Hallo meine lieben Leser! Vielleicht fragt ihr euch, warum es heute schon wieder ein neues Kap gibt. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Ich bin die restliche Woche nicht zu Hause und deshalb gibt's da auch keine Updates. Ich hoffe, ihr genießt die kleine Entschädigung!!!

10. Kapitel Abendessen mit Hindernissen

Verzweifelt fragte sich Arwen, wie sie noch einen Abend in Gesellschaft der Lady verbringen sollte. Sie hatte absolut genug von dem ständigen Gerede über Personalprobleme und ähnlichem. Vielleicht sollte sie einfach Kopfschmerzen vortäuschen? Doch dann erinnerte sie sich an die Reaktionen Aragorns und Gimlis, als die Burgherrin wegen angeblicher Kopfschmerzen durch Abwesenheit glänzte. Arwen wollte nun wirklich nicht mit dieser Person auf eine Stufe gestellt werden, so entschloss sie sich schweren Herzens, an dem Abendessen teilzunehmen. Notfalls waren ja auch Gimli und Legolas da, um ihr Gesellschaft zu leisten.

„Du siehst wunderhübsch aus, Liebes. Jeder Mann wird heute Abend vor Neid erblassen, wenn er sieht, welches Juwel ich meine Frau nennen darf."

„Du schmeichelst mir, Aragorn. Was hältst du übrigens von Lady Kalia? Ist sie nicht auch schön?"

„Ja, das stimmt. Ich habe nicht viele Worte mit ihr gewechselt, doch scheint mir, dass sie sehr gern über Haushaltsprobleme spricht."

Arwens Seufzer war unüberhörbar.

„Ja, leider. Ich finde es ehrlich gesagt, wenig unterhaltsam. Ich hoffe nur, dass ich nicht auch so werde, wenn ich einige Jahre mit dir verheiratet bin."

„Das bezweifle ich, mein Engel. Doch nun komm und lass unsere Gastgeber nicht länger warten."

Gemeinsam verließen sie ihr Zimmer.

Auch Gimli wartete bereits im Speisesaal auf sie. Suchend ließ Aragorn seinen Blick durch den Raum wandern.

„Wo ist Legolas?"

„Ha, der Junge hat mich doch glatt angeschwindelt. Faselte irgendetwas, dass er noch müde wäre und sich ausruhen würde, um für das Abendessen topfit zu sein. Ist mir schon seltsam erschienen, denn er sah ganz frisch und munter aus. Vor einer halben Stunde wollte ich ihn dann zum Abendessen abholen und was finde ich? Nichts! Das Zimmer war leer, auf dem Tisch lag nur eine kurze Nachricht, er hätte einen Ritt in den Wald unternommen und wüsste nicht, wann er wieder zurück wäre. Behandelt man so einen Freund?"

„Gimli, ich sage es dir nur ungern, aber du hörst dich an, wie ein misstrauisches altes Eheweib. So kennen wir dich ja gar nicht."

„Ich höre mich wie an? Das ist ja die Höhe. Nimm das auf der Stelle zurück, Aragorn. Ich bin nur ein wenig – nun – besorgt. Ihm könnte ja etwas zugestoßen sein. Er sollte nicht allein unterwegs sein."

Aragorn brach in ein schallendes Gelächter aus.

„Jetzt hörst du dich tatsächlich wie eine überängstliche Mutter an. Du scheinst zu vergessen, mein Freund, dass Legolas schon erwachsen ist und sehr wohl selbst auf sich aufpassen kann. Immerhin ist er einige Jährchen älter als du, oder?"

Nachdem er nun neuerlich zum Gespött gemacht wurde, drehte sich Gimli wortlos um und verschwand auf die andere Seite des Raumes.

„Wirklich, Aragorn, du hättest ihn nicht auslachen sollen. Du weißt doch, wie stolz er ist. Er macht sich nun einmal Sorgen um seinen Freund. Was ist daran verwerflich?"

