SOOOOOOOOORRRYYYY!
Es tut mir wahnsinnig Leid, dass ich so lange gebraucht habe! -sich in die ecke stell-
Leider habe ich jetzt auch nur wenig Zeit, daher fallen die Re-Kommentare aus... -schnief-
Dennoch vielen vielen Dank für eure Statements! Es ist wirklich interessant sie zu lesen und vorallem toll! -lach-
Es baut sehr auf und treibt einem zum weiter schreiben an!
Auch vielen Dank an mein Betachen, dass so fleißg ist und meine Kaps korrigiert! -alissa black knuddel-
So, jetzt habe ich euch aber schon viel zu lange aufgehalten. -drop-
Ich wünsche euch trotzdem:
Viel Spaß!
9. Vater und Sohn
Es war bereits früher Mittag, als Molly, ihr Ehemann, Tonks, Bill und Remus in
der Küche saßen und sich Kaffee und Kuchen, den Mr Weasley vorhin mitgebracht
hatte, gönnten.
Der gestrige Tag war für alle sehr anstrengend gewesen, was man an den müden
Gesichtern leicht ablesen konnte. Doch von allen Anwesenden sah Remus am
schlechtesten aus - was niemanden verwunderte.
Der Werwolf hatte sich gestern den Phantomen der Vergangenheit stellen müssen,
der Leidensgeschichte seiner zwei besten Freunde, die direkt mit seiner
verknüpft war.
Er war vielleicht nicht tot, wie James und Sirius in dieser Zeit, aber innerlich
fühlte er sich schon seit langen nicht mehr lebendig genug, um sich zu den
Lebenden zu zählen.
Seitdem er Sirius ein zweites Mal, ein endgültiges Mal, verloren hatte, fing
auch er langsam aber sicher an, zu sterben. Die Einsamkeit fraß ihn von da an
erbarmungslos von innen heraus auf, ohne dass er wirklich alleine war. Tonks,
die Weasleys und wie auch all die anderen Ordensmitglieder standen ihm beiseite, doch
das Gefühl, das er immer verspürt hatte, wenn er mit James und Sirius umher
gezogen war, konnten sie ihm nicht geben.
Doch jetzt, durch das Erscheinen von den jugendlichen Abbildern der zwei
hatte sich auf seltsame Art und Weise alles geändert.
Nun wussten James und Sirius von ihrem Schicksal. Sie wussten wie und warum sie
sterben würden und auch ungefähr den Zeitpunkt.
Keiner konnte ahnen, wie das alles weitergehen sollte.
"Möchte noch einer Kaffee?", fragte Molly in die kleine Runde und schenkte ihrem
nickenden Ehemann erneut eine Tasse ein. Die Anderen schüttelten die Köpfe oder
verneinten mit einer schlichten Handbewegung.
Es wurde eh kaum gesprochen, während sie alle langsam den Kuchen verspeisten.
Der letzte Tag lag wirklich noch allen in den Knochen, sowie die Reaktion von
James und das Verhalten von Sirius.
Jeder machte sich insgeheim Sorgen um die beiden.
Die Stunde schritt immer weiter voran und bis jetzt hatte sich noch keiner der
Jungs in der Küche blicken lassen.
Mrs Weasley trank den letzten Schluck Kaffee aus, ehe sie sich entschlossen vom
Stuhl erhob. Diese Stille machte sie langsam irre!
Und das abwesende Gesicht und den Schmerz in den Augen Remus' machte es auch
nicht gerade erträglicher. Nur mit Mühe hatte die rundliche Frau den Mann dazu
überredet sich mit in die Küche zu setzen, wo Tonks ihn dann ein Stück Kuchen
und etwas Kaffee aufgeschwatzt hatte.
Tonks, so ungeschickt sie auch sein mochte und egal wie oft sie etwas
zerschrottete, war eine gute Seele und, so kam es Molly vor, wohl die einzige,
die Remus noch wirklich an sich heran ließ. Warum das so war, konnte sie sich
nicht erklären. Aber sie war froh darüber. Nur noch Remus müsste sich diese
Tatsache bewusst werden, denn James und Sirius würden sich nicht mehr lange in
dieser Zeit aufhalten. Der Posteritas-Zauber müsste eigentlich schon bald seine
Wirkung verlieren und dann...
Die Rothaarige wollte gar nicht dran denken, was für ein Loch die Chaoten
hinterlassen würden.
"Ich gehe mal nach Sirius und James schauen.", erklärte sie den Anderen, die sie
bereits fragend anschauten.
"Tu das, Schatz. Falls sie wach sind, dann sag ihnen, dass sie etwas essen
kommen sollen. Wir heben ihnen etwas Kuchen auf.", sagte Arthur und schnitt
bereits zwei große Stück des Kuchens heraus.
"Natürlich. Ich werde es ihnen sagen.", antwortete Molly, rückte den Stuhl
zurück an den Tisch und verließ die Küche, sich den, fast schon sehnsüchtigen
Blick von Remus bewusst, und betrat die Eingangshalle, die ihr immer noch in grellem
Orange entgegen strahlte.
Dass hier noch keiner an Augenkrebs erkrankt war, wunderte Molly wirklich. Die
Farbe war wirklich die schrecklichste, die sie jemals in ihrem Leben gesehen hatte.
Die Jungs hatten echt eine reife Leistung gezeigt.
Doch Mrs Weasley hatte sich erbarmt und ihre Söhne, wie James und Sirius von
ihrer Strafe befreit. Sie war schließlich kein Unmensch. Im Gegenteil: Sie hatte
die ganze Sache selber in die Hand genommen.
Jetzt schrubbten an allen Ecken und Enden der Halle verzauberte Schwämme,
Schrubber und Kratzer (die Farbe war echt hartnäckig). Gerade schwebten zwei
Eimer zurück an ihren Platz. Sie hatten sich selber mit frischen Wasser
aufgefüllt.
Jedoch beachtete Molly das alles kaum und begab sich die Treppe hinauf, um zum
Zimmer von den zwei Freunden zu gelangen.
Die rundliche Frau versuchte so leise wie möglich zu gehen und keine störenden
Geräusche zu machen, denn wenn James und/oder Sirius tatsächlich noch schliefen,
dann wollte sie die Jungs auch weiter schlummern lassen. Nach einer kräftigen
Portion Schlaf sah die Welt nämlich meist etwas besser aus.
