Mir gehören weder die Charaktere noch die Handlung, ich übersetze nur.

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Murtlapessenz, dachte Harry. Ich muss mehr Murtlapessenz machen, die ich nächsten Sommer mitbringen kann. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis ich hier raus komme?

Die Tüten in seinen Händen waren schwer, zum Bersten gefüllt mit Dingen für Dudleys Geburtstagsessen, die Tante Petunia vergessen hatte.

Alles muss für Duddys Geburtstag perfekt sein, dachte Harry höhnisch.

In Wahrheit machte es Harry nichts aus, zum Einkaufen geschickt zu werden. Solche Aufgaben gaben ihm die Möglichkeit, ein bisschen von den Dursleys wegzukommen und eine Pause von den nicht endenden Aufgaben im Haus, die er nicht mochte, zu bekommen.

Heute hinauszukommen war aus zwei Gründen extra angenehm: erstens hatte er so weniger Zeit zur Verfügung, die er mit Dudley und Piers streiten müsste; zweitens gab ihm der Spaziergang zum Laden und zurück eine Chance, seinen Kopf nach dem gestrigen Zwischenfall mit Onkel Vernon zu klären – etwas, das schwieriger zu tun war, wenn er im Haus festsitzen und dort Aufgaben erledigen würde.

Er war erleichtert, dass sein Onkel keine Spuren an den Stellen, die nicht mit Kleidung bedeckt werden konnten, hinterlassen hatte. Wenn er ihn beispielsweise ins Gesicht geschlagen hätte oder auf die Unterarme, wäre es Harry nicht erlaubt gewesen, das Haus zu verlassen, bis die Flecken verschwunden gewesen wären. Aber da das T-Shirt die Verletzungen ausreichend kaschierte, konnte die Nachmittagssonne unangenehm warm auf seinen Rücken scheinen, so dass die Haut kribbelte und ihn an seinen Traum von der letzten Nacht erinnerte.

Viel zu früh erschien die Nummer 4 in seinem Blickfeld. Harry seufzte, aber verlangsamte sein Tempo nicht – er hatte vor dem Geburtstagsessen des geschätzten Diddykins noch viel zu tun und es würde sich nicht lohnen, seine Tante und seinen Onkel noch mal aufzuregen. Außerdem sollte er keine Schwierigkeiten haben, seine Arbeit auszuführen – jetzt, wo sie älter waren und Dudley wusste, was er für einen Cousin hatte, gehörte „Harry Hunting" der Vergangenheit an.

Und die zwei Idioten würden sowieso ohne Zweifel in Dudleys Zimmer verkrochen sein und den schönen Tag innen verbringen, um gewalttätige Videospiele zu spielen. Was für Harry in Ordnung war, weil das hieß, sie würden Harry nicht beim Arbeiten zusehen, Eis essen und nachgrübeln, was für eine Schande es ist, an einem solchen warmen Sommertag überhitzt zu werden.

Als Harry die Grenze zum Blutschutz überquerte schlenderte ein Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite entlang, beobachtete ihn einen Moment und löste sich dann in Luft auf, nachdem Harry außer Sichtweite verschwunden war.

Snape klammerte sich immer noch regungslos, da geschockt, mit seinen Krallen von drei seinen Pfoten an das Gitter, das Potter über ihn an das Dach des Käfigs gebunden hatte und starrte kopfüber auf die zwei überraschten Jugendlichen, die vor ihm standen. Ihr identischer Ausdruck von Verwirrung trug nichts daran bei, ihre dummen Züge zu verbessern.

Dudley erholte sich als erster und blickte auf seinen Freund.

„Ich weiß, dass das eine Fledermaus ist, Piers! Ich bin kein Idiot, weißt du!"

„Ich dachte, dass du gesagt hast, Harry hätte eine Eule?" wollte Piers wissen, seine Augen blieben die ganze Zeit auf Snape gerichtet.

