Entscheidung im Morgengrauen

Etwas wird passieren, nähert sich dem Ende, und ich weiß genau, was es ist. Mein Schicksal wird sich endgültig erfüllen, denn ich werde mein Versprechen einhalten. Mich lossagen von der Dunkelheit, ein für allemal.

Er spürte die Anwesenheit Sidious ganz in der Nähe. Dieser beobachtete jeden seiner Schritte, begierig auf die Konfrontation mit Cavella wartend, auf Scheitern oder Erfolg seiner manipulativen Pläne. Jedoch konnte der Geist nicht in die bevorstehenden Ereignisse eingreifen. Denn aus einem Grund, den Anakin nicht genau kannte, war dies Geistern bei entscheidenden Ereignissen nicht möglich. Vermutlich verhinderten die Unruhen in der Macht ein Erscheinen.

Anakin bemerkte, dass sein Herz vor Erregung etwas schneller pochte. Momente wie diese stellten oftmals einen Knackpunkt im eigenen Leben dar, manchmal sogar einen Wendepunkt im Schicksal der ganzen Galaxis. Bei einem Blick in die Zukunft waren es stets die Punkte, in denen alle Schicksalsfäden zusammenliefen, um sich dann weit aufzufächern. Und genau dies war jetzt der Fall.

Er kannte diese Momente, kannte sie nur allzu gut. In jenen Augenblicken war die Verbindung mit dem „Willen" der Macht meistens stärker, sodass man ihn mit den Sinnen erfassen konnte. Um ihn zu erfüllen, oder sich dagegen zu entscheiden. Manchmal war dieser „Wille" hell, doch er konnte auch dunkel sein, eine finstere Wahrheit, welche die Jedi verschwiegen.

Vermutlich belügen sie sich selbst, denn es ist einfacher, die Galaxis in schwarz und weiß zu teilen, anstatt die Fragen zu beantworten, die ein differenzierteres Weltbild aufwirft.

Anakins Meinung zufolge war die Macht eine wankelmütige Entität, deren „Plan" höchst chaotisch war und sich lediglich aus den Schwingungen aller Lebewesen zusammensetzte. Schließlich war die Macht keine Person, und konnte demnach nicht wirklich „denken" oder „wollen".

Die Macht führte ihn wie an einem Faden, einem dicken, leuchtenden Faden. Sie zog ihn in Cavellas Richtung und er brauchte lediglich zu folgen. Dieses Phänomen trat immer wieder auf, wenn die eigenen Schicksalsfäden bei der fraglichen Person zusammenliefen. Normale Leute erlebten es auch hin und wieder, bei ihnen wurde das Ganze jedoch mit „die Welt ist ein Dort" betitelt.

Schwarze Stiefel durchquerten leere, verwüstete Gänge. Das Bild der Zerstörung kümmerte ihn nicht, da Verwüstung jeden seiner Schritte schon seit Jahrzehnten begleitete. Es ließ sich kein Feind blicken, was ihn wenig überraschte.

Dann nahm er erstaunt wahr, dass die Macht ihn nach draußen führte, zurück in den Garten. Er durchschritt eine Nebentüre, die interessanterweise einladend offen stand. Hinter der Türe befand sich ein kleiner Pflasterweg, der sich durch blütenbestückte Büsche schlängelte. Selten vollführte der schmale Weg einen kleinen Kreis, in dessen Mittelpunkt eine winzige Statue stand. Gemessenen Schrittes folgte er dem Pfad.

Schließlich war der Pfad zu Ende und er erblickte einen runden, weiß gepflasterten Platz vor sich. Dieser Marmor musste viel Geld gekostet haben, hart und kostbar glänzte er unter Anakins Stiefeln. Anakin bildete einen sehr harten Kontrast zu dem ganzen Weiß.

Eine Frau stand still in der Mitte, Anakin den Rücken zuwendend. Sie war offensichtlich völlig im Sonnenaufgang versunken, der ein kitschig rötliches, geheimnisvolles Licht über die Szenerie warf.

Anakin spürte, wie unermesslicher Zorn in ihm aufstieg. Denn er erkannte, wem er hier gegenüber stand. Elrika Cavella, erbitterte Feindin, Peinigerin seines Sohnes, Inkarnation der Schwäche und der Dummheit.

Sie drehte sich um und blickte ihn mit verklärten, leeren Augen an. Der Stoff ihres fließenden Kleids wehte sanft im Wind, was ihr beinahe das Aussehen einer Königin verlieh. „Ich habe bereits auf Euch gewartet", sprach sie mit steter Stimme und verbeugte sich ehrerbietig vor dem ehemaligen dunklen Lord. „Nichts ist Zufall in dieser Welt", sinnierte sie schmerzlich lächelnd.

„Ich bin nicht hier, um mir Ihre erbärmlichen Philosophien anzuhören", drohte Vader so hart wie Durastahl. Er ballte eine Faust, sodass das Leder seines Handschuhs leise krachte. „Ich bin hier, um mir Ihre pathetische Rechtfertigung für Ihr Tun anzuhören."

Sie sah ihm fest in die finstere, zerkratzte Maske. Offensichtlich hatte sie keine Angst. „Alles werde ich Euch darlegen", versprach sie langsam und feierlich. „Und dann mögt Ihr mich richten, wie Ihr es begehrt. Ich unterwerfe mich Eurer Gnade, Lord Vader."

„Ich habe keine Geduld für diese Spielchen! Fangt endlich an!", forderte Vader mit energischer, fast besessener Stimme. Er schien wie ein schwarzes Loch, das Mitleid und Vergebung nicht kannte, und für Hoffnung nicht mehr als ein abfälliges Lächeln übrig hatte.

Cavella strich gedankenverloren den unteren Teil ihres Kleids glatt. „Skywalker tötete meinen Mann und Sohn, in diesem abscheulichen Krieg. Hernach trauerte ich bitterlich und machte einen Fehler, ich ließ niemanden an mich heran. Stattdessen zog ich mich zurück, mied jedes Gespräch mit meinen Freunden und Vertrauten. Selten versuchte ich doch über meinen Schmerz zu reden, aber immer wenn ich es versuchte, blieben mir die Worte in der Kehle stecken, ich brachte einfach nichts mehr heraus." Ihre Stimme stockte leicht, sie sammelte kurz ihre Kraft, bevor sie fortfuhr: „Ich wollte zum Psychiater gehen, aber meine Sprachlosigkeit behinderte mich. Schließlich fand ich mich damit ab, dass ich es nicht konnte."