„Nichts, meine Liebe. Aber bei ihm wird es langsam zur Obsession und es ist niemandem geholfen, wenn er Legolas auf Schritt und Tritt verfolgt."

Nachdenklich blickte Arwen zu ihrem Zwergenfreund. Dieser stand bei einem der großen Glasfenster und schaute suchend Richtung Wald.

„Vielleicht hast du Recht. Trotzdem hättest du nicht so hart und kränkend zu ihm sein müssen."

„Nun gut, ich werde mich nachher bei Gimli entschuldigen. Aber erst soll er sich ruhig ein paar Gedanken zu dem machen, was ich gesagt habe."

Sie konnten das Gespräch nicht mehr fortsetzen, da in dem Moment Lord Warden und Lady Kalia zu ihnen stießen.

Legolas ritt gemächlich durch den Wald. Er wusste, dass das Abendessen längst begonnen hatte, doch das störte ihn nicht weiter. Durch die klare Luft und die vertraute Umgebung waren seine Gedanken endlich zu Ruhe gekommen. Er hatte sich auch schon einen Plan für sein weiteres Vorgehen zu Recht gelegt, welcher vorsah, dass er die Reise wie geplant mit Aragorn zu Ende brachte. Von Minas Tirith aus wollte er dann hierher zurückkehren und die Verfolgung von Lady Sarina aufnehmen. Natürlich würde er auch in den verbleibenden Tagen noch nach Spuren ihrer Anwesenheit suchen, doch wollte er nicht, dass seine Freunde in diese Geschichte verstrickt wurden. Hier ging es einzig und allein um ihn. Er wusste, dass Aragorn und Gimli ihn begleiten würden, würde er sie darum bitten. Doch er wollte nicht, dass sie noch länger fern ihrer Familien und Pflichten verharren mussten. Nein, er würde der Sache allein auf den Grund gehen. Das hier waren Elbenangelegenheiten und sollten auch von Elben gelöst werden.

Es dunkelte bereits, als er sich auf den Rückweg zum Schloss machte. Es würde wohl noch einige Stunden dauern, bis er dort ankam. „Was Gimli wohl gedacht haben mag, als er den Brief gelesen hat?", dachte Legolas bei sich. Hoffentlich war der Freund ihm nicht böse, aber manchmal brauchte ein Elb einfach Zeit für sich allein. Arod trabte folgsam und ohne Zutun seines Reiters in die richtige Richtung. Legolas flüsterte ihm einige elbische Worte des Dankes ins Ohr und hing dann wieder seinen eigenen Gedanken nach. Auf dem Rücken des treuen Arods war es nicht notwendig auf den Weg zu achten. Das Pferd führte seinen Reiter niemals in die Irre. Seit Legolas Arod als Geschenk von König Eomer erhalten hatte, hatte dieses Pferd ihn noch nie im Stich gelassen.

Schon des Öfteren hatte man sich nun bei Aragorn nach dem Verbleib seines elbischen Begleiters erkundigt. Sowohl Lord Warden als auch Lady Kalia waren erpicht dem glücklich Entflohenen ihre Entschuldigung auszusprechen. Doch da der betroffene Elb nicht anwesend war, war dies auch leider nicht möglich.

„Er wird sich doch wohl nicht vor uns verstecken. Oder schlimmer noch unsere Gesellschaft aus Ärger und Unmut meiden?"

„Nein, nein, keine Sorge. Er unternimmt nur einen Ritt in den nahe gelegenen Wald. Er wird sicher bald zu uns stoßen."

„Wenn du meinst..."

Der aufkommende Ärger in Lord Wardens Stimme war nicht zu überhören und auch in Aragorn erwachte ein leichter Unmut gegenüber seinem Freund. Er verübelte ihm die Situation, in die er durch ihn gebracht worden war. Wo steckte er Elbenprinz nur? Auch Gimli wurde von Stunde zu Stunde nervöser und unfreundlicher gegenüber den restlichen Gästen. Mehrere höhergestellte Personen der Umgebung waren anwesend und Aragorn konnte es sich nicht leisten, es sich mit ihnen wegen der Übellaune eines Zwerges zu verscherzen. Dezent wies er Gimli daraufhin, die anderen Gäste etwas zuvorkommender zu behandeln. Wenn der Elb nicht bald auftauchen würde, würde die Situation eskalieren.

