Endlich sind wir im Jahre 67 vor der Schlacht von Yavin angelangt, in welchem diese Geschichte ihr Ende finden soll.
Nachdem Venamis seinen Meister wieder verlassen hatte, steuerte er die „Intruder", wie er sein neues Raumschiff getauft hatte, nach Glee Anselm.
„Schwester Vysteria ist gestern nicht zur Arbeit erschienen", sagte Schwester Anga hinter dem Tresen mit sorgenvollem Gesicht.
„Hat sie sich irgendwie gemeldet?", fragte Venamis, aber die menschliche Schwester schüttelte nur ihren braunhaarigen Kopf.
„Ich werde mal ihre Schwester anrufen. Wir waren vorgestern bei einer Party und es ist spät geworden."
„Nein, bei mir hat sie sich nicht gemeldet. Venam ist schon recht ungeduldig. Sie sollten ihn holen kommen, wo er Sie doch als Vater ansieht", schlug Elima Gallus vor.
„Dann machen wir das so. Wenn sie sich bis morgen nicht meldet, werde ich sie als vermisst melden", kündigte er der besorgten Schwester seiner toten Verlobten an.
Für zwei Tage nahm Venamis den kleinen Venam mit in seine Wohnung über der Praxis, brachte ihn früh am Morgen zum Kindergarten, holte ihn wieder ab.
Nachdem er Venam das zweite Mal vom Kindergarten abgeholt hatte, sah er vor seiner Praxis zwei Polizisten stehen.
„Wenn Sie bitte mit uns kommen würden!", sagte der eine Polizist, ein grüner Nautolaner in einem Ton, der keinerlei Widerspruch duldete, zu dem Sith-Lord.
„Aber ich muß mit dem Kind zu Abend essen und ihn ins Bett bringen. Geht das nicht morgen?"
„Keine Sorge. Es wird nicht lange dauern. Und auf der Polizeiwache gibt es jemanden, der sich um den Kleinen kümmern wird", sagte der andere Polizist.
Die Polizisten hatten nicht zu viel versprochen. Gleich am Eingang der Polizeiwache Pieralos Süd nahm eine weibliche Polizistin den kleinen Venam in Empfang. Venamis staunte, wie bereitwillig der Kleine mit ihr mitging.
„Das sind die Kindergartenkinder. Bei denen ist das kein Problem. Und Polizisten lieben sie alle", erklärte die blaue Nautolanerin mit einem Lächeln.
Kurz darauf brachten die beiden Polizisten den Bith in einen kleinen Verhörraum, wo ein älterer bräunlicher Nautolaner auf ihn wartete, der Uniform nach etwas höher angebunden als seine beiden Kollegen.
„Sie hatten doch die Vermisstenanzeige aufgegeben, nicht wahr?", fragte Polizeioberwachtmeister Ellmo Fiir in einem neutralen Tonfall.
„Ja, das habe ich. Ich mache mir Sorgen um meine Verlobte", erklärte Venamis.
„Partygäste haben Sie, die Vermisste und einen anderen Bith die Party vor zwei Tagen verlassen sehen. Wer war dieser andere Bith und wo sind Sie danach hingefahren?", inquirierte der ältere bräunliche Nautolaner.
„Das war der bekannte Flugzeugkonstrukteur Dr. Rugess Nome. Wir sind noch etwas umhergefahren und während eines Zwischenstopps hat Vysteria uns dann verlassen", erklärte er.
„Warum haben Sie sie nicht nach Hause gebracht, so wie das ein guter Verlobter tut?", inquirierte der Polizeioberwachtmeister mit misstrauischem Blick.
„Ich wünschte, ich hätte es getan. Aber Vysteria bestand darauf, allein nach Hause zu fahren. Sie wollte sich ein Gleiter-Taxi rufen", erwiderte Venamis zerknirscht.
„In welcher Beziehung standen Sie zu Dr. Rugess Nome und was wollte er von Ihnen?"
„Ich bin ab und an sein Assistent und er war hier auf Geschäftsreise und wollte mit mir über das Leben auf Glee Anselm und andere Sachen sprechen."
„Warum sind Sie nicht ständig sein Assistent?", fragte der Polizist.
„Dr. Nome braucht nicht immer einen Assistenten. Er zieht es für gewöhnlich vor, allein zu arbeiten. Aber wenn er einen braucht, dann kommt er auf mich zurück", erklärte Venamis stolz.
„Zeugen haben ausgesagt, Sie und Vysteria seien negativ überrascht gewesen, als sie Dr. Rugess Nome vor dem Haus sahen, in dem die Party stattgefunden hatte. Sie selbst seien regelrecht erschrocken gewesen, Ihren … gelegentlichen Chef zu sehen. Warum?"
„Ich weiß nicht, wie die Zeugen zu diesen Ansicht kommen", widersprach Venamis vehement. „Es kann sein, daß ich registriert habe, wie Vysteria angesichts seiner Transpirator-Maske erschrocken war. Ihr Gesichtsausdruck mag sich womöglich auf mich übertragen haben. Mehr nicht", beendete er seine Rechtfertigung.
„Wo sind Sie nach dem Abschied von Ihrer Verlobten hingegangen?"
„Wir sind dann zum Raumschiff meines Chefs im Orbit von Clak'dor VII geflogen. Von dort bin ich dann am nächsten Tag wieder nach Glee Anselm zurückgeflogen."
„Geben Sie mir Dr. Rugess Nomes Kontaktdaten, dann können Sie gehen", versprach Ellmo Fiir dem Zeugen.
Darth Venamis sah keinerlei Grund, dem Polizeioberwachtmeister diese Bitte zu verweigern.
Am nächsten Morgen, drei Tage nach dem Mord an seiner Verlobten, kontaktierte er wie versprochen seinen Meister.
„Die Polizei wird sich bald bei Euch melden, Meister."
„Das habe ich erwartet", erwiderte Darth Tenebrous leicht gelangweilt.
„Ich habe ihnen Eure Kontaktdaten gegeben."
„Wann war das?", inquirierte der ältere Bith.
„Gestern abend."
„Und warum erfahre ich das erst jetzt? Du hättest mich sofort kontaktieren sollen!", schnaubte er seinen Schüler an.
„Ihr habt gesagt, ich soll mich erst nach drei Tagen bei Euch melden, Meister. Und genau das habe ich getan", gab Venamis unbeeindruckt von der Rüge des Älteren zurück.
„Wärest du nicht diese Sith-unziemliche Bindung eingegangen, dann hätten wir diese Kalamitäten jetzt nicht. Nun ist es so, daß ich geradebiegen muß, was Du verbockt hast! Ich nehme stark an, Du hast ihr vom Großen Plan der Sith erzählt", zischte Tenebrous seinen Schüler an.
„Die Macht war stark in ihr. Sie hätte ein guter Ersatz für Naat Lare werden können, der immer noch auf Bedlam hockt", erwiderte Venamis leicht angesäuert.
„Nun, ich kenne diesen Naat Lare ja nicht, aber auf mich hat ihre Machtpräsenz keinen sonderlich positiven Eindruck gemacht. Und das ist nur einer ihrer Mängel gewesen. Aber lassen wir das. Ich werde morgen nach Glee Anselm reisen, als Zeuge zur Polizei gehen, um diese leidige Angelegenheit ein für alle Mal zu beenden", erklärte Tenebrous, als handele es sich um das Bezahlen eines Strafzettels.
„Werden wir uns dort sehen?", fragte Venamis seinen Meister.
„Nicht auf Glee Anselm. Du wirst übermorgen diesen Planeten für immer verlassen und zu mir nach Sojourn fliegen. Dort werde ich Dir sagen, was Du weiter für mich tun kannst."
Tenebrous gab seinem Schüler noch ein paar Instruktionen für sein weiteres Verhalten gegenüber der Polizei, dann beendete er die Verbindung.
Polizeioberwachtmeister Ellmo Fiir merkte auf, als er mitten in seiner Frühstückspause ein unheimliches Schnaufen vor seiner Tür hörte. Er staunte nicht schlecht, als plötzlich ein älterer Bith mit einer Transpirator-Maske vor dem Mund in sein Büro kam.
„Wer hat Sie hier hereingelassen?", fragte er ungehalten den ungebetenen Besucher.
„Jemand in meiner Position wird überall hereingelassen", erklärte der Bith gelassen, um dann sogleich fortzufahren: „Mein Assistent hat mir gesagt, daß Sie eine Zeugenaussage von mir benötigen."
„Ich habe in der Tat auf ihrem Komlink eine Nachricht hinterlassen. Ich hätte nicht gedacht, daß …", erwiderte der Polizist verwirrt.
„Nun, hier bin ich", erwiderte Tenebrous gönnerhaft.
„Warum haben Sie es so eilig?", inquirierte der Polizeioberwachtmeister verwundert.
„In meiner Position erledige ich solcherlei Sachen lieber gleich, wenn ich die Zeit erübrigen kann. Ich möchte die Polizei ja auch nicht unnötig lange warten lassen, wenn ich wochenlang auf Geschäftsreise und dann nicht erreichbar bin", erklärte Tenebrous.
„Kennen Sie Vysteria Gallus?", fragte Ellmo Fiir den Bith.
„Ich habe diese Frau vor dem Haus dieser Party gesehen."
„Und sonst nie?"
„Nein."
„Haben Sie ihr aufgelauert?"
