AN: ich danke dir, für deine lieben Reviews, spike. Ich hoffe, die story gefällt dir auch weiterhin, die nächsten zwei Kapitel sind dir gewidmet und dank für dein Interesse.
An alle anderen: für konstruktive Kritik hab ich immer ein Ohr offen.
Danke und einen guten Start in die Schule, für die, die noch gehen.
Kapitel 9: Training
Ich wachte in den Armen von Edward auf – irgendwie war ich eingeschlafen, ohne es zu merken…Er blickte liebevoll auf mich herab und lächelte.
„Guten Morgen, Engel.", flüsterte er und strich sanft über meine zerzausten Haare.
„Wie lange hab ich geschlafen?", fragte ich.
„Vier oder fünf Stunden…genau weiß ich es nicht, weil du mich auch zum schlafen gebracht hast…", murmelte er.
Ich legte meinen Kopf wieder zurück auf seine Kühle Brust – zu meinem Glück trug er kein T-Shirt – und kuschelte mich enger an ihn.
„Wie viel Uhr ist denn?"
Er lehnte sich etwas zur Seite und antwortete dann: „Es ist viertel vor vier."
„Morgens?"
„Ja."
Ich stöhnte leise und drehte mich etwas. „Das ist doch mitten in der Nacht."
„Bella…normale Vampire können nicht schlafen…Aber diese Jane dachte eben darüber nach, uns einen kleinen Besuch abzustatten…von daher wirst du vielleicht…ähm…etwas anziehen wollen?"
Ich wurde rot – wie ich es hasste und schälte mich aus dem Bettlaken, um das Zimmer zu durchqueren, und zum Schrank zu gehen.
Ich zog selbst eine relativ bequeme Hose und eines seiner T-Shirts an, was er mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte…Ich warf ihm auch ein T-Shirt und eine Jeans zu, sein Kommentar von wegen: „Wieso bekomme ich keins von dir?" ignorierend.
Sein T-Shirt war mir viel zu groß, was auch seine Vorteile haben konnte, wie ich bemerkte, als ich seine kühlen Finger auf meinem Bauch spürte, als ich gerade mal eine Sekunde lang wieder auf dem Bett saß.
„Weißt du was?"
„Hmmm?"
„Du gefällst mir in meinem T-Shirt fast besser als in deinem…"
Ich lächelte und drehte meinen Kopf etwas, um ihn abermals zu küssen...Edward erwiderte den Kuss zwar, dennoch dauerte er nicht sehr lange, weil Edward mich sanft auf seine Arme nahm und ins Nebenzimmer trug, wo er mich auf seinem Schoß absetzte, als er sich auf einen der Sessel gesetzt hatte.
In diesem Moment klopfte es.
„Herein?"
Wie zu erwarten waren es Jane und Jason…
„Hey…ich hoffe, wir stören nicht?", meinte sie und sah mich prüfend an.
„Nein, tut ihr nicht.", entwarnte ich. Edward sah mich neckisch an und grinste.
„Setzt euch doch.", meinte er und wies auf den freien Sessel. Jane und Jason kopierten unsere Sitzposition.
„Wie gefällt es euch hier?", fragte Jane.
„Gut…Ich hoffe, Louis kann mir helfen.", murmelte ich.
„Das wird er.", Jane war zuversichtlich. „Ich kenne ihn…er hat bis jetzt so ziemlich jedes Problem aus dem Weg geschafft."
„Seit wann bist du Vampir, Bella…Du bist noch sehr jung.", bemerkte Jason.
Ich lächelte. „Das stimmt…ich wurde erst vor 2 Monaten verwandelt."
„Hast du sie verwandelt?"
Edward nickte. „Ja, ich musste…sie lag im Sterben."
Eine Weile wusste niemand so recht, was er sagen sollte, dann nahm ich das Gespräch wieder auf, indem ich es wagte, eine der Fragen zu stellen, die ich mir stellte, seitdem ich Jane das erste Mal gesehen hatte…
„Habt ihr besondere Kräfte?"
