Disclaimer: Siehe erstes Kapitel.
Kapitel 10: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Eine Notfallkonferenz des Lehrkörpers wurde an jenem Mittwochabend nach dem Abendessen einberufen. Alle Mitglieder waren anwesend, mit Ausnahme von Dolores Umbridge, die ihren Tag im Ministerium damit verbrachte, Fudge zu beruhigen und den Klitterer für verboten zu erklären.
„Albus? Könnte dieser Twist Recht haben? Benutzt jemand ein dunkles Artefakt an unseren Schülern?" fragte Pomona Sprout und blickte besorgt zu Minerva McGonagall, welche neben dem Schulleiter saß und immer noch über ihren Teil des Artikels schmorte.
„Ich bin mir nicht sicher. Die Schutzzauber der Schule sollten solch Vergehen unmöglich machen ohne mich davor zu warnen", sagte Albus mit einem Seufzer. „Mr. Twist war sehr deutlich wen er für diese Missetaten verantwortlich hält."
Severus Snape verzog sein Gesicht im Spott. „Wie genau hat Mr. Twist eine Kopie von Helena Ravenclaw's Buch in die Hände bekommen? Ich meine mich zu erinnern, dass es vor mehr als fünf Jahren als vermisst gemeldet wurde."
„Es scheint, als sei es gefunden, nicht wahr?" fragte Filius nach einem Schluck Tee. „Und wenn er es tatsächlich da fand, wo er es behauptet hatte, dann muss man sich weiter fragen, wie viele unserer historischen Bände wirklich „verloren" sind."
„Wo ist Dolores? Sollte sie nicht auch hier sein?" fragte Pomona das Gespräch unterbrechend.
„Poppy? Wie viele Schüler kamen nach ihren Nachsitzen zu dir?" fragte Albus und ignorierte ihre Frage für den Moment.
„Kein einziger, Albus", berichtete Poppy. „Wobei Miss Granger letzte Woche vorbei schaute und nach Murtlap-Essenz fragte."
„Sagte sie, für was sie sie bräuchte?" Albus runzelte seine Stirn.
„Nein, aber das musste sie auch gar nicht. Er war relativ klar, dass sie sie für Mr. Potter brauchte. Der arme Junge hasst es ja so zu mir zu kommen wegen jeder Kleinigkeit."
„Naja, kannst du es ihm übel nehmen?" schnaubte Pomona.
„Ist er auf dich zugegangen wegen seines Nachsitzens, Minerva?" fragte Albus mit etwas Besorgnis in seiner Stimme.
Minerva seufzte. „Ja ist er, aber nur bei einer Gelegenheit."
„Und? Was hat er gesagt, und wie hast du es gehandhabt?"
„Ich gab ihm nicht wirklich Zeit mir alles zu erklären. Ich hatte gerade die Hände voll mit einem der Scherze der Zwillinge und er hat mich zu einer schlechten Zeit erwischt", versuchte sich Minverva zu entschuldigen. Sie sah nicht glücklich aus. „Ich habe ihm einfach gesagt er solle den Kopf einziehen, um weitere Konflikte mit Madam Umbridge zu vermeiden."
„Du hast dich also über seine Beschwerde kurzerhand hinweggesetzt?" höhnte Snape. „Und hier dachte ich, dass du deine kleinen Löwen, und vor allem Potter, hütest wie eine Herde Schafe?"
Eine selbstgefällige Dolores kehrte erst lange nach der Konferenz nach Hogwarts zurück. Sie hatte ihren ganzen Tag mit Cornelius verbracht. Es war leicht gewesen ihn davon zu überzeugen, das irre Geschwafel eines missmutigen Schülers zu ignorieren. Denn darauf zu antworten, erläuterte sie mit einem gezierten Lächeln, würde Twist's Gefasel nur Glaubwürdigkeit verleihen. Er nickte seine Zustimmung und versicherte Dolores, dass sie immer noch seine rechte Hand an der Schule war und schon bald zur Großinquisitorin ernannt werden würde, was ihr ermöglichen würde etwas zu bewirken.
Sogar Lucius Malfoy hatte Cornelius beruhigt, dass dieser Wahnsinn nichts bewirken würde, nachdem er nach seiner Meinung gefragt wurde. In ein paar Tagen sei alles vorüber, davon sei er überzeugt. Die magische Welt war zu intelligent, um den „verbalen Wutanfällen" Oliver Twist's Glauben zu schenken.
Während die Schüler von Hogwarts am nächsten Tag ein ruhiges Frühstück zu sich nahmen bekam Cornelius Fudge Heuler, Hassbriefe und Besuche von sehr zornigen Eltern. Die schrien nicht nur über die Sicherheit ihrer Kinder, sondern auch über die mangelhafte Bildung, für die sie gutes Gold bezahlten. Viele hatten Beziehungen zu Reinblütern, welche ihn bei der letzten Wahl unterstützt hatten. Anscheinend hatten mehrere Schüler Twist's Artikel als Anreiz dafür genommen einen Brief nach Hause über die Methoden beim Nachsitzen zu schreiben. Manche hatten sogar Fotobeweise beigelegt. Dolores und Albus hatten vergessen die Eulerei zu schließen, bevor sie die Schule am gestrigen Tag verlassen hatten.
Amelia Bones stürmte in Begleitung mehrerer Auroren am Nachmittag in das Büro des Ministers. „Cornelius. Wir haben zu reden."
Cornelius griff in seinen Schreibtisch und nahm sich einen Beruhigungstrank heraus.
Am Abend apparierten Amelia Bones, ein Team von Auroren, mehrere Eltern und ihre Familienanwälte nach Hogsmeade und fielen über Hogwarts her.
