9. Dezember: 16 sein ist nicht leicht
Das Fläschchen, das Minerva für ein Gegenmittel gehalten hatte, war dieselbe Flüssigkeit gewesen, die auch schon Severus getrunken hatte. Aber das hätte sie ja nicht wissen können. Woher auch? Nun war auch Remus wieder 16. Das gefiel ihm aber gar nicht. Immerhin hatte er sich in diesem Alter so gar nicht durchsetzen können, auch wenn er damals Vertrauensschüler gewesen. war. Da konnte man sich nur eine Frage stellen, die man sicher immer in solchen Momenten stellte: Wieso immer ich?
Severus hingegen fand die ganze Sache mehr als amüsant. Immerhin war er jetzt nicht der Einzige, der hier als 16-jähriger Teenie rumrennen musste(abgesehen von denen, die von Natur aus 16 waren). Der ehemalige Slytherin hatte sich noch ganzen Abend über lustig gemacht über den Werwolf. Zusammen hatten sie aber dann schlussendlich ein paar Becher Glühwein gekippt und sich über die Mädchen lustig gemacht, die Severus verfolgten. Vielleicht war das der Beginn einer Freundschaft? Während Hermine nicht von Snapes Seite wich, klebte an Remus ein anderes Mädchen.
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In seiner neuen Tarnung und mit Remus an seiner Seite betrat Severus den Speisesaal und sah sich um. Remus zog ihn, ehe er sich in eine Ecke verkrümeln konnte, zu dem Tisch an dem Harry saß. „Nicht schon wieder …", murmelte dieser. Remus hatte gestern sehr wohl mitbekommen, dass zwischen Severus und Hermine etwas vorging.
„Guten Morgen!", kam es fröhlich über Remus Lippen, „dürfen wir uns setzen?" Nachdem die Kinder nickten, schubste er Severus auf einen leeren Stuhl neben Hermine und ließ sich selbst neben Harry nieder. Anscheinend hatten sie den gestrigen Abend gut überstanden.
„Morgen", grummelte Severus und zog sich die Kapuze seines Pullis weiter ins Gesicht. Er wollte weiterhin ohne kreischende Mädchen bleiben. Obwohl Luna gestern noch verbreitet hatte, dass nichts gewesen ist, waren sie immer noch hinter ihm her!
Hermine lachte über den Tränkemeister und sah sich um. Wie gestern fuhren einige Köpfe herum und suchten den Raum ab. Es war doch irgendwie lächerlich. Immerhin hatten die alle keine Chance. Lächelnd reichte sie Severus eine Tasse schwarzen Kaffee. „Na, gut geschlafen?" Er nickte nur zur Antwort. Er sah sie nicht einmal an, sondern schien abwechselnd Remus und die Blondine ihn gegenüber zu beobachten. Hermine beugte sich zu ihm rüber und fragte den Schwarzhaarigen flüsternd: „Sag mal, geht zwischen den beiden etwas?"
Severus grinste. „Ich bin mir nicht sicher, aber er hat gestern noch die ganze Zeit so gegrinst!", berichtete er flüsternd. Es war schon seltsam: Kaum war man wieder 16 Jahre alt, sah man alles anders und benahm sich sogar anders. Mysteriös. Vielleicht war in dem Trank auch etwas anderes gewesen.
Ein Raunen ging durch bei den anwesenden am Tisch und Sev und Hermine wandten auch ihre Blicke zur Tür. Severus verdrehte augenblicklich die Augen. Da stand die Clique, die am meisten auf sich hielt: Francesco, der Macho und seine beiden Mädels Chantalle und Arabella. Sie stolzierten durch den Raum, schubsten hier und da die umstehenden Schüler zur Seite und kamen vor dem Tisch unserer Protagonisten stehen. „Das ist unserer!" Francesco stand mit verschränkten Armen vor ihnen, flankiert von seinen Mädchen, von denen man nie wusste, welche gerade seine Freundin war.
