Vielen Dank für dein Review, Marylein! Genau um das gings mir auch. In der magischen Welt ist Hermione zwar volljährig, aber ihre Eltern sind Muggel und da gelten eben andere Gesetze.
Liebe Grüße Gaby
10 Albus Dumbledore macht eine Entdeckung.
Unruhig schritt sie in seinen Räumen auf und ab. Wo war er? Sie war vor gut einer halben Stunde angekommen und war dann, als sie auch nach mehrmaligem Pochen an seine Tür keine Antwort erhielt, einfach in seine Räume eingedrungen.
Es sah so aus als hätte er die vergangene Nacht gar nicht hier verbracht. Vielleicht war ihm etwas passiert? Oder er erledigte schlicht und ergreifend irgendeinen Auftrag. Unentschlossen klopfte sie mit dem Fuß auf den Boden. Was sollte sie tun? Ihn suchen? Dumbledore fragen? Sie verzog ihr Gesicht. Das würde zwangsläufig andere Fragen aufwerfen. Zum Beispiel warum sie den gefürchtetsten und am meisten gehassten Lehrer suchte und wozu sie ihn brauchte. Gerade Letzteres ließ sich ganz schwer erklären.
Sie schnippte mit den Fingern. Dobby! Sie würde den kleinen Hauselfen befragen. Kaum dachte sie an ihn, schon rief sie auch nach ihm. Mit einem leisen Plopp erschien er. „Miss Granger?" Eigentlich hätte er Master Snape hier erwartet, obwohl…Gestern sah es ganz danach aus als wären Miss Granger und Master Snape sich sehr viel näher gekommen.
„Wo ist er?" leicht flehend blickte sie ihn an und hoffte, dass sie er ihr jetzt nicht sagte er hätte einen längeren Auftrag in Rumänien oder so zu erledigen. „Master Snape ist nicht hier?" Dobbys Augen sahen sie erstaunt an. Stumm schüttelte Hermione den Kopf.
„Ich habe ihn seit gestern Vormittag nicht mehr gesehen. Seit…" Erschrocken brach Dobby ab. Eigentlich sollte er doch gar nicht wissen, dass sie hier gewesen war. Der Master war über seine Entdeckung das sie im Schlafzimmer lag nicht gerade glücklich. „Seit?" Dobby schluckte nervös, dann kam ihm eine Idee. „Professor Dumbledore holte ihn ab um mit ihm gemeinsam zu frühstücken. Ja, so war es." Bestätigte er sich selber und war glücklich darüber, dass ihm das noch eingefallen war.
„Hm nun man kann schon sehr lange frühstücken, aber das ist jetzt schon über 24 Stunden her und wie es aussah hat er hier nicht einmal die Nacht verbracht." Offenbarte Hermione Dobby ihre Sorgen. Dobby bekam große Augen. Er hatte doch einmal von einer anderen Frau gesprochen, vielleicht…? Unglücklich senkte er seine Ohren. Das konnte er unmöglich Miss Granger erzählen. Doch Hermione achtete gar nicht auf ihn und so entging ihr sein Gedankengang. Nachdenklich schritt sie auf und ab.
„Dobby es gibt doch noch andere Hauselfen. Vielleicht haben die ihn gesehen, oder wissen wo er möglicherweise sein kann. Kannst du sie für mich fragen?" Dobbys Miene hellte sich über diesen Auftrag leicht auf. Wenn er nicht hier war, bestand auch weniger Gefahr, dass er seine Ängste doch noch aus Versehen ausplauderte. „Dobby wird sogleich alle Hauselfen befragen." Er hatte den Satz kaum beendet, da war er auch schon verschwunden.
Hermione trat unterdessen dicht an den Kamin heran. Irgendwie hatte sie sich diesen Abend anders vorgestellt. Das sie diesem Mann auch ständig nachlaufen musste. Am Anfang war das ja noch lustig gewesen, aber so langsam fand sie das äußerst ärgerlich. Das würde sie ihm, sobald sie wusste wo er war, auf jeden Fall sagen. Sie duldete das nicht. Er könnte sich ruhig auch ein bisschen mehr in dieser Beziehung engagieren. Sie spürte die alte Wut in sich aufkeimen. Wie hatte sie nur annehmen können über diesen Punkt wären sie längst, spätestens seit vergangener Nacht, hinweg? Er war ein schwieriger Fall und es sah ganz danach aus, dass er nicht daran dachte dies als bald zu ändern. Sie beschloss ruhig zu bleiben und abzuwarten. Wer weiß mit was für Neuigkeiten Dobby zurück kam? Und wie als wäre es sein Stichwort, erschien er auch schon.
