Kleider angepasst, weißt du noch?"

Irgendjemand sollte mich aufhalten. Meine Stimme mit einem Zauber ersticken, sie mit einem Zaubertrank stehlen, hinter meinem Rücken einen Avada Kedavra aussprechen – irgendetwas, um dieses selbstgemachte Chaos zu beenden.

„Kleider angepasst?", fragt er zweifelnd. „Du willst also doch die Brautjungfer sein?"

Nein

„Ja."

Ich will sterben.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät, sich tot zu stellen, sich auf den Boden sinken zu lassen, die Augen zu schließen, meine Atmung zu verlangsamen und ihn einfach an mir vorbei laufen zu lassen.

„Wann hast du das denn entschieden?", fragt er verwirrt.

„Mum hat mich überzeugt." Noch eine Lüge, ich sinke weiter nach unten.

Ich muss hier weg, ehe ich ihm vorschlage, dass wir eine Doppelhochzeit mit Ron und Hermine machen. Was macht er nur mit mir?

Wir haben von fast allen, die wir eingeladen haben, eine Antwort bekommen", lächelte Ron und lies sich neben Hermine auf das Sofa plumpsen. Sie las mit gerunzelter Stirn ein Muggelbuch und schien ihm nicht wirklich zuzuhören.

Großartig", murmelte sie und blätterte eine zerlesene Seite weiter.

Ich wusste gar nicht, dass wir Katie Bell eingeladen haben.", grübelte Ron und drehte die Einladung in seiner Hand herum.

Haben wir auch nicht. Ich hab ihr eine geschickt. Gestern", antwortete Hermine leise.

Tatsächlich? Ich hab gar nicht gewusst, dass ihr so gut befreundet seid", erwiderte Ron mit gehobenen Augenbrauen.

Sind wir auch nicht wirklich", antwortete Hermine vorsichtig, den Blick immer noch auf die Seiten vor ihr fixiert. „Ich hab sie vor ein paar Tagen getroffen und sie war von der Idee so begeistern, dass ich dachte, es wäre unhöflich, sie nicht einzuladen."

Oh, du hast recht, ist schon okay", Ron kratzte sich am Kopf. „Katie war immer nett zu allen. Und außerdem hat sie Oliver Wood als ihren Bonus. Ich hab gehört, dass sie zusammen sind. Wo hast du sie denn getroffen?"

In einem Pub, auswärts."

Darf ich raten, wann du in diesem Pub warst?", fragte Ron leise.

Wenn du willst.", schnaubte Hermine und versuchte, so unberührt wie möglich zu erscheinen.

Okay, vergiss es einfach", murmelte er und blätterte durch ein paar weitere Einladungen. „Alicia Spinnet? Du hast Alicia eingeladen? Wann hast du sie denn getroffen?"

Zum gleichen Zeitpunkt wie Katie Bell. Ist das ein Problem?", fragte Hermine in einem kühlen Ton, immer noch nicht aufsehend.

Naja, wir kannten sie doch beide nicht wirklich, oder? Sie war älter und nicht so gesellschaftlich. Irgendwie sogar ein bisschen seltsam. Erinnerst du dich noch an das Gerücht von ihr und Patricia Stimpson? Fred erwähnte mal, sie zusammen im .."

Ja, Ron, klasse. Du kannst dich noch an Jahre alte Gerüchte erinnern. Gut zu wissen, dass ich einen Mann mit einem so guten Gedächtnis heiraten werde" schnappte Hermine und stand rasch auf, um ihn zornig anzustarren.

Verdammt nochmal, Hermine", meckerte Ron, als sich seine Verlobte vom Sofa entfernte, um in die Küche zu fliehen. „Das war doch nur Spaß."

Spaß?", wiederholte Hermine und kam wieder zurück, um direkt vor ihm zum Halten zu kommen. „Du fandest es spaßig, dass das gesamte Haus, die gesamte Schule ihr hinterher gegafft hat und Gerüchte über etwas verbreitet hat, dass letzten Endes nur ihre Sache war?"

Hermine, so war Schule eben. So ist es nun mal, ein Teenager zu sein", zuckte Ron mit den Schultern, verblüfft, dass Hermine daran solch einen Anstoß sah. „Die Leute reden eben. Sie tratschen. Sie machen sich über einen lustig. Es passiert eben."

