9. Das Frettchen auf der Mauer
Am Donnerstag, genau genommen spät nachmittags, fand sie sich mit einem sichtlich unglücklichen Ron in Gegenwart eines noch unzufriedeneren Malfoys wieder.
Mione seufzte, während Ron neben ihr die Hände in die Hüften gestemmt hatte und der Blonde den übel riechenden Becher in ihrer Hand äußerst skeptisch und ungläubig musterte.
„Warum genau soll ich mich schon wieder bis auf die Unterwäsche ausziehen?", zischte er und klammerte sich einen Moment fast schon etwas hilflos an einem von Rons alten Pullovern fest.
Komischerweise wirkte der graue Stofffetzen an Malfoy weniger erbärmlich, als er es an Ron getan hatte. Ebenso die meisten anderen Kleidungsstücke, die ihr bester Freund dem Feind in den eigenen Reihen vor einigen Tagen selbstlos zur Verfügung gestellt hatte. So dass der elende Schönling nicht tagtäglich dasselbe weiße Hemd und dieselbe schwarze Hose tragen musste.
Mione musste zugeben, dass sein Gesichtsausdruck als sie ihm Rons aussortierte Sachen aufgetischt hatten, wirklich zu amüsant gewesen war. Einen Moment hatte sie fest damit gerechnet, dass er komplett aus der makellosen Haut fahren würde.
Doch natürlich ließ er sich den Ärger nicht anmerken und tat die ganze, absurde Situation mit einem fiesen Lächeln und einem noch fieseren Spruch, der sich an Ron richtete, ab.
Dieser lachte gerade neben ihr auf und riss sie aus den Gedanken.
„Weil wir uns mal wieder an deinem bleichen Hintern erheitern wollen. Oder kannst du dich vielleicht gerade nicht in Shorts zeigen?", fragte er schneidend und starrte dem Blonden unverschämt und unverblümt auf den Schritt.
Malfoy zog eine feingeschwungene Augenbraue hoch und bedachte ihren besten Freund mit einem herablassenden Schnauben. „Nicht alle Männer haben ihr jämmerliches Leben lang Probleme mit den Hormonen, Wiesel."
„Die Wandlung wird deine Kleidung sprengen", mischte sich der Lockenschopf hastig ein. „Und für Streitereien haben wir jetzt wirklich keine Zeit."
Der Blonde bedachte sie mit einem letzten undeutbaren Blick und zog sich dann wortlos den Pullover über den Kopf. Zurück blieb seine bleiche und fast makellose Haut. Nur hier und da fanden sich längst verheilte Narben. Die jüngste an seiner Brust hatte nicht einmal eine Woche benötigt, um vollkommen spurlos zu verschwinden. Anhand der Verkrustung hatte sie deuten können, dass es unter normalen Umständen mindestens zwei Wochen benötigt hätte.
Was schlicht und einfach bedeutete, dass seine Wunden bereits jetzt doppelt so schnell abheilten, wie im Normalfall. Und dass ohne das Zutun von Zaubern und Hilfsmitteln.
„Wie ist es passiert? Also, wie wurdest du gebissen?", hörte sie sich selber plötzlich fragen.
Um ehrlich zu sein stellte sie sich diese Frage bereits seit einigen Tagen. Im Grunde seit er ihr vor rund einer Woche infiziert gegenüber getreten war. Doch seit sie in den zahlreichen Büchern verschiedenste Theorien über die Fortpflanzung der Lamia gelesen hatte, schien ihr Malfoys Fall immer suspekter.
Die Lamia infizierten ihre Nachkommen nicht einfach so; schon gar nicht, wenn es sich um einen Magier handelte. Doch ein Unfall durch einen Vitias schien ihr nicht wirklich plausibel. Dazu waren seine Wunden einfach zu minimal gewesen.
Malfoy öffnete grinsend die Gürtelschalle von Harrys dunkelblauer Jeanshose, die ihm ebenfalls zur Verfügung gestellt wurde, und funkelte sie amüsiert an. „Ich denke nicht, dass wir gerade dafür Zeit haben."
Ron lachte neben ihr spöttisch auf. „Wahrscheinlich hat ihm ein dreckiger Undog in den Arsch gebissen."
