Kapitel 10, in welchem Draco Hagrid ausschimpft, der dann etwas sagt, dass er nicht sagen sollte

Der Rest des Trimesters verging viel zu schnell für Harrys Geschmack. In Vorbereitung auf die Prüfungen bekamen sie so viele Hausaufgaben auf, dass sie keine Zeit hatten, in Schwierigkeiten zu kommen, selbst wenn sie gewollt hätten. Die Osterferien waren nicht annähernd so lustig wie die Weihnachtsferien. Abgesehen davon, dass er Theo manchmal dazu überredete, mit ihm zu fliegen, verbrachte Harry den Großteil seiner Zeit damit, mit Hermine, Theo and Tracey, die in der Schule geblieben waren, um zu lernen, den Unterrichtsstoff zu wiederholen.

Am letzten Tag der Ferien waren sie wieder einmal in der Bibliothek. Harry machte gerade eine Pause vom Lernen und ging spazieren. Als er wieder in die Bibliothek zurückkehrte, traf er auf Hagrid.

"Hagrid! Was machst du denn hier drinnen?", fragte Harry überrascht.

Hagrid sah sich ausweichend um und hielt die Hände hinter dem Rücken. "Ich schau nur. Du bist schwer am Lernen?"

Etwas an diesem abrupten Themenwechsel ließ Harry misstrauisch werden. "Äh, ja, Hermine ist noch rechthaberischer als sonst wenn es ums Lernen geht."

"Das ist gut, wirklich gut", sagte Hagrid fahrig. "Ich bin besser mal weg. Bis bald, Harry."

Harry folgte Hagrids Weg aus der Bibliothek mit zusammengekniffenen Augen, bevor er in den Gang ging, in dem Hagrid gewesen war. Als er die Bücher fand, die Hagrid gelesen hatte, überkam ihn ein ungutes Gefühl. Er sah das Titelbild von Vom Ei zum Inferno: Ein Handbuch für Drachenhalter. Scheiße. "Das kann nicht gut sein." Hastig stellte er das Buch ins Regal zurück und ging zu den anderen zurück. "Wisst ihr, wann der Zug ankommt?"

"Etwa eine Stunde vor dem Abendessen. Warum?", antwortete Hermine.

"Nur so. Ich will nur Draco sehen, weißt du?", sagte Harry in einer, wie er hoffte, beiläufigen Stimme.


An diesem Abend beobachtete Harry wieder den Lehrertisch. Hagrid war nicht erschienen, was Harrys Verdacht, dass etwas vor sich ging, noch verstärkte. Seine Stimmung hellte sich nicht auf, als er bemerkte, dass Dumbledore ihn genau so sorgfältig beobachtete. Innerlich stöhnend wendete er seine Aufmerksamkeit wieder seinem Abendessen zu, aber er hatte keinen Appetit.

„Was ist los mit dir, Harry?", fragte Draco schließlich verzweifelt.

„Was? Nichts!", entfuhr Harry.

Draco sah ihn vernichtend an. „Bitte. Du hast dein Essen kaum angerührt und fast nicht mit mir geredet seit ich zurück bin."

Harry antwortete nicht direkt und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Okay, ja, etwas macht mir Sorgen, aber ich will hier nicht darüber sprechen. Gehen wir spazieren?"

Draco tupfte sich sorgfältig den Mund mit seiner Serviette ab und stand auf. „Haltet uns Plätze im Gemeinschaftsraum frei", sagte er zu Pansy, bevor er Harry aus der Großen Halle folgte.

Harry ging aus dem Schloss und in Richtung von Hagrids Hütte, darauf vertrauend, dass Draco ihm folgend würde.

„Was soll das alles?", fragte Draco schließlich.

„Ich hoffe wirklich, wirklich sehr, dass ich nur paranoid bin", begann Harry.

Draco stöhnte. „Oh nein. Was ist passiert?"

„Heute Nachmittag habe ich Hagrid in der Bibliothek getroffen."

Draco zuckte die Achseln. „Und? Das ist zwar ungewöhnlich, aber noch lange kein Zeichen für den Weltuntergang."

Harry sah ihn an. „Er hat über Drachen recherchiert."