Bevor Severus oder Remus etwas machen konnten, erhob sich Luna und sah wütend drein. Das war für alle etwas Neues. Man hatte sie noch nie so erlebt. „Wir saßen schon gestern hier, also CIAO!"
„Oh, versucht sich da jemand gegen uns aufzulehnen?", erklang es hinter der Blonden. Hinter ihr standen Ian und Miranda. Die beiden gehörten nur zum Teil zu der Clique. Aber genug davon. „Los zieht ab!"
Nun erhob sich auch Remus. „Das könnt ihr nicht machen. Da drüben ist ein leere Tisch, wieso nehmt ihr nicht den?", fragte er in einem normalen Ton, doch man sah ihm an, wie schwer es ihm fiel sich nicht aufzuregen.
Plötzlich stand Francesco ganz nah bei ihm. Und sah ihn von oben herab an. Der 7. Klässler ließ sich ungern was von Jüngeren sagen. Und das Lupin gerade 16 war, kam ihm sehr gelegen. Bedrohlich stand er da und der Werwolf schluckte. „Woher nimmst du dir das Recht dich mir in den Weg zu stellen? Ich bin ein Slytherin, sehe besser aus und habe mehr Kompetenzen. Außerdem bin ich im Moment älter als du, also zieht ab, ihr Abschaum!"
„Das Haus soll euch holen!", zischte Severus und zog Hermine auf und mit sich. Die anderen folgten ihm schweigend. Hinter sich hörten sie die super-coole Clique lachen.
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Albus war erstaunt gewesen, dass das Ganze beim Frühstück so glatt gegangen war. Jetzt jedoch schritt er durch die Gänge und überlegte, was er noch mit den Kindern machen sollte. Vielleicht war ein verpflichtender Skitag eine gute Idee. Immerhin waren sie ja quasi deswegen hier. Gerade bog er um die Ecke und stieß mit einem schwarzhaarigen Jungen zusammen, der sofort finster dreinblickte. „Tut mir leid! Sag mal, Severus, was hältst du von einem Skitag?"
Verständnislos blickte der Junge den alten Mann an. „Nicht viel, aber ich bin nicht …"
„Ach komm schon, mein Junge, die anderen wären bestimmt erfreut über die Idee!", versuchte Albus die Idee schmackhaft zu machen. Der Junge sah ihn nur weiterhin finster an, weil er nicht ausreden durfte.
Plötzlich kamen Remus und Severus um die Ecke und hielten hinter Albus an. „Albus …?", begann Snape und Remus musste sich beherrschen um nicht zu lachen. „Brauchst du etwas?" Wieso verwechselte ihn immer jeder mit diesem Jungen da?
Der Schulleiter wandte sich um und sah zwischen den beiden Schwarzhaarigen hin und her. „Oh … Mr. Avernus! Das nächste Mal outen Sie sich gleich!" Wieder sah der Junge ihn finster an, eher er sich aus dem Staub machte. „Sag mal Severus, sicher, dass du nicht mal was, mit deiner Nachbarin hattest?"
„Ich bin mir ziemlich sicher, das dem nicht so ist!", knurrte Severus. Langsam reichten diese Unterstellungen ziemlich. Er und ein Kind? Das war doch lächerlich! Außerdem würde er irgendwo runterspringen, würde eine Frau ihm sagen, sie wäre schwanger. „Aber was wolltest du von ihm?"
Da Albus erkannte, das mit Severus im Moment nicht gut Kirschen essen war, zuckte er nur mit den Schultern. „Ach nichts … schönen Tag euch beiden noch! Und nehmt euch vor den Mädels in acht!", scherzte der Alte, wohl wissend, an wen die beiden dachten.
