Vier Reviews? Ihr lasst nach, Leute!
Wäre es möglicherweise machbar, dass nicht nur jeder 25. ein Review schreibt? Probieren wir das doch mal bis zum nächsten Mal aus, ok?
Sonst kann ich nicht updaten, weil ich aus lauter Frust unter dem Tisch liege ...
:P

Trotzdem bedanke ich mich ganz sehr bei

Adsartha: Danke, hatte ich. Wofür der Zauber gut ist, kann ich leider noch nicht verraten, sonst hätte Sirius das gesagt. Kann doch die Spannung nicht rausnehmen ;) Wie lange die Phasen dauern, hängt - sehr extrem - vom Schüler ab, alle drei zusammen aber mindestens ein paar Monate ...
Trovia: Freut mich, dass dir das Kapitel - bis auf diese Ausnahme - gefällt. Hab mir da aber gedacht, in Anbetracht der Umstände ist das hier vertretbar. Aber hast recht, das ist Ansichtssache ... Den Kopf mach ich mir schon nicht - wart eben ein bisschen länger mit den Updates, wenn keine Reviews kommen
:P Jaja, immer diese Motivationsprobleme ...
Ela3: ganz rot werd Weiß ja gar nicht was ich sagen soll bei so viel Lob ...
Sanny: Bitte sehr, das neue Kap. ...

dass sie mir gereviewt haben und wünsche viel Spaß beim Lesen!


Einen neuen Zauberstab


„UAAAHH!"

Neville schrie entsetzt auf und krabbelte schleunigst mehrere Meter rückwärts, als ein undefinierbares Irgendwas pfeilschnell aus einem Kessel sprang, den er gerade säuberte.

Harry und die anderen sahen auf und blickten gespielt interessiert zu, froh, ihre grauenvolle Arbeit für kurze Zeit unterbrechen zu können. Vor sechzig Minuten hatten sie mit ihrer Strafarbeit begonnen. Zwei Wochen Kesselputzen, beaufsichtigt von Snape persönlich!

Mit was hatten sie das nur verdient!

Schon nach so kurzer Zeit waren ihre magischen Putzhandschuhe, die Dumbledore ihnen hatte besorgen lassen, da sie keine Zauberstäbe verwenden durften – auch das noch, es wäre mit schon schwierig genug gewesen! –, und die bis zu den Ellenbogen hoch reichten, bis oben schmutzig und schillerten in den verschiedensten Farben.

Boshaft grinsend hatte Snape ihnen besonders dreckige Kessel vorgesetzt, die man gar nicht mehr der Reinigung für würdig befunden hatte, sondern lieber neue bestellte. An den Wänden klebten angetrocknete Zaubertrankreste, die sie mühevoll mit einem speziellen Putzmittel lösen mussten.

Jetzt verstand Harry auch, wieso sie für diese Arbeit magische Handschuhe benötigten: Sobald die Kruste sich einigermaßen verflüssigte, fing sie sofort an zu dampfen oder zu blubbern oder zu zischen. Einmal war ein Tropfen auf Lunas Umhang gespritzt und hatte ein nicht zu kleines Loch hineingebrannt! Er wollte gar nicht wissen, was dieses Zeug mit seiner Haut anstellen würde.

Hinzu kam, dass einige Trankreste beinahe eine Art Eigenleben entwickelten und mit zähflüssigen Tropfen, eingedickten Zutaten oder kochenden Blasen um sich schossen, wodurch die Putzkolonne nicht selten gezwungen war, schnellstens in Deckung zu gehen!

„Also das war der Grund, weswegen du gestern nachsitzen musstest", nahm Hermine ihr Gespräch flüsternd wieder auf, als es bei Neville wirklich nichts mehr zu sehen gab und Snape sie bereits zum zweiten Mal ermahnt hatte, diesmal unter der Androhung von Punktabzug, „Siehst du, Harry, du hast dir ganz umsonst Sorgen gemacht! Ich nehme an, dass du in nächster Zeit öfter nachsitzt?"

– „Mh hmm", stimmte ihr der Junge geistesabwesend zu, während er versuchte, eine besonders hartnäckige Verkrustung zu knacken, und sah mit seiner pilotenähnlichen Schutzbrille erst auf, nachdem er es endlich – unter Zuhilfenahme eines Vorschlaghammers – geschafft hatte.

„Täglich", teilte er seinen beiden besten Freunden mit und verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen, „Sirius hat mir aufgetragen, regelmäßig irgendwas mit ihm anzustellen, für das er mich nachsitzen lassen kann."