„Dann waren Sie schwach", urteilte Vader erbarmungslos. Sein Urteil schien irgendwie in der Luft weiterzuschweben, nachzuhallen.

Cavella schluckte tapfer, das Sprechen schien ihr gehörige Schwierigkeiten zu bereiten. „Ich weiß, ich bin so schwach. Am Ende schaffte ich es weder, meinen Schmerz zu überwinden, noch Rache zu nehmen. Scheitern ist mein wahrer Name." Ihre Augen wurden feucht, als sie sich das eingestand.

„Ihr Selbstmitleid interessiert mich nicht", meinte Vader kühl und trat bedrohlich einen Schritt auf sie zu. „Was hat sie dazu getrieben, meinen Sohn zu foltern?", polterte er.

„Immer wenn ich schlief, suchte mich derselbe Traum heim. Jedes Mal sah ich Dalk. Er sprach zu mir im Traum, er sagte, dass ich ihn rächen müsse. Und dass der Tod nicht ausreiche, ich solle Skywalker in ein physisches und psychisches Wrack verwandeln."

„Und sie haben nicht erkannt, dass Ihnen Ihr Unterbewusstsein einen Streich spielt?"

Cavella fuhr sich mit einer unsicheren Bewegung durch das Haar. „Ich glaube fest daran, dass das Unterbewusstsein eine Pforte zur Macht ist, zu dem höheren Sinn im Leben. Wie sonst könnten wir an dem großen Plan teilhaben?"

„Vertrottelte Närrin!", schimpfte Vader erbost. „Denken Sie etwa, dass Sie auch nur einen Funken Wissen über die Macht verfügen, Sie, die Sie die Macht nicht einmal fühlen können?" Die Finger seiner rechten Hand bildeten eine Art Käfig, um das Wissen zu verdeutlichen, das er selbst besaß.

Elrika erschrak ob der harschen Worte Vaders. Immer noch begriff sie nicht ganz, dass ihre Feinde ein Recht hatten, auf sie wütend zu sein. Unsicher fuhr sie fort. „Die Träume wurden immer eindringlicher, und schließlich tauchte auch mein Ehemann in ihnen auf. Er wollte ebenfalls, dass ich sie räche. Es sei der letzte Dienst, den ich ihnen tun könne. Der letzte Gefalle, den ich ihnen erfüllen müsse. Ich erkannte, dass die dunkle Seite aus ihnen sprach, sie waren eins mit ihr, erfüllt von einem neuen Geist. Und so schob ich meine Schuldgefühle und den Ekel beiseite, um zu tun, was von mir verlangt wurde."

„Weiter", knurrte Vader leise.

„Ich wendete mich an diese gierigen Söldner... ich kann mich nicht mehr erinnern, wie sie hießen. Dann engagierte ich Tseyn, einen Spezialisten für Folter. Ich sagte ihm, dass ich Luke Skywalker brechen wolle, ihn psychisch zerstören. Außerdem solle er auch körperliche Schmerzen erleiden.

Als Skywalker gefoltert wurde, vernahm ich ein Gefühl des Entsetzens in meinem Herzen, aber auch ein Gefühl der Befriedigung, eines, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben verspürt hatte. Es fühlte sich richtig an." Sie griff sich an die Brust, um zu verdeutlichen, wo sie es gefühlt hatte. „Doch dann begannen die Zweifel, und meine Träume wurden immer gewalttätiger, fast so, wie bei einem Psychopathen! Mir träumte von reinen Blutbädern und Schlachtszenen. Ich wollte aufhören, mich in ärztliche Behandlung begeben. Aber ich schaffte es einfach nicht, konnte es nicht. Immer wenn mich der Gedanke überfiel, sah ich die Gesichter meiner Liebsten vor mir, wie sie mich vorwurfsvoll ansahen. Und ich liebte sie doch sosehr." Ihre Augen baten um Vergebung.

„Dann ist Ihre Schwäche daran schuld, dass mein Sohn weiterlitt!", brüllte Vader schon völlig außer sich vor Wut. Es war wie das heftiges Vorbeben eines Vulkanausbruchs. Gerade noch bändigte er seine psychotische Wut.

Ich habe es ihm versprochen. Ich darf ihr nichts tun.

„Es tut mir so leid." Tränen traten ihr in die Augen. „Die dunkle Seite und der Wahnsinn haben mich verführt. Und ich war zu schwach, der Versuchung zu widerstehen. Skywalker hat dies nicht verdient." Sie sah kurz mit verklärtem Blick in die aufgehende Sonne, die jetzt schon fast gänzlich über dem Horizont stand. Sie schien etwas darin zu suchen, eine Erkenntnis. Mit trauriger, resignierter Stimme: „Wir sind gleich, Lord Vader. So wie Euch die Dunkelheit verschlungen hat, so verschlang sie denn auch mich."

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Elrika Cavella wusste nicht, dass ihr Vergleich Vaders wundesten Punkt getroffen hatte, seine größte Schuld. Es benötigte ein paar Sekunden, bis diese ungeheuerliche Attacke in sein Bewusstsein sickerte, um dort Erinnerungen wachzurufen, die bereits Jahrzehnte vergraben lagen. Sobald sie ankam, schien es Vader, als legte sich ein Schalter um, oder als zerbreche etwas zu tausend kleinen Scherben.

Er spürte, wie sich die schiere Intensität seines Hasses ins Unermessliche steigerte, den Damm brechend, der ihn zuvor zurückgehalten hatte. Eine Magnesiumflamme loderte in seinem Inneren auf, so sengend und hell, dass sie sogar am Grunde des Ozeans zu brennen vermochte. Gleichzeitig erstarrte sein Herz zu Kristall, so eisig wie die Mitternacht auf Hoth. Kalte Berechnung machte sich in seinem Hirn breit, vollkommen unvergleichlich mit seinem heißblütigen Brüllen von vorhin. Er hatte das Gefühl, dass alles Leben und Gute aus ihm wich, um einem kalten Vakuum Platz zu machen, das sich endlos und leer in alle Richtungen erstreckte.

