Titel: D.A. Maxwell, Privatdetektiv
Autoren: Zanna & Laren (ZaLa)
Disclaimer: siehe Prolog

Kommentar: So, langsam kommen wir wieder auf Touren. Ich hab endlich wieder Internet, Laren ist wieder im Land, und die Kapitel fangen wieder an zu purzeln. :-) Viel Spaß damit und nochmal an alle Frohe Weihnachten!


Kapitel 9

Duo vibrierte vor Aufregung. Er würde gleich die berühmte Claire de la Maire kennen lernen. Am liebsten würde er sich allein schon bei dem Gedanken daran die Hände reiben – denn aus so einer Bekanntschaft ließ sich für ihn eigentlich immer etwas herausschlagen – aber da er gerade hinter dem Steuer saß würde dass wohl nicht so sonderlich gut ankommen.

Vor allem nicht bei seinem überaus gereizten Beifahrer. Duo warf bei diesem Gedanken einen kurzen Blick zur Seite. Heero sah wirklich etwas genervt aus. Der junge Mann müsste endlich mal was zur Entspannung machen, sonst würde sich das Stirnrunzeln noch permanent einprägen. Und Duo wusste auch schon genau was er Heero zur Entspannung empfehlen würde. Aber irgendwie war Heero zurzeit nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen. Warum auch immer.

Obwohl, ganz tief drin war sich Duo schon bewusst, dass Heeros Anspannung eventuell etwas mit seinem versuchten Diebstahl zu tun haben könnte. Aber andererseits verstand Duo die ganze Aufregung nicht. Klar er hatte die Gunst der Stunde mit der Verwechslung weidlich ausgenutzt und alles Mögliche an Informationen aus Heero und Huntington herausgekitzelt. Aber im Grunde genommen hätte er das gar nicht wirklich nötig gehabt. Schließlich war er ein Meister seines Faches. Wahrscheinlich sogar der beste. Die Juwelen wären sowieso seine gewesen.

Wenn, ja wenn dieser unverschämte andere Dieb ihm nicht so dreist in die Quere gekommen wäre. Wie konnte er es nur wagen? Da war es doch nur zu natürlich, dass Duo jetzt half diesen zu fassen und die Juwelen wieder zu besorgen. Zum einen konnte er damit vielleicht Heero zu einem weiteren Date überreden – was dem jungen Mann wohl auch bei seinem Anspannungsproblem helfen würde – zum anderen konnte sich dadurch vielleicht eine neue Möglichkeit ergeben doch noch an die Juwelen heran zu kommen. Er konnte also nur gewinnen. Zufrieden mit sich und der Welt summte Duo vor sich hin.

Schließlich lag die ganze Geschichte jetzt schon recht lange zurück. Und hatte er sich nicht freiwillig angeboten Heero zu helfen? Da konnte der andere seinen Unmut doch wohl langsam mal überwinden. Oder?

„Könntest du das eventuell endlich unterlassen?" herrschte Heero ihn an.

„Was?" fragte Duo verdutzt während er in eine Seitenstraße abbog. Diese neumodischen Navigationssysteme waren einfach klasse.

„Na dieses Summen," kam es kalt zurück.

„Wieso? Stört es dich etwa?" Duo grinste seinen Begleiter breit an.

„Ja. Das macht mich nervös."

„Du bist viel zu angespannt Heero. Da musst du unbedingt mal etwas gegen tun. Ich bin gerne bereit dir dabei zu helfen," erklärte Duo mit einem leicht anzüglichen Grinsen.

„Oh ja, du wirst mir garantiert dabei helfen," gab Heero zurück.

Duo hob fragend die Augenbraue.

„Wenn ich dich erst einmal hinter Schloss und Riegel habe dann wird es mir sehr viel besser gehen!"

Autsch, das hatte gesessen. Wieso musste Heero nur so ein schlechter Verlierer sein? Duo schüttelte den Kopf. Aber wahrscheinlich lag das auch wieder an dem Verspannungsproblem. Wurde wirklich Zeit, dass er das nächste Date mit Heero haben würde. Bei dem Gedanken grinste Duo breit. Aber um die Stimmung nicht noch mehr zu beeinträchtigen ließ er das summen. Das konnte er später noch nachholen.