Ron grinste verstehend zurück: „Du warst also der Kerl, der seine Haare beim Frühstück in violette Zöpfchen verwandelt hat?"

Ein schadenfrohes Nicken Harrys. „Nachdem ich ihn mit einem schönen großen Eimer voll eiskaltem Wasser geweckt hatte; ihr wisst doch, wie gern er früh morgens aufsteht ..."

– „Wie gemein!" Ron schnappte entrüstet nach Luft (Snape zog ihm zornig zehn Punkte für seinen lauten Ausruf ab), konnte dann aber doch nicht anders und lachte los, so heftig, dass er um- und hinter Harry fiel und somit einem zischenden, blutroten Tropfen auswich, der dicht an seinem Kopf vorbeisauste.

„Wenn wir gerade von Sirius reden ...", wechselte Hermine (die es bei Harrys Ausführungen auch nicht schaffte, ernst zu bleiben) das Thema und duckte sich ihrerseits unter einem heißen Tropfen hinweg, der mit beängstigender Geschwindigkeit auf sie zu raste, „Ich frage mich immer noch, wieso wir ihn an Halloween als ‚Mimas' auf der Karte des Rumtreibers gesehen haben, eigentlich hätte doch sein richtiger Name erscheinen müssen!"

– „Gute Frage ohne Antwort", kommentierte Ron gleichmütig und schubste schnell Harry aus der Flugbahn eines weiteren Tropfens.

– „Mit Antwort", korrigierte der Junge, der nun rücklings auf dem Boden kauerte, gequetscht und setzte sich auf, „Ich hab ihm die Karte des Rumtreibers gebracht, nachdem Remus sie mir zurückgegeben hatte. Immerhin will ich nicht, dass er von Bellatrix überrascht werden kann. Da hat Remus ihm dann genau die gleiche Frage gestellt", Harry zuckte mit den Schultern und verschwand wieder zur Hälfte in seinem Kessel,

„Merlin hat ihm wohl einen alten Tarnzauber gezeigt, mit dem man die Karte in diesem speziellen Fall täuschen kann – Sirius wollte nicht mit seinem Namen darauf erscheinen, für den Fall dass sie konfisziert und in falschen Händen wäre ..."

Ron pfiff anerkennend durch die Zähne: „Hat er gut mitgedacht! Als vermeintlicher Massenmörder war das eine gute Vorsichtsmaßnahme!"

– „Wenigstens hat Professor Dumbledore heute morgen nicht wieder hunderte von Eulen erhalten, weil er diesen vermeintlichen Massenmörder als Lehrer eingestellt hat", seufzte Hermine, schüttelte genervt den Kopf und holte sich einen weiteren Kessel – gute Güte, wie hatte der nur so schmutzig werden können? „Wenn ich an das Chaos gestern beim Frühstück denke ..."

– „Also, da hast du wirklich was verpasst!" prustete Ron mit Lachtränen in den Augen an Harry gewandt los,

„Fast jede Eule mit Heuler, und alle gingen gleichzeitig los und haben Dumbledore zusammengestaucht – der natürlich nicht ein Wort verstanden hat! An Sirius haben sie keinen einzigen geschickt, alle an Dumbledore, der gemütlich seinen Kürbissaft geschlürft hat. Und McGonagall explodierte daneben und hat mit Snape und Flitwick hilflos Schweigezauber verhängt – natürlich sind sie nicht nachgekommen ..."

Harry fiel in den Lachkrampf seines Freundes mit ein, und auch Hermine hustete beim Gedanken an die Große Halle vom Vortag (wo man vor lauter Eulen keine Decke mehr sehen konnte), peinlich darauf bedacht, nicht laut loszulachen.

– „Jetzt reicht's aber!" schrie Snape scharlachrot im Gesicht vom Lehrerpult herüber, „Das ist eine Strafarbeit, kein Kaffeekränzchen! Wenn ich noch einen Mucks höre, werde ich Sie alle eine Woche länger zu mir zitieren! Potter, Lovegood, Sie marschieren mit ihren Kesseln sofort ins Nachbarzimmer! Longbottom, Weasley, mir egal welcher, ins Zimmer daneben!"


„Habt ihr da drin über Stubby Boardman geredet?" wollte Luna interessiert wissen, die sich wieder auf die Putzarbeit gestürzt hatte und bis zur Hüfte in einem Kessel steckte – im Gegensatz zu den anderen Schülern schien ihr die Strafe regelrecht Freude zu bereiten.

