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Missing you – Tyler Hilton
And I ain't missin' you at all
Since you've been gone...Away
I ain't missin' you
No matter what I might say
There's a message in the wires
And I am sendin' you a signal tonight
You don't know how desperate I've become
And It looks like I'm loosin' this fight
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9. Kapitel – Alles wird gut?
Caitlin konnte nicht ganz glauben, was hier gerade passierte. Seit sie Tony erneut verlassen hatte, träumte sie jede Nacht von ihm. Und deswegen erschien es ihr gar nicht so unmöglich, dass sie das alles hier doch nur träumte. Obwohl Anthony DiNozzo so vollkommen real aussah, war es sehr schwer zu begreifen. Kate war geflohen und dennoch hatte sie Tony in ihren Träumen seither keine Minute vergessen können. Jede Nacht war sie bei ihm gewesen und hatte seine Nähe gespürt. Und das fühlte sich jetzt ebenso an. War es ernsthaft die Wirklichkeit?
Kate brachte kein einziges Wort über ihre Lippen, so überrascht war sie von dieser Situation. Sie hatte es durchaus für möglich gehalten, dass Tony sie irgendwann finden würde, aber nicht so schnell. Und da stand er nun. In seiner ganzen Pracht und wollte mit ihr reden. Einfach nur reden. Und er wirkte wirklich nicht besonders wütend oder sauer. Eigentlich hatte Kate damit gerechnet, dass er sie anschreien würde. Was sie sich damals eigentlich gedacht hatte. Warum sie ihm nichts von seiner Tochter gesagt hatte. Aber Tony schien die Ruhe selbst zu sein.
„Du bist wirklich hier", hauchte Kate und schloss für wenige Sekunden ihre Augen und schlug sie dann auch schon wieder auf. Falls es doch ein Traum war, würde sie es jetzt sofort wissen. Tony stand immer noch dort; sogar noch näher bei ihr, da er sich in den wenigen Sekunden scheinbar noch mehr angenähert hatte. Nun konnte sie auch seinen atemberaubenden Duft riechen. Ja, er hatte schon immer wunderbar gerochen und irgendwie roch er nun sogar noch besser. Vielleicht bildete Kate sich das aber auch nur ein, weil sie froh war, ihn zu sehen.
Anthony DiNozzo nickte. „Natürlich bin ich hier", versicherte er ihr und sah sie prüfend an. Kate konnte zwar keine Wut entdecken, aber sie war sich auch nicht so sicher, ob er wirklich froh war, sie zu sehen. Ob er sie vermisst hatte. Bevor sie abgehauen war, hatte sie ihm gesagt, dass sie ihn liebte. Vermutlich, oder sehr wahrscheinlich, zweifelte er an der Wahrheit ihrer Worte. Doch da war Kate nun wirklich selbst Schuld. Sie hätte sich den Dingen anders stellen können, dann wäre vielleicht noch alles gut. Oder eben auch nicht.
„Hast du geglaubt, ich würde dich", er hielt einen Moment inne und schüttelte dann seinen Kopf. „euch", verbesserte der Agent sich selbst und sprach dann rasch weiter „nicht suchen?" Ein Funke purer Verletztheit war in seinen Augen zu erkennen. Was er vor wenigen Wochen erfahren hatte, war nicht unbedingt leichte Kost gewesen. Man erfuhr ja nicht jeden Tag, dass die College-Freundin schwanger gewesen war und einen deswegen verlassen hatte. Ja, Caitlin würde es absolut verstehen, wenn er sauer war. Immerhin schien er ja noch mit ihr zu reden.
„Ich habe eigentlich fest damit gerechnet, dass du das machen würdest, Tony", sagte Kate und lächelte sachte. So schnell gab er nicht unbedingt auf. Damals schien er es gemacht zu haben, aber scheinbar war nur Kate so dumm und hatte denselben Fehler gleich zweimal gemacht. Tony war wirklich sehr viel klüger, als er es sich selbst eingestehen wollte. Gott, noch ein Grund, weswegen sie ihn liebte. Aber diese Chance hatte Kate verspielt. Sie musste jetzt hoffen, dass Tony ihr vielleicht wenigstens irgendwann halbwegs verzeihen würde. Irgendwann.
„Na dann, lass uns reden, Kate. Wir haben einiges, was wir besprechen müssen", meinte Tony und legte dabei seinen Kopf schief. Man sah ihm an, dass ihm einiges durch den Kopf ging, worüber er sich seine Gedanken machte. Kate nickte langsam und führte Tony dann in den Garten. Das Gespräch musste ja nicht unbedingt jeder im Haus mitbekommen. Es war doch sehr privat und Sophia würde noch sehr viel von ihrem Vater haben. Hoffte Kate zumindest.
