KAPITEL 9

Schrecken in der Nacht

„Bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?"

„Natürlich! Hier! Ich habe uns Kleidung besorgt."

Echwen warf einen Stapel Kleidung auf ihr Bett und Neri starrte den Haufen an.

„Woher hast du das?", fragte sie überrascht.

„Ich sag nur, Waschküche!", grinste die dunkelhaarige. „Und jetzt komm! Zieh dich um! In einer halben Stunde reisen sie ab."

Die beiden elleth begannen sich ihrer Kleider zu entledigen und schlüpften stattdessen in die, wie Echwen fand, viel gemütlichere Kriegerkleidung der Tawarwaith.

„Jetzt noch die Haare", rief Neri begeistert und begann sofort ihre langen, gewellten Haare auf die übliche Art der Waldelben, zurück zu flechten.

Die dunkelhaarige tat es ihr gleich.

„Du siehst wirklich aus wie ein Soldat Orophers!", lachte sie, als sie die blonde Elbin betrachtete. „Nur dein Gesicht verrät dich noch. Aber deshalb gibt es ja noch die Umhänge!"

Damit warf Echwen ihrer Freundin einen langen, dunkelgrünen Kapuzenumhang zu, den diese mühelos auffing und kurz betrachtete, bevor sie sich ihn überzog.

„Kapuze auf!", befahl die junge Elbin aus Mitirél, als sie den ihren ebenfalls übergezogen hatte.

„Und hier hab ich übrigens auch noch zwei Schwerter und zwei Bögen für uns besorgt", meinte Echwen schließlich, ging zu einer Kommode, die an der rechten Zimmerwand stand, öffnete eine Schublade und holte die Waffen heraus.

Zwei übergab sie Neri, bevor sie sich ihr Schwert umgürtete und Pfeil und Bogen um die Schultern schnallte.

„Und jetzt komm!" Damit griff die elleth nach ihrer kleinen Reisetasche und marschierte aus dem Zimmer, dicht gefolgt von Neriwen.

Auf dem Weg zu den Ställen sprach keiner sie an und erleichtert atmete Echwen auf. Man erkannte sie tatsächlich nicht.

Als die beiden Elbinen schließlich vor den Boxen von zweien der Pferde standen, fing sie an zu grinsen. „Das hat doch gut geklappt!", lachte sie. „Jetzt dürfen wir nur nicht allzu sehr auffallen. Dann merkt schon keiner etwas und man hält uns für zwei normale Kriegerinnen!"

Neri nickte und öffnete die Box von ihrer braunen Stute. Sie schwang sich auf den Rücken des Pferdes und sah, dass Echwen es ihr gleich getan hatte. Stolz thronte sie auf dem schwarzen Hengst und galoppierte dann los, in den Vorhof, auf welchem sich schon die meisten Krieger eingefunden hatten.

„Wir müssen so viel Abstand wie nur möglich zu König Oropher halten!", flüsterte Neri und die dunkelhaarige nickte. Sie sah sich um und erspähte den König unweit von sich entfernt, neben einem prächtigen Schimmel stehend und sich angeregt mit Siriarnen unterhaltend.

„Komm, dort hin!", meinte sie und deutete auf die andere Seite des Hofes, soweit wie nur möglich von dem Herrscher des Eryn Galens und dessen Berater entfernt.

In einem langsamen Trapp ritten sie um die Krieger herum und reihten sich schließlich auf der anderen Seite zwischen ihnen ein.

Kaum war das geschehen, gab Oropher auch schon das Kommando zum Aufbruch und sie galoppierten los.

Drei Stunden waren vergangen, seit sie den Palast des Waldlandreiches verlassen hatte und es herrschte eine relativ entspannte Stimmung.

Ab und zu brandete Gelächter zwischen den Kriegern auf und man sah wieder einmal, was für ein ausgelassenes Volk die Tawarwaith waren. Dafür konnte Echwen fast spüren, wie Wellen der Unruhe und Kälte von Oropher ausgingen, der am Anfang des Trupps ritt und sich leise mit seinem Kriegsberater unterhielt.

