Author´s Note: Hallihallo hier bin ich wieder ^^ Ich hab dieses Kapitel wieder in zwei geteilt, da der Anfang einiges an Erklärung bedarf. Aber keine Sorge, der zweite Teil, der ACTION Teil, folgt bald!
/Interface (pt 1)/
Nach 210 Millizyklen hatten sie immer noch nicht den Zielort von Solar Segler Nummer 4 gefunden. Er war in keiner Stadt und in keine der anderen Verbindungsstellen eingefahren, aber das war auch schn alle, was Susan und ihr Widerstand in Erfahrung bringen konnten. Die Systeme waren furchtbar gut gegen Hackerangriffe geschützt und sobald man das Wort 'Initiative' eingab, wurde gleich die ganze Konsole gesperrt und sie müssten so schnell wie möglich abhauen, bevor sie gefasst werden konnten.
Die Outlands konnten sie nicht auf Hinweise durchsuchen, da die Wege, die aus der Stadt führten, kontrolliert wurden. Genauso war es auch mit dem Luftraum. Keiner konnte einen Lightjet starten, ohne dabei Gefahr zu laufen verhaftet zu werden. Die Gesetze waren strenger geworden seit Susan's Rückkehr.
CLU hatte Bilder von ihr in der ganzen Stadt verteilen lassen, hatte sogar eine Belohnung auf sie angesetzt, doch selbst wenn Susan auf den Straßen von Trb City spazieren ging, ohne jegliche Tarnung, traute sich niemand sie aufschmeißen zu lassen. Man starrte sie zwar mit großen Augen an, manche murmelten auch Sachen wie: "Das ist sie! Das ist Susan Gifford!", aber keiner wagte es, sich mit ihr anzulegen. Ob das daran lag, dass alle wussten, dass sie nun die Anführerin der Widerstände war, und sie aus Respekt oder aus Angst vor Rache ihrer Anhänger nicht verrieten, oder daran, dass CLU's Ansehen weiter sank, war Susan gleich. Hauptsache war, dass sie die Stadt auf ihre Seite bringen konnte.
Sie fühlte es. Bald würde ihr Widerstand so weit sein, um CLU zu stürzen, denn er wurde immer stärker.
So wie Kyto es vorgeschlagen hatte, hatten sie bestimmte Gruppierungen gegründet, Gilden gewissermaßen, die bei verschiedensten Einsätzen gebraucht wurden:
Die Einheit für Mechanik und Transport, die die Fahrzeuge des Widerstandes wartete und auf optimale Leistung tunte, sowie andere Einheiten gefahrlos und so schnell wie möglich von A nach B brachte und noch vieles mehr. Diese wurde von Kyto angeführt. Susan hatte eine Art Wettbewerb veranstaltet, in dem sie die besten Mechaniker und Fahrer der ganzen Stadt antreten, sie einen Totalschaden reparieren und damit dann eine bestimmte Route hatte fahren lassen. Wider erwarten - Susan hatte zwar gedacht er wäre gut, aber bei weitem nicht der Beste - hatte Kyto dabei die anderen um Längen geschlagen. Nun leitete er nicht nur diese Einheit, sondern schulte auch andere Mechaniker und Fahrer ein. Die Besten bildeten eine Spezialeinheit aus 10 Programmen, die Green Elite genannt wurde.
Die Einheit für Information, Koordination und Programmierung beschäftigte sich mit Hacken, dem Organisieren von Widerstandsoperationen und Spionage. Sie wurden oft als das Hirn des Widerstandes bezeichnet, da ohne sie gar nichts am Laufen wäre. Den Vorstand hatten 2 Programme inne. Zum einen Bartik, der die Gruppe der Koordination leitete und ausbildete, und zum anderen ein Programm namens Salton.