„Nein. Ich habe auf meinen Assistenten gewartet."
„Wußte Ihr Assistent im Vorfeld von Ihrem Besuch?"
„Nein, wußte er nicht."
„Dann wollten Sie ihn also in flagranti ertappen", mutmaßte der Polizist.
„Ich wollte ihn überraschen, das ist richtig. Aber ertappen – das klingt ja so negativ. Er hat ja nichts verbrochen", erklärte Dr. Rugess Nome mit einem arglosen Blick.
„Wo sind Sie mit den Beiden in Ihrem Gleiter hingefahren?"
„Wir haben eine Tour durch Pieralos gemacht. Bei dieser Schule hat sie uns dann verlassen."
„Warum?", fragte Ellmo Fiir.
„Weil sie unsere technischen Gespräche sichtlich gelangweilt haben", erwiderte der Sith-Lord.
„Wie eng ist Ihre Beziehung zu Ihrem Assistenten, wo er doch jetzt als Arzt arbeitet?"
„Wir sind regelmäßig in Kontakt", erwiderte Tenebrous.
„Hatten Sie etwas gegen die Beziehung Ihres Assistenten zu Vysteria Gallus?", fragte Ellmo Fiir und seine schwarzen Augen schaute dem Bith dabei intensiv in dessen schwarze Augen.
„Wieso? Ich kenne sie erstens nicht. Und zweitens haben auch andere Mitarbeiter von mir Familien, ohne, daß ich mich erkühnen würde, etwas dagegen zu haben oder gar zu unternehmen", erwiderte der Sith-Lord mit einem amüsierten Lächeln.
„Nun, sie wurde bis heute weder gefunden noch hat sie sich irgendwo gemeldet. Sie ist häufig zu Partys gegangen. Aber erst als Sie auftauchten, verschwand sie. Wir finden das seltsam", erklärte der Polizist.
„Das mag Ihnen ja seltsam erscheinen. Aber Tatsache ist, daß ich keinerlei Motiv habe, der Frau etwas anzutun. Ich habe Ihnen alles gesagt, was ich zu jenem Abend weiß. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?"
„Wußten Sie, daß Vysteria Gallus einen Sohn hat? Kennen Sie den Vater des Kindes?"
Tenebrous schaut ihn für einen Augenblick mit einer Miene der Verständnislosigkeit an. Der Oberwachtmeister konnte sehen, daß es für eine Weile im Hirn des Bith arbeitete.
„Ich wußte, daß sie ein Kind hat. Aber ich habe es nie gesehen. Mein Assistent hat mir aber davon erzählt."
„Der Vater des Kindes?"
„Kenne ich nicht", erwiderte Tenebrous hart.
„Wohin sind Sie nach Vysteria Gallus' Abschied gegangen?"
„Ich und mein Assistent sind in getrennten Raumschiffen zu meinem großen Raumschiff im Orbit von Clak'dor VII geflogen", gab Tenebrous in monotonem Tonfall zurück.
„Das hat Dr. Grohmo Kraht bestätigt. Kann das sonst noch jemand bezeugen?"
„Ich baue meine Raumschiffe selbst. Und ich steuere sie auch selbst. Ich bin niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig, wo ich wann mit wem bin. Und für alles Weitere habe ich meine Anwälte", erwiderte Tenebrous in leichter Herablassung.
„Sie können dann gehen", sagte Ellmo Fiir kalt.
Nachdem der Bith gegangen war und der Oberwachtmeister sein unterbrochenes Frühstück wieder aufgenommen und beendet hatte, beriet er sich mit seinem gelb-braunen Kollegen.
„Hat die Suchaktion schon Erfolg gebracht?", fragte Ellmo Fiir.
„Nein. Niemand hat etwas oder gar die Vermisste gesehen. Es ist beinahe so vertrackt wie damals vor fünf Jahren, wo dieser Naat Lare einfach nicht sagen wollte, wo er die drei Tage nach der Ermordung der Katze gewesen war."
„Ich erinnere mich", entgegnete Ellmo Fiir angewidert.
„Das unheimlichste an der Sache damals war, daß Naat Lare wirkte, als wenn irgendjemand Größeres dahinter gestanden hätte, welcher unbedingtes Schweigen forderte. Beinahe wie bei einer Verbrecherorganisation."
„Genau dasselbe Gefühl hatte ich bei diesen beiden Bith", warf Ellmo Fiir ein. „Der Eine sagt nichts außer dem, wonach er gefragt wird. Obgleich ich seine Trauer um seine Verlobte spüre. Als wenn er wüsste, daß er und ihr Kind sie niemals wiedersehen werden. Aber dieser andere Bith mit der Maske wirkte, als wenn er immer bekäme, was er will. Als würde er Wesen zerquetschen wie Blattläuse, falls sie sich ihm entgegenstellen. Als würde er über dem Gesetz stehen. Das war noch viel unheimlicher als seine Transpirator-Maske. Ich wette, ihm ist piepegal, was aus Vysteria Gallus geworden ist. Er will wieder zu seiner Tagesordnung übergehen. Und das so schnell wie möglich. Der Fall ist ihm in gewisser Weise lästig. Er ist so aalglatt wie es nur irgendwie geht. Und er und der andere Bith geben einander ein Alibi. Und auf diese Art und Weise können wir keinem der Beiden etwas nachweisen."
„Es ist schon schlimm genug, wie sich manche Touristen hier aufführen", sagte der Gelb-Braune.
„Die hier sind schlimmer als Touristen. Offiziell sind es Geschäftsleute. Aber eigentlich gehören sie nach Nar Shaddaa oder gleich nach Nal Hutta. Dort ist so etwas vollkommen normal", erklärte der bräunliche Ellmo Fiir trocken.
Als Darth Venamis wieder bei seinem Meister auf Sojourn war, klopfte ihm Tenebrous jovial auf die Schulter.
„Gut gemacht, mein Junge. Und jetzt vergessen wir die Sache und ich habe schon bald eine neue anspruchsvolle Mission für dich."
Die Beiden legten noch einen feurigen Lichtschwertkampf hin, dann kündigte der Dunkle Lord der Sith die Nachtruhe an. Venamis streifte noch eine Weile durch die Festung. Er überlegte, wo er die Sex-Broschüre gefunden hatte, um sie wieder an ihren Platz zu legen. Aber er wußte es nicht mehr. Da hörte er ein Geräusch. Sein Meister war immer noch auf! Hastig stopfte er die abgegriffene Broschüre, die er bereits verinnerlicht hatte, in eine Truhe, die gerade neben ihm stand. Dann lauschte er. Nichts weiter geschah. Eilig huschte Darth Venamis in seine Kammer, um sich dort auszuruhen.
Am nächsten Tag flog er nach Glee Anselm zurück, um Elima Gallus zu eröffnen, daß er Glee Anselm wegen seines Chefs auf unbestimmte Zeit verlassen müsse, den kleinen Venam allerdings nicht seiner gewohnten Umgebung entreißen wolle. Er versprach jedoch, sich zu melden. Da Darth Venamis als lediglich Verlobter von Vysteria Gallus kein offizielles Sorgerecht für Venam hatte, sah sich die Schwester als Tante gezwungen, den kleinen Venam wohl oder übel zu sich zu nehmen. Elima Gallus fand es nun an der Zeit, herauszufinden, wer Venams leiblicher Vater war. Sie wußte, wo Vysteria vor ihrer Anstellung bei Dr. Grohmo Kraht gearbeitet hatte.
Dr. Bogo Orba war etwas verwundert, als er die grüne Nautolanerin und das braune Kleinkind vor sich sah, wobei ihn beide Nautolaner stark an seine frühere Angestellte Vysteria erinnerten.
„Sie hatte auf der Station, auf welcher sie arbeitete, ein Verhältnis mit einem Patienten angefangen, weswegen sie fristlos gekündigt wurde."
„Sie ist verschwunden. Und der Verlobte meiner Schwester, der für Venam wie ein Vater war, ist auch abgereist. Können Sie mich zu dem fraglichen Patienten führen? Ich glaube zeitlich passt eine Empfängnis in die Zeit von Vysterias Anstellung auf Bedlam", bat Elima den hellbraunen Ithorianer.
„Gerne. Schwester Marai Calrice wird Sie hinbringen", entsprach er sofort ihrem Wunsch.
Die dickliche Schwester mit den dunkelblonden Haaren war alles andere als erfreut, als ihr Dr. Bogo Orba den Auftrag erteilte, die grüne Nautolanerin samt dem braunen Kind zu Naat Lare zu führen.
„Wie geht es Vysteria denn?", fragte sie überfreundlich.
„Sie gilt seit einer Woche als vermisst. Und niemand weiß etwas. Ich habe jetzt ihren Sohn zu mir genommen und suche dessen richtigen Vater."
„Nun, dann hoffe ich, daß Sie mit dem mutmaßlichen Vater ein Einvernehmen finden. Denn Naat Lare hat bereits einen Sohn."
„Ach ja? Und dessen Mutter lebt noch?"
Marai Calrice dachte nach. Ja, einen Mord würde sie Naat Lare schon zutrauen nach all dem, was er im Bett so abzog.
„Bis jetzt ja. Sie war erst vor vier Tagen hier und hat ihn vom Wochenendurlaub auf Glee Anselm wieder zurückgebracht", erwiderte sie freimütig.