Draco runzelte die Stirn. „Also, das ist… Er mag Kreaturen, die der Rest von uns Monster nennen würde. Das weißt du genauso gut, wie ich…"

„Er hat recherchiert, wie man sie aufzieht."

„Scheiße."

„Genau."

Als sie Hagrids Hütte erreichten, fanden sie alle Vorhänge zugezogen. Harry klopfte wie wild an die Tür. „Hagrid! Mach auf, ich muss mit dir reden!"

Von drinnen hörten sie einen kleinen Knall, dann sprach Hagrid durch die geschlossene Tür: „Jetzt is keine gute Zeit, Harry."

„Bitte Hagrid."

„Nein. Ich, äh, wir sehn uns morgen, wie wär's damit?"

Harry sah sich bittend zu Draco um, der ihn angrinste. „Fang? Fang!", rief Draco bestimmt.

Sie hörten Bellen und dann Kratzen an der Tür. Hagrid fluchte und öffnete sie mit säuerlichem Ausdruck. „Kommt rein, ihr raffinierten, kleinen…"

„Ich glaube, der Ausdruck, nach dem Sie suchen, ist ‚Slytherins' ", sagte Draco leichthin, als er hineinging und Fang streichelte. „Braver Hund!" Fang wedelte mit dem Schwanz und rollte sich für eine Bauchstreicheleinheit auf den Rücken. Draco gab glücklich nach.

Hagrid schüttelte den Kopf. „Nein, definitiv nich das Wort, was ich gesucht hab. Ich vermut, ihr zwei wollt 'ne Tasse Tee?"

„Das wäre wunderbar, vielen Dank", antwortete Draco und sah auf. Fang war nicht glücklich darüber, Dracos Aufmerksamkeit zu verlieren, und biss in seinen Ärmel. „Nein, Fang! Lass los!", sagte Draco scharf und sah überrascht, dass Fang gehorchte.

Harry kümmerte sich nicht darum. Er zeigte auf das Feuer. „Hagrid, bitte sagen Sie mir, dass das nicht das ist, was ich denke, dass es ist."

Hagrid stellte drei eimergroße Tassen auf den Tisch. „Also, äh, das würd davon abhängen, was du denkst, das es is."

Harry verschränkte die Arme. „Ich denke, es ist ein Drachenei. Ich würde mich aber wirklich gern täuschen."

„Ah."

„Oh Gott", stöhnte Harry, als er sich setzte.

Hagrid nahm den Kessel vom Feuer und schenkte Tee aus. „Jetzt denk doch nich sowas. Ich hab über sie informiert, ja? Ich denk, ich kann es ausbrüten."

Harry schloss die Augen. „Das ist was ich befürchtet habe, Hagrid. Du kannst keinen Drachen haben."

„Warum nich?"

„Erstens, weil sie illegal sind", sagte Draco, als er sich neben Harry setzte. „Zweitens, leben Sie in einer Holzhütte. Ein Niesen und sie geht komplett in Flammen auf."

„Ah, das is aber nur, wenn was schief geht", sagte Hagrid zuversichtlich.

„Oh ja?" Draco starrte ihn kalt an. „Und was wollen Sie mit ihm machen, wenn er geschlüpft ist? Sie haben hier Verantwortung, wissen Sie, Sie können sich nicht jede Sekunde in dieser Hütte einschließen, um für einen verdammten Drachen zu sorgen. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass sogar Dumbledore verrückt genug ist, einen Drachen auf dem Schulgelände umherstreifen zu lassen."

„Naja…"

Draco machte stur weiter: „Und was ist mit Fang? Er gehört ihnen wie lange jetzt? Was glauben Sie, wie er es findet, wenn Sie ihn rausschmeißen, um Platz für einen Drachen zu machen?"

„Ich müsste doch nicht –"

„Doch, müssten Sie. Weil das Ding wird wachsen, und früher oder später wird es Fang als Abendessen ansehen. Und was mich betrifft, ich werde das nicht zulassen!"

Harry sah zwischen Dracos finsterem und Hagrids rotem Gesicht hin und her.