Zu gerne hätte sie gewusst, was die beiden Sindar da besprachen, aber sie wusste, dass sie nicht zu nahe an die beiden herankommen dürfte.

„Was meinst du, worüber die beiden reden?", fragte die Elbin also Neri, die ungewöhnlich Schweigsam neben ihr her ritt.

„Weiß ich nicht!", lautete die kurz angebundene Antwort und fragend betrachtete Echwen ihre Freundin von der Seite.

„Sag mal, was ist denn mit dir los?", fragte sie schließlich, bekam jedoch nur ein Kopfschütteln als Antwort.

„Ich weiß, dass etwas nicht stimmt!", versuchte die dunkelhaarige weiter, ihrer Freundin zum Reden zu überreden.

„Naja", begann Neri auch schließlich. „Ich habe Taurion zurückgelassen. Ich habe mich nicht einmal von ihm verabschiedet und er macht sich bestimmt furchtbare Sorgen um mich!"

Innerlich stöhnte Echwen auf. „Du hast ihm nichts gesagt?", fragte sie noch einmal nach, um sicherzugehen, dass sie richtig gehört hatte. Die blonde Elbin neben ihr nickte.

„Aber wir sind ja in ein paar Tagen schon wieder da", versuchte sie dann, ihre Freundin aufzumuntern, doch diese entgegnete nichts und so ritten sie schweigend weiter.

Nach einer weiteren Stunde begann es zu regnen. Erst waren es nur kleine, vereinzelte Tropfen, die jedoch rasch größer wurden und schließlich schüttete es wie aus Eimern. Außerdem pfiff ein starker Wind durch die Bäume und Echwen schlang ihren langen, warmen Umhang enger um sich und zog sich auch die Kapuze tiefer in das Gesicht.

„Ausgerechnet jetzt!", fluchte sie leise vor sich hin. „Wann sind wir denn endlich da! Bei dem halsbrecherischen Tempo müssen wir die Grenze doch bald erreicht haben!"

Allerdings dauerte es noch einige Zeit, bis sie das Dorf an der Grenze erreichen würden und nach einer weiteren, ganzen Stunde schwächte der Regen ab. Die Wolken am Himmel verzogen sich und zeigten, dass es bereits später Abend geworden war. Der Mond schien durch das dichte Blätterdach und leuchtete in einer Sichel hell und klar am weiten Sternenhimmel.

Echwen betrachtete die Sterne über ihr. Sie liebte die Natur und schon als kleines Kind hatte sie im Sommer des Öfteren mit ihrem Vater draußen übernachtet, um die Gestirne über ihnen beobachten zu können.

Plötzlich überkam die junge Elbin eine Welle von Heimweh, als sie an ihre Familie dachte. Ja, sie hatte Abenteuer erleben wollen, hatte nicht in Mitirél bleiben wollen, doch jetzt, jetzt vermisste sie die, die sie liebte umso mehr.

Sicher, sie hatte schnell neue Freunde gefunden, aber war es nicht doch etwas anderes, wenn man in seiner Heimat war. Dort wo man aufgewachsen und geboren wurde. Dort wo Familie und Freunde sowie Kindheitsfeinde auf sie warteten. Jetzt war sie so weit entfernt. Hatte ihren Traum leben dürfen, war in den Grünwald gekommen und hatte neue Freundschaften geschlossen, allerdings ihre Familie zurückgelassen.

Seufzend wandte Echwen den Blick von dem dunklen Himmel ab und verscheuchte die Gedanken an ihre Heimat.

Sie erkannte sie in der Ferne ein Rauchsäule aufsteigen. Sie waren angekommen. Konnten sie noch etwas tun? Oder waren sie zu spät, für jegliche Hilfe.

Nach einer viertel Stunde hielten sie an und Oropher befahl ihnen, zu Fuß weiterzugehen.