„Das ist interessant", meinte Elima Gallus gedankenverloren.
„Aber das haben Sie nicht von mir, wenn Sie mit Naat Lare reden, ja?"
„In Ordnung", versprach Elima.
Naat Lare schaute emotionslos auf das braune Kind, welches vor ihm stand.
„Sie hatten mit meiner Schwester ein Verhältnis?", fragte Elima Gallus geradeheraus.
„Ja", erwiderte er knapp.
„Haben Sie sie geliebt?"
Naat Lare seufzte auf anstatt gleich zu antworten.
„Sie war hübsch und wir hatten die Gelegenheit. Aber Liebe? Nein."
„Wollten Sie das Kind nicht?"
„Ich wußte gar nicht, daß es ein Kind gibt. Sie hat sich über drei Jahre nicht bei mir gemeldet!", zischte Naat Lare sie an.
„Aber jetzt ist das Kind da. Machen Sie wenigstens einen Vaterschaftstest, wenn Sie sich schon nicht um es kümmern wollen oder können."
„Den können Sie gerne haben. Wieso ist Vysteria nicht hier? Ist sie etwa zu feige, mir ihren Sohn selbst zu zeigen?", inquirierte Naat Lare.
„Sie wird seit einer Woche vermisst und wir haben keine Spur", erwiderte sie.
„Ach? Deshalb sind Sie hier!", fuhr Naat Lare sie an, während seine roten Augen böse funkelten.
„Ich will einfach nur Venams Vater finden", erwiderte Elima Gallus.
„Ach? So heißt er?", fragte Naat Lare überrascht.
„Wieso denn? Was ist denn mit dem Namen?", wunderte sich Vysterias Schwester.
Naat Lare erkannte, daß er einen Fehler gemacht hatte. Ganz egal, was Vysteria verbockt hatte; Darth Venamis sollte nicht unter ihrem Fehlverhalten leiden! Immerhin hatte sein Meister damals versucht, ihn zu befreien. Und fast wäre es geglückt.
„Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Name für einen Nautolaner. Aber sie wird wohl am besten wissen, warum sie ihn so genannt hat", erwiderte er dunkel.
Die Beiden verabschiedeten sich und Naat Lare strich dem unbekannten Kind noch über die braunen Lekkus. Dann begab sich Elima Gallus erneut zum Direktor, um ihm von ihrem bösen Verdacht zu berichten. Sie wollte jedem Hinweis nachgehen, der zum möglichen Mörder ihrer Schwester führen könnte.
Syka Tollmor saß gerade müßig in einem der vielen Restaurants der Strandpromenade von Pieralos und süffelte genüßlich an einem Stimkaff mit Sahne. Da traten auf einmal zwei Polizisten an sie heran.
„Kommen Sie bitte mit!", befahlen sie ihr.
Mit finsterer Miene folgte ihnen die gelbe braungefleckte Nautolanerin. Dabei dachte sie doch, die Sache mit ihrem Ehemann und dem darauf folgenden Freund sei nun endlich ausgestanden. Was mochte wohl die Polizei jetzt gefunden haben?
„Sie haben vor einer Woche Naat Lare auf Bedlam besucht?", eröffnete Ellmo Fiir die Befragung.
„Wie kommen Sie darauf?", fragte sie unmutig.
„Zeugen haben Sie gesehen", erwiderte der Polizeioberwachtmeister streng.
„Und wenn schon. Ist das ein Verbrechen?", gestand sie halb.
„Wenn es um Mord geht, dann gehen wir jeder Spur nach."
Syka zuckte zusammen. Jetzt galt es, nichts zu sagen, was sie belasten könnte. Aber sie fühlte, daß es diesmal nicht um gequälte und getötete Sim-Katzen ging. Also schaute sie den bräunlichen Nautolaner ahnungslos an und sagte nichts.
„Wußten Sie, daß Naat Lare noch einen Sohn von einer gewissen Vysteria Gallus hatte?"
„Von der Schwester auf der Station? Nein, das wußte ich nicht", erwiderte sie wahrheitsgemäß.
„Vysteria Gallus wird seit einer Woche vermisst. Und Naat Lare war in jener Zeit bei Ihnen auf Glee Anselm, als sie verschwand. Wie auch viele Male zuvor. Ihr Wiedereingliederungsversuch von Kriminellen in allen Ehren, aber wollten Sie ihre Nebenbuhlerin loswerden?"
„Ich habe die Frau nur zweimal gesehen und dann nie wieder. Ich wäre nicht darauf gekommen, daß Naat Lare ein Kind mit ihr hat", erwiderte sie ehrlich verblüfft.
„Können Sie beweisen, daß Naat Lare nichts mit einem Mord an Vysteria Gallus zu tun hat?"
„Ich habe Videoaufzeichnungen von meiner Villa, die beweisen, daß er bei mir war. Allerdings waren wir eines Abends noch auf einer Party. Ich weiß nicht, ob sie da Videoaufzeichnungen von haben", erklärte Syka und ihre roten Augen glommen trotzig seine schwarzen Augen an.
„Wir werden das prüfen. Sie können jetzt gehen", entließ Ellmo Fiir die suspekte Zeugin.
Als Syka gegangen war, seufzte Ellmo Fiir auf. Dieser Naat Lare ließ ihn einfach nicht los. Von dem von Syka Tollmor genannten Ort der Party, an welcher sie mit Naat Lare teilgenommen hatte, gab es keinerlei Videoaufzeichnungen. Allerdings hatten Zeugen beobachtet, wie die Beiden die Party verlassen hatten. Zwei Stunden, bevor Venamis mit Vysteria die andere Party verlassen hatte. Also hatten weder Syka noch Naat Lare für die Zeit des Verschwindens von Vysteria Gallus ein Alibi. Nur einen Tag später ging bei der Polizei die Meldung ein, daß Naat Lare wirklich der Vater von Vysterias Sohn war. Jetzt hatten sowohl Naat Lare als auch Syka Tollmor ein Motiv für ein Verbrechen. Als die Polizisten an Sykas Tür klingelten, kamen sie, um die junge Frau in Untersuchungshaft zu nehmen. Ihr Protest wegen des kleinen Mene half nichts. Der Junge wurde in Ermangelung von Verwandten der jungen Frau für die Zeit ihrer Untersuchungshaft ins Waisenhaus gesteckt.
Als Darth Plagueis in seiner persönlichen Truhe ein Buch suchte, fiel ihm als erstes eine ziemlich anrüchige Broschüre in die langen Finger, die nicht die seine war. Ein Bith und eine Menschenfrau waren in ziemlich eindeutiger Pose auf dem Umschlag abgebildet. Hastig ließ Plagueis einige Seiten durch die Finger gleiten, um das Schundbuch endgültig als solches zu verifizieren und es sogleich in das nächstliegende Bücherregel zu stopfen, um es loszuwerden. Er überlegte, wieso sein Meister ihm so etwas untergeschoben hatte. Wollte Tenebrous ihn prüfen? Aber wieso? Weswegen? Er hatte seinem Meister gegenüber niemals Andeutungen gemacht oder auch nur unausgesprochene Gedanken anklingen lassen, die darauf schließen ließen, daß er unziemliche Bindungen zu einem weiblichen Wesen pflegen oder auch nur anstreben würde. Auf jeden Fall war jetzt sichergestellt, daß die Broschüre nicht bei ihm gefunden werden könnte. Und Tenebrous würde sich gewiß nicht die Blöße geben, seinen Schüler direkt nach dem Schundwerk zu fragen – so gut kannte Plagueis seinen Meister bereits in den zweiundfünfzig Jahren, die seine Ausbildung nun schon mit einer längeren Unterbrechung dauerte.
Darth Tenebrous fieberte vor Vorfreude. Nur noch ein paar Tage und er würde endlich den Durchbruch geschafft haben, Maxichlorianer zu erschaffen, die sein Überleben sichern würden, auf daß er die Vollendung des Großen Plans der Sith zumindest als Astralgeist in einem Wirtskörper erleben würde können. Er war sich noch unschlüssig darüber, welchem seiner beiden Schüler die Ehre zuteil werden würde, als Herberge für seinen erlauchten Geist zu dienen. Venamis war zweiundzwanzig Jahre jünger als Plagueis. Aber die Lebenserwartung eines Muun war deutlich höher als die eines Bith.
Seine Augen wanderten zufällig über ein Bücherregal, um an der Stelle hängen zu bleiben, wo sich etwas geändert hatte, zumindest anders schien als sonst. Der Bith versenkte sich in die Macht und streckte wie ferngesteuert seine lange knochige Hand aus, um nun mit traumwandlerischer Sicherheit die Broschüre herauszuziehen, die störte – die gestern noch nicht dort gewesen war. Venamis konnte das nicht gewesen sein. Er war bereits vor drei Tagen wieder abgereist. Blieb noch sein anderer Schüler – niemals hätte er Plagueis so etwas zugetraut! Und daß sein Muun-Schüler obendrein noch so dumm gewesen war, die Broschüre an einen falschen und derart unangemessenen Ort zurückzustellen – unglaublich! Zeit für eine Prüfung. Sicherlich würde Plagueis die Botschaft verstehen. Und er selbst hätte in seiner beider Schüler Abwesenheit endlich ausreichend Zeit, die Erschaffung der Maxichlorianer zu vollenden.