„Es war eine Frau, Wiesel. So schön, dass dir die scheiß Augen ausfallen würden. Allerdings wurde mir zu spät bewusst, dass so schön unmöglich gut sein konnte", schnarrte Malfoy und streifte sich die Hose ab, blieb in schwarzen Shorts zurück: Die Unterwäsche hatten sie ihm kaufen müssen; was sie aber so oder so getan hätten.
„Also war es tatsächlich eine Lamia", flüsterte Mione heiser, ignorierte Rons albernen Einwurf, über die Bissstelle.
Wo er gebissen wurde, hatte der Blonde ihnen bereits am ersten Tag erläutert. Nicht ausgeschlossen, dass dem Rotschopf dies bereits entfallen war. Doch es interessierte sie gerade nicht, ob das der Fall war oder nicht. Mione interessierte das Wie gerade brennender. Darüber hatte er noch nichts verlauten lassen.
Malfoy sah sie immer noch auffordernd an und streckte den nackten Arm nach dem Trank in ihrer Hand aus. Sie trat zögernd vor und reichte ihm diesen. Malfoy nahm wortlos einen großen Schluck, würgte nur minimal auf und reichte ihr das Glas schließlich wieder.
„Was dachtest du denn, Granger? Ein Undog hätte mich wahrscheinlich bei lebendigem Leib zerfleischt, anstatt mir nur die Lippe zu durchbohren."
Seine Miene verzog sich minimal und unter seiner bleichen Haut schien es zu brodeln. Er verengte die momentan braunen Augen zu Schlitzen und umschlang sich mit leicht verzerrtem Gesicht die sehnige Brust, die unter seinen leichtmuskulösen Armen zusehends weicher und fülliger wurde.
Malfoy ließ sich vornüber fallen, ein leises Keuchen entfuhr ihm, als er einige Zentimeter in die Höhe schoss. Gleichzeitig sprengte sein hervorquellender Bauch fast die zu eng werdenden Shorts.
„Elende Scheiße", knurrte er brüchig und dunkel, taumelte einen Schritt vor und suchte Halt am Bett. Die Seitennaht der Shorts platze und Mione drehte sich langsam weg, starrte an Ron vorbei an die verschlossene Türfront.
Hinter ihrem Rücken japste Malfoy erneut auf. Als sie einen weiteren, flüchtigen Seitenblick wagte, begannen sich seine blonden Strähnen zu kräuseln und dunkelbraun – fast schwarz – zu verfärben.
Sie blickte erneut zu Tür, kniff die Augen zusammen.
Erst als Ron neben ihr amüsiert zu lachen begann, drehte sie sich langsam wieder um.
Malfoy hockte mit bleichem, aber durch die zarte Bräune, die seine Haut durch den Wandel angenommen hatte mittlerweile weniger bleich als vorher, Gesicht neben dem Bett. Er hatte die Steppdecke an sich gezogen und seinen fülligen Körper damit bedeckt.
„Du siehst toll aus", lachte Ron.
Mione brachte ihn mit einem wütenden Blick zum Schweigen. Einen Moment war sie kurz davor nach ihm zu schlagen. Und ihm schien das ebenso bewusst zu sein, wie ihr. Denn er zuckte schuldbewusst zusammen.
Dort auf dem Boden saß optisch einer ihrer besten Freunde. Wahrscheinlich sogar einer ihrer engsten Vertrauten der vergangenen Jahre. Sie schloss die Augen, schluckte hart.
„Verdammt, ich bin. van Bessos", keuchte Malfoy heiser und sie ließ die Augen geschlossen.
Harry hatte recht gehabt. Etwas weniger Spott und er würde eine perfekte Kopie des ehemaligen Widerstandskämpfers abgeben. Sowohl vom, dank des Vielsafttrankes, Aussehen als auch von der Stimme.
Sie balancierte den Wälzer auf ihren nackten Knien, während sie ihren Finger mit der Zunge benetzte und umblätterte.
Doch anstatt der nächsten Seite, die sie erwartet hatte, nahm Dunkelheit ihr die Sicht. Mione lachte, griff hinauf zu den Händen, die sich über ihre Augen gelegt hatten.
„Darry?", flüsterte sie schmunzelnd.
Den Pranken nach zu urteilen, konnte es kein anderer sein.
„Wer bin ich, du elende Muggelstämmige?", raunte er ihr überheblich und in typischer Malfoy-Manier ins Ohr.
Sie lachte heiser, kämpfte gegen die ungute Gänsehaut an, die sie überzog.