„Hier können wir in Ruhe reden…", murmelte Caitlin und setzte sich auf eine der alten Schaukeln und blickte Tony an. Sie liebte ihn wirklich, aber dennoch war ihre Angst vor wenigen Wochen stärker gewesen. Und in dem einen Moment war einem gar nicht klar, was man alles kaputt machen würde. Kate hatte es erneut nicht bemerkt und jetzt kam sie sich wirklich recht dumm vor. Tony war doch ein wunderbarer Mann. Soweit sie das sagen konnte, hatte er sich doch noch gut entwickelt. Obwohl Kate das vor über neun Jahren nicht für möglich gehalten hatte.
„Du hasst mich jetzt sicher, oder?", fragte sie und biss sich dabei auf ihre Unterlippe. Kate spürte genau, dass sie den Tränen nahe war, aber weinen wollte sie nun wirklich nicht. Obwohl sie Tony so vielleicht zeigen könnte, dass sie ihre Entscheidung nun schon wieder bereute. Unglaublich bereute. Kate hasste sich selbst dafür, dass sie nicht etwas stärker und mutiger war. Sie hätte es ihm doch einfach ins Gesicht sagen können und abwarten. Doch getan hatte sie es nicht. Leider.
Tony setzte sich schweigend auf die Schaukel neben Kate und blickte sie nachdenklich an. Zunächst sagte er kein Wort, dann sprach er aber endlich. „Nein. Ich hasse dich nicht", flüsterte er und seufzte. „Ich liebe dich. Nach wie vor, obwohl es sich nun doch etwas komisch anfühlt", gestand er und runzelte dabei seine Stirn.
„Im einen Moment sagst du mir, dass du mich liebst und dann bist du weg. Alles was noch da ist, ist ein Brief, indem steht, dass ich der Vater deiner Tochter bin", sagte er und blickte Kate dabei tief in die Augen. „Für einige Minuten habe ich dich vermutlich wirklich gehasst. Weil du mich so einfach verlassen hast, ohne mir etwas von deiner Schwangerschaft zu sagen; weil ich mich wieder in dich verliebt habe und du mich erneut verlassen hast."
Für einige Sekunden kehrte wieder Stille ein. Tony schien nach den passenden Worten zu suchen oder vielleicht musste er ja auch einfach nur seine Gedanken ordnen. „Aber so schnell die Wut kam, ging sie auch wieder", sagte Tony und zuckte mit seinen Schultern.
„Wir waren so jung, Tony", murmelte Kate und senkte ihren Kopf. „Du sollst erfahren, warum ich dich verlassen habe, ohne dir etwas von der Schwangerschaft zu sagen", meinte sie nun und blickte ihn wieder an. Wenigstens nun musste sie ihm dabei in die Augen sehen. „Du weißt ja selbst, wie du damals warst, Tony. Gott, ich hatte einfach verdammt viel Angst, als ich es dann bemerkt habe. Und ich habe einfach befürchtet, dass du niemals erwachsen werden würdest. Deswegen habe ich mich einfach von dir getrennt", erklärte Kate und dann kullerten doch einige Tränen über ihre Wangen.
„Irgendwie kann ich dich sogar verstehen, Kate", sprach Tony und sie sah ihn dabei überrascht und total geschockt an. Wie, er konnte das verstehen? Das hatte Kate jetzt wirklich nicht für möglich gehalten. Andererseits hatte er sich ja wirklich verändert und war erwachsen geworden.
„Ich war damals ein totaler Idiot und vielleicht wäre ich niemals erwachsen geworden, wenn du mich nicht verlassen hättest", gestand er und sah dann zum Haus von Kates Eltern. „Ich habe angefangen nachzudenken, nachdem du weg warst. Ich wollte es verstehen und...irgendwie hat mich das verändert, Kate."
Caitlin sah Tony wirklich fassungslos an. Hatte sich Tony vor allem deswegen zu etwas Gutem entwickeln können, weil sie ihn damals verlassen hatte? Aber selbst, wenn es wirklich so war, dann war es keine Entschuldigung. Sie hätte es Tony damals sagen müssen. So oder so. „Tony...", setzte Kate an und verstummte dann wieder. Es war falsch gewesen und das musste Kate sich eingestehen. Sie war nicht perfekt und hatte in ihrem Leben viele Fehler gemacht. Einen weiteren erst vor zwei Wochen.
