Die zweite Chance

Fanfiction von Slytherene

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Vielen Dank an Spätzünder, Morti, Sally, Moonlight und Selene Falcon für Eure Reviews! Ich freue mich immer sehr über Euer Feedback – schön zu wissen, dass ich nicht für den Papierkorb schreibe!

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Extra für Euch ein letztes Update, sozusagen auf gepackten Koffern, bevor ich Glückliche für eine Woche in die Sonne der Kanaren entschwinden darf. Viel Vergnügen!

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Danke, TheVirginian, wie immer für die zartblauen Korrekturen!

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10. Fast Liebe

Die folgenden Tage waren getragen von einem stetig wachsenden Glücksempfinden, und Remus konnte an jedem Morgen kaum glauben, dass er tatsächlich noch glücklicher aufwachte, als er sich am Abend zuvor schlafen gelegt hatte. Die Arbeit in den Docks war hart, und das frühe Aufstehen, die Kälte und Nässe forderten ihm mehr ab, als er erwartet hatte. Doch wenn er gegen Mittag fertig war, begann sein Herz bereits vor der Apparition wild zu klopfen. Nach Hause zu kommen erhielt eine neue Bedeutung.
Sanni war dort. Sanni, die es mit ihrer Liebenswürdigkeit schaffte, die Vermieterin zu vertrösten. Sanni, die vom Großmarkt Lebensmittel beschaffte und Remus zum ersten Mal seit Jahren mit regelmäßigen, warmen Mahlzeiten versorgte. Sanni, die ihn küsste, bis er glaubte, sein Herz würde stehen bleiben. Nur an sie zu denken versetzte den Schmetterlingsschwarm in seinem Bauch in hellen Aufruhr.

Sie verbrachten jeden Nachmittag an der Küste, apparierten in den Besuchern normalerweise nicht zugänglichen Teil der Festung von Dover, erkundeten die Klippen von Porthcurno, flanierten die Palace Pier in Brighton entlang und sammelten Muscheln am Strand von Margate.
Abends besuchten sie zumeist eines der unzähligen Londoner Museen, und sie kannten bald jeden Hinter- oder Seiteneingang. Remus stellte erfreut fest, dass nicht nur er selbst aufblühte.

Die viele frische Luft verlieh Sanni frische, rote Wangen, der melancholische Schatten um ihre Augen verschwand, ihre Gestalt wirkte nicht mehr ganz so ätherisch durchscheinend, und ihr Lachen erreichte immer öfter auch ihre Augen. Sie begann, sich zu öffnen. Ihre Erzählungen betrafen ihre Heimat, das ‚Land aus Licht, Wald und Wasser'. Sie sprach von den Bootsausflügen mit ihren Freunden, erzählte vom Fischreichtum der zahllosen Seen, von Honigtrollen und Klapperwebern, von Mythen und Legenden. Doch niemals mehr sprach sie über ihre Familie, und sie wich jeder Frage darüber aus, warum sie eigentlich auf der Straße lebte.
Remus wurde nicht schlau aus ihr. Ihm war bald klar, dass sie ein Geheimnis verbarg, das seiner Lykantrophie in nichts nachstand. Manchmal verfiel sie für Stunden in rätselhaftes Schweigen, dem eine fast nervöse Unruhe folgte.

Remus verschloss die Augen. Er wollte nicht wahrhaben, dass sein Traum Risse bekommen könnte. Er hielt sich daran fest, dass er sich ihrer Zuneigung immerhin sicher sein konnte. Sie kümmerte sich mit zärtlicher Fürsorge um ihn. Dass sie kochte, war nur das eine. Sie begann, seine Kleider auszubessern, mit Nadel und Faden. Und ihre geschickten Hände vermochten manches Mal, woran Remus mit all seiner Magie gescheitert war: einen alten Umhang nur mäßig alt, eine Hose doch noch brauchbar, ein Paar Socken fast neuwertig erscheinen zu lassen.
Mehr als alles andere, mehr als ihr Kochen und Nähen, war es ihr Interesse an ihm, das seine Seele wärmte. Zudem lachte sie über die gleichen Dinge, liebte es wie er, Passanten zu beobachten und sich Geschichten zu ihren fröhlichen, traurigen oder müden Gesichtern auszudenken, zu spekulieren, woher sie wohl kämen und wohin sie nun gehen mochten. Sie teilte sein Interesse für Kunst, auch wenn er bald merkte, dass ihr Herz eher der Musik als der Malerei gehörte.

