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Irgendwie konnte sie ihm nicht mehr glauben. Warum genau wusste sie nicht zu sagen. Vielleicht lag es daran, dass er sie im Stich gelassen hatte und nicht nur sie, sondern auch ihren Vater. Und das nicht nur einmal. Marian fühlte sich von ihm verraten und ausgenutzt. Wo war er die vergangene Woche gewesen? Außer dass er Gisborne beinahe getötet hatte, war von ihm weder etwas zu hören noch zu sehen gewesen. Sie hätte ihn so sehr gebraucht und warum nur hatte er dies alles zugelassen? Erbitterung machte sich in ihrem Herzen breit. „Ich möchte, dass du gehst!", verlangte sie leise. Robin erhob sich und blickte sie verständnislos an. „Marian?"

„Ich denke, ich brauche ein bisschen Abstand zu dir. Falls ich etwas erfahre, gebe ich dir Bescheid, aber komm bitte nie wieder hier her!", sagte sie unerwartet hart. Irgendwann würde sie ihm vergeben können, doch im Moment war sie dazu nicht in der Lage. Lautlos so wie er gekommen war, verschwand er auch wieder. Beinahe wie ein Geist. Plötzlich war ihr kalt. Fröstelnd rieb sie sich über die Arme. Sie liebte Robin, oder? Ganz sicher war sie sich nicht mehr. Es hatte sich etwas in ihr verändert.

Was es war, dass konnte sie nicht sagen. Vielleicht war, ohne dass sie es bemerkt hatte, nur sie anders geworden. Marian schloss das Fenster und ging zu Bett. Unruhig wälzte sie sich von einer Seite auf die Andere. Es war ihr unmöglich einzuschlafen. Immer noch dachte sie an Robin. Wann hatte sie aufgehört ihn zu lieben? Seufzend erhob sie sich wieder. Es machte einfach keinen Sinn liegen zu bleiben, irgendwie fühlte sie sich ruhelos.

Er war wach. Guy lag auf dem Bett und starrte zur Decke. Nun hatte er alles erreicht was er sich gewünscht hatte. Er war mit Marian verheiratet und lebte mit ihr auf seinem Land. Eigentlich müsste er zufrieden sein, aber es fühlte sich so leer und hohl an. Er sah auf die leere Seite seines Bettes. Hier sollte sie liegen und zärtlich die Arme nach ihm ausstrecken. Hier in diesem Bett sollten ihre Kinder gezeugt werden. Tief sog er über die Nase die Luft in seine Lungen. Ein zwei Schritte und er wäre bei ihr. Nichts, sie durfte ihm nichts verwehren, denn sie war doch seine Frau. Ehe er darüber nachdenken konnte, stand er schon an der Tür, den Knauf in der Hand. Der Hass in ihren Augen. Leicht schüttelte er sich. Sie konnte ihn nicht lieben und er konnte sie nicht hassen und nun waren sie, dank der Komödie des Sheriffs, für immer aneinander gefesselt.

Der alte Mistkerl wusste wie er ihn packen konnte. Wie einen saftigen Köder ließ er den Preis, von dem er wusste, dass er ihm am wenigsten widerstehen konnte, griffbereit vor seinem Gesicht baumeln. Blind griff er zu, ohne darüber auch nur eine Sekunde lang nachzudenken. Leise schlug er mit der Faust gegen die Tür. Er wollte keinen Lärm machen, er wollte … Dicht legte er plötzlich sein Ohr gegen das Holz. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Dieser Bastard! Heftig riss er die Tür auf, doch im letzten Moment gelang es ihm sie aufzufangen, ehe sie gegen die Wand krachen konnte.

Dann schlich er sich zu Marians Tür und presste dort sein Ohr dagegen. Tatsächlich, Robin war hier, er konnte deutlich seine Stimme hören. Wieder war er versucht auch diese Tür aufzureißen, um dem Elenden ein für allemal den Garaus zu machen, aber es war Marians Stimme die ihn zurück hielt. Sie schickte ihn fort. Aufgeregt versuchte er jedes Wort zu hören. Was war passiert? War Robin nicht mehr länger ihr Goldjunge? Kurz wurde er von Schadenfreude gepackt und er hatte wieder Hoffnung.

