Autorenanmerkung: Falls es noch nicht aufgefallen ist: Ich kann mich nicht kurzfassen. Danke für die Reviews, Antworten gab es wie immer per Reply. Ich rede gerne über meine Geschichten, aber ich will nicht jeden damit langweilen. Wenn jemand was wissen will, was sagen will, wie auch immer: Die Reviewfunktion steht zur Verfügung, PM steht zur Verfügung und meine Mail-Adresse ist auch im Profil.
Ach ja: Ich bin mies mit Kapitel-Titeln. Überschriften waren noch nie meine Stärke. Ich habe mehrere Tage überlegt, wie ich diese Geschichte überhaupt nennen soll, mein Word-Doc heißt bis heute "Mac&Danny-Story". Tja, nicht wirklich kreativ, aber es kommt auf den Inhalt drauf an, oder?
In diesem Kapitel taucht die erste Fußnote von mir auf, falls ihr über Zahlen im Laufe der Geschichte stolpern solltet: Die Erklärung findet sich dann immer unten, am Ende des Kapitels.
Das war es für heute, euch viel Spaß mit dem Kapitel!
Kapitel 9: Frühstück mit Stella
Es verging einige Zeit. Wir arbeiteten und wir lebten, mehr oder weniger. Ich arbeitete natürlich mal wieder mehr und lebte weniger. Ich war mir immer noch nicht sicher, was ich wegen Danny unternehmen sollte. Okay, ich wusste jetzt, dass er dem männlichen Geschlecht nicht abgeneigt war, aber was brachte mir das? Nicht wirklich viel. Denn ich wusste immer noch nicht, ob er mir zugeneigt oder abgeneigt war.
Ich hatte mit Stella seit unserer privaten Unterhaltung in meinem Büro, bei der Hawkes meine Bisexualität entdeckte, nicht mehr wirklich gesprochen, was jetzt unsere Privatleben betraf. Sie war also immer noch nicht auf dem neusten Stand, was Danny anging. Zum Glück schien es mir so als wären auch sonst niemandem im Büro die Neuigkeiten zu Ohren gekommen. Der Tratsch und Klatsch hatte immer noch Angelina Jolie und Brad Pitt als Unterhaltungsthema.1 Trotz allem hatte ich das Gefühl, mal wieder mit Stella reden zu müssen. Wir hatten gerade den Fall mit den zwei Morden in ein und derselben Firma abgeschlossen.
Aber anscheinend hatte sich das Schicksal gegen mich verschworen, denn zuerst wühlte ich mich durch den ganzen Papierkram, und als ich dann schließlich nach Hause gehen wollte klingelte das Telefon und eine Leiche kam rein. Also fuhr ich raus zum Tatort. Glücklicherweise hatte Stella Rufbereitschaft, unglücklicherweise war Don Flack auch am Tatort. Also keine Gelegenheit um mit ihr zu reden. Und ich glaube Sid Hammerback hätte es auch nicht gut gefunden, wenn wir unser Privatgespräch in die Gerichtsmedizin verlegt hätten. Immerhin hätte es die Leiche wohl nicht gestört: Eine junge Frau, die vermutlich von der Brücke gesprungen war. Wenn man mal von den Abwehrverletzungen an ihren Armen absah. Aber auf der Brücke gab es kein Anzeichen von einem Kampf.
Als wir gerade wieder im Büro ankamen erreichte uns der nächste Fall: Tod in der Seilbahn. Lindsay Monroe betrat gerade das Labor, also schickte ich sie raus, da es noch nicht mal nach Mord aussah. Und sie hatte sich mit dem Tiger und dem abgeschlagenen Kopf mehr als nur bewährt. Sie hatte es sich verdient, dass ich sie etwas von der Leine ließ. Also fragte ich Stella, ob sie nicht Lust hätte mit mir irgendwo was zu frühstücken und einen schönen Espresso zu trinken. Sie sah so aus, als würde sie die Koffeinspritze auch vertragen können. Als ich noch hinzufügte, dass ich bezahlen würde nickte sie geradezu begeistert.
Vermutlich war es ihre Art von Rache, dass ich sie auf den Cannolis vom San Genaro-Fest hatte sitzen lassen. Sie bestellte sich auf jeden Fall das größte und teuerste Frühstück, auch wenn sie den Sekt durch Orangensaft ersetzen ließ. Keiner von uns würde während der Arbeitszeit trinken, auch wenn unsere Arbeitszeiten noch so unmöglich waren.