Nur Sekunden später kamen sie mit dem Auto an einem großen Torbogen an. Duo ließ das Fenster herunterfahren und betätigte den Rufknopf.

„Ja?" ertönte eine leicht metallische Stimme.

Duo setzte sein bestes Lächeln auf, zwar gab es keine Kamera, aber er wusste genau dass das Lächeln sich positiv auf seine Stimme auswirken würde. Er würde noch sympathischer wirken als er sowieso war. Das war eine seiner leichtesten Übungen, schließlich war er verdammt gut in seinem Job. „D.A. Maxwell und Assistent. Wir haben einen Termin bei Claire de la Maire," erklärte er, während ein Seitenblick ihm zeigte dass Heero bei der Erwähnung dass er sein Assistent war grün um die Nase wurde. Duo musste schwer an sich halten um nicht doch wieder zu summen. Das hier machte erstaunlich viel Spaß.

„Sie können reinkommen", erklärte die metallische Stimme und wenige Augenblicke später öffnete sich auch schon das Tor. Duo legte den ersten Gang ein und fuhr die lange Auffahrt zum Anwesen der berühmten Schauspielerin hoch.

Während der Fahrt bemühte er sich alles genau einzuprägen, wer wusste schon wozu das gut wäre? Die parkähnliche Anlage – es einen Garten zu nennen wäre viel zu profan gewesen – war riesig und äußerst gut gepflegt. Claire de la Maire schien viel grün um sich herum zu mögen. Und einen großen Abstand zu den nächsten Villen. Das hier war Luxus pur und Duo liebte es jetzt schon.

Endlich hatten sie den wirklichen Hauseingang erreicht. Schnell stiegen sie beide aus dem Auto aus. Beim schließen der Fahrertür ließ Duo noch einmal anerkennend seine Finger über das Metall fahren. Da hatten Heero und dieser Wuffels ein wirklich nettes Wägelchen für ihren imaginären Chef besorgt. Ein Sportcabrio. In schwarz. Es war wie für Duo gemacht und ertappte sich nicht zum ersten mal bei der Überlegung, wie er wohl das Auto behalten könnte. Vielleicht als Prämie, weil er so brav bei der Wiederbeschaffung der Juwelen geholfen hatte? Um das mit all seinen anderen Plänen zu verbinden würde er noch einige gute Ideen benötigen. Aber Duo wuchs mit seinen Aufgaben.

„Nun mach schon," herrschte ihn Heero leicht genervt an.

Duo seufzte. Vielleicht würde er doch sehr schnell was gegen dieses Anspannungsproblem unternehmen müssen. Wäre sicherlich auch besser für das Arbeitsklima. Auf jeden Fall hatte Duo keine Lust darauf etwas zu entgegnen und betätigte einfach die Klingel.

Schon wenige Augenblicke später wurde die große Eingangstür von einem älteren Mann geöffnet der sie von oben herab betrachtete. Der Butler – denn um etwas andres konnte es sich bei diesem Mann nicht handeln – begutachtete sie noch ein wenig und gab Duo dabei das Gefühl nicht ganz in der gleichen Liga zu spielen, ein Gefühl das er nur äußerst selten hatte. Dann öffnete der Mann seinen Mund und sagte mit feinstem britischen Akzent, „Madame erwartet Sie bereits im grünen Salon. Bitte folgen Sie mir."

Unbewusst warfen Duo und Heero sich einen Blick zu. Dann zuckten sie beide gleichzeitig mit den Schultern und gingen einfach hinter dem Butler her. Duo betrachtete die Einrichtung äußerst interessiert. Überall standen die kostbarsten Antiquitäten. Hier würde sich ein weiterer Besuch durchaus lohnen.

Plötzlich hatte er einen verdammt spitzen Ellenbogen in der Rippe. „Pass auf deine Finger auf," warnte Heero eindringlich.

Duo rollte nur mit den Augen. Als ob er jetzt etwas stehlen würde. Hielt Heero ihn etwa für einen blutigen Anfänger? Jetzt würde der Verdacht doch sofort auf sie beide fallen. Aber zu einem späteren Zeitpunkt, dann wenn ihr Besuch schon längst in Vergessenheit geraten war, dann würde er nichts gegen eine Einkaufstour in diesem schönen Anwesen haben. Nur musste das Heero nicht unbedingt wissen. Der schien irgendwie sehr merkwürdig zu sein, was das betraf. Wahrscheinlich wieder dieses Anspannungsproblem.

