...braucht keine Feinde

„…Spiel treibst! Und wehe du lügst mich an, du weißt ich merke das!"

Hermine verdrehte die Augen, Ron war weiter damit beschäftigt zu essen – wie immer.

„Harry, ganz ehrlich, langsam artete das wirklich zu einer Art Paranoia aus! Snape war's ja schon von Anfang an, jetzt noch Malfoy und Loreen soll mit ihnen unter einer Decke stecken!" [A/N: Wenn Hermine wüsste, wie recht sie mit dieser Formulierung hat… :D] unwirsch strich sie sich eine lockige Strähne aus dem Gesicht.

„Ich weiß was ich von Malfoy gehört hab und was ich gesehen hab! Und wir wissen, dass Snape mal ein Todesser war-"

„…der mittlerweile für Dumbledore arbeitet!" wütend funkelte Hermine ihren besten Freund an. „Sei nicht immer so stur Harry!"

Bevor dieser noch etwas entgegnen meldete sich Ron zu Wort. „Hey, ihr zwei, beruhigt euch mal!" er sah beide einen Moment lang an, um sicher zugehen, dass sie ihre Klappe halten würden. „Harry, ich glaub ja auch, dass man Malfoy nicht trauen kann. Klar kann es sein, dass er etwas für seinen Vater oder seine bekloppte Tante machen soll. Dass er von Du-weißt-schon-wem selbst einen Auftrag hat glaub ich nicht, dafür ist er zu unwichtig. Und vor Allem-" fügte er noch hinzu, als Harry schon wieder den Mund öffnete um zu protestieren. „Alter, es gibt noch andere Sachen im Leben!" Ron überging das genuschelte „Da spricht wohl jemand aus Erfahrung!" von Hermine gekonnt. „Wie wär's, wenn wir am Wochenende mal wieder was zusammen machen- was normales. Und kein Wort über Todesser, Du-weißt-schon-wen oder sonst irgend so ein Zeug! Auch wenn die Chancen verschwindend gering sind, fänd' ich es ganz cool mal ein paar normale Wochen zu verbringen." Abwartend sah er zwischen den beiden hin und her.

„Also," begann Hermine, das Verhältnis zwischen ihr und Ron war irgendwie…zerbrechlich. Sie hatten Ron nie gesagt, weshalb genau Lavender so sauer war. „ich finde den Vorschlag ganz gut." Abwartend sahen die beiden zu Harry, der sich ergab.

„Einverstanden. Ich fänd' ein paar normale Tage schon ausreichend." Seinen Freunden zu Liebe verkniff er sich weiter Kommentare über Snape, Malfoy und den ganzen Rest.

Am Wochenende war er der Verlockung ausgesetzt, nicht nach Hogsmead zu gehen, sondern wieder Malfoy zu bewachen oder eher den Raum der Wünsche. Hermines Andeutungen beim Frühstück machten ihm jedoch klar, dass sie es nicht dulden würde. Irgendwie freute es ihn, dass Ron und Hermine so viel Wert darauf legten ein paar friedliche Stunden mit ihm zu verbringen. Nach dem Essen gingen sie gemächlich in den Gemeinschaftsraum und holten sich ihre Sachen.

Im Dorf klapperten sie die üblichen Läden ab und nach dem Hermine sie ewig bei Derwish & Banges festgehalten hatte begeisterten sich die beiden Junge um so mehr für die Zonkos' Filiale.

„Fred und George würden das gar nicht gern sehen, wenn ich bei der Konkurrenz einkaufe." Meinte Ron, als er mit ein paar Kleinigkeiten zur Kasse ging.

„Selber Schuld, wenn sie keinen Laden hier aufmachen!" meinte Harry.

„Das ist…" nicht wahr, vermutlich dürfen wir bald nicht mehr nach Hogsmead, dann würde es sich definitiv nicht lohnen. Hatte Hermine sagen wollen, doch das wäre in Richtung ‚Todesser, Du-weißt-schon-wen oder sonst irgend so ein Zeug' gegangen, also wandelte sie es in: „…wahr." Um.

Zu Mittag aßen sie im Drei Besen und schafften es tatsächlich, sich nicht über die Tabuthemen zu unterhalten, auch Harry meisterte diese Hürde, obwohl Partmoore mit sehr angesäuertem Gesichtsausdruck herein kam und sich an den Tresen setzte. Anders als üblich war sie alleine. Kein Snape. Als Ron Harrys Stirnrunzeln bemerkte begann er ein Gespräch über Quidditch, das darin endete, dass er und Harry gegen Hermine stritten, über den Sinn dieser Sportart.