„Hat er auch. Ich weiß nicht, wo sie ist, wahrscheinlich irgendwo Nachrichten hinfliegen oder so was. Ich weiß nicht, woher dieses Ding kommt."

Piers ging langsam um den Käfig. „Schau mal – sie hat einen Verband um."

Dudley schaute hin und schnaubte dann. „Das erklärt es – sie war wahrscheinlich verletzt oder so was und mein freakiger Cousin hat sie gefunden und beschlossen, Doktor zu spielen. Er hat das immer gemacht, als wir jünger waren." Der dicke Junge kicherte. „Die Hälfte seiner kleinen Haustiere habe ich von ihrem Leiden erlöst während er nicht hingesehen hat; er hat nie herausgefunden, warum sie nicht wieder gesund geworden waren!"

Piers ging unterdessen um den Käfig, hin und her und schaute sich die Fledermaus von allen Seiten an. Snape verdrehte seinen Körper, um ihn im Blickfeld zu haben.

„Das ist so cool", hauchte Piers, seine Augen erwartungsvoll. „Schau dir bloß mal ihre Größe an! Ich schwöre, hier in Großbritannien gibt es keine heimischen Fledermäuse, die so groß sind."

Dudley war beunruhigt. „Meinst du…meinst du es ist eine Vampirfledermaus oder so was?"

Das ist mal wieder typisch für seinen hexenartigen Cousin, ein solches gefährliches Tier wie dieses zu haben. Papa würde ihn umbringen.

„Nein, ich glaube nicht", sagte Piers, während er ziemlich nah an den Käfig ging und an die Gitter über der Türe griff und seine Finger – nur leicht – durch den Draht steckte. „Schau mal seine Zähne an. Sie schauen nicht groß genug für das aus."

Dudley schaute die offensichtlich unbehagliche Fledermaus an, die sich auf den Boden fallen lassen und zurückgezogen hatte, während sie ihre Zähne fletschte als Piers drohte, in seinen Freiraum zu dringen. „Ich weiß nicht…für mich schauen sie groß genug aus."

Frag Potter, er wird dir was über meine Zähne erzählen! Dachte Snape gereizt. Er zog sich so weit es ging zurück, bis sein Rücken an das Gitter am Ende des Käfigs stieß und ihn so davon abhielt, noch weiter zurückzuweichen.

„Schau mal, Big D – sie hat hier eine Schüssel mit Früchten. Das ist ein Flughund!" Piers zeigte auf die Schüssel auf dem Boden des Käfigs. Dudley sah es sich genauer an.

„Hey, das ist meine Frühstückskiwi! Meine Mama hat sie für meine Diät gekauft!" Dudley sah die Fledermaus ärgerlich an. „Der Freak durfte heute nicht mal was essen, weil er bestraft wird!"

„Dudley, wir müssen das den anderen Jungs zeigen! Komm, wir holen sie da raus!"

Snapes Herzklopfen wurde noch einen Ticken schneller.

Nicht gut…überhaupt nicht gut.

Was würde er tun, wenn diese Jungs versuchen würden, ihn anzufassen? Beide schauten ungeschickter, tollpatschiger und weniger zart und rücksichtsvoll aus als Potter. Falls er dazu gezwungen würde, sich zu verwandeln, um sich selbst zu retten, würde er das Gedächtnis der Jungen löschen, um ihretwillen und seinetwillen. Aber das Haus stand unter der Kontrolle des Ministeriums und jedwede Magie, die vor Ort durchgeführt wurde – selbst jetzt, wo Potter ein hohes Ansehen der Menschen genoss, würde es der Minister benutzen, sich auf den Jungen zu stürzen. Die Chancen, das Snapes Cover unwiederbringlich aufgedeckt war, bis zu dem Punkt, nie mehr zum Dunklen Lord zurückkehren zu können, würden sehr hoch sein.