Harry seufzte tief – er fragte sich noch immer, wie der Klitterer nur auf so einen Mist gekommen war! – und wischte sich den Schweiß von der Stirn, machte sich dann widerwillig erneut über seinen Kessel her: „Sirius ist und war nie in einer Band! Das ist Unsinn, dafür hätte er gar keine Zeit gehabt – und die Stimme auch nicht."

Verflixt, den Dreck bekam er aber auch gar nicht weg!

„Wenn du mir nicht glaubst, wart bis Weihnachten", nun fing der Junge an zu grinsen, „Sobald du hörst, wie er Weihnachtslieder singt und dabei meilenweit die Töne verfehlt, kommst du nie wieder auf die Idee, er wäre Sänger in irgendeiner Band, die hätte ihn sofort rausgeschmissen!"

– „Du meinst wohl auch, dass der Klitterer immer nur Enten druckt, oder wie?" fuhr das Mädchen beleidigt auf und drehte Harry den Rücken zu, „Also ehrlich, Harry, von dir hätte ich so was nicht erwartet ..."

– „Das hab ich doch gar nicht gesagt", versuchte der Junge Luna nervös zu besänftigen, überrascht über ihre heftige Reaktion; aber eigentlich hatte er ja schon miterlebt, wie eingeschnappt Luna auf Beleidigungen ihres Vaters reagierte. „Nur, dass Sirius nicht singen kann ... Wahrscheinlich hat diese Mrs. ..."

– „Mrs. Purkiss!"

Donnerwetter, kannte die Ravenclaw sämtliche Texte im Klitterer auswendig?

„Nun gut, wahrscheinlich hat diese Mrs. Purkiss sich einfach geirrt. Immerhin war Sirius ganz sicher am Tatort, und Ron behauptet, dass sogar die fette Dame besser singt als er ..."

Eine Weile arbeiteten sie schweigend nebeneinander, und Harry fühlte sich in Anbetracht der Stille immer unbehaglicher.

Immerhin hatte Luna ihm sehr geholfen, als sie ihn an die Stimmen hinter dem Schleier erinnert hatte, und auch im darauffolgenden Schuljahr hatten sie ab und zu miteinander gesprochen und Harry hatte das auch immer als angenehm empfunden. Darüber hinaus war es zu einem Großteil ihr zu verdanken, dass der Klitterer – sehr zum Missfallen von Umbridge – dieses eine Interview gedruckt hatte, in dem er sich endlich gegen die vielen Lügen zur Wehr setzen konnte, die der Tagesprophet über ihn verbreitet hatte.

Er hatte sie wirklich nicht aufregen oder wütend machen, oder gar beleidigen wollen. Seufzend gestand sich der Junge ein, dass Hermine mit dieser Lage weit besser zurecht gekommen wäre – er hatte keine Ahnung, was er tun sollte.

„Ich hab das nicht böse gemeint", entschuldigte er sich hilflos und zog den Kopf aus seinem Kessel, vielleicht versöhnte er sie ja wieder, wenn er etwas Positives für Mr. Lovegood sagte?

„Es war sehr nett von deinem Vater, dass er dieses Interview gebracht hat, nachdem alle anderen mich als ... verrückt hingestellt hatten, und ich hab bestimmt nichts gegen den Klitterer." Auch wenn er wirklich – nicht ausschließlich, doch immerhin viele – Enten druckte, aber das ließ er lieber unerwähnt.

Luna kehrte ihm immer noch den Rücken zu, musste ihn aber gehört haben, da sie die Putzarbeit unterbrochen hatte, und Harrys Magen zog sich zusammen, während er auf ihre Antwort wartete, die jedoch nicht kam.

Verdammt, wenn er doch nur klar denken könnte, aber aus irgendeinem Grund fühlte sich sein Kopf an wie leergefegt. Harry hatte keine Ahnung, was soeben mit ihm los war, und er stammelte: „Kann ich ... kann ich es vielleicht wieder gut machen?"

Überrascht drehte Luna sich um und sah Harry mit ihren hellen Glubschaugen an, bevor sie geistesabwesend an einem ihrer Kronkorkenohrringe fummelte und schließlich lächelte.

„Gehst du mit mir zum Ball?" fragte sie verträumt, ihr Lächeln verblasste jedoch, als sie Harrys verwirrten Gesichtsausdruck bemerkte, „Du hast keine Lust!"

– „Doch, doch!" beeilte der Junge sich zu sagen, als er die Enttäuschung in ihrer Stimme bemerkte, „Ich würde sehr gern mit dir –, welchen Ball meinst du?"