Nachdem sich der Schulleiter aus dem Staub gemacht hatte, und zwei verwirrte junge Männer zurück gelassen hatte, verabschiedete sich auch Severus von Remus. Dieser wollte nur nach etwas sehen. Da Remus nichts vor hatte, entschied er sich einfach weiter herum zu spazieren. Was sollte schon passieren? Doch immer wenn man das dachte, kam es zu Komplikationen. So auch jetzt, als er um die Ecke bog und sah, dass jemand in Bedrängnis war. Eine Bande Slytherins umringte wieder einmal Luna und wollten ihr etwas wegnehmen und sich über sie lustig machen. Sofort zog Remus seinen Zauberstab und entwaffnete die Umstehenden. „He! Lasst das Mädchen in Ruhe, oder ich verwandelt auch in Kröten!"
So überrumpelt ergriffen sie sofort die Flucht und schubsten Luna gegen Remus. Die beiden verloren das Gleichgewicht und Luna landete auf Lupin. Ihre beiden Gesichter vis-à-vis, sahen sich die beiden an. „Dankeschön … Sie sind ein besserer Retter als Severus Snape!", hauchte Luna und sah dem Werwolf tief in die Augen. Sie fühlten sich beide verzaubert. Langsam näherten sich ihre Lippen.
„He, ihr beiden!", kam es plötzlich von der Seite und sofort standen die beiden nebeneinander. Emma Hudson und James Evans. Arm in Arm. „Wie geht's euch?"
Als hätte man sie ertappt, liefen sie rot an. Luna fand als erster ihre Stimme wieder. „Gut. Euch auch wie es scheint. Was treibt euch zum Spazieren gehen?" Das sie gerade fast Remus Lupin geküsst hatte, ließ ihr Herz immer noch rasen. Was war nur los? Das war die seltsamste Adventzeit seit langem. Ja, seltsamer als letztes Jahr! So redeten die 4 Jugendlichen noch eine Weile miteinander.
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„Ein Skitag?", kam es entrüstet von Severus. Er und Hermine hatten die Erlaubnis bekommen in das Dorf zu gehen. Immerhin brauchte er was Anständigeres zum Anziehen. „Wann hat er das verlautet?"
„Bevor wir weggegangen sind. Anscheinend will er uns alle nur noch quälen!", scherzte Hermine und zog ein dunkelblaues T-Shirt von einer Ablage. Das würde zu seinen neuen Hosen passen. Sie entfaltete es und hielt es ihm hin. „Könnte passen!" Schon lag es ganz oben auf dem Berg Kleidung, dass Severus schon am Arm hatte. Wieso hatte er sie auch mitgenommen? Das alles zu probieren würde Stunden dauern.
Und das tat es auch beinahe. Hermine schaffte immer mehr neue Kleidung an und Severus musste alles anprobieren und der jungen Granger vorführen. Das gefiel ihm nur zeitweise, denn er hatte auch Sachen dabei, die ihm nicht gefielen. Hermine kommentierte alles und bald hatten sie neue ansehnliche Sachen und es war farbenfrohe, als sich die Gryffindor ihren Zaubertränkelehrer jemals vorgestellt hatte.
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Es war dunkel, als sie wieder im Haus waren. Der Tag war für alle sehr seltsam gewesen und morgen würde es ihnen vermutlich nicht besser ergehen. Remus und Severus waren bereits dabei sich Bett fertig zu machen, als sie eine Nachricht von Rons kleiner Eule erhielten. Es war ein Brief von Hermine: „Kommt in Harrys Zimmer … It´s Partytime!" So etwas überhaupt von einer Musterschülerin wie zu lesen war amüsant. Und die beiden Neo-Teenies ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen. Irgendwie waren sie schon zu einer kleinen Clique zusammen gewachsen. Hätte es zu Severus Schulzeit auch solche Freunde gegeben, wäre er vermutlich nie zu den Todessern gegangen.
Bei den anderen im Zimmer, lief bereits Musik und der Raum war mit einem schalldichten Zauber belegt. Hermine schien den Raum außerdem ein wenig vergrößert zu haben und hatte eine Bar eingezaubert. Wo sie wohl den Alkohol herhatten? Doch das interessierte die ehemaligen Professoren im Moment wenig. Viel mehr stürzten sie sich ins Getümel.