Beide nickten synchron. „Ich kann heilen und Jason kann die Vergangenheit sehen und abspielen…"
„Wie denn das?"
„Ich kann dir ein Ereignis der Vergangenheit zeigen und du stehst zwar an dem Ort, an dem es passiert ist, aber du kannst nicht ins Geschehene eingreifen…es ist wie ein Film…", erklärte er. „Ich kann's mal probieren…"
Er schloss die Augen und plötzlich waren wir im Krankenhaus von Forks, eines der Gebäude, das ich nach meinem Geschmack viel zu oft von innen gesehen hatte.
Ich erkannte das Zimmer – es war meines gewesen, auf der Intensivstation.
Edward saß an meinem Bett…und im Bett lag ich…oder besser ein früheres Ich…eine sterbliche Bella…Mein Gesicht war eingefallen und blass und Edward wich keine Minute von meiner Seite…
Dann machten wir einen Zeitsprung und waren in Arizona…in unserem früheren Haus…ich war fünf und mit Renée am Strand…Es war ihr Geburtstag – der Tag, an dem ich schwimmen lernte…
Wieder ein Zeitsprung und wir waren in New York…Es war wieder eine Erinnerung an die Zeit mit meiner Mutter…Wir hatten eine Rundreise durch halb Amerika gemacht und standen nun vor den Trümmern des World Trade Centers…Es war nur einige Tage nach dem großen Anschlag von 9/11 gewesen und das war eines der wenigen Male, da ich gebetet hatte…
„Kannst du auch die Zukunft zeigen?", fragte ich leise.
„Ja, aber nur, wenn jemand, der die Zukunft sehen kann, im Raum ist…ich kann nur die Visionen abspielen…", antwortete er.
„Und die Gegenwart?"
Zur Antwort schloss er wieder die Augen und wir waren in Irland…Rose und Emmet standen alleine an einem riesigen See, sie hatte eine weiße Blume im Haar und seine Jacke an. Ihre Hände waren ineinander verschlungen und sie blickten – beide tief in Gedanken – über das Wasser.
Dann sprangen wir wieder…Diesmal – und mich traf fast der Schlag bei dem Anblick – war es unsere alte Küche. Charlie saß am Tisch und las Zeitung…wann hatte er jemals Zeitung gelesen…? Er sah müde aus, aber er wirkte auch erholter und gesünder als das letzte Mal, als ich ihn gesehen hatte.
Mit einem Mal waren wir in der Küche meiner Mutter. Renée saß ebenfalls auf einem Stuhl, ihre Hand auf ihrem 4-Monate-Bauch und Phil stand neben ihr.
„Meinst du, sie wäre glücklich?", fragte sie leise.
„Ja. Das wäre sie…", antwortete Phil…und er drehte sich um und blickte exakt in meine Augen.
„Sagtest du nicht, sie können uns nicht sehen?"
„Das können sie nicht…aber sie spüren deine Anwesenheit…"
Meine Mutter lächelte leicht und lehnte sich an ihren Mann.
Jason schloss die Augen und wir waren wieder in unserem Zimmer.
„Es geht ihnen gut, Bella.", murmelte Edward sanft an meinem Ohr.
Ich nickte. „Ja, ich weiß…und ich bin froh darüber….Für meine Eltern bin ich an Lungenkrebs gestorben.", erklärte ich an Jane und Jason gewandt.
Jane nickte verstehend. „Und jetzt wolltest du wissen, ob sie es verkraftet haben."
„Ja."
Wir saßen noch eine ganze Weile so da und redeten über alles mögliche…Jane erzählte große Teile ihrer Geschichte:
„Ich fand ihn alleine an der Küste und verliebte mich sofort in ihn. Er fand irgendwann auch heraus, dass ich ein Vampir war und anstatt zu gehen, was für ihn wohl wesentlich gesünder gewesen wäre, blieb er bei mir und irgendwann verunglückte er mit dem Auto…Ich brachte ihn zu Louis, den ich bat, Jason zu verwandeln, was er auch tat…seitdem sind wir zusammen."