„Es tut mir so leid. Wahnsinnig leid. Du musst es mir glauben", flehte sie und weitere Tränen kullerten über ihre Wange. Eine Entschuldigung war wirklich überfällig. Eine persönliche. Tony verdiente sie. Zum einen, weil er nun wirklich ein toller Kerl war und, weil er Sophias Vater war. Ihre Tochter wollte ihren Vater kennen lernen und deswegen wollte Kate ihn nicht verscheuchen. Vermutlich konnte sie das zwar eh nicht, aber riskieren wollte sie es nicht.
„Kate", sagte Tony und griff dabei nach ihrer Hand. Er hielt sie fest in seiner Hand und sagte dabei erneut ihren Namen. Sanfter als zuvor und gleichzeitig auch noch etwas eindringlicher. „Sieh mich bitte an, Kate", bat er sie und wenige Sekunden später drehte sie ihren Kopf wieder in seine Richtung. Würde Tony ihr verzeihen? In diesem Moment vermutlich noch nicht, dafür war es einfach noch viel zu frisch. Aber zumindest wissen musste er, wie wahnsinnig sie alles bereute.
Zärtlich strich Tonys Daumen über ihren Handrücken und dabei blickte er Kate tief in die Augen. „Ich bin dir nicht einmal wirklich böse. Nicht so richtig zumindest. Ich denke, dass du selbst weißt, wie falsch das damals war. Immerhin sehe ich es in deinen Augen, Kate", versicherte er ihr und legte seine andere Hand an ihre Wange.
„Du bist mir nicht böse? Tony, du solltest mich hassen! Ich hasse mich selbst dafür, was ich dir angetan habe!", schrie sie beinahe und schloss dann ihre Augen. Sie konnte es kaum ertragen, dass Tony sie so ansah. Voller Liebe und nicht voller Wut. Andererseits war es doch genau das, was Kate sich wünschen sollte. Tony war nicht wütend und würde ihr vielleicht noch eine Chance geben, wenn sie Glück hatte.
„Ich liebe dich, Kate. Du bist die einzige, die ich jemals geliebt habe und deswegen kann ich dir fast nicht böse sein. Hassen könnte ich dich niemals. Für gar nichts", meinte er und streichelte ihre Wange. Kate wollte sich einfach fallen lassen. Seine Hand an ihrer Wange fühlte sich einfach himmlisch an. So gut.
„Öffne deine Augen, Caitlin", bat der Agent und Kate machte es sofort. Seiner Stimme konnte sie einfach nicht widerstehen.
„Liebst du mich?", wollte er nun wissen und sah Kate dabei fragend an. Scheinbar wusste er nicht ganz, ob er daran zweifeln sollte. Sicher hatten ihre Worte sich für ihn sehr echt angehört, weil sie es gewesen waren. Aber ihre erneute Flucht hatte sicher nicht ganz danach ausgesehen. Nein, Kate konnte ihm diese Frage nicht verübeln. Sie war berechtigt und er würde auch eine Antwort bekommen.
„Natürlich liebe ich dich, Tony!", bekräftigte sie und legte ihre Hand dann an seine Wange. Diese hatte er wohl schon ein oder zwei Tage nicht mehr rasiert, da Kate einige Stoppeln deutlich spüren konnte. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich liebe. Ich habe dich all die Jahre nicht vergessen. Immer, wenn ich Sophia angesehen habe, warst da auch du", antwortete sie und lächelte Tony an.
„Ich habe meine Worte ernst gemeint, als ich sie dir gesagt habe. Ich liebe dich", sagte sie erneut.
„Und ich liebe dich" Bevor Kate reagieren konnte, presste Tony rasch seine Lippen auf die von Kate. Voller Leidenschaft und Verlangen. Caitlin nahm an, dass sie das als ein gutes Zeichen deuten konnte. Tony war nicht wütend auf sie und vielleicht würde er ihr wirklich eine weitere Chance geben. Auf einmal schlug ihr Herz hektisch und sie fürchtete, dass es jeden Moment aus ihrer Brust springen könnte.
Widerwillig beendete Kate den Kuss und sah Tony sofort in die Augen. Diese blickten sie voller Liebe an. Würde er ihr wirklich vergeben und eine weitere Chance geben? „...okay. Wo stehen wir jetzt, Tony?", wollte sie wissen und biss sich dabei wieder auf ihre Unterlippe. Es wäre wirklich zu schön, wenn Tony ihr verzeihen würde. Dieses Mal würde sie alles tun, um ihm ihre Liebe zu beweisen. Immerhin stand nun auch nicht mehr so viel im Weg. DiNozzo wusste von seiner Tochter und Kate würde bald eine geschiedene Frau sein.