Der Hochseilakt, der sein ganzes Erwachsenenleben war, hatte Snape gezwungen, ein Experte zu sein, schnell und entschlossen zu reagieren, drastische Entscheidungen in lebensgefährlichen Situationen kurz entschlossen und ohne zu zögern zu fällen, immer und immer wieder – aber jetzt, zu seiner Entrüstung und Bestürzen wusste er nicht, wie er mit den beiden tyrannischen Muggelteenagern umgehen sollte. Ob es die unergründlich bizarre Situation war oder der Fakt, dass es Teenagertyrannen waren, die die schlechten Erinnerungen wieder ins Gedächtnis riefen, die ihm regungslos machten, machte keinen Unterschied.

Snape versuchte, sich so groß wie möglich zu machen, sträubte das Fell in seinem Nacken, zeigte seine Zähne, zischte bedrohlich und durchbohrte die beiden Jungen mit seinem Blick.

Dudley Dursley schien zumindest etwas eingeschüchtert.

„Komm schon Piers…sie schaut nicht zu freundlich aus."

„Sei kein Trottel, Dud…sie muss zahm sein, sonst hätte dein Cousin keinen Verband dranmachen können." Piers öffnete die Käfigtür und langte zu Snape.

Snape schnappte nach den näherkommenden Fingern und wich nach rechts aus, aber der Muggeljunge war zu schnell, er wich den aufblitzenden Zähnen aus und ergriff Snape am Genick. Seine gnadenlosen Finger gruben sich rücksichtslos in seine verwundete Schulter und er zog Snape grob durch die Käfigtür und drückte den Zaubertränkemeister sofort an gegen seine Brust.

Snape wand sich, um freizukommen.

„Aber, aber, kleine verrückte Fledermaus", summte der Junge in einer von Lachen durchzogenen Sing-Sang-Stimme. Er klopfte mit seinen Fingern gegen Snapes Kopf, so dass dieser Sterne sah.

„Zu cool", schrie Piers. „Komm schon Dud…lass sie uns den Jungs zeigen. Wir sollten sie behalten, wirklich…um die Leute zu erschrecken!"

Dudley war von Piers Erfolg, die Kreatur zu bändigen, ermutigt und wollte nun beweisen, dass er auch keine Angst hatte.

„Hier, lass sie mich mal nehmen!", sagte er eifrig.

Rückblickend dachte Snape, dass er das Ganze besser hätte timen sollen. Der große Klumpen von Jungen war schneller als er erwartet hatte – ohne Zweifel von seinem Boxtraining in der Schule.

Als Piers Snape übergab, sank Snape seine scharfen kleinen Zähne in den fleischigen Zeigefinger des Dursley Jungen – seine Hoffnung war, dass der Junge ihn fallen lassen würde, so dass er Zeit haben würde, unter das Bett und ihn eine Abwehrposition zu huschen. Der dicke Junge heulte vor Schmerz auf, aber anstatt Snape fallen zu lassen, packte er ihn mit einer Hand grob am Genick, fest genug, um an Snapes Haut zu ziehen und Druck auf seine Luftröhre auszuüben. Dann griff die Hand mit dem verletzten Finger Snape um den Bauch, und legte sich um seine Rippen und drückte zusammen, so dass der Atem aus ihm herausgepresst wurde.

Piers lachte aber Dudley war wütend.

„Dreckiges kleines Ding, sie hat mich wahrscheinlich mit Tollwut infiziert!" knurrte er.

Die Hand um den pelzigen Bauch der Fledermaus wurde fester und Snape wurde schwindelig.

Als seine Sicht grau wurde, war sein letzter Gedanke ein ironischer.

Anstatt von der Hand Voldemorts zu sterben, was er mehr als halbwegs gedacht hatte, dass er so sein Leben lassen würde, würde er von einem verwöhnten, übergewichtigen, launischen Muggeljungen zerdrückt werden.

Er hatte eine plötzliche, verrückte Vision von Potter, wie er ihn im Garten in einer Schuhschachtel beerdigen würde, vielleicht sogar eine kleine Beerdigungszeremonie abhalten würde und fühlte ein ungezügeltes Verlangen zu Lachen.

