Der Rest der Nacht verlief ruhiger als zuvor. Justin schlief eng an seinen Prinzen gekuschelt ein, während Brian ihn immer mal wieder über den nackten Rücken streichelte, oder ihm eine verworrene kurze Haarsträhne aus dem Gesicht strich.

Dies ging so weiter, bis Brian beruhigt, Justin in Sicherheit zu wähnen, einschlief.

Sie träumten gut. Denn was gab es besser als voneinander zu träumen?

Richtig, nichts!

Der Morgen kam viel zu früh, fand Brian. Er hätte gerne noch weiter geschlafen, aber die Pflicht rief.

Langsam machte er seine Augen auf. Das erste was er tat war, zu Justin zu blicken. Das zweite, zu lächeln.

Justin schlief seelenruhig an Brians Brust, und schien anscheinend noch tief im Traumland zu sein.

Brian entschied sich, ihn noch ein wenig schlafen zu lassen. Es war ja gerade mal...

Er schaute auf seine Uhr ... sieben Uhr früh.

Er würde sich heute frei nehmen. Schließlich war er der Boss, und konnte entscheiden wann er kam und wann nicht. Und heute gab es wichtigeres zu tun. Er musste mit Melanie sprechen. Sie hatten noch nicht alles geklärt, und Brian ahnte schon das Unglück heran nahen, denn es war ihm zu ruhig.

Viel zu ruhig.

Aber wahrscheinlich war es nur die Ruhe vor dem Sturm. Und darauf wollte Brian vorbereitet sein. Denn er würde Justin nicht dort verlieren. Nein!

Brian wurde beobachte. Von zwei himmelsblauen Augen die vertrauensvoll zu dessen Prinzen starrten.

Zu dessen Retter.

Er mochte Brian sehr. Er war der erste Mensch der ihm Liebe gab und ihn beschützte. Und auch wenn seine Mutter nie schlecht zu ihm war, hatte sie nie etwas getan wenn sein Vater ihn schlug.

Sie stand nur da. Und ließ das Monster seine Schlingeplfanzen holen. Ließ das Monster toben. Ließ ihn einen wundervollen Menschen zerstören.

Einen sehr sehr wundervollen Menschen.

Und Brian war der erste, der ihm dieses Gefühl gab einer zu sein. Der ihm Sicherheit bot, ohne jegliche Zweifel. Ohne etwas zurück zu verlangen. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Er war der erste der ihn verstand. Der ihn zu verstehen versuchte. Der sich mit ihm abfand.

Und er war wahrlich der erste Mensch, für den Justin okay war.

Justin wollte nicht weg von Brian. Und jedes Mal, wenn er darüber nachdachte, schmerzte es ihn.

An einer Stelle in seinem Herzen. Ganz tief.

Und es gab keine Heilung. Das wusste Justin. Denn niemand konnte ihm das geben was Brian ihm gab.

Liebe.

"Na? Schon wach?" Justin sah ein liebevolles Lächeln, mit wunderschönen makellosen Zähnen.

Justin konnte nicht anders und lächelte ebenfalls. Er mochte den Prinzen so sehr! Niemand machte ihn so glücklich wie er. Bei niemanden konnte er so bedenkenlos lächeln wie bei ihm. Und bei niemanden fühlte er sich so geborgen wie bei ihm.

Brian fühlte Justins Stirn und Wangen. Seine Temperatur war wieder im normalen Bereich, dass bemerkte Brian sofort. Er war erleichtert. Aber Justin sah dennoch müde aus.

"Sollen wir noch im Bett bleiben?" Brian schien ein vollkommen neuer Mensch in der Gegenwart von Justin zu sein. Er war eigentlich ein Morgenmensch, und hasste es untätig im Bett zu liegen.

Doch bei Justin fühlte er sich wohl dabei. Und er würde jetzt wirklich sehr gerne...

"Im ... Bett.. lie..liegen bleiben?" Justin schien in der Sprache etwas sicherer zu werden. Er sprach zwar immer noch nicht in vollen Sätzen, und auch hakte es mal bei dem ein oder anderen Wort, doch bei Brian fühlte er sich nicht mehr verunsichert, spürte keine Gefahr oder Angst, und das zeigte auch seine Sprechweise.

Brian bemerkte dies, mit unbegründeter Freude. Denn dieser Effekt schien nur bei ihm zu sein. Justin reagierte immer noch fast schon allergisch auf fremde Menschen. Ganz schlimm, wenn diese auch noch laut waren.