„Also, was gibt es?" eröffnete sie schließlich die Unterhaltung.
„Wieso sollte es was geben?"
„Komm schon, ich bin doch nicht blöd. Du würdest mich wohl kaum zum Frühstück einladen, wenn du nicht irgendwas bereden wolltest. Geht es um Danny?"
Ich ersparte mir die Frage woher sie wusste, dass es um Danny ging. Es war ja wohl nicht allzu schwer zu erraten, nachdem ich ihr doch vor ein paar Wochen eröffnet hatte, dass ich mich in ihn verliebt hatte.
„Könnte man so sagen…"
„Mac…" Sie sah mich ungeduldig an, so als wollte sie mir sagen: ‚Red nicht um den heißen Brei rum sondern komm zur Sache.'
„Danny ist bi."
„WAS? - Das ist ja wunderbar!" jubelte sie, nachdem sie sich von der ersten kleinen Überraschung erholt hatte. Dann ließ sie sich weiter das Frühstück schmecken. Mit halbvollem Mund fragte sie: „Wie hast du denn das raus gefunden?"
„Er hat es mir erzählt."
Ihre Augen wurden groß, während sie mich ansah.
„Einfach so?"
„Naja, er erzählte davon, dass er sich gerade von seiner Freundin getrennt hätte und kam so richtig in Fahrt. Du kennst ja Danny. Auf jeden Fall beklagte er sich halt darüber was ihm alles in einer Beziehung fehlen würde. Und am Ende knallte er mir hin, dass er es ja vielleicht wirklich mal mit einem Mann versuchen solle."
„Du hast ihm aber nicht angeboten, dieser Mann zu sein, oder?" Stella zwinkerte mir zu. Ich wusste, dass es nur ein Scherz war, trotzdem konnte ich nicht ganz so gelassen reagieren, wie ich es gerne gewollt hätte.
„Nein, um Gottes Willen." bestritt ich es vehementer als nötig. „Er weiß noch nicht mal, dass ich auch bi bin."
Es war an Stella ihre Augenbrauen zu heben. „Wieso hast du es ihm nicht gesagt?"
„Ergab sich nicht."
„Mac…"
„Ich konnte nicht."
„Wieso nicht?"
„Darum nicht."
„Darum nicht?" Stella verlor langsam die Geduld. „Mac, das wäre eine tolle Chance gewesen. Zumindest würde er dann jetzt wissen, dass du ein möglicher Partner sein könntest."
„Ich weiß." seufzte ich.
Dann kam mir plötzlich ein Gedanke.
„Oh Gott, ich hoffe nur, dass Flack jetzt nicht hinter mir her ist!"
Mein Mundwerk war schneller gewesen als mein Gehirn. Das kam nicht oft vor, und aus diesem Grund bedeckte ich sofort mit meiner nicht von Marmelade verschmierten Hand meinen Mund. Nicht, dass es viel gebracht hätte, denn ich hatte auch Marmelade im Mundwinkel hängen, jetzt waren beide Hände verschmiert. Ich schaute auf die Bescherung, während Stella noch versuchte den tieferen Sinn meines Satzes zu begreifen.
„Ich geh mal eben…" Ich gestikulierte in Richtung der Toiletten. Ich musste mir unbedingt die Hände waschen. Haferbrei war definitiv weniger klebrig als Marmelade, aber nach einer durcharbeiteten Nacht brauchte ich einfach was Bissfestes.
Ich war schon aufgestanden und halb bei den Toiletten, als ich Stella, bei der langsam der Groschen gefallen zu sein schien, ausrufen hörte: „Wie? Flack auch?"
Ich verschwand in der Herrentoilette und wusch mir die Hände. Ich wusste, dass es nicht höflich war einfach während des Essens aufzustehen, aber es war ja nur Frühstück und kein Dinner. Und da ich schon mal auf der Toilette war konnte ich auch gleich noch einem anderen Geschäft nachgehen. Irgendetwas sagte mir, dass es vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung wäre, Stella erst einmal etwas aus dem Weg zu gehen. Doch viel Zeit würde ich mir nun auch wieder nicht lassen können. Ich wusch mir erneut die Hände bevor ich zu Stella an den Tisch zurückkehrte.
„Flack auch?" fragte sie, diesmal mit etwas gedämpfterer Stimme, so dass nicht der ganze Raum unser Gespräch verfolgen konnte.
