A/N: Wieder hat das Update auf sich warten lassen. Dieses Mal war ich damit beschäftigt, eine rätselhafte Kurzgeschichte für den Herbstkalender des Rudels zu schreiben.
Mein Kalenderbeitrag ist ein Crossover Harry Potter x Sakrileg von Dan Brown. Lasst euch von dem ungewöhnlichen CO nicht abschrecken – auch Leute, die keine Fans von Dan Brown sind, sollten auf ihre Kosten kommen. Schaut doch mal rein: www*.*fanfiction*.*net/s/8487215/30/Das-Rudel-kann-auch-anders (Bitte Sternchen entfernen)
Warten
Die dunkle Allee, nur angedeutet von dem Licht der wie an einer Perlenkette aufgereihten Laternen, lag ruhig da. Minerva McGonagall stieg die weite Treppe, die dem Haupteingang Hogwarts einen angemessenen Rahmen gab, halb hinunter. Die Ruhe behagte ihr nicht. Zum wiederholten Male ließ sie ihren Blick auf die Turmuhr wandern, nur um festzustellen, dass die Zeiger mit gleichmütiger Behäbigkeit über das Ziffernblatt krochen – leidenschaftslos – und völlig im Widerspruch zu ihrer wachsenden Anspannung.
Die Kinder hätten schon seit einer halben Stunde hier sein müssen und mittlerweile wünschte sie sich inständig, dass irgendetwas passieren möge, und sei es nur aus dem Grund, sie von ihrem tatenlosen Warten zu erlösen.
Sie kniff die Augen zusammen. In der Ferne ließ sich ein Mann ausmachen, der schnell näher kam. Das regelmäßige Knirschen des Kiesbetts zeugte vom schnellen Laufschritt des Mannes, der sich bei näherer Betrachtung als Rolf Scamander entpuppte.
McGonagall sammelte sich. Der neue Professor für die Pflege magischer Geschöpfe war sicherlich niemand, der sich schnell aus der Ruhe bringen ließ, und so war zu erwarten, dass Ungemach im Verzug war.
„Professor McGonagall, hätten Sie einen Moment Zeit?", rief Scamander schon von weitem.
„Ich bitte dich, Rolf, wir wollten uns duzen", erwiderte sie mit größtmöglicher Gelassenheit. Dann fügte sie möglichst beiläufig die Frage hinzu, die ihr seit einer gefühlten Ewigkeit den letzten Nerv raubte: „Weißt du, wo die Kinder bleiben?"
„Die Kinder kommen", versicherte Scamander, „die ersten Boote legen gerade an, die jüngeren Schüler sollten jeden Augenblick eintreffen."
„Die Boote?", fragte McGonagall verwundert. „Gewöhnlich sind doch die Kutschen schneller in Hogwarts…"
„Ja ... äh, um genau zu sein waren sie heute auch schneller in Hogwarts. Allerdings so schnell, dass – nun ja – die Kinder hatten wohl keine Gelegenheit einzusteigen." Scamander sah so aus, als hätte man ihn auf frischer Tat bei einem Streich ertappt.
„Rolf, was soll das Gestammel? Was ist los?" Sie verlor allmählich die Geduld. Das Pensum für den heutigen Abend war selbst ohne Zwischenfälle enorm, mehr als dreihundert Schüler mussten auf die vier Häuser Hogwarts' verteilt werden.
„Die Thestrale sind durchgegangen", berichtete Scamander, „die Kutschen – Totalschaden. Hagrid kümmert sich um die Thestrale. Es gibt ein paar kleinere Wunden, nichts ernstes. Die Biester sind zäh."
„Bei Merlin, was ist mit den Kindern?"
„Hagrid meint, es sei ihnen nichts passiert. Ich denke, die werden wohl laufen. Snape ist bei ihnen."
Die ältere Hexe schüttelte ungläubig den Kopf. „Kaum sind die Kleinen hier, bekommen sie schon den ersten Schrecken!", murmelte sie. Nachdenklich strich McGonagall ein paar imaginäre Falten an ihrem langen Kostümrock glatt, bevor sie mit der ihr üblichen Entschiedenheit reagierte: „Informiere Filius! Aber bitte so schonend wie möglich!"
„Ja sicher", sagte Scamander und wandte sich zum Gehen.
„Und Rolf, wir sollten den ersten Gang alsbald auftischen, dann sind die Kinder beschäftigt" Mit besorgter Miene sah McGonagall ihrem jüngeren Kollegen nach, der mit langen Schritten die Treppen zum Schlossportal hinauf eilte.
…::…
Die Turmuhr schlug gedämpft auf neun Uhr.
Eine helle Melodie ertönte aus dem neuen Carillon – ein Glockenspiel, das eine Hexe aus Utrecht für den Wiederaufbau des Schlosses gespendet hatte. Der lebendige Klang der Glocken schien für einen Augenblick das gesamte Schloss zu erfassen, doch als der letzte Ton verklungen war, blieb eine merkwürde Leere zurück.