„Ich hab da so noch nich drüber nachgedacht", sagte Hagrid schließlich.

„Offensichtlich." Draco schäumte vor Wut.

Mit der Absicht, die Spannung zu brechen, sagte Harry: „Wo haben Sie das überhaupt her? Das muss doch verdammt teuer gewesen sein."

Hagrid lebte etwas auf. „Hab's letzte gewonnen. Kartenspiel in Hogsmeade."

„Mit wem? Wer trägt denn einfach so ein Drachenei spazieren?", fragte Draco ungläubig.

„Weiß ich nich, ja? Der Typ hat den ganzen Abend seine Kapuze aufbehalten."

Harry und Draco sahen sich an, beide dachten an die verhüllte Gestalt, die sie im Verbotenen Wald gesehen hatten.

„Ah, schaut nich so. Es war im Eberkopf, 'ne Menge Leute dort wollen ihr Gesicht nich zeigen."

Harry sah ihn verzweifelt an. Es gab keine Möglichkeit, wie das gut ausgehen konnte.

Hagrid fuhr fort: „Schaut mal, ich hab doch gesagt, dass ich mich informiert hab. Wenn er zu groß für mein Haus wird, kann ich ihn im Wald halten. Wenn ich ihn von klein auf großzieh, sollte er zahm genug sein."

Harry vergrub das Gesicht in den Händen. Nur Hagrid würde einen Drachen als ‚zahm genug' beschreiben.

Draco stand abrupt auf. „Hagrid, Sie können diesen Drachen nicht behalten. Das endet doch nur damit, dass Ihr Haus – und wahrscheinlich Sie und Fang auch – in Flammen stehen."

Hagrid sah Draco an. Selbst im Sitzen war er noch etwas größer als er. „Und was wirst du deswegen tun?"

Draco atmete tief ein und hob den Kopf. „Es ist eher, was Sie deswegen tun werden. Sie werden es dem Schulleiter sagen."

„Ich werd was?" Hagrid und Harry sahen Draco schockiert an.

„Es Dumbledore sagen. Offensichtlich." Als sie ihn immer noch verwirrt ansahen, setzte Draco sich mit einem Seufzen wieder hin. „Schauen Sie, alles, was Sie tun müssen, ist Dumbledore die Wahrheit zu sagen. Also, einen Teil jedenfalls. Dass Sie mit einem Fremden in einer Kneipe Karten gespielt haben und dass Sie, als Sie gewonnen haben, von ihm ein Ei bekommen haben. Sie hatten etwas getrunken, also dachten Sie nicht, dass es ein echtes Ei war, oder Sie dachten, es sei ein Fossil oder so etwas. Und heute, nachdem Sie wieder nüchtern waren, dachten Sie, es könnte ein echtes Ei sein. Also sind Sie in die Bibliothek gegangen, haben recherchiert und dann entschieden, ihm davon zu erzählen. Ich bin sicher, er kennt jemanden in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe; er kann es arrangieren, dass jemand herkommt und es in ein Drachenreservat bringen."

Hagrid und Harry starrten ihn nur an. Er ließ den Kopf hängen. „Was? Ich dachte, es sei ein guter Plan."


Einige Tage später wurden Harry und Draco nach Zaubertränke zurückgehalten.

„Wir haben nichts getan, Sir!", rief Harry, als Snape sich hinter seinen Schreibtisch setzte.

„Im Gegenteil, Mr. Potter, ihr habt einiges getan."

Harry sah Draco an, der leicht mit den Achseln zuckte.

„Ich hatte heute Morgen im Lehrerzimmer eine überaus faszinierende Unterhaltung mit Hagrid. Er war über etwas außer sich, als ich hereinkam. Stellt euch meine Überraschung vor, als ich die Ursache seiner Aufregung herausfand. Ausgerechnet ein Drache."

„Sir…", begann Harry, wusste aber nicht weiter. Wie sollte er das erklären?

Snape schien belustigt von seinem Versuch. „Ich habe euch nicht hierbehalten, um euch zu belehren. Ganz im Gegenteil. Tatsächlich möchte ich wissen, was du zu ihm gesagt hast."

„Was ich zu ihm gesagt habe?"