„Mein Schüler, ich habe eine Mission für Dich, die Dich an deine Grenzen führen könnte", leitete Darth Tenebrous sanft seine Erklärung der neuesten Mission für Darth Plagueis ein.
„Was wünscht Ihr, Meister?", fragte der hochgewachsene Muun, sich vor seinem Meister beugend.
„Du wirst dich auf den Planeten Zeltros begeben und dort einer Party von Anfang bis Ende beiwohnen. Hier hast du die Koordinaten", sagte Tenebrous und hielt Plagueis ein Konvolut mit Informationen hin, welches dieser mit erstauntem Blick entgegennahm.
Als er wieder allein in seinem Zimmer war, nahm Plagueis das Konvolut und überflog es rasch. Tenebrous hatte wie immer alles minutiös im Voraus geplant. Den Ort der Party, die Ankunftszeit, seine Übernachtung auf dem lilanen Planeten, der für seine ausschweifenden orgiastischen Partys galaxisweit bekannt war. Nur das Ende der Party hatte Tenebrous zeitlich nicht angegeben. Plagueis fand das seltsam.
„Wann soll denn die Party enden?", fragte Plagueis zwei Stunden später seinen Meister in neutralem Tonfall.
„Ich kann zwar viel vorhersehen, mein Schüler. Aber wann eine Party auf Zeltros endet, das übersteigt selbst meine Gabe für Zukunftsprognosen. Genau deshalb wirst du dich dorthin begeben, um dies herauszufinden. Und um mir Informationen darüber zu geben, wie die Zeltronier ihr Geld verdienen und wie ihr Lebenswandel ist. Aus erster Hand versteht sich."
„Jawohl mein Lord", erwiderte Plagueis mit monotoner Stimme.
Tenebrous grinste hinter seiner Transpiratormaske, Er wußte von früheren dienstlichen Veranstaltungen, welche Partycharakter hatten, wie sehr sein Muun-Schüler diese Art geselligen Vergnügens oder sonstiges allzu lautes und fröhliches Beisammensein von mehr als fünf Wesen an einem Ort haßte. Tenebrous war auch nicht entgangen, wie Plagueis gelegentlich zu einem Glas Wein Zuflucht nahm, um auf der Party eine gewisse Stimmung an den Tag legen zu können, welche ihm bei der Erreichung seiner Ziele zweckdienlich war. Und auf Zeltros sollte sich sein Schüler der ultimativen Party stellen. Er lächelte süßlich hinter seiner Transpiratormaske. Der Dunkle Lord der Sith hatte die Pflicht, seinen Schüler mit dessen größten Ängsten und Abneigungen zu konfrontieren, um ihn zu stählen und abzuhärten. Schon morgen würde sein Schüler abreisen. Und er, Darth Tenebrous, wäre frei für den endgültigen Durchbruch bei den Maxi-Chlorianern.
Dr. Bogo Orba, Leiter des Sanatoriums für Kriminelle Geisteskranke, machte ein sorgenvolles Gesicht, als er Naat Lare zu sich ins Büro einbestellte.
„Ich weiß, daß Sie sich bislang sehr gut geführt haben. Eigentlich wollten wir Sie nächsten Monat entlassen. Aber sie müssen zugeben, daß das spurlose Verschwinden von Vysteria Gallus und Ihr Urlaub in derselben Zeit auf Glee Anselm gewisse Fragen aufwerfen, die erst geklärt werden müssen, bevor wir an eine Entlassung auch nur denken können. Deshalb bleiben Sie auf unbestimmte Zeit weiter auf Bedlam", erklärte der Ithorianer streng.
„Aber wie soll ich beweisen, daß ich es nicht war?", schnappte Naat Lare.
„Sie können jetzt gar nichts tun. Auch Ihre Verlobte nicht."
Es dauerte keine zwei Stunden, dann empfing Dr. Bogo Orba seinen nächsten Besucher. Der Bith mit dem Doktortitel stellte sich sofort als früherer Hausarzt eines Patienten vor.
„Sie kommen sicherlich wegen der verschwundenen Schwester, kann das sein?", fragte der Ithorianer.
„Eine verschwundene Schwester? Nein, ich bin wegen Naat Lare hier und möchte mich nach seiner Genesung erkundigen", erklärte Dr. Kinzo Kanobe dem Kollegen.
„Sie finden ihn in seinem Zimmer oder in der Bibliothek. Schwester Marai Calrice kann Sie begleiten", bot ihm der Ithorianer an.
„Gerne", nahm der Bith-Doktor das Angebot an.
Wie ein geprügelter Hund war Naat Lare nach seinem Gespräch mit dem Sanatoriumsleiter in die Bibliothek geschlichen. Er brütete gerade über der Anatomie von Ithorianern, ihren zwei Mündern, vier Kehlen, die einen gewaltigen Wind zu erzeugen imstande waren. Nach einer Weile tippte ihm jemand auf die Schulter. Er fuhr herum und erstarrte. Dann leuchteten seine roten Augen freudig auf. Vor ihm stand leibhaftig Darth Venamis!
„Es ist Zeit, von hier zu verschwinden", sagte der Bith leise auf Basic. Dann zogen sich beide in einen Raum zurück, wo es keinerlei Überwachungskameras gab.
Schwester Marai Calrice dachte an nichts Böses, als Naat Lare ihr vorschlug, wieder in die Wäschekammer zu gehen. Sie war gerade dabei, sich für ihn auszuziehen, da sah sie den Bith vom Nachmittag hinter einem Wäschekorb hervorkommen.
„Was suchen Sie denn hier? Haben Sie was vergessen?", blaffte sie den Doktor an.
„Ja, ihn", erwiderte Darth Venamis ruhig und wies mit seiner Rechten auf seinen Schüler.
„Los!", hörte Naat Lare seinen Meister zischen. Gleich darauf hielt er eine neue Vibro-Klinge in der Hand, die Venamis ihm nur einen Augenblick zuvor mit seiner Linken zugeworfen hatte.
„Wirst du mich jetzt töten?", fragte Schwester Marai Calrice mit ihren grünen, nun angstvoll geweiteten Augen, als Naat Lare die Klinge auf ihre nackte Brust richtete.
„Ein schneller Tod ist das Beste, was ich dir bieten kann", gab Naat Lare trocken zurück und trieb ihr die Vibroklinge mit einer gezielten Bewegung direkt durch das Herz. Er hielt ihr noch den geöffneten Mund zu, um ihr Schreien zu dämpfen. Dann zog er die blutverschmierte Vibroklinge wieder aus ihrem Körper. Der Oberkörper seines fünften einer intelligenten Spezies angehörenden Opfers sank erschlafft auf den mit Schmutzwäsche gefüllten Wäschetrog, auf welchem die menschliche Schwester kurz zuvor noch gesessen hatte. Blut floß aus Marai Calrices Brustwunde und tränkte die zumeist weißen Wäschestücke nach und nach in ein tiefes unheilverkündendes Rot. Nun zog er sich schnell an und lief zu seinem Meister, der ihm ob der toten Schwester ein zufriedenes und sadistisches Grinsen schenkte.
Naat Lare sprintete Venamis beinahe blind hinterher, welcher sich den von seinem Schüler ausgeklügelten Weg durch das nachtleere Sanatorium bahnte. Zwei Schwestern, eine Twi'lek und eine Tolothianerin, kamen ihnen entgegen, die Naat Lare mithilfe der Macht gegen die Wände schleuderte und dann erwürgte. Niemand war am Tor des Sanatoriumsgebäudes zu sehen. Die beiden Lampen rechts und links am Tor warfen nur einen schmalen Lichtkegel in die Nacht, um den Eingangsbereich auszuleuchten. Aber außer Venamis und Naat Lare war da niemand, der dieses Licht jetzt brauchen würde. Derart unbeobachtet liefen die beiden Männer quer über den Rasen durch den Obsthain, um nach ca. einhundert Metern an den imposanten Torbogen zu gelangen, der den Haupteingang zum Sanatoriumsgelände krönte.
Das Knacken der Klinke von innen alarmierte die beiden verschlafenen Gamorreaner, welche das Tor von außen bewachten. Noch während die Wächter im Begriff waren, das Tor von außen zu öffnen, um nachzusehen, was los war, gab Venamis mit seinen erhobenen Händen seinem Schüler Schützenhilfe bei einem Machtsprung auf die Mauer, um ihm sogleich mit Leichtigkeit hinauf zu folgen. Ihren Abgang auf der anderen Seite der Mauer federte Venamis wieder mit Hilfe der Macht ab, so daß beide Sith nahezu geräuschlos zur Erde schwebten. Die beiden Gamorreaner, welche nun die Tür geöffnet und nach innen gegangen waren, schauten für eine Weile verblüfft in den wesenleeren Obsthain, dann wendeten sie ihre hauerbewehrten Schnauzen in Richtung des Ausbrechers und seines Komplizen auf der anderen Seite des Tores. In diesem Moment erhoben sowohl Venamis als auch Naat Lare ihre beiden Hände, um den beiden feisten Kerlen vor dem Wachhäuschen das Leben aus den Kehlen zu pressen. Nach ca. fünfzehn Standardsekunden sanken die beiden massigen Wächter leblos neben dem Tor nieder.