Minerva McGonagall versuchte ihre zwiespältigen Gefühle zu verdrängen und blickte besorgt zum Himmel hinauf. Schwarze Wolkenberge schoben sich vor die schmale Mondsichel. Es roch nach Regen. Der Wind frischte auf und die ersten braunen Blätter wirbelten in kleinen Kreisen über die Steinplatten, um im nächsten Augenblick über den weiten Platz zu fegen und in der Dunkelheit zu verschwinden.
Aufgeregtes Stimmengewirr drang nun leise von der langen Treppe, die vom Bootshaus das Steilufer hinauf zum Schloss führte, hinüber. Der jüngste Jahrgang war in Hogwarts angekommen. Ob die Magie des Schlosses die Kinder genauso gefangen nehmen würde wie tausende vor ihnen?
McGonagall sah, wie die Gruppe zum Stehen kam, und die neuen Schüler fast andächtig das gewaltige Bauwerk bestaunten, das sich vor ihnen auftürmte. Erst jetzt bemerkte die Hexe, dass sie die Luft angehalten hatte, und atmete angesichts der unverhohlenen Bewunderung der jungen Hexen und Zauberer langsam aus.
Auch Hagrid hatte sich offensichtlich wieder den Kindern angeschlossen. McGonagall konnte sich ein grimmiges Lächeln nicht verkneifen. Der Halbriese würde das gewaltige Eichentor, vor dem sie wachte, passieren müssen und er konnte ganz sicher nicht hoffen, dass sie ihn übersehen würde.
Auch die älteren Schüler, die den Weg vom Bahnhof zum Schloss zu Fuß angetreten waren, hatte sie bereits erspäht. Alles schien sich zu normalisieren.
McGonagall verfolgte aufmerksam, wie der Menschenstrom auf der Allee langsam näher kam, als sich ein massiger Schatten an ihr vorbei schob. „Hagrid!" Ihre Stimme klang schneidender als sie beabsichtigt hatte.
Der Halbriese kam abrupt zum Stehen und drehte sich langsam um. Hagrids linker Hemdsärmel hing in Fetzen herunter, kleine Zweige schmückten sein zerzaustes Haupthaar und den mächtigen Bart. Seine zerkratzten Hände fuhren unbeholfen an seinem Körper entlang, doch Hagrid schien keinen geeigneten Platz für die großen Pranken zu finden. Am Ende ließ er die Hände hilflos an der Seite herunter hängen und sah sie unglücklich an.
McGonagall seufzte, denn ihr Ärger war eigentlich schon wieder verflogen. Es war nicht einfach, dem gutmütigen Halbriesen böse zu sein, denn er war scheinbar nicht in der Lage zu begreifen, dass es durchaus magische Biester gab, die ihren Namen verdient hatten. Dennoch sagte sie betont vorwurfsvoll: „Musstest du deine Monster unbedingt auf die Kinder loslassen, Hagrid?"
Hagrid wurde rot. „Sie warn immer ganz brav...", stammelte er. „Sie tun doch keinem was… Ein bisschen nervös warn sie, nicht wahr? Ich weiß nicht –"
Der Halbriese verstummte mitten im Satz.
„Vielleicht hätte man keinen Werwolf auf die Thestrale loslassen sollen", schnarrte es aus dem Hintergrund. Snape hatte Teddy Lupin am Kragen hinter sich hergezogen und präsentierte McGonagall und Hagrid nun triumphierend seine Beute.
Hagrid glotzte verwirrt auf den schlaksigen Teenager mit den giftgrünen Haaren und kratzte sich am Kopf.
Angesichts der Begriffsstutzigkeit des Halbriesen erläuterte Snape ungeduldig: „Dies ist offensichtlich ein Werwolf, der sich unerlaubt in Hogwarts einschleichen wollte."
Snape zerrte den Jungen an seiner Jacke so weit nach oben, dass Teddy beinahe den Boden unter den Füßen verlor, und deutete auf den kleinen roten Pin.
„Ja, ganz offensichtlich, Severus", erwiderte McGonagall kühl. „Und wenn du die letzte Lehrerkonferenz nicht versäumt hättest, wäre dir nicht entgangen, dass sich Teddy Remus Lupin keinesfalls ohne Erlaubnis in Hogwarts aufhält."
Snape erstarrte und Ted entkam dem Klammergriff des Tränkemeisters.
McGonagall ging auf den Jungen zu, griff den kleinen roten Pin fest zwischen den Fingerspitzen und riss ihn mit einer schnellen Bewegung aus dem Kragen der Jacke.
Mit einem leisen Klirren traf das Abzeichen auf dem Boden auf.
Für einige lange Sekunden blickte Minerva McGonagall den Tränkemeister abschätzend an, bevor sie den Pin knirschend unter ihrem Schuh zermahlte.