Wie geschickt ihre Finger über das Nähen hinaus waren, erfuhr er an einem Freitagnachmittag, als ein kalter Herbststurm einen Ausflug an die See nicht einladend erscheinen ließ und die Schiffsladung schwerer atlantischer Thunfische seine Rückenmuskeln über die Maßen beansprucht hatte. Er hatte mit drei anderen Arbeitern so eng stehen müssen in dem kleinen Trawler, dass er keinerlei Magie benutzen konnte.

„Hast du Schmerzen?", erkundigte sie sich, als er aus der Dusche kam.

„Nicht der Rede wert", winkte er ab, um im nächsten Augenblick das Gesicht zu verziehen, als er sich an den Küchentisch setzte. Er schnupperte. „Kürbissuppe?", fragte er. Es roch verführerisch.

„Steckrüben. Eigentlich braucht man Rentierspeck dazu, aber ich fürchte, wir werden ohne auskommen müssen. Aber es gibt Kartoffeln, Wurzeln und Lauch." Sie häufte eine große Portion auf seinen Teller.

Mitten auf dem Tisch stand eine Karaffe mit einer weißlichen Flüssigkeit. Sie reichte sie ihm.

„Was ist das?", fragte er mißtrauisch.

„Willst du keine Sahne?", gab sie zurück.

„Die ist kalt", stellte er fest.

„Das muss sie auch sein", erklärte Sanni. „Man gießt sie über das heiße Gemüse. Schau her."

Remus probierte, zögernd, und er war ausgesprochen erstaunt, dass die fremdartige Kombination sich als geschmacklicher Höhepunkt entpuppte.

„Deine Hauselfe hat dir wirklich fantastisch kochen beigebracht", lobte er. „Merlins Bart, ich liebe die finnische Küche. Auch ohne Rentierspeck."

Sanni lachte. „Es ist schade, dass wir keinen haben, denn er hilft gut, wenn man sich so verhoben hat wie du."

„Wie kommst du denn darauf, dass ich mich verhoben habe?"

„Du sitzt ganz krumm, Remus."

Er bemühte sich demonstrativ, gerade zu sitzen, und beide kicherten über seine Bemühungen wie Backfische.

„Bist du fertig mit Essen?", fragte Sanni, als Remus seinen Teller geleert hatte.

Er nickte.

„Zieh dich aus", befahl sie.

„Äh…was?" Verblüfft sah er sie an.

„Dein Hemd und dein Unterhemd. Keine Sorge, es ist ein moralisches Angebot." Sie lächelte.

Zögernd knöpfte er das Hemd auf, auch wenn ihm ein unmoralisches Angebot ganz sicher keine Angst eingejagt hätte. An der relativen Keuschheit ihrer Beziehung hatte sich nichts geändert. Sanni schlief inzwischen zwar nicht mehr in dicke Pullover gehüllt, auch wenn die Kälte in der Wohnung das sicherlich gerechtfertigt hätte, und sie wickelte auch ihre Decke nicht mehr wie ein Panzerhemd um sich. Aber sie stoppte ihn nach wie vor mit einem sanften ‚Nein', wenn seine Hände mehr als die warme, glatte Haut ihres Bauches erkunden wollten. Remus seufzte und schimpfte sie im Scherz grausam, doch er respektierte ihren Wunsch.
Lilys Worte klangen oft in seinem Ohr: ‚Zeit, Remus. Gibt dir und dem Mädchen doch ein bisschen Zeit.'
Vermutlich half ihm auch die harte körperliche Arbeit im Hafen und die Aussicht auf ein Aufstehen zu nachtschlafender Zeit, seine Triebe zu zügeln.

Ein bisschen unsicher sah er sie jetzt an. „Und was nun? Was willst du unternehmen, ohne deinen Rentierspeck?"

Sie lachte. „Leg dich hin. Am besten auf den Boden, da liegst du gerade. Schön auf den Bauch." Sie holte eine der alten Wolldecken vom Sofa, als zusätzliche Unterlage für ihn. Es war nicht eben warm in der Wohnung.

Als er lag, begann sie mit kleinen, kreisenden Bewegungen seinen Rücken zu massieren. Von den Schulterblättern abwärts arbeitete sie sich Zentimeter für Zentimeter in Richtung seiner seine Wirbelsäule entlang. Irgendwann begann sich Remus' Schmerz in dumpfes Wohlgefallen aufzulösen. Ein Stöhnen entrang sich ihm, als sie rechts und links der Lendenwirbelsäule zwei Nervenknotenpunkte erwischte. Etwas Feuchtes, Kühles entlockte ihm einen Ausruf des Erstaunens.