„Nun, Miss, es hat ihn keiner gesehen…" Hermione fuhr heftig herum. Das konnte doch nicht sein, das war doch unmöglich. Schon alleine wie er aussah fiel er praktisch immer und überall auf. „Das gibt's doch nicht!" ereiferte sie sich und wollte noch etwas sagen, doch Dobby hob schüchtern eine Hand.
Sie zwang sich ihm zuzuhören und sich erst dann aufzuregen. „Außer Winky. Sie hatte beobachtet, als sie wie immer die Wäsche in den zweiten Stock hochbrachte, Sie wissen da gibt es einen großen Raum in dem die ganze Wäsche von Hogwarts gelagert wird und Sie wäscht sie wie jeden Sommer einmal komplett durch. Das ist sehr viel arbeit, das kann ich Ihnen sagen…" plapperte er erzählend vor sich hin. Zu einem anderen Zeitpunkt, in einem anderen Leben, hätte sie ihm mit Sicherheit stundenlang und noch länger bei diesen spannenden Alltagsgeschichten rund um Hogwarts zugehört, doch heute drängte die Zeit.
„Dobby!" rief sie aus und bat ihn somit sich kurz zu fassen und es diesmal auf das wesentlich zu beschränken.
„Oh, Entschuldigung. Nun ja wie gesagt, Winky ging in den zweiten Stock und sah, als ihr Blick zufällig aus dem Fenster fiel, wie Master Snape über die Wiesen auf den verbotenen Wald zulief."
Hermione betrachtete ihn eine Weile abwartend ob noch etwas kam, doch der Elf schwieg beharrlich. „Wann war das?" fragte sie weiter. „Gestern am späten Vormittag." Gab ihr Dobby bereitwillig Auskunft. „Und seit dem hat ihn niemand mehr gesehen?" In ihr begannen langsam die Alarmglocken zu läuten. Auch wenn Severus ein sehr erfahrener Zauberer war und die Gefahren im verbotenen Wald sehr gut kannte, so bestand dennoch die Möglichkeit, das ihm etwas zugestoßen war. „Ich muss ihn suchen." Schnell warf sie sich ihre Jacke über und verließ eilig seine Räume.
*
Mit auf dem Rücken verschränkten Händen betrachtete er sie, wie sie über die Wiesen auf den verbotenen Wald zulief. Merkwürdig. Was machte sie ständig hier? Gedankenverloren spielte er mit seinem Bart. Gestern war er noch viel zu wütend auf Aberforth gewesen um sich allzu viele Gedanken über Severus Verhalten zu machen, doch auf Grund seiner Beobachtung gerade eben und so wie Severus sich gestern benahm, begannen in seinem Kopf die Gedanken zu rotieren. Er würde sich gründliche Informationen einholen und dann entscheiden was in seinem Schloss vor seiner Nase ablief und er hatte schon eine Ahnung wo er beginnen würde.
Entschlossen rief er ihn herbei und mit einem lautlosen Plopp erschien er augenblicklich. „Sir?" fragend sah er den alten Mann an. „Dobby du weißt doch ganz genau was im Schloss so vor sich geht." Schmeichelte er dem Elfen so, dass dieser ganz rote Ohren bekam. „Ich würde gerne erfahren, warum Miss Granger so oft hier ist, obwohl sie nicht länger eine Schülerin von Hogwarts ist und außerdem keiner ihrer Freunde, nehme ich einmal an, momentan im Schloss weilt. Außerdem würde es mich brennend interessieren, was mit meinem Zaubertränkemeister los ist. Severus benimmt sich in letzter Zeit sehr sonderbar, findest du nicht auch?" fragte er und schlich dabei lauernd um den Elf herum.