Salton war eines von CLU's ehemaligen Information Retrieval Programmen, der vor vielen Zyklen die Seiten gewechselt hatte. Susan empfand ihn als pragmatischen, wortkargen und verschlossenen Kerl - er lachte nicht einmal über ihre Sirenenwitze - der sich aber auch schon oft als sehr fleißiger und präziser Arbeiter bewiesen hat. Er widmete sich voll und ganz dem Widerstand, lehrte den Programmen den richtigen Umgang mit Daten, was brauchbar und weiterzuleiten war und was nicht, und wie man diese beschaffte, ob das nun durch Hacken oder Spionage erfolgte. Und er war der beste den sie hatten. Susan kannte nur ein Programm, das in solchen Dingen noch besser war als Salton und das war Zuse, den sie in letzter Zeit nicht oft hatte sehen können, da sie so viel für den Widerstand zu erledigen hatte.
Er klagte oft, dass er die alten Zeiten vermisste, als Susan sich noch voll und ganz auf ihn konzentriert hatte und nicht ständig abgelenkt wurde von Widerstands-Upadates, die zu Zuse's Kommunikationskonsole geschickt wurden.
"Warum wissen eigentlich immer alle, dass du hier bei mir bist?", sagte er in gereiztem Ton.
"Es tut mir Leid..." Susan hüpfte von Zuse's Schoß und ging rasch zur Konsole hinter der kleinen Bar. "Das ist nur, damit sie mir helfen können, falls CLU Wind davon bekommt, wo ich bin."
Zuse stand seufzend auf, schlenderte zu ihr rüber und tippte ungeduldig auf der Theke herum. Nachdem sie den Bildschirm vor sich geschlossen hatte, drehte sie sich zu ihm.
"Bitte sei nicht böse.", sagte sie leicht schmollend.
Er schaute sie einfach nur wütend an, hob eine Augenbraue und drehte sich dann beleidigt weg.
"Zuse!"
"Es kommt mir so vor, als hättest du mich in den 798 Zyklen gar nicht vermisst..."
"Das ist doch lächerlich! Zuse, du bist mein bester Freund, natürlich habe ich dich vermisst! Mehr als alles andere und das weißt du ganz genau! Aber die vom Widerstand zählen auf mich. Ohne mich sind sie so unsicher. Und du weißt wie wichtig die Sache ist..."
Er sah immer noch weg.
Sie seufzte tief und griff über die Theke, um seinen Arm sanft zu berühren. "Zuse... Biiiitte... Du bist der klügste, der lustigste, einfach der tollste Typ den ich kenne..."
Er sah immer noch weg, fing aber an zu schmunzeln.
"Bitte sei mir nicht böse..."
"Susan?"
Sie richtete sich wieder auf und ließ ihn los. "Ja?"
Zuse grinste sie an. "Du hast 'der schönste' vergessen."
Sie lachte. "Wie konnte ich nur! Du bist natürlich auch der schönste und..." Susan lehnte sich langsam weiter vor und Zuse tat es ihr gleich. "... und der eleganteste..."
"Mhm..."
"... und einfach der heißeste Typ auf dem ganzen Raster..."
"Findest du?", flüsterte Zuse. Seine Lippen waren jetzt nur mehr ein paar Zentimeter von ihren entfernt.
"Ich bitte dich, das ist eine Tatsache."
Zuse lachte leise und wollte Susan küssen, doch plötzlich ertönte ein kurzes *BLUM* von der Konsole neben ihr. Sie biss sich auf die Unterlippe, sagte: "Entschuldigung...", und wandte sich wieder dem Bildschirm zu.
Zuse stieß genervt Luft aus, nahm seinen Gehstock, ging um die Bar herum und drückte beim Bildschirm vor Susan auf 'Schließen'.
"Hey!"
"Es reicht." Er packte Susan am Arm und hielt den Glasstock demonstrativ hoch. "Du hast eine Tracht Prügel verdient, junge Dame."
Ein weites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. "Oh, ja, ich war ein richtig böses Mädchen..."