Diese Diskussion zog sich bis in den Gryffindoregemeinschaftsraum, in dem Ginny schlichtete. Trotz des Streits war es ein schöner Tag gewesen, ohne ‚Todesser, Du-weißt-schon-wen oder sonst irgend so ein Zeug'. Ein normaler Tag. Wie eigentlich jeder ihn sich wünschte – aber nicht jeder ihn bekam.

Loreen beschloss von Hogsmead aus in ein Muggeldorf zu apparieren, sie wollte ihre Freundin anrufen. Schnell hatte sie die Nummer gewählt und schilderte ihr die neusten Ereignisse, betreffend Draco und Severus.

„Oh Gott, was gibst du überhaupt so viel auf den?" meinte die Stimme aus dem Hörer. Mit ‚dem' war Severus gemeint.

„Er ist ein Freund von mir! Hör mal Mary, ich hatte mir mehr als das erhofft."

„Ja tut mir Leid, was soll ich sagen? Aber hey, erinnerst du dich noch an Luke? Wir sind zusammen! Oh Gott er ist so süß! Du ich kann auch gar nicht so lange, er kommt gleich noch vorbei."

„Ah." Loreens Kehle schnürte sich zu. Es war noch gar nicht so lange her, dass sie beinahe mit Luke zusammen gekommen wäre. Sie war ziemlich verknallt in ihn gewesen.

„Gibt's noch was?" fragte der Hörer.

„Nein. Bis darauf, dass ich mir so was wie einen Rat von dir erwartet hätte oder wenigstens Mitgefühl oder etwas Zeit."

„Du musst dich eben damit abfinden. Wenn ich dir als beste Freundin nicht pass, dann such dir andere."

„Ciao." Loreen legte auf. Ein, zwei Tränen rollten über ihre Wange. Wäre das das erste Mal gewesen, dass Mary so gehandelt hätte, wäre sie damit klar gekommen, aber es war seit einiger Zeit recht normal. Sie holte tief Luft.

Gibt es denn irgendjemanden in Großbritannien, den das interessiert? In Gedanken ging sie alle Freunde durch, die sie hatte, doch viele davon lebten in Deutschland oder sonst wo. Ach, ein globaler Freundeskreis ist schön und gut, aber nützlich nur bedingt. Frustriert stapfte sie durch das Muggeldorf, bis ihr jemand einfiel, der sich gewiss über etwas Gesellschaft freuen würde. Ein heimtückisches Grinsen umspielte ihre Lippen.

Sirius saß in der Küche und aß eine Kleinigkeit. Großen Appetit hatte er nicht aber immerhin musste er irgendwas essen. Nebenher überflog er den Tagespropheten und kippte den Stuhl auf die Hinterbeine, etwas, dass er sich in seiner Schulzeit angewöhnt hatte und nicht mehr los geworden war.

„Das nennen sie etwas zu essen Mr. Black?"

Sirius erschrak und verlor das Gleichgewicht.

Ein helles Lachen erklang von der Eingangstür der Küche her. „Na, ist der Boden bequem?" lächelnd stellte sie sich an seinen Kopf und sah auf ihn herab.

„Nicht halb so bequem wie es hier zu zweit wäre, danke der Nachfrage." Gab Black mit einem etwas schmerzverzerrten Grinsen zurück und rappelte sich auf. „Was machen sie hier? Es sind doch keine Ferien."

„Ich erschrecke alte Männer. Nein, aber Wochenende." Sie warf einen abschätzigen auf die Rühreier mit Toast. „Wie wär's wenn ich hier bleib und Abendessen mache?"

Der Hausherr stellte nun auch den Stuhl wieder auf und musterte die junge Frau misstrauisch. „Was ist der Haken?" er legte den Kopf in Hundemanier schief.

„Sie werde mir zuhören und mir konstruktive Ratschläge geben." Sie zog ihren Umhang aus und ließ ihn sich an dem dafür vorgesehenen Haken aufhängen.

„Wenn es Fleisch gibt." Er setzte sich wieder, kippelte aber nicht.

„Wenn wir per du sind."

„Wenn du über Nacht bleibst."

Skeptisch zog sie die Brauen hoch. „Wenn du keine anzüglichen Bemerkungen machst."

Er grinste wölfisch. „Wenn du nackt bist."

„Wenn du Severus, ebenfalls nackt, deine unendliche Liebe gestehst."

„Das geht zu weit! Gehen wir zu dem ‚du bleibst über Nacht'-Punkt zurück."