Wahrscheinlich niemand würde jemals erkennen, was aus Severus Snape geworden war.

Die Finger des Jungen waren resolut. Seine Rippen knarrten und er wand sich vor Schmerz, seine Vorderpfoten griffen ins Leere.

Harry betrat die Küche durch die Hintertür, stellte die Einkaufstüten auf den Küchentisch ab und begann, das Essen wegzuräumen. Okay, Essen wegräumen, nachsehen, ob Dudley und Piers Mittagessen wollen und dann mit der Hecke anfangen-

Er hörte ein schrilles Tierkreischen von oben, dann Piers Stimme:

„Dudley, pass auf, bring ihn nicht um!"

Spartacus!

Harry ließ die Packung Kotletts fallen, die er in der Hand hielt und rannte die Treppen nach oben.

Er rutschte, als er in seinem Zimmer zum Stehen kam, starrte mit Horror auf die Fledermaus in den dicken Händen seines Cousins. Ihre Augen waren hervorgetreten und Schaum war an ihrer Schnauze.

„Dudley hör auf! Dudley, setz sie runter!"

Dudley drehte sich um, um ihn anzublitzen.

„Sie hat mich gebissen!" ächzte er. „Du hältst jetzt gefährliche Tiere hier oben? Warte, bis ich es Papa erzähle!"

Seine Hand spannte sich stärker um Spartacus, der wieder das Kreischen anfing.

Aus purem Instinkt tat Harry etwas, was er seit Jahren nicht mehr getan hat: er schmiss sich auf den größeren Jungen, zielte dabei tief, um seinen Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Harrys Kopf rammte in Dudleys gewaltigen Bauch. Der Atem des größeren Jungen kam mit einem wusch heraus und er stolperte rückwärts, die Fledermaus ließ er auf den Boden fallen. Harry hatte gerade genug Zeit, Spartacus aufzuheben und seine regungslose Gestalt in Sicherheit unter sein Bett gleiten zu lassen.

Seine Brille flog zu Spartacus unter sein Bett, als Dudley in aufs Auge und dann mit einem rechten Haken auf den Mund schlug. Harry trat Dudley hart gegen beide Schienbeine, schlug ihm gegen den Bauch und, als er sich nach vorne lehnte, atemlos auf die Nase. Piers trat Harrys Beine nach vorne, Dudley landete hart auf ihm und es kurz loderte ein greller heftiger Schmerz auf, als zwei seiner Rippen brachen.

Die drei Jungs fielen auseinander und Harry setzte sich schwer atmend auf. Er konnte schon fühlen, wie sein Auge anschwoll und sein Mund blutete. Aber als er auf Dudley blickte setzte sein Herz fast aus. Die Nase seines Cousins blutete auch und begann auch schon, anzuschwellen.

„Piers, geh runter und hol mir etwas Eis, ja?" sagte Dudley kalt und starrte Harry an. „Ich komm gleich nach."

Piers erkannte Ärger, wenn er ihn sah und war nicht scharf darauf, auch etwas davon abzubekommen. Es gab keinen Weg, dass die Beweise von den Erwachsenen im Haus verborgen blieben konnten und er entschied, dass es das Beste war, auszusteigen, bevor die Dursley Eltern wieder zurückkommen würden.

„Natürlich Dud", sagte er. Dann ging er nach unten, zur Tür hinaus und ging nach Hause.

In der Zwischenzeit starrte Dudley weiter Harry an.

„Papa wird deine Haut von dir abpeitschen", sagte er dem kleineren Jungen ausdruckslos.