„Wart ihr immer hier?", fragte Edward.
„Nein…es gab eine ganze Zeit, in der wir quer durch Europa gereist sind – auch in Volterra waren wir…Die Volturi waren ganz angetan von unseren Kräften, aber weder ich noch Jason kann so leben…wir ernähren uns wie ihr ausschließlich von Tierblut."
Carlisle POV
Ich seufzte leise, als ich mich in den großen Sessel mitten in unserem Wohnzimmer fallen ließ. Esme lächelte leicht, als sie sich vom Bücherregal, in dem sie gerade noch gestöbert hatte zu mir umdrehte.
„Meinst du, Louis wird Bella helfen können?", fragte sie.
Ich nickte. „Ja, das denke ich…Louis hat genau die gleichen Kräfte wie sie, nur werden sie bei ihr etwas stärker sein, weil er nur Halbvampir ist…"
Esme zog ein Buch aus dem Regal und kam auf die Sofaecke des Zimmers zu. Ich streckte meine Hand nach ihr aus und zog sie sanft auf meinen Schoß, wo sie ihren Kopf auf meine Schulter legte.
„Ich weiß nicht genau, was ich von ihm halten soll.", murmelte sie leise.
„Das weiß ich immer noch nicht und ich kenne ihn schon einige Jahre lang.", entgegnete ich…Es war sehr ungewöhnlich, wenn Esme jemandem nicht sofort vertraute, oder wenigstens versuchte, die guten Eigenschaften in einer Person zu sehen.
„Ich weiß auch nicht….Irgendwas an ihm kommt mir komisch vor.", fuhr sie fort und ich sah sie lange an.
„Ich verstehe…Aber du wirst jetzt nicht sagen können, was es ist – falls es überhaupt etwas ist – deshalb schlage ich dir vor, einfach den Urlaub zu genießen…", mit diesen Worten küsste ich sanft ihre Halsbeuge, was bei ihr das vertraute Zischen verursachte, als ich über die feinen Narben fuhr, die meine Zähne dort vor so vielen Jahren hinterlassen hatten….
Bella POV
Die nächste Woche übte ich täglich mehrere Stunden mit Louis zusammen und wurde langsam richtig gut. Ich konnte jetzt verschiedene Gegenstände zu mir „rufen" und in andere Zimmer befördern, ich konnte mich selbst unsichtbar machen, aber auch nur für zwei oder drei Minuten und ich konnte mein Aussehen für wenige Sekunden komplett verändern…
Womit ich sehr große Probleme hatte, war andere Vampire zu verändern…Ich schaffte es zum Beispiel nicht, Jane unsichtbar zu machen und schon gar nicht bekam ich es hin, ihren Willen zu verändern und sie das tun zu lassen, was ich wollte…
Ich hatte Louis gefragt, warum mir das kurz nach meiner Verwandlung leichter gefallen war und er hatte es sich so erklärt, dass ich damals noch eine falsche Technik gehabt hatte…deshalb war ich auch so schnell müde geworden…
Aber jetzt schaffte ich es, bis zu 6 Stunden durch zu üben, ohne zusammen zu klappen.
Edward POV
Ich genoss die Zeit, die ich mit Bella verbrachte sehr und wurde mir mit jeder Sekunde sicherer in dem Entschluss, sie zu bitten, meine Frau zu werden…
Sie war mit Abstand das Beste was mir jemals passiert war und ich konnte immer noch nicht glauben, wie ich sie verdienen konnte…Wie es möglich war, dass jemand wie ich, ein Verdammter einen Engel wie sie es war verdient hatte…
Gegen Anfang der zweiten Woche in Arras fand Alice heraus, was ich vorhatte und sprach lange mit mir…
„Ich kann dir nur raten, es so romantisch wie möglich zu machen, Bruderherz.", meinte sie grinsend. „Ja sagen wird sie auf jeden Fall…"
Ich lächelte leicht bei der Vorstellung. „Hilfst du mir?"
