A

10. Überfall

Terra Nova, Kolonie, Klinik

~Taylor~

Es war kaum Mitternacht gewesen, als Guz sich gemeldet hatte, ihre Leute hatten einen Sixer in der Siedlung gefunden, ihn angeschossen und ebenfalls ins MedLab gebracht. Er hatte hingehen wollen, es sich dann jedoch anders überlegt und den Mann Guz überlassen. Er war zu sicher, sich nicht beherrschen zu können. Ich hätte sie verlieren können. Was wenn...wenn ich sie nicht versucht hätte zu erreichen? Wenn Wash mir keinen Grund gegeben hätte, mit ihr zu reden? Überhaupt, warum sie? Jaliyah hat Mira und ihren Leuten nichts getan, sie...

Er schob die Gedanken beiseite und stand auf. Er nahm Jaliyahs Hand und drückte sie sanft, strich mit dem Daumen über ihren Handrücken. Ganz langsam drückten ihre Finger kaum merklich zu. Als sich Momente später ihre Augenlider bewegten, beugte er sich ein wenig vor. „Hey, Guten Morgen, Sonnenschein. Gut dich zurück zu haben."

Sie sah ihm nachdenklich entgegen, bewegte sich ein wenig und langte mit der Hand zu ihrem Bauch, wobei sie schmerzhaft das Gesicht verzog. Er drückte auf die Schmerzpumpe und strich ihr über die Stirn, ehe er sie zaghaft küsste. „Weißt du... was passiert ist?"

Sie nickte und schloss die Augen, die Hand über ihrem Bauch wurde zur Faust. Er sah wie die Knöchel weiß hervortraten und legte seine größere Hand um ihre Faust. „He, es ist gut."

Sie schüttelte den Kopf und er hörte die Anstrengung in ihrer Stimme als sie antwortete: „Ich war habe das Schlafzimmer dekoriert,... bin dann Duschen, als ich... ins Esszimmer kam, da...stand er da, eine Sonic in der Hand. Ich... ging in Deckung, warf... den Kerzenständer nach ihm und traf..."

sie machte eine Pause und öffnete die Augen und sah ihn an. „Ich... habe versagt, als ich... dachte ich hätte ihn rammte er mir sein Messer in den Bauch,... wir kämpften und am Ende haute er mir mehrfach mit dem Messer in den Körper,...alles...wurde schwarz, als er mir die Kante gegen die Schläfe schlug."

„Keine Sorge, wir haben ihn, es war Lincow."

„Gut," sagte sie und schloss wieder ihre Augen. „Nathaniel,..." ihre Stimme wurde jetzt leiser, er musterte sie, „...ich..." sie schwieg. Er blickte auf und blieb ruhig, der Anzeigen des Biobettes nach, war sie einfach nur wieder eingeschlafen.

X

Terra Nova, Kolonie, MedLab

~Taylor~

Er hatte sich das aufgenommene Verhör, ihres Gefangenen angesehen und am Ende entschieden, das Guz und Wash es selbst einmal versuchen sollten, sobald Camdon ihnen die Erlaubnis gab. Am Nachmittag war er wieder bei Jaliyah gewesen, sie hatten zusammen gegessen und ein wenig geredet. Sie war wenig begeistert, dass er nicht vorhatte mit ihr zu trainieren, oder auch nur zu laufen, bis die Ärztin ihr das Okay gab. Er war fest überzeugt, sie hatte nur nachgegeben, weil er gesagt hatte, sie keinen Abend mehr alleine lassen zu wollen, denn jeder Abend davon, sei einer zu viel.

Jetzt aber war es fast zehn am Abend und statt bei ihr in der Klinik des Medlab zu sein, befand er sich im hinteren Teil dieser im Labor und betrachtete einen kleinen, geflügelten Dino und die Leichen, seiner bereits gestern in Augenschein genommenen Toten Soldaten. „Und Sie beide sind sich sicher, dass es die gleichen Biester sind?"

„Hundert pro," erklärte Dr. Malcolm Wallace und nickte eifrig. Taylor mochte den Mann nicht und dem Gesicht nach, hatte auch Jim Shannon, der wie sein Sohn vor einer halben Stunde von den Biestern angegriffen worden war eine deutliche Antipathie gegen den Mann. Er musterte Shannon kurz, kannten die beiden Männer sich? Er erinnerte sich zumindest daran, dass Wallace es gewesen war, der nachdrücklich nach Doc Shannon gefragt und nicht ungesagt gelassen hatte, welche hochqualifizierte Kollegin sie doch war.