Snape seufzte. „Ja, was du zu ihm gesagt hast, um ihn dazu zu bringen, den Schulleiter über das Drachenei zu informieren, dass er irgendwie erworben hat. So überraschend es sein mag, ist dies nicht das erste Mal, dass Hagrid als Besitzer einer gefährlichen und illegalen Kreatur in Erscheinung tritt. Es ist allerdings das erste Mal, dass er dazu überzeugt wurde, sie abzugeben, bevor sie weitreichenden Schaden oder Verletzungen anrichten konnte. Ich gestehe, ich bin neugierig, was du zu ihm gesagt hast."

Harry grinste. „Es war Draco, Sir. Er wurde wütend, dass Fang von dem Drachen verletzt werden könnte und hat Hagrid gesagt, dass er das nicht zulassen würde. Dann hat er ihn überredet, dem Schulleiter davon zu sagen."

Snape sah Draco bewertend an. „Eine interessante Taktik. Ich werde das für das nächste Mal im Hinterkopf behalten."

„Nächstes Mal? Wie oft hat er das schon gemacht?", fragte Draco.

„Das ist das erste Mal, dass er versucht hat, ein Drachenei auszubrüten. Ein paar Jahre zuvor war es sein Wunsch, zur Insel Drear zu reisen und sich mit einem Quintaped anzufreunden. Davor wollte er Wassergeist ‚befreien', der in Loch Ness wohnt."

„Sie meinen das Monster von Loch Ness?", fragte Harry.

„Eben dieses. Es kein wunderbares Überbleibsel der Meeressaurier, wie Muggel glauben. Wie dem auch sei, konnte er nur durch die unglückliche Aufnahme eines experimentellen Zaubertrankes von der Reise abgehalten werden."

„Sie haben ihn vergiftet?" Harry musste unfreiwillig kichern.

„Ich kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass Hagrid die falsche Flüssigkeit zu sich genommen hat, als er in meinem Büro zum Tee zu Besuch war.", sagte Snape ausdruckslos.

„Also was wird mit dem Drachen passieren?", unterbrach Draco.

„Der Schulleiter hat es arrangiert, dass ihn gestern Abend Vertreter der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe abgeholt haben. Ich glaube, er ist jetzt auf dem Weg zu einem Drachenreservat in Rumänien, wo er unter seinesgleichen und weit weg von Menschen, abgesehen von hochausgebildeten Drachenwärtern, leben wird."

„Das ist super!", strahlte Harry.

Snape lächelte süffisant. „Ist es nicht erstaunlich, was man erreichen kann, wenn man um Hilfe bittet, anstatt alleine herumzutappen?"


Der Tag von Harrys letztem Quidditchspiel war ein perfekter Maitag, klar und sonnig. Zum ersten Mal war Harry nicht nervös und aß fröhlich sein Frühstück, bevor er den Rest seiner Mannschaft in den Umkleideräumen traf. Er zog sich um und wartete mit den anderen darauf, dass Flint ankam.

„Letztes Spiel der Saison für uns – lasst uns das gut machen. Hufflepuff sind im Moment unsere härtesten Konkurrenten. Nur dreißig Punkte hinter uns. Das heißt du", er zeigte auf Harry. „darfst ihren Sucher nicht den Schnatz fangen lassen. Nicht, bis wir nicht hundertneunzig Punkte vor ihnen liegen. Und fang ihn selber nicht, wenn sie einen zu großen Vorsprung haben."

Harry nickte.

„Keine Sorge, Flint, wir schießen viele Tore", meldete sich Adrian zu Wort.

„Natürlich werden wir das. Also dann, los geht's!"

Sie gingen begleitet von der üblichen Kakophonie aus Jubel und Buhrufen hinaus auf das Feld. Hooch hielt ihre übliche Rede über ein faires Spiel und startete das Spiel mit einem Pfiff. Anstatt wie sonst hoch über dem Spiel zu fliegen, blieb Harry nah hinter dem Sucher von Hufflepuff. Wenn er es schaffen sollte, den Schnatz zu finden, würde Harry ihn davon abhalten, ihn zu fangen. Er hörte mit einem halben Ohr dem Kommentar zu, um den Überblick über den Punktestand zu behalten.