Der Bith und der Nautolaner hasteten durch die schwarze Nacht Bedlams. Naat Lare sah die vielen Sterne am Himmel stehen, die er in dieser Konstellation so nie wieder sehen würde. Nach ein paar Minuten hatten sie ein Wäldchen erreicht, wo Venamis' Speeder auf sie wartete. Der Weg zur „Intruder" dauerte etwa eine halbe Stunde. Aber als sie das Schiff erreicht hatten, waren alle Sorgen Naat Lares wie weggeblasen. Seine großen roten Augen bestaunten seines Meisters wunderschönes neues riesengroßes Raumschiff. Erst von außen, dann von innen. Darth Venamis war also während Naat Lares Eingesperrtsein äußerst erfolgreich gewesen und nun, nachdem er den Großen Plan der Sith gehörig vorangetrieben hatte, wollte er seinen Schüler an seinem Erfolg teilhaben lassen, um zusammen mit diesem diese Glückssträhne und den damit verbundenen Ruhm der Sith weiterhin zu mehren. Der Bith goß sowohl sich als auch seinem Schüler ein Glas Wein ein, um im großen Aufenthaltsraum der „Intruder" auf Naat Lares Befreiung anzustoßen.
„Jetzt fehlt nur noch ein Lichtschwert für mich", sagte der Nautolaner launig, während er mit seinem Meister beim Essen saß und das schicke Rugess-Nome-Gefährt durch den Hyperraum düste.
„Vorerst wirst du dich mit der Vibroklinge begnügen müssen, aber schon bald wirst auch du ein Lichtschwert dein Eigen nennen, mein Schüler", tönte Venamis vielversprechend und goß sich noch ein Glas Wein ein.
Dr. Bogo Orba war alarmiert, als ihn die gamorreanische Wachablösung darüber informierte, daß sie ihre beiden erwürgten Kollegen vor dem Tor gefunden hätte. Eine halbe Stunde später berichtete ihm Dr. Wirwar vom gewaltsamen Tod von Schwester Marai Calrice, die erstochen im Wäscheraum des Ostflügels des Sanatoriums gefunden worden war. Dem gelben Mirialaner wurde weiterhin von drei geschockten Patienten berichtet, daß diese Drei die beiden getöteten Schwestern leblos auf dem Flur des Sanatoriums gefunden hatten. Weitere zehn Minuten später bemerkte der Leiter der Abteilung Sadisten/Pyromanen die Flucht Naat Lares. Sofort rief Dr. Bogo Orba seinen gestrigen Besucher Dr. Kinzo Kanobe an. Der Bith-Kollege würde ihm vielleicht helfen können, als Hausarzt Naat Lares vielleicht sogar den möglichen Aufenthaltsort seines langjährigen Patienten kennen. Als er die Nummer wählte, die eine Vorwahl vom Planeten Orvax IV enthielt, sagte man ihm, daß dies sehr wohl eine Arzt-Praxis sei, ein Dr. Kinzo Kanobe dort jedoch unbekannt sei. Ein anderer Bith, der die Praxis früher geleitet hatte, sei unter ungeklärten Umständen ermordet worden.
Endlich hatte es der Direktor des Sanatoriums geschafft, die Sicherheitsfirma zu kontaktieren, welche die Holokameras wartete, die das Sanatorium überwachten. Staunend und mit wachsendem Entsetzen gewahrten der Ithorianer und der Mirialaner, wie Naat Lare die beiden Schwestern mithilfe der Macht aus der Distanz gegen die Wand schmetterte, sie erwürgte. Wie der Nautolaner und der Bith mit einem Satz in einer für ihre beiden Spezies ungeahnten Sprunghöhe auf der vier Standardmeter hohen Mauer des Sanatoriums landeten, um hernach gemeinsam auf der anderen Seite dieser Mauer gemächlich hinunterzuschweben – jenseits des Hoheitsbereiches des Sanatoriums von Bedlam. Zum Schluß mußten die beiden Ärzte mit ansehen, wie sowohl der Bith als auch der Nautolaner die beiden Gamorreaner mithilfe der Macht töteten. In diesem Moment begann Dr. Bogo Orba an der Gerechtigkeit in der Galaxis zu zweifeln. Irgendetwas war aus den Fugen geraten. Zeit, die anderen, guten Machtbenutzer, die Jedi zu kontaktieren!
Jedi-Ritter Noga-ta der Jüngere wiegte bedenklich seinen langen Hals hin und her, während ihn sein Speziesgenosse Dr. Bogo Orba von Bedlam per Holo-Projektor kontaktierte. Der holo-blaue Doktor erzählte von einem Insassen, der aus seinem Sanatorium für Kriminelle Geisteskranke ausgebrochen sei. Eigentlich nichts, was die Jedi interessieren würde. Aber dieser Insasse war nicht nur gewalttätig und sadistisch veranlagt, sondern verfügte auch über beträchtliche Machtkräfte, die er dem Personal am gestrigen Tag eindrucksvoll demonstriert hatte. Und über Helfer, über deren wahre Identität sich der Leiter des Sanatoriums nicht ganz im Klaren war. Die Beiden tauschten noch eine Reihe ithorianischer Höflichkeitsfloskeln in ihrer eigentümlichen, mit vielen Kehllauten durchsetzten Sprache aus, dann beendete der Jedi-Ritter die Verbindung, um mit Meister Yoda das weitere Vorgehen zu beraten.
„Immer zu Zweit sie sind", begann Meister Yoda nun über die Sith zu erzählen. „Falls ein Sith er ist: Mit fünfundzwanzig Jahren – nur der Schüler er kann sein. Zum Meister führen – Naat Lare uns kann, wenn geschickt – wir vorgehen", erklärte Meister Yoda dem Ithorianer Noga-ta dem Jüngeren, dem Cereaner Ni-Cada und dessen Zabrak-Padawan Lo Bukk im Konferenzraum des Mitteltempels die Lage. „Aber wo sollen wir ihn suchen?", fragte Ni-Cada. „Zuerst nach Bedlam reisen – Ihr werdet. Eine Verbindung herstellen dort – mit Naat Lare ihr müßt. Da, wo zuletzt gesehen - er wurde. Dann wissen Ihr werdet – wo weiter suchen – ihr müßt", erklärte der Großmeister des Jedi-Ordens, während seine beiden grünen dreifingerigen Hände auf den Cereaner und den Zabrak wiesen.
Lo Bukks orangene Augen glänzten. Es war das erste Mal, daß sein Meister ihn zu einer Besprechung im obersten Raum des Mittelturms des Jedi-Tempels mitnahm – eine Ehre, die Padawanen normalerweise nicht gewährt wurde. „Wir danken Euch", sagten Meister und Padawan im Chor, nachdem Yoda ihnen ein Schiff mit großzügiger Ausstattung zur Verfügung gestellt hatte, um sich damit nach Bedlam zu begeben, damit diese Dunkle Bedrohung eliminiert werden konnte.
Darth Plagueis stand unbeweglich am Rande der Tanzfläche des großen Festsaales in Zeltros, der Hauptstadt des gleichnamigen Planeten. Um ihn herum waren die rosahäutigen und purpurhaarigen Zeltronier sowie Touristen beiderlei Geschlechts damit beschäftigt, miteinander zu tanzen, zu flirten oder zu trinken. Normalerweise hätte sich der Sith-Lord jetzt auch ein Glas zum Trinken geholt. Aber er hatte andere Pläne. Sein Meister hatte ihm den Auftrag erteilt, genau dieser Party, der größten und bedeutendsten überhaupt, die jede Woche einmal stattfand, von Anfang bis Ende beizuwohnen. Aber Tenebrous hatte es seinem Schüler nicht untersagt, auf den Lauf der Ereignisse auf dieser Party Einfluß zu nehmen. Und diese Unterlassung seines Meisters würde Darth Plagueis nutzen.
Er fixierte mit stechendem Blick ein Tanzpärchen. Die Beiden merkten anfangs nicht, was sich vor ihnen zusammenbraute, dann stolperte die Frau, als Plagueis ihre Füße mit seinem starren Blick fixierte. Sie riß ihren Tanzpartner mit zu Boden. Der Mann, wie seine Partnerin ein Zeltronier, schaute den in seine formelle schwarz-grüne IBC-Tracht gewandeten Muun böse an. Aber Plagueis blieb stoisch stehen und starrte dem Mann ruhig und kalt in die lilafarbenen Augen.
„Er ist ein Finanzrevisor vom Bankenclan! Deshalb tanzt er nicht mit", rief jemand, um sich ebenfalls einen stechenden Blick des Sith-Lords einzufangen.
Eine Gruppe von Zeltroniern tuschelte. Dann löste sich aus der Gruppe eine attraktive Zeltronierin von vielleicht fünfundzwanzig Jahren und steuerte direkt auf Plagueis zu.
„Wollen wir tanzen?", fragte sie den Sith-Lord.
„Nein. Jetzt nicht", erwiderte er, um sie nun überkritisch zu mustern. Er mußte zugeben, daß die aufgescheuchte Gruppe ein recht hübsches Exemplar ihrer Spezies zu ihm geschickt hatte. Aber der Sith-Lord war aus härterem Holz geschnitzt, als daß er sich von pheromongesteuerten und durch Pheromone manipulierende Leute wie Zeltronier derart plump würde einwickeln lassen.
„Was wollt Ihr dann hier?", fragte ihn die Frau weiter.