Er seufzte und wandte sich nochmal dem kleinen Saurier zu. „Okay... wo kommen die Dinger her? Warum haben wir sie bisher nicht gesehen und... wie werden wir die Biester los? Das... ist Ihre Aufgabe in den nächsten Stunden, Wallace! Shannon, gehen Sie heim, nehmen Sie ihre Männer mit. Sie haben Morgen Dienst in der Klinik, so viel ich weiß. Dr. Wallace ist durchaus fähig hier alleine voran zu kommen."

Er ignorierte das protestierende Gesicht des Wissenschaftlers, drehte sich einfach um und ging. Doch als er neben an, bei Jaliyah ankam schlief sie bereits und so ging er wieder, er wollte sie nicht wecken.

xXx

Terra Nova, Kolonie, Marktplatz/ Tor

~Nathaniel Taylor~

Er legte sich den Rucksack für die kurze Strecke zum Fahrzeug über die Schulter und ging los. Guz folgte ihm auf dem Fuße und sie beide besprachen, den weiteren Verlauf, wegen der geflügelten Biester und auch was mit dem Sixer geschehen sollte. Sie waren fast beim Wagen und er klopfte Guz auf die Schulter. „Ich weiß ihr macht das hier, wir sehen uns nach Sonnenunter..."

Taylor! TAYLOR WAFFE!"

Er wirbelte herum, entdeckte Jim Shannon und sah gerade noch eine andere Gestalt, die rasch auf ihn zu kam und einen Arm hob. Dann riss Guz ihn zur Seite und mit nach unten in Deckung. Er sah hinter sich und zurück auf den Platz zwischen Markt und geöffnetem Tor. Alles war in Deckung gegangen, bis auf seine Soldaten, gleich zu fünft ergriffen sie nun, den entkommenen und ausgenoggten Sixer. Taylor stand auf und sah Shannon entgegen, der nun auf ihn zukam. „Wer war das? Warum, wollte der sie umbringen?"

„Guter Job Shannon, kommen Sie steigen Sie ein, ich sollte ihnen ein paar Dinge erklären."

Er ging um den Rover herum und stieg ein. „Na, kommen Sie schon, worauf warten Sie, Shannon!?"

Der Mann nickte und folgte rasch, kaum das er saß, fuhr Taylor auch schon los.

Es war später Abend ehe er Zeit hatte, um wieder in der Klinik nach Jaliyah zu sehen. Es war ein langer und ereignisreicher Tag gewesen. Mira hatte ihren Mann zurück gewollt, als er ihr jedoch erzählte hatte, was er getan hatte, hatte sie den Mann eigenhändig bestraft, sie hatte ihm eine Waffe und einen Rucksack mit Decke geben lassen, dann hatte sie zwei anderen befohlen ihn auszusetzen. Anschließend aber hatte sie ihr Wort gehalten und ihm eine Kiste Meteroiteneisen überlassen.

Er seufzte, jetzt musste er nur noch mal in den Kommandostand um das wichtigste vom heutigen Tag zusammen zu fassen.

Zu seiner Überraschung aber saß Jaliyah unten an auf der Treppe und sah ihm erleichtert entgegen, kaum das er in Sicht kam. Eilig und besorgt lief er zu ihr. „Ist etwas passiert? Stimmt etwas nicht?"

Sie schüttelte den Kopf und stand langsam auf, hielt sich dabei den Bauch. „Ich...durfte nach Hause, aber..."

„Aber was?" Fragte er, schob seinen Rucksack wieder auf die Schulter und strich ihr über den Oberarm. „Du frierst ja." Er sah sich um und rief Reynolds, der in der Nähe stand, ignorierte dabei ihren Protest, es sei nicht schlimm. „Geben Sie dem Private ihre Jacke und dann bringen Sie meine Sachen hinauf, verriegeln Sie alles und bringen Guz, oder Wash die Schlüssel," befahl er, reichte sein Band dem jungen Security. Nach einer Bestätigung des Befehls führte er alles rasch und wortlos aus. Als der junge Mann außer Hörweite war, trat er einen Schritt näher zu ihr und sah sie ernst an. „Aber?" Griff er ihren Unterbrochenen Satz von vorher wieder auf. Sie senkte den Kopf und seufzte. „Ich...hielt es nicht aus, bei jedem... Geräusch, bei jedem..."

Er sah das sie jetzt noch mehr zitterte und zog sie zu sich. Es musste schrecklich sein, eben dort überfallen zu werden, wo man sich wirklich sicher fühlte, im eigenen zu Haus, den eigenen vier Wänden. „Wir gehen zu mir, komm mit."

Sie nickte und lehnte den Kopf gegen seine Schulter. Er legte die Arme um sie und bemerkte Reynolds, der sich die Treppe eben wieder nach oben davonstahl. Er warf dem jungen Mann einen warnenden Blick zu und der nickte, ehe er wieder in den Schatten verschwand. Er schob Jaliyah ein Stück von sich, legte einen Arm um sie und nahm sie mit sich.