Harry war dem anderen Sucher eine Weile gefolgt und fing an, sich zu langweilen. Das war kein Gefühl, dass er normalerweise mit Fliegen assoziierte, besonders nicht mit Quidditchspielen, aber jemandem zu folgen, der langsam Kreise um das Feld flog, war nur langweilig. Harry fing an, sich zu wünschen, dass der andere Sucher den Schnatz finden würde, nur, damit er etwas zu tun hätte, als er ihn selbst fand. Er flatterte vor der Hufflepufftribüne und links des anderen Suchers.

Harry lehnte sich tief über seinen Nimbus und schoss rechts an dem anderen Sucher vorbei, in der Hoffnung, dass er sich ködern lassen würde. Das tat er. Harry tauchte ab, sodass er nur wenige Meter vor der ersten Reihe der Lehrertribüne vorbeiflog. Er riskierte einen Blick zurück und grinste. Er wurde verfolgt. Er behielt seine Geschwindigkeit einige Zeit bei, hielt dann an und fluchte, als ob er den Schnatz verloren hätte. Sein Gegenpart hielt einige Meter vor ihm ebenfalls an und sah sich verloren um. Harry nutzte den Moment und flog in die Richtung zurück, aus der er gekommen war. Er flog langsam an der Lehrertribüne vorbei und lächelte. Die Slytherins führten mit zehn Punkten. Er durfte den Schnatz fangen, wenn er konnte.

Aber er konnte nicht. So sehr er sich auch anstrengte, konnte er den Schnatz nicht wieder finden. Der andere Sucher hatte Harrys Idee gestohlen und folgte ihm nun um das Feld. Harry lächelte. Er kann mir folgen, so lange er mit mir mithalten kann.

Harry begann, sich zwischen den anderen Spielern durchzuschlängeln. Zweimal musste er sich um seinen Besen rollen, um einem Klatscher auszuweichen. Sein Verfolger war immer noch hinter ihm. Er flog hinter den Toren von Hufflepuff, vor denen Flint wartete, um die angreifenden Jäger aufzuhalten. Harry machte sich klein auf seinem Besen und flog direkt auf sie zu. Als der führende Jäger nah genug war, dass er den verängstigen Gesichtsausdruck sehen konnte, ging Harry in einen Sturzflug über und tauchte rechtzeitig hinter den Jägern auf, um zu sehen, wie sie mit ihrem eigenen Sucher zusammenstießen.

„Und ein riskantes Manöver des Slytherinsuchers, aber es hat sich ausgezahlt – eine Kollision der Hufflepuffs und sie verlieren den Quaffel, der von Pucey auf dem Weg zu den Slytherintoren aufgenommen wird."

Harry flog einen Moment auf der Stelle, während er beobachtete, wie sich die Hufflepuffs entwirrten. Ein paar Sekunden später traf Shabes.

„Und Slytherin holt auf, einhundert zu einhundertzehn."

Harry bedankte sich still beim Kommentator und fing an, ernsthaft nach dem Schnatz zu suchen. Es war an der Zeit, befreit von seinem Rivalen, der nach der Kollision wie betäubt aussah, das Spiel zu beenden. Ruhig sah Harry sich um, ignorierte dabei alles, was nicht ein goldener Schimmer war.

Und da war er, nah über dem Boden unter ihm hin und her schießend. Harry ging in einen Sturzflug und ignorierte dabei den Hufflepuffjäger, der gerade den Quaffel trug und fast mit ihm zusammenstieß, als er vorbeischoss. Er hatte die Hand ausgestreckt, um den Schnatz zu fangen, aber er entwischte im letzten Moment. Harry fluchte und riss seinen Besen herum und plötzlich flog er auf der Seite, weniger als einen Meter über dem Boden. Er sah bewusst nicht auf den Boden, der knapp unter seinem Kopf vorbeirauschte, und verstärkte seinen Griff am Besen und streckte seinen Arm erneut aus. Dieses Mal schloss sich seine Hand um den Schnatz.