Die Besuche bei Zuse waren für Susan etwas besonderes und sie freute sich immer schon lange vorher darauf. Manchmal traf sie da auch wieder auf Gem, was ihr natürlich sehr missfiel, aber sie nicht zeigen durfte und deshalb einfach ein nettes Lächeln aufsetzte. Doch die Sirene machte es ihr oft schwer dieses beizubehalten, mit ihren abwertenden Kommentaren gegen die Revoluzzer und ihrem Gesichtsausdruck, wenn sie sich von Zuse verabschiedete bevor Susan zu ihm konnte, der sagte, dass sie ihr überlegen sei. Anscheinend hatten die paar freundlichen Worte, die sie beide im End Of Line Club nach der Vereinigung der Widerstände gewechselt hatten, nichts zu bedeuten. Wenigstens konnte Susan diese Wut auf Gem und den Frust darüber, dass sie mehr Zeit mit Zuse verbrachte als sie selbst, in ihrem Unterricht abbauen.
Susan leitete nämlich die Einheit für Offensive und Sicherheit, in der sie den Programmen beibrachte sich und andere auf verschiedenste Weise zu verteidigen. Ob Kampf mit dem Diskus, mit dem Lichtschwert, unbewaffnet, gegen einen, zwei oder noch viel mehr Gegner, spielte keine Rolle. Sie brachte ihnen alles bei. Dabei achtete sie aber auch immer darauf, ihren Schülern mitzuteilen, dass man zuerst immer einen Weg ohne Gewalt suchen sollte.
Natürlich war das nicht ihre einzige Aufgabe. Sie unterstützte die anderen Einheiten, versuchte so oft bei ihnen vorbeizuschauen wie es nur ging, koordinierte den gesamten Widerstand. Die Informationen, die die zweite Einheit aufarbeitete, wurden alle direkt an sie geleitet und sie und ihr Team aus Beratern, das aus den Anführern der jeweiligen Gruppen bestand, bereiteten dann anhand von denen die nächsten Schritte vor. Ohne Susan's Genehmigung fand nicht einmal die kleinste Mission statt. Sie war die Anführerin, die über alles einen Überblick haben musste und jedes Individuum leitete. Manchmal kamen auch Neulinge zu ihr in den Widerstandshauptsitz, die Susan selbst dann in verschiedenen Bereichen abprüfte und sie zur geeignetsten Einheit schickte.
Die Revoluzzer hatten den Einheiten Spitznamen gegeben, da es ihnen einfach zu lang erschien zu sagen 'Ich bin in der Einheit für Information, Koordination und Programmierung, und du?'. Susan hatte diese sogar in der Widerstandsdatenbank, die natürlich oberste Geheimhaltung hatte und ständig überwacht und geprüft wurde, für einen besseren Überblick verwendet.
THE RESISTANCE
— Susan Gifford Team
SPEED
-Kyto-
Mechanik
Transport
/Green Elite
BRAIN
-Bartik, Salton-
Koordination
Information
Programmierung
/White Elite
SWORD
-Susan-
Sicherheit
Offensive
/Blue Elite
In dieser Datenbank konnte man sich neueste Updates der anderen Einheiten, oder natürlich auch der eigenen, ansehen, sich über andere Mitglieder informieren, zum Beispiel wer in welcher Gruppe ist, oder einfach nur Befehle und Missionsziele nachlesen beziehungsweise selbst Neuigkeiten eintragen. Außerdem konnte man darüber auch virtuell mit anderen Mitgliedern des Widerstandes kommunizieren, wenn man sich in einer Umgebung befand, in der ein normales Gespräch über eine Konsole vielleicht nicht so günstig wäre.
Und genau das tat Susan gerade. Sie saß in ihrem Zimmer im Widerstandshauptquartier und tippte an einem breiten leuchtenden Bildschirm vor sich herum.
