Der Racheengel


Sevotharte: Ne, (noch) merkt er nichts, sie versteckt sich, so wie er sich jahrelang vor den Jedi versteckt hat. Aber, ich verrate schon wieder viel zu viel...
Kapitel 8

Große Festhalle

Die Senatsdelegation von Chandrila kam nicht wirklich pünktlich. Sarais Flug hatte Verspätung gehabt und sie hatten noch auf sie gewartet. Eine offizielle Vorstellung gab es bei derlei Feierlichkeiten sowieso nicht. Selten tauchte der Imperator auf, und wenn, nur recht kurz. Ihm schienen solche Feiern nicht zu gefallen. Allerdings sprach man es so nicht aus. Man sagte vielmehr, dass er zu beschäftigt sei, um an derlei Zerstreuungen teilzunehmen.

Kimea hatte aber im Gefühl, das Palpatine heute auf dem Ball kommen würde. Und er würde bleiben.

Mit Gerwin machte sie sich sogleich auf zum Büfett, allerdings besorgte sich Kimea nur ein Glas Rotwein. Lonor war, als sie zurückkehrten, bereits tief in eine Konversation mit Senator Organa von Alderaan verstrickt. Leia, seine Tochter, war nicht zu sehen. Vielleicht war sie auch gar nicht anwesend.

Sie kannte Bail und Leia. Durch ihre Eltern. Sie wusste auch, wer Leia war. Sie kannte auch Luke…zwangsläufig.

Und es gefiel ihr nicht, mit diesem Wissen hier zu sein. Musik spielte auf. Erste Paare strömten auf die Tanzfläche.

In einer Ecke wurde es unruhig. Der Imperator war eingetroffen. Allerdings schien er heute verhindern zu wollen, dass sein Auftritt inszeniert wurde. Ungewöhnlich. Aber,…na gut. Der Herr hatte gewisse Launen. Heute mehr denn früher, da er nicht mehr gezwungen war, den lieben Kanzler zu spielen.


Er hasste es, auf Bällen zugegen zu sein. All diese Wesen. Schon als Kanzler hatte er es vermieden, allzu lange anwesend zu sein, war meist schon vor Mitternacht wieder gegangen. Und als Imperator?

Nun, zu seinen eigenen Festen ließ er sich teilweise noch gern blicken, irgendwie fühlte er sich seinen eigenen Feierlichkeiten verpflichtet, doch auf Bällen, wie dem Senatsball, erschien er ungern und selten.

Unter der tief ins verwitterte Gesicht gezogenen Kapuze seiner Robe blickte er sich um. Einige der Politiker, hauptsächlich jene aus der jüngeren Generation, kannte er überhaupt nicht. Er hatte sie höchstens in diversen Audienzen kennen gelernt. Darauf legte er auch keinen Wert. Die älteren Politiker kannte er noch aus früherer Zeit. Aber das machte die Situation auch nicht angenehmer. Zumindest empfand er es als unangenehm, hier zu sein und auch hier zu bleiben.

In einer kleinen, etwas abseits gelegenen Sitzecke nahm er platz. Von hier aus konnte er die Menge beobachten, ohne selbst auf zu fallen. Natürlich machte es gerade die Runde, dass er eingetroffen war, doch würde man ihn,…hoffentlich, in Ruhe lassen.

Einer seiner Berater sorgte dafür, dass ihnen Wein gebracht wurde. So wie es aussah, würde dieser Abend genau so verlaufen, wie alle vorherigen Abende auch. Er seufzte leise. Frustrierend.

Ihr müsst Euch schon selbst in Bewegung setzen, um Eurer Langeweile zu entkommen. Zu Euch wird niemand freiwillig kommen, klang es plötzlich in seinem Kopf. Erneut konnte er die Stimme nicht zuordnen. War sie wirklich männlich? Oder…? Nein, männlich.

Wo seid Ihr, Jedi? Etwa hier?, antwortete er auf demselben Weg.

Wer weiß?

Er war also hier? In diesem Saal? Wo? Vorsichtig versuchte er einen Überblick über die Gäste zu bekommen. Wen kannte er? Mit wem könnte er ein Gespräch anstrengen, über…was auch immer. Er sah Bail Organa, neben ihn Lonor und dessen kleiner Stab. In deren Nähe waren noch weitere Gesichter, die er kannte. Er sah auch einige Gesichter, die ihm gänzlich unbekannt waren. War dieser Herr da hinten der Jedi? Oder der? Der da, der gerade in Richtung des Büfetts ging? Oder der, der sich zu Lonor und Organa gesellte?