Babylon fiel schon mal für die nächste Zeit aus. Brian war etwas enttäuscht, da es ja seine Gewohnheit war, hin und wieder den angesagten Schwulenclub in Pittsburgh einen Besuch abzustatten.

Aber wo sollte Justin dann hin?

Alleine im Loft konnte er ihn nicht lassen. Brian hatte ein schlechtes Gewissen dabei. Ihm könnte etwas passieren?

Oh man! Brian Kinney empfand Sorge für Mitmenschen!

Auch zu seinen Freunden konnte er ihn nicht unterbringen. Erstens, niemand wusste bisher davon, außer vielleicht Debbie und Melanie, und zweitens. Justin hatte noch nicht genug Vertrauen in Debbie und Melanie schon mal gar nicht gefasst.

Es brauchte also noch Zeit. Und es gefiel dem ungeduldigen Brian Kinney zwar gar nicht, aber er musste es eben auf sich nehmen.

Damit musste er eben leben... Wenn er mit Justin leben wollte... .

"Ja, wir könnten Musik hören... magst du Musik?" Eine unnötige Frage. Denn Justins Gesichtsausdruck zufolge, wusste Justin nicht so recht wovon überhaupt die Rede war "Hörst du etwa nie Musik?" Brians Stimme klang entsetzt.

Was bei dem einen Gewohnheitssache war, war bei dem anderen gewöhnungsbedürftig.

Justin überlegte lange bevor er ein leises "Nein..." flüsterte. Er überlegte warum Brian so entsetzt klang. War es etwa schlimm?

Er wusste zwar was Musik war, aber bewusst hören tat er es nie.

Brian schien sich anscheinend damit abzufinden. "Mhh okay..." Er dachte daran, Justin einige seiner Lieder zum Anhören zu bringen, doch beim zweiten Überdenken schien dies nicht wirklich eine gute Idee sein. Er hatte nur Lieder mit ordentlich viel "Thumpa Thumpa" und er glaubte nicht wirklich, dass dies für Justin eine entsprechende Lösung war.

Oder ein guter Einstieg in die Musikwelt?

"Malen?" Justins Stimme klang freudig. Er hatte schon mit seiner Mutter gemalt. Auch mit seiner Schwester tat er es gerne.

Er vermisste sie. Immer dann, wenn er sich an schöne Zeiten erinnerte. Ohne seinen Vater.

Ohne das Monster!

Mit Debbie tat er es auch gerne.

"Du willst also malen, hm?" Brian strich ihm über die blasse Wange.

Justin drückte sein Gesicht in Brians Brust, und nickte schwach.

Was passierte nun?

"Na, dann! Warte kurz." Brian lachte auf. Er hatte eine wunderbare Idee, den Jungen zu beschäftigen.

Ja es würde ihm gefallen. Sehr sogar.

Brian ließ einen gespannten Autist im Bett zurück, während er, immer noch nur in Unterhose bekleidet, zu seinen Schrank schritt. In der unterstersten Schublade waren noch einige Sachen von Gus. Er hoffte die Fingerfarben waren noch nicht leer.

Er suchte nach ihnen. Langsam. Und musste immer wieder lächeln, wenn er den gespannten Blick Justins auf seinen Rücken spürte.

Brian gab zu, dass er ihn mochte. Sehr sogar.

"Da haben wir es!" Brian holte ein paar Tuben Fingerfarbe hervor. Sie waren zwar halb leer, aber es würde noch genügen um eine Portion Spaß zu haben.

Mit den Tuben bewaffnet legte er sich wieder ins Bett. Am liebsten hätte er sich darauf geworfen, so wie er es immer tat, aber er beließ es dabei, aus Sorge Justin zu ängstigen.

Brian machte alle Tuben auf und warf die Aufschraubdeckel weg.

"Na komm schon." lachte er, als er Justins intensiven Blick auf der Tube sah "Hier." Er übergab sie Justin, und wartete geduldig, bis dieser sie in seine kalten Hände nahm.

Doch er schien etwas verwirrt zu sein.

Und in der Tat das war er auch. Denn... Ja wo waren denn die Blätter?

Er schaute noch verwunderter drein, als Brian anfing die Paste auf seinen Finger zu tupfen.

Justin wartete bedächtig auf Papier, doch was Brian stattdessen machte, schockierte ihn. Er strich sich die Farbe bewusst auf den Arm.