„Natürlich, Edward…Und Jasper bestimmt auch."
Damit hatte die Planung begonnen….ich hatte vor, sie nach unserem Aufenthalt hier nach Paris ein zu laden und sie dort zu fragen.
Aber mit jedem Detail, über das ich mir den Kopf zerbrach wuchs die Angst, sie könnte nein sagen…
Bella POV
Wir hatten jetzt nur noch eine Woche hier und ich war einerseits traurig, weil ich vor allem in Jane und Jason sehr gute Freunde gefunden hatte, aber andererseits war ich auch froh, wieder nach Hause zu kommen…Die letzten zwei Wochen waren sehr anstrengend gewesen und ich war erschöpft von dem doch sehr harten Training als ich zu einer weiteren Stunde mit Louis ging.
Er empfing mich wieder in dem großen Raum.
„Wo ist Jane?", fragte ich leise, denn zu meiner Verwunderung war die bildhübsche Vampirfrau nicht im Zimmer.
„Sie muss etwas erledigen…Du musst leider mit mir als Versuchskaninchen vorlieb nehmen.", erklärte er und ich nickte.
„Gut konzentriere dich. Am Ende der Stunde wirst du es schaffen, mich unsichtbar zu machen."
Ich hob die Augenbrauen. „Das kann ich doch jetzt schon…"
Louis lächelte sanft. „Ich werde mich gegen deine Kräfte wehren, Bella…das kann dir nämlich auch passieren…"
Unwillkürlich musste ich schlucken….Louis war ein unglaublich mächtiger Vampir und wenn er sich noch wehren würde, würde ich mit Sicherheit todmüde aus der Stunde kommen…
Wir versuchten es fast zwei Stunden lang, bis ich es einigermaßen hinbekam, Louis durchsichtig werden zu lassen…Und noch immer war er nicht unsichtbar…
„Bella…konzentrier dich…noch ein Mal, dann kannst du gehen…", ermutigte er mich lächelnd.
Ich war am Rande meiner Kräfte…und doch…ich würde es schaffen…Ein letztes Mal fixierte ich ihn und stellte mir mit all meiner Willenskraft vor, wie er unsichtbar wurde….
In dem Moment, da Louis' Erscheinungsbild flackernd komplett verschwand, überrollte mich die Erschöpfung und ich sank zu Boden.
Edward POV
(etwas früher)
Ich war auf dem Weg um meinen Engel von den Trainingsstunden mit Louis abzuholen, als mir Jason über den Weg lief.
„Edward! Was machst du denn hier noch…ich dachte, ihr wollt das Museum ansehen?"
Ich lächelte leicht. „Die anderen, ja…Esme ist ganz verrückt nach Kunst…Aber ich bin gerade auf dem Weg zu Bella."
„Du wartest auf sie, nicht?", fragte er weiter.
Ich nickte.
„Wie schon gesagt, ich bin kein Prophet, aber ich habe gesehen, was ihr alles zusammen durch gestanden habt, Edward…Und sie liebt dich, das sehe ich in ihren Augen…Sie wird ja sagen…", murmelte er und legte seine Hand leicht auf meine Schulter.
Ich lächelte ermutigt.
„Wann willst du sie fragen?", wollte er wissen.
„Ich wollte mit ihr nach Paris fahren, wenn die anderen auf dem Heimweg sind und sie dann am Sonntag fragen.", erklärte ich.
Er nickte wissend und lächelte. „Sehr gute Idee…"
„Ich muss weiter.", entgegnete ich und er nickte abermals. „Ja, dann will ich dich mal nicht länger aufhalten…Viel Glück."
„Danke….", ich drehte mich um und ging weiter auf die Tür der Halle zu, doch als ich sie öffnete, bot sich mir ein Anblick, der mein Herz zerriss…Bella lag in Louis' Armen, ihr Gesicht errötet und ihr Atem schnell…Ich spürte, wie ein Grollen meiner Brust entwich und schmeckte den bitteren Geschmack des Gifts, das sich in meinem Mund sammelte.