Sie erreichte ohne Zwischenfälle die Zimmertür. Sie legte erst ein Ohr an das
Türholz und lauschte. Nichts zu hören.
Deshalb nahm Mrs Weasley die Türklinke in ihre kräftige Hand und drückte sie
vorsichtig herunter. Wie in Zeitlupe öffnete sie die Tür, immer bereit sofort inne
zu halten, falls die Tür quietschen sollte, womit man in diesem Haus immer
rechnen musste.
Doch sie quietschte nicht, sondern ließ sich leicht öffnen. Vorsichtig lugte
Molly durch den Türspalt in den Raum rein. Ihre Augen huschten schnell durch das
Zimmer und fanden dann James und Sirius zusammengekauert auf einem der Betten
wieder.
James lag mit seinem Wuschelkopf auf dem Bauch von seinem besten Freund, die
Hände ebenfalls quer über dessen Oberkörper liegend. Das kurze Haar fiel dem
Jungen ins gerötete Gesicht und Molly sah deutlich die Tränenspuren. Sein Atem
ging gleichmäßig, wenn auch etwas schwerfällig, so als trüge er eine unsagbare
Last mit sich.
Sirius hingegen bildete eine Art Mauer um James herum. Er lag leicht gekrümmt
auf den Rücken, das Gesicht aber zu James Rücken gedreht, sodass Mrs Weasley es
nicht sehen konnte. Dennoch sah sie den zerzausten Haarschopf, wie einige
Strähnen unordentlich aus dem Haargummi heraus standen und noch in alle
erdenklichen Richtungen.
Molly schmunzelte.
Die Zwei gaben ein fast schon niedliches Bild ab. Beruhigt, dass alles in
Ordnung war, schloss Molly, so leise wie sie sie geöffnet hatte, die Tür. Sie wollte
die Ruhe nicht weiter stören. Sollten sie solange in ihren Träumen glücklich
sein, wie sie konnten. Die Realität war schon grausam genug und würde die Jungs
viel schneller zurück in ihre Fänge nehmen, als jedem in diesem Hause lieb war.
Sie verließ das Obergeschoss und machte sich wieder auf in die Küche. Wenn sie
sich recht erinnerte, dann hatten sie heute noch etwas Wichtiges vor, was keinen
weiteren Aufschub duldete.
"Ihr haltet es wirklich für gut, die Kinder jetzt herzuholen? Sollten wir nicht
lieber ein paar Tage warten?", gab Tonks zu bedenken. Aber Mr Weasley schüttelte
nur den Kopf.
"Es wäre ihm nicht gegenüber fair."
Molly betrat gerade wieder die Küche. Die Leute unterbrachen abrupt ihre
Unterhaltung.
"Und, wie sieht's mit den zwei Hübschen aus?", fragte Tonks.
"Ja, wie geht es ihnen, Molly?", fragte auch Remus, seine Augen auf die
rundliche Frau geheftet. Diese seufzte nur und fuhr sich durch die Haare.
"Sie schlafen immer noch ganz ruhig. Also, alles in Ordnung.", antwortete sie
und setzte sich wieder an den Tisch.
"Worüber habt ihr gerade geredet?", fasste sie das andere Thema auf.
Remus kratzte sich am Ohr und erklärte ihr den Stand der Dinge. Molly nickte
nur, als Zeichen, dass sie verstanden hatte.
"Wir denken, dass es vielleicht nicht so... angemessen ist, Sirius, aber vor
allem James, gleich wieder zu überfallen. Sie haben ja nicht einmal Zeit gehabt,
das von gestern zu verkraften.", meinte Bill nachdenklich.
"Allerdings können wir Harry auch nicht weiterhin im Ligusterweg versauern
lassen.", warf Mr Weasley erneut ein.
"Nun..." Die Rothaarige sah das Problem. Hier hieß es sich also zu entscheiden:
Harry oder James?
"Ich denke, dass wir ihn herholen müssen. Wir können nicht unseren ganzen
Lebensplan wegen den Zwei umwerfen. Auch wenn es schwer fällt.", teilte Mrs
Weasley nach längerem hin und her ihren Standpunkt mit.
Remus nickte und stand dann auf.
"Ja, du hast Recht. Wir dürfen nicht vergessen, dass Harry kein Gast, sondern
ein Bestandteil dieser Zeit ist, anders wie James und Sirius. Sie sind
nur... Eindringlinge, wenn man es genau nimmt.", sagte der Werwolf und alle
sahen, wie schwer es ihm fiel, diese Tatsache zu akzeptieren.
Seit seinem kleinen Zusammenbruch gestern aber schien auch er sich Gedanken über
den Fortlauf der Zukunft gemacht zu haben. Und er war anscheinend zur richtigen
Erkenntnis gekommen, so schwer es auch fiel: James und Sirius durften eigentlich
gar nicht hier sein. Sie waren tot und würden es immer bleiben.
"Dann ist es also beschlossen? Wir holen Harry, Hermine und Ron in den
Grimmauldplatz?", harkte Tonks noch einmal nach.
"Ja, das werden wir tun.", bestätigte Arthur der Weisshaarigen und als wäre das
das Stichwort gewesen, erhoben sie sich alle und begaben sich auf ihre Zimmer
(Die Zwillinge und Ginny waren ebenfalls in ihren Zimmern und wollten keinen
Kuchen, als ihre Mutter sie gefragt hatte. Die Diskussion über den gestrigen
Abend war zu interessant, als sie für etwas Kaffeeklatsch zu unterbrechen) bzw.
machten sich für den Aufbruch bereit.
"Na dann los", murmelte Remus und wollte auch aufstehen, als sich dann aber
plötzlich eine Hand sanft auf seine legte. Er und Mrs Weasley waren die einzigen
noch im Raum.
Deshalb huschten verwundert die bernsteinfarbenen Augen des Werwolfes, die trotz
des vielen Leidens, immer noch eine warme und gütige Quelle besaßen, zu dieser.
"Molly?" Remus runzelte seine Stirn und schaute fragend drein.
Die Rothaarige lächelte liebevoll und erklärte ihre Besorgnisse, indem sie Lupin
fest in die Augen schaute, während sie sprach.
