*****Allgemein POV*****

„Hilf mir hier mal, Tessa, die Tür klemmt.", kam es von dem braunhaarigen Mann, der gerade an besagter Tür zerrte.

„Schon gut, ich komme ja.", erwiderte Tessa und kletterte neben ihren Vater auf die Plattform, auf der der Truck stand. „Ich verstehe nur nicht, wieso du diesen Schrotthaufen unbedingt kaufen musstest..." Mit diesen Worten begann sie ebenfalls, an der stark ramponierten Tür zu ziehen, welche unter der doppelten Belastung tatsächlich abrupt aufriss.

Tessa und ihr Vater wurden von der plötzlichen Bewegung der Tür überrascht, und fielen zu Boden. Und das gerade noch rechtzeitig, denn kaum war die Tür vollständig geöffnet, rollten riesige Metallzylinder zu Boden, Patronenhülsen...

„Was ist denn mit...", begann Cade, während er sich aufrappelte und vorsichtig ins Innere des Trucks spähte. Im nächsten Moment brach er ab und zuckte zurück, erschrocken. Das konnte doch nicht wahr sein, er musste sich irgendwo den Kopf angestoßen haben, als er gefallen war. Anders ließ sich das nun wirklich nicht erklären...

Tessa war derweil auch aufgestanden und riskierte ebenfalls einen Blick in das Innere. Zuerst konnte sie aufgrund des Zwielichts, das im Schuppen herrschte, nicht viel erkennen, aber als sie dann etwas sah, verschlug es ihr für einen kurzen Augenblick die Sprache.

„Was... Wie..." Sie wandte sich an ihren Vater und deutete in den Truck. „Hast du davon gewusst?", fragte sie, völlig geschockt. „Wusstest du, dass da Leichen drinliegen?!"

Verständlicherweise hielt sie Mia und Naria, denn keine anderen hatte sie gerade gesehen, für tot. Schließlich schlief niemand so lange, und vor allem so tief.

Es dauerte einige Minuten, bis sich Cade an die vermeintlichen 'Leichen' herantraute, und es ihm gelang, sie aus dem Truck zu holen, da sich Tessa weiterhin weigerte, in ihre Nähe zu kommen, geschweige denn, sie zu berühren. Das war der Moment, in dem ihm etwas auffiel: Nicht nur hatte das dunkelhäutige Mädchen einen schwachen Puls und atmete, auch das andere war am Leben. Beide waren eindeutig warm.

„Bereite die Gästezimmer vor, Tessa!", rief Cade ihr zu. Sie hatte sich in einen anderen Teil des Schuppens zurückgezogen. „Sie leben noch!" Keiner von beiden achtete zunächst auf die 'Tattoos', die Narias Körper zierten. Erst einmal war es wichtiger, die beiden ins Haus zu bringen.

*****Naria POV*****

Notfall-Solarenergie-System aktiviert...

Energielevel: 3%...

12%...

20%...

25%...

47%...

50%

Energielevel ausreichend

Systemcheck wird durchgeführt...

Alle Systeme optimal

Notfall-Stasis wird beendet...

„Oooohhhh..."

Dieses Geräusch war das erste, das ich zustande brachte. Nach der Stasis waren meine Systeme immer noch viel zu langsam. Und wenn ich mal darüber nachdachte, welche Art von Energie ich momentan in mir hatte, war das auch kein Wunder. Solarenergie. Als Ergänzung perfekt, aber für sich allein genommen viel zu wenig.

Im nächsten Moment hörte ich, wie sich neben mir etwas, oder eher jemand, bewegte. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte ich mich aufgerichtet, eines meiner Schwerter gezogen, und es der Person an den Hals gehalten. Zwar war alles um mich herum noch etwas verschwommen, aber ich konnte mich ganz auf meine Reflexe verlassen.

Als sich mein Sichtfeld endlich wieder normalisiert hatte, sah ich vor mir das Gesicht eines, sehr verschreckten, blonden Teenagers, wahrscheinlich schon etwas älter als sechzehn. Sie sah harmlos aus, aber ich konnte nicht wissen, ob sie es auch war, zumindest jetzt noch nicht. Ein kurzer Scan zeigte zumindest keine unserer Verfolger. Gut.

Ich sah mich kurz um, vorsichtig. Anscheinend war ich in einem ganz normalen, wenn auch recht kleinen Zimmer, ein Bett (auf dem ich immer noch hockte), ein Tisch, ein Stuhl, ein Schrank. Mehr nicht.