X

Es war früher Morgen als er aufstand, sie schlief noch tief und fest. Er schlich sich hinaus, lief die wenigen Hundert Meter in ihr Haus und nahm einige Dinge mit, von denen er glaubte, sie würde sie gebrauchen und eilte zurück. Er wollte dort sein, wenn sie wach wurde. Sie schlief noch immer, als er zurück kam. Also legte er ihren Rucksack einfach auf den Stuhl, am Fußende seines Bettes und ging nach nebenan Duschen. Er dachte an den vor ihnen liegenden Tag und verfluchte die Tatsache, das diese neue kleine Saurierart, es ihm wohl nicht erlauben würde, den Tag über bei ihr zu bleiben. Die gesamte Spezies, dieses biestigen Raubtieres rückte unaufhörlich näher und wollte ihr Brutgebiet, die Kolonie zurück. Er konnte nur hoffen, das Wallace und Doc Shannon Fortschritte machten, was die Eigenarten des Tieres ausmachten und damit eine Möglichkeit die Biester loszuwerden. Es waren immerhin über tausende von Tieren.

Er war gerade fertig, als die Tür hinter ihm öffnete. Jaliyah kam, noch ein wenig schlaftrunken herein. „Hey, komm her," er legte den Rasierer weg und streckte ihr eine Hand entgegen. Sie kam, ließ sich näher ziehen und lehnte sich bei ihm an. „Guten Morgen, konntest du schlafen?" Fragte er und küsste sie aufs Haar. Sie nickte und sah zu ihm auf, ohne den Kopf von seiner Brust zu nehmen. „Wann warst du drüben?"

„Heute Morgen, ganz kurz, brauchst du noch was?"

Sie hielt ihn fest und sah ihn direkt an. „Dich," flüsterte sie und schlang die Arme um ihn. Er tat es ihr gleich und eine ganze Weile standen sie einfach so da.

xXx

Terra Nova, Kolonie Baracken

~Jaliyah Sinclair~

Sie saß gemeinsam mit Reilly, Coven und Doulingh in der Baracke der Frauen und sie alle lauschten besorgt den Geräuschen von draußen. Hier und da hörten sie die kleinen Raubsaurier, wie sie sich an dem Gebäude zu schaffen machten und dann war da noch dieses Gekreische der Tiere. Jaliyah hoffte inständig, die Viecher mögen ihr gestohlen bleiben.

Plötzlich dann wurde es still, es brach einen Moment später ein Rauschen los, als stürze ein Wasserfall auf sie ein, oder ein Orkan, dann war es gespenstisch still. Sie sahen einander an. „Was... was denkt ihr?" Fragte Reilly. Hinaus, nachsehen. Es war still und außer Verwüstung nichts zu sehen und zu hören. Erleichtert folgte Jaliyah Reilly und den anderen hervorgekommenen Soldaten zum Tor. „Lt. Wash! Irgendetwas vom Commander?" Fragte Reilly. Wash schüttelte den Kopf und sah wieder durch ihr Fernglas.

xXx

Terra Nova, Kolonie, am Tor

~Taylor~

Er stieg lachend aus und sah sich nach den Leuten um. Freudiges Klatschen erwartete sie. Er hob den Arm und zeigte auf Wallace, er kannte den Mann zu gut, wenn er ihn jetzt nicht lobte, dann würde der ihn die nächsten Tage nicht in Ruhe lassen, darauf konnte er verzichten. „Gute Arbeit, Doc's!"

„Dann...hat es geklappt?" Fragte der Wissenschaftler aufgeregt, die Ärztin, welche eben noch neben ihm gestanden hatte, umarmte jetzt Shannon, der noch neben ihm stand. Taylor grinste und nickte Wallace zu. „Hat es. Aber wenn Sie glauben, die Viecher sind schon laut wenn sie angreifen, dann hätten sie die mal erleben müssen wenn die...naa-ahh...jap." Er grinste frech und klopfte Shannon auf die Schulter. „Gute Arbeit, Mann. Sie auch Doc." Er wandte sich ab und ging in Richtung seines Hauses fort aus der Menge. Doch vorher warf er Jaliyah einen langen Blick zu.

Sie kam kurz nach ihm an, er hörte sie hereinkommen und verließ sein Schlafzimmer mit einem Stapel frischer Wäsche. „Gib mir zehn Minuten, okay?"

Sie nickte und setzte sich an den Esstisch, er warf ihr noch einen letzten kurzen Blick zu, dann ging er und verschwand unter der Dusche. Kaum kam er aus dem Bad stand sie schon vor ihm, doch sie blieb einen halben Meter vor ihm stehen und musterte ihn verdutzt. Er grinste. „Gefällt es dir nicht?"