Echwen sprang von ihrem Hengst und sah sich Neri gegenüber die sie kurz musterte.

„Los", flüsterte sie dann und sie folgten den Kriegern Orophers die letzten Meter zu Fuß in das kleine Dorf.

Doch als sie es betraten, war jegliche Hoffnung verschwunden.

Der große Platzt glich einem Schlachtfeld. Von den Häusern war nicht viel mehr übrig geblieben als Ruinen, Schutt und Asche und in einer kleinen Gasse konnte Echwen einen verbrannten Körper erkennen.

Das Dorf existierte nicht länger. Es war mitsamt seinen Bewohnern zerstört worden.

Kleine Tränen bildeten sich in den blauen Augen der Elbin und rollten ihr ungesehen über die Wangen.

„Teilt euch auf! Sucht nach überlebenden!", ertönte da auch schon wie erwartet die laute Stimme Orophers.

„Ihr beide kommt in unsere Gruppe!", rief Siriarnen und tippte Echwen und Neri auf die Schulter. Erschrocken sahen die beiden elleth sich einige Sekunden an, bevor die dunkelhaarige leicht nickte und sie dem König, dessen Berater und zwei weiteren Kriegern folgten, um das Dorf zu durchsuchen.

Neri verzog angeekelt das Gesicht, als sie fast über eine Orkleiche stolperte, die mitten auf dem Weg lag und einen penetranten Geruch verströmte.

„Igitt!", keuchte sie und machte einen großen Schritt über den toten Körper. Echwen folgte ihr, mit ebenso verzogenem Gesicht und sie suchten weiter.

Doch auch eine halbe Stunde später hatten sie noch niemand lebenden finden können.

„Es hat keinen Zweck", hörte die dunkelhaarige den einen Krieger vor ihr, zu dem anderen sagen. „Wir werden hier keinen überlebenden finden! Sie sind alle tot!"

„Vielleicht gibt es noch Hoffnung", entgegnete der andere. „Gib nicht so schnell auf!"

Dann vernahm Echwen ein Geräusch. Erst leise, fast nicht zu hören, doch dann deutlich vernehmbar. Ein leises Wimmern, das aus einer kleinen, fast vollständig unter Schutt begrabenen Gasse kam.

„Was ist das?", fragte die Elbin angespannt und sofort blieb die Gruppe stehen.

„Da ist jemand! Jemand lebendiges!", rief Siriarnen und rannte dann auch schon los, bahnte sich seinen Weg über verkohltes Holz und Stein um den Verursacher der Geräusche zu suchen.

Oropher folgte seinem Freund und Echwen gab Neri einen Stoß in die Rippen, bevor auch sie sich auf machte. Sie spürte Neris Atem in ihrem Nacken und meinte auch die beiden Krieger hinter sich zu hören, aber sie achtete nicht weiter darauf.

„Überlebende!", war der einzige Gedanke, der in ihrem Kopf Platz fand.

Sie realisierte gerade noch rechtzeitig, wie der König und dessen Berater stehen blieben und konnte so einen Zusammenstoß verhindern. Allerdings hatte Neri nicht das gleiche Glück. Sie prallte gegen ihre dunkelhaarige Freundin, die nach vorne stolperte. Durch den Stoß fiel die Kapuze nach hinten und Siriarnen und Oropher starrten die Elbin an, als sie erkannten, wer da vor ihnen stand.

„Echwen!", begann der blonde Kriegsberater, schüttelte dann aber den Kopf. „Später!", murmelte er. Dann kniete er sich auf den Boden, ebenso wie der Sindakönig und Echwen konnte jetzt die zwei Elblinge erkennen, die vorher von den beiden Sindarelben verdeckt gewesen waren. Es waren ein Junge und ein Mädchen.

Der dunkelhaarigen Elbin lief ein Schauer über den Rücken. Wie viele Sommer mochten die beiden wohl schon erlebt haben?

Der Junge vielleicht gerade mal acht, wenn überhaupt und das Mädchen so um die zwanzig.