Sie konnte sehen, wie er plötzlich aufstand. Sehr zum Erstaunen seiner Berater scheinbar. Doch er ließ sich nicht beirren, verließ seinen Gesprächskreis und machte sich auf, einen neuen Kreis zu finden. Leider, ihrer Meinung nach, in die falsche Richtung, denn er kam genau auf sie zu. Besser, er kam auf Lonor und Organa zu.

Und, er sprach sie an.

Die beiden Senatoren waren sichtlich irritiert, scheinbar hatte Palpatine schon lange nicht mehr ein einfaches Gespräch gesucht. Dennoch machten sowohl Lonor als auch Organa gute Miene zum bösen Spiel und begannen eine Unterhaltung mit ihm, versäumten es aber nicht, ihm die anderen Gesprächsteilnehmer vorzustellen. Sarai neigte etwas ihren Kopf in seine Richtung als ihr Name fiel, Gerwin ebenso. Kimea gleichfalls.

„Wir haben uns doch schon kennen gelernt", meinte er plötzlich zu ihr, „Ihr ward es doch, die Senator Lonor heute zu mir begleitet habt, nicht wahr?"

„Ja, Hoheit." Oh, gewiss, wir kennen uns! Mehr und besser als Ihr denkt!

„Und Ihr sei neu im politischen Zirkus? Wie gefällt es Euch?"

„Das würde mich auch interessieren, Kimea?", meinte Lonor grinsend.

„Gut, nicht ganz so schlimm wie mein Vater mir prophezeit hatte", sie versuchte zu lächeln, „Aber Väter machen sich ja immer so schreckliche Sorgen um ihre Töchter."

Nun wechselten die Themen, Palpatine blieb. Und wenn er nichts dazu betragen konnte, so hörte er einfach nur zu. Es musste ihm selbst etwas seltsam vorkommen, an einem normalen, nicht politischen Gespräch teilzunehmen. Sich zu integrieren. Aber es schien ihm zu gefallen.

Man sprach über die gestiegenen Immobilienpreise auf Hesperidium, über Gerüchte, die im ganzen Saal die Runde gemacht hatten, über die kommende Ballsaison.


Er wusste nicht, warum oder weshalb er sich wohl fühlte, doch dass er sich wohl fühlte, war nicht mehr abzustreiten. Ihm gefiel es hier auf diesem Ball. Es war abwechslungsreich, wenn er mal nicht mit seinen Beratern in einer Ecke saß und das Ende abwartete oder auf einen geeigneten Augenblick wartete, um vorzeitig zu verschwinden.
Imperialer Palast

Er konnte nach diesem ungewöhnlich angenehmen Abend nicht so recht einschlafen. Also hatte er beschlossen, schon jetzt, in bester Stimmung, seine Hausaufgabe zu erledigen. Mit einem DataPad lockte er sich in das ehemalige Jediarchiv ein und gab das Datum an.

Nichts. Kein Eintrag.

Er versuchte es erneut.

Nichts.

Das konnte nicht sein! Er gab an, alle Dateien, nun auch die versteckten und verschlüsselten, zu durchsuchen.

Da war etwas. Ein einziger, kleiner Eintrag. Eher ein Vermerk. Zwei Jedi, die Namen waren nur dem Rat bekannt, hatten gemeinsam die Ordensregeln übertreten. Die Tatsache der Schwangerschaft und was mit den betroffenen Jedi passiere, würde intern geregelt.

Wie interessant! Er war sich sicher, dass es Lord Vader brennend interessieren könnte, dass dessen Beziehung zu Amidala damals nicht unbedingt zum Rauswurf geführt hätte. Das war selbst ihm neu. Dass zwei Jedi sich ineinander verliebten, neues Leben zeugten und dennoch nicht stante pede des Ordens verwiesen wurden.

Der Jedi war also entweder der Vater, oder aber, was er eher vermutete, das Ergebnis dieses Vorfalls.

Interessant, sehr interessant! Nein, wirklich…


Und das Spiel geht weiter! Kapitel 9 in Vorbereitung... Greetings!