„Doch, nur... ich dachte nicht, dass du..."

„Das ich andere Kleidung hab?" Er grinste und schüttelte den Kopf. „Ich trage ganz gerne mal was anderes als meine Arbeitskleidung. Irgendwelche Einwände gegen Blue Jeans und weißes Hemd?"

„Gar nicht," sagte sie und kam nun näher sie lehnte sich gegen ihn und schlang die Arme um ihn. „Weißt du, dass uns einige Soldaten gesehen haben? Das heißt...eigentlich dich wie du kommst und gehst, oder wann?"

Er nickte und strich ihr beidhändig über die Wangen, durch das Haar. „Ja, seit dem Angriff auf dich, so habe ich erst gemerkt das etwas nicht stimmt, ich habe es dir sagen wollen, konnte dich aber nicht erreichen." Sie nickte und drückte ihn leicht an sich. Er strich ihr über den Rücken. „Komm, lass uns ins Bett gehen." Sie nickte und folgte ihm ins Schlafzimmer.

xXx

Terra Nova, Kolonie, Kommandostand

~Nathaniel Taylor~

Er drehte sich herum und sah sich Shannon gegenüber. Er war sich sicher gewesen, das der Mann kommen würde. Es hatte ihm gefallen den Sixer durch die Kolonie zu jagen und auch diese kleinen biestigen Saurier loszuwerden, war nicht ganz gegen seinen Geschmack gewesen. Er legte seinen Plex beiseite und nickte seinem Soldaten zu. Guz verschwand wieder hinaus, er sah zu seinem Gast. „Shannon?"

„Taylor, hey.. ich, ähm...ich mach's. Aber eines muss klar sein, meine Familie..."

„Geht immer vor, einverstanden," beendete Taylor den Satz des jüngeren. Er lächelte trat auf ihn zu und reichte ihm die Hand. „Willkommen im Team."

„Ähm...ja, danke Sir."

„Gehen Sie raus, sagen Sie Guzman er soll ihnen eine Waffe geben und fragen Sie ihn, wo er sie heute gebrauchen kann. Und Shannon."

„Ja?" Der Polizist hielt inne und sah ihn abwartend an.

„Damit das klar ist, ich erwarte von ihnen das gleiche, wie von jedem anderen und Sie haben die gleichen Aufgaben wie Guz und Wash!"

„Geht klar, Sir."

„Gut." Er grinste breit. „Viel Spaß dann, Shannon."

„Oh, sicher." Shanonn griff schon nach der Tür und er nahm den Plex wieder zur Hand, dann aber hielt der Mann inne und drehte sich wieder herum. „Eine Frage, wer... wer hier ist eigentlich für die Rekrutierung der Neuen zuständig?"

„Ich, wollen sie jemanden bestimmtes hier haben? Einen alten Kollegen?"

Shannon schüttelte den Kopf. „Nein, nichts bestimmtes."

Taylor nickte und entschied genauer zu werden. „Also, die verschiedenen Disziplinen geben mir Namensvorschläge und Lebensläufe, ich gehe sie durch und lege sie unserer Anforderungsliste für HopePlaza bei, in der Regel kommen die entsprechenden Leute dann mit der nächsten Umsiedlung."

„Und...ähm... Wallace ist zuständig für die Ärzte? Ja?"

„Und den gesamten Wissenschaftlichen Stab, ja" Er hob die Brauen, sah Shannon aufmerksam an. „Sie mögen Malcolm nicht besonders, richtig?"

„Ebenso wenig wie Sie ihn," antwortete der jüngere. Er nickte und grinste dann. „Gut, ich weiß, wieso ich ihn nicht mag, dieser Mann ist ein Genie aber leider auch sehr nervig. Aber wieso mögen Sie ihn nicht?"

„Weil er ein Ex meiner Frau ist und es war offensichtlich, dass er wenig begeistert war, mich auch hier zu sehen. Danke Taylor." Shannon wandte sich ab und ging davon. Er sah ihm nach und setzte sich, sah einen langen Moment einfach nur perplex auf die sich schließende Tür. Diese Information allerdings erklärte, warum Malcolm Jim Shannon weder mochte noch ihn für mehr als Impulsiv und wenig intelligent hielt. Malcolm hat sich eine zweite Chance ersehnt und sie bekommen, wie dumm für ihn, das diese Familie zusammenhält und alles riskiert hat. Er schüttelte den Kopf, grinste und ging die Meldelisten der Botaniker und Bauarbeiter durch. Es war eine lange Liste und er ahnte schon dies würde ein sehr, sehr, sehr langer Tag werden.