Er richtete sich auf seinem Besen wieder richtigherum auf, sprang ab und schwenkte den Schnatz über seinem Kopf. Er sah, wie die Mannschaft von Hufflepuff niedergeschlagen landete, bevor er von seinen jubelnden Mannschaftskameraden umringt war.

„Harry, dieser Sturzflug war super!", schwärmte Gemma, als sie ihn umarmte.

Terence grinste. „Wir haben den Pokal gewonnen!"

„Noch nicht, Gryffindor und Ravenclaw haben noch ein Spiel vor sich", antwortete Flint.

„Ja, aber sie müssten mehr als dreihundert Punkte machen, um uns zu schlagen", erklärte Miles. „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür?"

„Nicht unmöglich. Lass uns in die Umkleiden gehen." Flint machte sich durch die Menge der Slytherins, die die Mannschaft umringte, auf den Weg.

Gemma verdrehte die Augen. „Was für ein Spaßverderber. Los komm, je schneller wir umgezogen sind, desto schneller können wir zur Party."


Die Party im Gemeinschaftsraum von Slytherin war für eine Weile der einzige Lichtblick für Harry. Danach gab es nur noch Lernen in der Bibliothek, da die Prüfungen näher rückten. Hermine, Tracey und Theo waren alle zunehmend gereizter, wenn sie beim Lernen unterbrochen wurden, und sogar Draco wurde Harry gegenüber bissig. Er schaffte es, mit Hermine zu vereinbaren, dass sie sein per Katalog bestelltes Geburtstagsgeschenk für Draco entgegennehmen würde. Harry blieb länger als gewöhnlich bei Hedwig und streichelte sie, während er das Bestellformular und das Geld an ihrem Bein befestigte, einfach nur, weil er es genoss, mit jemandem zu reden, der nicht mit der Nase in einem Buch steckte.

Als ob der Stress der Prüfungen nicht genug wäre, machte sich Harry auch noch Sorgen darüber, was Voldemort und Quirrell als nächstes vorhaben könnten. Er versuchte, sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass sie Snape alles gesagt hatten, was sie wussten, aber es half nichts. Ganz gleich, dass Snape sie ernst zu nehmen schien, glaubte Harry nicht wirklich daran, dass er etwas tun würde, um zu helfen. Jahre bei den Dursleys hatten ihn Eigenständigkeit gelehrt, und einem Erwachsenen so zu vertrauen stand gegen alles, was er bis dahin gelernt hatte. Es half auch nicht, dass seine Narbe seit dem Wald juckte.

Und dann begannen die Prüfungen und Harry war zu müde, um sich ernsthaft Sorgen zu machen.

Sie hatten schriftliche Prüfungen, bei denen der gesamte Jahrgang in einem großen Klassenraum saß, und praktische Prüfungen in ihren üblichen Gruppen. Sie mussten eine Ananas über Flitwicks Schreibtisch tanzen lassen und für McGonagall eine Maus in eine Schnupftabakdose verwandeln. Sie brauten einen Vergesslichkeitstrank für Snape und kartographierten den Nachthimmel für Sinistra.

Endlich war die letzte Prüfung vorbei. Eine Stunde lang Fragen über alte Hexen und Zauberer für Binns zu beantworten war für Harrys Geschmack eine Stunde zu viel. Sobald es ihnen erlaubt wurde, zu gehen, ging Harry mit den meisten der Klasse direkt nach draußen.

Es war ein wundervoller Tag und Harry saß schließlich mit den anderen Erstklässlern aus Slytherin am See. Er pflückte Blumen, die Daphne in ihrer Gänseblümchenkette verwendete, und versuchte dabei, das Gefühl loszuwerden, dass er etwas vergessen hatte, als Hermine und Neville sich zu ihnen gesellten.

„Das war einfacher, als ich erwartet hatte", strahlte Hermine. „Ich hätte gar nicht –"

„Klappe, Granger", sagte Pansy träge und öffnete ein Auge, um Hermine vom Boden aus anzustarren.

„Wir haben grade erst geschafft, dass Theo und Tracey aufhören, die Prüfung durchzusprechen, wir brauchen dich nicht dafür, sie zu ermutigen, wieder anzufangen", näselte Blaise hinter Pansy.