Dieser war bei jedem Wort kleiner und kleiner geworden. Man konnte es ihm förmlich an der Nasenspitze ansehen, dass er sich in seiner Haut gerade nicht sehr wohl fühlte. „Ich kann es nicht sagen." Erwiderte Dobby schwach und wich dabei den wissenden Augen Dumbledores aus. Dieser stützte die Fäuste in die Hüften und sah ernst auf Dobby herab. „Ich denke, ich muss darauf bestehen, dass du mir alles sagst was du weißt." Dobbys Ohren begannen herabzusinken, so tief das die Spitzen tatsächlich den Boden berührten. Dumbledore war immer so gut zu ihm gewesen und er war ein schlechter Hauself, wenn er ihm seine Bitte verweigerte.
„Miss Granger hat mich gebeten auf Master Snape aufzupassen." Begann er ausweichend. Wenn er Glück hatte, ließ es Professor Dumbledore damit bewenden, aber schon die nächste Frage von Dumbledore bestätigte ihm, dass es nicht danach aussah. „Warum wollte Miss Granger das?" Verwirrung zeichnete sich auf dem Gesicht von Dumbledore ab. Hermione ließ Severus beschatten? Wozu? „Sie wollte wissen was er so den ganzen Tag macht." Diese Antwort stiftete bei Dumbledore noch mehr Verwirrung.
„Welchen Grund könnte Hermione haben alles von Severus erfahren zu wollen?" Tja das war die entscheidende Frage und Dobby musste sie, ob er wollte oder nicht, so weit er konnte ehrlich beantworten. „Sie scheint Master Snape sehr zu mögen." Albus riss bei dieser Antwort weit die Augen auf. War denn das die Möglichkeit? Gab es auf dieser Erde tatsächlich ein weibliches Wesen, das diesen alten Grießgram interessant fand und vielleicht, so Merlin will, sogar noch mehr als das? „Hm und was macht sie jetzt im verbotenen Wald?" Das war eine unverfängliche Frage, wie Dobby fand und es fiel ihm leichter sie zu beantworten.
„Sie sucht nach Master Snape." Verkündete er aufrichtig. Nun trat Sorge in Albus Miene. „Ist er in Gefahr?" Severus war mittlerweile sein ältester und bester Freund und er hatte es scheinbar nicht einmal mitbekommen, da er sich so sehr über Aberforth geärgert hatte - Aubergine war sehr wohl eine Farbe und nicht nur eine Frucht -, dass Severus möglicherweise etwas zugestoßen war.
Sie hatten einander nach dem Frühstück nicht mehr gesehen. Ihm war schon aufgefallen, dass Severus nicht zum Abendessen erschienen war, aber das tat dieser öfter mal, er hatte sich dabei nichts gedacht. Dobby schüttelte seinen Kopf. „Ich weiß es nicht, Sir." Dumbledore trat zum Fenster und blickte wieder hinaus. Er musste etwas tun. Falls Severus tatsächlich irgendetwas zugestoßen war, musste er ihm helfen. Und falls nicht? Es konnte genauso gut sein, dass er sich einfach mit Hermione heimlich im Wald traf und dann wurde es für alle Beteiligten ungewollt peinlich. Er musste einen besseren Weg finden, eine glücklichere Lösung. „Dobby würdest du so freundlich sein und Miss Granger folgen? Ich mache mir Sorgen um Severus."
*
Leise rief sie seinen Namen. Immer und immer wieder, obwohl sie wusste wie gefährlich das war. Es konnte sein, dass Severus nicht der einzige war, der ihrem Ruf folgte. Doch weder eine unheimliche Kreatur noch die sexy Fledermaus ließen sich blicken, was natürlich ihre Sorge nur noch vergrößerte. Was wenn ihm etwas ganz schreckliches zugestoßen war?
Unwillkürlich dachte sie an die Erzählung von Ron und Harry wie sie Aragog zum ersten Mal begegnet sind. Es gab nicht nur eine Riesenspinne im Wald, sondern unendlich viele und ihr Gift war tödlich. Dann waren da auch noch die Zentauren, die hatten Umbridge entführt. Gut das war eine böse Hexe, die das verdient hatte, aber was wenn sie auch einen Groll gegen ihren Severus hegten? Und nicht zu vergessen die unzähligen Giftpflanzen die hier prächtigst gediehen. Was wenn er auch nur eine davon zufällig berührt hatte? Nicht auszudenken. Manche von denen waren tödlich. Hektisch lief sie durch den Wald, bemüht nicht allzu viel Lärm zu machen bis auf den, das sie beständig seinen Namen rief, dabei wuchs ihre Angst um ihn. Sobald sie ihn gefunden hatte würde sie ihm als erstes verbieten sich solchen Gefahren auszuliefern. Wenn er zukünftig in den Wald gehen wollte, würde er gefälligst warten müssen bis sie Zeit hatte ihn zu begleiten. Genau! Doch vorerst betete sie, dass sie ihn unversehrt und wohlauf zurück bekam. Das ihm nichts passiert war.