„Das brauchen Sie hier in Hogwarts nicht, Teddy", sagte die Hexe tonlos und ließ dabei Severus Snape nicht aus den Augen.
Snape presste die Lippen zusammen. Einen Moment verharrte er, ohne dass sein Gesicht eine weitere Regung zeigte, dann fixierte er Teddy mit zu Schlitzen verengten Augen und sagte eisig: „Wenn Sie auch nur ein Mal Knurren, rren verdann sorge ich dafür, dass Sie nie wieder einen Fuß in diese Schule setzen."
Rasch zog McGonagall den völlig eingeschüchterten Teenager am Arm zu sich und bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, das Weite zu suchen, was Ted sich nicht zweimal sagen ließ.
Snape machte zwar keine Anstalten, den davon eilenden Werwolf aufzuhalten, doch sein angesäuerter Gesichtsausdruck sprach Bände.
„In diesem Fall werde ich mich von der feierlichen Zeremonie in der Großen Halle entschuldigen", sagte er zu McGonagall. „Ich ziehe es vor einen – gewissen – Vorrat an Wolfsbanntrank zu brauen, für alle Eventualitäten."
…::…
Severus Snape wandte sich gerade zum Gehen, als sich ein kurzer Zauberstab tief in den Wollstoff seines schwarzen Mantels bohrte, gerade da, wo man das Herz des Tränkemeisters vermuten würde.
„So viel Angst vor einem jungen Werwolf, Severus?" Entschlossen hielt Seraina Weasley ihren Zauberstab umklammert, die braunen Augen der Hexe blitzten kampflustig.
Snape betrachte die Angreiferin von oben herab – die drohende Geste schien ihn nicht sonderlich zu beunruhigen.
McGonagall war nicht in der Lage, sich einen Reim auf die Situation zu machen, aber dies ging entschieden zu weit: „Ms Weasley! Ich darf Sie sehr bitten! Wir brauchen unseren Tränkemeister noch."
Doch die kleine rothaarige Hexe mochte noch nicht den Rückzug antreten. Trotzig reckte sie ihr Kinn vor, die freie Hand zur Faust geballt, schaute sie den Tränkemeister herausfordernd an.
Auch wenn sich die Spitze des Zauberstabes bereits tief in den Stoff seines Mantels gedrückt hatte, lehnte sich Snape langsam weiter nach vorn, bis der Zauberstab der Hexe fast zu brechen drohte.
Ms Weasley zog ihren Stab unsicher zurück – anscheinend war die Kampfeslust der Hexe binnen weniger Sekunden verebbt.
Snape lächelte wissend, verlagerte sein Gewicht auf die Fußballen und fixierte einen Punkt in der Ferne, was recht einfach möglich war, da ihm – wohlwollend betrachtet – die kleine Hexe gerade bis zur Schulter reichte.
„Seraina Weasley", dozierte er mit amüsiertem Unterton, „die jämmerlichste Duellantin auf dem weiten Erdenrund. Sei unbesorgt, Minerva, sie könnte keiner Fliege etwas zu leide tun."
Seraina verstaute ihren Zauberstab beleidigt in einer ihrer Manteltaschen. „Fliege? Ich bitte dich, Severus! Hast du die Begebenheit mit der Kakerlake vergessen? Sie war mausetot. MAUSETOT!"
„Mausetot, in der Tat", sagte Snape ungerührt, „nach drei erfolglosen Versuchen –"
„– sie war riesengroß! Und flink! Und sie hatte einen wirklich dicken … Panzer. Warum war sie so fürchterlich schnell, Severus?"
„Weil sie eine Kakerlake war – und du sie töten wolltest, nehme ich an." Snape schüttelte den Kopf, dann wandte er sich an McGonagall, die ratlos das Wortgefecht zwischen den beiden verfolgt hatte: „Ich habe im Kerker zu tun… Gute Nacht!"
„Aber du bist Hauslehrer für Slytherin", rief McGonagall dem davon eilenden Tränkemeister hinterher. „Du kannst der Sortierung nicht einfach fernbleiben."
Doch der Tränkemeister winkte nur ab.
„Es tut mir leid, aber ich denke, er kommt nicht." Seraina schaute sichtlich betroffen, doch dann zuckte sie mit den Schultern und fügte hinzu: „Ich dachte, ich könnte ihn festnageln und anschließend zur großen Show schleifen."
„Das braucht Ihnen nicht leid zu tun", sagte McGonagall, „Er ist etwas – schwierig."
Lächelnd erwiderte die rothaarige Hexe: „Ich weiß."
Gemeinsam folgten die zwei Hexen den letzten Schülern ins Schloss, um der Sortierzeremonie beizuwohnen.
…::..
A/N: Kaum hat man den Tränkemeister mal in die Story geschleift, spielt er auch schon wieder die beleidigte Leberwurst und verdrückt sich :-(