Sie seufzte. „Gut, einverstanden. Dann werde ich dir für den restlichen Abend die Ohren voll jammern."

„Ich bin begeistert." Gab er trocken zurück und erhob sich, um eine Flasche leichten, süßen Wein und zwei Gläser zu holen. „Ich nehme an es ist eine längere Geschichte?" fragte er über die Schulter während er die Gläser füllte.

„Ist es."

Sie setzten sich in den Salon, der mittlerweile wirklich gemütlich war.

„Schieß los." Er überschlug die Beine und nippte an seinem Wein, während sie sich neben ihm auf dem Sofa niederließ.

„Ich…also ich komme ja eigentlich gut mit Severus aus, aber da war dann dieser ….Zwischenfall. Du kennst doch bestimmt Slughorn und seine Partys? Er hat eine zu Weihnachten gegeben und ich war da und Draco Malfoy war da und naja, er hat sich zu gesoffen und ich hab ihn in mein Zimmer gebracht und ihn unter die kalte Dusche gestellt, damit er nüchtern wird – zumindest halbwegs und ähm…naja wir…sind im Bett gelandet."

Black lachte auf. „Wow, ich hab dich eigentlich für eine pflichtbewusste, vernünftige –"

„Halt die Klappe!" sie rammte ihm ihren Ellenbogen in die Seite. „Also naja und ich hab das Severus erzählt und er hat mir gesagt, dass sich das nicht wiederholen darf und er war eigentlich ziemlich sauer. Aber…hm…es ist eben noch einmal passiert und er hat's raus gefunden und ich hab noch mal mit ihm geredet und …ach verdammt wir reden nicht mehr miteinander!" sie sah finster drein und nahm einen großen Schluck. Sie erzählte das ganze noch einmal ausführlicher, wobei sie Black jedes Mal einen kräftigen Stoß in die Rippen verpasste, wenn er nach Einzelheiten der Eskapaden mit Malfoy fragte. Sie schilderte ihm das Gespräch zwischen ihr und Severus, nachdem dieser herausgefunden hatte, dass sie wieder mit Draco geschlafen hatte.

„Hm." Machte Black und starrte nachdenklich in die Flammen im Kamin.

„Und?" fragte Loreen, nachdem der Hausherr geschlagene fünf Minuten nichts gesagt hatte.

Erst breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus, bevor er wieder in Gelächter ausbrach.

„Was?" verwirrt sah sie ihn an. „Was ist so lustig?"

Er wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel. „Mir ist gerade klar geworden, dass Schnieffelus Humor hat! An Weihnachten wollte er dich nur hier absetzten und du wolltest doch das er bleibt, weißt du noch?" das Grinsen war immer noch nicht aus seinem Gesicht gewichen.

„Jahh… und?" der Groschen war bei ihr noch nicht gefallen und verwirrt sah sie den Mann an.

„Weil du ja keinen kennst. Er hat nur gemeint, dass du doch Harry und so kennst. Du hast gesagt es sind Schüler und er hat nur gefragt ‚Seit wann stört dich das?'" wieder musste Black leise lachen. „Ist mir gerade aufgefallen."

„Das ist…" sie gab einen Laut von sich, der entfernt an ein Knurren erinnerte und stand abrupt auf.

„Hey, warte!" Sirius lief ihr nach und packte sie am Handgelenk.

„Was?" fauchte sie entnervt.

„Tut mir leid. Wenn man hier so rum sitzt, hat man nicht viel zu lachen, in diesen Zeiten schon gar nicht."

Skeptisch betrachtete sie ihn. Er grinste immer noch leicht und hatte den Kopf wieder leicht schräg gelegt.

„Ich hatte mich schon auf ein richtiges Abendessen gefreut." Er lächelte charmant und erinnerte sie irgendwie an einen Hund. „Soll ich auch noch Männchen machen und betteln?" fragte er, als sie immer noch keine Antwort gab.

Nun grinste sie. „Vielleicht gibt's dann was Warmes zum Abendessen…"

„Verdammt. Ich hätte den Vorschlag nicht machen sollen, oder?" wehleidig sah er sie an.

„Nein."

Mit einem Seufzen wurde er immer kleiner, bis ein wuscheliger, schwarzer Hund vor Loreen stand und sie mit großen Augen und wedelndem Schwanz von unten her ansah.

„Ohh." Sie ließ sich auf die Knie und wuschelte ihm durchs Fell. „Wer ist ein braver Hund? Nein du ganz bestimmt nicht!" sie kraulte ihn hinter den Ohren. „Oh du süßer kleiner du! Na wer wird morgen kastriert? Ja genau du!"