Sie riss die Tür auf und sah sich unerwartet Guy gegenüber. Er trug außer seiner Hose nichts am Körper. Scharf sog sie die Luft in ihre Lungen. Etwas war plötzlich anders. Vielleicht lag es an den Kerzen, die ein eher spärliches Licht warfen und alles in eine intime Stimmund tauchten. Vielleicht war sie auch einfach nur müde. Auf einmal fand sie ihn nicht mehr abstoßend. Es kribbelte ihr in den Fingern und ihr Mund wurde trocken. Außerdem fiel ihr das Atmen schwer. Verwirrt blickte sie in seine Augen, nur um dort dieselbe Verwirrung zu entdecken. Langsam, ganz so als wollte er sie nicht erschrecken, kam er näher.

Guy hob die Hand und strich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht. Kurz zuckte sie zurück, dann stand sie still. Überrascht riss sie die Augen auf. Sie hätte erwartet, dass es sich kalt und unangenehm anfühlen würde, wenn er sie berührte, doch seine Finger waren warm. Die Rauheit seiner Hände hinterließrn auf ihrer Haut nicht nur ein leichtes Prickeln, sondern auch die Sehnsucht nach mehr. Mühsam schluckte sie und überlegte dabei fieberhaft was sie sagen könnte um irgendwie den Zauber zu durchbrechen, doch sie hatte nicht mit Guy gerechnet.

Plötzlich schlang er einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. Überrascht öffnete sie den Mund um Luft zu holen, aber genau darauf schien er gewartet zu haben. Verlangend presste er seinen Mund auf ihren und küsste sie mit all der Leidenschaft, die er für sie empfand und die sich die vergangenen Tage in ihm aufgestaut hatte. Zuerst verkrampfte sie sich. Und dann, als würde in ihr ein Damm brechen, wurde sie weich in seinen Armen und erwiderte sogar den Kuss. Heftig stieß sie ihn von sich. Er durfte sie nicht so küssen und sie sollte es auf keinen Fall zulassen.

„Ich habe Euch in einem Anfall von Wahnsinn versprochen Euch zu gehorchen, aber niemals habe ich Euch erlaubt, Euch mir zu nähern oder mich zu küssen!" Die Atemlosigkeit in ihrer Stimme stand im Widerspruch zu ihren Worten. Auch sie hatte der Kuss nicht kalt gelassen.

„Marian, es ist nichts falsch daran seinen Empfindungen nachzugeben.", versuchte er sie zu locken, erntete aber nur ein Kopfschütteln von ihr. „Nein, das ist nicht richtig. Ich kann das nicht!" Sie riss sich los von ihm und verschwand wieder in ihre Kammer. Dort lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Tür. Schnell hob und senkte sich ihre Brust, als wäre sie eine weite Strecke gelaufen, dabei wurde sie nur von einem Mann, den sie nicht leiden konnte, geküsst. Ein angenehmer, zärtlicher Kuss.

Wann nur hatte er in ihren Augen aufgehört widerlich zu sein? Sie lief zu ihrem Bett und versteckte sich unter ihrer Decke. Nichts sehen und nichts hören und schon gar nicht erst darüber nachdenken, das wollte sie.

Am nächsten Morgen schlich sie befangen nach unten, doch ihre Befürchtungen ihm zu begegnen waren unbegründet. Gisborne war nicht hier, sondern längst im Schloss. Einzig ihr Vater saß wie immer am Tisch. Unzufrieden sah er aus. „Guten Morgen, Vater!", sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Du solltest ihm schnellstmöglich einen Erben schenken.", riet er ihr, sobald sie sich gesetzt hatte. Erschrocken sah sie ihn an. „Du kannst alles von ihm haben, wenn du ihm einen Sohn gebierst.", kam es weise von ihm.

