Hey Leuters,

hier kommt nun Cap 10, wenn auch mit ein wenig Verspätung. Und es ist wenn man so sagen will auch nur ein kurzes Zwischencap.

Trotzdem viel Spaß,

Mr. Figgs

Kapitel 10

„Hallo ?"

Harry kam sich vor, als wäre sein erster Besuch in Mr. Ollivanders Laden erst wenige Stunden her gewesen. Und wenn er sich recht erinnerte, stand er damals, vor gut sechs Jahren, ebenfalls allein in diesem alten Geschäft, mit all seine staubigen Regalen und den kleinen Zauberstabschachteln.

Remus war noch einen anderen Weg erledigen und da man vor dem Laden eine Gruppe Auroren gesehen hatte, und diese signalisierten, auf Harry ein Auge zu haben, war der Werwolf mit einem Gefühl der Erleichterung um die nächste Ecke gebogen.

Allerdings war es dann doch nicht ganz genau wie damals, musste Harry feststellen. Denn heute glänzten die Regale, als wären sie neu und auch die Zauberstabschachteln lagen ordentlich und nach Größe sortierte in ihnen. Ja, sie schienen regelrecht auf ihre neuen Besitzer zu warten und deshalb machte sich der Schwarzhaarige mit der kleinen silbernen Glocke, die über dem Tresen hing, bemerkbar.

Es dauerte dann auch keine fünf Sekunden, bis eine, für Harry sehr jugendlich klingende Stimme, von weiter hinten im Laden erklang.

„Ich komme... bin schon auf dem Weg", sagte ein junger Mann, der so rein gar nicht nach Mr. Ollivander aussah.

„ Oh, Kundschaft. Das ist aber mal schön. Mein Name ist übrigens Augustus Ollivander, guten Tag"

Mit einem Lächeln stellte sich der Fremde Harry vor und der Schwarzhaarige musterte ihn genau. Somit vergingen auch einige Sekunden, in denen Harry versuchte Ähnlichkeiten zu finden. Und zwar zwischen dem jungen Mann vor ihm, mit seinem schulterlangen, sandbraunen Haaren und der scheinbar schon mal gebrochenen Nase, und dem alten Mr. Ollivander. Denn mit seiner edlen Lederkleidung erinnerte der Verkäufer nicht wirklich an den alten, sehr traditionell gekleideten Zauberer, den Harry vor sechs Jahren getroffen hatte.

„ÄHM, wo ist denn der andere Mr. Ollivander ?" Fragte er schließlich, worauf Augustus lächelte, auch wenn seine Augen einen kleinen Tick Trauer verrieten.

„Oh, mein Großvater ist fortgegangen. Ihm war es hier nicht mehr sicher genug." Und während der junge Mann dies erzählte ging sein Blick etwas unsicher zu Harry´s Unterarm. Der Schwarzhaarige fühlte regelrecht, dass sein Gegenüber versuchte abzuschätzen, mit wem er es zutun hatte. Und mehr aus einem Reflex heraus, schob er seinen Ärmel hoch.

„Keine Sorge Mr. Ollivander, ich gehöre eindeutig nicht zu diesen Missgeburten von Todessern ."

Augustus schaute ertappt auf und bemerkte Harry´s Narbe. Sofort versuchte er seinen Fehler zu entschuldigen.

„Oh, sind es Mr. Potter. Verzeihen sie mir mein ungebührliches Benehmen. Aber seit die Todesser im letzten Jahr hier waren und Großvater zwingen wollten, dass er nur noch für sie arbeitet. Da bin ich sehr skeptisch geworden."

„Skeptisch ? Zwingen ?" Fragte Harry und hatte insgeheim die Entschuldigung des jungen Mannes schon akzeptiert,

„Ja zwingen, Mr. Potter. Sie wollten, dass er nur noch Zauberstäbe an jungen Hexen und Zauberer verkauft, die in ihren Augen würdig sind, einen zu besitzen."

Harry´s Augen wurden immer größer, als er dies hörte. Augustus schien zu spüren, wie sich in Harry das Unverständnis breit machte und fuhr schnell mit beruhigender Stimme fort.

„Aber keine Angst, Mr. Potter. Die Familie Ollivander hat sich bisher noch nie von jemanden sagen lassen, was sie zu tun hat und was nicht. Dies war schon im Mittelalter und zu Grindewalds Zeiten so. Und wird sich auch bei Voldemord nicht ändern."