"Ich möchte nicht, dass du Harry abholst.", sagte sie mit einem fürchterlichen
zärtlichen Mutterton, den eigentlich so gut wie niemand widerstehen konnte.
"Arthur und Bill können das auch sehr gut alleine. Bitte ruh' dich noch etwas
aus."
"Ich muss mich nicht ausruhen.", behauptete Remus freundlich lächelnd und wollte
seine Hand befreien, aber der sanfte Griff war auf einmal ziemlich fest...
"Molly? Was soll das?" Jetzt war er wirklich verwirrt.
Die Angesprochene seufzte.
"Okay, dann eben so: Hör zu Remus, du stehst, ob du es wahr haben willst oder
nicht, seit der Ankunft von den zwei Chaoten - schau mich nicht so an, sie sind
wirklich welche! - unter starken Druck. Gestern ist die Bombe zwar geplatzt,
aber die Situation hat sich für dich nicht unbedingt gebessert." Sie holte tief
Luft. "Du isst in der Regel ja schon wenig, aber in den letzten Tagen hast du
fast gar nichts gegessen. Außerdem bist du fürchterlich blass, so als hättest du
eine Mondnacht hinter dich gebracht." Lupin wich dem forschenden und
gleichzeitig tadelnden Blick aus, doch Molly ließ nicht locker.
"Du kannst mir nichts vormachen. Den anderen vielleicht, aber nicht mir. Ich bin
eine Mutter von sieben Kindern, glaub mir, ich erkenne - noch bevor sich der
Betreffende sich überhaupt bewusst wird - dass es ihm schlecht geht, oder dass er
krank wird. Nenn' es mütterlichen Instinkt."
"Ich bin aber keines deiner Kinder.", sagte der Werwolf.
Molly seufzte erneut... ein Hauch Resignation schwang mit.
"Das vielleicht nicht, aber du gehörst zum Orden und, auch wenn es oftmals wegen
persönlichen Differenzen schwer fällt, müssen wir gegenseitig auf uns aufpassen.
Ich will es nicht verantworten, wenn du mitten in einem Kampf
zusammenbrichst."
Remus schüttelte den Kopf.
"Das ist Unsinn, Molly. Du bist hier niemandem verpflichtet und das weißt du.
Außerdem bin ich alt genug, um selber zu entscheiden, ob es mir gut geht oder
nicht.", erwiderte Lupin leicht gereizt auf Mrs Weasleys Erklärungen.
"Du wärst nicht der Erste, der das behauptet und dann sein blaues Wunder
erlebt."
Die Worte schwangen in der Luft, ehe der Werwolf die Augen verdrehte und sich
geschlagen zurück auf den Stuhl plumpsen ließ.
"Okay, du hast gewonnen.", resignierte er und fuhr sich mit seinen Händen übers
Gesicht. Wenn er recht bedachte, dann war er wirklich fürchterlich müde... Wie
lange hatte er diese Nacht geschlafen? Drei Stunden? Oder waren es doch nur
zwei?
"Hier geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um dein Wohl. Und glaub mir
Remus, dieses liegt mir sehr am Herzen, genau wie Harrys. Du bist der Einzige,
den er noch hat." Damit verließ sie die Küche, um den Anderen Bescheid zu geben,
dass der Werwolf nicht mitkäme, um die Kinder abzuholen.
Remus saß also allein am Tisch und stützte seinen Kopf mit den Händen ab.
Molly war manchmal hartnäckiger und unumgänglicher als mancher Todesser... so
viel stand fest.
"Remus kommt nicht mit? Wieso?", fragte Mr Weasley seine Frau überrascht. Er
wusste, wie sehr dem Werwolf Harry am Herzen lag, dass er nicht mitkommen würde,
war ziemlich untypisch für ihn.
"Ich erzähl es dir nachher, Schatz. Jetzt hol du erst mal mit Bill zusammen Ron,
Hermine und, natürlich, Harry ab. Ich koche in der Zeit etwas zu essen." Sie
küsste ihren Ehemann kurz auf den Mund und strich ihm über die Wange ehe sie zu
ihrem Sohn ging.
Dieser hatte sich seine coole Lederjacke mit einem - für Molly -
unidentifizierbaren Druck auf den Rücken übergeworfen, die perfekt zu dessen
ausgewaschenen Jeans und den Stiefeln passte. Die langen roten Haare hatte er,
wie meistens, zu einem lockeren Zopf gebunden.
Stolz lächelte die Mutter ihren Sohn an und bekam von ihm ein Bussi auf die
Wange gedrückt.
"Wir sind bald zurück.", sagte er und verließ zusammen mit seinem Vater das
Haus.
Molly nickte und kehrte zu Remus in die Küche zurück, dem Herzstück des Ordens.
Es war kühl, denn es wehte ein recht frischer Wind, als die Männer das Quartier
verließen.
Bill trat neben seinen Vater, der sich einen etwas verschlissenen Umhang
angezogen hatte, worunter eine braune Cordhose hervorblitzte.
"Starke Hose, Dad.", grinste Bill frech, als er das Kleidungsstück sah.
Mr Weasley schaute verwirrt an sich runter.
"Stark? Die Hose ist uralt.", meinte er. Bill lachte.
"So was nennt man Retrolook."
"Solange man es nicht ,Abfall' nennt...", meinte Arthur Weasley gelassen und
grinste dann, als sein Sohn erneut auflachte.
Gut gelaunt machten sich die Zwei auf den Weg um ihre kleine Mission zu
erfüllen. Sie gingen ein paar Minuten, als sie dann in einer einsamen Gasse
stehen blieben, sich gegenseitig ein Zeichen gaben und dann gleichzeitig in den
Ligusterweg apparierten... zu Harry.
Harry Potter, ein Junge, wohl wie kein anderer, hockte gerade vor dem Dienstauto
seines Onkels und tunkte zum x-ten Mal angeekelt den alten Lappen in das, mit
Waschmittel versetztem Wasser ein. Das Putzzeug brannte grauenvoll in den Augen
und Harry war der festen Überzeugung, dass seine Lunge schon längst weggeätzt
sein müsste...
Nun, das war auch eine Möglichkeit für die Dursleys sich ihn vom Hals zu
schaffen.
Doch die Frage des Tages war: Wieso musste Harry das Auto, das heiligste
Heiligtum der Heiligtümer seines Onkels (das zweitheiligste war sein neuer
Rasenmäher) säubern?