Sie drang immer tiefer in den Wald vor. Die Bäume standen, umso tiefer man kam, immer dichter beisammen und ließen nur noch spärlich das Licht des Tages durch ihre Blätter durchfallen. Hermione hatte das Gefühl es sei schon später Nachmittag und die Sonne beschloss bereits am Horizont zu verschwinden, so wirkte diese Dämmerung auf sie. Dabei war es gerade mal Mittag vorbei. Dennoch trieb diese Dämmerung sie noch mehr an. Ihr wurde etwas mulmig zumute. Der vertraute Teil des Waldes lag hinter ihr und vor ihr gab es nur noch undurchdringbaren Urwald. Selbst das Zwitschern der Vögel klang hier anders. Der Wald war hier sehr alt.
*
Für Dobby war es leicht ihr zu folgen. Sie hatte noch keinen allzu großen Vorsprung. Vorsichtig sah er sich immer wieder um. Er mochte den Wald nicht. Er hatte von den Gefahren die hier lauerten gehört und einiges davon hörte sich so schlimm an, dass er es gewiss nicht mit eigenen Augen sehen wollte. Er holte so dicht wie möglich, ohne dabei selber entdeckt zu werden, zu Miss Granger auf. So fühlte er sich nicht ganz so alleine hier. Unerschrocken wie es schien, schritt diese aus, steuerte noch tiefer in den Wald hinein. Mit bangem Herzen folgte er ihr und dachte dabei an Master Snape. Was wenn diesem tatsächlich etwas Schreckliches zugestoßen war?
Er mochte ihn, auch wenn dieser zumeist nur schlechte, bis ganz schlechte Laune hatte. Er versprach insgeheim, sollten sie Master Snape unverletzt finden, so würde er diesen nie wieder aus den Augen lassen. Er würde ihn für den Rest seines Lebens ständig begleiten und so sicherstellen, dass diesem auch wirklich nichts passierte. Das würde Master Snape sicher glücklich machen. Dieser Gedanke richtete ihn soweit auf, dass er wieder etwas unbeschwerter durch den Wald lief, aber nur solange bis ein verdächtiges, undefinierbares Geräusch ihn schnell die Nähe zu Miss Granger suchen ließ. Dieser Wald war und blieb ihm unheimlich.
*
Müde blieb sie stehen. Schon seit Stunden lief sie ziel- und planlos umher und hatte noch nichts entdeckt. Er schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Was natürlich ihre Sorge um ihn ins Unermessliche steigerte und auch ihre Wut. Warum tat er das? Wusste er nicht, dass sie sich große Sorgen machen würde? Dachte er nie nach, bevor er etwas tat? In seinem Alter müsste er doch eigentlich schon vorsichtiger sein. Tief holte sie Luft. Sie würde noch eine Stunde nach ihm suchen und sollte sie ihn dann noch immer nicht gefunden haben, dann…Dann musste sie Dumbledore informieren. Dieser würde ihr mit Sicherheit eine Menge lästiger und in Anbetracht der Situation, überflüssige Fragen stellen.
Sie sah das bereits jetzt mit Grauen auf sich zukommen, aber Severus zu Liebe würde sie alles ertragen. Doch vorerst sollte sie sich selber alle Mühe geben und versuchen ihn zu finden. Mit neu gefundenem Schwung nahm sie die Suche wieder auf und lief weiter durch den Wald, aber es war zum verzweifeln. Nicht das kleinste Fusselchen war von ihm zu finden. Wütend und frustriert blieb sie zwischen den Bäumen stehen und begann zu weinen. Doch mitten in ihrer Tränenflut meinte sie vor sich etwas gesehen zu haben. Langsam ging sie darauf zu. Bitte, bitte lass es ihn sein. Und lass ihn gesund und am Leben sein. Flehte sie im Geiste. Das da vor ihr, was immer es auch war, lag auf dem Boden und rührte sich nicht. Kein gutes Zeichen. Schritt für Schritt tastet sie sich an das Gesehene heran, bis sie erkannte was es war und aufschluchzend darauf zulief.