„Vater ich …" Dazu müsste sie mit ihm ein Bett teilen und noch mehr. Sie müsste zulassen, dass er sie berührte. Dass er ihr so nahe kam, wie kein anderer Mensch auf dieser Welt. „Wenn ein Mann hungrig ist und man lässt ihn zu lange laben, dann stillt er woanders seinen Appetit!", stieß er plötzlich grob hervor.

Seine Worte ließen Marian tief erröten. Ihr Vater wusste mehr, als sie geahnt hatte. Sie hatte geglaubt, die wahre Natur ihrer Beziehung zu Gisborne gut vor ihm verborgen zu haben, aber scheinbar hatte sie sich geirrt. Entweder ahnte er es nur oder er wusste es wirklich, wie sie zu ihrem Mann stand. Marian schenkte sich einen Becher Milch ein und dachte nach. Die Vorstellung, dass Gisborne sich mit anderen Frauen vergnügte, behagte ihr nicht. Wie würden die Menschen von ihr denken, wenn sie es nicht einmal schaffte ihren Ehemann zu befriedigen?

„Wenn du es richtig anstellst, würde er alles für dich tun – egal was du verlangst!" Aufkeuchend schnappte sie nach Luft, so hatte ihr Vater noch nie mit ihr gesprochen. Soviel Macht könnte sie niemals über Gisborne bekommen.

Marian erhob sich vom Tisch und ging nach draußen. Ein erfrischender Ritt im Wald würde ihr bestimmt gut tun und sie würde den Kopf wieder frei bekommen. Rasch striegelte sie ihre Stute und legte ihr den Sattel und das Zaumzeug an. Die Worte ihres Vaters ließen sie nachdenklich werden. Würde es sie stören, wenn er sich anderen Frauen zuwandte? Sie konnte es nicht sagen. Nur wohl war ihr nicht bei diesem Gedanken. Warum, verstand sie nicht. Sie machte sich nichts aus ihm. Er war grausam und ungerecht. Als sie sich in den Sattel schwang und das Haus hinter sich gelassen hatte, fühlte sie sich gleich besser. Seit sie die Gefangene von Gisborne gewesen war, hatte sie nichts mehr zu tun gehabt. Doch jetzt gestand er ihr wieder einige Freiheiten zu.

Jedenfalls nahm sie das an. Er hatte mit keinem Wort gesagt, ob sie frei war oder nicht, andererseits würde sie sich davor hüten ihn zu fragen. Er war nicht da, also würde er es auch nie erfahren, dass sie einfach ohne sein Wissen und seiner Erlaubnis das Haus verlassen hatte. Sonnenlicht fiel durch das dichte Blätterwerk und Vögel sangen fröhlich im Geäst. Es war ein wunderschöner Tag und er ließ sie die Schatten der vergangenen Nacht beinahe vergessen, aber nur beinahe. Robin – sie hätte nie gedacht, dass ihre Gefühle sich jemals für ihn verändern könnten, aber das hatten sie. Es war nicht mehr diese tief empfundene Liebe, die sie einst für ihn verspürt hatte und auch nicht mehr länger war er ihr strahlender Held der keine Fehler machte.

Auch begann sie, unbewusst von Gisborne dazu angestachelt, zu hinterfragen, ob wirklich alles so gut war, was er angeblich für das Volk tat. Insgeheim musste sie Gisborne recht geben, wenn er behauptete, er würde es nur, wie ein gewöhnlicher Verbrecher, für sich tun. Ein Teil in ihr weigerte sich nach wie vor das zu glauben, aber ein anderer zog diese Möglichkeit durchaus in Betracht. Sie kannte Robin, er hatte ein gutes Herz, aber er war auch nur ein Mensch. Genau wie Gisborne. Erschrocken über diesen Gedanken zog sie zu heftig an den Zügeln und brachte ihr Pferd so abrupt zum Stehen. Gisborne war ein Mensch. Bisher hatte sie nur ein Monster in ihm gesehen. Aber nicht länger konnte sie dieses Bild von ihm in sich aufrecht erhalten.

