Kapitel 9: Gefühle einer Mutter
Viel zu schnell war der Montag gekommen und ehe sich Ted und Andromeda versahen, klingelte es an der Türe. Mit pochendem Herzen gingen sie gemeinsam hin und öffneten langsam.
„Ich bin vom Ministerium und bin der Treusorger für das Kind, welches sich in Ihrer Obhut befindet!"
Kein „Guten Tag, mein Name ist …", sondern einfach nur das, dass er hier war, um ihnen ihre Tochter zu nehmen.
„Ich wünsche, dass Sie mir ohne weitere Schwierigkeiten dieses Kind übergeben, ansonsten sehe ich mich dazu gezwungen, Sie dazu zu zwingen. Ich bin dazu berechtigt Gewalt anzuwenden, wenn es Differenzen gibt."
Mit gemischten Gefühlen übergab Andromeda das Kind. In ihrem Inneren zerriss es gerade ihr Herz, als sie das traurige Gesicht ihres Mädchens sah, wie sie versuchte sich aus dem Griff des Ministeriumsangestellten zu befreien.
Ted selbst wusste nicht wie er mit dieser Situation umzugehen hatte. Es geschah etwas, womit er nie gerechnet hatte und gehofft hatte, dass es nie passieren würde. Keine Eltern wünschten sich, dass ihr Kind von einer fremden Person mitgenommen wurde, nur weil das Ministerium es so beschlossen hatte. Richtig fühlte es sich nicht an!
Andromeda lehnte sich an die Wand und rutschte an dieser hinunter. Ihr Gesicht hatte sie in ihren Armen verborgen. Die Beine hatte sie angewinkelt. Ihr ganzer Körper zitterte, als sie zu weinen begann – lautlos, aber das Zittern verriet, wie es ihr wirklich ging.
„Wie konnte ich nur zulassen, dass sie mitgenommen wird?", gab sich Andromeda die Schuld. „Wie konnte ich mein kleines Mädchen nur im Stich lassen. Sie wird mich hassen!"
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„Habt ihr das Kind?", fragte Voldemort ungeduldig.
„Bald, mein Lord", antwortete Bellatrix. „In einer Woche ist die Verhandlung im Ministerium und was wir diesen Leuten erzählt haben, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als uns das Kind zuzusprechen."
„Wieso habt ihr euch das Balg nicht einfach geholt?", fragte Voldemort.
„Wenn Ted und Andromeda Tonks in allen Punkten schuldig gesprochen werden und das Kind uns zugesprochen wird, dann werden sie wohl eine Strafe in Askaban absitzen müssen. So können sie uns nicht mehr gefährlich werden."
„Gut durchdacht", lobte Voldemort. „Ihr könnt gehen!"
Mit einer leichten Verbeugung verließen sie den Raum und traten auf den Gang.
Rodolphus sah sie von der Seite her an. In ihrem Gesicht befand sich ein echtes Lächeln. Kein Gespieltes, kein böses, sondern ein richtiges Lächeln.
„Du freust dich überhaupt nicht, dass du deiner Schwester somit die Rache gibst, die du solange gewollt hattest?", fragte er sie.
„Ja", antwortete Bellatrix knapp. „Sie wird in Askaban schmoren. Meine Eltern werden stolz auf mich sein, dass ich es geschafft habe sie dort hinzubekommen. Sie soll leiden, lebenslang leiden und nicht durch einen Fluch den gnädigen Tod finden!"
„Ich denke, dass sie auch überrascht waren, als sie die Vorladung vorgefunden haben", sagte Rodolphus. „Sie haben uns nicht geglaubt, als wir ihnen im Park gegenüber gestanden sind."
„Wir haben doch nur die Wahrheit gesagt und keiner glaubt sie uns", meinte Bellatrix hämisch.