„Merlin! Ist das…Sahne?"

„Na, nicht so zappeln, Remus", tadelte sie ihn.

„Du wirst sie nicht von meiner Haut lecken?", erkundigte er sich, halb verwirrt, halb hoffnungsvoll.

„Sicher nicht", antwortete Sanni. „Oder würde dir das besser gefallen als meine Massage?"

Ihre Stimme hatte einen sanften, fast schnurrenden Ton angenommen. Remus konnte nicht antworten. Seine Gedanken und Gefühle begaben sich auf eine spontane Karussellfahrt. Er wusste nicht, ob er erleichtert oder enttäuscht sein sollte, als Sanni ihre therapeutischen Bemühungen fortsetzte und die fetthaltige Flüssigkeit mit sanften Bewegungen in seine Haut einrieb. Ihre Finger wanderten an seiner Wirbelsäule hinauf, erreichten seinen Nacken und liebkosten ihn sorgsam und zärtlich.

„Mmmhm…" Längst hatte er jeden Widerstand aufgegeben. Es fühlte sich so gut an, und er war so müde, ihm wurde warm und…

Als sie begann, seinen Hals zu küssen, war Remus schlagartig wieder wach. Mit neu entflammter Leidenschaft begann er, ihre Küsse zu erwidern. Ohne Scheu glitten ihre Hände über seinen Oberkörper, seine Schultern, die Brust und seinen Bauch. Zitternd sog er die Luft ein, als sie mit ihren Fingern über seine Hüften strich, eine beinahe zufällige Berührung. Doch diesmal ließ er sie nicht davon kommen. Er nahm ihre Hand und legte sie – vermutlich in einem Anfall von Wahnsinn – auf seinen Schritt.

Seine Stimme klang seltsam fremd und belegt, als er ihr direkt in die vor Erstaunen geweiteten Augen sah.

„Nur damit du weißt, wie sehr ich dich will", raunte er.

Er ließ ihre Hand los. Sie hätte sie jetzt fortnehmen können, doch Sanni beließ sie auf ihrem Platz und begann, mit der Handfläche über den Stoff seiner Hose zu reiben.

Remus keuchte auf. „Götter, Sanni."

Mit zittrigen Händen, auch weil er sich so sehr konzentrieren musste, nicht hier und jetzt noch in seiner Hose zu kommen, zog er ihr den Pullover über die Schultern. Sanni trug eine Menge Wäsche darunter: eine Bluse und zwei Hemdchen übereinander. Remus schaffte es beim besten Willen nicht, ihr alles auf einmal auszuziehen.

Doch er war keiner, der schnell aufgab. Mit Hingabe platzierte er einen Kuss nach dem anderen auf der weichen Haut ihres Halses, strich mit einer Hand durch ihr langes Haar, während er mit der anderen einen Knopf nach dem anderen öffnete, bis er ihr die Bluse über die Schultern ziehen konnte.

Sein Blick traf den ihren. Wäre es ihm nicht so abwegig erschienen, hätte er gesagt, dass Angst in ihren Augen zu lesen war. Instinktiv gab er der Ahnung nach und legte eine Hand an ihre Wange.

„Du weißt, dass ich dir nicht wehtun werde. Nur ein Wort, und ich höre auf."

„Ich fürchte mich nicht, Remus. Ich weiß nur nicht, ob ich schon bereit bin, den ganzen Weg mit dir zu gehen."

Er beugte sich vor und berührte sachte ihre Lippen mit den seinen.

„Wir gehen nur soweit, wie du gehen möchtest", erwiderte er und ließ gleichzeitig eine Hand an ihrem Rücken unter ihr Hemd gleiten.

Ihre Haut war fest, warm und glatt. Remus schälte Sanni aus dem ersten Hemdchen, gleichzeitig bedeckte er immer wieder ihr Gesicht, ihren Hals und die Ansätze ihrer Brüste mit Küssen und zarten Bissen. Der Duft ihrer Haut trieb ihn schier in den Wahnsinn. Auch wenn sie sein Duschgel benutzte, roch es an ihr doch ganz anders.

„Ich liebe es, wie du riechst", murmelte er mit geschlossenen Augen. „Du bist wunderschön anzusehen, und ich mag deine sanfte Stimme, aber für deinen Duft auf meiner Haut würde ich sterben, Sanni."

Merlin, er konnte ihre Erregung riechen, und dieser Geruch hatte eine mehr als stimulierende Wirkung auf ihn. Er konnte fühlen, wie seine Beherrschung bröckelte.