Bella sah auf und erschrak, als sie mich sah.
„Edward…", murmelte sie.
„Sag nichts.", flüsterte ich und drehte mich auf dem Absatz um…Ich rannte durch die Gänge und war innerhalb von 2 Sekunden an unserem Zimmer, wo ich die Türe abschloss und meinen Koffer packte…Das war's dann wohl mit Heiratsantrag…Wie konnte sie mir das antun? Während ich im gleichen Haus bin, liegt sie in den Armen eines anderen Vampirs…Mein Herz blutete…im übertragenen Sinn…und ich keuchte bei dem Gefühl des riesigen Lochs in meiner Brust, als hätte mich tatsächlich jemand erstochen….Das Gefühl war so menschlich, so ungewohnt und doch so vertraut…das zweite Mal in meinem als Vampir war ich in der Lage, zu weinen…Nur am Rande hörte ich Bella klopfen und meinen Namen rufen…selbst das zerriss mich fast…
„Edward bitte…Lass mich doch erklären…", ich konnte hören, wie sie erstickt schluchzte.
Ich ignorierte sie und warf mir meine Tasche über die Schulter, um dann zur Tür zu gehen, diese zu öffnen und an ihr vorbei zu gehen, ohne sie noch einmal an zu sehen.
„Edward!", mit einem Satz war sie bei mir und hielt mich an der Schulter fest.
„Lass mich gehen, Bella.", murmelte ich und drehte mich ein letztes Mal zu ihr um…Ich kümmerte mich nicht darum, dass mein Blick alleine alles zeigte, was ich gerade fühlte…
Bella POV
Sein Blick brach mir das Herz…Die pechschwarzen Augen, die nun so viel Tiefe hatten, wie noch nie vorher, die eine unendliche Traurigkeit und einen Funken Wut ausstrahlten…aber das war nicht das Schlimmste…Er weinte…klare Tränen rannen ihm lautlos über die perfekten Wangen…ich wusste, dass Vampire eigentlich nicht weinen konnten und auch, dass das eigentlich keine Tränen, sondern sein Gift war…Aber das war unwichtig…der zutiefst enttäuschte und verletzte Ausdruck in den leblosen, dunklen Augen gab mir den Rest und ich ging in die Knie.
„Edward…", hauchte ich. „Bitte bleib…Es war nicht so, wie du denkst."
„Natürlich, Bella.", flüsterte er kalt, während er sich umdrehte und seine Hand meiner entzog, um zu gehen…für immer und unwiderruflich…
Ich sah ihm nach, unfähig, mich zu bewegen, das alles kam mir vor, wie ein schrecklicher Traum und doch….das viel zu vertraute Loch in meiner Brust zeigte mir mehr als alles andere, dass es wirklich war…das es echt war…Edward war gegangen – wieder…und diesmal hatte er jedes Recht dazu…
Nur verschwommen nahm ich Jane wahr, die neben mir kniete und ihre Hand auf meine Schulter legte.
Als wäre Jasper im Raum, fühlte ich mich gleich besser.
„Jason geht ihm nach, Bella.", flüsterte sie sanft. „Es wird alles gut."
„Und wie will er ihn davon überzeugen, dass ich ihn liebe?", schluchzte ich. „Edward wird nicht zurückkehren…"
„Sag das nicht…Er liebt dich…und das wird sich nicht ändern…", murmelte sie, während sie mich auf ihre schlanken Arme nahm und mich in ein Zimmer trug…Es war Gott sei dank nicht unser Zimmer, sondern das von Alice und Jasper. Ihren Blicken nach zu urteilen, wussten sie, was passiert war. Jasper versuchte mich zu beruhigen, aber das Loch in meiner Brust wuchs…
„Kannst du sie nicht heilen?", fragte Alice leise an Jane gewandt.