„Mich amüsieren", entgegnete er mit einem dünnen Lächeln, während seine grünen Augen sie gefährlich anglommen.
„Ihr habt eine recht seltsame Vorstellung davon, sich zu amüsieren", gab die Zeltronierin zurück.
„Das mag ja sein. Und doch tue ich es", erwiderte er hochnäsig, von seiner Größe von etwas über zwei Metern auf sie, die vielleicht Eins Siebzig groß war, leicht gelangweilt herabschauend.
Irritiert drehte die Frau wieder ab und ging zurück zu ihrer Gruppe. Plagueis stand indes unbeeindruckt weiter am Rand der Tanzfläche und sandte pfeilgleich strafende vernichtende Blicke in die Menge, die automatisch einen Kreis um ihn bildete, welcher einen Durchmesser von etwa acht Standardmetern hatte. Die Wesen, welche diesen Kreis säumten, starrten ängstlich auf den Sith-Lord, den Mittelpunkt dieses furchtbaren Kreises, während dieser ihre Blicke locker konterte. Um den Kreis herum tanzten die Leute weiter, aber ihre Bewegungen erschienen verlangsamt und seltsam steif, während sich die laute Musik in Kreisnähe unnatürlich verzerrt und dumpf anhörte.
„Er sucht irgendjemanden", wisperte ein Zeltronier.
„Bestimmt Cato, der macht immer so zwielichtige Deals", flüsterte ein anderer.
Mittlerweile war der Kreis um Plagueis auf einen Durchmesser von zehn Metern angeschwollen.
Nach einer Weile kam ein Saaldiener auf Plagueis zu und fragte:
„Kann ich dem Herrn vielleicht irgendeinen Wunsch erfüllen?"
„Nein, das können Sie nicht", gab der Muun achselzuckend zurück.
„Dann bitte ich Euch, diese Party zu verlassen", sagte der Zeltronier, all seinen Mut zusammennehmend, wie Plagueis anerkennend bemerkte.
„Es steht Ihnen nicht zu, mich um so etwas zu bitten", entgegnete Plagueis mit sonorer Stimme und machte dazu eine wedelnde Handbewegung.
„Es steht mir nicht zu, Euch um so etwas zu bitten", wiederholte der Saaldiener gehorsam und sah Plagueis in die Augen, so wie ein Kaninchen in die Augen einer Schlange schaut.
„Und jetzt – laß mich allein!", befahl ihm der Sith-Lord in derselben monotonen Stimmlage, wieder die wedelnde Handbewegung machend.
Der Saaldiener drehte sofort ab, während Plagueis zu sehr über diesen Dingen stand, als daß er sich an der Scham des armen Mannes weiden würde wollen. Stattdessen minimalisierte er seine Präsenz, so daß er für Umstehende nur noch als ein undeutliches Schemen erkennbar war. Langsam löste sich der Bannkreis um ihn herum wieder auf. Die Musik war nun wieder überall klar und voll zu hören. Das Tanzen der Leute gewann erneut an Schwung und Temperament. Niemand achtete mehr auf den Muun, welcher kurz zuvor noch für derart fühlbares Unbehagen gesorgt hatte. Derart unscheinbar geworden, entfernte sich Plagueis, um nun über eine geschwungene Treppe zur Balustrade hinauf zu eilen, welche sich in erhabenen vier Standardmetern Höhe an den insgesamt vielleicht acht Meter hohen Saalwänden in einem Viereck über der Tanzfläche entlang zog.
Auf der Balustrade war so gut wie niemand. Sie würde sich erst später mit Partygästen füllen, wenn unten so gut wie kein Platz mehr sein würde. Nun stand der Sith-Lord am kunstvoll geschnitzten Holzgeländer der Balustrade, um auf die sich emsig bewegende und brodelnde Menge unter ihm zu schauen. Er sah, wie ein Partygast scheinbar ohne Grund zusammengebrochen war und nun von einigen Leuten nach draußen gehievt wurde - wohl um medizinische Hilfe zu holen. Und in solch eine ausschweifende Menge hatte ihn sein Meister geschickt! Das erste Mal seit dem Beginn seiner Sith-Ausbildung fühlte Darth Plagueis, daß der Augenblick, sich seines Meisters, der ihm derart unsinnige Missionen aufhalste, zu entledigen, ziemlich nahe war.
Es war Darth Plagueis nach wie vor ein Rätsel, wie sich intelligente Wesen ohne sinnvollen Zweck oder ein in seinen Augen lohnenswertes Ziel zwanglos und scheinbar planlos trafen, um mit diesem oder jenem zusammen das Tanzbein zu schwingen und sich dabei einen Drink nach dem anderen zu genehmigen. Nun ja, für letzteres hatte er durchaus Verständnis. Aber nur dafür. Die ausgelassene Fröhlichkeit der Zeltronier und der zumeist menschlichen Touristen-Gäste auf der Party war für ihn nur ein Auswuchs des scheinbar ungeordneten und willkürlichen Waltens der Macht in der Galaxis als Ganzem - eine frivole Anomalität, die geradezu danach schrie, von einer planenden und ordnenden starken Hand eingehegt und auf ein vertretbares Niveau heruntergebrochen zu werden.
Darth Plagueis entfaltete nun mit einem Mal seine gesamte Machtpräsenz. Seine Augenfarbe wechselte von Grün zu strahlendem Gelb. Nun, wo er in seiner ganzen Dunklen Herrlichkeit am Geländer der Balustrade stand, ließ er seiner Kehle mithilfe der Macht einen abgehackten Laut entweichen, der derart laut und schrill war, daß er nicht nur die Partymusik um mindestens hundert Dezibel übertönte, sondern außerdem einer Schallwaffe gleich die Trommelfelle aller Wesen in einem Umkreis von zehn Metern zum Platzen brachte, während sich die Glücklichen außerhalb dieses Bannkreises entsetzt die Ohren zuhielten. Eine riesige, gleichmäßige Welle des Schocks breitete sich von ihrem Epizentrum ausgehend im gesamten Festsaal aus. Der kollektive Schock ließ das Partyvolk unter dem Sithlord in der jeweiligen, augenblicklichen Bewegung erstarren. Plagueis' gelbe Augen folgten der von ihm erzeugten Welle mit unverhohlener Faszination, war dies doch das erste Mal, daß er diese Art Macht-Waffe an lebendigen und noch dazu halbwegs intelligenten Wesen testete.
Die laute Partymusik war schlagartig verstummt, nachdem die sonische Waffe des Sithlords nicht nur etliche Trommelfelle, sondern ebenso sämtliche im Saal installierten Lautsprechermembranen zum Platzen gebracht hatte. Nachdem die Schock-Welle in der Menge abgeebbt war, folgte ihr schiere Panik. Die Zeltronier, Menschen und einige andere Spezies hasteten den Ausgängen zu, ohne zu wissen, ob jene überhaupt auslassbereit waren. Darth Plagueis fand es an der Zeit, sich nun dem Strom der Flüchtigen anzuschließen, die diese im wahrsten Sinne des Wortes geplatzte Party nun nach außen drängend und schiebend zu verlassen suchten. Der Sith-Lord nahm, während er noch die geschwungene Treppe hinuntereilte, wahr, wie eine kleinere verschlossene Seitentür der panischen Menge den Ausgang verwehrte. Er hob seine Hände, um die Macht zu nutzen … und das Schloß brach. Die bereits heruntergedrückte Klinke ließ die Tür nach außen hin aufspringen und die Menge strömte schubsend und stoßend mit roher Gewalt hinaus auf die bereits dunklen Straßen von Zeltros.
Die Party hatte keine zwei Stunden gedauert. Aber Darth Plagueis hatte ihr von Anfang bis Ende beigewohnt – wie von seinem Meister gewünscht.
Er war ins Freie getreten. Rettungsgleiter des örtlichen medizinischen Hilfsdienstes kamen in Richtung des Gebäudes gefahren. Plagueis war sich sicher, daß die Rettungssanitäter und Ärzte in den umliegenden Krankenhäusern sich gut um die Notfallpatienten mit den geplatzten Trommelfellen kümmern würden. Während der Sith-Lord in stoischer Ruhe durch die verstörte, durch die Straßen irrende Menge schritt, sah er eine Zeltronierin auf einer Bank sitzen. Sie weinte, ohne sich um ihre Umgebung zu kümmern. Sie war offensichtlich auch einer der Partygäste gewesen, allerdings schienen ihr die Panik und der Tumult um sie herum nicht sonderlich nahezugehen. Sie war ganz im Gegenteil vollkommen in ihrer eigenen Trauer versunken. Plagueis fand das interessant.
„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?", fragte er die fremde Frau.
„Das glaube ich kaum", erwiderte sie und schaute den fremden Muun abweisend an. Plagueis fand, daß diese Frau für eine Zeltronierin in ihrer schroffen abweisenden Art sehr untypisch für ihre Spezies war. Aber das gefiel ihm um Längen besser als das anbiedernde Verhalten ihrer Speziesgenossin auf der Party ihm gegenüber.
„Aber Sie können hier so nicht sitzen bleiben. Wenn Sie wollen, kann ich Sie nach Hause bringen", bot er ihr an.
„Danke, aber ich bin nicht so eine Frau", erwiderte sie mit zusammengekniffenen Augen.
„Und ich … bin nicht so eine Art Mann", gab Plagueis jetzt leicht verärgert zurück.