„Du wirst immer besser", kicherte sie und löste seine riesigen Hände von ihrem Gesicht. „Du bist eine perfekte Kopie eines absoluten Spinners."
„Sollte der nicht im St. Mungos verrotten?", keuchte der ehemalige Blonde und schien sich langsam aufzurichten.
Mione schreckte aus der Erinnerung hoch. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass er sich aufgerichtet hatte. Er machte sich nicht einmal die Mühe den mittlerweile nackten Körper, der nicht der seine war, zu bedecken. Stattdessen begann er sich langsam mit den Sachen zu kleiden, die sie ihm bereitgelegt hatten.
„Jetzt nicht mehr", flüsterte sie.
-v-
„Also, hätten wir das geklärt", stellte Potter seltendämlich fest und krempelte sich die dunkelblauen Ärmel seines Pullovers hoch.
Draco räusperte sich leise, tat es Potter mit dem Krempeln gleich; was sein immer noch deutlich sichtbares Mal zeigte. Nicht einmal Magie vermochte es zu verstecken. Seufzend schob er den Stoff über seinen fülligen und gebräunten Arm zurück und ließ das Mal wieder verschwinden.
Potter sah ihn fragend an, während Wiesel, Longbottom und Co. gespannt McGies Haus im Auge behielten. Sie hatten noch sechs Minuten, bevor seine Leute zum Sammelpunkt verschwinden würden. Und sie würden keine Sekunde zu früh gehen.
„Was ist meine Aufgabe?", fragte er schließlich und sah den Goldjungen durchdringend an. „Ich werde ja wohl kaum hier draußen bei Lupin und Granger bleiben, um auf die beiden aufzupassen."
Potthead lachte. „Du hast deine Aufgabe für heute erfüllt. Du hast uns gesagt wo genau die Leute positioniert sind, mit wem zu rechnen sein wird und wie viele es sein werden."
„Das war also alles?", lachte er ungläubig und stemmte die Hände in die wabbeligen Hüften, die nicht zu seinem Körper gehörten, sondern zu van Bessos Speckgetümmel, mit dem er sich gerade herumschlagen musste.
In seiner Umhangstasche, oder eher in van Bessos, steckte ein kleiner Flachmann, den Granger ihm vor ihrem Aufbruch in die Hand gedrückt hatte. Er konnte ihn durch die Position seiner Hand spüren; er war gefüllt mit Vielsafttrank. Ein genialer Zug, der ihn aber nicht im Geringsten überraschte.
„Für heute ja", zischte Potter.
„Ich denke es ist soweit", verlautete Wiesel ungeduldig, als sich die ersten schwarzen Schatten beinahe ungesehen vom Haus entfernten. Hätte Draco diesen Tölpeln nicht gesagt, wo genau sie hinsehen mussten, hätte sie sie niemals entdeckt.
„Am besten rennst du ihnen direkt in die Arme, Wiesel", fluchte er leise.
„Wir warten noch einen Moment", sagte Potter geistreich. Dann wandte er sich an das Schlammblut, das neben seinem gigantischen Körper gerade amüsant winzig wirkte. „Du und Remus werdet ihn im Auge behalten."
„Ich wäre an deiner Seite nützlicher, Potter", zischte er.
„Ohne Zauberstab?", spottete Wiesel.
Draco grinste breit. „Ich bin selbst ohne meinen Zauberstab nützlicher als du."
„Hört auf. Auf der Stelle", patzte das winzige Schlammblut dazwischen.
Der Blonde, dessen Kopf gerade von krausen Locken umrandet war, schenkte ihr einen vielsagenden Blick, der aus diesem Körper bedeutend mehr Wirkung zeigte als aus seinem eigenen. Er lachte leise und Granger zuckte neben ihm erneut zusammen.
„Wir gehen rein", sagte Potter. „Ihr wartet hier und gebt uns Rückendeckung."
„Rückendeckung", entwischte es ihm fassungslos, während diese Nichtsnutze, die die Sache mit Norret maßlos vergeigt hatten, im Vorgarten verschwanden und von der Dunkelheit verschluckt wurden.
Wie erwartet konnte Norret fliehen, noch bevor sie sein Haus gestürmt hatten. Doch er hatte sich entschlossen die Kraft, die ihn das „ich habe es euch allen doch gesagt" gekostet hätte, zu sparen.
Trotzdem hasste er es, untätig zu warten, während andere Aufgaben, die er selber höchstwahrscheinlich mit Bravour meistern würde, vor seinen untätigen Augen verdarben.