Hermine schnaubte etwas, als sie sich hinsetzte. „Na gut. Ist es nicht ein schöner Tag? Harry, wir sollten Hagrid irgendwann besuchen, jetzt, da wir nicht mehr lernen müssen."

Harry nickte abgelenkt, dann erstarrte er. Hagrid, ja, das war es, was ihn gestört hatte.

„Lass uns jetzt gehen", sagte er und stand auf. Er warf eine Handvoll Blumen zu Daphne und zog einen grummelnden Draco vom Boden auf. „Komm schon, Hermine!"

„Kann das nicht warten? Es war ganz gemütlich da unten, weißt du?", sagte Draco.

„Wir müssen Hagrid besuchen."

„Warum?", fragte Hermine außer Atem, als sie zu ihnen aufholte.

„Kommt es euch nicht komisch vor, dass Hagrid jemanden trifft, der ein Drachenei in der Tasche hat? Wie Draco gesagt hat, wer zum Teufel trägt ein Drachenei mit sich herum? Und händigt es dann jemandem bei einem Kartenspiel aus?"

„Ich war mehr auf den Drachen konzentriert, den er in seinem Haus aufziehen wollte, als darauf, woher er ihn hatte", sagte Draco.

Als sie an Hagrids Hütte ankamen, fanden sie ihn auf den Stufen sitzen und Erbsen schälen. Fang kam zu Harry und Hermine, bevor er sich neben Draco setzte.

„Fertig mit den Prüfungen? Wollt ihr was trinken?"

„Ja, bitte", sagte Hermine.

„Nein, wollen wir nicht. Hagrid, ich wollte dich etwas darüber fragen, als Sie das Drachenei bekommen haben", sagte Harry.

„Was is damit?", fragte Hagrid misstrauisch.

Harry hielt inne und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Also, Sie haben gesagt, er hätte die ganze Zeit seine Kapuze aufbehalten, was nicht ungewöhnlich war. War irgendetwas ungewöhnlich an ihm?"

„Was meinste?"

„Hat er viele Fragen gestellt? Ich meine, er hat Ihnen ein Drachenei gegeben – hat er gefragt, ob Sie schon einmal einen hatten? Oder, ob Sie wissen, wie man für einen sorgt?"

„Tja, ich hab ihm natürlich gesagt, dass ich in Hogwarts arbeite. Hab vielleicht erwähnt, dass ich schon immer 'nen Drachen wollt. Er hat gefragt, ob ich für ihn sorgen könnt, und da hab ich ihm von den andern Kreaturen erzählt, um die ich mich kümmer."

„Andere Kreaturen?"

„Ja, du weißt schon, die Herde Thestrale im Wald, Fluffy…"

„War er an Fluffy interessiert?"

„'Türlich! Wie viele dreiköpfige Hunde gibt's denn? Genaugenommen hab ich ihm gesagt, nach Fluffy, denk ich, ist ein Drache einfach. Obwohl alles, was man mit Fluffy machen muss, is ihn mit 'nem bisschen Musik zu beruhigen – schläfert ihn direkt ein, das."

Harry sah die anderen beklommen an. Draco hörte nur halb zu, da er damit beschäftigt war, Fang den Bauch zu kraulen. Aber Hermine sah ihn mit einem besorgten Blick an.

Hagrid stand plötzlich auf. „Das hätt ich euch nich sagen sollen."

„Nein, kein Problem, wir werden das nicht weitersagen. Versprochen", sagte Harry schnell.

„Seht zu, dass das so is. Das is mehr wert, als nur mein Arbeitsplatz."

„Wir, äh, wir machen uns dann mal auf den Weg. Schön Sie zu sehen."

„Was war das denn?", fragte Draco, sobald sie eine gutes Stück entfernt waren.

Harry blieb stehen und sah sich um, bevor er antwortete: „Verstehst du nicht? Der Mann in der Kneipe – das war Quirrell. Hagrid hat ihm gesagt, wie er an Fluffy vorbeikommt."

„Aber Snape hat gesagt, es gäbe noch andere Hindernisse, die den Stein beschützen", wandte Draco ein.