„Ja, aber ihr Großvater...", wollte Harry ansetzen, doch Mr. Ollivanders Enkel unterbrach ihn.

„Mein Großvater ist nur vorübergehend an einem sicheren Ort, wo er weiter seinem Handwerk nachgehen kann. Ohne, dass ihn die Todesser, oder auch das Ministerium, dabei stören können. Ich persönlich bin jedoch noch nicht soweit mit meiner Ausbildung, als dass ich solche Kunstwerke wie er herstellen könnte. Aus diesem Grunde bleibe ich hier und kümmere mich um den Verkauf. Denn schließlich wird Hogwarts ja nicht geschlossen und somit werden mit Sicherheit eine Menge neuer Schüler ihren ersten Zauberstab benötigen."

Harry sah den jungen Mann an und verstand. Außerdem fand er es auf der einen Seite auch sehr mutig von ihm. Denn wer weiß, was Voldemords Anhänger noch unternahmen, wenn sie merken, dass sich die Ollivanders nicht vor ihnen beugten.

Schließlich kamen die beiden aber wieder zum eigentlichen Grund von Harry´s Besuch und Augustus begann, wie schon Jahre zuvor sein Großvater, Harry zu mustern und zu vermessen. Dann wirbelte er allerdings und um ein vielfaches aufgeregter als der alte Zauberer durch den kleinen Laden und deckte den Schwarzhaarigen mit Zauberstabschachtel förmlich zu.

Allerdings fand sich nicht wirklich etwas brauchbares und Harry sah ein wenig verloren aus. Mr. Ollivander jedoch schien das Familienmotto, dass jedermann bei Ollivanders den passenden Stab bekommt, sehr ernst zu nehmen und suchte weiter.

Schließlich kam der junge Mann ganz verschwitzt, und mit Spinnenweben verziert, aus dem Keller wieder hoch und trug in seinen Händen ein paar alte, vollkommen verschlissen aussehende Schachteln.

„So Mr. Potter, das hier wären die letzten Möglichkeiten. Es sind einmal ein Zauberstab aus Akazie mit einem Kern aus Phönixfeder. Dann einer aus Steineiche mit Drachenblut und schließlich das gleiche Holz, jedoch mit kristallinem Basilkengiftzahn. Letzter ist allerdings ein sehr alter und gebrauchter Stab. Und ich weiß nicht mal so recht, wem er einst gehört hat."

Harry überlegte kurz und meinte dann, dass er den Stab mit der Phönixfeder, vielleicht nur mal probieren sollte. Denn wer weiß ? Vielleicht hatte Fawks ja doch nicht nur eine weiter Feder gelassen und dann würde der Stab beim Kampf gegen Voldemord eventuell nicht ganz so effektiv sein. Schließlich gab es schon einmal diesen „Priori Incantato" und wer sage, dass dies nicht wieder geschah.

Augustus schien das Zögern von Harry, im Bezug auf diesen Stab, zu interessieren und Schwarzhaarige spürte plötzlich, wie ihn etwas leicht in seinem Gesicht kitzelte. Etwas, dass durch die feinen, sich gerade regenerierenden Härchen um ein vielfaches stärkt wurde. Er schaute auf und bemerkte den Zauberstab in der rechten Hand des Verkäufers. Sofort wollte es sich den nächstbesten Zauberstab greifen, um sich zu verteidigen. Doch Augustus senkte seinen eigenen und hob entschuldigend die Hände.

„Keine Angst Mr. Potter, ich wollte sie nicht verhexen, sonder nur kurz was überprüfen. Und was ich sah, lässt mich verstehen, wieso sie mit dem Phönixstab so ihre Probleme haben."

Harry schaute den jungen Mann mit einer Mischung aus Ärger und Unsicherheit an. Was hatte er gemacht ? War er in seine Erinnerungen eingedrungen ? Bevor Harry aber fragen konnte, sagte sein Gegenüber.

„Es ist schon eine komische Sache. Ich meine Verletzungen, die mit Phönixen zu tun haben. Auf der einen Seite haben ihre Tränen diese faszinierende heilende Wirkung. Und auf der anderen ruft ihr Feuer die wohl schmerzhaftesten Verbrennungen hervor, die sich ein Mensch nur vorstellen kann."

Harry sah auf und verstand nicht so recht, was Augustus meinte. Mr. Ollivanders Enkel jedoch krempelte sich plötzlich seinen rechten Ärmel hoch und Harry konnte nun deutlich eine sehr stark verschrumpelte Narbe erkennen.