Der Raum war nicht groß, aber Susan fühlte sich dennoch sehr wohl darin. Die einzigen Einrichtungsgegenstände waren ihr Bett in der Mitte, zwei Nachtkästchen daneben, ein Schreibtisch, der auch als Konsole fungierte, eine Art Aquarium ohne Fische, das sie sich selbst programmiert hatte und das leise plätscherte, und eine Kommode, über der sie sich schwebende Bilddateien von sich und ihren Freunden programmiert hatte. Sie änderten sich nach jedem Millizyklus von selbst, sodass auch wirklich alle netten Bilder, die Susan auf ihrem Diskus gespeichert hatte, Mal zum Vorschein kommen konnten. Es waren alte dabei, noch aus ihrer Zeit als User, welche mit Alan, Sam und Kevin also, dann etwas spätere, eins von sich mit Quorra, auf dem beide etwas albern aussahen, da sie ihre Backen fest aufgeblasen hatten, um die jeweils andere zum Lachen zu bringen, oder eins mit dem alten Kyto, der darauf richtig schüchtern aussah. Es war immer sehr eigenartig wenn sich plötzlich ein schimmerndes Bild daneben in eins von Kay verwandelte, weil sie dadurch die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten noch viel besser sehen konnte. Kyto, der mit einem freundlichen Lächeln einen Arm um Susan's Schulter hatte, und dann Kay, der sich mit verführerischem Blick seiner geschminkten Augen grinsend auf die Zunge biss, während er Susan, die auf dem Bild etwas eingeschüchtert aussah, von der Seite fest an sich drückte. Dann hatte sie da natürlich noch Bilder mit Shaddix, den DJs des End Of Line Clubs und auch ein paar mit Eckert, der auf jedem ein strahlendes Lächeln aufgesetzt hatte. Doch ihre absolute Lieblingsbilddatei war die einzige, die sie von Zuse hatte. Darauf lag er seitlich in dem Bett ihrer alten Wohnung, die sie vor 'Ihrem Fall' besessen hatte. Sein sonst so perfekt gestyltes Haar war etwas durcheinander und sein Blick war müde, aber sein Gesichtsausdruck zeigte nichts von Erschöpfung. Er strahlte viel mehr eine innere Ruhe aus, mit diesem sanften Lächeln, die sie nicht oft bei ihm verspüren konnte. Nicht, dass sie seine Aufgedrehtheit und Verrücktheit nicht lieben würde, aber irgendwie machte sie dieses Bild jedes Mal ein Stück glücklicher, wenn sie es betrachtete.
\Salton\: Nein, auch in Sektor 3 konnten wir nichts von Bedeutung ausfindig machen.
\SusanGifford\: Langsam gehen mir die Ideen aus... :(
\Salton\: Ich schätze, das geht allen so. Vielleicht sollten wir in Erwägung ziehen, unsere Aufmerksamkeit nicht nur darauf zu richten, diesen Solar Segler zu finden. (Da ist eine offene Klammer am Ende, falls nicht bemerkt.)
\SusanGifford\: Vorschläge? (":(" soll ein trauriges Gesicht symbolisieren.)
\Salton\: Negativ.
\SusanGifford\: Wie formell... Nein, ich denke, wir sollten diesen einen Anhaltspunkt weiter verfolgen. Wir haben doch sonst fast nichts. Keine der Patrouillen des Rasters hat irgendetwas entdeckt, das CLU schaden könnte, außer immer mehr verschwundene Programme und ich bin mir absolut sicher, dass diese Sache hier etwas damit zu tun hat.
\Salton\: Wie sollen wir weiter vorgehen, Anführerin Susan? Sollen wir weiterhin bei der Durchforstung der Sektorkonsolen bleiben?
\SusanGifford\: Auf jeden Fall. Solange wir noch nicht alles durchsucht haben, können wir aufgeben sagen. Und ich hab's dir schon oft gesagt: einfach. nur. Susan.
\Salton\: Alles klar. (zu beidem) Dürfte ich vielleicht noch eine nach Kritik klingende, jedoch nicht so gemeinte, Frage stellen?
\SusanGifford\: Okay.
\Salton\: Ich weiß, ich habe dieses Thema schon einmal angesprochen und wurde zurückgewiesen, aber ich finde wir sollten trotzdem noch einmal überdenken Zuse um Unterstützung zu bitten. Man erzählt sich, er wäre ein brillanter Kopf und wüsste mehr, was auf dem Raster passiert, als alle anderen. Folglich könnte er eine potenzielle Hilfe darstellen. Die Freundschaft, die zwischen euch beiden soweit ich weiß durchaus besteht, könnte dabei auch sehr vorteilhaft sein.