Er war es und er lag reglos am Boden. „Severus!" sie warf sich fast auf ihn drauf, kaum war sie bei ihm. Angestrengt legte sie ihr Ohr auf seine Brust. Ein Herzschlag. Es schlug kräftig und gleichmäßig. Gut! Er lebte. Noch. Meldete sich sogleich der Pessimist in ihr. „Severus! Liebster, wach auf." Zärtlich bettete sie seinen Kopf in ihrem Schoss, doch so sehr sie sich auch bemühte er wachte nicht auf.
„Was hast du? Sag es mir." Flehte sie, aber bekam keine Antwort, also musste sie sich selbst auf die Suche nach der Ursache machen. Akribisch suchte sie ihn ab, ob er irgendwo eine Verletzung oder sonst etwas hatte, aber konnte zum Glück nichts außergewöhnliches Entdecken. Es sah so aus als würde er lediglich schlafen und ansonsten ging es ihm gut.
„Was hast du nur getan, das du hier wie Dornröschen schläfst?" fragte sie ihn erneut leicht verzweifelt. Doch ihre eigenen Worte gaben ihr das nötige Stichwort. Dornen. Es gab eine Pflanze hier im Wald und nur hier im Wald, die einen in einen tiefen Schlaf versetzen und aus dem man nicht erweckt werden konnte. Es reichte schon eine geringe Berührung mit dieser. Im nachhinein betrachtet warf das auf Dornröschen selbst ein völlig neues Licht, wie sie fand.
Streng ermahnte sie sich selbst bei der Sache zu bleiben, Dornröschen hatte schließlich schon längst ihren Prinzen, dieser hier musste mit ihr vorlieb nehmen. Vorsichtig und ohne weiter darüber nachzudenken, beugte sie sich über ihn und gab ihm einen sanften Kuss. Dann wartete sie…und nichts passierte.
„Nun ja, einen Versuch war es wert. Wir werden wohl warten müssen, bis die Wirkung von selbst nachlässt und bete schon mal, dass ich keine hundert Jahre warten muss." Drohte sie ihm halbernst und erhob sich wieder. Sie würde auf keinen Fall hier bleiben. Wer weiß, wer sich, sobald die Dämmerung einsetzte, noch so herumtrieb und sie hatte absolut keine Lust neue Bekanntschaften, egal welcher Art, zu machen. Es glich fast einem Wunder, dass Severus die Nacht hier so unbeschadet überstanden hatte. Dieses Risiko wollte sie bestimmt kein zweites Mal eingehen. Kaum auf den Beinen zückte sie ihren Zauberstab und hob ihn mit Hilfe der Magie in die Höhe und ließ ihn vor sich herschweben.
*
Dumbledore war keine Sekunde vom Fenster gewichen und auch jetzt zwang er sich stehen zu bleiben, obwohl ihn die Neugierde schier innerlich zerfraß. Hermione hatte ihn gefunden, aber es ging ihm nicht gut. Sie brachte ihn mit einem Schwebezauber zurück. Was ihn etwas beruhigte war ihr Gesichtsausdruck, der wirkte zwar besorgt, aber nicht zu Tode erschrocken. Das hatte er mittels seines magischen Fernrohrs eindeutig erkannt. Gut, das er dieses Ding immer in der Nähe des Fensters aufbewahrte, so entging ihm fast nichts.
In einem sicheren Abstand folgte Dobby den beiden. Er sah ein bisschen mitgenommen aus. Normalerweise mieden Hauselfen den Wald. Sie mochten die Dunkelheit zwischen den Bäumen nicht und verspürten so gar keine Lust die Bewohner dort näher kennen zu lernen. Irgendwie konnte er ihn sogar verstehen. Die meisten Geschöpfe im Wald mochten keine Fremden und sahen sie oft nur als Nahrung an. Mit einem Plopp erschien der heiß ersehnte in seinem Büro. „Endlich!" stieß Dumbledore heftiger als er wollte aus. „Wo wart ihr so viele Stunden? Ich habe mir schon Sorgen gemacht." Verlangte er eingeschnappt zu wissen. Dobby machte sich automatisch noch kleiner und sah ganz bedrückt aus. „Miss Granger hat Master Snape ganz, ganz tief im Wald gefunden." Erklärte er dem Schulleiter. Sofort bekam dieser ein schlechtes Gewissen. Er hätte in den Wald gehen sollen und nicht die beiden. Was wenn ihnen auch etwas passiert wäre? Weder Hermione noch Dobby waren mit den Gefahren tatsächlich vertraut. „Was fehlt Severus?"