Es war erstaunlich, wie lang zehn Minuten sein konnten. Natürlich war es nicht das erste Mal, dass ihm dies bewusst wurde. Unzählige Male zuvor, waren ihm zwei Minuten sogar länger vorgekommen, als diese zehn.
Draco nahm seufzend einen großen Schluck aus dem Flachmann und lehnte sich gegen eine von Moos bewachsene Wand. Sie war umrundet von Hecken und Büschen und schützte sie so größtenteils vor Blicken von der Straße und der gegenüberliegenden Straßenseite.
Granger warf ihm einen skeptischen Seitenblick zu, während er aufgrund des scheußlichen Geschmackes kurz würgte.
„Du sollst das nicht aus Durst trinken", tadelte sie ihn.
Er lachte auf. „Granger, ich trinke das ganz sicher nicht aus Durst. Ich trinke es, weil ich hier nicht gleich halbnackt und mich vor Schmerzen krümmend auf der Straße liegen will."
„Es ist noch nicht soweit."
„Ganz richtig. Wenn ich nicht komplett falsch liege, ist es in etwa 3 Minuten soweit", gab er zurück, verschloss den Flachmann und ließ ihn wieder in der Tasche verschwinden. „Und ich liege niemals falsch."
Sie lachte bitter. Vielleicht lachte sie ihn sogar aus. Er konnte es nicht wirklich deuten und bevor er der Sache auf den Grund gehen konnte, durchbrach Lupin die Stille.
„Da stimmt was nicht. Sie sind überfällig", flüsterte er.
Das Schlammblut holte tief Luft, nickte aber zustimmend.
Genau das waren sie. Eine Tatsache, die ihnen allen bereits vor einigen Minuten bewusst geworden war. Doch das Schlammblut und der Werwolf hatten ihren Freunden noch ein paar Minuten eingeräumt.
Draco hatte stillschweigend über diese Dummheit gelacht.
„Ich gehe nachsehen, du bleibst hier und wartest mit ihm."
Wieder nickte sie mit großen Augen und dieses Mal lachte er kurz und schallend.
„Was ist so lustig", fragte sie schneidend.
Er schüttelte abwehrend den Kopf, schaute wie auch Lupin in den Schatten des Vorgartens verschwand und erblickte die Schatten vom Maisfeld, die sich beinahe unsichtbar näherten.
„Denk daran, dass du mir sozusagen schutzlos ausgeliefert bist", flüsterte sie und schaute zurück auf den Hauseingang.
„Schutz-", wollte er gerade spöttisch kontern, doch dunkelrote Funken, die aus dem Vorgarten emporschossen, ließen ihn verstummen. „Verdammt", knurrte er, packte Granger am Unterarm, die tatsächlich zum Hechtsprung in Richtung des Warnsignals ansetzte, das Lupin ihnen gegeben hatte.
„Granger, da ist etwas schiefgegangen", fluchte er und zog sie zurück.
Er hatte es gewusst. Hatte Potter und sein unnützes Pack gefühlte zweihundert Mal darauf aufmerksam gemacht, dass es unklug war so nahe am Ort des Geschehens auf den Rückzug seiner Männer zu warten.
„Aber, wir.", stammelte sie und starrte mit großen Augen zur Tür, aus dem nun ein großer Lichtkegel in den stockdunklen Vorgarten fiel.
„Habt ihr alles abgesucht?", hörte er Abigails Stimme von Weitem. Sie sprach nicht laut, doch er hatte in den vergangenen Jahren gelernt selbst den minimalsten Mucks klar und deutlich zu verstehen.
Natürlich ging es den meisten seiner Männer nicht anders. Hier hieß es entweder oder. Immer und überall.
Granger ruckte zurück und blieb mit offenem Mund stehen. „Das ist Winters", murmelte sie und sah ihn fragend an.
Er nickte gehässig grinsend. „Ganz genau Granger. Und wenn wir nicht sterben wollen, sollten wir verschwinden."
Hektisch nickend wich sie zurück und drängte sich zu ihm in die Hecke. Draco trat mit seinem fülligen Körper einen Schritt zurück, brachte ungewollt und ungeschickt das Holz zum Ächzen. Granger zuckte neben ihm zusammen.
„Verdammt", fluchte er.
Dieser scheiß Körper war wirklich zu nichts zu gebrauchen.