– „Was? Dumbledore hat doch gleich am Anfang des Schuljahres darauf hingewiesen, einen Ball zur Annäherung der Häuser untereinander abzuhalten. Das war zwar, um vor allem die Slytherins einzugliedern, die jetzt ja weg sind, aber ... naja, der Ball findet trotzdem noch statt, vor Weihnachten."

Ach, den Ball meinte sie! Harry schlug sich mental vor die Stirn, als er ihrer verträumten und erstaunten Stimme lauschte, die das alles in einem einzigen Schwall herausplätschern ließ. Den hatte er völlig vergessen!

Demzufolge hatte er auch noch keine Partnerin für den Ball, und wenn er genauer darüber nachdachte, fand Harry, war es gar keine schlechte Idee, mit Luna dorthin zu gehen. Ganz im Gegenteil, Luna war ein nettes und hilfsbereites Mädchen, das – wieso war ihm das nicht früher aufgefallen – nicht einmal schlecht aussah. Auch wenn sie viele seltsame Dinge für wahr hielt, aber was störte es ihn, wenn Misteln ihrer Ansicht nach Nargel enthielten?

„Ok", antwortete er ihr also, und wunderte sich selbst darüber, wie fröhlich seine Stimme klang, „Gehen wir zusammen zum Ball ... wann auch immer der ist."


Wie in Trance ließ Harry sich von den Anweisungen seines Paten, die aus weiter Ferne an sein Ohr drangen und in seinem geistigen Kosmos widerhallten, durch die Meditation führen. Grenzenlose Entspannung und unendlich tiefe Ruhe ließen ihn schläfrig werden, doch er konzentrierte sich auf die Kerze, die vor ihm stand.

Deutlich sah er die Flamme, obwohl er die Lider fest geschlossen hatte. Die Konturen waren leider noch unscharf, und so versuchte er, das Bild klarer werden zu lassen, erfolglos. Wenn es ihm doch nur gelingen würde! Verbissen unternahm Harry einen weiteren Versuch, und noch einen.

Allmählich fühlte er Ärger in sich aufsteigen, und je frustrierter er wurde, desto mehr löste sich die Flamme vor seinem geistigen Auge auf, bis er sie schließlich verloren hatte und enttäuscht die Lider hob.

Ihm gegenüber saß Sirius im Schneidersitz und öffnete die Augen zeitgleich mit Harry.

„Wieso hat es nicht funktioniert?" fragte er sein Patenkind so leise, dass dieses die Ohren spitzen musste, um ihn überhaupt verstehen zu können.

Um Zeit zu gewinnen, blickte sich der Junge im Raum der Wünsche um. Der zylinderförmige Trainingsraum sah genauso aus wie am Vortag, er war seit gestern kein bisschen heller geworden, noch immer konnte man kaum die Wand sehen, die den kreisrunden Fußboden mit einer ebenso geformten Decke verband.

Er ließ seinen Blick über den mit einem samtweichen, dunkelroten Teppich ausgelegten Boden schweifen, in dessen Mitte Kerzen standen und anmutig flackerten. Das spärliche Licht ließ Sirius' und vermutlich auch Harrys Züge in einem warmen Orange leuchten, auf andere Abschnitte der Gesichter warf es schwarze Schatten.

Dem Jungen lief ein wohliger Schauer über den Rücken, das ganze Zimmer strahlte eine so friedliche, feierliche und harmonische Atmosphäre aus, die den jungen Zauberer angenehm berührte.

Unter sich spürte Harry die bequemen Seidenkissen, auf denen sie auch am Vortag meditiert hatten, es gab dunkelblaue, dunkelgrüne und violette, die schon beinahe schwarz schienen, alle verziert mit goldenen Kordeln und Bändern.

„Ich weiß nicht ... Ich hab versucht, die Flamme klarer zu sehen, und als das nicht geklappt hat und ich es trotzdem weiter versucht habe, hat sie sich aufgelöst", gab Harry langsam zur Antwort, während er blinzelte und versuchte, den Nebel zu vertreiben, der sich in seinem Kopf ausgebreitet hatte.

Es war weniger als eine Stunde her, dass Harry sich die Handschuhe von den Fingern gezogen und erleichtert aufgeatmet hatte, da er mit Mühe und Not einer Tropfen-Schlacht entkommen war.

