Twilight

Unfall 10 – Carlisle

Zehn Stunden.

Da hatte ich sie zum letzten Mal gesehen.

Zehn Minuten.

Die Dauer der Strecke vom Krankenhaus bis zur Unfallstelle.

Zehn Sekunden.

So kurz war der Unfall eigentlich gewesen.

Und doch…

Es kostete mich unglaublich viel Kraft, um nicht selbst ans Steuer zu gehen und mit doppelter Geschwindigkeit zu fahren. Rasen wäre hier wahrscheinlich mehr angebracht. Während ich vorne neben dem Fahrer saß und ungeduldig mit den Fingern auf das Armaturenbrett trommelte, glitt mein Blick immer wieder nach oben und durchforstete das Dunkel der Nacht, in der Hoffnung, meine Kinder unversehrt am Straßenrand stehen zu sehen.

Doch Jaspers Anruf hatte uns von Gegenteiligem überzeugt. Und dann war er auch noch selbst…

Den Satz zu vervollständigen wagte ich nicht. Ich hoffte, dass es eine natürliche Erklärung dafür gab, eine, die seine Gesundheit und die seiner Geschwister nicht beeinträchtigte. Aber von Sekunde zu Sekunde schlichen sich mehr und mehr Zweifel in meine Gedanken und irgendwann, es waren schätzungsweise acht Minuten vergangen, war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mit meinen Händen über mein Gesicht fuhr und nach dem Telefon griff.

Es wäre an der Zeit, Bella zu unterrichten.

(Bella)

Kurz bevor mir das Schicksal einen schmerzhaften Stich in mein Herz setzte und ich für lange, lange Zeit nicht mehr dieselbe Bella sein würde, lag ich in meinem Zimmer in Forks, den Blick auf ein Bild in meinen Händen gerichtet, auf dem Edward und ich, wir waren seit ein paar Monaten ein Paar, gerade dabei waren, uns zärtlich zu küssen. Ein Lächeln schlich sich auf meine verträumten Züge, als ich daran zurück dachte, wie es entstanden war.

=Rückblick=

Es war im Sommer letzten Jahres gewesen, als ich meine Ferien mit den Cullens in Phoenix verbracht hatte. Mit Begeisterung hatte ich ihnen meine alte Heimat gezeigt und jetzt waren wir gerade im Ferienhaus, der Sonnenuntergang nahte. Während die Jungs drinnen ein Spiel auf der Playstation zockten, standen die Frauen im Wohnzimmer und betrachteten ihre neu eingekauften Errungenschaften.

Wir hatten uns lange drum bemüht, ein Haus zu bekommen, das zum Garten hin eine Fensterfront im Untergeschoss hatte. Wahrlich, es war nicht billig gewesen, aber es bereicherte unsere Wochen um einiges.

Die langen Gespräche über Kleider und Hemden satt, entschuldigte ich mich und trat durch die halb-geöffnete Front nach draußen in den schwächer werdenden Sonnenschein. Tief atmete ich die frische Luft ein und schloss die Augen, das Gesicht der Sonne entgegengestreckt. Mein Atem so wie mein Puls verringerten sich, als ich eine vollkommende Ruhe in mir aufwallen spürte.

Das Rascheln des Windes, als dieser durch die Gräser zog und die Halme unter seinem Willen bog, überdeckten die feinen Schritte meines Freundes. Sanft legte er seine rechte Hand in meine und tat es mir nach. Gemeinsam standen wir längere Zeit so da, bis er mit leisen Worten seine Stimme erhob, immer darauf bedacht, die Stimmung nicht zu zerstören.

Ich bin froh, dass du mitgekommen bist."

Ein leichtes Schmunzeln auf meinen Lippen, als ich mich ihm zu wandte.

Ich auch…"

Lächelnd sahen wir uns tief in die Augen. Dann sprach er die Worte aus, die mir an diesem Tag am meisten Glück beschert hatten. Vielleicht sogar den ganzen Urlaub lang.

Ich werde dich nie verlassen, mein Engel. Auf das… der Moment nie endet."

Nun schlich sich ein leichtes Grinsen auf meine Züge, wissend, was nun kam. In vollkommender Synchronie schlossen sich unsere Lieder und näherten sich unsere Lippen, bis sie sanft aufeinander lagen. Es war nicht fiel, wir standen nur so da, aber es war unglaublich schön.

Das Blitzen von Esmes Kamera und das Kichern hinter uns nahmen wir nicht mehr war…

=Rückblick Ende=

Nicht das Klavierspiel Edward auf der CD, die er mir geschenkt hatte, holte mich zurück aus dieser wunderbaren Erinnerung, sondern das Klingeln meines Handys. So nahm das Unglück für mich seinen Lauf.

„Hallo, hier Bella?"

„Hallo, hier ist Carlisle. Entschuldige die späte Störung."

Komisch, was wollte er denn jetzt von mir?

„Ehm… kein Problem. War so wieso noch wach."

Schnell stellte ich die Anlage leiser und setzte mich wieder auf den Rand meines Bettes.

„Ich…"

Er holte tief Luft. Sorgen begannen, in mir aufzuwallen.

„Ist etwas passiert?"

„Die Jungs hatten einen Unfall!"