Harry wusste es nur zu genau. Die schlimmsten Prügel, die er in seinem Leben bekommen hatte – und zufällig das letzte Mal, wo sein Onkel ihn dazu gebracht hatte zu weinen – war, als er sieben war und es gewagt hatte, eine Hand gegen Dudley zu erheben. Es machte nichts, dass, seit dem Tag, an dem er auf Dursleys Türschwelle abgelegt worden war, kein Tag verging, an dem ihn Dudley nicht in irgendeiner Weise körperlich weh getan hat, sei es ein Zwicken, ein Stoß, ein Quetschen, ein Schlag, ein Fausthieb oder ein Tritt – oder alles zusammen. Eines Tages, als Dudley Harry auf seinem Rücken liegen und hatte, auf ihm saß und ihn enthusiastisch schlug, hatte Harry wild um sich geschlagen und Dudley im Gesicht erwischt, so dass er ein blaues Auge hatte. Onkel Vernon hatte Harry ohne Gnade verprügelt; er war beinahe ohnmächtig, bevor Tante Petunia eingegriffen hatte – das erste und einzige Mal, dass sie so gehandelt hatte.

Harry fühlte seinen Magen kalt werden, als er daran dachte, dass er erst gestern eine Dosis des Gürtels spüren musste. Es war selten, dass er noch einmal verprügelt wurde, bevor alles wieder verheilt war, aber er hatte keinen Zweifel, dass dies eines dieser Male war.

Dudley sprach wieder.

Und er wird den Hals dieses Dings umdrehen!"

Spartacus!

„Dann sag es ihm nicht." Harry plapperte hervor, bevor er wusste, dass er sprach. Ein leichtes Zittern war in seiner Stimme.

Dudley war ungläubig. „Machst du Witze? Ich kann es nicht erwarten, es ihm zu sagen! Ich hoffe, dass er mich zusehen lässt, wie er dich halb umbringt, du kleiner Freak!"

„Ich meine die Fledermaus", sagte Harry schnell. „Ich weiß, dass er über…über die blutige Nase bescheid wissen muss. Sag ihm, du warst in meinem Zimmer und das war der Grund, warum ich auf dich losgegangen bin. Aber erzähl ihm nichts von der Fledermaus. Du hast sie vielleicht sowieso schon umgebracht", Harry schluckte schwer bei dem Gedanken und zwang sich, nicht unter das Bett zu schauen, „aber falls nicht, werde ich sie freilassen."

Dudley schien es zu überdenken.

„Was wirst du mir geben, wenn ich es Papa nicht sage?" fragte er schließlich.

Harry war überrascht. Was konnte er möglicherweise haben, das Dudley wollen würde?

„Was willst du?"

„Diesen Umhang von dir", sage Dudley. „Der, der dich unsichtbar macht."

Harrys Blut gefror.

„Wie weißt du von ihm?" flüsterte er.

Dudley grinste. „Das ist egal. Wie ist es? Gib mir den Umhang und ich werde Papa nichts von deinem kleinen Haustier erzählen."

Harrys Herz pochte. Sein Vater hatte ihm den Umhang hinterlassen. Er half auf so vielen Wegen, hatte sogar sein Leben gerettet. Dumbledore hatte ihn gesagt, dass er ihn immer in seiner Nähe behalten sollte, jetzt wo Voldemort zurück war.

Dann dachte er an Spartacus, Spartacus, der nie jemanden verletzt hatte, aber selbst verletzt war. Spartacus, der in den langen, einsamen Wochen ohne Hedwig sein Gefährte war.

Harry konnte den Gedanken, jemand anderen zu verlieren, nicht ausstehen, nicht wenn er etwas tun konnte, es zu verhindern. Nicht einmal, wenn dieser jemand nur eine Fledermaus war.

„Deal. Aber du kannst ihn erst haben, nachdem ich die Fledermaus freigelassen habe."

„Ok.", grinste Dudley. Er stand auf und verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Harry wartete, bis er die Fußtritte seines Cousins weggehren hörte und krabbelte zum Bett. Er zog die batterielose Taschenlampe, die ihn Remus letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte unter seiner Matratze hervor und richtete den Strahl unter sein Bett.

Bitte, bitte sei nicht tot!

Vielleicht war es der kürzliche Verlust von Sirius, aber Harry fühlte, wie Panik aufstieg und immer größer wurde. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und er hätte nicht mehr Angst haben können, wäre es Hedwig gewesen, die Dudley und sein brutaler Freund gequält hatten.