„Sucht die Hecke ab. Kriecht hinein, wenn es sein muss", herrschte Abigail, „und ich will sie lebend, damit ich ihnen die Haut abziehen kann."
„Jawohl", gaben drei Männer zurück. Flint, Young und. Er biss sich auf die Lippe. Es wollte ihm nicht einfallen, aber dass sie es hier mit Abi zu tun hatte reichte aus, um zu wissen, dass sie verschwinden sollten.
„Wir sollten verschwinden", flüsterte Granger und starrte hinauf auf die Mauer.
Gewitzt.
Er nickte schwach, machte ihr eine Räuberleiter.
Sie blickte ihn vollkommen fassungslos an. Vielleicht sogar erstaunt.
„Granger, du zuerst. Damit du mir den Rücken freihalten kannst, wenn ich diesen Körper da hochhieve."
„Ja, das ergibt Sinn", gab sie von sich, während sie sich an der Mauer abstützte und ihren Fuß zögernd in seine Hände stellte. Sie verweigerte es ihn anzusehen und er war sich nicht sicher, ob sie wirklich zu ihm oder eher zu sich selber gesprochen hatte.
Mit kurzem und gezieltem Schwung hatte er das winzige Schlammblut auf die Mauer katapultiert, auf der sie sich ungeahnt geschickt abstützte und zu ihm herumdrehte. Er hatte ganz ehrlich Ungeschickteres von ihr erwartet.
„Jetzt du", tönte sie seltendämlich und streckte allen Ernstes die Hand nach ihm aus.
„Granger, geh zur Seite und halte mir den Rücken frei", knurrte er, drängte den Fuß in eine Lücke und grub die Hände in die geweiteten Furchen der Ziegel.
„Da drüben", brüllte Young und Draco versuchte sich hochzuziehen; vergeblich.
Seine Arme ächzten unter der enormen Last von van Bessos Körper schmerzhaft auf und ließen ihn auf halber Strecke zurückfallen.
„Verdammt", fluchte er.
„Stupor", brüllte der Wischmopp auf der Mauer und ohne hinzusehen hörte er Young schreiend zu Boden gehen. „Mach schon", fauchte sie ihm zu und jagte einen weiteren Zauber in die Dunkelheit.
Draco setzte erneut an, zog sich erneut mit aller Kraft hoch. Doch seine überlasteten Venen schrieen augenblicklich wieder auf. Van Bessos wog mindestens das Doppelte.
„Du bleibst nicht zurück", bellte Granger wütend zu ihm herab und einen Moment taumelte er glatt lachend zurück.
„Das habe ich auch nicht vor."
Das hatte er wirklich nicht. Dummerweise war sein Körper gerade weniger willig als sein Geist. Atemlos setzte er zu einem dritten Versuch an, gab alles um die gefühlten 300 Pfund, die diese Speckschwarte zu wiegen schien, zu Granger auf die Mauer zu befördern.
Doch wieder rutschte er ab, ging vor der Mauer zu Boden. Mehr noch: Er landete auf van Bessos fettem Arsch.
„Es sind zwei", jaulte nun der Unbekannte. Draco wagte einen Seitenblick.
Keith Young. Der jüngere Bruder von Seth.
„Es ist Granger", brüllte Young Nummer zwei zurück in die Dunkelheit.
„Halte sie auf", warf Abi rasend zurück.
„Stupor", zischte Granger und der Jüngere ging bewusstlos neben seinem Bruder zu Boden.
„Stillhalten", befahlt sie ernst und Draco zog die Augenbrauen zusammen. Sie hatte doch nicht etwa vor.
-v-
„Convertius", flüsterte sie und noch während sie der nahenden Winters einen Stupor-Zauber auf den Hals hetzte, verwandelte sich Malfoy in ein kleines, silbernes Frettchen und sprang quietschend zu ihr auf die Mauer. Für einen Moment hatte sie das Gefühl ein Deja-vu zu erleben, doch sie schüttelte den Gedanken vorläufig ab.
Winters wich dem Zauber aus, taumelte dadurch jedoch etwas zurück und Malfoy attackierte kreischend ihre freie Hand, mit der sie sich auf der Mauer abstützte.
Aua", fluchte sie und schüttelte ihn ab und warf einen weiteren Schockzauber auf den jüngeren Todesser, der gerade begann sich wieder aufzurichten. Er kippte getroffen zur Seite weg und brachte Winters, die gerade über ihn hinweg springen wollte, fast zu Fall.