Oh, ich hatte ganz vergessen, dass es vollkommen normal ist, jeden auf der Welt, der laut Ron Weasley auch nur etwas anders ist, schlecht zu machen. Und du bist kein Teenager mehr, falls du das vergessen haben solltest. Und immer noch machst du deine Späße auf Kosten anderer?"

Wieso kümmert dich das?", fragte Ron durch zusammengebissene Zähne. „Du warst damals wahrscheinlich genauso und hast über Gerüchte getratscht."

Ganz bestimmt nicht!", schnaubte Hermine entrüstet.

Naa klar. Also hast du den gesamten Skandal an dir vorbeigehen lassen, weil es nicht 'politisch korrekt' war oder wie auch immer deine Muggel das nennen."

Meine Muggel?", schrie Hermine fast schon „Wolltest du das sagen? Oder vielleicht Schlammblut, Ron?"

Jetzt bist du einfach nur hysterisch", schrie Ron und stand auf, um sich zur Wehr zu setzen. Dieses Wort entfachte eine Riesenwut in ihm. „Du weißt genau, dass ich dieses Wort nie sagen oder auch nur denken würde. Zu dir oder irgendjemand anders. Du erfindest doch einfach nur Gründe, um auf mich wütend sein zu können. Du streitest dich wegen Alicia Spinnet mit mir, gottverdammt?!?"

Ganz genau!", zischte Hermine. „Alicia wird mit zur Hochzeit kommen und sie kann mit einem Freund, einer Freundin oder mit dem riesigen scheiß-Kraken aus dem verdammten See kommen und du wirst nicht ein Wort darüber verlieren!"

Wer hat gesagt, dass ich das tun würde? Ich bin kein verdammter religiöser Fanatiker. Und eigentlich hoffte ich, dass gerade du das wissen würdest", erwiderte Ron ihr erbittert und stach mit dem Finger in ihre Richtung.

Als Hermine nichts erwiderte und ihr wütendes Gesicht zusammenfiel, weil sie erkannte, wie aggressiv und anklagend sie gewesen war, fühlte sich Ron nur noch wütender.

Und ich werde nicht hier bleiben, um mich wieder sinnloserweise mit dir über nichts zu streiten, damit du mich ohne jeglichen Grund mit diesem Scheiß beleidigen kannst", höhnte Ron. Er griff nach seinem Mantel, der über dem Stuhl hing und lief zur Tür. „Du kannst ja hierbleiben und mich ganz für dich alleine in Gedanken zerfetzen."

Hermine erschauderte als die Vordertür in ihren Rahmen knallte, als sie Ron hinter sich zuwarf.

Es war zu spät, um Mum noch aufzuwecken, als ich letzte Nacht zu ihr kam. Natürlich würde sie überrascht sein – das zweite mal diese Woche, dass ich in der Heimat meiner Kindheit abtauchen würde.

Als sie also früh am Morgen mit einem Arm voller frischer Bettlaken in mein Zimmer kommt, kann ich ihr kaum vorwerfen, dass sie aufschreit.

„Merlin, Ginny! Wo kommst du denn her?", verlangt sie zu wissen, eine Hand auf ihrer Brust.

„Sorry", murmle ich und setze mich, immer noch im Halbschlaf, auf. „Ich bin letzte Nacht gekommen und wollte dich nicht aufwecken."

„Ich weiß nicht, was für ein Spiel du hier spielst, Ginny. Dich mitten in der Nacht hier hereinzuschleichen. Hast du dich mit Harry gestritten?", fragt sie taktvoll.

„Harry und ich ..", nuschle ich und drücke mich vom Kopfende des Bettes ab.

„Du fliehst immer wieder hier her und willst nicht darüber reden. Und Ron will mir nicht sagen, was Harry ihm erzählt...", seufzt Mum. Wir sitzen uns still gegenüber – sie erwartet, dass ich wieder zusammenbreche und ich hoffe, dass sie abhaut, bis ich vollständig wach bin. Ich bin kein großer Fan davon, halbwach ausgefragt zu werden. Ich fühle mich sehr verletzlich.

Das Wartespiel wird von zwei Eulen unterbrochen, die am Zimmer des Schlafzimmers erscheinen. Eine braune, die aussieht wie Rons. Und die andere – Scheiße. Meine und Harrys.

„Ich weiß, wem die gehören", brummt Mum sanft, als sie zum Fenster läuft, um sie hineinzulassen. Sie nimmt die beiden Briefe an – einer hat eine Beule in der Mitte. Sie liest die Namen auf beiden und gibt mir den mit der Beule. Irgendwie beunruhigend.