Nach einem – für das Gebäude – angemessen langem Weg, schienen sie ihr Ziel erreicht zu haben, denn der Butler öffnete zwei große Flügeltüren und verkündete: „Madame, ihre Besucher sind da." Dann ließ er sie beide in den Raum treten und schloss die Türen hinter ihnen.

Duo blickte sich kurz um, scheinbar war dies der 'grüne Salon' weil überall Grünpflanzen standen. Ansonsten gab es nicht viel grün in dem großen Raum. Dafür aber kostbare Möbel, Bilder und Teppiche. Duo kam sich wie im Schlaraffenland vor.

Dann kam ihnen wie aus dem nichts eine Frau entgegen. Eines musste man lassen, Claire de la Maire wusste immer noch, wie sie einen perfekten Auftritt hinlegte. Mit der Haltung der Filmgöttin die sie war, kam sie auf sie zu und nahm Duo – und wahrscheinlich auch Heero – mit ihrem Lächeln gefangen.

Vor fast vierzig Jahren war sie das erste Mal auf der Leinwand aufgetaucht und hatte dann für mehr als zwei Jahrzehnte das Filmgeschäft beherrscht. Mit ihren langen rabenschwarzen Haaren und einer Ausstrahlung die förmlich 'Sex' schrie war sie fast über Nacht zu einer der größten Schauspielerinnen aufgestiegen und war für lange Zeit an der Spitze geblieben.

Sie hatte immer die erfolgreichen, wunderschönen Frauen gespielt und war dadurch nicht nur der Traum vieler Männer geworden, sondern wurde gerade auch von vielen Mädchen angehimmelt. Sie hatte niemals die 'Damsel in distress' gespielt – vielleicht hätte ihr auch niemals jemand diese Rolle abgenommen.

Es hatte viele Skandale in ihrem Leben gegeben, sie war niemals verheiratet gewesen – hatte sogar Heiratsanträge von einem Herzog, einem Prinz und einem Scheich abgelehnt. Trotzdem hatte sie einen Sohn und das zu einer Zeit als das selbst für Schauspielerinnen noch unschicklich war. Und dennoch hatte sich dies niemals negativ auf ihre Karriere ausgewirkt. Jeder Skandal, jede neue Klatschgeschichte hatte sie nur noch glamouröser dastehen lassen. Sie war wirklich eine der letzten Hollywood Diven.

Und sie hatte von ihrer Ausstrahlung nichts verloren. Zwar war ihr Haar jetzt von grauen Strähnen durchzogen und ihre Kleidung war ihrem Alter entsprechend weniger freizügig, und trotzdem wirkte sie wie eine Königin. Vielleicht gerade deshalb. Sie war kein dummes Ding mehr, sondern eine erfahrene Frau und Duo kam sich gerade wie ein kleiner Schuljunge vor, der für seine Lehrerin schwärmte.

Duo wunderte sich wirklich, wie Claire de la Maire das nur schaffte.

Doch dann nahm sie seine rechte Hand in ihre Hände und drückte kräftig zu. „D. A. Maxwell. Es ist mir eine Ehre Ihre Bekanntschaft zu machen."

Für einen ziemlich langen Augenblick wusste Duo nicht was er sagen sollte. Doch dann setzte sein Instinkt wieder ein. Er lächelte genüsslich, hob ihre Hand zu seinem Mund zu einem Handkuss und erklärte, „Enchante Madame. Aber die Ehre liegt ganz bei mir."

„Charmeur," erklärte sie lachend. Dann drehte sie sich zu Heero um und sagte, „Und wenn ich mich nicht irre, dann haben wir hier Ihren reizenden Assistenten Heero Yuy. Ich bin ja so aufgeregt Sie beide kennen zu lernen."

Heero schien wieder ungesund grün um die Nase zu sein, aber er schaffte es irgendwie eine halbwegs freundliche Begrüßung von sich zu geben.

„Setzen wir uns doch," forderte die Schauspielerin sie auf und führte sie zu einer großen Sofalandschaft. Nachdem sie alle bequem saßen, schenkte Claire de la Maire ihnen sogar noch einen Tee ein um dann relativ schnell zum Punkt zu kommen. „Gibt es schon Neuigkeiten?"