Dann betrachtete die elleth die beiden näher.

Sie hatten alle beiden dunkle, fast schon schwarze Haare und eisblaue Augen.

In den langen Haaren des Mädchens konnte man allerdings einige Wellen erkennen, während die des Elblings komplett glatt waren.

Die Kleidung der beiden war zerschlissen, an manchen Stellen zerrissen und auch vom Feuer angesengt.

Sie drängten sich dicht zusammen und das Mädchen hatte beschützend einen Arm um den jüngeren gelegt, während sie die Neuankömmlinge misstrauisch und angsterfüllt musterte.

Echwen taten sie furchtbar Leid. Mit noch so jungen Jahren, hatte es keiner verdient solch großes Leid zu erleben.

Wahrscheinlich waren ihre Familien tot und die dunkelhaarige fragte sich, wie solch kleine Elbenkinder den Angriff überhaupt hatten überleben können.

Sie beobachtete, wie der König beruhigend und liebevoll auf die kleinen Einsprach. Doch ihr entging der besorgte Blick nicht, den er mit seinem gwardor wechselte.

„Kommt mit", versuchte Oropher die beiden dazu zu überreden aufzustehen. „Wir werden euch nichts tun. Wir bringen euch in Sicherheit."

Und Echwen sah zu, wie sich das Mädchen langsam erhob, und versuchte, den Jungen auf den Arm zu heben, doch Siriarnen hielt sie davon ab.

„Ich mach das", flüsterte er, strich ihr über den Kopf und hob dann den kleinen Elbling vom Boden auf.

Erst jetzt bemerkte Echwen das Blut, dass sich in die Kleidung des jungen Elbens gesaugt hatte und aus einer Wunde stammte, die unter der Kleidung nicht zu sehen war. Erschrocken musterte sie den bleichen Jungen. Sie hatte Angst um ihn, denn er sah nicht so aus, als würde er noch besonders lange durchhalten.

Und auch die Elbin sah schwach aus. Sie wankte nach vorne und hatte sich fest in Orophers Arm gekrallt, den dieser um sie gelegt hatte.

Und das Bild sollte nicht täuschen. Keine zehn Meter weiter, stolperte das Mädchen und fiel bewusstlos in die Arme des Elbenkönigs, der sie auf den Arm hob und weitertrug, zurück zu dem Lager, dass einige der Soldaten hatten aufbauen sollen.

Als sie dort ankamen, musterte Echwen kurz die Zelte die dort standen und wandte sich dann an Neri, die die ganze Zeit neben ihr gelaufen war.

„Was meinst du? Gibt es noch mehr Elben, die den Angriff überlebt haben?"

Doch die blonde elleth zuckte nur mit den Schultern und starrte vor sich her.

„Das ist Schrecklich!", murmelte sie schließlich und in ihren grünen Augen sammelten sich die ersten Tränen.

Gerührt sah Echwen ihre Freundin an und zog sie dann in ihre Arme.

Sie konnte spüren, wie der schlanke Körper der elleth unter Schluchzern erbebte und fühlte, wie auch ihre eigenen Augen feucht wurden.

„All-, alle diese un-, unschuldigen Elben", brachte Neri schließlich hervor und die dunkelhaarige nickte, weiterhin den Rücken der Elbin tätschelnd.

„Sie haben es nicht verdient zu sterben!" Ein erneuter Aufschluchzer fuhr durch den Körper der elleth.

„Mandos wird sie nicht lange bei sich behalten", versuchte Echwen die blonde aufzumuntern, während ihr selbst die Tränen in Sturzbächen über die Wangen rannen.

So standen sie einige Minuten da, bis schließlich der Ruf eines Kriegers ertönte.

„Hier ist jemand! Verletzt!"

Ein paar Sekunden später, kamen vier der Tawarwaith zwischen den Bäumen hervor. Sie trugen einen weiteren ellon zwischen sich.

Im nächsten Moment kam Oropher aus einem der umstehenden Zelte und rief: „Bringt ihn hierher!"