Was tat der Prinz denn da? Er würde doch jetzt ganz viel Ärger bekommen! Denn man durfte sich nicht absichtlich schmutzig machen.

"Nein!" Justin nahm die Tube aus Brians Händen. Er hielt sie an seine Brust. Der Prinz sollte keinen Ärger bekommen. Viel lieber würde er alles auf sich zu nehmen. Er wollte den Prinzen schützen. Schützen vor allem.

"Warum denn nein? Ich dachte du wolltest malen." Brian lächelte verstehend. Er hatte schon mit einer solchen Reaktion gerechnet. Justin kannte von Zuhause nicht derartigen Spaß. Aber nun war er dort weg und bei ihm. Da wo alles erlaubt war.

Da wo alles okay war.

"Ärger!" Justins Wort klang ängstlich, aber auch trotzig. Was verstand der Prinz denn daran nicht?

"Nein du bekommst keinen Ärger." Brian musste sich nun das Lachen verkneifen.

"Nein, aber ... aber... du!" Dies schien Brian wieder etwas ernster werden zu lassen.

Justin hatte also keine Angst um sich... sondern um ihn!

Das gab Brian die Bestätigung, dass Justin nun vollends Vertrauen in ihm gefunden hatte. Denn er mochte ihn.

Deswegen nahm er sich auch die Erlaubnis einige Sachen klar zustellen, die seine Eltern völlig verrutscht hatten.

"Justin, wir bekommen keinen Ärger. Niemand kriegt Ärger. Denn man schimpft nur wenn man etwas schlecht tut. Und wir machen gerade nichts schlechtes hörst du? Sich mit Farbe zu beschmieren ist nicht schmutzig. Das ist Spaß! Kind sein... Bei mir wirst du so schnell keinen Ärger bekommen. Beruhigt?" Brians Stimme klang ruhig und sanft.

Und Justin verstand es. Langsam und bedächtig entfernte er die Tube von seiner Brust und schaute sie lange und ausgiebig an, bevor er sich ebenfalls etwas auf seinen Finger tupfte, nur um es danach den Prinzen gleich zu machen.

Ihr Lachen war noch lange zu hören. Beide beschmierten sich mit den unterschiedlichsten Farben und ihre eigenen Farbmischungen. Es machte ihnen Spaß.

Welch weiche Haut er hat! dachten beide zeitgleich. Und als ob sie gewusst hätten, was sie gerade feststellten, lächelten sie wieder.

Justin schien das erste Mal befreiter zu sein. Eigener. Er redete sogar ab und zu ohne Aufforderung. Und er lachte... lachte sogar viel.

Zwar nicht laut und lange, aber immer mal wieder. Dies ließ Brian unwillkürlich strahlen. Er fühlte sich gut. Sehr gut. Und das nur Dank Justin.

Und auch Justin fühlte sich gut. Und dies nur Dank seines Prinzen Brian.

Ihr Spiel wurde zerstört als es an der Tür klopfte.

Brian ahnte schlimmes. Sein Herz fing an schneller zu schlagen, sein Bauch kribbelte, sein Augen weiteten sich. Doch weder aus Glück, Freude oder Erregung, so wie man es sonst von Brian kannte.

Nein, das erste Mal war es aus Angst.

Wer klopfte da? Er erwartete keinen Besuch, und seine Freunde riefen davor immer an. Mikey würde einfach so hereinkommen. Wusste er doch, dass Brians Loft so gut wie nie abgeschlossen war, wenn er daheim war.

"Bleib hier." Brian erzwang sich ein Lächeln. Er wollte Justin nicht beunruhigen.

Nicht wissend, dass er es schon getan hatte.

Denn Justin wusste wie sich Angst anfühlte. Er kannte es zu gut. Und er wusste, dass Brian diese empfand. Es war wahrlich in der Luft zu spüren! Und mehr... .

Brian schritt, ungeachtet dessen, dass er nur mit Unterhose bekleidet war, zur Schiebetür.

Er fragte nicht wer dort ist. Er sagte nichts.

Er zögerte ebenfalls nicht als er die Schiebetür zur Seite zog.

Denn wer ihm Justin wegnehmen wollte, der würde es nicht schaffen! Und er würde sich sicherlich nicht verstecken.

Nicht wissen, dass er es schon bald tun musste.

"Brian! Schon mal was davon gehört, dass man sich etwas überzieht bevor man die Türe öffnet!" Melanie stöhnte genervt auf und schritt ohne Einladung Brians ins Loft "Ist er hier?"