Duo schüttelte verneinend den Kopf. „Leider haben sich bisher alle Spuren als unbrauchbar erwiesen. Und ich möchte auch mein tiefstes Bedauern über diesen Raub ausdrücken. So etwas hätte nicht unter unserer Aufsicht passieren dürfen." Kam es Duo nur so vor, oder hatte Heero gerade ein Schnauben von sich gegeben?

Die Frau winkte ab. „Ich bin mir absolut sicher, dass Sie alles nur menschenmögliche getan haben. Huntington hatte mich über alle Einzelheiten ins Bild gesetzt und ich glaube nicht dass Sie irgendetwas hätten tun können um diesen dreisten Raub zu verhindern. Und ich bin mir genauso sicher, dass Sie die Juwelen wieder beschaffen werden. Immerhin kenne ich den guten Ruf Ihrer Firma nur zu Genüge."

„Danke," freute sich Duo bescheiden. Und ja, Heero war wieder grün angelaufen.

„Außerdem finde ich es sehr aufregend, dass Sie ausgerechnet bei meinem Fall endlich Ihr Inkognito haben fallen lassen. Ein paar Freundinnen und ich verfolgen Ihre Fälle nun schon seit längerem und wir haben eine Wette laufen wann man endlich den berühmten D. A. Maxwell zu Gesicht bekommt. Das dies nun ausgerechnet bei meinem Fall geschehen ist, lässt mich ja fast die ganzen Unannehmlichkeiten vergessen. Das war wirklich ein grandioser Publicity Trick von Ihnen, mein Lieber." Claire de la Maire lächelte vergnügt.

„Wie meinen?" stotterte Duo.

„Naja mir war von vornherein klar, dass es einen besonderen Grund geben muss, warum man immer nur einen Ihrer Assistenten zu Gesicht bekommt. Ich hatte für einen Augenblick sogar mit der Idee gespielt, dass es Sie in Wirklichkeit gar nicht geben würde. Aber jetzt sehe ich die ganze Brillanz des Plans. Dadurch dass Sie sich so zurückgehalten haben, wurden Sie das große Rätsel und nichts liebt man in dieser Stadt mehr als ein gutes Rätseln. Es gab tausende Spekulationen und in fast allen wurde D. A. Maxwell als ein Mann mittleren Alters – wahrscheinlich sogar Pfeife rauchend – dargestellt. Und sehen Sie sich jetzt an. Ein junger, gut aussehender Mann – wenn ich einmal so frei sein darf. Wenn Sie von Anfang an in die Öffentlichkeit gegangen wären, dann hätte Ihnen niemals jemand etwas zugetraut.

Anders als in der Filmbranche zählt in Ihrer Profession die Erfahrung. Etwas das man einem so jungen Mann sicherlich abgesprochen hätte. Aber jetzt, jetzt sind Sie ein Star. Und jeder wird sich darum reißen dem berühmten D. A. Maxwell einen Fall übertragen zu können. Welche PR Agentur hat sich das ausgedacht? Die muss ich sofort engagieren."

Duo wollte schon protestieren, als ihm aufging, dass diese Idee von der Schauspielerin gar nicht mal so schlecht war. Auf jeden Fall eine weitaus bessere Erklärung als die Wahrheit. „Sie haben mich erwischt," sagte er deshalb leichthin. „Aber es gab keine Agentur, darauf bin ich von allein gekommen."

Heero schien sich wieder am Tee zu verschlucken. Vielleicht sollte er besser nicht so heiße Getränke zu sich nehmen, überlegte Duo.

„Oh, dann scheinen Sie ja ein Naturtalent zu sein was PR angeht. Vielleicht haben Sie Ihre Berufung verfehlt."

Jetzt setzte Heero seine Tasse relativ laut auf den kleinen Tisch vor sich ab. „Ms. De la Maire, sind Sie sicher, dass Sie nicht selbst für das Verschwinden der Juwelen verantwortlich sind?"

Eine perfekte Augenbraue wurde hochgezogen, „Was meinen Sie?"

„Nun, Sie scheinen sich so besonders mit PR auseinander zu setzen. Wäre es nicht eine wunderbare PR für Sie, wenn Ihre Juwelen kurz vor dieser Galaausstellung gestohlen würden? Davon einmal abgesehen dass die Versicherung Ihnen sicher ein erkleckliches Sümmchen zahlen wird."

