Wir saßen uns gegenüber, ich ertrug es nicht direkt neben ihm zu sitzen. Er starrte auf seine Füße, suchte er nach den passenden Worten? Ich musterte ihn, die Wunde am Kopf schien nicht so schlimm gewesen zu sein, es hatte bereits aufgehört zu bluten. Ich musterte ihn, sein Bart war nicht so ordentlich wie sonst, seine Augenbrauen zogen sich zusammen während er nachdachte. Ich starrte ihn einfach weiter an...

Sie starrte... Doch mir fielen die richtigen Worte nicht ein, so lange hatte ich es vermieden. So sollte sie es nie erfahren...

Die Minuten verstrichen, er rutschte auf seinem Platz hin und her. Ich sah ihm an wie er mit sich rung. Ich wurde nervös, vllt ist die Sache mit dem Spion doch schlimmer. Was wenn sie...

"Ich hab deine Mutter auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung kennengelernt. Sie war atemberaubend, lange braune Haare und klare blaue Augen wie du. Ihr Name war Fiona. " Er sah zu mir auf, ich senkte den Blick. "Arrogant wie ich war ging ich zu ihr, sie war ein paar Jahre älter als ich, dennoch hielt mich das nicht davon ab mit ihr zu flirten. Es hielt mich auch nicht davon ab mit ihr ins Bett zu gehen." Seine Stimme brach ein wenig, ich wusste das dieses Treffen kurz nach dem Tod von Howard und Maria gewesen sein muss. "Wir trafen uns danach öfter, nach 2 Monaten erfuhr ich was sie in Amerika machte. Sie war eine deutsche Wirtschaftsspionin, suchte nach Informationen über Waffentechnik und eigentlich alles was ihr in die Hände fiel. Obadiah erzählte es mir, nannte mich einen Narr das ich auf sie reingefallen war. Er glaubte mir nicht das ich ihr nichts erzählt hatte, sie hatte auch nie nach etwas gefragt, doch Obadiah verbot mir den Kontakt." Ich blickte auf, sah ihn verwundert an "Wie konnte er es dir verbieten?" Wollte ich wissen. "Er kann sehr überzeugend sein, er lieferte mir Berichte die von ihr stammen sollten und andere Hinweise darauf das sie es auf Stark Industries abgesehen hatte, also glaubte ich ihm und brach den Kontakt ab. Da wusste ich noch nichts von der Schwangerschaft. Ich hörte ab da nur noch Gerüchte von einer Spionin die nicht ganz so nett war wie sie tat. Mehrere Morde von Ingenieuren und Mechanikern und anschließende Erfolge auf dem deutschen Markt. Ich ignorierte alles und warf mich in die Arbeit. Den Erfolg kannst du heute sehen." Er sah auf seine Hände, drehte die Handflächen hin und her. "Ich traf sie 5 Monate später, den Bauch hatte sie gut versteckt. Sie erzählte mir, das sie weg musste. Das einiges aus dem Ruder gelaufen war und sie untertauchen müsse. Sie wünschte mir alles gute für meine Forschung, dann war sie verschwunden. Die Gerüchte nahmen nicht ab, Obadiah ließ mich nicht mehr ohne Schutz aus dem Haus, viele Klugeköpfe hatten Begleitschutz bekommen. Als du dann plötzlich vor meiner Tür lagst wusste ich was aus dem Ruder gelaufen war. In dem Brief sagte sie zwar sie wäre wegen meiner Forschung gegangen, doch ich denke das es eine Lüge war. Sie ging, wie sie es gesagt hatte, doch um dich zu beschützen musste sie bleiben bis du da warst und dich in meine Obhut geben konnte." Ich hörte ihm wie gebannt zu, doch er stoppte und sah sich um als würde er was suchen... "Was passierte dann?" Hörte ich mich fragen. Seine Augen fixierten meine. "Ich suchte sie, wollte antworten wie du heute. Hatte sie die Männer umgebracht? Geheime Informationen verschickt? Ich fand sie knapp zwei Jahre später, aber..." Seine Stimme brach ab. Ich konnte mir denken was passiert war, wollte es aber hören. Musste es hören. "Aber?" Er litt, ich sah es ihm an. Ich ging zu ihm, setzte mich auf die Lehne seines Stuhls und nahm seine Hand in meine. "Dad bitte..." Er schaute langsam zu mir auf. "Mia... Sie konnte mir keine Antworten mehr geben... Als ich sie fand war sie bereits tot." Seine Hand schloss sich fest um meine, eine Träne löst sich für eine Frau die ich nie kennengelernt hatte und auch nie kennenlernen würde. "Es tut mir so leid das ich es dir nicht früher gesagt habe." Er hob die andere Hand zu meinem Gesicht und strich mir vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht. "Wovor musste sie mich beschützen?" "Ich denke vor denen die ihr die Morde anhängen wollten. Auch wenn Obadiah anderer Meinung ist, ich glaube nicht das sie es war." Und was wenn doch? Schoss es mir durch den Kopf was wenn du dich irrst? was wenn du auf sie reingefallen bist? Aber was macht das aus mir? Tony sah mich lange an, er schien meine Gedanken zu erahnen "Kleines... Das ist auch einer der Gründe weshalb ich dich aus dem Rampenlicht gehalten habe... Wenn diese Leute hinter deine Mutter her waren, wer sagt das sie nicht auch aus irgendeinem Grund hinter dir her sind?" Er zog mich auf seinen Schoßund nahm mich fest in den Arm, ich fühlte mich plötzlich klein und verwundbar. Zu wissen wer meine Mutter war und das sie wegen ihres Jobs gestorben war machte mir mehr zu schaffen als ich erwartet hatte. Dennoch fragte ich mich warum Obadiah mich mit ihr verglich. "Bin ich wie sie?" Er sagte lange nichts, doch dann "Du kannst impulsiv sein wie sie, die Augen hast du von ihr und die Eigenschaft deutlich zu machen wer das sagen hat. Mal nett und mal deutlich. Ich weiß nicht was er noch zu dir gesagt hat, aber seine Meinung nach war Fiona eine hinterhältige Lügnerin die alles getan hätte um zu bekommen was sie wollte. So bist du nicht!" Dem letzen Satz verlieht er so viel Nachdruck das ich ihm glaubte. Obadiah kennt weder mich, noch meine Mutter. Ich kenne sie zwar auch nicht, aber ich kenne Tony und er kennt sowohl sie als auch mich. Das muss mir reichen. "Okay." Hauchte ich.

Wir saßen eine ganze Weile so da, als mir der Anzug einfiel... Wollte ich einen weiteren Streit anfangen? Nein... "Wenn du nicht nochmal gegen die Decke fliegen willst, brauchst du Stabilisatoren. Am besten an den Händen..." Verwundert blickte er runter, grinste dann aber und nickte. "Keine Geheimnisse mehr" "Keine Geheimnisse mehr, ich verspreche es Mia." Ich stand auf und ging in Richtung Küche, Tony folgte mir. Ich öffnete den Kühlschrank und nahm zwei Flaschen Bier raus, öffnete sie und reichte ihm eine. Er sah mich argwöhnisch an , doch ich sagte nur "Na dann erzähl mir mal was dein Anzug so können soll."