Disclaimer: - siehe Teil 1
-+- Tag der Wahrheit -+- (Teil 10)
Der August war überraschend schnell vorüber gegangen, und schon fanden sich die unzähligen Magie-Schüler im Hogwarts Express wieder. Kurz nach der Abfahrt von London hatte sich Hermione bereits umgezogen. Sie wollte bereit sein, sobald der Zug in Hogsmeade anhielt, um als eine der ersten die Kutschen nach Hogwarts zu besteigen. Harry und Ron schüttelten wegen ihrer Hektik nur den Kopf und setzten ihre Unterhaltung über die Sommerferien fort. Einige Minuten vor dem Ziel ihrer Reise legten auch sie ihre Roben an und verliessen gemeinsam mit Hermione den Zug. Es war ihnen unerklärlich, wieso sie sich so aufgedreht verhielt, schrieben es aber ihrem Lerneifer zu. Da sie ihr zu den Kutschen nachgeeilt waren, betraten sie nun zu dritt sehr früh den festlich geschmückten Esssaal.
Hermiones erster Blick galt dem Lehrertisch. Da sass er! Wie immer trug er eine schwarze Robe und sein Gesicht sah alles andere als erfreut aus. Selbst als er sie erblickte, veränderte sich der Ausdruck nicht, lediglich seine Augen blitzten erfreut auf. Es kostete sie einige Mühe, nicht ständig zu ihm herauf zu schauen, doch irgendwie schaffte sie es, ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre zwei Freunde zu lenken.
Momentan unterhielten sie sich, was sie nach Abschluss der Schule zu tun gedachten. Harry plante eine Karriere als Quidditch-Spieler, und hatte bereits in den Sommerferien sich nach einem Platz in einer Mannschaft umgehört. Ron war sich noch nicht schlüssig darüber, was er tun sollte. Vielleicht würde er sich beim Ministerium bewerben - sofern sein Arbeitsplatz möglichst weit weg von dem von Percy wäre. Als sie Hermione nach ihren Zukunftsplänen fragten, wusste sie erst nicht, was antworten. Sie würde im kommenden Jahr Mutter werden, aber das konnte sie den beiden unmöglich unterbreiten. Eigentlich hatte sie sich gar keine Pläne gemacht, aber als sie wieder ihren Blick zum Lehrertisch wandern liess, wusste sie, was sie werden wollte. "Lehrerin in Hogwarts.", gab sie zur Antwort und erntete damit verblüfftes Schweigen.
"Du willst im vollen Ernst HIER arbeiten?", fragte Harry entsetzt, "solange DER hier unterrichtet?" und zeigte auf Snape. Er konnte es nicht fassen. Ja, ihr Wunsch passte zu ihr, schliesslich lag ihr das Lernen am Herzen, aber dass sie ihrer Berufung an dieser Schule hier folgen wollte, verstand er nicht.
"Ich muss ja nicht ihn unterrichten, oder? Zudem gefällt es mir hier.", gab sie schnippisch zurück. "Des Weiteren kann ich mir gut vorstellen, dass er ganz nett sein kann... solange man nicht Schüler ist.", fuhr sie fort und beendete die Diskussion.
Das Essen schien kein Ende zu nehmen. Severus hätte gerne mit Hermione gesprochen, musste aber mit Verdruss feststellen, dass sie gemeinsam mit einigen weiteren Mitschülern den Saal verliess. Er nahm an, dass sie direkt zu ihren Zimmern gingen, und blieb sitzen. Morgen würde er die Siebtklässler der Gryffindors und Slytherins unterrichten, und da würde er sie noch früh genug sehen. Severus stellte fest, dass Hermione etwas zugenommen hatte. Anscheinend schienen ihr die Ferien gut bekommen zu sein. Die Briefe, die er von ihr erhalten hatte, waren durchwegs positiv gewesen, wenn auch etwas oberflächlich. Doch sie hatte ihn vermisst, und das liess ihn innerlich aufstrahlen. Auch er hatte dem neuen Schuljahr voller Freude entgegen gesehen. Nicht, dass er sich auf die unzähligen Schüler gefreut hatte, aber dass er Hermione wieder sehen konnte, wog vieles auf.