„Ron ist wohl schon früh aufgestanden um zu planen.", meint Mum laut, auch wenn ich nicht glaube, dass sie mit mir redet. Sie öffnet ihn und liest ihn während ich einfach nur auf Harrys Handschrift auf meinem Brief starre.

„Oh, Ginny!", ruft sie und dreht sich mit einem Strahlen auf dem Gesicht zu mir.

Was, verdammt?

„Ron schreibt, dass du dich doch noch dazu entschieden hast, die Brautjungfer zu sein" sprudelt es aus ihr heraus, als sie mich in eine enge Umarmung zieht, auf die ich nicht wirklich reagieren kann.

„Was?"

Sie lässt mich los um den Brief nochmals zu lesen. „Er sagt, dass Harry ihm letzte Nacht geeult hat, dass du heute für die Kleideranprobe kommen würdest und um mir mit den Vorbereitungen zu helfen! Ginny, ich wusste doch, dass du es machen würdest!"

Ich blinzle verlegen und fühle mich winzig und sehe bestimmt aus wie Professor Flitwick, wenn er einem Oger gegenüberstehen würde. Wie soll ich meiner Mutter nur sagen, dass das alles ein Riesenmissverständnis ist und dass ich Harry angelogen habe, um nicht eine bestimmte Entscheidung treffen zu müssen?

„Er schreibt auch, dass ihr Neuigkeiten habt", liest sie fragend vor. „Du und Harry habt Neuigkeiten?"

„Haben wir?", frage ich schwach, den Brief mit den Gedanken ganz woanders öffnend. Als ich das tue, fällt ein kleines glänzendes Etwas aus dem Briefumschlag auf die Bettdecke.

„Ganz offensichtlich habt ihr die!", kreischt Mum halb und deutet auf das kleine Werkzeug des Teufels in meinem Schoß.

Ich hebe den kleinen Ring auf und lese die wenigen geschriebenen Wörter, die er beigelegt hat.

Ich hab mir gedacht du solltest das vielleicht haben, während du dich entscheidest .. um dich daran zu erinnern, was ich dir anbiete.

In Liebe, Harry.

„Oh Ginny, du wirst heiraten!", ruft Mum aus und weint jetzt ganz unverhohlen.

Verdammte Scheiße.

Bestimmt gehen Ginny und Harry ihre Hochzeit viel organisierter an", bemerkte Molly, während sie den Saum von Hermines Kleid begutachtete.

Ich glaube nicht, dass sie schon so weit sind, Molly", antwortete Hermine leise.

Hat sie es dir noch nicht gesagt?", fragte Molly und sah überrascht auf.

Was gesagt?"

Er hat ihr einen Antrag gemacht! Harry hat sie gefragt, ob er sie heiraten will", strahlte sie. Hermine stand erstarrt da und starrte ihr Spiegelbild an. Unbewusst strichen ihre Fingerkuppen die Falten ihres Kleides herunter. Sie fühlte ihre Sinne von dem weiß des Kleides überwältigt, bis es ihr komplettes Blickfeld einnahm. Wie die Forscher an den Polen, von denen sie als kleines Mädchen so fasziniert gewesen war. So viel Schnee, dass man nach einer Weile blind wurde. Du kannst in all dem weiß nichts mehr voneinander unterscheiden. White-Out.

Oh, fantastisch", sagte Hermine bewegungslos, immer noch wie gelähmt von ihrem eigenen Spiegelbild.

Ginny? Kommst du raus? Ich will sehen wie dir das Kleid steht", drängte Molly.

„Gleich, Mum!", rufe ich zurück. Das hier ist mein verdammt nochmal schlimmster Albtraum. Die Farbe ist zwar nicht schlecht und das Kleid passt mir gut. Aber ich stehe in dem Kleid, welches mich zu einem Teil der Hochzeit macht, für die ich geraubt, gemordet, gebettelt und geweint hätte, um nicht ein Teil davon sein zu müssen.

Aber ich bin hier. In einem blauen Satin-Kleid. Alles wegen diesem verdammten Harry und seinen verdammten Fragen, die mich in den nächsten Bunker fliehen ließen.

„Ginny!"

„Ist ja schon gut, Mum", murmle ich und schlüpfe aus dem Bad.

Als ich Hermine in diesem großen, weißen Kleid sehe – dem endgültigen Kostüm dieser Tragödie der Fehler – will ich etwas oder jemanden schlagen.