*
Vorsichtig legte sie ihn auf sein Bett und deckte ihn, nachdem sie seine Kleider mittels Magie verschwinden ließ, sorgfältig zu. Sie entledigte sich selbst ihrer Kleidung und kuschelte sich an seine Seite. Sanft küsste sie ihn auf die Stirn, schloss dann die Augen und schlief ein. Mitten in der Nacht wurde sie plötzlich wach. Orientierungslos sah sie um sich. Wo bei Merlin war sie? Dann fiel ihr schlagartig alles wieder ein. Severus, der Wald und wie sie ihn hierher gebracht hatte. Apropos, sie sah auf die leere Seite des Bettes, wo war er? „Severus?" ängstlich rief sie nach ihm.
„Ich bin hier!" kam es vom anderen Zimmer zurück. Er war also wieder wach und sogleich hatte er sie wieder verlassen. Was hatte sie nur an sich, dass ihn immer wieder flüchten ließ? Sie würde es herausfinden und am Besten gleich. Energisch schob sie die Decke zurück und sprang aus dem Bett. Kurz überlegte sie so wie sie war hinüberzugehen, verwarf aber fast im gleichen Atemzug diese Idee wieder, denn ein Gefühl sagte ihr sie es war besser sich dem was sie erwartete im bekleideten Zustand zu stellen. Angespannt betrat sie den anderen Raum.
Er stand mit dem Rücken zu ihr beim Kamin und schien sich in die kalte Asche vertieft zu haben. Alles an ihm wirkte abwehrend. Trotzig schob sie ihr Kinn vor und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust. Sollte doch er zuerst was sagen.
„Warum bist du hier? Wieso liegst du unbekleidet in meinem Bett?" Aha daher wehte der Wind. Am liebsten hätte sie ihn geschüttelt für soviel Sturheit.
„Oh bitte. Du brauchst dich doch nicht so überschwänglich bei mir zu bedanken, dass ich dir wahrscheinlich im Verbotenen Wald das Leben gerettet habe. Ich renne doch gerne stundenlang durch den Wald, schlepp dich nach Hause und lass mich dafür auch noch blöd anmotzen." Also war es doch kein Traum gewesen. Er hatte sich tatsächlich im verbotenen Wald mit einem Dorn von der Aurelis hypnotica verletzt. Verdammt. Er sollte sich vermutlich jetzt umdrehen und bei ihr bedanken, aber das schaffte er nicht.
„Es war nicht notwendig, dass du dich wegen mir dieser Gefahr ausgesetzt hast." Versuchte er schroff zu sagen, nur klang es nicht so. Seine Stimme war etwas belegt, nicht weil er über ihre selbstlose Wahnsinnstat so ergriffen gewesen wäre. Wie oft in seinem Leben passierte es schon, dass jemand sich für ihn in Gefahr begab, außer nie? Nie.
Aber das änderte nichts an seinem Entschluss. Tief holte er Luft und wappnete sich für seine nächsten Worte, dann drehte er sich mit Schwung zu ihr um. Und musste feststellen, dass er sich in zwei Dingen gründlich geirrt hatte.
Erstens dachte er sie würde noch am anderen Ende des Raumes stehen und nicht eine Handbreit entfernt vor ihm und zweitens glaubte doch tatsächlich er könnte ihr widerstehen.
Bevor er auch nur darauf reagieren konnte, schlang sie bereits ihre Arme um seinen Hals und drückte ihre Lippen fest auf seine. Sofort sprang die Leidenschaft ihres Kusses auf ihn über und all die guten Vorsätze, die er sich für ihre endgültige Trennung so sorgfältig zurecht gelegt hatte, verpufften im Nichts und kaum eine Minute später konnte er sich nicht einmal mehr an sie erinnern.