Verzweifelt hatte ich überlegt, was ich ihr sagen sollte. Ich beschloss bei der Wahrheit zu bleiben und nicht drum herumzureden.
„Entschuldigung, mir ist da was herausgerutscht, was mir nicht hätte herausrutschen sollen, aber erst als du das über Danny sagtest wurde mir die Möglichkeit so wirklich bewusst." versuchte ich zu erklären, aber erntete nur einen verwirrten Blick.
„Ich hoffe, du behältst das für dich, denn ich… Also, das wird jetzt eine längere Geschichte…" Ich seufzte leise. Stella sah mich ernst an, aber offenbar bereit mir zuzuhören, auch wenn ihr Frühstück einen Teil ihrer Aufmerksamkeit beanspruchte. Die Rühreier dufteten aber auch zu gut. Ich stibitzte mir eine Gabel von ihrem Teller bevor ich fortfuhr.
„Nachdem Danny mir sagte, dass er auch bisexuell ist kam mir der Gedanke daran wie vertraut er doch mit Flack umgeht. Also dachte ich mir, ich sollte mit Don reden. Ich habe damit eröffnet, dass Danny bi ist, und aus seiner Reaktion entnahm ich, dass er es nicht wusste. Aber er kam gleich auf Bürotratsch zu sprechen. Also habe ich gesagt, er solle nichts sagen, sonst würde ich dir erzählen, dass er schwul ist."
Stella ließ ihre Gabel auf den Teller fallen. Zum Glück fiel sie neben das Rührei und spritzte es so nicht auf den Tisch und vermutlich auch noch auf ihre Kleidung.
„Nein!" entfuhr es ihr.
„Stella?" Ich machte mir wirklich Sorgen. Sie war immer gut mit Don klargekommen. Und ich hatte mich ab und an gefragt, ob zwischen den beiden vielleicht doch mehr war als nur Freundschaft. Die Chemie schien jedenfalls zu stimmen. Aber jetzt, nachdem ich wusste, dass Don schwul war…
„Don ist schwul?" fragte sie ungläubig. Sie schien vollkommen überrascht, aber nicht erschüttert.
Ich nickte. „Bitte, bitte, behalt es für dich."
„Für wen hältst du mich? Die Klatschbase vom Dienst?" fragte sie entrüstet.
„Nein, natürlich nicht. Es ist nur… etwas delikat."
„Wieso?" Sie beugte sich etwas nach vorne, ihre Stimme war mehr ein Flüstern als noch ein normales Reden.
„Don scheint damit irgendwie ziemliche Probleme zu haben. Er hat es wohl noch niemandem gesagt."
„Okay. Ich weiß von nichts." sagte sie, während sie sich wieder etwas zurücklehnte und weiter ihrem Rührei widmete.
„Aber Don und schwul?" kam sie sofort wieder zurück auf das Thema. „Das hätte ich nie gedacht. Ich hatte immer eher das Gefühl als würde er mit mir flirten."
„Ich auch." antwortete ich ihr.
„Nun ja, seine gute Beziehung zu Danny lässt sich ja wohl kaum bestreiten, trotzdem… - Sag mal, er will doch nichts von Danny, oder?"
Da sah man es mal wieder: Stellas und mein Gehirn funktionierte wohl auf sehr ähnliches Weise.
„Nein, will er nicht. Aber um das rauszubekommen…" Ich begann herumzudrucksen. „Er weiß, dass ich in Danny verliebt bin." sagte ich schließlich.
„Okay." antwortete Stella schlicht.
Wir frühstückten weiter, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Meine drehten sich darum, dass ich hoffte, dass wirklich nichts im Büro durchsickerte. Das Letzte, was ich und auch Don und Danny gebrauchen konnten, wäre, wenn das ganze Department sich sein Mundwerk über uns zerreißen würde. Vor allem Don würde es schwer treffen. Und ich wollte gewiss nicht, dass Danny so von meinen Gefühlen für ihn erfahren würde.
„Du weißt schon, dass Don es wohl Danny erzählen wird…" bemerkte Stella, während sie an ihrem Orangensaft nippte.