„Was wollt Ihr dann hier?", fragte sie überrascht.
„Ich möchte etwas über die Lebensweise und den Broterwerb der Zeltronier erfahren", erklärte Plagueis wahrheitsgemäß.
„Deshalb seid Ihr nicht hier!", sagte sie mit einem bitteren Lachen.
„Oh, aber durchaus", erwiderte er sanft.
„Dann kommen Sie mit", sagte sie.
„Ich werde uns ein Speeder-Taxi rufen", kündigte Plagueis an.
Nachdem sie in ihrer kleinen Wohnung waren und sie sich und ihm ein Glas Wein eingeschenkt hatte, fragte er sie:
„Warum haben Sie vorhin geweint?"
„Ich bin mit einer Freundin auf der Party gewesen. Aber sie hat dort spontan einen Mann kennengelernt und mich allein zurückgelassen. Ich habe mich einsam unter Vielen gefühlt. Kennen Sie dieses Gefühl?"
Er musterte sie. Im Gegensatz zu anderen Wesen ihrer Spezies war ihre Haut beinahe weiß, während ihre Augen genauso violett waren wie ihre halblangen glatten Haare. Ihre Lippen waren dunkelblau. Die junge Frau war außerordentlich schlank und gut gebaut. ‚Ein Wunder, daß so eine Schönheit auf dieser Party allein geblieben ist', dachte er.
„Dieses Gefühl ist mir nicht fremd. Aber warum haben Sie sich nicht auch einen Mann gesucht, so wie Ihre Freundin?", fragte Plagueis und schaute auf sein leeres Glas. Sofort schenkte sie ihm noch etwas Wein nach.
„Weil ich so etwas nicht will. Ich bin sehr wählerisch, verstehen Sie?"
„Oh, ja. Was machen Sie denn beruflich?", fragte er.
„Ich bin Bankkauffrau", erwiderte sie.
„In welcher Bank arbeiten Sie denn?", signalisierte er nun lebhaftes Interesse.
„In der Zentralbank von Zeltros", erwiderte sie.
„Gefällt Ihnen Ihre Arbeit?"
„Eigentlich schon. Aber heute Abend hatte ich nur ein Beratungsgespräch wegen eines Kredits und dann hat mich meine Freundin auf der Party alleingelassen."
„Sie haben auf der Party Bankberatungsgespräche geführt?", fragte Plagueis verwundert.
„Das macht die Bank immer so. Entweder auf Partys oder in Wellness-Centern. Deswegen gibt es bei der Bank von Zeltros unheimlich viele Außendienstmitarbeiter, die nur das machen. Außerdem vermittelt die Bank Partybegleitung für Leute, die andere Leute beeindrucken wollen oder einfach nicht allein auf Partys gehen wollen."
„Um Leute zu beeindrucken?", fragte Plagueis ungläubig.
„Viele Männer wollen eine ganz bestimmte Frau herumkriegen, wissen aber nicht, wie sie es anstellen sollen. Und da komme ich oder eine meiner Kolleginnen ins Spiel. Wenn die Frau seiner Begierde ihn mit mir sieht, dann denkt sie, er ist vergeben und sehr interessant, wenn er mit so einer schönen Frau an seiner Seite ausgehen kann. Und dann bemüht sie sich um ihn. Und wenn er sie dann hat, ziehe ich mich zurück und er zahlt der Bank die Vermittlungsgebühr."
„Machen das alle Mitarbeiter?"
„Für die Jüngeren sind solche Dienste Pflicht", erklärte sie.
„Und es bleibt bei der Begleitung. Es passiert nicht mehr?", fragte er.
„Nein!", erwiderte sie entsetzt. „Das wäre ja …"
Plagueis hielt sich den Finger an den Mund, um sie daran zu hindern, das schreckliche Wort auszusprechen. Erleichtert über seinen Wink atmete sie auf und ließ ihren Satz unvollendet.
„Sie arbeiten also meist gar nicht im Büro oder an einem Bankschalter, sondern eher auf Partys?" inquirierte Plagueis weiter.
„So ist es. In Büros arbeiten nur die Mitarbeiter, die sich mit solchen superernsthaften Spezies wie …", sie verfiel plötzlich in Nachdenken und schaute dabei angestrengt nach links an ihm vorbei, „… Bith oder Givin beschäftigen, wenn die hier gelegentlich Geschäfte tätigen. Alle anderen sind auf Partys. Und für den Geldtransfer gibt es schließlich Geldautomaten", erklärte sie nun schon viel fröhlicher, ihm das vierte Glas Wein nachschenkend, während sie erst beim Zweiten war.
„Das hört sich alles sehr interessant an", meinte Plagueis. „Ich werde mir diese Zentralbank morgen einmal anschauen. Aber vorerst werde ich mich in ein Hotel begeben, um dort zu nächtigen", kündigte er an.
„Wollen Sie nicht hier übernachten? Von hier bis zur Zentralbank sind es nur zehn Minuten", bot sie ihm an.
„Das kann ich nicht annehmen. Sie haben mir schon genügend von Ihrer Zeit geschenkt", wiegelte er bescheiden ab.
„Oh, das macht gar nichts. Und während ich schlafe, könnt Ihr mir ohnehin keine Zeit mehr stehlen", meinte sie mit einem verschmitzten Lächeln.
„Vielen Dank. Ich weiß Ihr Angebot zu schätzen, aber ich habe bereits reservieren lassen", log er, um sich loszueisen.
Seine Gesprächspartnerin zog einen Schmollmund, dann fing sie sich wieder und brachte ihren Gast zur Tür.
„Ihr seid wirklich ganz anders als die anderen Männer. So ernsthaft, wohlerzogen und so … kultiviert", sagte sie, bewundernd zu ihm aufschauend.
„Ich wünsche Ihnen, daß Sie bald jemanden finden, der Ihrer würdig ist", sagte Darth Plagueis zum Abschied, dann winkte er ein Speeder-Taxi, um sich von diesem zu einem Hotel bringen zu lassen, mit welchem dieser Taxifahrer sicherlich genau zu diesem Zweck zusammenarbeitete. Außerdem hatte Tenebrous diese Art der Hotelsuche genauso angeordnet.
Als Darth Plagueis am nächsten Morgen gegen neun vor dem wuchtigen Eingangsportal der Zentralbank von Zeltros ankam, sah er, wie einige Leute angetan in lustigen Kostümen und mit bunten Hütchen auf dem Kopf in Richtung Bank strebten. Verwundert registrierte er, wie ein großgewachsener Zeltronier, welcher sich als Trandoshaner verkleidet hatte, sich aus dieser bunten Menge schälte, einen Schlüssel aus den Taschen seines hellgrünen Gewandes hervorkramte und damit das Tor der Bank aufschloß. Plagueis entschloß sich, einfach mit der bunten Truppe ins Gebäude zu ziehen. Vielleicht könnte er ja einen als Party getarnten Banküberfall verhindern.
„Oh, da wird sich der Chef ja freuen", sagte eine kleine mopselige Zeltronierin aus der Gruppe zu ihm, deren zartlilanes Gesicht ein loth-katzenhaftes Make-Up zur Schau trug. Plagueis bekam spontan ein ungutes Gefühl ob ihrer Bemerkung. Die bunte Schar ging in einen großen Raum, offenkundig eine Art Festsaal. Ein langes Buffet war bereits aufgebaut worden. Laute Musik spielte und die, wie Plagueis nun wußte, Mitarbeiter der Bank begannen spontan zu tanzen.
Nach etwa zehn Minuten kam der Chef. Hego Damask erkannte sofort den ziemlich jungen Speziesgenossen, welcher beinahe so groß wie Plagueis war. Der andere Muun war in eine grellrote glitzernde Robe gekleidet, die seinen blassen Teint noch fahler, wenn nicht geradezu leichenhaft wirken ließ. Auf seinem kahlen Kopf trug er statt der für Muun üblichen Kopfbedeckungen ein zu seiner Robe farblich passendes grellrotes spitzes Hütchen mit fetten aurodiumfarben glitzernden Punkten. Und er war nicht allein gekommen. Neben ihm schritt eine in ein blau glitzerndes, ziemlich offenherziges Minikleid gewandete zierliche schlanke Zeltronierin, welche Plagueis, nachdem er sich kurz in die Macht versenkt hatte, um das Aurageflecht beider korrekt zu analysieren, sofort als Geliebte des Muun erkannte. Als der andere Muun den Chef von Damask Holdings gewahrte, erstarrte er und ging langsam mit einem gekünstelten schmalen Lächeln auf den Gast zu, während seine Begleiterin etwas verlegen an Ort und Stelle verblieb.
„Oh, Magister Damask. Ich wußte nicht, daß wir die Ehre haben …"
„Und Ihr seid …?"
„Clu Lesser vom Bankenclan. Der IBC hat mich abgestellt, um auf Wunsch des Königs von Zeltros die Zentralbank dieses Planeten kommissarisch zu leiten, nachdem der letzte Chef hier totales Chaos hinterlassen hatte."
„Und? … Was ist das hier?", fragte Hego Damask, etwas genant um sich schauend. Dann sah er Clu Lessser direkt in die violetten Augen, die genauso violett waren wie die von dessen zeltronischer Geliebter. Der Sith-Lord fragte sich in diesem Augenblick, ob die Augenfarbe wohl das Hauptkriterium gewesen war, weshalb der IBC gerade diesen Muun nach Zeltros entsandt hatte. Oder hatte der zeltronische König speziell ihn angefordert?