Er hatte ihr, trotz allem was sie getan hatte, noch nie ein Leid zugefügt und auch wenn er ihr Elternhaus in Asche gelegt hatte, so hatte er es dennoch wieder neu erbauen lassen. Dass es nun sein Land war, war nur natürlich. Ihr Vater hatte keinen Sohn und sie war sein einziges Kind. Folglich ging sein ganzer Besitz in die Hände des Ehemannes seiner Tochter über. Ihr Vater riet ihr, ihm einen Sohn zu schenken. Vor nicht allzu langer Zeit hätte sie diesen Vorschlag als unmöglich abgetan, doch seit letzter Nacht.

Sein Kuss war anders wie der von Robin gewesen. Warm, zärtlich und doch fordernd. Er gab ihr das Gefühl begehrenswert zu sein und das erschreckte sie. Robins Küsse waren nie so gewesen. Sie ließ ihr Pferd in einen leichten Trab fallen, um ihre plötzlich erhitzten Wangen zu kühlen. Der Wind strich angenehm über ihr Gesicht und löste ihr Haar aus dem strengen Knoten zu dem sie es hochgesteckt hatte.

Und so sah er sie, lange bevor sie ihn bemerkte. Sie war schön wie das Leben selbst. Es war als würde sie von innen leuchten. Für immer würde sich ihm dieses Bild einprägen und selbst wenn er alt und greise wäre, würde er sie immer noch so sehen. Er stand mit seinem Pferd auf einer Anhöhe und war eigentlich auf dem Weg zurück zum Schloss gewesen, als ihm der einsame Reiter auffiel. Wage hatte er die Hoffnung es könnte Robin sein, aber diese wurde noch übertrumpft.

Heiß schoss ihm bei ihrem Anblick das Blut durch die Adern, wenn sie ihn doch nur lieben könnte, aber zu geblendet war sie von ihren Gefühlen für Robin. Die Rollen in ihrer Welt waren klar vergeben. Robin war der Held und so blieb für ihn nur noch der Part des Bösewichts übrig. Unruhig scharrte sein Pferd mit den Hufen, es hatte die Stute gewittert.

„Ruhig mein Freund. Wir beide sind dort unten nicht erwünscht.", erklärte er ihm und tätschelte ihm dabei sanft den Hals. Ein leises Wiehern antwortete ihm, ganz so als hätte das Pferd seinen Herrn verstanden. Nur zu gut konnte Guy das Verlangen seines Pferdes verstehen, auch in ihm drängte alles danach den Hang hinunter zu sprengen und sich ihr anzuschließen. Einzig das Wissen in ihrer Idylle unerwünscht zu sein, hielt ihn zurück. Eine Weile blickte er ihr hinterher bis sie zwischen den Bäumen verschwand, dann machte auch er sich wieder auf seinen Weg.

Plötzlich fühlte sie ein Kribbeln im Nacken. Irritiert blickte sie um sich, aber sie war alleine, dabei hätte sie schwören können beobachtet zu werden. Als wäre Gisborne hier. Vermutlich spielte ihr ihre Fantasie einen Streich, da sich ihre Gedanken die ganze Zeit einzig um ihn drehten, und dazu kam dann auch noch das Geschwafel ihres Vaters. Sie trieb ihr Pferd zum Galopp an und ließ ihm die Zügel. Feurig schoss es den schmalen Weg am Fluss entlang. Erst nach einigen Minuten zwang sie die Stute in ein langsameres Tempo und brachte sie dann schließlich zum Stehen. Marian stieg ab und trat an das Ufer heran. Nachdenklich blickte sie in das klare Wasser. Sie könnte fortlaufen. Weit weg, dorthin wo sie niemand kannte und von vorne beginnen.

„Wach auf, Mädchen! Du kannst nirgendwo hin." Seufzend stieß sie die Luft aus. Es wurde Zeit für sie, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen. Es gab einige unschöne Wahrheiten denen sie sich endlich stellen musste, denn Robin war nicht der Einzige der Fehler gemacht hatte. Auch sie war nicht frei von Schuld. Er mochte ihr geraten haben dieses Leben zu wählen, aber am Ende war es ihre alleinige Entscheidung gewesen. Es lag auch an ihr das Beste aus ihrem Leben zu machen. Gisborne hatte eine Schwäche für sie … wie hatte ihr Vater es ausgedrückt? Wenn sie ihre Reize richtig einsetzte, würde er alles für sie tun.