Ich konnte es mir nicht wirklich vorstellen. Immerhin hatte Don mir versprochen es niemandem zu erzählen. Andererseits: Wie sorglos war ich gerade mit seinem Geheimnis umgegangen? Außerdem konnte ich mir gut vorstellen, dass meine Freunde nur zu gerne als Kuppler fungieren würden. Vor allem Stella. Sie lag mir ja nun schon seit Wochen, ach was sage ich, seit Monaten in den Ohren, dass ich endlich wieder rausgehen sollte. Immerhin war ich bereit gewesen, mich wieder zu verlieben. Aber war ich schon bereit weiter zu gehen? Was würde passieren, wenn Danny mir sagen würde, dass er kein Interesse an mir hätte? Oder vielleicht sogar noch schlimmeres? Unsere Freundschaft hatte eh schon genug gelitten gehabt. Ich konnte nicht sagen, ob sie so etwas verkraften würde. Wir waren gerade erst wieder dabei, diese Freundschaft zu kitten. Ich war dankbar, dass wir es taten, und dass es offensichtlich möglich war. Und ich war froh, dass ich anscheinend nicht der Einzige war, dem etwas an unserer Freundschaft lag. Wenn ich so darüber nachdachte, dann ehrte es mich sehr, dass Danny mir so vertraut hatte.
Oh Gott, vielleicht hatte ich schon wieder alles kaputt gemacht, denn wenn Don etwas zu Danny sagen würde, dann würde er Danny wohl auch sagen, dass er wusste, dass dieser bi ist, und es gab ja nur eine Person, von der er das wissen konnte. Andererseits war Danny nicht erpicht darauf gewesen, dass es unter uns bleiben würde. Ich wusste zwar nicht, ob er es von sich aus auch noch anderen erzählen würde, immerhin war es auch mir gegenüber eher ein Zufall gewesen, dass er sich zu seiner Bisexualität bekannt hatte, aber ich konnte mir durchaus vorstellen, dass er, nachdem ich als sein Chef es wusste, es auch anderen erzählen würde. Vielleicht hatte er nur nicht gewollt, dass es auf einem anderen Wege zu mir durchsickerte.
„Ich weiß nicht." meinte ich schließlich zu Stella. „Don würde Danny dann wohl sagen müssen, dass er schwul ist. Ich glaube nicht, dass er sich das traut. Außer… Hm, was wenn er durch meine Reaktion Mut gefasst hat?"
Ich sah Stella fragend an. Sie zuckte nur mit den Schultern. Und ich fragte mich, welche Lawine ich hier gerade losgetreten hatte. Das war unkontrollierbar geworden. Don wusste etwas, dass Danny nicht erfahren sollte, zumindest nicht von ihm. Ich wusste was von Don, was niemand erfahren sollte, aber ich hatte es an Stella ausgeplappert. Wenn Stella was zu Don sagen würde, würde Don dann Danny sagen, dass ich in ihn verliebt wäre? Ich traute niemanden von meinen Kollegen und Freunden zu, so gemein zu sein. Nur würde es Don nicht verletzen, dass ich sein Geheimnis nicht gewahrt hatte?
Verdammt, ich bekam Kopfschmerzen von dem Ganzen.
„Wieso leben wir eigentlich nicht in einer Welt in der jeder zu jedem offen und ehrlich ist und keiner den anderen für etwas verurteilt?" fragte ich Stella.
„Huh?" Sie war eindeutig mit dem Frühstück beschäftigt, oder mein Gedankensprung war einfach zu groß gewesen, schließlich antwortete sie: „Sag du es mir. Immerhin bist du derjenige, der zu Danny noch nichts gesagt hat?"
Verdammt, sie hatte recht! Und in dem Moment hätte ich sie am liebsten dafür erwürgt (wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass sie mich dafür dann drankriegen würden, selbst wenn es Todschlag im Affekt wäre). Ehrlichkeit fängt bei jedem selber an. Aber diese ganzen Geheimnisse, das wurde mir langsam etwas zu viel. Don verschwieg, dass er schwul war, Danny verheimlichte seine Bisexualität, und ich verheimlichte meine Gefühle für Danny und meine Bisexualität. Das musste aufhören.
„Du hast Recht, Stella." antwortete ich ihr, während sich in meinem Kopf ein Entschluss formulierte. Ich würde etwas sagen, es musste sein.
Wir frühstückten zu Ende und ich bezahlte wie versprochen die Rechnung bevor wir ins Labor zurückkehrten.
1 Brad Pitt und Gary Sinise haben die gleiche Synchronstimme. Somit ist Mac Taylors deutsche Stimme auch gleichzeitig die deutsche Stimme von Brad Pitt.