„Ja und wie viel willst du wetten, dass Quirrell herausgefunden hat, was sie sind? Wenn die anderen auch bei den Lehrern gemacht worden sind, hätten sie keinem Grund, ihm das nicht zu sagen, oder? Niemand sonst verdächtigt ihn."

„Wir müssen es Dumbledore sagen", sagte Hermine und sah sie an, als ob sie sie warnen wollte, ihr zu widersprechen.

„Weißt du, wo sein Büro ist?", war alles, was Harry fragte. Sie sahen ihn verständnislos an.

„Wie schwer kann es sein? Wir fragen einfach den ersten Lehrer, den wir finden.", sagte Draco und ging los.

„Und was sagen wir dann?", fragte Hermine.

„Ich sage, dass ich fragen will, ob ich über den Sommer in Hogwarts bleiben kann", schlug Harry vor und ignorierte den mitleidigen Blick, der über Hermines Gesicht huschte.

Sie gingen in die Eingangshalle und brauchten einen Moment, bis sich ihre Augen nach dem sonnigen Gelände an die Schatten gewöhnt hatten.

„Professor McGonagall", rief Hermine.

McGonagall trug einen großen Bücherstapel, drehte sich herum und schaute sie über den Stapel hinweg an. „Ja? Was macht ihr drei denn an einem solch schönen Tag hier drinnen?"

„Wir würden gern den Schulleiter sehen, bitte", sagte Hermine.

„Den Schulleiter sehen? Warum?", fragte McGonagall argwöhnisch.

Draco stieß Harry mit dem Ellbogen an. „Also, ich äh –"

McGonagall spitzte die Lippen. „Ich hoffe, es geht nicht um Ihr-wisst-schon-was, das oben versteckt ist."

Sie sahen sich an. „Äh…"

Sie seufzte. „Professor Snape hat mir gesagt, dass ihr drei irgendwie davon erfahren habt."

„Hat er Ihnen gesagt, dass Quirrell versucht, ihn zu stehlen?", fragte Harry verzweifelt.

McGonagalls Nasenflügel bebten. „Nein, hat er sicherlich nicht. Ich weiß nicht, was eure Faszination mit diesem Mann ist, aber es muss sofort aufhören. Und Professor Dumbledore hat eine eilige Eule aus dem Ministerium erhalten und ist vor zehn Minuten nach London geflogen."

„Er ist weg? Aber das geht nicht!", entfuhr es Draco.

„Ich versichere dir, Mr. Malfoy, der Schulleiter ist dazu sehr wohl in der Lage, ganz gleich wie sehr es dich schockiert. Und jetzt will ich kein weiteres Wort davon hören. Geht zurück nach draußen und wenn ich einen von euch in der Nähe des Korridors erwische, sind es fünfzig Punkte."

Mürrisch gingen sie zurück nach draußen.

„Was zum Teufel tun wir jetzt?", fragte Draco schließlich.

Harry richtete sich auf. „Ich werd ihn zuerst holen."

„Du wirst was?", fragte Draco.

„Ich geh zum Stein und ich hol ihn, bevor Quirrell es tun kann."

„Und was machst du, wenn du ihn hast?", fragte Hermine.

Harry zuckte die Achseln. „Dann bringe ich ihn zu Dumbledore und sage ihm, dass wenn ich ihn bekommen kann, ist er wohl nicht so gut gegen Voldemort geschützt gewesen?"

Draco grinste. „Cool. Wann machen wir das?"

„Wir?"

„Du denkst, du bist auf dich allein gestellt? Bitte, ich lass mir doch nicht den ganzen Spaß nehmen", spottete Draco. Hermine nickte ebenfalls.

Harry seufzte. „Na gut. Gut. Okay, Hermine, ich bring meinen Umhang zum Abendessen mit und wir schmuggeln dich darunter nach Slytherin. So müssen wir dich nicht in Gryffindor abholen. Wir bleiben in unserem Schlafsaal bis die anderen schlafen gehen und schleichen uns dann raus. Aber du musst den ganzen Abend unter dem Umhang bleiben, sonst kommen die anderen dahinter."

„Kein Problem", sagte sie entschieden.