Brian nickte, etwas überrumpelt von Melanies ungebetener Anwesenheit schob eilig die Tür zu und gesellte sich zu Melanie an den Küchentisch.

Diese hatte sich hingesetzt, und eine Menge an Dokumenten, wahrscheinlich juristische, dort verteilt.

"Setz dich." forderte sie ihn kühl auf.

Brian war zwar immer noch überrascht, setzte sich aber dennoch, noch immer in seiner Shorts und von oben bis unten mit Farbe bekleckst an den Küchentisch gegenüber Melanie.

"Wo bist du denn reingefallen?" lachte Melanie plötzlich als sie Brian genauer ansah.

Auch Brian lächelte leicht als er an die lustigen Malversuche von Justin dachte.

In der Tat. Brians Brust war voll geschmückt mit Blumenbildern, Tierbildern, und undefinierbaren Farbklecksern.

"Komplizierte Geschichte." wiegelte Brian ab. Dieses Erlebnis sollte nur Justin und ihm gehören.

Wissend, dass sie bald andere Zeiten durchzustehen hatten.

"Na gut." Melanie schien sich langsam ein zukriegen. Sie schaute Brian lange und durch dringlich an. Bevor sie ein leises, fast schon mitleidiges "Brian du hast keine Chance." aussprach.

Brian hörte ihre Worte. Doch antworten konnte er nicht. Denn genau in diesem Moment kam Justin aus dem Schlafzimmer zu ihnen. Als er Melanie erkannte blieb er abrupt stehen. Aus ängstlichen Augen streckte er seine Arme nach Brian aus.

Er wollte jetzt viel lieber von Brian gehalten werden. Er wollte diese Angst nicht mehr spüren. Es gefiel ihm nicht mehr. Er wollte nur noch Brian spüren. Diese Wärme, diese Geborgenheit die seine Berührungen verursachten.

Brian verstand. Er sah kurz zu Melanie "Doch hab ich." flüsterte er nur für sie hörbar.

Langsam kam er Justin entgegen und lächelte ihn an. Er war froh von starker Natur zu sein. Er war froh eine Barriere zu haben, die er wenn nötig einsetzen konnte.

Denn er wollte nicht, dass Justin mitbekam wie es nun wirklich stand. Wie er sich wirklich fühlte.

Nein, denn er war sein Prinz!

Er nahm in den Arm und nahm ihn dann mit zum Küchentisch. Er setzte sich auf seine Stuhl und zog Justin auf seinen Schoß.

Welch leichtes, süßes Gewicht er doch hatte.

"Justin, das ist Melanie." er deutete damit auf Mel, und Justins Blick wanderte kurz darauf ebenfalls zu dem ungebetenen Gast. "Sie ist eine Freundin von mir." Brian räusperte sich, und gab Melanie das Zeichen nun bloß nichts zu sagen. Sie könnte ihn ruhig später dafür foltern, das Wort "Freundin" und ihren Namen im gleichen Satz und am schlimmsten, im Zusammenhang miteinander erwähnt zu haben.

Dies hatte Zeit. Ganz im Gegenteil die Angelegenheit mit Justin.

"Hallo, Justin." setzte Melanie ihr gekonntes Anwälte-Lächeln auf.

Sie streckte Justin ihre Hand entgegen, doch dieser wich zurück und verbarg sein verschmiertes Gesicht in Brians ebenfalls von Farbe beschmierten Halsbeuge.

"Keine Angst." flüsterte Brian, ohne Erfolg.

Justin drückte sich nur noch enger an ihn, hob aber wenigstens wieder seinen Kopf und schaute Melanie an.

"Sie tut dir nichts." versuchte es Brian weiter und strich Justin über sein Gesicht.

"Spa..Spaß." sagte Justin und deutete damit auf Brians Farbkleckser auf seiner Haut. Auch auf seine nackte Brust deutete er.

"Mhh, das sieht man." lächelte Melanie.

"Holst du uns einen Lappen?" Brian strich mit seinen Fingern über Justins zarte Haut.

Erst als Melanie wieder mit einem Lappen zurück kam, ersetzte Brian seine Finger mit ihm. Er strich mit dem Warmen Tuch über Justins Haut, und wischte somit einige Farbreste weg.

"Hier willst du?" Brian gab Justin den Lappen und ließ es zu, dass dieser Brian seine Brust abwischte, statt seine eigene.