Währenddessen attackiert das silberne Ungetüm erneut ihre Hand, biss ihr schmerzhaft fest in den kleinen Finger.
„Verdammt, hör auf damit", fluchte sie und schlug es grob beiseite. Es flüchtete immer noch vor Wut quietschend in einen abgelegenen Baum.
Mione sah ihn, oder auch es, stirnrunzelnd an und es bauschte sich kreischend auf und blickte hinab vor die Mauer. Erst einige Sekunden später wurde ihr bewusst warum. Winters hatte sich aufgerichtet und sprintete auf sie zu; mit gezücktem Zauberstab.
„Herbanasco", sprach sie und richtete den Zauberstab auf das Fußende der Mauer. Sofort traten kleine Rankensprösslinge aus der Erde und krochen dornig und wild am Gestein hinauf.
„Verflucht, nein", brüllte Winters und begann die immer schneller und dichter wachsende Schlingpflanze mit Feuerzauber zu verbrennen. Doch es würde sie einen Moment zurück halten. „Young, mach dass du auf die Beine kommst und such einen weiteren Übergang."
„Ich kriege euch, Schlammblut", flüsterte sie leise und erstaunlicherweise ohne die Chance, den Zauberstab auf sie zu richten, zu nutzen.
Mione hielt sich bereit, rutschte jedoch schließlich von der Mauer, während die Ranken über deren oberes Ende hinauswuchsen.
Einen Moment stoppte sie in jeder Bewegung und sah sich mit rasendem Herzen um. Offensichtlich befanden sie sich auf einem Friedhof.
Schließlich blickte sie auf. Das kleine Frettchen saß mit funkelnden Augen in einem Baum und beobachtete sie aus beunruhigend funkelnden Knopfaugen. Mione seufzte. Sie hatte das Gefühl, sie würde diese Tat bereuen.
„Komm da runter", flüsterte sie und richtete den Zauberstab auf Malfoy, der gerade erstaunlich ruhig war. Zu ruhig.
Himmel, sie musste ein schäbiges Lachen unterdrücken, während er tat wie ihm geheißen wurde und flink vor ihr auf den Boden sprang.
„Finite", hauchte sie und augenblicklich verwandelte er sich zurück in Darrys füllige Form.
„Das wirst du noch bitter bereuen, Schlammblut", spie er und stürmte augenblicklich auf sie zu.
Sie wich zurück, es war merkwürdig von unten herab in die zornigen Augen ihres besten Freundes zu blicken. Sie hatte ihn nie zuvor wütend gesehen.
„Ohne meine Hilfe wärst du niemals über die Mauer gekommen", sagte sie dann.
Er lachte bitter und wandte sich ab. „Und es musste ausgerechnet ein Frettchen sein? Dafür soll ich mich jetzt auch noch ernsthaft bedanken?", fauchte er affektiert.
Mione senkte den Blick. Das war das Erste, was ihr unbewusst in den Sinn gekommen war. Das alles war eindeutig keine triezende Absicht gewesen. Dazu war die Situation nun wirklich nicht amüsant genug gewesen. Doch sie kam nicht einmal dazu irgendetwas zu erwidern.
„Wehe dir, wenn das in Wechselwirkung mit dem Vielsafttrank Spätfolgen hat", knurrte er und blickte demonstrativ über ihre Schulter hinweg zur überwucherten Mauer: Für den Moment schien das Thema beendet. „Geschickt Granger. Allerdings wird es sie nicht ewig aufhalten. Wir sollten verschwinden."
Mione folgte seinem Blick über ihre Schulter hinweg, nickte ihm dann zu. „Wir könnten gemeinsam apparieren. Allerdings fürchte ich, dass sie uns dann via Magistrac aufspüren könnten."
„Das würden sie", sagte er und deutet ihr an ihm zu folgen.
Sie tat, wie ihr geheißen wurde. Es überraschte sie jedoch, dass er nicht wie erwartet mit ihr über den Friedhof jagte, sondern direkt auf eine kleine, schäbige und mit Moos überwachsene Gruft zusteuerte. Nur wenige Meter von der Mauer entfernt.
Mit angestrengtem Gesicht stemmte er die Steinplatte beiseite. Mione starrte ihn entgeistert an.
„Sollten wir nicht lieber fliehen? Oder uns woanders verstecken?"