Komm schon, wo bist du?!

Seine suchenden Finger spürten Fell und mit rasendem Herzen zog er die regungslose, Fledermaus schnell aber sorgsam unter dem Bett hervor.

Für einen Moment wiegte Harry die bewegungslose Kreatur mit zitternden Händen gegen seine Brust, sicher, dass sie tot sei. Dann fühlte er den flatternden Herzschlag durch ihre Brust.

Sie lebt noch, aber die Augen der Fledermaus waren nur noch Schlitze, die Pupillen waren in den Schädel zurückgerollt. Sie keuchte schnell, die Zunge zwischen den Zähnen.

Harry wusste nicht, was er für sie tun konnte. Äußere Wunden waren eine Sache, aber falls Dudley eins ihrer Organe gequetscht oder ihre Rippen zersplittert hätte (seine eigene Seite brannte schmerzlich bei dem Gedanken) wusste Harry nicht, was er tun konnte. Wenn er in Hogwarts gewesen wäre, würde er Spartacus direkt zu Hagrid bringen, aber Hogwarts war weit entfernt und ohne Hedwig hatte Harry keinen Weg, den Hüter der Länderein um Rat zu fragen.

Kurz dachte er daran, seine Sachen zu packen und mit Spartacus abzuhauen, mit dem Fahrenden Ritter zum Grimmauldplatz zu fahren. Er ließ den Plan fast so schnell wie er ihn in Erwägung gezogen hatte, wieder fallen – ein ähnliches Unterfangen war nicht gut ausgegangen, als er in seinem dritten Jahr das Gleiche versucht hatte, und jetzt, wo Voldemort zurückgekehrt war und seine Todesser frei herumliefen, war der Einsatz viel höher. Onkel Vernon würde ihn verprügeln, aber das war nichts im Gegensatz, was Voldemort und seine Gefolgsleute tun würden und es wäre unendlich besser als andere Leute zu involvieren und deren Sicherheit zu riskieren.

Also gut. Kein Hagrid, auf den er zurückgreifen konnte und nirgendwo zum Hingehen. Er war auf sich allein gestellt.

Harry setzte Spartacus behutsam auf das Bett, dann öffnete er das lose Dielenbrett, unter dem er seine Zaubertränke verstaut hatte. Er hatte einen ziemlich starken Schmerztrank, einen Entzündungshemmer und eine Blutergusssalbe. Er würde für Spartacus tun, was er tun konnte und das Beste hoffen. Er würde ihn auch ein neues Bett machen, in das er sich hinlegen könnte, weil er nicht sicher war, ob die Fledermaus in der Lage war, sich an den Hasendraht zum Schlafen hinzuhängen.

Harry bewegte sich vorsichtig, aber schnell, er wollte mit Spartacus fertig sein, bevor irgendjemand ins Haus Nummer 4 zurückkehrte. Er bemühte sich nicht einmal, mit den anderen Aufgaben auf der Liste, die Tante Petunia ihn gegeben hatte, fertig zu werden. Ob die Arbeiten erledigt sein würden oder nicht, Onkel Vernon würde ihn einen Kopf kürzer machen, wenn er heim kommt.

Harry wollte nur zuerst sicher gehen, dass Spartacus aus dem Weg war.

Snape kam langsam zu sich, ein furchtbarer Kopfschmerz pochte an seinen Schläfen. Er versuchte, sich auszustrecken und fühlte einen Schmerz durch seinen Bauch stechen, der seinen Atem abhackte. Er zwang seine Augen auf und musste dann warten, bis sich seine Sicht klärte.

Als er sah, dass er auf dem Käfigboden in einer wattierten Box lag, dachte Snape fast, dass er immer noch der erste Tag mit Potter war und er alles, was danach passiert war, geträumt hatte. Aber dann erinnerte er sich an die zwei Muggeljungen.