Hermine hat mich bemerkt und es sieht aus, als würde sie genau das gleich denken. Dieser Blick macht mir auf eine Art und Weise Angst, dass ich möglicherweise noch nächtelang davon träumen werde.

„Ich brauch ein bisschen frische Luft", sagt sie durch zusammengebissene Zähne, zieht das Kleid aus Mums Griff und schiebt sich grob an mir vorbei.

„Du hast es ihr nicht gesagt", macht mir meine Mum klar, als würde sie damit das menschliche Desaster erklären, das Hermine Granger heißt.

„Was, Mum?"

„Deine Hochzeit", sie lächelt hemmungslos. „Sie ärgert sich vielleicht, weil du ihr nicht gesagt hast, dass Harry dir einen Antrag gemacht hat."

„Im Ernst, Mum?" Und diese verrückte Kuh lächelt einfach nur. Hat nicht auch nur die kleinste Ahnung. „Na dann..", seufze ich, ziehe mir einen Rock über und folge ihr.

Ich sehe sie kurz vor dem Ende des Gartens, auf dem Weg zum Wald. Das Kleid scheint ihre Fähigkeit im Weglaufen nicht wirklich zu schmälern.

„Hermine, du musst zurück kommen. Mum kriegt einen Anfall, wenn du das Kleid ruinierst", rufe ich ihr verärgert nach und versuche dabei mein bestes, um gleichgültig zu wirken.

„Und?", ruft Hermine zurück, reißt sich von meinem Griff los und läuft eilig zwischen den Bäumen davon.

Ich könnte zurückkehren. Ich sollte zurückkehren. Aber ich weiß, dass ich nicht anders kann, als ihr zu folgen.

Ich drücke mich durch die mich streifenden und federnden Zweige und sehe Hermine inmitten einer kleinen Lichtung. Sie macht irgendetwas doch ich kann nicht erkennen, was.

Als ich mich aus dem Unterholz gekämpft habe, sehe ich, was sie tut. Und bin komplett sprachlos.

Dort steht Hermine, barfuß auf dem bemoosten grünen Waldboden und trägt nichts außer ihrer Unterwäsche. Sie steht über ihrem Hochzeitskleid, auf das ihr Zauberstab zeigt. Ihre Hand zittert, ihr Gesicht ist rot und sie sieht ganz so aus, als wäre sie kurz davor, einen Wortschwall an Flüchen loszulassen, der selbst die Zwillinge erröten ließe.

Doch nur ein Wort verlässt ihre Lippen.

„Incendio!", schreit sie. Und in diesem Augenblick (da Hermine Granger der letzte Mensch auf Erden ist, der sich verzaubern würde), steht das gesamte Kleid in Flammen. Ich kann meinen Blick nicht von den tanzenden Flammen abwenden, die ihre befreite Silhouette beleuchten. Es dauert nicht lange – oder vielleicht hat mir die Zeit wieder einen Streich gespielt – bis das gesamte, wunderschöne, handgemachte Kleid zu Asche heruntergebrannt ist.

Sie blickt über die erkaltende Asche zu mir auf. Der leicht wahnsinnige Gesichtsausdruck ist immer noch in ihrem Gesicht zu lesen doch sie sieht mich an, als wäre ich die einzige Person, die sie hier im Wald sehen wollte.

„Harry hat dich gefragt", sagt sie klar und betont. Sie steckt ihren Zauberstab unter die feine Spitze ihres Hochzeits-Strumpfhalters. In dem Wissen, dass sie den Stab nicht mehr in den Händen hält, fühle ich mich etwas leichter.

„Das hat er", gebe ich zu.

„Was hast du geantwortet?"

Ich öffne und schließe meinen Mund wieder.

„Also? Wirst du heiraten oder nicht?", fragt sie hochmütig.

„Die Frage sollte ich vielleicht besser dir stellen, wenn man bedenkt, dass du gerade das verdammte Hochzeitskleid verbrannt hast und so" höhne ich halb.

„Harry ist nicht der richtige", sagt sie leise, steigt grazil über die Asche ihres Hochzeitskleides und kommt mir näher.

„Und ich glaube nicht an 'den Richtigen'", antworte ich und versuche, einen Schritt zurück zu machen.