Jane POV
„Nein.", murmelte ich. Dagegen konnten selbst die größten Heilkräfte nichts ausrichten…Ich konnte Bellas Schmerz spüren, genau wie Jasper und obwohl ich mit aller Kraft versuchte, ihr die Schmerzen abzunehmen, klappte es nicht...oder jedenfalls nur zum Teil…Ich vertraute darauf, dass Jason Edward finden würde und ihn davon abhalten würde, etwas dummes zu tun…
Jasper verließ nach einiger Zeit mit einem unendlich gequälten Gesichtsausdruck das Zimmer, einfach weil er, genau wie sie, die volle Stärke ihres Schmerzes abbekam…
Nach ein paar Stunden hatte sich Bella einigermaßen beruhigt und ich strich nur noch dann und wann sanft über ihre wallenden Locken, die in einer Welle ihr Gesicht umrahmten…Sie schaffte es irgendwann, einzuschlafen und wir ließen sie eine Weile lang alleine.
Jason POV
Ich folgte seinen Spuren schon über 3 Stunden lang, aber er schien kein wirkliches Ziel zu haben…Wenn Jane doch hier wäre…Sie könnte ihn viel schneller finden, als ich, weil sie eine weitere besondere Gabe hatte, die es ihr ermöglichte, jeden Vampir, den sie kannte, innerhalb kürzester Zeit zu finden…Aber ich wusste, dass sie erst einmal bei Bella bleiben wollte, um die junge Frau zu beruhigen…Ich konnte mir kaum vorstellen, in dieser Situation zu sein, natürlich hatten ich und Jane uns öfters gestritten, aber ich hatte niemals auch nur daran gedacht, sie zu verlassen, dafür liebte ich sie viel zu sehr…und doch…Ich glaubte zu wissen, dass Edward Bella mindestens genau so liebte, wie ich meine Jane…Und deshalb war er gegangen…
In diesem Moment riss das Klingeln meines Handys mich aus meinen Gedanken.
Es war Jane.
„Er ist in Orleans.", meinte sie.
„Danke.", sagte ich und bog auf die Schnellstraße nach Orleans ab. „Wie geht es ihr?"
„Sie schläft…"
„Ich beeil mich."
„Viel Glück – ich liebe dich.", murmelte sie leise.
„Ich liebe dich auch, Sternkind…" (nur für dich, Jane.), flüsterte ich, bevor ich auflegte.
Ich fand Edward eine Stunde später in der Kirche von Orleans…Es war eine riesige Kathedrale mit unglaublich schönen Fenstern.
„Edward…", murmelte ich, als ich eine Hand auf seine Schulter legte.
Er sah mich mit leerem Blick an.
„Es ist definitiv nicht so, wie du denkst…"
Er lachte leblos. „Wie denn dann…Ich habe sie gesehen, Jason…"
„Ich weiß…aber du hast nicht gesehen, dass sie sich geküsst haben…Das liegt daran, dass sie das nie getan haben…", versuchte ich es weiter.
„Ich glaube dir nicht, Jason."
„Dann lass mich es dir zeigen…"
Bella POV
Als ich aufwachte, war ich allein…Ich hatte einen Entschluss gefasst…Wenn Edward nicht mehr hier war, war mein Leben, meine Existenz sinnlos…Ich würde den Pfad einschlagen, den er nicht einschlagen konnte…Mein ganzer Körper fühlte sich stumpf an – leblos (was er ja in gewisser Weise war)…Ich spürte Schmerz…aber nur unterschwellig…Das alles kam mir vor, wie ein unglaubliches Déjà-vu…Ich packte meine Tasche – genau wie er es vor einigen Stunden getan hatte – und ging…
Ein Auto hatte ich mir schnell besorgt und 20 Minuten später fuhr ich mit Hochgeschwindigkeit in Richtung Calais…Ich würde mich nicht den Volturi vorwerfen, sondern meinem jetzt größten Feind – Jacob…Es hatte eine Ironie, die ich nicht ignorieren konnte….immer wenn Edward gegangen war, ging ich zu Jacob…Aber diesmal nicht, um mich auffangen zu lassen, sondern eher, um nicht das zu fühlen, was ich momentan fühlte. Um nichts mehr zu spüren, nicht mehr denken zu müssen und ewigen Frieden zu finden…
Weitere 4 Stunden später kam ich am Flughafen Heathrow an – es war stockdunkel und so fiel ich nicht weiter auf.