"Mel, du siehst ja, ich kann ihn nicht alleine lassen, dafür ist er noch zu ängstlich. Könnten wir das heute Abend besprechen? Oder haben wir wirklich so wenig Zeit." Er versuchte so indirekt wie möglich zu reden. Brian wollte nicht, dass Justin wusste, was sie besprechen wollten.

Zwar litt Justin an Autismus, aber er würde es trotzdem verstehen.

Die Tatsache, dass ihm nicht mehr viel Zeit bei seinem Prinzen blieb.

Die Tatsache, dass er nicht mehr lange in Brians Prinzenschloss leben durfte.

"Brian die Zeit wird knapp. Sehr knapp. Wir müssen langsam sehen wie wir weiterkommen." Melanie schaute mitleidig auf das blonde Bündel, dass Brians Brust mit dem Lappen abwischte.

Brian legte locker einen Arm um Justins Bauch und streichelte die nackte Haut dort zärtlich.

"Mel, ich weiß. Aber... ach ich weiß doch selbst nicht was ich tun soll. Die ganze Sache ist völlig außer Kontrolle. Craig meinte er wird die Behörden einschalten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis ein Schreiben kommen wird. Oder direkt die Bullen, die mir Justin wegnehmen. Die wissen ja wo ich wohne, Craig kennt meinen vollen Namen." Brian wurde mit einem Mal blasser als zuvor.

"Beruhig dich erstmal, wir schauen, wir wir das hinkriegen. Du bist nicht alleine. Wir werden dir alle helfen. Ich informiere später die anderen und erkläre es ihnen, ich denke das willst du nicht freiwillig auf dich nehmen." Sie zwinkerte Brian zu, und schaute dann unauffällig zu Justin. Aber dieser schien nicht wirklich mit zubekommen über was geredet wurde.

Es interessierte ihn viel mehr, Brians Brust zu berühren, zu streicheln, mit dem Lappen darauf zu tippen, zu wischen. Er mochte Brians Brust. Sie war straff und trotzdem so unendlich weich und warm. Und er konnte Brians Herzschlag fühlen, wenn er seine Hand auf seine linke Brustseite hielt, und sich ganz doll konzentrierte.

Er würde den Trick Brian später beibringen. Aber nur ihm! Melanie durfte es nicht wissen. Denn es war etwas dass nur zwischen Justin und Brian sein sollte. Nur sie sollte es verbinden. Denn schließlich schlugen ihre Herzen füreinander.

Melanie stand auf und machte in der Küche einen Kakao für Justin. Sie pflegte schließlich Brians Sohn Gus, da wusste man wie man mit Kindern umging. Und Justin würde ein wenig Schokomilch bestimmt gut tun.

"Hier." lächelte sie als sie ihm das Glas brachte. Sie nahm ihre Tasche auf den Tisch und suchte nach...

"Da haben wir's." Sie hielt ein Malbuch hoch. Von Debbie erfuhr sie, dass Justin gerne malte, am meisten Tierbilder. Deswegen hatte sie sich ein Malbuch von Gus ausgeliehen. Er hatte schließlich genug davon, und benutzen tat er sie dennoch nicht oft.

Brian schien Melanies Vorgehensweise zu verstehen.

"Justin? Was hältst du davon, wenn du noch ein wenig malst, und danach unternehmen wir noch etwas, vielleicht auch ein Ausflug, okay?" Brian schaute Justin auffordernd an.

"Mit dir." Zwei Worte die Brians Herz erwärmten.

"Justin, ich muss noch etwas mit Melanie besprechen. Es ist auch nichts schlimmes. Aber es ist eben sehr wichtig. Wir machen danach auch etwas zusammen, versprochen." Brian knuffte Justin in die Seite, was dieser erschrocken wahrnahm.

Doch als er Brian lächeln sah, lächelte er auch und nahm dann zögerlich das Malbuch und den Kakao von Melanie an.

Er schritt zum Bett wo die Fingerfarben noch lagen und fing an zu malen. Die Bettdecke war sowieso ruiniert, also machte es Brian auch nichts aus, als Justin sie noch mehr "dekorierte".

"Okay Mel, schieß los." Brian beugte über dem Küchentisch etwas vor.