„Bevor wir noch mehr Zeit mit diesem Thema verschwenden … wir sollten uns auf unseren nächsten Auftrag vorbereiten. Du weißt, im Kampf gegen Auroren sollte man gewappnet sein und immer ein Ass im Ärmel haben", meinte Rodolphus und bog rechts in einen Gang, der nur noch spärlich mit vereinzelten Fackeln beleuchtet war. Es roch modrig und die Feuchtigkeit konnte man spüren.
Ein schweres Eichentor befand sie vor ihnen, als sie das Ende des Tunnels erreicht hatten und ein Duft von Blut und Schweiß stieg ihnen in die Nase. Vielleicht waren die Gefangen ja heute dazu bereit zu reden. Wenn nicht, dann mussten sie wohl noch ein bisschen nachhelfen.
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„Ich habe eine gute Neuigkeit für dich Zissy", begann Lucius und beobachtete seine Frau, wie sie hinter einem Buch erschien.
„Die wäre?"
„Deine blutsverräterische Schwester hat eine Vorladung erhalten."
„Weshalb?", fragte sie sichtlich verwirrt.
„Weil sie das Kind deiner Schwester entführt hat und sie und ihren Mann erpresste." Ein selbstgefälliges Grinsen zeichnete sich in Lucius' markantem Gesicht ab.
„Sie hat doch …", begann Narzissa, doch ihr Mann unterbrach sie.
„Ich weiß schon, dass es nicht so war. Du weißt es und andere wissen es auch. Nur das Ministerium weiß es nicht, was halt dazu geführt hatte, dass eine Verhandlung stattfinden wird, in der entschlossen wird, wer denn nun die rechtmäßigen Eltern sind. Nachdem wie es gerade aussieht, wanderte deine Schwester nach Askaban und Bellatrix kriegt das Balg."
„Jetzt will sie es also doch?", fragte Narzissa. „Sie wollte es doch nicht und wenn ich es nicht weggebracht hätte, dann hätte sie das Kind auf die Straße gesetzt oder gleich umgebracht."
„Der dunkle Lord scheint aber einen Gebrauch für das Kind zu haben und Bellatrix und Rodolphus erfüllen nur seinen Wunsch. Es ist nichts mit elterlichen Gefühlen, die sind nur da, solange das Ministerium anwesende ist."
„Der dunkle Lord will es?", fragte sie alarmiert. „Und sie wollen es ihm übergeben?"
„Sie sind eben Todesser mit Fleisch und Blut", antwortete Lucius. „Sie wissen was richtig ist." Er schwieg einen Moment. „Ich weiß zwar nicht, was genau der dunkle Lord mit dem Kind plant, aber es scheint einen wichtigen Teil bei seinen Planungen eingenommen zu haben."
Es waren also keine Muttergefühle da, was Narzissa auch schwer gewundert hätte, nach diesen vier Jahren und die Abstoßung, die sie von Anfang an empfunden hatte. Bellatrix war bereit ihr eigenes Fleisch und Blut, was sie in sich trug, wachsen spürte, dem dunklen Lord zu opfern, nur um mehr Ansehen und Macht in seinen Reihen zu erlangen.
Bellatrix war nicht weniger schlimm, als ihre männlichen Kollegen, wenn nicht sogar schlimmer, denn einer Frau, wie sie es war, schön, intelligent, elegant, traute man so eine Gewalt nicht zu. Selbst Narzissa war überrascht darüber, dass sich Bellatrix in den Reihen der Todesser perfekt etablierte.
Wieder war auch der Wunsch von Narzissa entflammt endlich ein Kind zu bekommen. Sie beneidete Bellatrix, dass diese Mutter war und bemitleidete sie, dass sie dieses Glück nicht haben wollte. Wahrscheinlich reagierte Lucius genau wie Rodolphus, wenn er erfuhr, dass sie ein Mädchen geboren hatte, aber Narzissa hätte es behalten. Alleine das Gefühl, dass in einem etwas wuchs, empfand sie als tiefe Verbindung und sie würde ein Mädchen genauso lieben wie eine Tochter. Lucius aber würde seine Tochter ignorieren, sie diskriminieren, aber einen Sohn würde er vergöttern!