„Ich brauche einen Flug nach Seattle.", sagte ich zu dem Flughafenangestellten, der leicht verwirrt von seinem Computerbildschirm aufsah…Der Flughafen war fast leer nur hier und da waren ein paar Reisende, die auf ihren Flug warteten – logisch um halb 5 in der Nacht…
„Wann wollen Sie fliegen?", fragte er, nachdem er mich einige Sekunden lang gemustert hatte.
„So schnell es geht."
Er zog eine Augenbraue hoch und tippte etwas, dann sah er mit einem Lächeln zu mir auf. „Sie haben Glück…der nächste Flug fliegt noch heute…Aber sie werden einige Stunden warten müssen…", murmelte er.
„Wie lange?"
„8 Stunden."
„Haben Sie keinen früheren Flug?"
„Nein, Miss…tut mir leid…Aber dort hinten sind ein paar Restaurants, da können Sie sich etwas zu essen holen…"
Ich lächelte leicht. „Zum Glück bin ich nicht hungrig."
Natürlich hatte er die Zweideutigkeit nicht verstanden und erwiderte folglich auch nicht viel…
Er gab mir mein Ticket, ich dankte ihm und begab mich in die Warteräume.
Jane POV
Wir saßen in Carlisles und Esmes Zimmer und erzählten den Beiden gerade, was passiert war. Esmes Gesicht sah sehr bestürzt aus, fast schon, als würde sie mit ihrem Sohn mitleiden…
Carlisle war eher ruhig.
„Er will nach Voterra…die Volturi werden ihn nicht noch mal verschonen, wenn er sich anmaßt, einen Auftritt wie das letzte Mal hinzulegen.", murmelte er.
„Jason hat ihn gefunden.", beruhigte ich die etwas panische Esme. „Wir können jetzt nichts tun, außer warten…"
„Wo ist Bella…?", fragte sie.
„Sie schläft.", antwortete Alice.
Bella POV
Ich wartete schon 5 oder 6 Stunden, in denen der Flughafen zunehmend voller geworden war…Erst jetzt bemerkte ich das vertraute Brennen in meiner Kehle, aber ich ignorierte es…
„Miss?", der Flughafenbeamte von vorhin schob sich in mein Blickfeld.
„Ja?"
„Ich habe Ihnen doch noch einen Flug besorgt…", sagte er glücklich lächelnd.
Auch ich versuchte zu Lächeln, aber es war, als hätten meine Lachmuskeln die Bewegung ebenso verloren wie ich Edward verloren hatte…Ich ignorierte das Gefühl in meiner Bauchgegend wieder gekonnt und stand auf.
„Ich danke Ihnen…Ich muss unbedingt hier weg.", murmelte ich.
„Verlorene Liebe?", warum hatten diese Menschen eine so gute Menschenkenntnis…oder…was auch immer das bei Vampiren eben war….
Ich nickte knapp und nahm ihm die Karte aus der Hand.
„Sie müssen zu Terminal 5, der ist da drüben.", murmelte er. „Ihr Flug geht in 20 Minuten…Eben ist noch ein Passagier abgesprungen…"
Ich nickte. „Danke für Ihre Hilfe."
„Kein Problem, Miss…Lassen Sie sich nicht unterkriegen…"
„Sie sich auch nicht.", mit diesen Worten drehte ich mich zu Terminal 5 um, wo eine Stewardess schon auf mich wartete.
„Beeilen Sie sich, Miss…Wir starten gleich…", sagte sie und führte mich zum Rollfeld…Wir mussten darüber gehen, weil der eigentliche Passagiereingang schon wieder abmontiert war.
Ich stieg ein und sie führte mich zu meinem Platz, dann verschwand sie in ihre Kabine.