Weil Onkeln Vernon durch eine Pfütze gefahren war?
Nein.
Weil Dudley das Auto mit Schmutz beworfen hat, um es dann Harry in die Schuhe zu
schieben?
Nicht nur.
Weil Harry einfach nur Harry war?
Ja, das war wohl der wahrscheinlichste Grund.
Wahrlich angepisst warf Harry den Lappen in den Eimer. Seine Beine taten weh,
sein Rücken schmerzte und, oh Wunder, die Handflächen wurden weggebrannt.
"Ich bin wirklich eine arme, arme, arme Socke.", murmelte der Goldjunge bitter
und grinste schief, während er sich nach hinten fallen ließ und auf den Rücken
liegend die Wolken beobachtete.
Es war ja sonst nicht seine Art in Selbstmitleid zu vergehen, aber ihm war im
Moment wirklich nicht nach Rebellion, Amok oder sonstiges in dieser Richtung.
Er wäre doch letztendlich der Leidtragende.
Gerade zog eine extrem langsame und dicke Wolke vorbei.
Harrys grüne Augen fixierten sie an und nach einer Weile verformte sie sich so, dass Harry wirklich glaubte, Snapes Nase erkennen zu können... oder war es doch
eher ein Besen?
Eine andere Wolke schaute nach Hermines Wuschelhaar aus (zuerst tippte Harry auf
Krummbeins Schwanz).
Harry seufzte ergeben.
Toll, jetzt musste er sich natürlich unweigerlich wieder fragen, wann er endlich
aus diesem Sklavenhaus befreit werden würde (mental verwünschte Harry die
Wolke).
Er hatte keine Ahnung, denn Rons Briefe, geschweige denn Hermines,
waren in dieser Hinsicht wirklich aufschlussreich gewesen, da beide
alleine im Fuchsbau waren und keinen Bescheid bekommen hatten.
Tja, und jetzt lag er eben auf dem harten Asphalt und starrte wie blöd in den
Himmel und riet Wolkengestalten...
Er hatte wirklich verdammtes Heimweh!
"Junge!", schallte es aus dem Haus Nummer vier.
Harry schloss genervt die Augen. Konnte man sich nicht einmal in Ruhe bedauern
und woanders hinsehnen? War das wirklich, wirklich zu viel verlangt?
"JUNGE!"
Anscheinend.
"Ja, Onkel Vernon?", leierte Harry träge ohne die Augen zu öffnen, was sich als
Fehler herausstellte, denn ein großer und vor allem breiter Schatten seines
Onkels verdeckte die Sonne auf dem zierlichen Körper des Goldjungen, der immer noch
kraftlos in der Auffahrt lag.
Das fette Gesicht von Onkel Vernon war starr auf seinen Neffen gerichtet, der, wegen
der eintretenden Stille, vorsichtig seine Augen öffnete.
"Bist du fertig, Junge!", blaffte der dicke Mann Harry an. Die grünen Augen
huschten zum Auto.
Konnte man es als 'fertig' bezeichnen, dass man, wenn man sich die sich spiegelten Sonnenstrahlen auf dem Lack ansah, erblindete?
Harry entschied sich kurzerhand für ,ja', also nickte er.
"Hast du auch den Lack nicht verkratzt? Irgendwas ausgebeult? Verhext?" Der
Schwarzhaarige verdrehte die Augen. Wie paranoid durften Menschen eigentlich
sein, ohne eingewiesen zu werden?
Harry überlegte ernsthaft, ob er mal ein paar Anrufe tätigen sollte...
"Nein, Onkel Vernon. Ich habe nur den Schmutz abgewaschen.", meinte er dann
schließlich.
Argwöhnisch beäugte Harrys Onkel das Auto, schnaubte dann ein ,Ich will es dir
einmal glauben' und verschwand, ohne seinen Neffen weiter zu beachten ins
Haus zurück.
"Die lernen das nie mit dem Zaubergesetz.", schnaubte der Gryffindor deutlich
entnervt. Mit Lust auf gar nichts legte sich Harrys wieder zurück auf den
Steinboden.
Ja, das waren wirklich wunderbare Ferien, wie immer.
Mit einem leidenden Stöhnen drehte sich James auf die andere Bettseite. Er
wagte schon gar nicht seine Augen zu öffnen und das quälende Sonnenlicht, das
frech in ihr Zimmer strahlte, ertragen zu müssen. Das würde nur seinen Tod
bedeuten.
Sein Schädel brummte nämlich, als würden zwanzig Trolle einen flotten Walzer
hinlegen und dabei der einen oder anderen Bauchlandung erliegen.
Und ehrlich gesagt: Das war kein angenehmes Gefühl!
Die Welt und alles verfluchend, vergrub James sein Gesicht im Bettlaken.
Außer den Kopfschmerzen folterte den Jungen nämlich noch das schlechte Gewissen.
Ihm war durchaus bewusst, dass er sich gestern absolut daneben und egoistisch
benommen hatte. Vor allem aber gegenüber Moony. Schließlich konnte der Werwolf
nichts für ihre Vergangenheit oder Zukunft... aus welchem Sichtwinkel man es nun
auch betrachtete. Er war schlicht und einfach der Vermittler gewesen und, das
wusste James, hatte der Mann es alles andere als gerne getan. Nicht so wie Snape, der
ihnen die Wahrheit mit einem fiesen Grinsen ins Gesicht gespukt hatte.
Ein schwerer Seufzer entrang der ausgedörrten Kehle des Jugendlichen. Wieso
musste das auch alles so eine beschissene Entwicklung nehmen? Wieso hatte er
sich nicht beherrschen können wie Sirius?
'Sirius...'
Träge und immer noch recht müde drehte sich der Junge zu seinem besten Freund
um.
Ein kurzer Herzstillstand folgte, als dieser ihn mit seinen schwarzen Augen fest
beobachtete.
"M...Morgen.", japste James.
"Morgen.", erwiderte der Hundeanimagus leicht gequetscht, da eine seiner
Gesichtshälften auf seinem Arm gestützt lag.
Es herrschte eine unangenehme Ruhe zwischen den beiden.
James wusste nicht so recht, wie er mit Sirius über gestern reden sollte und, ob
er es überhaupt wollte. Allerdings konnte er es auch nicht einfach ignorieren.