„Du liebst mich, ich liebe dich und wir haben eine Tochter. Kannst du dir jetzt eine Zukunft mit mir vorstellen, Kate? Ich bin nicht mehr derselbe Idiot, wie damals auf dem College. Ich werde Verantwortung für Sophia übernehmen und ihr ein Vater sein, wenn du es möchtest. Und wenn sie es auch möchte", erläuterte Anthony.
Während Tony sprach, hielt Kate die Luft an und konnte es dann wirklich nicht fassen. Weitere, dickere Tränen kullerten über ihre Wangen, als sie seine Frage hörte. Tony wollte ihr also wirklich eine weitere Chance geben! Die neuen Tränen waren eindeutig Freudentränen. Endlich, nach fast 10 Jahren würden Tony und sie noch eine Chance bekommen. Und diesmal würde Kate es nicht wieder versauen.
Voller Freude küsste Caitlin ihn erneut und beendete ihn dann auch wieder ziemlich schnell. Freudestrahlend sah sie Tony an und nickte dabei. „Ja, ich kann mir wirklich eine Zukunft mit dir vorstellen. Ich würde eine gemeinsame Zukunft mehr als toll finden. Und Sophia sicher auch. Ich habe ihr inzwischen alles über dich erzählt. Sie weiß nun, wer du bist und kann es kaum abwarten, dich endlich zu sehen. Sie will ihren Daddy endlich kennen lernen.", äußerte sie.
„Ich kann es auch kaum mehr abwarten, sie endlich kennen zu lernen", sagte Tony und blickte dabei einen Moment zum Haus. Sicher ahnte er schon, dass sie dort schlief.
„Ich werde ihr gleich morgen früh sagen, dass du hier bist und sie sehen willst. Sicher wird sie sich freuen, aber vielleicht wird sie anfangs auch noch etwas schüchtern sein...es ist ja für euch beide neu und ihr müsst euch erst richtig kennen lernen", sagte sie leise und seufzte. Das war ihre Schuld. Weil sie damals so dumm gewesen war, konnten sie sich jetzt erst richtig kennen lernen.
„Mach dir nicht so viele Sorgen, Kate. Sophia und ich werden das schon hinbekommen. Da bin ich mir ganz sicher. Mit etwas Zeit und Geduld, bekommen wir das hin", versicherte DiNozzo und lächelte Kate zuversichtlich an. Auch das war eine Eigenschaft, die Kate liebte. Er konnte so wahnsinnig zuversichtlich sein. Nicht viele Menschen besaßen diese Eigenschaft.
„Ich weiß. Sie wird dich lieben und du wirst sie lieben. Man kann dich nur lieben", hauchte Caitlin und schmiegte sich an Tony. Jetzt würden sie tatsächlich noch eine gemeinsame Zukunft bekommen. Vor einigen Jahren hatte Kate sich das wirklich nicht vorstellen können. Sie hatte Tony aus Angst verlassen und es dann bereut. Nun kannte er endlich die Wahrheit und obwohl Kate denselben Fehler erneut gemacht hatte, wollte Anthony sie noch immer.
Liebevoll strich Tony über Kates Rücken und schloss dabei selbst seine Augen. Das Schicksal hatte es nun doch noch gut mit ihnen gemeint. Um ein Haar wäre fast wieder alles schief gegangen und nun würden sie es doch noch schaffen. Zwar hatte es auf diesem Weg Opfer gegeben, aber vermutlich war das nicht zu vermeiden gewesen.
Jetzt waren alle Hindernisse beseitigt und sie konnten zusammen sein. Nichts und niemand würde sie mehr auseinander bringen. Da war Kate sich vollkommen sicher. Jetzt würde alles gut werden. Tony und sie würden zusammen sein und Sophia würde ihren Vater endlich kennen lernen. Und die Zukunft würde hoffentlich noch um einiges besser verlaufen.
Vielleicht würden sie ja sogar heiraten? Früher wäre Tony nicht unbedingt der Mann für eine Hochzeit gewesen, aber er war nicht mehr derselbe. Schon damals hatte er eine Beziehung mit ihr gewollt und nur wegen der Schwangerschaft hatte Kate ihn damals verlassen. Heute war einfach alles anders. Tony wollte die volle Verantwortung übernehmen. Und deswegen würden sie alles schaffen, was sie schaffen wollten.
Ihre gemeinsame Zukunft hatte genau jetzt angefangen. Tony und Kate. Ihre Namen hörten sich zusammen so unglaublich an. Sie gehörten eindeutig zusammen und endlich waren sie es.