In den vorangegangenen zwanzig Minuten hatten die verschiedenen Zaubertrankreste das Bombardement verdoppelt, sodass Luna und er alle Hände voll damit zu tun hatten, hinter irgendwelchen Tischen und Stühlen in Deckung zu gehen und heranrasenden, ätzenden und stinkenden Flüssig-Geschossen den Weg frei zu machen. Seufzend hatte er die Schutzbrille abgenommen, sie hatte sich, ebenso wie die Handschuhe, wirklich bezahlt gemacht, und sich freundlich von Luna verabschiedet. Inzwischen schienen mehrere Tage vergangen zu sein.

„Du warst verärgert", hörte er Sirius' Stimme, noch immer wie aus weiter Ferne, „Und frustriert."

– „Natürlich", begehrte Harry auf und schüttelte erneut den Kopf, ein weiterer, erfolgloser Versuch, wieder klar denken zu können, „Weil es nicht geklappt hat."

– „Du hast dich mehr auf diesen Ärger konzentriert als auf die Flamme", erklärte Sirius und hob die Brauen, „und das hat dich abgelenkt. Wenn du wieder Ärger fühlst – oder was anderes –, dann versuch es zu ignorieren. Kümmere dich nicht weiter darum, sondern konzentrier dich auf das, was du sehen willst."

Silbergraue Augen trafen auf smaragdgrüne, suchten forschend nach Anzeichen, ob Harry verstanden hatte, was sein Pate von ihm wollte. Als sie fündig wurden, stahl sich ein breites Grinsen auf Sirius' Lippen, spiegelte sich in Harrys Gesicht wider.

Harry dachte daran, dass es Sirius meist selbst sehr schwer fiel, seine Emotionen nicht zu beachten.

„Noch ein Versuch", beschloss sein Pate. Erneut forderte er den Jungen auf, sich auf die Kerzen zu konzentrieren, und gleichzeitig gingen sie in die Meditationshaltung.


„Da hast du gerade nochmal Glück gehabt!" atmete Ron auf, als Harry in letzter Sekunde neben ihm Platz nahm. Kaum hatte er sich gesetzt, betrat auch schon Professor McGonagall das Klassenzimmer und schritt (energisch wie eh und je) zum Pult.

„Wo warst du denn gestern? Hermine und ich haben uns die ganze Nacht Sorgen gemacht, weil du nicht in den Turm gekommen bist", beschwerte sich Ron und gähnte herzhaft – ein Indiz dafür, dass er wirklich kaum geschlafen hatte.

– „Tut mir leid", setzte Harry zu einer Erklärung an und holte seine Schulsachen aus der Tasche, „Ich hab gestern mit Sirius trainiert und dabei haben wir die Zeit vergessen. Gar nicht so einfach, sein Zeitgefühl zu behalten, wenn man meditiert. Jedenfalls hab ich den Einschluss verpasst und bei ihm übernachtet. War das klasse! Wir haben die halbe Nacht rumgealbert!"

– „Wenigstens ist nichts passiert", Ron war anzumerken, dass er da gern dabei gewesen wäre, „Wie ist das denn so, das Meditieren mein ich? Stell mir das gar nicht so schwer vor ..."

Unwillkürlich fing Harry an zu grinsen. „Hast du eine Ahnung! Wenn du dich einfach nur fallen lassen sollst, ist das ja noch ok, aber wenn man sich auf einen bestimmten Gegenstand konzentrieren muss! Das hat's dann in sich."

Es klopfte an der Tür und Hermine platzte in den Unterricht, hochrot im Gesicht.

Offensichtlich war es ihr extrem unangenehm, zu spät zu kommen, sie entschuldigte sich überschwänglich bei der Lehrerin und erklärte, sie hätte noch mit Professor Lupin reden müssen. Danach drängte sie sich hektisch zwischen Harry und Ron und zeigte den beiden – kaum dass McGonagall sich wieder der Tafel zuwandte – einen Zeitungsausschnitt, den sie aus dem Tagespropheten herausgerissen hatte.

„Lest!" forderte sie die beiden Jungen knapp auf und kramte rasch ihre Schulsachen hervor.

EINBRUCH BEI MR. OLLIVANDER

Der Zauberstabverkäufer Mr. Ollivander hat gestern gemeldet, dass in der vorausgegangenen Nacht seine Tür aufgebrochen, sein Laden verwüstet, alle ausgelegenen Zauberstäbe probiert und einer davon entwendet worden war.

Die Nachbarn hatten einige schwarz vermummte Gestalten den Laden verlassen sehen und den Besitzer sofort informiert, der daraufhin auch so schnell wie es ihm möglich war am Tatort erschien. Auf die Frage, warum Todesser seinen Laden überfallen sollten, wusste er keine Antwort. Einen Passanten zu entwaffnen und seinen Zauberstab mitzunehmen wäre, so eine Nachbarin, viel einfacher gewesen.

