Kapitel 10

Lisa schlug langsam die Augen auf. Es war noch etwas dunkel draußen, also konnte es bestenfalls 7 Uhr sein. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Wo war nur ihre Brille? Egal. Rokko war nah genug, um ihn auch so sehen zu können. Rokko! Sie hatte bei ihm, neben ihm, in seinem Bett übernachtet. Er hatte den Arm um sie gelegt und sie fest an sich gezogen. Selbst im Schlaf hatte er sie nicht los gelassen. Lisa lächelte verträumt, als sie an den vergangenen Abend dachte. Sie waren müde und durchgefroren auf seine Couch gefallen. Rokko hatte sie an sich gezogen und einfach festgehalten. Er hatte ihre Stirn geküsst und dann jede einzelne Sommersprosse in ihrem Gesicht. Lisa hatte lächelnd einen Knopf nach dem anderen seines Shirts geöffnet, ihre Hand darunter wandern lassen und ihn sanft gestreichelt. Sie wollte ihm nahe sein. So nah wie möglich. Er hatte sie mit stockender Stimme gefragt, ob sie etwas trinken wollen würde und Lisa hatte genickt. Er konnte nicht so lang weg gewesen sein, doch als er aus der Küche zurückgekommen war, war Lisa eingenickt, fest den Pullover umklammernd, den er ausgezogen hatte, bevor sie sich auf der Couch niedergelassen hatten. Lisa erinnerte sich nur schwach daran, dass Rokko sie sanft geweckt und seinen Arm um sie gelegt, sie langsam in sein Schlafzimmer geführt und ihr seinen blauen Schlafanzug gegeben hatte. Er hatte sie daraufhin für einen kurzen Moment allein gelassen und Lisa dankte ihm im Stillen dafür, doch hätte sie auch gern -

"Guten Morgen, mein Engel."

Rokko war so eben erwacht. Sogar im Halbdunkeln konnte sie sein Lächeln wahrnehmen. Lisa spürte, wie sich ihre Wangen röteten und war dankbar für das Halbdunkel. Sie hob ihre Hand, fuhr sanft mit ihren Fingern über seine Lippen. "Ich liebe dich", flüsterte sie und es klang so, als ob sie sich gerade selbst erst darüber bewusst wurde. Sie hielt in ihrer Bewegung inne und sah ihn an - wie er sie anlächelte und dann ihren Kopf vorsichtig an sich zog, um sie zu küssen - erst sanft, dann immer leidenschaftlicher. Seine Hände fuhren unter das Schlafanzugoberteil und streichelten sie zärtlich. Lisa erschauderte und wollte beenden, was am Abend begonnen, aber durch ihre Müdigkeit zu früh abgebrochen worden war. Ihre Hände fanden den Saum seines Oberteils und begannen es langsam nach oben zu schieben und schließlich über Rokkos Kopf zu ziehen. Rokko grinste sie an und Lisa grinste zurück. Als sie dann begann, seinen Hals zu küssen, spürte sie, wie seine Atmung unregelmäßiger wurde. Er knöpfte ihr Oberteil vollständig auf - langsam, behutsam - und streifte es von ihren Schultern. Als Lisa ihm ein wenig später etwas zuflüsterte ("Du bist der Erste.") und unsicher ins Nichts blickte, hob er sanft ihr Kinn und sah ihr lange in die Augen, lächelte sie an. Sie lächelte zurück und Rokko nahm sich vor, sie ganz langsam abheben zu lassen, ihr alle Zeit der Welt zu geben, sie sanft und zärtlich zu lieben.

Es war gegen Mittag, als Lisa, die bereits im Bad im gewesen war, im Schlafzimmer stand und Rokkos Schlafanzugoberteil in ihren Händen hielt. Sie hatte es beim Aufräumen gefunden und vergrub nun ihr Gesicht darin. Es duftete nach ihm, nach seinem Aftershave, nach Schlaf, und ein bisschen auch nach ihr selbst. Lisa lächelte und seufzte glücklich. Sie wollte wissen, ob man ihr ansah, welch wundervolle Gefühle sie an diesem Morgen erlebt hatte. Sie stellte sich vor den großen Spiegel im Schlafzimmer und drehte sich langsam, ging davor ein wenig auf und ab und blieb schließlich stehen um strahlend festzustellen, dass zumindest sie, Lisa Plenske wusste, was geschehen war. Sie schloss ihre Augen und atmete tief ein und wieder aus, als sich zwei starke Arme um sie legten. Lisa lehnte sich an Rokko, der hinter ihr stand, an und legte ihre Hände auf die seinen.

"Mmmh, können wir so weitermachen, meine wunderschöne Lisa?"

"Gern, mein Liebling. Nur glaube ich, dass man sich bei Kerima bereits fragen dürfte, wo die Chefin und ihr PR-Mann abgeblieben sind."

Lisa drehte ihren Kopf zu ihm und Rokko küsste sie.

"Na gut, dann gehen wir eben zur Arbeit. Aber nur, wenn du mir versprichst, heute Abend mit mir ins Tierheim zu gehen", schmunzelte er.

Lisa sah ihn erstaunt an und drehte sich in seinen Armen, damit sie ihn direkt ansehen konnte. "Liebend gern. Ich hab früher immer im Tierheim gearbeitet. Aber was hast du vor?"

"Ich möchte mir einen Hund aussuchen."

"Einen Hund?" Lisas Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln.

"Ja, einen Hund. Und ich möchte, dass er dir auch gefällt."

Lisa schlang ihre Arme um Rokkos Hals und zog ihn zu sich. Sie küsste ihn lang und leidenschaftlich.

"Ich liebe dich, mein Robert", sagte sie mit Bestimmtheit, als sie sich wieder von einander gelöst hatten.

Rokko legte seine Stirn auf ihre und schloss seine Augen. Er war sich sicher, dass es eine der besten Entscheidungen seines Lebens gewesen war, die Festanstellung bei Kerima angenommen zu haben. Er öffnete seine Augen und sah direkt in ihre strahlenden blauen Augen, so voller Liebe. Hatte er so etwas je erlebt? Nein. Das war sie: die ganz große Liebe. Die, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht und tausende von Schmetterlingen im Bauch tanzen lässt. Die, die macht, dass man den anderen nicht mehr loslassen will und von einer gemeinsamen Zukunft träumen lässt. "Ich liebe dich, meine Lisa", sagte er sanft mit leicht zitternder Stimme und küsste sie, damit sie nicht merken sollte, wie viel Mut er, Rokko Kowalski, der schon so viel kühne Dinge getan hatte, aufbringen musste, um sein Leben in ihre sanften Hände zu geben.

ENDE

Anmerkung: Wow! Ich war ganz oft überwältigt von den lieben Kommentaren in den Foren und kann euch nicht genug dafür danken! Ihr seid's, die mich dazu gebracht haben, aus einer Story, die erst nur auf einen, dann auf drei Teile angelegt war, auf 10 Kapitel zu bringen. Ichhoffe, dass ihr beim Lesen so viel Freude hattet wie ich beim Schreiben.

Anne :)