Wieder lachte er. „Umso näher, umso besser. Denn genau das werden sie nicht erwarten."
„Aber-", flüsterte sie unschlüssig, blickte zurück zur Hecke, hinter der die Flammen nun immer stärker wurden. Ihnen blieb nicht mehr viel Zeit.
„Was hältst du davon mir zu helfen?", knurrte er und schob die Steinplatte noch ein paar Zentimeter weiter beiseite.
Mione nickte und zückte den Zauberstab.
„Nein. Das können sie mittels magischem Glas sofort zurückverfolgen", bellte er und sie ließ den Stab verdattert sinken.
Er hatte recht. Ein magisches Glas – eine Brille, die Spuren magischer Verwendung noch Stunden nach der Anwendung zeigten - würde sie augenblicklich verraten.
Also verstaute sie den Zauberstab in ihrer Manteltasche und gesellte sich neben ihm an den tief liegenden Grufteingang. Gemeinsam stemmten sie die Platte weiter beiseite, legten schließlich ein Loch frei, welches auch ihm das Eintreten ermöglichen würde.
„Genug", wisperte sie, „das dürfte passen."
Mit einem Nicken wich er ebenfalls von der Platte zurück und sie hievte sich in das tiefdunkle Gruftinnere. Malfoy folgte ihr schnell, aber extrem ungeschickt. Mit einem leisen Aufschrei ging er zu Boden, also machte sie sich alleine daran, die Platte wieder zurück über den Eingang zu schieben.
„Hier drüben ist auch ein Übergang", ertönte die Stimme des jungen Todessers viel zu nahe.
„Malfoy", japste sie atemlos, so leise wie möglich und versuchte etwas mehr Kraft aufzubringen. Binnen weniger Sekunden war er neben ihr, und gemeinsam drängten sie die Platte überraschend schnell zurück in ihre Ursprungsposition.
Keuchend und mit rasendem Herzen wich sie in die Dunkelheit der Gruft zurück, wagte es nicht zu sprechen. Mit jedem Schritt, den sie sich von der Steinplatte entfernte, fühlte sie sich etwas sicherer. Was natürlich nicht bedeutete, dass sie sich tatsächlich in Sicherheit wähnte.
In ihrem Kopf begangen sich die Gedanken zu überschlagen. Es war etwas schief gegangen. Vielleicht war es sogar eine Falle gewesen.
Ihr Atem rasselte, als sie auf dem Fleck stehen blieb und in die Stille hinein lauschte.
„Wusstest du das? Hast du uns-", begann sie leise, doch er fuhr ihr ins Wort.
„Granger, halte den Mund", flüsterte er und sie war überrascht wie nah er ihr war.
Sie schluckte, lauschte ihrem Atem, der so viel hektischer und schneller ging als seiner.
Er schien die Ruhe selbst, und das obwohl er da oben noch alles andere als ruhig gewesen war.
‚Das ist eine Falle', flüsterte ihre innere Stimme.
Und ihr wurde bewusst, in welcher Lage sie sich befand. Sie war allein mit ihm. Sie wusste nicht, was mit ihren Freunden und Verbündeten war und da draußen waren die seinen. Nur wenige Meter von ihnen entfernt.
„Sucht alles ab", drang es gedämpft zu ihnen durch. Aufgrund der Tatsache, dass die Steinplatte sehr dick war, mussten sie nahe sein.
Langsam schlich sie nach links, tastete sich mit der Hand am Sarg entlang, der sich ganz eindeutig direkt hinter ihr befand. Als sie am linken Ende eine Lücke ertastete, ließ sie sich annähernd geräuschlos in diese sinken und zog vorsichtig den Zauberstab aus ihrem Umhang.
„Ich will das Schlammblut", krähte Winters und Mione zuckte etwas zusammen. Sie war ganz nah. Wahrscheinlich stand sie direkt neben der Gruft.
Neben ihr raschelte es und schließlich schien sich der ehemals Blonde mit einem Plumpsen neben ihr, jedoch vor dem Sarg, niederzulassen.
Sie runzelte die Stirn, umschlang ihre Beine mit den Armen und legte ihren Kopf auf ihren Arm. Den Zauberstab hielt sie dabei angriffsbereit.
Ihr Herzschlag begann sich zu beruhigen, als weitere Rufe von draußen erfolgten. Und sie entfernten sich.