Sofort setzten sich die vier wieder in Bewegung und kamen ihrem König entgegen.

Vor dem Zelteingang blieben sie erneut kurz stehen, redeten noch kurz und verschwanden dann im inneren.

„Lass uns mal nachsehen, was da drinnen los ist", flüsterte Echwen ihrer Freundin zu und wischte sich mit den Händen über das Gesicht, um die Tränen zu trocknen.

Die blonde nickte und folgte ihr.

Als sie das relativ große Zelt betrat, schlug ihr der Geruch nach Kräutern in die Nase.

Die Elbin sah sich in der Unterkunft um.

Es gab vier Schlafmatten, einen kleinen Tisch und zwei Stühle, sonst war es ziemlich Schmucklos.

Drei der vier Matten waren belegt und Echwen beobachtete, wie dem kleinen Elbling gerade, von einem ihr unbekannten Tawarwaith, ein Getränk eingeflößt wurde, welches sie nicht ganz genau zuordnen konnte.

Das Mädchen lag währenddessen zugedeckt auf der zweiten Matte und schlief. Scheinbar war sie nicht sehr stark verletzt.

Dann betrachtete die dunkelhaarige Elbin den dritten überlebenden. Es war ein junger Elb. Sie schätzte, dass er gerade das Erwachsenenalter erreicht hatte. Er hatte helle, fast schon weiße Haare. Sein Gesicht war sehr bleich und sie konnte Verbrennungen an seinem ganzen Körper, sowie in seinem Gesicht erkennen. Die Augen hatte er geschlossen.

Echwen tat er unendlich Leid. Sie wusste, dass die Narben dieser Verletzungen nie wieder ganz verschwinden würden und dass er damit den Rest seines unsterblichen Lebens, Leben musste. Vielleicht könnte man die Narben in seinem Gesicht durch die sogenannte Elbenmagie verschwinden lassen, doch die restlichen würden zu sehen bleiben, denn so viel Energie konnte auch kein Elb auf längere Zeit aufwenden.

Echwen wandte den Blick wieder von dem Elb ab und sah, das sowohl Oropher als auch Siriarnen und der ihr unbekannte Tawarwaith, der wahrscheinlich ein Heiler war, neben dem Elbling standen und leise diskutierten.

Was war da los?

Fragend warf sie einen Blick zu Neri, die aber nur mit den Schultern zuckte.

Dann plötzlich drehte sich der Freund Orophers auf der Stelle um, warf den beiden elleth einen fordernden Blick zu und stolzierte dann beinahe schon aus dem Zelt.

Langsam folgten Echwen und Neri ihm und wechselten während des Gehens einen besorgten Blick.

Draußen wartete der Kriegsberater des Königs unter Eiche und Buche bereits ungeduldig.

„Was ist l-…", wollte die dunkelhaarige gerade fragen, als sie auch schon unterbrochen wurde.

„Warum seid ihr hier?", lautete die Frage des blonden Sindas, der die beiden jetzt wütend anstarrte.

„Ja, also wir dachten, ich dachte, naja, ich meine…"

„Ja ich höre?",entgegnete er mit gefährlich leiser Stimme.

„Wir wollten helfen!", brachte Neri schließlich hervor und brachte sich damit einen strafenden Blick ein.

„So, ihr dachtet also ihr könntet helfen?" Noch immer klang die Stimme Siriarnens bedrohlich und langsam nickte Echwen.

„Und das gibt euch die Erlaubnis, euch einfach so mit zu schleichen? Denkt ihr, dass dies hier nur ein Spaziergangsritt ist? Denkt ihr, wir machen das hier zum Spaß? Denkt ihr, es könnte nicht gefährlich werden?"

Die klare Stimme des ellons wurde immer lauter, bis er beinahe Schrie.

„Was denkt ihr, warum Oropher die Krieger mitgenommen hat? In diesem Wald wimmelt es nur so von dunklen Kreaturen und keiner ist mehr sicher! Das hat man doch gesehen nicht wahr?"