Ron und Harry wechselten einen verwirrten Blick.

„Was soll uns das sagen, außer dass Rita Kimmkorn Urlaub hat?", fragte Harry und zog die Stirn kraus, und Ron stellte amüsiert fest: „Die Todesser langweilen sich anscheinend. Haben die nichts besseres zu tun? So eine Zeitverschwendung!"

– „Dies war keine Zeitverschwendung!" belehrte ihn Hermine leise und schnippisch, offenbar wütend über das fehlende Interesse Harrys und Rons, „Ich hatte heute morgen eine Ahnung, warum der Diebstahl stattfand, und hab mich mit Professor Lupin darüber unterhalten. Deshalb war ich auch zu spät."

Sie hielt einen Augenblick inne, um sich zu vergewissern, dass die beiden Jungen ja aufmerksam lauschten.

„Der Professor ist ebenso wie ich der Meinung, das V-Voldemort – Ron, stell dich nicht so an – die Zauberstäbe ausprobiert hat, welcher davon am besten zu ihm passt, und diesen dann mitgenommen hat."

– „Aber er hat doch schon einen, und die anderen sind sicher nicht so gut für ihn geeignet", widersprach Harry im Flüsterton, das ergab keinen Sinn.

Weshalb sollte sich Voldemort einen schlechteren Zauberstab aussuchen? Er war ja – ganz ganz sicher – fanatisch, größenwahnsinnig und grausam, aber immerhin alles andere als dumm!

Mitleidig blickte ihn Hermine an und forderte ihn lehrermäßig auf: „Überleg doch mal, Harry! Beim Trimagischen Turnier, als du und er euch duelliert habt, was ist da geschehen?"

– „Das weißt du doch! Unsere Zauberstäbe haben sich verbunden", seufzte Harry und verdrehte die Augen, eigentlich wollte er lieber nicht an dieses traumatische Erlebnis erinnert werden, „Mein Stab hat seinen schließlich gezwungen, die angewendeten Flüche in umgekehrter Reihenfolge zu wiederholen ..."

Hermine jedoch war noch nicht fertig: „Und wieso?"

– „Das weißt du auch, weil er den Bruderstab zu meinem hatte", antwortete Harry – nun eine Spur unfreundlicher – und stützte den Kopf auf der linken Faust ab.

– „Richtig", Hermine blickte ihm herausfordernd in die Augen, ohne auf seinen genervten Tonfall einzugehen, „Und weshalb hat er nun einen Zauberstab von Mr. Ollivander geklaut?"

– „Keinen Schimmer", brachte Harry ahnungslos heraus und hob die Hände, wie um sich zu ergeben.

Hermine schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und polterte: „Du Schaf, nimm doch mal deinen Verstand zusammen! Wenn Voldemort – Ron, verdammt! – dich wieder angreift, dann kann er dabei kein Priori Incantatem mehr gebrauchen!

Und deswegen hat er sich einen neuen Zauberstab besorgt, der ist zwar nur der Zweibeste für ihn, aber wenn er dich damit dann erledigen kann, nimmt er das sicher gern in Kauf!"

– „Vielen Dank für ihren Beitrag, Professor Granger!" unterbrach Professor McGonagall Hermines Schimpftirade streng, „Der jedoch leider unterrichtsfremd war und nichts mit Verwandlung zu tun hat. Wenn Sie also so gütig sein würden, mir zu gestatten, meinen Unterricht fortzuführen ... Vielleicht weiß ich ja auch etwas relevantes für die Schüler ..."


„Wenn Hermine recht hat, steckst du in Schwierigkeiten", stellte Ron unbehaglich fest, nachdem sie das Klassenzimmer verlassen hatten.

– „Tut mir leid, aber ich fürchte, ich habe recht. Dieser Ansicht ist auch Professor Lupin!"

– „Wir können ihn ja in Duellieren – wann haben wir das heut eigentlich? – mal fragen, was er davon hält."

– „In der dritten. Tu das!"

Harry hörte der Unterhaltung der beiden gar nicht zu, in Gedanken versunken trottete er neben ihnen her zum Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste.

Hermines Neuigkeiten hatten ihn arg mitgenommen, sein Magen hatte sich regelrecht verknotet und ihm war speiübel. Stände ihm nicht gerade die erste Unterrichtsstunde bei seinem Paten bevor, hätte er sich wohl in den Krankenflügel verzogen.