Spätestens, wenn sie die Küche betreten würden, müsste er sich mit dem
Geschehenen auseinander setzen.
"Wie geht es dir?", platzte die Frage aus dem Schwarzhaarigen heraus. Es schien,
als würde sie Sirius schon lange auf der Zunge liegen.
James grinste schief.
"Es geht... etwas geplättet vielleicht.", meinte er. "Und selber?"
"Es lief schon mal besser."
James nickte und versuchte sich aufzurappeln... leider spielte da sein Kreislauf
nicht mit und er kippte wieder zurück. Schwarze Punkte (James könnte schwören,
dass es kleine Trolle waren) spielten vor seinen Augen und sein Kopf pochte um
die Wette mit sich selbst.
"Scheiße.", fluchte der Wuschelhaarige.
"Was?", fragte Sirius, der seinen Freund nicht aus den Augen gelassen hatte.
"Alles.", grummelte James. "Alles ist scheiße."
"Mhmm."
"Sirius?"
"Ja?"
James schluckte und versuchte sein Unbehagen unter Kontrolle zu bringen.
"Es tut mir Leid wegen gestern... Ich weiß, dass ich mich zu sehr habe gehen
lassen. Sorry.", murmelte James und hatte die Zimmerdecke an fixiert, während er
sprach.
"Du musst dich nicht entschuldigen.", sagte der Black und setzte sich, anders wie
James, problemlos auf.
"Dann bedanke ich mich eben.", meinte James mit gespielten Trotz in der Stimme.
Sirius Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln.
"Ich bin immer für dich da, James, das weißt du."
Die Miene des Angesprochenen veränderte sich. Wenn James daran dachte, was
Sirius Schicksal sein würde... Askaban und dann die Flucht... und das nur, weil er
Peter wird stellen wollen, dann wusste James ganz genau, wie sehr Sirius für ihn da
war.
Und er war sich nicht sicher, ob er das wollte.
"Ja, ich weiß...", reagierte er leicht verspätet auf Sirius Aussage. "Ich
weiß."
Harry lag immer noch wie tot in der Auffahrt. Er wartete ja insgeheim, dass
Onkel Vernon sich ins Auto setzen würde und ihn, ausversehen natürlich,
überrollte. Wann bot Harry ihnen denn auch schon so viel Angriffsfläche!
Nun ja, man konnte ja nicht alles haben...
Harry seufzte tief.
Vielleicht hatte man ihn auch nur vergessen? Vielleicht sollte er ein paar Eulen
in den Grimmauldplatz verschicken, um so auf sich aufmerksam zu machen!
Dem Jungen schwebte da so ein ,S.O.S' oder ,HELP ME!' vor.
Auf der anderen Seite glaubte er nicht wirklich daran, dass man sich nicht an
ihn erinnern könnte. Wahrscheinlicher wäre, dass sie alle zu beschäftigt waren
ihn abzuholen, denn Voldemorts Schatten lag nach wie vor auf der Zauberschaft.
Wenn auch versteckt im Untergrund.
Harry wusste, dass der Orden alle Mühe hatte, die Schritte des Schwarzmagiers zu
verfolgen und seine Pläne zu durchkreuzen. Durch das neue Verhalten des Lords,
das sich so stark von dem vor circa 16 Jahren unterschied, fiel es immer
schwerer, Informationen zu beschaffen, zu verarbeiten und eine Gegenwehr
aufzustellen.
'Er hat dazu gelernt.', dachte Harry bitter. Ja, das hatte Voldemort
zweifellos.
Viele Familien glaubten nämlich immer noch nicht an dessen Rückkehr... und das
nutzte der Lord perfide aus. Es war zwar im Moment sehr ruhig, fast schon
normal, aber Harry wusste, dass der große Schlag nicht mehr all zu lange auf
sich warten ließe. Er spürte es einfach. Voldemort konnte sich schließlich nicht ewig
in seinem Loch verkriechen und von dort aus die Fäden ziehen. Irgendwann
musste er den Bau verlassen und sich den Käse greifen... den Harry dann wohl
darstellte.
Über diesen lächerlichen Vergleich musste Harry sich das laute Lachen verkneifen
und begnügte sich mit leisem Glucksen.
Es wurde wirklich höchste Zeit, dass er hier weg käme und sein Verstand mit
etwas anderen konfrontiert werden würde, als vorbeiziehenden Wolken, die ihm,
wie er merkte, anscheinend nicht gut taten.
Er setzte sich auf. Ein lautes Knacken aus seiner Rückenregion ließ ihm sein
Gesicht verzerren. Stundenlanges (er vermutete das es sich um Stunden gehandelt
hatte) liegen auf Stein war eben keine besondere Wohltat für schmale Rücken. Das
war seine heutige Lektion, die er gelernt hatte.
Schnaufend stemmte sich Harry komplett in die Höhe, nahm Eimer und Waschzeug und
brachte sie in die offen stehende Garage. Das Putzwasser kippte er natürlich
zuerst in den Abfluss.
Er stand also vor dem Waschbecken, das sich in der Garage befand und stellte den
Eimer gerade auf den Boden, als er sich zur Straße drehte.
WUSCH-
Harry musste paar Mal blinzeln um das Gesehene zu registrieren.
Fuhr da gerade im Spitzentempo ein Müllcontainer vorbei, aus denen zwei
Rotschöpfe herauslugten?
"Nein..." Energisch schüttelte Harry den Kopf. Das konnte nicht sein... Oder?
"Oh mein Gott!", schoss aus den Mund des Teenagers, der sich abrupt umdrehte und
dem Container hinterher eilte.
Dieser jagte immer noch mit einer beachtlichen Schnelligkeit die flache Straße
entlang.
Harry zapfte seine Energiereserven an und legte einen rekordverdächtigen Sprint
hin, wobei er bei allen guten Geistern hoffte, dass alle Muggel in ihren
Wohnzimmern saßen und superwichtige Nachrichten mit höchster Konzentration
schauten...
Die Häuser rauschten an ihm vorbei und er konnte schwören, etwas zu hören.
"HAAAAARRRYYYYYY!"
Jep, das war's gewesen.
Harry versuchte das Seitenstechen zu ignorieren und legte noch, soweit es ihm
möglich war, einen Zahn zu.