Er nickte in Richtung Dorf und die beiden elleth folgten seinem Blick, während sich in Neris grünen Augen erneut Tränen sammelten.

„Wir", versuchte sie stammelnd ihr Handeln zu erklären aber erneut unterbrach der Ältere sie.

„Nichts da! Euch hätte etwas zustoßen können und Oropher hätte sich das nie verziehen, besonders bei dir Echwen! Und genauso wenig Thranduil!"

Überrascht starrte die Angesprochene Siriarnen an. Was hatte der Thronfolger denn jetzt mit ihrem Verhalten zu tun, fragte sie sich, da setzte auch schon der Heerführer erneut zu Worten an.

„Überlege dir gut wie du fühlst!", flüsterte er jetzt wieder. „Und trete ja nicht auf den Gefühlen anderer herum!"

Damit wandte er sich wutschnaubend ab und verschwand in einem weiteren Zelt.

„Was sollte das denn jetzt?", fragte Echwen, während Neri sie mit einem abschätzenden Blick musterte.

„Nun ja", begann sie. „Ich denke ich weiß, was unser lieber Freund doch meinte. Aber vielleicht erzähle ich das jetzt nicht. Zumindest nicht hier, wo alle zuhören können!"

„Wieso?", setzte die dunkelhaarige zum Protest an, aber ihre Freundin legte ihr einen Finger auf die roten Lippen und schüttelte den Kopf.

„Nanana!", meinte sie. „Nicht immer so neugierig! Und glaub mir, es ist besser so!"

Schließlich nickte Echwen ergeben und lächelnd nahm Neri ihre Freundin bei der Hand.

„Na dann komm", meinte sie. „Suchen wir ein Zelt in welchem wir übernachten können, denn es ist schon ziemlich spät. Denn der Ritt war lang und anstrengend doch uns bleiben wohl noch ein paar Stunden Schlaf vergönnt.

Erst jetzt bemerkte die dunkelhaarige Elbin die Müdigkeit, die sie plötzlich wie ein Schatten überfiel und sie folgte ihrer besten Freundin, die schließlich vor einem relativ kleinem Zelt stehen blieb und im Eingang verschwand.

Als sie wieder herauskam nickte sie.

„Dort sind zwei Schlafmatten drin, also reicht es allemal für uns beide. Komm."

Damit verschwand sie erneut hinter der Plane und Echwen folgte ihr.

Im Innenraum gab es nur wenig Platz, aber es war schön warm und zwei Lager zum Schlafen gab es auch, wie Neri bereits erwähnt hatte.

Sie hatte recht. Hier konnten sie übernachten.

Neri hatte sich bereits auf dem linken Lager niedergelassen und Echwen beeilte sich, sich ihrer Kleidung zu entledigen und verkroch sich dann in den warmen Decken, die auf der anderen Matte lagen.

Nach einiger Zeit des Schweigens flüsterte sie: „Du Neri, was meinte Siriarnen eigentlich vorhin?"

Langsam wandte die Angesprochene ihren Kopf der dunkelhaarigen Elbin zu und bewies damit, dass sie noch nicht schlief.

„Na weißt du", begann sie schließlich. „Du bist verliebt. Und das weiß Siriarnen!"

„In wen sollte ich denn verliebt sein", fragte Echwen entrüstet nach.

„Na das, dass solltest du dann wohl schleunigst selbst herausfinden", meinte Neri aber nur lächelnd und schwieg dann, während die Dunkelhaarige sie weiter anstarrte, bis sich schließlich der graue Schleier des Schlafes über ihre Augen legte.

8 Jahre = ungefähr 3-4 Jahre bei Menschen

20 = 9/10/11 Jahre bei den Menschen

Und hier bin ich mal wieder mit einem neuen Kapitel das schon seit Ewigkeiten fertig ist... sorry für die lange Pause...

Lg KT

PS: Würde mich über Rückmeldungen freuen :D