Immer noch leicht misstrauisch drehte ich mich wieder zu der Teenagerin um und fragte: „Wo bin ich hier?" Als sie nicht antwortete, legte ich etwas mehr Dringlichkeit in meine Stimme und presste gleichzeitig mein Schwert etwas fester gegen ihren Hals. (Keine Sorge, ich wusste genau, wie viel Druck ich ausüben konnte, ohne sie zu verletzen...) „Ich frage noch ein mal: Wo bin ich hier?"

„Bei mir zu hause.", kam die verschreckte Antwort. Nun, aber sonderlich hilfreich war das nicht. Zumindest wusste ich jetzt aber, dass sie halbwegs ungefährlich war. Dieses Erschrecken, als ich meine Klinge fester an ihren Hals gepresst hatte, so etwas konnte niemand fälschen. Sie hatte keinerlei Kampferfahrung.

Mit einem Seufzen ließ ich mein Schwert sinken. „Und wo genau ist das?" Mein GWPS würde ich erst neu starten müssen, also musste ich erst mal sie fragen.

„...Texas." Sie zögerte, als sei sie sich nicht sicher, was genau ich denn jetzt von ihr wollte. Tja, sie hatte es auf den Punkt getroffen.

„Na bitte, geht doch!", erklärte ich, schon wieder ein Grinsen im Gesicht, und ließ mein Schwert wieder im Subspace verschwinden. Ich stand auf, und erst dann fiel mir ein, dass ich Mia und Optimus völlig vergessen hatte! Wie mir das passieren konnte, war mir nun wirklich ein Rätsel. „Wo hast du mich gefunden?", fragte ich leise, das Grinsen verschwunden. „Und... war eventuell noch jemand anderes bei mir? Ein anderes Mädchen, dunkelhäutig, etwa so alt wie ich?" Und da waren sie wieder, die Sorgen...

„Ja.", kam die, jetzt schon weniger zögerliche, Antwort. „Sie ist nebenan. … Wer bist du?"

„Ich heiße Nami.", erwiderte ich automatisch. Ich konnte sie nicht einweihen, nicht jetzt schon. Vor allem nicht jetzt. „Und du?"

„Tessa. Tessa Yeager."

Als sie es nicht weiter ausführte, ging ich zur Tür, drehte mich dann aber noch mal um und fragte: „Rechts oder links?"

„Links." Tessa klang ein wenig, nun ja, als sei sie unter Schock. Was wohl auch so ziemlich der Wahrheit entsprach...

Im Nebenraum konnte ich schon von der Tür aus sehen, dass das Betäubungsmittel langsam an Wirkung zu verlieren begann. Als ich mich dann auf die Bettkante setzte und ihren Puls fühlte, wurde das nur bestätigt. In spätestens ein paar Stunden würde sie wieder auf den Beinen sein. Bloß noch ein bisschen müde, sonst nichts.

Ich hörte Tessa den Raum betreten, und fragte ohne mich umzudrehen: „Wir wurden in einem Truck gefunden, ja? Weißt du, wo dieser Truck jetzt ist?" Es kostete mich meine gesamte Selbstbeherrschung, meine Sorge nicht durchscheinen zu lassen. Ich konnte bloß hoffen, dass es Optimus gut ging.

„Ja, im Schuppen." Kaum dass Tessa mir geantwortet hatte, war ich auch schon wieder aufgestanden und zur Tür hinaus. Eine Treppe und die Haustür später konnte ich den 'Schuppen' auch sehen. Obwohl ich es ja eher als eine 'Scheune' bezeichnet hätte. Egal, jedem das seine. Hauptsache, Optimus war hier.

Ich stürmte durch das Tor...

nur um im nächsten Moment erschrocken stehen zu bleiben. Da hing ein Mann unter Optimus' Motorhaube! Da hing. Ein Mann. Unter Optimus' Motorhaube!

„He, sie!", rief ich, als ich mich halbwegs von dem Schrecken erholt hatte. „Was soll das?! Weg da, sofort!" Ich konnte es nicht fassen! Der Typ hatte vielleicht Nerven! Einfach so an Optimus herumzubasteln, ohne seine (oder meine, ich war ja schließlich gerade als Einzige wach) Erlaubnis! Sowas von dreist!