Er schätze kurz seine Verletzungen ein. Die verletzte Schulter war leider ausgekugelt und sein Brustkorb hämmerte schmerzvoll. Es schien nicht so, als ob er gebrochene Knochen hätte, allerdings hatte er eine erhebliche Anzahl an blauen Flecken. Ohne Zweifel hatte wurde er durch das Fehlen der Luft, als der riesige Junge ihn gedrückt hatte ohnmächtig – das würde auch die Kopfschmerzen erklären.

Potter!

Er erinnerte sich vage, dass Potter die beiden Jungen konfrontiert hatte, erinnerte sich an die Rauferei und…hat Potter wirklich seinen Tarnumhang dafür getauscht, dass er, Snape, im Gegenzug sicher war?

Nicht ich. Spartacus. Der Gedanke ließ ihn seltsam traurig und wehmütig fühlen.

„Wie geht es dir Spartacus?"

Snape schaute auf. Potter lehnte über ihm, sein blasses, dünnes Gesicht voller Besorgnis. Er hatte eine aufgeplatzte Lippe und ein geschwollenes blaues Auge.

Wie spät ist es? Wie lange war ich ausgeknockt? Snape versuchte sich aufzusetzen, um einen besseren Blick auf die Uhr auf dem Regal zu bekommen, aber seine Beine gaben unter ihm nach.

„Spartacus."

Snape schaute wieder zu Potter. Der Junge war wirklich sehr blass.

„Hör zu, Spartacus", sagte Potter dringlich. „Ich kann dich nicht wie letztes Mal rausbringen…Dudley ist zu Hause und es ist keine Zeit dafür." Er schluckte hart.

„Du…du musst leise und ruhig sein Spartacus, ok?" Sogar mit seinem außergewöhnlichen Gehör musste Snape sich beinahe anstrengen, um den Jungen zu verstehen, so leise flüsterte er. „reg dich nicht auf wie es Hedwig immer macht…es gibt nichts, worüber du dich aufregen musst. Alles wird gut."

Fernab Snape zu beruhigen, wurde der Zaubertrankmeister immer alarmierter – weil er spürte, das Potter, während er aufrichtig versuchte, die Fledermaus in seiner Obhut zu beruhigen, ebenso aber auch sich beruhigen wollte.

Snape verspannte sich, als er eine Tür zuschlagen hörte, dann eine Stimme von unten herauf schrie:

„Junge! Komm runter! JETZT!"

Potter verspannte sich und schaute auf, einen verfolgten Blick in seinen Augen. Er nahm einen tiefen Atemzug und stand auf, seine Schultern straffend. Er schaute wieder auf Snape.

„Alles wird gut, Spartacus", flüsterte der Junge. „Halt dich nur ruhig und leise, ok?" Er deckte den Käfig zu und beeilte sich, die obere Schnalle zuzumachen. Dann verließ er ohne ein weiteres Wort das Zimmer, um Dursleys Aufforderung nachzukommen, während er hinter sich die Tür schloss.

Ein plötzlicher Adrenalinstoß brachten Snape, obwohl er so verletzt war, auf seine Füße. Er kreiste verzweifelt an der Umzäunung des Käfigs entlang und versuchte eine schwache Stelle zu finden, gegen die er drücken konnte. Er knirschte aus Frustration wütend mit seinen Zähnen.

Merlin! Warum konnte ich nicht früher zu mir kommen, bevor mich Potter hier zurückgesetzt hat? Ich hätte mich verwandeln und uns wegapparieren können, das ganze Theater beenden können und zur Hölle damit, dass Potter herausfinden könnte, dass ich ein Animagus bin!

Er hielt einen Moment inne. Das Haus war unheilvoll still. Das würde nicht so bleiben, wusste er. Dursley würde wutentbrannt sein, dass sein Neffe einen Schlag gegen Dudley getan hatte.

Der Muggel wird ihn halb umbringen!

Der Gedanke spornte ihn an, weiterzumachen, und er versuchte wieder verzweifelt und erfolglos, einen Weg nach draußen zu finden.