„Liebe Fahrgäste, hier spricht ihr Kapitän…Wir werden in wenigen Minuten abheben und den Flughafen Heathrow verlassen…Die Temperatur in Seattle beträgt momentan 10 Grad, wir haben starken Regen und einige Graupelschauer…Ich hoffe, Sie haben einen guten Flug, bitte wenden Sie sich bei Problemen vertrauensvoll an die Mitglieder Ihrer Crew."
Ich hörte nicht mehr zu, als die Stewardess, die sich als Anne vorstellte, erklärte, wo die Sicherheitsausgänge und die Schwimmwesten waren…Als Unsterbliche musste ich das nun wirklich nicht wissen…
Wir waren vielleicht 20 Minuten in der Luft, als eine Stewardess in meine Richtung kam…Ich konnte ihr Gesicht erst erkennen, als sie zu mir hinab sah…
„Bella…Was denkst du dir?", fragte Jane mit einem strengen Blick und setzte sich auf den freien Platz neben mir. „Was um Himmels Willen sollte das…?"
„Jane, bitte lass mich in Ruhe…", flüsterte ich und sah aus dem Fenster, um ihr nicht in die Augen sehen zu müssen…
„Bella, es wird nicht klappen…dein Indianerfreund wird dich nicht umbringen, egal was du tust…", murmelte sie…In diesem Moment konnte ich es nicht mehr ignorieren, das Gefühl, dass mich von innen auffraß, seit ich seinen Blick gesehen hatte…Ich fing an zu schluchzen…
Jane strich mir beruhigend über den Rücken – ihre Nähe allein beruhigte mich…
„Jason hat Edward gefunden…Er wird ihm zeigen, was passiert ist, oder er hat es schon…Er wird zurückkommen, das verspreche ich dir…"
„Und dann…? Wird er mir je verzeihen können?", schluchzte ich.
„Bella…Edward liebt dich sehr…Er wird dir verzeihen…und wenn er bemerkt, dass das alles ein großes Missverständnis war, wird er sich auf Knien bei dir entschuldigen…Sieh mich an, Bella.", mit dem Finger hob sie mein Kinn an. „Wir werden jetzt von Seattle nach Hause fahren, da wird er auf dich warten, glaub's mir…"
Es dauerte eine Ewigkeit nach Seattle und als wir im Flug zurück saßen, fielen mir die Augen zu und mein Kopf landete auf Janes Schulter.
Edward POV
Jason berührte mich leicht am Arm und nahm mich mit in die Vergangenheit…
Wir waren wieder in dem großen Raum und Bella und Louis standen sich gegenüber…ein leises Grollen entkam meiner Brust beim Anblick von Louis, der gerade die Hand auf Bellas Arm legte.
„Bella…konzentrier dich…noch ein Mal, dann kannst du gehen…", ermutigte er sie lächelnd. Bella fixierte ihn weiter und dann, ganz langsam begann Louis zu flackern und verschwand…und Bella brach vor Erschöpfung zusammen…Fast sofort wurde Louis wieder sichtbar und eilte zu Bella, deren Wangen rot vor Anstrengung und vielleicht auch vor Triumph waren. Er beugte sich über sie um sicher zu stellen, dass sie OK war und in diesem Moment ging die Türe auf, und ein früheres Ich trat ein.
Jason, der neben mir stand sah mich an…Sein Blick schien mich förmlich zu durchbohren.
„Reicht dir das?", fragte er leise. „Glaubst du mir, Edward? Sie würde dich niemals so hintergehen…"
„Nein…", flüsterte ich. „Das würde sie nicht…"
In diesem Moment überkam mich eine Welle von neuen Gefühlen…Schuld, Scham, weil ich meinem Engel nicht vertraut hatte, Glück, weil es nun doch nicht so war, wie es schien…
Ich spürte förmlich, wie das Loch in meiner Brust anfing zu heilen…Aber gänzlich heil würde es erst sein, wenn Bella mit vergerben hatte…