Eine Stunde später hatte sich die Stimmung immer noch nicht gebessert. Man näherte sich der Zeit um Mitternacht und Lady Kalia sowie einige andere Gäste hatten sich bereits zurückgezogen. Viele enttäuscht, da sie sich um die Möglichkeit endlich einen Elben kennen zu lernen betrogen fühlten. Allerdings übernachteten alle im Schloss und man hatte ihnen versprochen die Bekanntmachung beim morgigen Frühstück nachzuholen.

Plötzlich öffnete sich die Tür und der Vermisste trat ein. Angesichts der vielen Augen, die sich auf ihn richteten und die verschiedensten Stimmungen widerspiegelten, blieb er aber verdutzt stehen.

Legolas hatte nicht damit gerechnet, dass derart viele Gäste zum Essen geladen waren. Im ersten Augenblick dankte er den Göttern, da sein Fernbleiben daher sicher nicht aufgefallen war. Dann bemerkte er aber, dass ihn viele verärgert anblickten. Erstaunt suchte er nach Gimli und Aragorn, stellte aber fest, dass in ihren Augen dieselben Gefühlsregungen zu sehen waren. So blieb er in der Tür stehen, unsicher ob er den Raum betreten sollte. Da sah er Arwen auf sich zukommen. Fragend blickte er sie an.

„Ah, Prinz Legolas. Endlich seid ihr hier. Verratet uns doch, was Euch solange aufgehalten hat, denn es kann unmöglich sein, dass Ihr willentlich unserem Treffen fernbliebt."

Legolas verstand die versteckte Botschaft. Er schritt auf Lord Warden und Aragorn zu, die sich im hinteren Teil des Raumes aufhielten.

„Verzeiht, mein Lord, und auch Euch bitte ich um Vergebung, mein König. Nicht böse Hintergedanken hielten mich fern. Doch einige verzwickte Zufälle erforderten es, dass ich Euer Schloss verlassen musste. Ich will Euch hier nicht mit unwichtigen Details langweilen, doch war es mir nicht möglich früher zurückzukehren. Ich glaubte nicht, dass meine Anwesenheit von großer Bedeutung sei, sind doch die zwei wichtigsten Männer, Ihr Lord Warden und Ihr mein König und Gebieter anwesend. Doch sagt, welche Strafe Ihr für mein unerlaubtes Fernbleiben auserkoren habt und ich werde sie reuigen Herzens antreten."

Angesichts der reuevollen Worte und des ehrlichen Erstaunens waren beide, Lord und König, beinahe wieder versöhnt.

„Euch sei verziehen, Prinz Grünblatt. Doch möchte ich Euch nun bitten, meinen Gästen, die trotz Anwesenheit ihres Lords und ihres Königs hart auf Euer Erscheinen gewartet haben, etwas Gesellschaft zu leisten. Niemals waren sie eines Elben ansichtig, ganz zu schweigen von einem elbischen Prinzen, und sie würden daher gern mehr über Euer Volk, um das sich Sagen und Legenden ranken, erfahren. Seht es nun als Eure Strafe an, den restlichen Abend Fragen zu beantworten. Seid ihr gewillt dieses Urteil zu respektieren?"

„Nichts lieber als das, mein Lord. Es ehrt mich, dass Euer Volk so große Stücke auf das elbische Volk hält und es wird mir ein Vergnügen sein, alle Fragen aufrichtig und ausführlich zu beantworten."

„Nun denn. Ich bitte Euch also, Eure Strafe möglichst bald anzutreten. Natürlich erst, nachdem Ihr Euch gestärkt habt."