Schließlich lachte er bitter und dennoch kaum hörbar. „Du hast wirklich an mir gezweifelt, richtig?"
„Was hast du erwartet?", wisperte sie.
„Granger, ich sagte gerade mehr als einmal, dass wir uns weiter hinten bereitstellen sollen. Du warst dabei", knurrte er.
Sie nickte, rieb sich über die Stirn.
Ein Schnauben und er nestelte hörbar an seinem Umhang herum. „Dieser fette Körper macht mich fertig", fluchte er und wenige Sekunden später hörte sie den Verschluss des Flachmannes knirschen.
„Und dennoch willst du ihn erst einmal nicht loswerden", wisperte sie.
„Natürlich nicht", sagte er. Seine Stimme klang angewidert und das Knirschen des Flachmannes deutete an, dass er gerade einen Schluck genommen haben musste. „Für den Fall, dass sie uns erwischen, möchte ich nicht in meiner Haut stecken."
„Meinst du, sie werden uns erwischen?", entwischte es ihr aus reiner Gewohnheit.
Im Normalfall hätte sie hier mit Harry, Ron oder Darry festgesessen. Mit dem Echten versteht sich.
„Leider kann ich meine Kristallkugel gerade nicht erkennen, Granger", spottete er herablassend.
Sie spürte, dass sie errötete. Doch da sie sicher war, dass er es eh nicht sah, erlaubte sie sich ein leises Lachen. „Was schlägst du also vor? So ganz instinktiv? Ohne Kugel?"
„Zu warten."
Vorschau:
Wahrscheinlich war er der Böse.
Aber, er konnte sie nicht hassen. Weder Granger, noch all die anderen.
„Was ist so lustig?", fragte sie neben ihm leise.
Die Nähe ihrer Stimme ließ ihn deuten, dass sie tatsächlich aus der Ecke gerutscht war.
„Nichts", gab er zurück. „Ich fürchte, ich habe deine Antwort verpasst."
Sie schnalzte mit der Zunge und schien einen Augenblick in die Stille hinein zu lauschen. „Ich fürchte, dass du mich bereits verraten hättest. Dass ich jetzt auf dem Weg zu Voldemort wäre, um getötet zu werden."
Er lachte; leise und bitter. „Ganz genau. Allerdings würden sie dich vorher tagelang foltern und wahrscheinlich sogar vergewaltigen. Und dann, wenn du am Ende bist, würden sie dich vielleicht töten."
Huhu. Hier bin ich wieder. Dieses Mal aber mal wieder ohne große Worte, da ich mal wieder im Stress ersticke. *puh*
Danke wie immer an Fränzi (Beta), Mean und India für den kreativen Beistand und an alle Leser. Auch an die stillen, aber ganz besonders die lauten. ;) *ganzfesteknuddel*
Reviewtime:
HexenLady: Ja, dann passt mein Timing ja wirklich. Mal schauen ob ich es in Zukunft schaffe dich auch noch im Anschluss um den Schlaf zu bringen. *hihi* ;)
Fränzi: Und von welchem Körperteil die Haare auf Dracos Kontaktlinse stammten? Pfui, da will ich gar nicht wissen. Dann hätten wir uns ja beide beurlauben lassen müssen. Wie soll das gehen? *hihi* Meinem Rücken geht´s übrigens wieder gut. Kannst tätscheln kommen.. Lach
Black Widow: Vielen Dank für das ganze Lob. :) Und natürlich hast du recht: Ich freue mich über jeden einzelnen Hit und somit auch Leser. Doch, es ist eben etwas anderes, ob man unzählige Hits hat (die im Prinzip ja nur aussagen, dass mal wer reingeschaut hat und nicht ob es weit genug gefallen hat, dass man es wirklich lesen mochte) oder eben eine handfeste Kritik.
Die-na. Ja, das stimmt. An den durchschnitts-posting Werten bemessen (die sich zwischen 1 Mal in der Woche und 1 Mal im Monat bewegen) sind zweimal ja eigentlich schon sehr viel; auch wenn es mich natürlich ehrt, dass ihr am Liebsten alles auf einmal lesen würdet. *hihi* Das mit dem Speck ist übrigens ne Idee.. Mal schauen, ob ich das umsetzen/beachten werde. ;) Und es freut mich natürlich, dass es dir gefallen hat. Auch wenn bis hier her natürlich noch nicht allzu viel Rosabrillen-Stoff zu finden war. ;)