Entsetzliche Macht umhüllte ihn und drang in ihn, zum Greifen so nah, dass er nicht einmal einen Finger danach auszustrecken brauchte. Er aalte sich in der kalten Glut. Sie umfing ihn, als ob nichts gewesen sei. Es machte keinen Unterschied mehr, dass er sich von ihr losgelöst hatte. Seine Leidenschaften explodierten förmlich, den Reaktor seines Herzens wieder entfachend. Doch eines war sonderbar.

Ich habe es ihm versprochen.

Da, Luke und sein Versprechen bedeuteten ihm weiterhin etwas. Er verspürte immer noch – Liebe. Und auch seine Tochter behielt ihren Platz in seinem Herzen, obwohl sie einander erst lieben lernen mussten. Er schwankte, zögerte, zweifelte. Eine leise Stimme riet ihm sich nun von der Dunkelheit loszusagen. Endgültig und für allezeit.

Er sah die Zukunft vor sich – eine Familie, Harmonie und Frieden. Die Möglichkeit all seine Sünden wieder gut zu machen. Ein einfaches Leben mit Licht und Schattenseiten. Ein kleines Haus mit Garten, Familienfeiern und Hobbies, Freundschaften und Streitereien. Bestimmt nicht so ruhmreich wie die Macht der dunklen Seite, doch auf seine Weise trotzdem wertvoll. Ein Staubkorn werden, ein glückliches Staubkorn, statt der einsamen Glorie der Dunkelheit.

Aber dann schlug sein Egoismus mit voller Vehemenz zurück, seine Begierden forderten sofortigen Tribut. Er wollte mehr. Und besonders verlangte es ihn nach erbarmungsloser und entsetzlicher Rache. Er wollte Cavella vernichten, ganz und gar, bis in die Grundfesten ihrer Seele.

Er musste eine Entscheidung treffen.

Alles, was du begehrst, kannst du haben. Du musst nur die Courage haben, danach zu greifen.

Um alles zu opfern, was du dir aufgebaut hast? Deine Familie zu zerreißen, deren Vertrauen du dir so mühselig erarbeitet hast?

Er muss ja nicht erfahren, dass ich mein Versprechen gebrochen habe. Ich könnte meine Wandlung verbergen...

Narr! Eine Lüge müsstest du leben, und selbst dann würde es eines Tages ans Licht gelangen und dich zerstören.

Wenn das mein Schicksal ist... Und nun werde ich meine Seele der Dunkelheit verpfänden!

Vader griff nach der Macht, packte sie mit aller Kraft, riss sie heftig an sich, obgleich er sich mit jeder Faser seines Fleisches des ungeheuren Preises bewusst war, des unendlichen Schmerzes, zu dem er sich selbst verdammte. Sofort verspürte er ein Verschmelzen, ein brutales Eindringen bis in die tiefsten Winkel seiner Seele. Und nach nur ein paar Sekunden waren er und die dunkle Seite - eins.

Und so endet alles.

Es wäre besser für Luke, wenn er nicht erführe, was mit mir passiert ist. Er hat so viel Hoffnung in mich gesteckt, das kann ich nicht einfach so zerstören. Ich muss ihn auf die grausame Wahrheit erst behutsam vorbereiten.

Und das werde ich auch tun, sobald es an der Zeit ist. Das schwöre ich bei meinem Leben!

Er sah zu Cavella. Selbst sie, mit ihrem nichtexistenten Machtpotential, wusste, dass sich etwas verändert hatte.

Eine geradezu satanische Idee kam ihm in den Sinn. Und es existierte nicht einmal das Echo eines Gewissens, welches ihn davon abhalten würde zur abscheulichen Tat zu schreiten. Nur kurz überlegte er, ob es keine noch grausamere Möglichkeit gab, doch er fand nichts.

„Ihr sagtet, Ihr unterwerfet Euch meiner Gnade, und genau so soll es sein. Euer Urteil sollt Ihr erhalten", sprach er mit einer Nuance Bösartigkeit. Er bemerkte, dass er mal wieder in den Plural wechselte, wie es für ihn üblich war, wenn er mit Todfeinden kommunizierte.

Sie blickte auf. Glutrotes Licht überstrahlte jetzt alles, sodass das cremefarbene Kleid rosa glänzte. „Ja, mein Lord. Es ist nun Zeit, meinem Schicksal entgegenzutreten."

Vader lächelte hinter seiner Maske.

Dann trat er ruhig auf sie zu und legte beide Hände auf ihren Kopf. Sie ließ es geschehen und schloss die Augen in der Erwartung zu sterben. Ein Ausdruck der Erlösung stahl sich auf ihr Gesicht, denn insgeheim wünschte sie schon lange den Tod. Ja, sie schien beinahe friedlich.

„Ihr denkt, ich würde Euch nur töten?", fragte Vader höhnisch.

Plötzlich erstarrte die Frau, ihr Gesicht verzerrt zu einer grässlichen Miene ultimativen Terrors. „Nein!", schrie sie erschrocken und versuchte verzweifelt zurückzuweichen.

Doch es war zu spät, viel zu spät, denn Vader fing bereits an, wobei sich der Sith Lord nicht hetzte. Gewaltsam drang er bis in die tiefsten Niederungen ihres Geistes ein. Jedoch war es eine präzise Gewalt, keine stumpfe. Vader wollte sich seinen diabolischen Plan keinesfalls durch Inkompetenz verbauen.

Bald detektierte er die Erinnerungen, die in ihrem Unterbewusstsein gespeichert waren, so wie bei jedem Menschen. Er ließ sich Zeit damit, jene Erinnerungen herauszusuchen, die er für seine Zwecke benötigte. Schmerzhafte Erinnerungen an den Tod ihres Sohnes und Ehemannes, qualvolle Träume, alles, was ihr jemals in ihrem Leben Leid bereitet hatte. Schließlich fand er sie alle.

Und nun, Elrika Cavella, lernt die Macht der dunklen Seite kennen!"

Cavellas Augen traten ihr aus den Höhlen, denn sie ahnte instinktiv, was sie erwartete. „Nein, bitte, bitte nicht", hauchte sie mit versagender Stimme. „Ich flehe Euch an! Bitte tötet mich nur."