„Nein. Du glaubst an die 'Zwei' und die 'Drei' und die 'Fünfzehn'", sagt mir Hermine barsch. „Oder etwa nicht?" Ehe ich antworten kann spricht sie weiter. „Aber so ist es nicht, stimmt's? Das würde ja irgendeine sich wiederholende Treue voraussetzen. Aber du bist nicht treu", sagt sie knapp während Zweige unter ihren Füßen brechen.

„Und du bist es?", spotte ich, als meine schwitzigen Hände auf dem glatten Satin meines Kleides rutschend halt suchen.

„Du hast jeden, mit dem du je zusammen warst, betrogen. Michael, Dean, Harry – das weiß ich mit Sicherheit."

Unbehaglich ist nicht das richtige Wort. Auch nicht nervös. Etwas in ihr ist mit dem Kleid verbrannt. Oder die Flamme hat sich in ihr erhoben.

„Du – du nennst ein paar dumme Küsse fremdgehen?", stottere ich und drücke mich rückwärts durch ein paar einzelne Äste.

Ich werde gejagt, belauert. Sie will Blut sehen. Mich nicht verwunden, sondern töten. Nicht mehr lange und ich werde in eine Falle getappt sein, Metallkiefer werden sich um mich schließen und es wird kein Entkommen geben.

„Ich weiß, dass du mehr getan hast, als nur das", erwidert sie. Immer noch kommt sie näher, ihr gesamter Körper angespannt. Auch wenn ich mich nicht auf ihren Körper konzentrieren kann. Ich kann sie so nicht ansehen, nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet. Wenn ich es täte, würde es mir mehr Kraft nehmen als ich habe, um mich davonzustehlen.

„Tust du nicht", Ich lächle nervös und lecke mir die Lippen.

„Doch", lächelt sie gefährlich zurück.

„Wie?" fordere ich sie heraus, weil meinem Verstand nichts anderes einfällt.

„Kaffeeklatsch, lustigerweise", sagt sie und beugt ihren Kopf leicht zur Seite, als würde sie ihre Beute bemessen. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr. „Vor einigen Jahren, mit einer der Frauen, mit denen ich arbeite. Sie musste mir einfach von der rothaarigen erzählen, die sie die letzte Nacht 'gehabt' hatte. Ich wusste, dass du es warst, bevor sie es mir sagte. Wahrscheinlich hast du bald darauf aufgehört, mit Hexen rumzumachen. Zu riskant. Du weißt, wie klein die magische Welt ist. Es war besser, bei vergesslichen Muggeln zu bleiben."

„Muggel.", wiederhole ich weich und nicke leicht.

„Also, wie viele? Eine die Woche? Zwei? Ich weiß, dass Harry eine Menge herumreist. Und er vertraut dir zu sehr, um dich zu verdächtigen", vermutet Hermine. „Fühlst du dich wenigstens manchmal schuldig?"

„Schuldig?", echoe ich und räuspere mich. Noch ein Schritt rückwärts und ich falle in einen verschlungenen Käfig aus Ästen. Es fühlt sich an, als würden sie sich um mich winden, mich zuverlässig aufrecht halten, ohne mich aber los zu lassen.

Und immer noch kommt Hermine auf mich zu.

Jeder, der sie so noch nicht gesehen hat, würde wohl daran zweifeln, dass die Heilerin Granger sich je so verhalten würde. Zwischen Angst und Begehren liegt nur ein Einhornhaar.

Ihre bloßen Füße sind schmutzig, ihre Zehen sinken in die weiche Erde während sie immer näher kommt. Nur wenige Zentimeter entfernt kann ich ihre mit Asche bestäubte Haut schon fast schmecken.

„Ich sagte: Fühlst du dich manchmal schuldig?"

„Schuldig beschreibt es noch nicht mal annähernd", antworte ich mit leiser Stimme.

„Nicht annähernd", stimmt sie mir zu, weniger aggressiv. Aber immer noch sind ihre Finger wie Klauen; lang ausgestreckt und bereit, wenn nötig zuzuschlagen.

Sie streckt ihre Hand aus und einen Moment lang denke ich, dass sie mich in Stücke reißen wird, mein Herz herausrupfen und in meinem Blut tanzen würde. Stattdessen berühren ihre Fingerspitzen sanft meine Wange und meine Lippen.

„Aber mich hast du nie betrogen, nicht wahr?", fragt sie leise.

Der Blick den ich ihr schenke ist all die Bestätigung, die sie braucht.


Das nächste Kapitel hab ich schon angefangen, ein paar kleine Reviews würden mich bestimmt zu Hochleistungen anspornen ;)