Der Mann schoss hoch, stieß sich prompt den Kopf an der Motorhaube und taumelte ein paar Schritte zurück. Sofort war ich bei Optimus, der immer noch in Stasis zu sein schien, und schloss sanft die Motorhaube. Dann wandte ich mich wieder dem Mann zu, der mich inzwischen entgeistert anstarrte.

„Sag' mal, hast du sie noch alle?! Einfach an ihm herumzuschrauben! Was wolltest du eigentlich versuchen, ihn auseinandernehmen?!", schimpfte ich los. Schon allein der Gedanke machte mich sofort so wütend, dass ich alle Geheimhaltung aus dem figurativen Fenster schmiss. Ich verlor sogar für einen kurzen Moment die Kontrolle über meine Optiken, die sofort begannen, die Farbe zu wechseln, von blau zu rot.

„Ich habe den Truck ehrlich gekauft.", erwiderte der Mann, defensiv. Und er hätte wohl kaum etwas schlimmeres sagen können...

„Gekauft?!", schrie ich auf. „GEKAUFT?! Er ist doch niemandes Eigentum, und schon gar nicht deines!" Das war in etwa der Punkt, an dem mein Temperament komplett mit mir durchging. Zwar gelang es mir, im Bio Mode zu bleiben, aber ich glaube, zwischendurch schaffte ich es ein paar mal, ins Cybertronische abzudriften. Ungefähr ab der Hälfte verstand der Mann (dessen Namen ich immer noch nicht kannte, ich vermutete aber, er sei Tessas Vater), dass er es nur noch schlimmer machte, wenn er mich unterbrach. Und Tessa selbst war glücklicherweise schlau genug, gleich draußen zu bleiben. Zumindest schaffte ich es, nicht handgreiflich zu werden, was enorm schwierig war, ernsthaft.

Erst nach einer guten Viertelstunde kühlte mein Temperament langsam wieder runter. Nur, war der Schaden da schon angerichtet. Der Mann hätte schon sehr dumm sein müssen, um jetzt noch nicht verstanden zu haben, wer, oder was, ich war. Und dumm war er definitiv nicht.

Tessa, die inzwischen doch hereingekommen war, war es schließlich, die zuerst etwas sagte. „Du bist... eine dieser Roboter? Aber... wie ist das möglich?" Sie klang nur ein ganz klein wenig verängstigt, eher verwirrt und neugierig.

„Es gibt eine Menge, das ich euch nicht erklären kann. Eigentlich gehört das auch schon dazu." Ich seufzte. Jetzt, nachdem mein Temperamentsausbruch abgeklungen war, fühlte ich mich irgendwie müde. Solarenergie war nun einmal wirklich nicht das Beste...

„Und er ist..." Der Mann gestikulierte in Optimus' Richtung.

„Ja, er auch.", erklärte ich kurz angebunden. Dann sah ich mich suchend um. Das meiste, was in Optimus' Fahrerkabine gewesen war, lag hier draußen herum. Ich suchte allerdings etwas bestimmtes. Einige Zeit nachdem wir an der Tankstelle unsere Reserven aufgefüllt hatten, hatte ich nämlich unseren tragbaren Mini-Energonkonverter in Betrieb genommen. Inzwischen müsste das Energon auch fertig sein.

Schließlich sah ich das Gerät auf einem Tisch stehen, und der leuchtende Punkt an der Seite zeigte an, dass das Energon fertig war und den Speicher voll ausfüllte. „Na also, gefunden!", grinste ich, zog einen Mini-Würfel aus meinem Subspace und begann, ihn aufzufüllen. „Das würde ich übrigens nicht anfassen.", meinte ich derweil über meine Schulter hinweg nach hinten. „Es ist unter anderem giftig." Dann, unter den erschrockenen Blicken der beiden, trank ich den gesamten Würfel auf einmal aus.

Seelenruhig lief ich kurz darauf dann mit zwei weiteren gefüllten Würfeln zu Optimus, öffnete den Tankdeckel, und kippte das gesamte Energon hinein, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Er brauchte die Energie dringend, sowohl um aufzuwachen, als auch damit seine Selbstreparatursysteme wieder in Gang kamen.

Mit einem knarrenden Surren (das leider nicht ganz so gesund klang), begannen seine Systeme, wieder hochzufahren. Und dann flackerten die Scheinwerfer auf...