Bisher hatte er doch irgendwie gehofft, dass er – wie schon beim letzten Mal – dem Todesfluch entgehen würde, aber jetzt, wo der Fluchumkehreffekt ihm nicht mehr helfen konnte?

Wie sollte er so Voldemort entgegentreten?

Und ausgerechnet jetzt, wo Sirius wieder da war ... Sein Trost, den Paten im Falle, dass es schief gehen sollte, wiederzusehen, hatte sich auch in Luft aufgelöst. So schlecht hatte er sich lange Zeit nicht mehr gefühlt ...

„Wartet doch mal!" rief Dean hinter den drei Freunden her und riss Harry aus seinen trübseligen Gedanken, als er zusammen mit Neville Longbottom zu ihnen aufschloss.

– „Tut mir leid, Harry!" beteuerte Neville, nachdem er Dean aus einer Trickstufe befreit hatte, „Ich mein das, was Hermine in Verwandlung gebrüllt hat."

– „Ich hab nicht gebrüllt!" verteidigte sich das Mädchen entrüstet und stemmte die rechte Hand in die Hüfte – mit der anderen musste sie die Schultasche festhalten –, Dean widersprach ihr allerdings sofort: „Doch, hast du ... meine Fresse!"

Dem Jungen klappte buchstäblich die Kinnlade herunter, er blieb mitten im Türrahmen stehen und starrte ins Klassenzimmer.

Neville schob ihn neugierig beiseite, Hermine japste nach Luft und Harrys Augen weiteten sich vor Verblüffung, jeder Gedanke an Voldemort und seinen Zauberstab war wie weggeblasen.

„Was zum ...?"

Dort drin befand sich Sirius in dreifacher Ausführung, eine lehnte am Pult, eine weitere stand vor der Tafel und die dritte hielt ihnen die Tür auf. Alle grinsten die jungen Zauberer an und forderten sie mit einer einladenden Geste auf, ihre Plätze einzunehmen.

Kaum hatte der letzte Schüler den Raum betreten, schloss ein Sirius die Tür und gesellte sich zu den anderen beiden hinzu.

„Hi, ihr Rasselbande!" grüßten die drei Lehrer simultan in die verwirrte Klasse, „Und willkommen in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Vorstellen muss ich mich wohl nicht mehr, der letzte Jahrgang, der Hogsmeade ohne meine Fahndungsfotos gesehen hat, ist mittlerweile von Dannen geflogen ..."

Es folgte eine flüchtige Kunstpause, in der Harrys Pate die einzelnen Schüler musterte.

„Von den Professoren Lupin und Snape (Sirius' Mimik verdüsterte sich ein wenig, was bei nicht wenigen ein Schmunzeln hervorrief) habe ich erfahren, dass ihr gelernt habt, verschiedene Flüche umzulenken und dieses Kapitel abgeschlossen ist. Beginnen wir also –"

Zwei Lehrer lösten sich in Luft auf, und zurück blieb eine einzige Sirius-Version, die sich lässig auf das Pult setzte und die Beine übereinander schlug.

„– mit einem neuen Abschnitt im Lehrplan, der Verwirrung des Gegners unter Zuhilfenahme von Zaubersprüchen."

Einige Sekunden lang herrschte verdutzte Stille als Sirius geendet hatte, dann schossen überall Arme in die Luft und Fragen über Fragen wurden in den Raum geworfen.

„Wie haben Sie das denn gemacht?"

– „Wie heißt der Zauber, Professor?"

– „Lernen wir das auch?" Das war Hermine. Wer sonst?

– „Wieso waren Sie auf einmal dreimal hier?"

Harry unterdrückte ein Grinsen, selbst jene Schüler, die bis vor wenigen Minuten skeptisch über seinen Paten geredet hatten, brachten kein schlechtes Wort über ihn heraus und konnten nur staunen. Völlig vergessen war die Tatsache, dass Sirius in der Zaubererwelt als – unschuldiger oder auch nicht – gefährlicher Massenmörder galt. Im Moment interessierte das niemanden.

Sirius hob die Hand und unterbrach die Flut von Kommentaren, die ihn überrollte.

„Der Zauber, den ich gerade vorgeführt habe, ist der Vervielfältigungs-Zauber", erläuterte er dann der Klasse, „Er wird der erste Zauber sein, den wir auf diesem Gebiet lernen. Die Wirkung habt ihr eben ziemlich gut gesehen, anstelle von einer Person wird dem Gegner die Existenz von mehreren identischen Personen vorgetäuscht, wobei er nicht weiß, welche dieser Versionen das Original und somit real ist."