Melanie nahm ein Dokument in die Hand "Die Behörden werden sehr bald kommen Brian! Es ist ein Wunder das sie nicht schon da waren, aber es kommt natürlich auch darauf an, wann Craig sie benachrichtigt hatte. Sie lassen sich manchmal 24 Stunden Zeit, und wenn bis dahin nichts passiert ist, dann schreiten sie ein. Und diese sind nun nach deinem letzten Telefonat mit Craig um. Du musst die Sache mit Kopf angehen. Du kannst Justin hier nicht verstecken. Es würde ihn verängstigen, und es würde einen Rückschlag für seine Gesundheit bedeuten."

Brian wollte Melanie nicht verstehen. Sie hatte doch versprochen ihm zu helfen!

"Aha und wenn ich ihn gehen lasse, dann wird sein brutaler Vater kein Rückschlag für seine Gesundheit sein? Mel, ob du es glaubst oder nicht, mir bedeutet der Junge etwas! Und selbst wenn es schwer zu verstehen ist, was ich euch nicht verüble, schließlich kennt ihr mich ja ganz anders, aber ich lasse Justin nicht so einfach gehen. Ich hatte selber keine schöne Kindheit." Er schluckte bei den aufgekommen Erinnerungen "Ich weiß wie das ist." setzte er noch murmelnd hinzu.

Brian strich sich fahrig übers Gesicht und versuchte wieder professionell auszusehen. Er hatte nun genug Schwäche gezeigt. Nun musste er wieder stark sein. Stark für Justin.

"Brian, schau, ich verstehe dich. Aber wie meinst du wird das ausgehen? Du hast jetzt schon eine Menge am Hals hängen, und nach deiner Vergangenheit zu mutmaßen, wird das auch nicht wirklich gut für dich aussehen. Brian das ist Kindessentführung! Du bist nicht sein Vormund! Du musst dich jetzt stellen. Ich kann dir dann noch helfen und wir können das dann noch vor Gericht hinkriegen, überlass das mir. Du würdest zwar bestraft werden, aber nicht so hart, ich würde schon was machen! Aber wenn du jetzt weg läufst, dich versteckst, und Justin gleich mit, dann kann ich nichts tun! Mir sind die Hände da gebunden. Du hast kein einziges Recht, dass dir so ein Verhalten erlaubt."

"Sein Gewalttätiger Vater vielleicht?" Seine Stimme war voller Wut, doch er unterdrückte sie und blieb auf einer leisen Ebene, damit Justin nichts mitbekam.

"Dann kannst du das Jugendamt einschalten, oder es als Grund nennen, da lässt sich was machen Brian. Wenn es gar nicht geht, würde Justin auch in ein Pflegeheim kommen, wäre vielleicht auch nicht die schlechteste Lösung. Nach unserem Gespräch im Diner scheinen ja seine Eltern überfordert mit ihm zu sein. Und auch Justin tut das ganze nicht gut. Wir können das regeln Brian. Also stell dich, ich werde dir helfen."

Brian wollte vor Wut toben. Er wusste, Melanie hatte Recht, aber er konnte es einfach nicht einsehen.

Es war doch nicht der einzige Grund warum er Justin nicht zurücklassen wollte!

Er wollte Justin niemals schaden, und er wusste wie sehr er sein Zuhause verabscheute. Aber wer würde einen autistischen Jungen schon ein Ohr schenken, wenn sein scheinheiliger Vater anfangen würde zu jammern wie sehr er sich doch um Justin gesorgt hatte.

Hatte man ja gesehen. Wie er dastand, als Brian Justin mitnahm. Aber die Nachbarn sollten ja bloß nichts erfahren!

"Mel bitte, hör auf nachzufragen. Bitte, vertrau mir einfach! Nur dieses eine Mal! Ich bitte dich nur dieses eine Mal. Ich kann ihn nicht zurücklassen. Und ohne deine Hilfe steh ich das nicht durch. Bitte. Stehst du zu mich?"

Melanie musste erstmal ihren Schockmoment überwinden. War das der Brian Kinney den sie kannte? Wohl kaum...

Genau in dem Moment als sie zu einer Antwort ansetzen wollte, klopfte es an der Türe.

Brian und Melanie schauten erst sich und dann gespannt auf die geschlossene stählerne Tür.

Wer hätte es wohl sein können? Melanie hatte noch niemanden von Justin erzählt. Und auch Brian erwartete keinen Besuch.

Er traute sich anfangs nicht zu antworten, und dies schien auch nachträglich besser zu sein.

Denn genau in diesem Moment, wo Brian sich doch noch überwand und ansetzen wollte, hörten beide zwei dunkle Stimmen:

"Durchsuchungsbefehl, Herr Kinney!"

Die Welt schien stehen zu bleiben.