„Ich schätze ich werde lernen müssen, wie sich ein braves, gefügiges Frauchen zu benehmen hat!", flüsterte sie ihrer Stute zu, dann schwang sie sich wieder in den Sattel und ließ ihr Pferd in einen gemächlichen Trab fallen. Als sie ihr Pferd in den Stall brachte, war es bereits Abend geworden. Sie hatte den ganzen Tag im Wald verbracht. Guys Hengst stand bereits in seiner Box. Das Fell war noch nass geschwitzt, also war er noch nicht lange hier. Sie streifte ihrer Stute den Sattel ab und rieb sie unendlich langsam trocken.

„Das Tier weiß Eure Aufmerksamkeit sicher zu schätzen, aber ich denke das reicht jetzt!", kam es von der Tür. Tief holte sie über die Nase Luft und ihr Herz schlug auf einmal schneller. Mühsam schluckte sie, nun war es soweit. Um noch etwas Zeit zu gewinnen, rieb sie gewissenhaft am Fell ihres Tieres weiter.

Unbewusst lauschte er auf jedes Geräusch. Sie war noch nicht hier und automatisch machte er sich Sorgen. Marian war nur eine Frau und im Wald lauerten tausend Gefahren. Angespannt schlich er im Haus umher und als er dachte, keine Sekunde länger das Warten ertragen zu können und er schon beschlossen hatte nach ihr zu suchen, hörte er das Klappern von Hufen vor der Tür. Erleichtert stieß er die Luft aus den Lungen und dann kam der Zorn. Wie konnte sie es wagen sich soweit vom Haus zu entfernen? Was ihr alles hätte zustoßen können. Sie hatte geschworen, ihm zu gehorchen und als erstes würde er ihr verbieten jemals wieder das Haus ungefragt soweit alleine zu verlassen.

Entschlossen machte er sich, da sie nicht kam, auf den Weg in den Stall. Dort löste sich seine Wut bei ihrem Anblick in Luft auf. Sie hatte ihn geküsst. Trotz seiner Aufforderung hörte sie nicht auf, das Pferd trocken zu reiben. Langsam ging er auf sie zu. Er kannte ihre Reaktion auf ihn, wenn er sich zu schnell bewegte würde er sie nur zur Flucht treiben. Sachte legte er seine Hand über ihre und brachte sie so dazu aufzuhören. „Kommt! Wir sollten ins Haus gehen, Ihr seid bestimmt müde!"

„Ist das eine Bitte?", fragte sie leise.

„Würdet Ihr mir folgen, wenn es eine wäre?", kam von ihm die Gegenfrage. Stumm schüttelte sie den Kopf.

„Dann betrachtet es als Befehl!"

Ihr Vater hatte sich bereits zurückgezogen und so war sie mit ihm ganz alleine. Kurz verdächtigte sie ihn das mit Absicht gemacht zu haben. Hatte er nicht erst heute Morgen nach einem Enkelkind gedrängt? Er zog ihr einen Stuhl heran und zwang sie so am Tisch Platz zu nehmen. „Ihr habt bestimmt noch nichts gegessen", sagte er leise. Er hatte recht. Seit dem Frühstück hatte sie nichts mehr zu sich genommen und plötzlich knurrte wie zur Bestätigung ihr Magen. Auf dem Tisch standen Platten mit kaltem Wildbrett, Käse, Obst und Brot. Gisborne goss Wein in ihren Becher und nahm ihr gegenüber ebenfalls Platz.

Hungrig fiel sie über die Speisen her. Guy nahm nur wenig und begnügte sich damit Marian zu beobachten. Irgendwie kam sie ihm anders vor oder lag das nur an dem Kuss. Den ganzen Tag dachte er bereits daran. Er ging ihm nicht aus dem Kopf. Leise räusperte er sich und zog so ihre Aufmerksamkeit auf sich. Tief sah er ihr in die braunen Augen und entdeckte dort so vieles, nur eines nicht mehr – Hass.