Der Müllbehälter schien an Geschwindigkeit zu verlieren und rollte allmählich
aus. Allerdings war er immer noch schnell genug um heftig gegen einen Baum zu
knallen. Mit lautem Scheppern kam der Müllcontainer zum Stillstand und Harry
völlig außer Puste bei ihm an.
Leicht besorgt huschte er zum Behälter und öffnete die Luke, die beim Aufprall
zugeschlagen war.
Seine grünen Augen suchten kurz den Inhalt ab (es war nach ihm zu schließen ein
Papiercontainer) und fand dann zwei Gestalten die verheddert übereinander
lagen.
"Alles in Ordnung?", fragte Harry die zwei und betrachtete die blassen
Gesichter. Besonders das von Mr Weasley sah mitgenommen aus.
"Ich dachte, ich würde sterben.", krächzte dieser und versuchte sich aufzusetzen,
ohne seinen Sohn in dem Papierhaufen zu ertränken... soweit es möglich war.
"Und bei dir, alles okay, Harry?", stellte Mr Weasley die Gegenfrage.
"Ähm... ja, danke... aber Mr Weasley, denken sie nicht, dass dieser Auftritt etwas
zu... auffällig war!", meinte Harry und trat beiseite, als Bill aus dem
Müllcontainer stieg.
"Ein wenig vielleicht.", grinste Bill den Jungen an und staubte sich ab. "Ich
bin jedenfalls froh, dass wir nicht im Biomüll gelandet sind."
Harry lachte und auch Mr Weasley stimmte mit ein.
Als sich die Gemüter etwas beruhigt haben und Mr Weasley auch wieder lebendig
aussah, räusperte sich das Oberhaupt der Weasley-Familie einmal laut.
"So Harry, ich glaube du kannst dir denken, wieso wir hier sind, nicht!", sagte
Mr Weasley und schaute den Goldjungen an.
Dieser legte den Kopf schief und grinste.
"Sie wollten mit mir Kaffee trinken?"
"Fast", lächelte der rothaarige Mann.
"Wir wollen dich natürlich abholen.", sagte Bill und öffnete die Luke des
Containers.
Harry runzelte die Stirn und schaute fragend auf das große metallische Gefäß.
"Aber doch nicht damit, oder?"
Bill gluckste.
"Nein, ich wollte nur einen alten Zettel wegwerfen. Wenn man denn schon die
Möglichkeit dazu hat." Er zwinkerte Harry zu und warf den besagten
Papierschnipsel in den Behälter.
"Du musst wissen Harry, eigentlich hatten wir nicht vor, so... rasant hier
aufzutauchen.", fing Mr Weasley an zu erklären. "Wir sind ein paar Häuser von
dem deiner Verwandten appariert, aber irgendwie stand da dieser Container, wir
wollten natürlich raus und versuchten uns frei zu hexen... naja, den Rest kann
man sich ja denken." Harry grinste breit.
Ja, den Rest konnte er sich wirklich denken.
"Wie dem auch sei. Wir sind hier um dich abzuholen, dann noch Hermine und Ron
vom Fuchsbau aus mitzunehmen und in den Grimmauldplatz zu verfrachten.
Einverstanden?"
Harry nickte.
"Voll und ganz."
Der Müllbehälter wurde wieder an seine ursprüngliche Stelle gezaubert und,
Merlin sei Dank, schien es wirklich niemand mit bekommen zu haben. Harry
jedenfalls war schnell zum Ligusterweg 4 geeilt, hatte gepackt und war mit einem ,Bin
dann weg' wieder draußen. Er war sich nicht sicher, ob die Dursleys das
überhaupt registriert hatten und wenn nicht... spätestens wenn das Auto wieder
einen Fleck hatte, würde ihnen sein Fehlen auffallen. Bestimmt.
Jetzt freute er sich nur noch auf zwei Dinge, die Hermine und Ron hießen.
Als Harry den Fuchsbau nach langer Zeit wieder sah, kribbelte es angenehm in
seiner Magengegend. Es war ein Gefühl, wie nach Ewigkeiten nach Hause zurückzukehren. Nichts hatte sich verändert. Das Haus stand immer noch in seiner
abstrakten Form da und der Garten war ebenfalls im gleichen Zustand, wie es
Harry in seinen Erinnerungen gespeichert hatte. Wild und frei.
"Herrlich.", flüsterte er leise, sodass niemand der beiden Weasleys es hören
konnte, doch bemerkte Harry, dass auch die zwei mit leichtem Heimweh auf den
Fuchsbau schauten, denn ihr Leben spielte sich fast schon ausschließlich im
Grimmauldplatz ab...
"Dann wollen wir mal Ron und Hermine abholen.", meinte Mr Weasley und riss Bill,
wie auch Harry, aus ihrer Trance.
Dennoch nickten beide und folgten dem Mann ins Haus.
"Komm schon Hermine! Das kannst du mir nicht antun!", maulte Ron, als sie die
Braunhaarige ein neues Buch zur Hand nahm.
Die zwei Jugendlichen saßen im Wohnzimmer. Ron stand mit den Armen wild
fuchtelnd vor Hermine, die es sich, umgeben von Büchern, auf der eingesessenen Couch bequem gemacht hatte.
"Diese Haushaltszauber sind sehr interessant Ron.", erwiderte sie, ohne
aufzusehen und wollte gerade die erste Seite aufschlagen, als Ron es ihr aus der
Hand riss.
"Du hast gerade mal vor drei Minuten ,Haushaltputz auf Drei!' durchgelesen! Du
kannst doch nicht jetzt sofort ein neues anfangen!", empörte sich der Rotschopf
und missachtete Hermines verdunkelnde Miene.
"Aha und wieso nicht?" Mit stechendem Blick fixierte Hermine den Jungen vor
sich, der seine Wangen aufplusterte, die einen leichten Rotton annahmen.
"Na weil... weil... weil du sie niemals brauchen wirst.", murmelte er. "Du wirst
eine Super-Hexe, top berühmt und hast dann genug Angestellte, die das alles für
dich erledigen. Ist doch klar." Er schaute auf, in die braunen Augen seiner
besten Freundin, sie aber unterbrach den Augenkontakt sofort wieder.
"Red keinen Quatsch.", fauchte sie, nahm das Buch erneut zur Hand und versank
hinter dem Band. Allerdings waren ihre Wangen auch nicht mehr ganz so blass wie
vorher...