Der Hund hörte auf mit dem Schwanz zu wedeln und sah sie mit noch größeren Augen an.

Einen Augenblick später stand wieder ein schwarzhaariger Mann vor ihr. „Ich hoffe mal das letzte war nicht ernst gemeint." Ein wenig misstrauisch beäugte er die jüngere Frau.

Sie zuckte mit den Schultern. „Wer weiß…" mit leichten Schritten hüpfte sie die Treppe runter und lief in die Küche. „Also Mister Black" sie begann Töpfe und Pfannen raus zu holen. „ich warte noch auf konstruktive Ratschläge!" rief sie ihm aus der Speisekammer zu.

Sirius setzte sich an den Tisch – das Kippeln würde er unterlassen, so lange sie hier war. „Ich würde erst einmal ein bisschen warten. Snape ist stur, er wird bestimmt nicht den ersten Schritt machen. Gib ihm und dir ein bisschen Zeit und versuch dann mit ihm zu reden und ihn mit logischer Argumentation zu überzeugen. Die Frage, die aber noch bleibt und die entscheidend ist, ob er überhaupt wieder mit dir redet: Wirst du das mit Malfoy beenden?" er bemerkte, wie sie in ihrem Tun innehielt.

„Ich…" sie holte tief Luft. „Ich weiß noch nicht."

Sirius nickte. „Und was gibt's sonst so neues in Hogwarts?"

Dankbar für den Themenwechsel plapperte sie munter drauf los.

Sirius fiel förmlich über das Steak (einmal blutig, einmal medium) her. Dazu hatte sie Kartoffelecken gemacht und Kräuterbutter angemacht.

„Das ist das beste was ich bekommen habe, seit Molly wieder im Fuchsbau ist!" meinte er mit vollem Mund.

„Da fühle ich mich aber geehrt, dass ich die zweitbeste Köchin bin, von zwei die zur Auswahl stehen." Lachte Loreen. hatte sie bis vor einigen Wochen kein allzu hohe Meinung von Black gehabt, hatte sich das heute Abend geändert. Er hatte sie vor allem fantastisch abgelenkt und irgendwie wollte sie nicht mal nach Hogwarts zurück. Wie jeder wusste sie, dass es nicht gut war, Problemen auszuweichen und Sachen vor sich her zu schieben, aber wie jeder, tat sie das allzu gerne.

Nach dem Abendessen saßen sie wieder im Salon und sie versuchte, vergeblich, ihm einige Muggelerfindungen, wie Filme oder Mikrowellen, zu erklären.

„Also diese Filme sind irgendwie als ob man ein Buch liest, nur, dass man das alles auf einem Bildschirm dem ähm Fernseher. Richtig?" verwirrt sah er sie an und nippte an seinem Glas.

„Genau. Und es gibt verschiedene Programme die man sich aussuchen kann. Man kann Muggeln beim Sport zu sehen-"

„Was für Muggelsport gibt es denn?" fragte er nun interessiert.

„Naja, Fusball, Basketball, Kricket, rhythmische Gymnastik-" wieder wurde sie unterbrochen.

„Auch Bettgymnastik?" er grinste sie frech an.

„Wie war das mit dem ‚Ich bleib über Nacht wenn du keine anzüglichen Bemerkungen machst?" sie zog die rechte Braue hoch.

„Wir sind nur bis zu dem ‚Du bleibst über Nacht' – Punkt zurück gegangen, alles was danach kommt zählt nicht, also kann ich so viele ‚anzügliche Bemerkungen' machen wie ich will." Zufrieden prostete er ihr zu.

„Und dafür hab ich dir was zu Essen gemacht." Grummelte sie bevor sie ebenfalls einen Schluck aus ihrem Glas nahm (es befand sich nur etwas, unvergorener, Traubensaft darin, in Blacks Gegenwart wollte sie nicht zu viel Alkohol trinken).

„Und dafür kann ich dich nicht nackt sehen." Er grinste sie immer noch an.

„Wirst du auch nie."

„Zumindest nicht offiziell…" dafür erntete er wieder einen Stoß in die Rippen.

Auch wenn Loreen sich noch einige Bemerkungen anhören musste und Black sie nicht nackt sah, weder offiziell noch inoffiziell, gingen beide zufrieden ins Bett.

Loreen dachte noch kurz vorm Einschlafen an die neue Woche in Hogwarts und überlegte wie sie das mit Draco lösen sollte.

Wenn ich es überhaupt lösen will…