Aber Vader ignorierte ihr Flehen. Unerbittlich packte er die Erinnerungen, und zog sie mit seiner geballten Macht in ihr Bewusstsein. All die Schmerzen ihres Lebens erfassten ihren Geist, brachen über sie herein wie eine Sturzflut, hämmerten gleichzeitig auf sie ein. Ein animalischer Entsetzensschrei gellte über den ganzen Garten und es war kaum zu erkennen, dass er von einem Menschen ausgestoßen worden war. Cavella schrie wie am Spieß, während Vader gleichgültig weitermachte. Das Lautstärkelimit seiner Verstärker schützte seine Ohren ohnehin vor allzu lauten Geräuschen.

Dann begann er subtil, einen Mechanismus in ihrem Geist festzusetzen. Er verstärkte ihre bereits vorhandene Tendenz, sich an vergangenen Schmerz zwanghaft zu erinnern, ins Unermessliche. Nun war sie verdammt jede Minute ihres weiteren Lebens an ihren Schmerz zu denken, ohne Unterlass, ohne Pause. Nicht einmal das Zerbrechen ihres Geistes vermochte es zu stoppen, denn es gab keine Form des Wahnsinns, die sie vor der dunklen Seite der Macht bewahren konnte. Allein der Tod offerierte Erlösung. Doch Vader setzte einen weiteren Mechanismus fest, der jede Art des Selbstmords unterband.

Schließlich ließ er sie los.

Cavella begann leise und jämmerlich zu wimmern. Nach nur kurzer Zeit brach sie auf dem Boden zusammen, wo sie hocken blieb und unablässig hin und her wippte. Tränen perlten an dem hübschen Gesicht hinunter und sickerten zwischen den Marmorplatten in den Boden.

Es ist vollbracht.

Sofort verbarg Vader die Veränderung seiner Präsenz, da sie Luke zu diesem Zeitpunkt keinesfalls enthüllt werden durfte. Schließlich war er jetzt ein Sith Lord und damit nicht unbedingt ein Freund der Rebellion oder Jedi. Er bildete eine Art Kokon, der die dunkleren Aspekte seines Wesens in sich aufnahm, sodass sie nicht nach außen dringen und detektiert werden konnten.

Kurz verschwendete er einen neidischen Gedanken an Sidious, der diese Technik zur absoluten Perfektion gebracht hatte. Er konnte es auch ganz passabel, aber prinzipiell war die Telekinese eher „seins".

„Folge mir", befahl Vader Cavella anschließend ziemlich laut, weil er bemerkt werden wollte. Sie blickte überrascht auf, erst jetzt nahm sie seine Anwesenheit wieder wahr. Zögerlich erhob sie sich und ging ihm nach, prompt glitten ihre Gedanken jedoch wieder zu ihren peinigenden Erinnerungen. Abwesend folgte sie ihm, mehr tot als lebendig, das Gesicht zu einer Grimasse der Qual verzogen.

Vader verspürte ein schwarzes Gefühl der Befriedigung in seiner Brust. Zu wissen, dass sie ungeheuerliche Schmerzen erlitt, bereitete ihm dunkle Freude. Allerdings war es nicht wirklich ein Glücksgefühl per se, es entsprach viel mehr so einer Art Sättigung, ähnlich der nach einem gehaltvollen Mahl. Und dieses Mahl war wahrlich sättigend gewesen.

Trotzdem wusste er genau, dass dieses Sättigungsgefühl nicht lange anhalten würde. Der Hunger würde bald zurückkehren, von seinen Leidenschaften angefacht. Für einen Sith gab es keinen Frieden, keine Ruhe. Ständig befanden sie sich in einem inneren Aufruhr, den sie nur mühselig bändigen konnten, dies war ihr Schicksal und ihr Fluch.

Er lächelte düster. Er mochte dieses Chaos, genoss es.

Stets hangelte sich ein Sith von einer Begierde zur Nächsten. Der alte Hass auf Kenobi glimmte noch immer in seinem Inneren. Und da es keine Möglichkeit gab, sich an Kenobi zu rächen, würde es eine unerschöpfliche Energiequelle darstellen. Um sie zu nutzen brauchte er lediglich seine Verachtung gegenüber seinem ehemaligen Meister auf andere zu projizieren, sollte es denn nötig sein.

Interessanterweise gelüstete es ihn auch danach, mit seinen Kindern zusammen zu kommen, endlich eine Familie zu bilden. Er seufzte tief.

Es tut mir leid, Luke. Ich habe mein Versprechen verraten und versagt. Und ich habe dich enttäuscht. Das hast du nicht verdient.

Plötzlich wusste er instinktiv, was sein Weg war, welchen Sinn er seinem Leben verleihen konnte. Allerdings würde ihn der Weg von seinem Sohn entzweien, das war unvermeidlich. Doch er hatte seine Pflicht, seine Verantwortung, und die musste erfüllt werden. Er hatte sie bereits viel zu lange im Stich gelassen, in seinem Bemühen, das Opfer seines Sohnes am zweiten Todessterns zu ehren.

Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Konfrontation mit Luke zu vermeiden. Möglicherweise lassen sich unsere politischen Sichtweisen vereinen, obwohl ich ein Sith und er ein Jedi ist.

Er betrachtete das verzwickte Problem von allen Seiten. So schnell gab er nicht auf, auch wenn er jetzt ein Sith war. Oder vielleicht gerade, weil er ein Sith war, immerhin steckte im Kern ihrer Philosophie der Individualismus (beziehungsweise Machthunger). Daher existierten bei den Sith natürlich keine Verbote, weder gegen Familie, noch gegen Bündnisse mit Jedi.

Tatsächlich eröffnete sich vor seinem inneren Auge eine Möglichkeit.Es formierte sich der Ansatz eines Plans in seinem Hirn. Sie war sehr gewagt, diese Idee, doch er musste sich eingestehen, dass es seine einzige Möglichkeit darstellte die Pflicht mit Luke zu arrangieren. Und wenn es funktionierte...

Dann schauderte er jedoch, weil ihm Leia einfiel. Seine Tochter, die in ihren Idealen geradezu fanatisch war, und sie für nichts und niemanden abändern würde. Daran war dieser Bail Organa schuld, der die moralische Integrität zum höchsten Ziel im Leben verklärt hatte. Und Töchter vergötterten oftmals ihre Väter, besonders wenn sie tot waren. Vader ärgerte sich.

Aber meine Idee wäre doch nicht einmal wirklich böse!