Ein schallendes Lachen durchhallte den Raum. „Mein Lieber, ich habe Gagen erhalten, von denen Sie nur träumen können. Und anders als viele meiner Kollegen habe ich mein Geld niemals einem schwierigen Agenten anvertraut damit er es veruntreuen kann, und ich habe es auch nicht mit beiden Händen zum Fenster heraus geworfen. Im Gegenteil meine Investitionen waren so erfolgreich dass ich jetzt so reich bin, dass Sie mich beinahe Dagobert Duck nennen könnten. Auf das Geld der Versicherung bin ich beileibe nicht angewiesen. Ganz davon abgesehen, dass ich die Juwelen schon vor einer Woche an die Stiftung die die Benefizgala abhält übertragen habe – natürlich inklusive der Versicherung. Ich wollte dass die Juwelen zum größtmöglichen Preis verkauft werden damit das Geld dem guten Zweck zu Gute kommen kann. Da die Versicherung nur den rein nominellen Wert abdeckt und nicht was meine Juwelen in einer Versteigerung bringen würden, werde ich wohl der Stiftung auch noch einen größeren Scheck ausstellen. Also so gesehen ist dieser Diebstahl ein großes Verlustgeschäft für mich."

„Aber dass es eine unbezahlbare Publicity ist, werden Sie nicht bestreiten, oder?"

„Und wieso sollte ich die nötig haben?" Das Lächeln der Schauspielerin wurde noch größer.

Heero räusperte sich. „Nun ich habe ein wenig nachgeforscht. Der letzte große Film mit Ihnen in der Hauptrolle ist schon fast zehn Jahre her. Vielleicht wollen Sie sich wieder ins Gespräch bringen."

Sie lachte wieder. „Köstlich. Mein Lieber, die Hauptrollen die ich früher hatte, waren die als begehrenswerte Frau. Jetzt bin ich eher die Schwiegermutter. Darüber könnte ich lange lamentieren oder einfach hinnehmen dass man als 60jährige einfach kein Sexobjekt mehr ist. Aber dass ich nicht mehr die großen Hauptrollen bekomme stört mich gar nicht. Wenn Sie etwas tiefer geforscht hätten, dann hätten Sie bemerkt dass ich alles andere als untätig bin. Ich habe viele – zugegebenermaßen kleinere – Rollen in Independent Filmen gespielt. Ich stehe seit über einem Jahr auf der Bühne und feiere einen Erfolg nach dem anderen mit einem großartigen Stück das mein Sohn mir auf den Leib geschrieben hat. Es ist so erfolgreich, dass sich die großen Filmstudios vor zwei Monaten eine Bieterschlacht gegeben haben um die Rechte daran zu sichern, wobei sie auch mich wieder in der Hauptrolle sehen wollen. Und vor zwei Wochen habe ich erfahren dass ich für eine der Nebenrollen eine Oskarnominierung bekommen werde. Wirklich, Publicity habe ich zur Zeit mehr als genug."

„Hn," sagte Heero.

Duo versuchte so gut es ging die Wogen zu glätten. „Verzeihen Sie diese Fragen. Aber es ist halt so, dass wir uns den Diebstahl anders fast gar nicht erklären können. Die Juwelen sind nirgendwo zum Kauf angeboten worden. Es ist fast so als wenn niemand sie gestohlen hätte. Oder als wenn der Dieb sie für sich selbst behalten möchte. Was uns zu unserer nächsten Idee bringt. Vielleicht war es ja ein fanatischer Fan von Ihnen?"

Claire de la Maire lehnte sich entspannt im Sofa zurück. „Das kann ich nicht glauben. Die Zeit der durchgedrehten Fans ist vorbei. Vor dreißig Jahren vielleicht, aber nicht mehr heute. Sicher ich hab sehr treue Fans, wie zum Beispiel Huntington, er leitet meinen größten Fanclub seit mehr als 35 Jahren. Aber einen Stalker der Sachen von mir stielt um mir nah zu sein, das hatte ich schon Ewigkeiten nicht mehr. Und warum sollte der es ausgerechnet auf die Juwelen abgesehen haben? Die waren doch sowieso zum Kauf angeboten, und um an persönlichere Dinge von mir zu gelangen hätte er hier einbrechen müssen."

