Um die Bitterkeit aus seinem Mund fortzuspülen, schüttet er so viel Zucker in den Tee, dass es beim Umrühren sandig knirscht. In seiner Hast kleckert er dunkle Tropfen auf die zerkratzte Tischplatte und füllt die milchigen Holzfasern damit aus und obwohl er immer herkommt, wenn es kalt um ihn wird, ist der Lärm des Cafés ihm heute zuviel, er kratzt an den Rändern seines Verstandes und der Impuls, ein paar Sickel auf den Tisch zu knallen und in die Einsamkeit und den Regen zu flüchten, ist so groß, dass seine Hand wie von selbst in der Tasche nach dem Geld wühlt.

Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Jugendlicher und ein Mädchen lacht kreischend und schrill auf und er will sie gerade anfauchen und sie fragen, was zur Hölle sie sich dabei denkt, als ihm die Worte im Hals stecken bleiben und alles blockieren und das Blut in seinen Adern stockt, weil er ihn sieht, er ist es und gerade will er aufstehen und hingehen und ihn schütteln und ohrfeigen, als der Junge ihn anblickt und er hat braune Augen und keine Narbe - aber er ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Sein Herz stolpert in seiner Brust und die Leere kriecht langsam wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Endlich hat er das Geld gefunden und seine Vorstellung hat ihn nicht getrogen, in der Geste wohnt tatsächlich eine große Kraft und als er es auf den Tisch wirft und - endlich - verschwindet, fühlt er sich etwas besser. Es sind nur Gespenster, die ihn verfolgen.

Die Winkelgasse ist fast ausgestorben an diesem Tag, nur ein einzelner Zauberer drückt sich unter einem blauen Regenschirm an die kalkweiße Außenwand der Apotheke. Die nassen Pflastersteine glänzen und ein paar Bonbonpapiere wehen im Sturm umher und er entscheidet sich, zu Fuß zu gehen, sein Gesicht von den Tropfen kühlen zu lassen.

Er geht an der Apotheke vorbei und wirft einen Blick auf die Auslage, als der Mann, der dort angelehnt steht, den Schirm senkt und Cormac kann keinen Schritt mehr gehen und keinen Gedanken mehr denken und er starrt auf die grauen Strähnen in dem Durcheinander von Haaren und auf die Falten, die furchentief die Wangen säumen und ertrinkt in Gefühlen und in Regen und in absurder Verzweiflung und Harry starrt zurück und geht einen Schritt auf ihn zu.

"Ich war in deinem Haus, noch an dem Abend und -", beginnt Cormac zu sprechen. Seine Stimme kratzt durch seinen Hals und das Herz puckert, wieder zum Leben erwacht, hysterisch in seiner Brust. "Du warst weg." Harrys Brille ist beschlagen und Cormac kämpft gegen das Bedürfnis an, sie von den geröteten Ohren zu pflücken und in eine Pfütze zu werfen. "Zehn Jahre, Harry! Du hast geschrieben, du wärest glücklich gewesen, du hast geschrieben, dass du - Du warst zehn verdammte Jahre weg!" Kläglich versiegen seine Worte irgendwo zwischen Bauch und Brust und eigentlich gibt es auch nichts mehr zu sagen.

Harry beißt sich auf die Lippen und Cormac will gehen und er will sich auf ihn stürzen und ihn küssen, aber er bleibt einfach stehen und lässt sich nassregnen. "Ich dachte, ich wäre zu spät, ich dachte, du und Edgar -" In Cormacs Hals formt sich schmerzhaft ein Kloß und er schluckt trocken, als Harrys Stimme durch den Regen zu ihm dringt und sie klingt genauso wie früher und er kann nicht länger -

"Ich - oh Cormac! Ich wusste nicht, dass du -" Über der Brille ziehen sich Harrys Augenbrauen wie in Trauer zusammen und er kommt noch einen Schritt näher. Sein ausgeleierter Turnschuh stößt gegen Cormacs durchweichte Lederpantoffeln und die feinen Tropfen, die von seiner Nase abprallen, treffen auf Cormacs Kinn und er kann kaum atmen.

Als der Regenschirm mit einem kurzen Klicken auf dem Pflasterstein landet und die Ärmel von Harrys Umhang sich wie eine klamme Decke auf Cormacs Nacken legen, rinnt die Leere aus seinem Brustkorb, getragen von seinem rauschenden Blut durch die Arme, aus seinen Fingerspitzen, vermischt sich mit dem Regen und wird fortgespült.

Ende.