„Ich war zwölf Jahre als, als ich mit Großvater im Wald auf Rohstoffsuche war." Begann der Verkäufer mit nachdenklichem Gesicht. „Oh, es war immer sehr interessant, dass können sie mir ruhig glauben. Und ich bin auch immer mit Freuden mitgegangen, bis halt zu jenem Tag, als mich meine Neugier überrannte und ich zu spät bemerkte, dass dieser wunderschöne Phönix in seinem Nest nicht darauf wartete, dass ich ihm eine Feder aus dem Schwanz zog. Sondern sich auf sein Vergehen und die Wiedergeburt vorbereitet hat. Großvater musste mir fast den Arm abtrennen, so schnell und schmerzhaft breitete sich das Feuer des Phönix aus."

Harry hört dem Mann aufmerksam zu und bekam sogar ein wenig Mitleid. Schließlich wusste er, wie schmerzhaft es sein konnte. Danach hob er den Phönixstab hoch, um ihn zu probieren, doch es kam nicht wirklich zu einer positiven Reaktion. Gleichfalls blieb beim Drachenblutstab die Wirkung aus. Als Harry jedoch den Stab mit dem Basiliskengiftzahn in die Hand nahm, da durchstreifte den Schwarzhaarigen merkwürdigerweise ein Gefühl der Freude und es kam ihm plötzlich so vor, als hätte er den Zauberstab nicht zum ersten Male in seinen Händen.

Harry spürte förmlich die magische Spannung zwischen seinem inneren Kern und der Spitze des Stabes. Er schwenkte ihn durch die Luft und erinnerte sich an den alten Mr. Ollivander und wie er im vierten Schuljahr die Zauberstäbe der Champions geeicht hatte. Leise rief er „Orchideus" und musste im nächsten Moment vor dem Ergebnis dieses Zaubers in Deckung gehen.

Denn wo damals nur ein kleiner Blumenstrauß aus der Spitze des Stabes erschien, verwandelte sich heute der gesamte Zauberstabladen in eine blühende Oase, voller verschiedenster Blumen.

„Oops", rief Harry erstaunt und sah ungläubig auf den Stab. Mr. Ollivander hingegen klatschte mit beiden Händen erfreut zusammen und rief,

„Ok, das dürfte dann wohl der richtige Stab für sie sein, Mr. Potter. Und auch wenn ich mir sicher bin, dass sie vielleicht noch ein wenig vorsichtiger mit ihren Zaubern sein sollten..." Er strich sich mehrere Blütenblätter vom Ledermantel. „... So denke ich doch, dass wir noch Großartiges von ihnen erwarten können."

Diese letzte Satz rief bei Harry eine leichte Gänsehaut hervor. Denn schließlich war das nun das zweite Mal, dass ihn ein Zauberstabverkäufer dies sagte. Damals der Großvater und heute sein Enkel. Harry fragte sich, ob dies ein Standartsatz war, oder ob die Ollivanders vielleicht ein wenig Seherblut in ihrem Stammbaum hatten.

Harry zog aber nichts desto trotz seinen Geldbeutel hervor und bezahlt die zwölf Galleonen und siebzehn Sickel für seinen neuen Zauberstab. Dann steckte er ihn in seinen Umhang, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu seinen Freunden.

Harry lief durch die nun stärker bevölkerte Winkelgasse, vorbei an Madame Malkines Shop für Garderoben und stoppte plötzlich, als er ihm zwei bekannte Haarschöpfe in einem anderen, sehr edel aussehenden Laden verschwinden sah.

Schnell drängelte sich Harry durch die verschiedenen Passanten und schlüpfte noch durch die sich gerade schließende Tür. Als er aber Hermine und Ginny rufen, und ihnen bescheid geben wollte, dass er da war, erkannte Harry, wo er ihnen hinein gefolgt war.

Es war ein Laden, in den kein Junge von siebzehn Jahren gezwungen werden sollte. Überall vor Harry lagen plötzlich Berge von BHs, Höschen und andere Accessoires der weiblichen Zunft. Außerdem schien sich der Laden auch Parfums spezialisiert zu haben, denn die Luft war geschwängert von allerlei süßen Düften. Und genau diese schien dem Schwarzhaarigen die Luft zum Atmen zu nehmen.

Harry spürte wie er immer roter wurde und hatte nur noch einen Wunsch. Er wollte hier raus. Und wenn das nicht geht, so dachte er. Mach, lieber Merlin, dass mich keiner sieht. Harry´s Haut begann plötzlich zu kribbeln und er glaubte ganz schwach das Gefühl des Apparierens zu verspüren. Doch als er wieder Herr seiner Sinne war, musste Harry feststellen, dass er immer noch im Laden stand, direkt neben seinen beiden Freundinnen.