Voller Gedanken ging er zu Luke, determiniert, sich seine kreisenden Zweifel, Schuldgefühle, Hoffnungen und Pläne nicht anmerken zu lassen, da dies fatale Auswirkungen auf seine Lebenserwartung nach sich ziehen konnte. Leia hatte glasklar festgestellt, was ihn erwartete, wenn er fiel.

Flucht

Gackernd: „Hahahahahahaha! Jaaa. Ich muss sagen, Lord Vader, Ihr habt immer noch Stil."

Die Gestalt schien vor lauter Vergnügen förmlich zu platzen. Der hässliche Mund war zu einem breiten Grinsen verzogen, eine Vielzahl ekelerregender Zähne präsentierend, die in ihrer Abartigkeit nur von den hämisch stierenden eitergelben Augen übertrumpft wurden.

Nein, nicht jetzt! Lass mich in Ruhe, Fossil.

Vader sah verächtlich auf den Geist neben sich herab. „Das ist kein Tag des Stolzes, sondern der Schande. Ich bin erbärmlich gescheitert."

„Nach all den Bemühungen gehört mir Euer Geist also immer noch", meinte Palpatine schadenfroh. „Ja, Ihr seid wieder mit der dunklen Seite vermählt. So, wie ich es die ganze Zeit geplant habe."

Vader biss hinter seiner Maske die Zähne zusammen. Er hasste diese widerliche Person, diesen elenden Narzissten und Megalomanen. Und nun verstärkte die dunkle Seite auch noch jegliche Gefühle dieser Art.

„Seid Ihr etwa wütend auf mich?" Der Geist lachte schon wieder los. „Aber Euren Fall habt Ihr Euch doch nur selbst zuzuschreiben."

Warum verschwende ich meine Aufmerksamkeit?

Unterkühlt: „Ihr seid es nicht wert."

Vader wandte sich ab. Der Gang, in dem sie sich gerade befanden, war ein interessanterer und erfreulicherer Anblick, als Palpatine es war. Außerdem sollte der ruhig sehen, wie wenig Vader ihn respektierte.

„Und doch sprecht Ihr mit mir. Wisst Ihr, warum ich so oft in Eurer Nähe erscheinen kann?"

Jetzt drehte Vader seinen Maskenschädel doch wieder in die Richtung des ehemaligen Sith-Meisters.

Palpatine fuhr fort: „Unsere Bande bestehen noch immer. Meine Lehren leben in Euch weiter, und solange Ihr sie nicht entgültig abschüttelt, werde ich Euer ewiger Begleiter sein."

Zynisch: „Ein guter Grund, um wieder ein Jedi zu werden."

Der Geist setzte einen besorgten Blick auf. „Wir sind vom gleichen Schlag, Lord Vader. Und ich muss beunruhigt feststellen, dass Ihr Euch selbst vernichtet." Geisterklauenfinger griffen nach Vaders Arm, mit der Absicht, durch die körperliche Berührung mehr Nähe zu schaffen. Vader entzog seinen Arm jedoch, bevor die Geisterhand ihn tatsächlich zu fassen bekam.

„Ach, ja?", fragte Vader ziemlich hart.

Lügner, leere Worte, falsche Versprechungen... Ich bin es so leid.

„Ihr müsst Skywalker, Euren Sohn, töten. Nur dann habt Ihr eine Chance zu überleben."

Vader schwieg.

Palpatine machte eine kurze Pause, ehe er weitersprach. Krächzend: „Wenn er erst sieht, wie viele Leben Ihr vernichtet, wird er sich gezwungen sehen gegen Euch zu kämpfen. Die Jedi haben sich in ihrer Arroganz schon immer auserwählt gefühlt die Galaxis zu retten. Bereitet Eurem zukünftigen Feind ein Ende, bevor er Euch ein Ende bereitet!"

„Egal was passiert, ich werde meinen Sohn nicht töten", versprach Vader im Brustton der Überzeugung.

Irgendwie bewerkstelligten die eitergelben Augen einen mitleidigen Blick. „Aber dann werdet Ihr sterben."

Niemals würde mich das Exil oder Gefängnis zufrieden stellen. Im Vergleich dazu ist der Tod eine akzeptable Alternative.

„Ja."

„Nur ein Narr wählt die Selbstzerstörung."

„Eure Meinung ist irrelevant."

Kurz bröckelte Palpatines Fassade, sodass ein in seiner Eitelkeit gekränkter Mann zu sehen war. Bösartig: „Ich werde über Euer Ende lachen!" Dann verschwand die Gestalt, löste sich in Luft auf und ließ Vader und Cavella zurück.

Tseyn wartete ungeduldig. Es konnte doch nicht so lange dauern, bis der Astromech endlich seinen Job erfüllt hatte! Immerhin waren diese Droiden für solche Aufgaben konzipiert. Dennoch schien dieses Gerät der R2 Reihe sehr viel Zeit zu benötigen, fast so, als ob der Astromech absichtlich so langsam wie möglich arbeitete. Tseyn wischte den Gedanken beiseite.

Unmöglich. Ich habe ihn auf Gehorsam mir gegenüber programmiert.

Endlich öffnete sich die Türe. Sofort fielen Tseyn die geparkten Landgleiter auf und er begann sie ausgiebig zu mustern. Sie waren genau das, was er im Moment brauchte. Wenn er auch seine Bezahlung in diesem Monat vergessen konnte, standen doch zumindest die Chancen ziemlich gut, dass er mit dem Leben davonkam.

Oh, ich sollte den Astromech vielleicht mitnehmen. Er könnte mir eine Stange Geld einbringen, und das habe ich jetzt ja auch bitter nötig.

Sein ganzer Alltagskram befand sich immer noch in seinem Quartier, weil er es nicht wagte, ihn von dort hinauszuschaffen. Und eigentlich hing er auch nicht sonderlich an dem Zeug. Allerdings bedeutete der Verlust für ihn, dass er viele Dinge nachkaufen musste, und das, wo er doch jetzt ohne Job dastand. Die Zeiten waren nicht sehr rosig für einen Mann wie Tseyn, vor allem, da das Imperium in seinen letzten Zügen lag. Die neue Republik, wie sie sich nannte, würde nicht so einfach über solche finsteren Gestalten wie ihn hinwegsehen.

„Droide, entriegle einen der Landgleiter", befahl Tseyn dem kleinen Astromech. Dieser piepte zunächst nur zur Antwort, dann rollte er gekonnt langsam zu einem der Landgleiter, einem grünen, sportlichen Modell.