\SusanGifford\: Salton, ich werde Zuse nicht fragen. Wie ich schon gesagt habe: Ich will ihn da auf keinen Fall mitreinziehen. CLU soll nicht auf ihn aufmerksam werden. Und es wäre mir lieb, wenn wir dieses Thema nicht noch einmal ansprechen würden, okay? Außerdem... soll das heißen, ICH wäre kein brillanter Kopf?
\Salton\: Das wollte ich damit nicht ausdrücken. Ich meinte nur, dass Zuse bestimmt eine Bereicherung für die White Elite wäre. Es tut mir Leid, wenn die Botschaft falsch angekommen ist.
\SusanGifford\: Schon gut, war nur ein Witz...
\Salton\: Wie ich vorhin dem Update von SPEED entnommen habe, haben sich wieder neue Rekruten gemeldet?
\SusanGifford\: Yep. Ich hab die zwei geprüft und sie passen eindeutig dort rein. Aber sie sind keine Anwärter für die Green Elite.
\Salton\: Das ist ohne Belang. Wir gewinnen an Stärke, je mehr Programme mitwirken, auch wenn sie nicht absolute Profis in ihrem Fach sind.
\SusanGifford\: Das sehe ich auch so. Ich treffe mich später mit Kay, um in einer unteren Ebene nach noch mehr Rekruten zu suchen.
\Salton\: Ist das nicht zu auffällig und gefährlich? Möglicherweise werden Wachen auf euch aufmerksam oder einer der Bewohner dort verrät dich an CLU.
\SusanGifford\: Wir bleiben natürlich diskret, wie immer. Ich werde einen Mantel überwerfen, es regnet ja sowieso.
\Salton\: Bei allem gebührendem Respekt, aber ich denke nicht, dass SPEED Führer Kyto sich lange bedeckt halten kann. Er genießt Aufmerksamkeit viel zu sehr, meiner Meinung nach.
\SusanGifford\: Das lass' mal meine Sorge sein. Kay ist Mitglied dieses Wiederstandes, ein hohes Tier noch dazu, also solltest du mehr Vertrauen in ihn haben. Ohne Vertrauen funktioniert hier sonst gar nichts, verstanden?
\Salton\: Verstanden. Ich wollte nicht schon wieder einen falschen Eindruck vermittelt. Ich habe nur manchmal das Gefühl, er könnte den Bogen überspannen und unabsichtlich etwas über den Widerstand an Leute, die es nichts angeht, preisgeben.
\SusanGifford\: Wie gesagt: Vertrauen.
\Salton\: Ich werde es mir zu Herzen nehmen.
\SusanGifford\: Na gut, ich muss dann langsam los. Gibt es noch etwas Wichtiges?
\Salton\: Nein, das wäre dann alles.
\SusanGifford\: Okidoki. Ich melde mich nach dem Rekruten-Suchen wieder. Schönen Tag wünsch' ich dir noch!
\SusanGifford\ offline
Kyto lehnte an einer Laterne am Rande einer leeren Straße, einen Schirm in seiner Rechten Hand haltend, damit seine Frisur ja nicht zerstört werden konnte. Als Susan sich ihm näherte, fing er an breit zu lächeln.
"Aw, du siehst in dem Mantel so putzig aus.", sagte er bei ihrer Umarmung zur Begrüßung.
Susan zupfte an ihrem Regen-Outfit und grummelte: "Ich bin nicht putzig, ich bin cool...", während sie ihm die Straße hinunter folgte.
Sie erreichten eine Tür, auf der ein kleines Schild hing, mit der Aufschrift:
ProFilex
Betreten auf eigene Gefahr
Susan hob unbeeindruckt eine Augenbraue. "Im Ernst?"
"Ja, es klingt etwas lächerlich. Aber hier drin treiben sich oft welche rum, die gegen CLU's Regime sind." Er ließ seinen Schirm sich in einen schwarzen Gehstock verwandeln und hielt Susan die Tür auf. "Außerdem ist die Musik toll."