Die Schauspielerin schien es Heero tatsächlich nicht übel genommen zu haben dass er sie verdächtigt hatte. Die Frau hatte einfach Klasse.

„Wie ist es mit Ihrem Sohn?" hakte Heero nach. Duo hätte ihm gerne einen warnenden Tritt gegen das Schienbein gegeben aber das hätte jetzt doof ausgesehen.

„Nein, James hat auch keinen Grund. Als ich ihm von meiner Absicht die Juwelen zu spenden berichtet hab, hatte er nur eine einzige Bedingung, nämlich dass ich die Geschenke seines Vaters behalte. Aber es stand sowieso außer Frage dass ich die verkaufen würde. Also kein Problem. Und das Geld braucht er auch nicht. Er wird sowieso alles erben, ist aber selber inzwischen stinkreich. Seine Manuskripte sind sehr gefragt."

„Also können wir ihn auch getrost von der Liste streichen," erklärte Duo schnell bevor Heero noch weiter nachhaken konnte. Er würde ihm noch mal beibringen müssen wann man indiskrete Fragen stellen konnte und wann nicht. „Wie sieht es sonst aus? Irgendwelche Probleme wegen der Auktion? Ein paar Neider oder alte Feinde?"

Claire de la Maire überlegte für einige Momente. „Da ist eine Kleinigkeit, aber ich weiß nicht ob das überhaupt etwas zur Sache beiträgt," begann sie.

„Nur zu, im Moment kann uns alles weiter bringen."

„Nun, Huntington und ich hatten einen kleinen Streit wegen der Auktion. Wenn man das überhaupt einen Streit nennen kann. Es war eher eine Meinungsverschiedenheit. Er wollte dass ich die Juwelen nur gemeinsam verkaufe. Er meinte dass wir so einen größeren Gewinn für die Stiftung herausbekommen würden, da die Juwelen als gesamte Sammlung von Claire de la Maire wertvoller sind, als einzeln. Aber das wollte ich nicht. Es war mir etwas zu unsicher, denn wer kann mir garantieren dass es tatsächlich genügend Leute gibt die eine so große Summe für meinen alten Tand ausgeben wollen. Und ich wollte auch möglichst vielen Fans die Gelegenheit geben etwas zu kaufen. Huntington war strickt dagegen. Hat auch 3 Tage nicht mehr mit mir geredet. Aber dann ist er zur Besinnung gekommen und hat sich entschuldigt. Und er hat dann auch die gesamte Organisation der Gala übernommen. Praktisch als Wiedergutmachung."

„Das ist ja sehr interessant," erklärte Heero und lächelte geheimnisvoll.

Duo war für eine Sekunde verwirrt, was hatte Claire de la Maire denn so interessantes erklärt? So wie er Huntington kennen gelernt hatte konnte der den friedfertigsten Menschen in den Wahnsinn treiben, was war daran ungewöhnlich?

„Ich denke wir haben alles erfahren was wir wollten," sagte Heero jetzt bestimmt und stand auf.

Duo tat es ihm nach. Er lächelte die Schauspielerin an. „Vielen Dank für Ihre Hilfe und für Ihre Gastfreundschaft."

Claire de la Maire gab daraufhin beiden Männern die Hand. „Ich hoffe Sie finden die Juwelen so schnell wie möglich. Es wäre schön, wenn die Auktion wie geplant von statten gehen könnte. Die Stiftung wird es Ihnen danken. Und für mich persönlich war es sehr interessant den berühmten D. A. Maxwell bei der Arbeit zu beobachten. Das wird mir sicher bei meiner nächsten Rolle als Detektivin helfen. Oh und wenn ich Sie demnächst zu einer kleinen Bridgerunde mit meinen Freundinnen einladen könnte. Mit D. A. Maxwell als Begleitung werde ich der Star des Abends."

Duo beugte sich herunter und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken. „Es wird mir eine Ehre sein," sagte er während Heero wieder unhöflich schnaubte. Duo liebte es neue, reiche Leute kennen zu lernen. Daraus konnte sich immerhin eine günstige Gelegenheit ergeben.

Während Heero ihn praktisch aus dem Haus herausbugsierte merkte sich Duo alle Einzelheiten der Sicherungsanlage. Wer wusste schon wozu das noch gut sein konnte?