***
Gemeinsam nahmen die Schüler das Frühstück ein, Hermione jedoch ass praktisch nichts. Seit einigen Wochen war ihr regelmässig am Morgen übel, und so nippte sie lustlos an ihrem Tee und knabberte an einem Stück Brot herum. In einer Stunde würde sie hungrig werden, und sie war sich bewusst, dass sie dann Zaubertrank-Unterricht hatten, doch trotzdem sie brachte praktisch nichts herunter. Sie erzählte Harry und Ron, dass sie einfach nur nervös war, und sie liessen sie in Ruhe. Heimlich liess sie ein Stück Brot in ihre Tasche gleiten, um im Notfall etwas bei sich zu haben.
Die Zaubertrank-Stunde war im Grunde gesehen wie immer, abgesehen davon, dass sie sich nun im letzten Schuljahr befanden und sich auf die Abschlussprüfungen gefasst machen mussten. Snape legte schon von Anfang an ein strenges Tempo vor und erklärte, wieviel sie noch zu lernen hatten und wie wenig sie taugten. Hermione liess sich davon nicht beunruhigen, schliesslich hatte sie über den Sommer viel gelernt und wusste um die Schwierigkeit der kommenden Tränke.
Wie auf Kommando begann sich nach einer Stunde ihr Magen zu melden. Zuerst ganz leise, doch mit der Zeit wurde der Hunger immer brennender. Als Snape sich zur Tafel umdrehte um etwas aufzuschreiben, kramte sie heimlich das mitgenommene Brot hervor und kaute langsam darauf herum. Wie wenn er es gespürt hätte, drehte er sich genau in dem Moment um, als sie ein neues Stück in den Mund schob und fuhr sie an: "Miss Granger! Das Frühstück ist meines Wissens schon seit anderthalb Stunden zu Ende. Stecken Sie das Zeugs wieder in ihre Tasche und passen Sie gefälligst auf... Fünf Punkte Abzug von Gryffindor."
Hermione nickte errötend und steckte das Brot wieder weg. Ihrem Magen war noch nicht genüge getan, und kurze Zeit später knurrte er erneut, lauter als zuvor. Dies brachte Snape wiederum dazu eine Bemerkung fallen zu lassen: "Was höre ich da, Miss Granger? Das FRÜHSTÜCK war dazu gedacht, sich Essen zu zuführen, oder haben Sie dies in den Sommerferien vergessen? Nochmals fünf Punkte Abzug."
Die Slytherins kicherten unverhohlen vor sich hin als Hermione noch weiter errötete, was Snape jedoch nicht zu stören schien. 'Was ist bloss los mit ihr?', fragte er sich, fuhr aber ohne Verzögerung mit dem Unterricht fort. Neville legte Hermione mitfühlend eine Hand auf den Arm, die sie aber sofort wieder abschüttelte. Sie konnte sein Mitleid momentan nicht ertragen, und presste ihre Hand auf den Magen, um ihn vor weiteren Geräuschen abzuhalten.
Es gelang ihr einigermassen, ihren Körper unter Kontrolle zu halten, doch sie bemerkte rasch den Essensmangel, denn ihr wurde allmählich übel. Vergebens gab sie sich Mühe, sich auf den Zaubertrank vor ihr zu konzentrieren. Dessen Geruch liess sie schwindeln und die Farbe erinnerte sie an Undenkliches. Hermione klammerte sich an der Tischkante fest, und versuchte, die aufsteigende Uebelkeit zu verdrängen. Ihr Gesichtsfeld begann sich zu verengen, und sie holte tief Luft. 'Nur nicht zusammen klappen!', ermahnte sie sich.
Ein dumpfer Knall liess Snape zusammen zucken. Rasch drehte er sich um und stellte fest, dass Hermione von ihrem Stuhl gefallen war und ohne sich zu regen auf dem Boden lag. Mit wenigen Schritten hatte er sie erreicht und ihren Kopf angehoben, doch sie reagierte nicht. "Miss Granger? Hermione?", sprach er hastig, die in ihm aufsteigende Panik so weit wie möglich aus seiner Stimme bannend. "Klasse! Aufräumen und dann könnt ihr gehen!", bellte er den Schülern entgegen, während er Hermione sanft hoch hob. "Dies gilt auch für Sie beide, Mr. Potter und Mr. Weasley.", fügte er noch hinzu und eilte in Richtung Krankenzimmer.