Susan stieg einen langen stockfinsteren Gang hinunter und gelangte in eine hohe Halle, die nur von zuckendem Laserlicht erhellt wurde. Als sie sich umsah, merkte sie, dass Kyto nicht gelogen hatte. Die Musik, die live von vier Programmen auf einer kleinen Bühne ganz vorne gespielt wurde, war zwar etwas anders als in den anderen Clubs, aber richtig gut. Die zwei E-Gitarren erzeugten einen harten Klang, der von dem Bass noch verstärkt wurde. Der letzte Musiker stand in der Mitte, wurde von einer schimmernden Säule umgeben, die als Bildschirm und so auch als Mischpult fungierte, und ließ so die Instrumente wie elektronischen Rock klingen. Durch die vielen Programme, die im Laserlicht vor der Bühne herumhüpften, erinnerte Susan das Ganze stark an ein Underground-Konzert, bei dem sie einmal in der Userwelt gewesen war.
Plötzlich drehten sich ein paar zu ihnen um.
Susan senkte den Kopf und zog die Kapuze ihres Regenmantels tiefer ins Gesicht. "Vielleicht hätte ich doch getarnt gehen sollen...", flüsterte sie.
Kyto grinste nur. "Geh du doch derweil an die Bar dort hinten, ja?"
Da riefen auch schon ein paar Programme: "Kay ist hier!" Susan runzelte die Stirn und wurde auf einmal von einem Rudel wild gewordener Mädchen von ihrem Begleiter weggedrängt.
Kyto lachte, sagte verführerisch: "Nicht so hastig, Mädels..." und warf einem Programm links von ihm seinen Gehstock zu. Als die Band auf der Bühne ihn bemerkte, änderte sie in fließendem Übergang die Musik. Die Masse spaltete sich, sodass er nach vorne stolzieren konnte, während er von allen Seiten angefasst wurde, auf die Bühne kletterte, wo er einmal an seinen Hals tippte, wodurch sich sofort ein grün schimmernder Nadel-ähnlicher Strahl bildete, der bis zu seinem Mund reichte. Kurz sah Kyto ernst zu Susan, die wie angewurzelt dastand, und nickte zu der kleinen Bar rüber, wo er vorhin hingezeigt hatte.
Und dann begann er zu singen.
Seine Stimme wurde durch den Strahl an seiner Wange verstärkt, verschmolz mit der Musik rundherum und hallte durch den ganzen Raum. Das Publikum jubelte und gaffte und lachte. Während er die Halle mit seinen Klängen erfüllte, began Kyto zu tanzen.
Susan stand einfach nur da und starrte mit offenem Mund auf die Bühne.
Sie hatte zwar schon bei ihrer ersten Begegnung gemerkt, dass Kyto als Unterhaltungsprogramm wie geschaffen war, aber DAS?. Seine Stimme war unfassbar gut, anders als alle, die sie je vernommen hatte. Sie hatte etwas ganz eigenes, so eine Kraft, riss einen einfach mit und ließ einen träumen. Unwillkürlich drängte sich ein Bild in ihren Kopf, wie sich dieser auf der Bühne tanzende Körper an ihrem eigenen bewegte, so wie er es im 'Ultra File' getan hatte, was ein kribbelndes Gefühl in ihren Fingern verursachte und ihre Nackenhaare aufstellen ließ.
Sie schloss die Augen, biss sich auf die Unterlippe.
Plötzlich fühlte Susan sich furchtbar schuldig und sie riss erschrocken die Augen auf. Unterbewusst wusste sie, wo dieses Gefühl herrührte, doch sie unterdrückte es so gut sie konnte.
Susan atmete tief durch und konnte sich endlich wieder bewegen. Es war nicht so leicht sich durch die Programmasse zu kämpfen, doch letztendlich erreichte sie die Bar, die Kyto gemeint hatte. Da entdeckte sie einen jungen Mann mit dunkelblauer Schaltfarbe und langem braunen Haar, das ruhig auf seinem Hocker saß und sein leeres Glas anstarrte.
'Na gut, los geht's...', sagte sie sich selbst und schlenderte lächelnd zu ihm rüber. Sie lehnte sich an die Bar. "Hey."