Währenddessen kümmerte sich Tseyn um die Steuerung der Garagentüre. Diesmal benötigte er zum Glück keinen Code, stattdessen brauchte er nur einige Knöpfe zu drücken. Das Tor öffnete sich.

Danach gab es wieder eine kleine Wartezeit, da der kleine Astromech noch nicht fertig war. Einstweilen vertrieb sich Tseyn die Zeit damit, sein Gewicht von einem Bein auf das andere zu verlagern.

Doch endlich war es so weit. Tseyn kletterte geschwind in das Vehikel, glücklich, dass er endlich abhauen konnte. Sofort befahl er dem Droiden, es ihm gleichzutun. Die R2-Einheit rollte ruhig hinein.

Tseyn zögerte keine Minute. So schnell wie möglich aktivierte er das Repulsorfahrzeug, dann brauste er in den Morgen davon, in eine neue Zukunft. Ein zäher Kerl wie er würde schon einen Weg finden in diesen ungünstigen Zeiten zu überleben.

Vader betrat das Zimmer, wo er Luke, den eine dünne Decke verhüllte, auf einer Bahre liegend erblickte. Plötzlich überkam den großen schwarzen Mann das sonderbare Verlangen seinen Sohn zu drücken. Doch hier waren ihm viel zu viele Zeugen. Außerdem verspürte er eine sonderbare Unsicherheit, was das anging.

Cavella folgte ihm in den Raum, unablässig auf den Boden starrend und weinend.

Vader bemerkte sofort die neugierigen Blicke, die Luke und Leia Cavella zuwarfen.

„Sie scheint einen Zusammenbruch erlitten zu haben", erklärte Vader glatt, darauf bedacht, keine direkte Lüge zu verwenden. Denn Jedi konnten Lügen spüren, was auch der Grund war, warum sie sich oft gegenseitig sogenannte „Jedi-Lügen" erzählten, bei denen es sich um fehlleitende Wahrheiten handelte.

Luke betrachtete sie mitleidig. Vader fragte sich kurz, ob sein Sohn vielleicht am Stockholm Syndrom litt, verwarf diesen Gedanken jedoch bald wieder. Immerhin ist Luke ein Jedi Meister.

„Ja, das musste früher oder später passieren", schluckte Luke seine Erklärung. „Vielleicht kann sie ja in einer Irrenanstalt wieder geheilt werden."

„Dafür wird sie noch genug Gelegenheit haben", entgegnete Leia etwas unterkühlt. Sie war ein Mensch, der kaum verzeihen konnte, wenn andere willentlich Schmerzen zufügten.

Luke wandte sich besorgt an Vader. „Ich habe etwas ziemlich beunruhigendes gespürt. Bist du sicher, dass es dir gut geht?"

Scheinbar schuldbewusst: „Ich habe ... gewankt. Es war sehr schwierig, die Kontrolle über meine Gefühle zu behalten, als ich ihr gegenüber stand."

So schwierig, dass ich es nicht geschafft habe. Nun ja, vielleicht kann man aus einem Stein einfach keine Blume machen.

Luke nickte sehr ernst. Er schien sich so echte Sorgen zu machen, dass es Vader innerlich wehtat. Eine Tatsache, die Vader ein wenig erstaunte, denn er verspürte Schuldgefühle sonst nur äußerst selten. Schließlich hatte er sie sich vor langer Zeit abtrainiert, um im Ernstfall ohne potentielle Schwäche zu sein. Und dennoch gab es Dinge, die er immer noch von ganzem Herzen bereute.

„Wir müssen unbedingt an deinen Problemen arbeiten", forderte Luke eindringlich.

Danach sah er zu Leia. „Und es ist sehr wichtig, dass er dabei keinen Stress mit der Rebellion bekommt. Wenn er keinen Frieden um sich hat, wie soll er dann Frieden im eigenen Herzen finden?"

Leias Miene war hart und maskenhaft, doch sie dachte ernsthaft über Lukes Worte nach. „Er muss für seine Taten gerade stehen. Vielleicht nicht heute, aber so bald wie möglich."

Das ist eine gute Gelegenheit, um eine Entschuldigung für mein späteres Verschwinden zu kreieren. Ich brauche nur so zu tun, als wollte ich nicht vor Gericht stehen. Ein Scheingrund, der schwierig zu durchschauen ist, insbesondere, da ich wirklich nicht von einem Gericht der neuen Republik verurteilt werden möchte. Wie kommt sie eigentlich dazu zu denken, dass die Gerichtsbarkeit der Allianz die einzig legitime ist?

„Wofür?", fragte Vader gereizt. „Für eure Vorstellung von Gerechtigkeit? Ist dir noch nie in den Sinn gekommen, dass Gerechtigkeit ein individueller Begriff ist?"

Leia sah ihm fest in die Augenlinsen. Kämpferisch: „Dann erkläre ihnen doch deine Sicht der Dinge, zeige der Galaxis deinen Glauben."

„Um dann gelyncht zu werden?" Kühl: „Welchen Sinn hätte das, außer meine eigenen Schuldgefühle und den Rachedurst der Rebellen zu befriedigen? Lebendig kann ich viel mehr erreichen, denn ich werde dabei helfen die Galaxis zu einem besseren Ort zu machen!"

Das will ich tatsächlich, obwohl meine Methodik fragwürdig ist.

„Ach, wobei willst du denn helfen?", inquirierte Leia sarkastisch und ungläubig.

„Ich wollte schon immer die Sklaverei aus der Galaxis tilgen", gestand Vader einen alten Herzenswunsch.

Tilgen?" Leia lächelte spöttisch. Ihrer Meinung nach verriet dieser Ausdruck schon alles über seine Denkweise.

„Wenn du nicht als Krimineller enden möchtest, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich dem Gesetz der neuen Republik zu unterwerfen", argumentierte Luke nachdenklich. Er spielte sich ein wenig mit der dünnen Decke, die über ihn gelegt worden war. „Aber ich kann es dir nicht verdenken, dass du nicht getötet werden willst."

„Aus meiner Sicht ist die neue Republik kriminell", sprach Vader frei heraus.

Luke seufzte herzhaft. Er wechselte mit Leia ein paar Blicke. Beiden war klar, dass es sich hier um ein höchst kompliziertes und verzwicktes Problem handelte.