Ginny und Hermine, obwohl sie keine zwei Meter von ihm entfernt standen, schienen aber so mit der Verkäuferin beschäftigt zu sein, dass sie ihn nicht bemerkten. Harry glaubte sogar gesehen zu haben, dass Hermine zu ihm rüberschaute und sich dann wieder abwandte.

Harry blickte sich panisch um und sah im nächsten Augenblick einen dunkelblauen Vorhang, nur wenig Schritte von ihm entfernt. Er hasstet dahinter und machte damit einen noch größeren Fehler, als den Mädchen in den Laden zu folgen. Denn hinter dem Vorhang war gerade eine junge Frau dabei, ihre neue Bettgarderobe zu bewundern.

Harry wäre am liebsten schreiend aus dem Laden gelaufen. Ok, das mit dem Schreien konnte er vergessen, denn der Anblick von so viel nackter Haut, verschlug dem Schwarzhaarigen eh die Sprache. Wieso musste so etwas immer ihm passieren ? Was hatte er verbrochen ? Und noch viel wichtiger, was sollte er jetzt tun ? Harry wog ab und entschied sich sein Versteck wieder zu verlassen. Hermine und Ginny würden es sicherlich verstehen, auch wenn er wohl die nächsten Tage jedes Mal ein rotes Gesicht bekam. Harry wartete noch einen passenden Moment ab und huscht zurück in den Laden.

Dort schien ihn aber nicht wirklich jemand zu bemerken und Harry fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen. Er sammelte sich und schlenderte langsam in Richtung seiner beiden Freundinnen. Dabei tat er so, als würde er sie regelrecht gesucht haben. Doch bevor er sich bemerkbar machen konnte, überkam ihn die Neugier und Harry versuchte etwas vom Gespräch zwischen der Verkäuferin und Hermine zu verstehen.

„... und wie viel kostet es ?"

„ ... vierunddreißig..."

„Oh", war dann alles, was Hermine heraus brachte und Harry sah, dass sie etwas, ein kleines Glasfläschchen, rasch zurück auf die Ladentheke stellte.

„Aber bedenken sie, mein Fräulein, es ist ein wirklich sehr edles Produkt, dass in all seinen Facetten einzigartig ist."

Die Verkäuferin versuchte noch eine Weile auf Hermine einzureden. Und auch Ginny sagte ein paar leise Worte, doch der braune Lockenkopf senkte nur traurig den Kopf und verneint. Harry fragte sich daraufhin, worum es hier gerade ging, doch dann sah er, wie die beiden Mädchen sich verabschiedeten und in Richtung Tür gingen. Er sah ihnen nach und zurück zur Ladentheke. Dann spürte er wieder dieses leichte Kribbeln. Doch so richtig nahm er es diesmal gar nicht wahr, denn seine Augen hatten das kleine Glasfläschchen fixiert.

„Kann ich dieses da haben ?" sagte Harry im nächsten Moment und war über sich selbst erstaunt.

„Was ?", schreckte die Verkäuferin herum und sah Harry mit großen Augen an.

„Das Fläschchen da, ich würde es gern als Geschenk kaufen." Wiederholte Harry und die etwas ältere Dame sah ihn ungläubig an.

„Aber es ist sehr teuer, junger Mann", versuchte sie Harry zu erklären. Doch der Schwarzhaarige hatte seinen Geldbeutel schon gezückt und zählte die eben gehörte Summe ab. Er legte das Gold auf den Tisch und sagte mit einem Lächeln.

„Wissen sie, für beste Freunde ist mir nichts zu teuer."

Die Hexe sah plötzlich in Richtung Straße und lächelte dann geheimnisvoll.

„Natürlich, sie haben vollkommen recht. Und ich denke, ihre Freundin wird sich sehr darüber freuen."

Harry schaute überrascht und ein leichter Schauer wanderte bei dem Wort „Freundin" über seinen Rücken. Er schnappte sich rasch das nun von Zauberei eingepackte kleine Geschenk und verschwand so schnell wie möglich aus dem Laden.

Als er allerdings die Winkelgasse betrat, hörte Harry nur noch wie jemand panisch seinen Namen rief und musste sich schon im nächsten Moment vor einem roten Lichtstrahl in Sicherheit bringen ...

TBC