– „Entschuldigung, Professor Black?" Parvati Patil hob schüchtern die Hand. Harry überlegte im ersten Moment, wer denn eigentlich Professor Black sein sollte, und auch sein Pate schien sich erst an diesen Titel gewöhnen zu müssen.

„Ja? (Sirius angelte hinter sich den Sitzplan der Klasse hervor und überflog ihn.) Was ist los, Parvati?"

– „Heißt das, dass Sie eben gar nicht dreimal tatsächlich im Zimmer waren, sondern wir Sie nur dreimal gesehen haben?"

– „Richtig", gab Sirius lächelnd zur Antwort und warf den Plan wieder beiseite, der übers Pult rutschte und ungehindert zu Boden segelte, „Kann sich jemand denken, welche der drei Versionen ich war?"

Auf der Stelle schnellte Hermines Hand kerzengerade in die Höhe. „Sie waren der Si-, der Professor Black, der uns die Tür aufgehalten hat. Trugbilder sind dazu nicht imstande", erklärte sie – wie gewöhnlich – vollkommen richtig.

– „Ganz genau!" Sirius erlaubte sich ein schmales Grinsen, was hätte er von Hermine auch anderes erwarten sollen? „Womit wir bei den Problemen wären, die entstehen können, wenn man diesen Zauber nicht richtig beherrscht. Was könnte denn schief gehen oder den Gegner darauf aufmerksam machen, wer Original und wer Fälschung ist?"

Einige Schüler hoben mehr oder weniger schüchtern ihre Hände und wurden der Reihe nach aufgerufen.

„Wer etwas anfassen kann, ist das Original! Ich meine, wenn er es auch bewegen kann."

– „Wenn eine Person durch einen Gegenstand durchläuft, ist er sicher nicht das Original!"

– „Fliegen ... oder besser schweben ... darf die Fälschung auch nicht, wenn sie nicht erkannt werden soll!"

So ging das noch eine ganze Weile weiter, bis Sirius in den Raum warf, wie man das alles zusammenfassen könnte.

Die Klasse überlegte kurz, dann meldete sich schließlich Harry: „Die Fälschungen müssen sich so verhalten, wie es reale Menschen auch tun!"

– „Sehr schön", lobte Sirius, schaute Harry stolz an und schlug die Beine entgegengesetzt übereinander, „Kommen wir zur Ausübung des Zaubers. Die Zauberformel heißt – bitte nach mir – ‚Multiplicatio!'"

– „‚Multiplicatio!'"

– „Gut!

Damit der Spruch gelingt, ist außerdem äußerste Konzentration erforderlich, ihr selbst bestimmt, was euer Spiegelbild in jedem einzelnen Moment tun soll."

Schwungvoll knallte Sirius mit seinem Zauberstab, und ein Dubel erschien, welches er an die Decke verbannte und dort Grimassen schneiden (und damit eine Lachsalve seitens der Schüler auslösen) ließ.

„Genau dieser Punkt macht den Zauber auch so schwierig. Nach einer gewissen Zeit und mit der nötigen Übung solltet ihr ihn trotzdem beherrschen. Zumindest mit einem Doppelgänger. Nächstes Mal zeig ich euch die Zauberstabbewegung."

Erstaunt schaute Hermine neben Harry auf die Uhr, sie hatten doch noch ein bisschen Zeit bis zum Gong?

Fragend blickte der Junge Sirius an, der wie gemeißelt einen Punkt hinter der Klasse fixierte. Alarmiert fuhr Harry herum und starrte in das grollende Gesicht von Bellatrix Lestrange.

„Hab ich mir das doch nicht nur eingebildet!" fauchte sie, heute keine Spur von ihrer gekünstelten Babystimme, und zückte angewidert den Zauberstab.

– „Was denn, Bella, kein freundliches ‚Hallo'? Kein ‚Schön, dich zu sehen' oder ‚Tut mir leid, dass ich dich hinter den Bogen geworfen habe'? Ich bin zutiefst gekränkt!"

Grinsend erhob sich Sirius vom Pult, hielt seinerseits den Zauberstab entspannt an der Seite.

Bellatrix schnaubte und winkte verächtlich mit der Hand. „Dazu müsste es mir erst einmal leid tun!"

– „Oh, das wird es früh genug!" gab Harrys Pate amüsiert zurück, ließ seinen Zauberstab wie eine Peitsche knallen und rannte hinter Lestrange her, die rückwärts davonflog.

„Der Unterricht ist für heute vorbei!"