Legolas entfernte sich  von den zwei Männern und trat an den Tisch, der mit Speisen nur so beladen war. Bald war er von den übrigen Gästen umringt und schweigend lauschten diese seinen Erzählungen über die Elben des Düsterwaldes und Loriens. Nur hin und wieder öffnete einer den Mund, um eine Zwischenfrage zustellen.

Durch den Andrang auf den Elben gelang es weder Gimli noch Aragorn ein Wort mit ihm zu wechseln, ohne dass eine Hundertschaft von Zuhörern es mitgehört hätte. Doch beide interessierte es brennend, welchen Grund das lange Fortbleiben ihres Freundes haben mochte. So nahmen sich beide vor, gleich am nächsten Morgen das Thema anzusprechen.

„Aragorn, ich glaube mich zu erinnern, dass hier deine Reise endet und dich nur mehr der heimatliche Palast erwartet. Ich möchte dich und natürlich auch deine Begleiter hiermit einladen, noch einige Tage in meinem Schloss zu verbringen."

„Ich danke dir für dieses Angebot, Warden, doch muss ich erst mit meinen Freunden und vor allem mit meiner Frau darüber sprechen. Darf ich dir die Antwort morgen übermitteln?"

„Selbstverständlich."

Nach diesem kurzen Gespräch wandte sich der Lord einigen anderen Gästen zu. Nicht ohne einen grimmigen Blick auf den blonden Elben, der nun inmitten seiner Gäste stand. Wahrlich, der Kerl wusste gut mit Worten umzugehen. Aber der heutige Abend bewies wieder einmal, dass man mit den Angehörigen dieses Volkes nur Ärger hatte.

Noch lange hielten die Gäste Legolas mit ihren Fragen auf. So war es nicht verwunderlich, dass er als einer der letzten den Saal verließ. Sogar sein treuer Wächter Gimli hatte sich bereits zur Ruhe gelegt. Legolas befürchtete aber, dass der Freund ihn nicht nur verlassen hatte, weil die Müdigkeit Überhand genommen hatte, sondern weil der Zwerg immer noch verärgert über das lange Fortbleiben war. Legolas war es nicht möglich gewesen, unbelauscht ein paar Worte mit seinen Freunden zu wechseln, aber er nahm sich fest vor, gleich am nächsten Morgen alle um Verzeihung zu bitten. Er musste Arwen auch noch danken, dass sie ihn vor dem Zorn der Menge gerettet hatte.

Müde betrat er sein Zimmer und ging Richtung Bett. Das Zimmer war bedeutend kleiner und weniger luxuriös als das Balkonzimmer. Ein riesiges Himmelbett beherrschte fast den ganzen Raum. Nur ein Stuhl und eine kleine Kommode befanden sich noch hier. Als sich Legolas dem Bett näherte, bemerkte er sofort den weißen Bogen Papier, der auf dem Kopfkissen ruhte. Hatte Gimli seine Nachricht auf dem Bett liegengelassen? Er nahm das Papier hoch und erkannte mit Erstaunen elbische Buchstaben.

            Eure Hoheit, Prinz Grünblatt

„Wahrhaft seltsame Dinge geschehen in diesem Schloss", dachte er bei sich. Da fiel sein Blick auf die Unterschrift. „Sarina" stand da zu lesen. Natürlich, die Lady sprach ja auch Elbisch, warum sollte sie also nicht auch Elbisch schreiben können? Beruhigt darüber, wieder ein Rätsel gelöst zu haben, entkleidete sich Legolas, legte sich in das große Bett und begann dann mit dem Studium des seltsamen Briefes.

Wie immer würde ich mich über eure Reviews freuen! Es freut mich auch, Elanor, dass dir Xenas Seite gefällt! Ich finde, sie ist sehr vielfältig und es gibt für jeden Geschmack etwas. Ich hoffe, die Geschichte ist dir spannend genug!!!

Liebe Grüße, Eskaria