Der Junge konnte es nicht fassen. Er wurde schon wieder von ihr abgewiesen! Was
sollte er denn NOCH tun!
Wut stieg ihm hoch.
"Fein! Ignorier mich! Kein Problem, das Buch ist halt interessanter als ich es
bin! Wirklich, macht mir überhaupt nichts aus, dass du einem Staubzauber mir
vorziehst! ÜBERHAUPT NICHT!" Wütend rannte Ron aus der Stube in die Küche.
"Blöde Kuh."
Zurück blieb eine Hermine, die teils verwirrt, teils schuldbewusst drein
schaute.
Sie wusste, dass sie sich ungerecht und ignorant gegenüber Ron verhielt, aber
was sollte sie tun? Sie konnte mit ihm einfach nicht alleine sein... das Gefühl
von Unsicherheit erfasste sie dann immer und deshalb verkroch sie sich hinter
den Büchern.
'Hoffentlich kommen die anderen bald.'
Hermines Wunsch sollte nicht lange unerfüllt bleiben, denn kurz darauf betrat
Harry mit Mr Weasley und Bill die Küche, wo Ron schmollend auf einem Stuhl saß
und lustlos in einem Stück Kuchen stocherte.
"Hey Ron", grüßte Bill seinen Bruder, schritt zu ihm und schlug ihm herzlich auf
die Schulter.
"Wie geht's? Alles klar?", fragte er, doch Ron gurgelte nur seltsames Zeug.
Allerdings schaute er auf und entdeckte dann seinen Vater "Hi Dad." Und...
"Harry! Der Mann der Stunde! Schön dich zu sehen, Alter!" Breit grinsend und wie
ausgewechselt erhob sich der schlaksige Junge und begrüßte seinen besten
Kumpel.
"Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dich wieder zu sehen und nicht mehr
allein mit dieser... du weißt schon... zu sein."
Harrys Augenbraue hob sich.
"Ach wirklich?"
"Jepp.", bestätigte Ron. "Noch ein paar Stunden länger und ich hätte sie mit
einem Buch erschlagen. Ich schwör's. Sie hatte nur Augen für diese bescheuerten
Teile... Mich hat sie total ignoriert. Tze. Weiber." Missmutig starrte Ron auf
den Küchenboden.
Harry konnte nur dem Kopf schütteln.
"Ich denke nicht, dass du Hermine als ,Weib' bezeichnen kannst. Sie ist
schließlich anders als die Anderen. Etwas besonderes.", meinte Harry auf die
Bemerkung hin und zuckte mit den Schultern.
Mehr konnte er schließlich auch nicht tun. Diese Sache müssten die beiden schon
alleine auf die Reihe bekommen. Sonst sollte es einfach nicht sein.
"Ja, ich weiß.", murrte Ron.
Bill und Mr Weasley, die kurz nach der Begrüßung die Küche verlassen hatten, um
Hermine zu holen und andere Dinge noch schnell im Fuchsbauch zu erledigen,
kehrten gerade zurück und unterbrachen so das kleine Jungengespräch.
"Hast du schon gepackt, Ron?", fragte sein Vater ihn. Dieser nickte und bei
Harrys erstauntem Gesicht flüsterte "Hermine" und "Sklaventreiberin" in einem
zusammenhängenden Satz, sodass er sich dieses Phänomen erklären konnte.
"Hermine kommt dann auch gleich. Sie will nur ein paar Bücher zusammenpacken.",
sagte Bill und Ron verdrehte die Augen.
"Weshalb überrascht mich das nicht!"
Harry entschloss sich, nichts zu sagen. Besser für ihn und sein Wohl, da war er
sich sicher.
Nach ein paar Minuten stieß dann auch Hermine zu dem kleinen Grüppchen (sie
begrüßte Harry mit einer festen Umarmung... armer Ron.).
Wo jetzt alle Leute abgeholt worden waren, konnte die Rückreise per
Portschlüssel angetreten werden.
Der Grimmauldplatz war für sie bereit. Oder doch nicht?
James' Kopfschmerzen schienen langsam zu vergehen. Eins hatte er jedenfalls
daraus gelernt: Niemals wieder weinen.
Wie die Mädchen und Frauen das schafften immer zu heulen und dann, von einer
Sekunde auf die andere, gut gelaunt zu sein, war ihm wirklich ein Rätsel. Er
nahm sich vor, unter Umständen, eventuell dieser Frage innerhalb einer Studie
nachzugehen. Es wäre auf alle Fälle eine Bereicherung.
Aber abgesehen der Kopfschmerzen und dem schlechten Gefühl in sich, kam noch der
verdammte Hunger hinzu. Sein Magen knurrte schon über eine Stunde und auch
Sirius' Bauch ließ ab und an ein leises brummen von sich. Doch beide hatten nicht
das Bedürfnis nach unten zu gehen und auf bestimmte Leute zu treffen...
Als Sirius' Magen einen neuen Lautstärkenrekord brach, räusperte sich dieser.
"Krone?"
"Mhmm?"
Sirius setzte sich wieder auf und fuhr sich durch die Haare.
"Ich sterbe gerade den Hungertod."
"Keine schöne Art zu sterben.", meinte James nur und gähnte.
"Erdrosselt zu werden ist noch viel schrecklicher.", ließ Sirius grinsend
verlauten. Daraufhin konnte James nur lachen. Er hatte den Wink verstanden.
"Schon gut... du hast ja Recht, Ich kann mich nicht ewig verstecken. Lass uns
etwas essen gehen. Die machen sich auch bestimmt Sorgen wegen uns... und ich
denke, wir fallen ihnen alle schon zu sehr aufs Gemüt.", sagte James und stand
resignierend auf.
"Ja, so sehe ich das auch.", stimmte Sirius seinem besten Freund zu. "Außerdem,
keiner wird dir deinen... Ausbruch übel nehmen. Du bist schließlich das Opfer."
James schaute seinen Freund traurig an.
"Du aber auch. Vor allem du."
Sirius schüttelte den Kopf.
"Nein. Ich sehe mich nicht als Opfer." Seine Stimme wirkte leicht verklärt.
"Als was denn dann? Als Täter?" James lachte, aber dieses verstummte schnell,
als er den Gesichtausdruck seines Kumpels bemerkte.