Er sah hoch, musterte sie skeptisch und sagte dann: "Hey..."
"Tolle Musik, hm?"
"Kann sein."
"Bist du allein hier?"
"Ja."
'Mann, dem muss man alles aus der Nase ziehen...', dachte Susan sich, ließ ihr Lächeln aber nicht fallen. "Dein Glas ist leer."
"Ich weiß."
"Barkeeper!", rief Susan und schon kam ein großer Mann herüber. "Zwei von dem was er hatte." Dann wandte sie sich wieder dem nun überrascht dreinschauenden Programm zu.
"Äh... Danke..."
Sie zuckte nur mit den Schultern. "Und gibt es einen Grund warum du hier so rumsitzt und Trübsal bläst, anstatt zu tanzen?"
"Ich... äh... Ich steh nicht so auf Tanzen, ehrlich gesagt..."
"Warum bist du dann in einem Club?"
"Wegen der Drinks. Davon brauch ich im Moment viele..."
"Willst du etwa einen Overload? Da muss ich dich warnen: Ich hatte schonmal einen und ich kann mich an nichts erinnern. Meine Freunde haben mir dann erzählt, dass ich mich unmöglich benommen habe, auf der Bar getanzt und Sirenenwitze gerissen und so ein Zeug!", lachte sie.
Auch ihr Gegenüber musste leicht grinsen. "Vielleicht überleg ich's mir doch nochmal, bevor ich mich hier zum Affen mache..."
"Solltest du, ja. Aber den Drink hier..." Sie nahm dem Barkeeper die zwei Gläser aus der Hand und stellte sie auf die Theke. "... kannst du leider nicht ausschlagen."
Sie stießen miteinander an und nippte dann an ihrem Drink. "Und, wieso brauchst du im Moment viele davon?"
Sein Lächeln fiel und er sah betrübt weg. "Das... ist privat. Ich mach momentan eben eine schwere Zeit durch..."
"Dies sind schwere Zeiten für alle von uns."
Er sah hoch.
Susan schaute ihn eindringlich an. "Jeder hat die eine oder andere Geschichte ohne Happy End zu erzählen seit CLU hier das Kommando übernommen hat."
"Das stimmt...", murmelte er.
"Das blöde ist, dass sich viele einfach mit ihrem Schicksal abfinden, anstatt etwas dagegen zu unternehmen.", sagte sie und schaute wieder zu Kyto, der inzwischen von der Bühne runterkletterte und anfing mit anderen zu tanzen.
"Da hast du Recht..."
"Wäre es nicht toll, seinen Frust nicht nur mit Drinks runterzuspülen, sondern aktiv gegen die Unterdrückung vorzugehen?" Sie sprach ohne ihn anzusehen.
"Ja, wenn ich wüsste, wie..." Das Programm beäugte sie kurz. "Ähm... K-Kenn ich dich irgendwoher? Du kommst mir... verdammt bekannt vor..."
Sie trank ihr Glas leer und richtete den Blick wieder auf ihn. "Wenn du es ernst meinst, wenn du etwas gegen diese schwere Zeit unternehmen willst, dann geh in den End Of Line Club. Falls sie dich nicht reinlassen wollen, sag ihnen du wärst der Neue, sie werden schon verstehen."
Er machte große Augen. "Bist du etwa... Susan Gifford?"
Sie lächelte ihn an, sagte: "Genieß den Drink, Junge." und schlängelte sich wieder durch die tanzende Menge, schaffte es sich zu Kyto vorzuarbeiten.
"Ich hab einen. Lass uns weitergehen.", flüsterte sie in sein Ohr.
Er nickte und folgte ihr zum Ausgang.
Einige Programme riefen traurig: "Kay! Bleib hier!"
Er drehte sich grinsend um. "Ich komme bald wieder, Leute! Das 'ProFilex' ist doch mein Lieblingsclub!" Er verteilte noch ein paar Luftküsse und folgte Susan dann in den dunklen Gang nach oben.
"Echt? Das ist dein Liebling?", fragte sie.
Er lachte. "Oh User, natürlich nicht!"