„Wir sollten später unter vier Augen darüber sprechen", meinte Leia zu Luke. „Du verstehst, Vater?", bat sie Vader freundlich um sein Einverständnis.

Um über mein Schicksal zu beraten, als ob es ihnen gehören würde!

„Natürlich", antwortete Vader distanziert.

„Da bist du ja endlich", freute sich Leia, als Han eintraf. Hans ewiger Begleiter heulte freudig, sobald er Luke erblickte. Allmählich ging der Platz in der kleinen Zelle aus.

„Schon vermisst, Schätzchen? Kannst wohl auf den guten, alten Han nicht verzichten?"

„Warum musst du mich immer an den Fehler erinnern, dass ich mit dir zusammengegangen bin?" Sie stemmte die Hände in die Hüften und spielte ein wenig die beleidigte Leberwurst.

Das ist meine Leia!

Han grinste schief. Dann betrachtete er Luke mit einem ernsten Gesicht. „Wird schon wieder, Kleiner."

Luke lächelte schmerzlich. „Ja, bestimmt. Luke bekommt ein paar Implantate und schon ist er wieder der Alte", versuchte er sich ein wenig in der Kunst der Selbstironie. Han und Leia fanden dies jedoch gar nicht amüsant.

Bald darauf zog der Konvoi los, Cavella im Schlepptau. Binnen kurzer Zeit standen sie vor der Türe, die in den Schutzweg mündete. Teilnahmslos presste Cavella die Handfläche auf den DNS Detektor. In gewisser Weise schien sie nicht einmal mehr am Leben, eher leere Hülse als Mensch. Ihr kranker Verstand war permanent abwesend, was sich in schlappen und indifferenten Bewegungen äußerte. Unterdessen beobachtete Vader sie genau, jede Emanation ihres Schmerzes in sich aufnehmend und genießend.

Nach kurzer Zeit leuchtete eine kleine Leuchtdiode hinter einer Glasscheibe grün auf und die Türe öffnete sich laut zischend. Bei dem Gang dahinter handelte es sich beileibe nicht um einen stickigen Tunnel, nein, er war gut belüftet und auch beleuchtet.

Nach einigen Metern kamen sie im Hangar wieder heraus. Vor ihren Nasen erhoben sich einige Raumschiffe, ein weiterer Beweis für den großen Reichtum dieser Familie. Eine Familienbarke war so groß, dass sie wohl leicht den Skywalkers und allen Reliart-Soldaten Platz bieten konnte. Offensichtlich handelte es sich dabei um ein umgebautes Raumschiff der Corona-Klasse, wie sie auf Kuat angefertigt wurden. Es war ein schönes Raumschiff, das weiß in Understatement und eleganten Linien glänzte. Außerdem besaß es starke Schutzschilder und eine qualitativ hochwertige Panzerung.

Ganz in der Nähe der Familienbarke stand auch ein schnittiger Schlitten, eine kleine Firespray.

„Ich wusste gar nicht, dass es die noch gibt", kommentierte Han erstaunt, das kleinere Raumschiff betrachtend. Es erinnerte ihn unangenehm an Boba Fett, der auch ein Raumschiff dieser Art geflogen hatte.

„Vermutlich eine Art Souvenir des Generals", mutmaßte Vader. Dann musterte er das Raumschiff ebenfalls sehr aufmerksam.

„Am besten, wir verfrachten Luke jetzt in die Luxusjacht", schlug Han vor.

„Was machen wir mit R2 und 3PO?", fragte Leia beunruhigt. „3PO wartet immer noch im Hotel und R2 ist nirgends zu finden."

Unbekümmert: „He, die können wir später immer noch holen. Glaub mir, Süße. Wir machen jetzt lieber schnell einen Abgang."

„Na gut", gab sich Leia bedrückt zufrieden. Sie mochte C3PO, zudem waren diese beiden Droiden in brenzligen Situationen schon oft genug eine große Hilfe gewesen, sogar Lebensretter.

Also meinetwegen kann C3PO versauern. Soll er doch irgendeinem Touristen in die Hände fallen.

Han und Chewie kümmerten sich sogleich darum, dass Luke in ein schönes Bettchen verfrachtet wurde. Kaum lag Luke in einem der Betten, stellte er überrascht fest, dass er wohl noch nie mit so feinem Stoff in Berührung gekommen war. Aber das war bei weitem nicht die einzige gemütliche Schlafgelegenheit auf diesem Raumschiff. Es gab hier noch etliche Betten dieser Art. Und auch sonst war das Raumschiff mit

Luxus vollgestopft.

Mittlerweile entfernte sich Vader möglichst unauffällig von der Gruppe, subtil ihre Gedanken so manipulierend, dass sie von ihm abgelenkt wurden. Außerdem gab er vor sich nur umzusehen, während er sich immer mehr und mehr der schnittigen Firespray näherte. Ein Raumschiff, wie es seinen Plänen exakt entgegenkam. Schnell, wendig und klein.

Plötzlich bemerkte ihn jedoch Pallas. Sie ging auf ihn zu. „Was tust du denn dort hinten, mein Herz? Versuchst du deiner Frau zu entfliehen?"

Vader musterte sie kurz. Sie trug ein spitzenbesetztes, hellgelbes Kleid, das ihre schlanke Figur schmeichelhaft hervorhob. Dann meinte er: „Du sehnst dich doch nach Macht, nicht wahr?"

„Oh jaaa", hauchte sie mit genießerischer Stimme.

„Dann halte den Mund und folge mir unauffällig. Mich gelüstet es nicht nach einem Gerichtsverfahren, daher werde ich mich jetzt absetzen." Im Gedanken schwor Vader sich, in der Nähe dieser Frau vorsichtig zu sein. Wenn er sich in sie verliebte, konnte das unangenehme Konsequenzen haben. Kurz erinnerte er sich an Padmé und das Ende ihrer Beziehung. Immer noch glaubte er, dass sie ihn verraten habe.

Pallas grinste enthusiastisch, aber hielt den Mund. Auch wenn es offensichtlich war, dass ihr sehr viele Fragen auf der Zunge brannten.