„Eine Pre-Work-Party", erklärte Clu Lesser. „Die Mitarbeiter arbeiten ja so hart auf den After-Work-Partys, da haben wir gedacht, wir organisieren vor Arbeitsbeginn noch eine Pre-Work-Party, wo die Mitarbeiter einmal ganz sie selbst sein können", fügte er stolz hinzu, während Plagueis seinen Speziesgenossen mit in Erstaunen geöffnetem Mund anschaute. So langsam beschlich den Sith-Lord das Gefühl, daß das Vergnügen auf dem Planeten Zeltros eine sehr ernste Sache war.
„Und wann ist hier Arbeitsbeginn?", fragte Plagueis spitz.
„Gegen elf Uhr vormittags."
„Gegen elf Uhr?", wunderte sich Hego Damask, gravierende Unpünktlichkeit vermutend.
„Nun ja, manchmal sind es auch schon mal zehn Minuten später. Aber die ersten Kunden kommen eh erst gegen halb zwölf. Da haben wir genügend Zeit, alles vorzubereiten", erklärte Clu Lesser mit einem entschuldigenden Lächeln.
Plagueis drehte sich instinktiv um, um nun seine Bekanntschaft von letzter Nacht zu gewahren, die sich ebenfalls unter die Pre-Work-Partygäste zu mischen im Begriff war. Der Sith-Lord fand, daß er nun genug gesehen hatte. Er erwiderte noch flüchtig das erkennende Lächeln seiner gestrigen Gastgeberin, dann strebte er zügig dem Ausgang des Raumes zu, um die Zentralbank von Zeltros so schnell zu verlassen, wie er sie aufgesucht hatte. Er hatte nun auch den zweiten Teil seiner Mission für Darth Tenebrous erfüllt und sah keinen Anlaß, noch länger auf dem lilanen Party-Planeten zu verweilen.
„Ach … richtet doch bitte dem Vorsitzenden Tonith meine besten Grüße aus!", rief ihm Clu Lesser noch hinterher. Hego Damask nahm sich vor, später bei geeigneter Gelegenheit daran zu denken.
Venamis ließ sein Schiff auf Abraxin landen, einem Stern nicht weit von Bedlam entfernt.
„Hier wirst du deine nächste Prüfung absolvieren", erklärte er Naat Lare mit einer wichtigtuerischen Miene. „Die Sümpfe dieses Planeten bergen eine Spezies, die als Marschphantome bekannt sind. Sie sind Primitive, deren Intelligenz noch nicht einmal ausreicht, um Basic zu lernen oder zu verstehen. Aber sie benutzen die Macht zum Jagen. Und Du wirst sie aufspüren und erlegen. Wie diese da!"
Venamis wies auf ein offensichtlich weibliches Exemplar dieser Lebensform, welches gerade an ihm vorbeiwatete. Naat Lare zückte seine Vibroklinge und schickte sich an, loszugehen.
„Halt!", hörte Naat Lare plötzlich Venamis' Stimme. Er hielt inne und wandte sich zu seinem Meister um.
„Du sollst sie erst nehmen, so wie ein Mann eurer Spezies eine Frau nimmt. Dann kannst du mit ihr machen, was du sonst mit den Tieren tust."
„Aber … ich kann das so nicht auf Kommando", wandte Naat Lare ein.
„Du mußt dich abhärten", erklärte Venamis. „Du mußt das auch als Strafe anwenden. Zur Demütigung unserer Feinde, verstehst du?"
Naat Lare zögerte. Die unglückliche Schwester zu töten war einfach gewesen, weil Marai Calrices Tod kein Sex vorausging und ihr Tod überdies für Venamis' Rettungsplan von Nöten gewesen war. Aber jetzt einfach so eine Vergewaltigung, Ausweidung und einen Tod nacheinander gedanklich zu planen – so etwas Monströses hatte er noch nie getan.
„Jetzt mach schon. Das hier sind eh bessere Tiere. Denk dabei an Kellaya, wenn du nicht gleich kannst", ermunterte ihn Venamis. Jetzt setzte sich der blaugrüne Nautolaner in Bewegung. Und dachte folgsam an Kellaya.
Er packte das Wesen von hinten. Offenbar war kein anderes Wesen in der Nähe, auch und gerade nicht von ihrer Spezies. Naat Lare drückte sie auf den Boden. Sie hatte überhaupt nichts an. Also zog er seine Hosen herunter und drang in sie, die zwei Köpfe kleiner als er war, mit Macht ein. Mit jedem Stoß fühlte er, wie er steifer wurde. Aber sie war zu eng, zu kurz. Das erregte ihn zusätzlich. Er konnte sich nicht weiter beherrschen. Er stieß immer härter zu, immer schneller. Irgendetwas riß vor seinem erigierten Glied. Das Wesen schrie auf. Er hielt ihr den Mund zu. Irgendwann kam er. Er sah die winzigen schmerzverzerrten Augen in dem verkümmerten kleinen Schädel, der aussah, als wäre er lediglich ein kleiner Auswuchs zwischen den Schultern. Dann holte er seine Vibroklinge, um auf die Augen zu zielen, während er noch in ihr war.
Darth Venamis sah dem Schauspiel aus etwa zwei Standardmetern Entfernung genüßlich zu. Jetzt endlich konnte er sich den Traum erfüllen, einmal live zu erleben, wie Humanoide mit voll funktionierenden Geschlechtsorganen sich fortpflanzten. Sicher gab es auch Schmuddel-Holovids darüber. Aber wozu hatte er schließlich seinen Schüler? Auch er als Meister hatte eine Abhärtung nötig. Warum nicht Vergnügen und Pflicht miteinander verbinden? Er war sich sicher, daß Tenebrous sein Vorhaben als kindisch und unnütz abtun würde. Aber Tenebrous war nicht hier. Und Zeugen würde es nicht geben.
Nachdem Naat Lare dem weiblichen Wesen das Herz aus dem noch zuckenden Leib geschnitten hatte, schaute er zu Venamis hinüber, um auf dessen Gesicht einen Ausdruck seliger Verzückung zu finden. Hatte sein Meister ihn etwa aus Bedlam befreit, um jetzt durch ihn irgendwelche unterdrückten Perversionen auszuleben, die er aufgrund der für seine Spezies typischen verkümmerten Geschlechtsorgane nicht selbst zu erleben in der Lage war? Ihm wurde auf einmal bewußt, daß sein Meister höchstens fünfzehn Standardjahre älter war als er selbst. Ob ältere Sith als Meister so etwas auch von ihren Schülern verlangen würden – verlangt hatten? Naat Lare bezweifelte dies stark. Sein Meister hatte wohl gerade seinem mörderischen Spieltrieb freien Lauf gelassen. Während ihm das Ganze, sprich: das Vergewaltigen – Ausweiden – Töten etwas zu viel gewesen war. Benommen legte er das Herz neben das weibliche Wesen.
Am nächsten Morgen hörte Naat Lare, wie sein Meister mit jemandem in seiner Muttersprache redete. Er lugte durch die Tür, um zu sehen, wie Venamis in beinahe demütiger Haltung mit einem anderen Bith redete. Eilig verschwand er wieder in seiner Kammer, um nicht Venamis' Unmut auf sich zu ziehen.
Naat Lare sah den Missmut in den schwarzen Augen seines Meisters, nachdem dieser sein Gespräch mit dem anderen Bith beendet hatte und sich zu seinem Schüler in dessen Kammer begab, um ihm eine wichtige Mitteilung zu machen.
„Ich werde morgen für ein paar Tage Bedlam verlassen. Du hingegen wirst hierbleiben und dich abhärten, indem du die Marschphantome jagst. Gib gut acht. Sie haben ein Rudeldenken und eine Art kollektiver Intelligenz. Sie werden sich gegenseitig warnen und schützen. Du wirst dich also meist mehreren Exemplaren dieser Spezies gegenübersehen. Ich werde mich melden, bevor ich zu dir zurückkehre."
Naat Lare gefiel nicht, daß sein Meister ihn bereits einen Tag nach seiner Flucht wieder alleine ließ. Ihn tröstete allein der Gedanke, daß Darth Venamis ihre erneute plötzliche Trennung ebenso wenig zu behagen schien wie ihm selbst.
Note der Autorin: Endlich darf Plagueis loslegen und zeigen, was er kann! :) Die Schallwaffe wendet er übrigens später auch im Roman „Darth Plagueis" von James Luceno an. Dort sind auch Jedi-Meister Ni-Cada und dessen Padawan Lo Bukk zu finden. Und auch Clu Lesser gibt es wirklich. Er taucht in TCW, Staffel 6 im Arc um Rush Clovis auf.
Jedi-Ritter Noga-ta wiederum taucht in den Neuen Yoda-Chroniken von Lego-Star-Wars auf.Der Noga-ta des Kanonslebte viel zu früh, als daß er die Jedi-Holocrone vor Vader hätte retten können so wie in dem Lego-Film "Flucht aus dem Jedi-Tempel". Deshalb heißt der Noga-ta in meiner Geschichte Noga-ta der Jüngere, während ich den Älteren der Beiden in meiner Plagueis-Shaak-Ti-Geschichte in Kap. 24 lobend erwähnt habe.