Er nahm ihr Gesicht zwischen beide Hände und hatte das Gefühl, in ihren Augen zu ertrinken. Diese Mischung aus Zärtlichkeit, Hingabe, Scheu und Verlangen in ihrem Blick machte ihn rasend.

Sie zitterte.

Mit einer fließenden Bewegung hatte er sie auf die Arme gehoben und trug sie zur Couch.

„Unter die Decke. Komm."

Sie kicherte. „Habe ich deinen geschundenen Rücken massiert, damit du wieder Lasten schleppst?"

„Ganz genau das war vermutlich dein Plan", neckte er sie.

Sie lachte und bettete ihren Kopf an seine Schulter. „Erzähl mir eine Geschichte von dir", bat sie.

Er zog sie auf sich, zerrte die Decke über ihre Schultern hinauf und glitt mit den Händen unter ihr Hemdchen. Ihr Gewicht auf ihm, ihre Wärme, wirkten erregend wie ein Aphrodisiakum.

„Keine Geschichten", erwiderte er atemlos. „Küss mich. Bitte."

Sie tat ihm den Gefallen, und ihre Küsse wurden mit jeder Minute leidenschaftlicher. Sannis Zopf hatte sich gelöst, und das blonde Haar floss wie Silber über ihre zarten Schultern. Remus hielt sekundenlang die Luft an, als er ihr das letzte störende Kleidungsstück abstreifte. Für einen Moment hielt er inne, nur um sie zu betrachten. Sie war eine zierliche Person, mit kleinen, runden Brüsten, und sie lief dunkelrot an, während er sie ansah.

„Du bist so schön", flüsterte er, ihre Unsicherheit ahnend, und strich mit den Fingerkuppen sachte über ihren Hals, den Ansatz ihres Busens und schließlich ihre Brustwarzen. Sie biss sich auf die Unterlippe, und Remus zog sie an sich, um sie ganz nah bei sich zu spüren. Ihre Haut auf seinem nackten Oberkörper zu fühlen, löste ein unheimliches Glücksgefühl in ihm aus. Allerdings sorgte diese Nähe auch dafür, dass er sein Verlangen kaum noch zügeln konnte. Er wollte nichts dringender, als ihr die Jeans über die Hüften zu streifen und ihr zu zeigen, wie sehr er sie begehrte. Ihr schneller Atem und mehr als das noch der feine Geruch ihres Geschlechts verrieten ihm, dass sie ihn ebenfalls wollte, und dieses Bewusstsein ließ ihn fast die Kontrolle verlieren und ihr geflüstertes ‚Nein' überhören. Erst ihre Hand, die die seine vom Reißverschluss ihrer Hose wegzog und stattdessen auf ihre Brust legte, so dass er ihren Herzschlag spüren konnte, gebot ihm Einhalt.

„Götter, Sanni", knurrte er frustriert. „Wir sind doch keine Teenager mehr."

„Du vielleicht nicht", gab sie leise zurück.

Ihre Worte erwischten ihn eiskalt. Er hatte sie niemals gefragt, doch jetzt sprang es ihn an, dass sie manchmal mehr Mädchen als Frau war.

„Außerdem", sagte sie leise, ohne ihn anzusehen, „ohne Kondome geht es nicht. Ich nehme keinen empfängnisverhindernden Trank."

„Dafür habe ich einen Zauberstab", erwiderte er, nur um im selben Augenblick die Doppeldeutigkeit seiner Worte zu begreifen. Er spürte, wie er tomatenrot anlief. „Ich meine, es gibt Verhütungszauber, und du glaubst hoffentlich nicht, dass ich daran nicht gedacht hätte?"

„Du hast eben nicht gerade sehr…nachdenklich auf mich gewirkt", flüsterte sie in sein Ohr, und er konnte das Lächeln in ihrer Stimme schwingen hören.

Remus seufzte laut und theatralisch und zog sie in seine Arme. Die Spannung des Augenblicks war etwas verflogen, auch wenn in seiner Hose nach wie vor drangvolle Enge herrschte.

„Was bist du, eine Veela, die mich um den Verstand bringen will?"

Sie antwortete nicht, und er sah sie an. Die helle Haut, das blonde Haar, die blauen Augen.

„Du könntest tatsächlich eine Veela sein", sagte er und küsste sie zärtlich. „Wenigstens wären wir dann beide dunkle Kreaturen und könnten für immer zusammen sein."

Mit einem Mal war jedes Lächeln, jedes Leuchten aus ihren Augen getilgt.