In einem unbeobachteten Moment schlichen sich die beiden auf das Raumschiff. Ihre Abwesenheit blieb anscheinend unbemerkt, denn die Reliart Soldaten schnatterten weiterhin miteinander, während Leia die Organisatorin spielte. Vader kam sich schäbig vor, ließ sich davon jedoch nicht in seinem Tempo bremsen. Er bevorzugte offenen Kampf statt dieser elenden Heimlichtuerei.

Auf einmal röhrte der Antrieb des flotten Schlittens. Alle drehten sich dem drahtigen Raumschiff zu, das schon im Begriff war sich in die Luft zu erheben.

„Was?", rief Leia überrascht. Doch schon bald verstand sie, was hier passierte.

Die Firespray flitzte mit hoher Geschwindigkeit davon, ohne dass Leia auch nur das Geringste dagegen tun konnte. Gleich darauf kamen Han und Chewie aus der Luxusbarke gerannt. Han hatte es sich nicht nehmen lassen, das Raumschiff noch einmal kurz durchzuchecken.

„Lass mich raten, das war Vader", mutmaßte Han.

Leias Gesicht war ganz bleich vor Schreck. Diese Wendung der Dinge hatte ihr offenbar schwer zugesetzt. Wesentlich schwerer, als sie es jemals zugeben würde. „Er hat Pallas mitgenommen", murmelte sie leise.

„Klar. Mit dem Busen hätte ich sie auch mitgenommen." Han grinste schief in Leias Richtung, mit der Absicht, sie ein wenig von ihrem Kummer abzulenken.

„Han! Weißt du denn nicht, was das bedeutet?", ereiferte sie sich.

Han sah sie jetzt ernster und aufmerksamer an.

Hat sie denn wirklich geglaubt, dass er sich verändert hat?

Leia fuhr fort: „Es bedeutet, dass er wieder ein Sith ist!"

„Wer sagt, dass er jemals was anderes war?"

„Er wird vermutlich ins Imperium zurückkehren, sodass wir ihn erneut am Hals haben. Die Imperialen werden sich verstecken, um aus der Defensive immer wieder zuzuschlagen! Und mit Vader als ihren Anführer..."

Han legte ihr beruhigend einen Arm um die Schulter und drückte sie ein bisschen. Leia ließ es sich gefallen. Es tat gut, sich von einem liebenden Mann unterstützt zu wissen.

Ohne Probleme überwand Vader alle Atmosphärenschichten, die vor ihm lagen. Niemand verfolgte ihn, und selbst wenn es jemand täte, besäße er mit der Firespray vermutlich das schnellere Schiff.

Schon nach kürzester Zeit erblickte er das All, der Planet weit hinter ihm. Der Planet, und auch seine Kinder. Vader starrte in die Weiten des Weltraums, die große Leere, und dachte intensiv nach. Seine Familie war dort unten, und wenn er sie verließ, so entzweiten sie sich erneut. Vielleicht für immer.

Ich habe keine Wahl. Es ist unvermeidlich.

Andererseits würde ihm ohnehin nur wenig Zeit mit ihnen bleiben, falls er bei ihnen bliebe. Denn Leia würde ihn unerbittlich, egal was dazwischen auch passieren mochte, dem Rebellenoberkommando zum Fraß vorwerfen. Wo er dann nach einem elendslangen politischen Prozess für schuldig befunden würde. Und zwar nicht, ohne ihm zuvor jede Würde und jedes Geheimnis zu nehmen, während er ein hilfloser Gefangener war – und er hasste Hilflosigkeit, weil sie ihm ununterbrochen vor Augen geführt wurde, durch die absurde Minderwertigkeit seines Körpers.

Danach würde das Ganze zwangsläufig in einer demütigenden Hinrichtung resultieren. Sodass ihm am Ende nicht einmal mehr ein Fragment seines Stolzes bliebe – für ihn viel schlimmer als der Tod selbst.

Inakzeptabel. Was hat sie sich nur dabei gedacht?

Er bekämpfte seine aufkeimende Verzweiflung, sie schwächte ihn ohnehin nur. Er hatte eine Idee, und er würde schon dafür sorgen, dass sie gelang. Egal, wie viel Blut, Leichen oder Credits es auch kosten mochte.

Ohne weiteres Zögern drückte er den Hebel des Hyperantriebs hinunter. Die Sterne wurden zu Streifen, als er einer ungewissen Zukunft entgegen raste.

Luke blinzelte. Da, eine Erschütterung in der Macht. Genauer gesagt hatte sich etwas, das zuvor noch da gewesen war, plötzlich entfernt. Und nur eine Entität konnte so stark in der Macht sein, dass Luke die Abwesenheit sofort spürte.

Was? Wo ist er?

Luke nahm eine große Unruhe in seinem Inneren wahr. Es erschien ihm, als umklammerten plötzlich kühle Klauenfinger sein Herz, um es zusammen zu drücken.

Er ist geflohen – vor Leia. Er wollte wirklich nicht vor Gericht. Klar, für ihn wäre das ja auch Selbstmord.

Luke seufzte tief. Irgendetwas ist nicht in Ordnung mit der Macht. Luke schloss sein Auge und konzentrierte sich auf die größeren, galaktischen Strömungen der Macht. Tatsächlich – was er fühlte, kam ihm nicht mehr wie friedliche Aufbruchstimmung vor, sondern eher wie ein wirrer Tumult mit unabsehbaren Konsequenzen.

Ich kann Leia ja verstehen. Ihr sind so viele schlimme Dinge passiert, an denen er Schuld war. Die Folter am Todesstern, Han. Aber ich kann auch Vater verstehen.

Verdammt, warum muss immer alles so kompliziert sein? Warum kann nicht einfach einmal alles gut ausgehen?

Und was ist jetzt mit ihm? Ist er überhaupt noch ein Jedi?

Luke grübelte, doch dann erinnerte er sich an das Versprechen. Es beruhigte ihn.

Vielleicht bin ich ja bescheuert, aber ich glaube immer noch daran.

Plötzlich bemerkte Luke, dass ihm die Haare vom Arm abstanden. Er starrte aus der kleinen Sichtluke in der Nähe. Doch er sah nur den Hangar, nichts besonderes.

Durch welche dunklen Gefilden streifst du gerade?

Er versuchte seinen Vater durch die Macht zu erreichen. Tatsächlich kam eine kurze Antwort zurück, bevor Vader sich ihm sofort wieder entzog: „Gräme dich nicht Luke, denn ich werde alles wieder in Ordnung bringen."

ENDE

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