"Du gibst dir doch nicht allen ernstes die Schuld für... für das alles!
Tatze!"
Sirius knurrte leicht und aus seinen Augen sprühte eine eingebrannte Qual.
"Ich bin nicht der Täter, sondern der Auslöser. Wenn ich mich als
Geheimniswahrer angeboten hätte und nicht Peter vorgeschlagen, dann wäre alles
anders gekommen und du, Lily und ich würden heute noch leben."
James schnaubte.
"Glaubst du das wirklich? Ich weiß nicht Tatze, aber das alles ist so verquer
und mit einander verharkt... es ist so durchdacht, als würde jemand uns wie
Schachfiguren auf ein Brett umherschieben, weißt du? Ich habe gestern viel
nachgedacht. Und ich glaube, wären wir nicht so gestorben, dann anders, aber mit
demselben Ergebnis."
"Du redest von Schicksal, oder?", fragte Sirius.
"Mhmm. Ich habe nie dran geglaubt und wenn ich ehrlich bin tu ich es immer noch
nicht. Es ist so abwegig von Schicksal und Vorherbestimmung zu reden. Aber für
Muggel ist Magie auch abwegig und nur ein Produkt der Fantasie."
Die Aussage stand eine Weile unbeantwortet im Raum, als ein erneutes Magenkurren
seitens Sirius das eigentliche Vorhaben den beiden wieder bewusst machte.
"Lass uns gehen Tatze, ehe du wirklich noch stirbst."
"Den Gefallen tu ich dir nicht."
Sie lachten zwar, doch die Unbeschwertheit von vor ein paar Tagen war nicht mehr
präsent.
Anders wie beim Fuchsbau hatte Harry das Gefühl, immer wenn er vor dem
Grimmauldplatz stand, dass ihn gerade jemand etwas wirklich Ekeliges erzählt
hatte, was er sich bildlich vorstellen würde.
Es war belastend in das Haus zurück zu kehren, wo sein verstorbener Pate in
seiner Kindheit gelebt hatte und später sich versteckte.
Doch das war nun über ein Jahr her und Harry hatte den Tod Sirius' akzeptiert.
Ihm blieb auch nichts anderes übrig, als dies zu tun.
Er hatte eine Aufgabe, die zu erfüllen war. Er konnte nicht vorher schon
zerbrechen. Dieser Gedanke war ausschlaggebend gewesen und so hatte sich Harry,
mit Hilfe seiner Freunde, wieder aufgerappelt, auch wenn es schwer gewesen war.
Sehr schwer.
Der Schmerz würde wohl immer präsent bleiben, doch nichts anderes wollte der
Goldjunge. Schmerz erinnerte einen immer daran, dass man noch lebte.
Kopfschüttelnd folgte Harry seinen Freunden, die sich, wie die ganze Zeit über,
eisig anschwiegen.
Das konnte ja noch heiter mit den beiden werden. Wirklich, wie Kinder!
Mr Weasley betrat als Erster das Haus der Blacks und ließ alle anderen nach ihm
herein. Mit einem wachsamen Blick schloss er dann die Tür und ließ für alle
anderen das alte Haus verschwinden und den magischen Schutzzauber Dumbledores
wirken.
"Doof, dass wir nicht im Fuchsbau bleiben können, ne Harry!" meinte Ron, als er
sich in der Halle umsah. Harry nickte nur. Das war mehr als doof...
Doch anstatt zu antworten blickte er sich fragend um. Überall schrubbten
verzauberte Wischmöppe, Lappen und Schrubber. Gerade ging die Badezimmertür auf
und zwei Eimer schwebten in die Halle. Eine Flasche mit Reinigungsgel spritzte
etwas in das frische Wasser und einer der Wischmöppe fackelte nicht lange,
tunkte seinen Kopf in den Eimer und wischte dann weiter.
An vielen Stellen schimmerte noch die grelle Orangefarbe durch.
"Ähm...", setzte Harry an, doch Hermine sprach seinen Gedanken zuerst aus.
"Was, bei Merlin, ist denn hier passiert!"
Bill runzelte die Stirn und überlegte, wie es am besten formulieren sollte.
"Ihr kennt ja Fred und George.", antwortete er der Wuschelhaarigen dann
schließlich.
Ron sog scharf die Luft ein.
"Fred und George waren das? Verdammt, Mum muss sie erdolcht haben!" Mit großen
Augen schaute er seinen Vater an.
"So kann man das auch nennen.", bemerkte dieser trocken. "Kommt jetzt."
Er wollte Harry und die anderen gerade durch die Küchentür schieben, als ein
Knarren ihre Aufmerksamkeit auf die Treppe lenkte.
"Argh! Diese bekackte Stufe!", schimpfte eine Stimme, die allen ziemlich bekannt
vorkam.
'Das kann nicht sein!' Harrys Kopf drehte sich sofort zu demjenigen um, der
gesprochen hatte.
Da stand er. Ein Junge, der ihm nicht bekannter hätte vorkommen können.
"Dann tritt nicht drauf, Tatze."
"Jaja, Krone.", erwiderte der Junge und sah auf.
Harry glaubte, dass ihn gerade jemand treten würde. Er konnte nicht glauben, was
er da sah. Neben diesem Jungen stand... da stand sein absolutes Ebenbild.
Dieselbe Körperform, dasselbe zerstrubbelte Haar... es hätte sein Spiegelbild
sein können, wären die Augen nicht haselnussbraun und würde die berühmte
Blitznarbe, an dieser jeder ihn erkannte, nicht fehlen.
"Wa-?" Sein Ebenbild brachte den angefangenen Satz nicht zu Ende und starrte Harry an.
Dieser starrte zurück.
Das konnte nicht sein!
Nein, das konnte nicht sein! Das war ein Trugbild! Ein Produkt seiner
Fantasie!
"Du... du bist Harry.", krächzte der Junge und wurde blass, genau wie Harry
selber.
Er stand tatsächlich...
"Oh mein Gott.", flüsterte Hermine geschockt.
...seinem Vater gegenüber.
Nochmal einganz herzlich Sorry, dass ich es so lange vor mich geschoben habe, das Kap hochzuladen! -sich schäm-
Ich werde mich bessern! Bis dahin hoffe ich, dass euch das Kapitel gefallen hat!
Kommis würden mich jederzeit freuen! -lach-
eure Apfel