Dort angekommen, rief er laut nach Madame Pomfrey und legte Hermione auf das nahestehendste Bett. Wie versteinert stand er neben ihr, als sie von der Krankenschwester untersucht wurde. Als hätte Dumbledore einen sechsten Sinn für solche Ereignisse, betrat er hoheitsvoll das Krankenzimmer und beäugte die im Bett Liegende. Madame Pomfrey winkte ihm zu folgen und sie traten einige Schritte beiseite. "Sie ist in Ordnung, Albus. Nur ein bisschen schwach, das arme Kind. Scheint, als hätte sie in letzter Zeit zu wenig gegessen... was sie eigentlich hätte tun sollen, in dem Zustand wie sie ist.", begann sie.
"Was meinst du mit 'Zustand', Poppy?", fragte Dumbledore nach.
"Oh... Du weißt es nicht? Sie ist schwanger!"
Snape erblasste. Schwanger? Hermione war schwanger? Er konnte es nicht fassen. Als er weiter dem Gespräch zwischen Dumbledore und Mdme Pomfrey lauschte, erfuhr er, dass sie im fünften Monat war. Langsam dämmerte es ihm, als er an Beltaine zurückdachte. Doch es konnte nicht sein! Er war unfruchtbar! Snape selbst hatte vor langer Zeit einen Trank eingenommen, um ihn vor irgendwelchen ungewollten Kindern zu schützen. Wie vom Donner gerührt stand er da und war unfähig, sich zu bewegen. "Was ist los mit dir, Severus? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen!", sprach ihn Dumbledore an, doch er konnte nichts erwidern.
Neben ihm auf dem Bett begann sich Hermione wieder zu rühren. Rasch setzte sich Dumbledore hin und tätschelte ihre Hand. "Mein liebes Kind, was hast du dir bloss dabei gedacht? Hast du etwa geglaubt, du könnest das ewig geheim halten?", sprach er sanft.
Hermione schüttelte als Erwiderung den Kopf, ihre Augen fest auf Severus gerichtet, welcher ihren Blick kühl erwiderte. "Wer ist der Vater, Hermione? Du kannst es mir ruhig sagen.", fuhr Dumbledore fort. Erneut schüttelte Hermione den Kopf, liess dabei aber Severus weiterhin nicht aus den Augen.
"Du KANNST nicht oder du WILLST nicht?..."
"Ich... ich will nicht.", gab sie leise zur Antwort und blickte nun zu Dumbledore. "Ich will nicht.", wiederholte sie etwas stärker.
"Hat man Dir Gewalt angetan?", hakte er nach, bekam aber als Antwort wieder ein Kopfschütteln.
"Wissen es deine Eltern? Weiss es irgend jemand?" – erneut eine verneinende Kopfbewegung.
"Hermione, das kann ich nicht dulden! Du willst mich doch nicht etwa zwingen, das Veritaserum einzusetzen?"
Doch in dem Moment kam Snape dazwischen: "Ich halte das für keine gute Idee, Albus. Das Serum könnte dem Kind schaden."
"Mmh... Du hast wohl recht. War auch ein dummer Vorschlag von mir. Wir können sie nicht zwingen etwas zu sagen, dass sie nicht will... Ich muss darüber nachdenken.", erwiderte er in Gedanken vertieft und mit einem letzten Tätscheln ihrer Hand verliess er das Krankenzimmer.
Snape stand immer noch wie angewurzelt am selben Ort und starrte mit ungläubigen Augen zu Hermione. "Wie konntest du nur? Wie konntest du es mir vorenthalten?", fragte er sie mit kalter Stimme, die Verbitterung und Enttäuschung deutlich hörbar.
Hermione streckte ihre Hand nach ihm aus, doch er machte keine Anstalten, sie zu ergreifen. "Severus... bitte... es... tut mir leid... Ich wollte ja....", brachte sie mit tränenverklärter Stimme hervor.
Snape schüttelte den Kopf, auch er hatte Tränen in den Augen. "Wieso?", fragte er erneut.
Gerade als sie erneut zu sprechen ansetzte, drehte er sich auf dem Absatz um und verliess sie. Ihre Worte hallten seiner Gestalt ungehört hinterher.
*** Ende (Teil 10) ***
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... Nachdem alles immer so schön und reibungslos abgelaufen ist, musste ich doch noch etwas Drama in die Geschichte reinbringen... Das Leben kann so ungerecht sein, nicht wahr?