„Würde dir das gefallen, Remus? Wärest du glücklich, wenn ich mich als Dunkle Kreatur entpuppte?"

Es war ihr Tonfall, der Remus noch mehr alarmierte als ihr merkwürdiger Blick. Sachte legte er die Hand an ihre Wange.

„Es ist mir egal, was du bist: Squib, Werwolf, Veela. Das macht keinen Unterschied für das, was ich für dich empfinde, Sanni." Er lachte auf. „Wer wäre ich, ausgerechnet, dich zu verurteilen?" Er küsste sie zart und gleichzeitig hingebungsvoll. Ein Versuch, alle seine Gefühle in diesen einen Kuss zu legen.

„Aber ehrlich", sagte er und sah sie mit großer Intensität an, „falls du eine Werwölfin sein solltest, wäre ich schon aus organisatorischen Gründen mehr als dankbar, das vor dem nächsten Vollmond zu erfahren."

Sie lachte und küsste ihn. Natürlich wusste er, dass sie nicht lykantroph war – er hätte es schon bei ihrer ersten Begegnung gewittert.

Sannis Küsse wurden zu Remus' Verblüffung wieder fordernder, sie biss ihn zart in Lippen, Kinn und Hals, und es gab wenig, womit er mehr aus dem Konzept zu bringen war. Die süße Mischung aus Leidenschaft und sanftem Schmerz, ihre nackte Haut auf der seinen, ihr Duft und schließlich ihre Hände in seinem Schritt ließen ihn jede Frage vergessen. Mit Geschick öffnete sie die Knöpfe seiner Hose und befreite endlich seine Männlichkeit aus ihrem engen Gefängnis.

„Sanni, was hast du vor?" Seine Frage wurde von seinem eigenen Keuchen geschluckt, als sie seine Erektion mit warmen Fingern umfasste und ihn sachte zu reiben begann.

Remus wehrte sich nicht. Warum auch? Zu sehr lechzte sein Körper nach Befriedigung, und ihm war seine Erregung weder peinlich noch unangenehm. Seine Stirn an der ihren, die Hände mit ihren Haaren verflochten, seine Lippen an den ihren, kam er unerwartet heftig mit wenigen Bewegungen stöhnend auf ihrem nackten Bauch.

Es dauerte eine ganze Weile, bis das Zimmer aufhörte, sich um ihn zu drehen, sein Atem ruhiger wurde und sein Herzschlag sich beruhigte. Eng aneinander geschmiegt lagen sie unter der Decke, und zumindest was Remus betraf, war er viel zu glücklich, um zu sprechen. Er bedeckte ihr Gesicht, ihren Hals und ihre Brüste mit atemlosen kleinen Küssen, um schließlich den Kopf auf ihre Schulter zu betten.

Es war nicht seine Absicht, einfach wortlos einzuschlafen. Eigentlich wollte er sie endlos küssen, berühren und festhalten, eigentlich wollte er ihr auch sagen, wie sehr er sie…begehrte? Das wusste sie. Mochte? Dieses Wort beschrieb seine Gefühle nicht annähernd. Liebte? Viel zu früh, daran zu denken. Und doch kam dies seinen wirren Empfindungen am nächsten. Dabei würde ein solches Eingeständnis sie vermutlich zuverlässiger aus seinem Bett und seinem Leben treiben, als er es wahrhaben wollte.

Es war eines, ein paar Wochen mit einem Werwolf zu verbringen, und Sannis Alternativen schienen nicht eben üppig, obwohl Remus sicher zu wissen glaubte, dass ihr wirklich an ihm lag. Doch sich auf etwas Tieferes einzulassen, gar auf etwas so Abstraktes, Großes wie Liebe…das war etwas ganz anderes, wie er aus schmerzlicher Erfahrung wusste. Er weigerte sich, zuviel zu hoffen. Es tat zu weh, enttäuscht zu werden. Für den Augenblick war sie bei ihm. Nur das zählte.

Über diesem Gedanken schlief er ein, bis ihn der Weckzauber seines Stabes am nächsten Morgen unsanft aus dem Schlaf riss, und Sannis warmer Körper neben dem seinen ihn der Kostbarkeit des Lebens erinnerte.

Mit einem Lächeln küsste er ihre schlafwarmen Wangen und kletterte über ihre in die Decke verwickelte Gestalt. Die Dinge liefen derzeit ganz gut für ihn. Mehr als das konnte einer wie er vom Leben nicht erwarten.


Fortsetzung folgt