Das Abendessen ging gerade zu Ende als sie durch die Tür der großen Halle kamen. Ein erschrockener Albus Dumbledore stand und sprach sie an. „Können wir ihnen helfen, Madam Bones?" fragte er ohne sein obligatorisches Funkeln im Auge.
„Ja, Schulleiter, das können sie. Ich habe hier einen Haftbefehl für Dolores Umbridge…" Weiter kam sie nicht, da fast alle Schüler lautstark an zu jubeln und zu pfeifen begannen. Madam Umbridge stand mit vor Wut rotem Gesicht auf. Ihr lautes Räuspern ging im Beifall der Schüler effektiv unter.
Ein lauter Knall und ein Blitz aus Magie schreckten jeden zur Stille. „Bitte fahren sie fort, Madam Bones", sagte Albus.
„Wie ich bereits sagte, ich habe hier einen Haftbefehl für Dolores Umbridge mit der Begründung der Folter von Schülern. Mehrere Eltern haben sich bei mir über den Gebrauch von dunklen Artefakten an ihren Kindern beschwert. Ich möchte gerne, dass alle Schüler aufstehen, die mit Madam Umbridge nachsitzen hatten", befahl Amelia und viele Schüler standen. Mit Ausnahme der auffallenden Absenz von Slytherin war jedes Haus vertreten. Sie und ihre Auroren zählten über zwanzig und nahmen Notiz, dass Harry Potter unter ihnen war.
„Um Merlin's Willen! Albus, wie konntest du das nicht mitbekommen haben? Du gibst vor der größte Zauberer unserer Zeit zu sein und hast die Kontrolle über die Schutzzauber von Hogwarts! Wie konntest du das übersehen?" zischte Amelia, während ihre Auroren Madam Umbridge in Gewahrsam nahmen und mehrere Eltern und Anwälte damit begannen einzelne Schüler zu befragen.
Albus Dumbledore tat das einzig vernünftige: er hielt den Mund.
„Mr. Potter", rief Filius Flitwick von seinem Stapel Bücher nachdem die Zauberkunst Klasse zu Ende war. Es war eine Woche nach dem Artikel über den Gebrauch von Blutfedern in Hogwarts. Das dadurch entstandene Aufsehen war endlich etwas abgeklungen und es schien nun, als hielte jeder seinen Atem an und wartete auf den nächsten Paukenschlag.
„Ja, Sir?" Harry sah erschrocken auf.
„Es gibt da etwas, dass ich mit ihnen diskutieren möchte. Können sie nach ihrer letzten Klasse heute in mein Büro kommen?"
„Natürlich, Sir", sagte Harry und runzelte die Stirn, während er seine Bücher einpackte.
Am späten Nachmittag klopfte ein nervöser Harry an die Tür des Zauberkunstprofessors. Zum Glück hatte er es geschafft Ron und Hermine nach seiner letzten Klasse abzuwimmeln. Er wollte ganz sicher nicht, dass sie auf ihn warteten um dann über sein Gespräch zu diskutieren.
„Komm rein, Harry, wir werden nicht lang brauchen", lud ihn der Professor ein.
Harry betrat das überladene Büro und grinste. Der Raum reflektierte die Persönlichkeit des Professors perfekt. Alles war auf seine kleine Statur angepasst, wobei es jedoch Stühle für normalgroße Besucher gab.
Mit einem Schwenker seiner Hand schloss Filius Flitwick die Tür und Harry bemerkte das Kribbeln eines starken Privatsphärenzaubers. „So, jetzt können wir nicht belauscht werden. Nimm Platz, Harry. Oder soll ich sagen, Mr. Twist?" Filius lächelte und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
Harry zuckte leicht zusammen. Er fuhr damit fort die Wände des Büros mit ihren Reihen von Duelltrophäen und Plaketten zu betrachten und fragte sich, wie er sich seinen Weg aus dieser Situation herausbluffen könnte. „Ich weiß nicht, was sie meinen, Sir", sagte er langsam und wendete sich dem Professor zu.
„Es ist eine bekannte Tatsache, Harry", erklärte Flitwick und faltete seine Hände, „dass ein kompetenter Lehrer nach gewisser Zeit den Schreibstil seiner Schüler erkennen kann. Egal wie gut der Schüler denkt er habe ihn geändert. Stil, Ton und sogar die Rhythmik einer gut bekannten Person kann erkannt werden, wodurch die Person identifiziert wird. Das Ganze ist sehr nützlich, da es dabei hilft Abschreiben während Prüfungen zu verhindern."
„Und in wie weit macht mich das zu Oliver Twist?" fragte Harry nebenbei an ein Bücherregal lehnend. Das Spiel war aus und er war in Teufels Küche geraten! Er wusste, dass mehrere Leute Oliver's Kopf rollen sehen wollten, vom Jungen-der-lebt mal ganz zu schweigen.
„Nimm Platz, Harry", wiederholte Flitwick.
Harry setzte sich auf den angebotenen Stuhl mit einem schmerzhaften Stöhnen und tat das einzige, was er konnte. Er wartete auf den tödlichen Stoß.
„Ich kannte deine Mutter sehr gut und war in Fakt ihr Mentor und Meister, als sie ein Lehrling unter mir war. Sie hatte einen brillanten Kopf", sagte der kleine Professor wehmütig. „Ich gebe zu, dass ich mich darauf gefreut hatte, dich zu unterrichten, bis ich deinen ersten Aufsatz gelesen hatte. Deine Handschrift war katastrophal und die Ausführung deines Gedankenganges war von Lücken durchzogen. Ich war entsetzt, dass jemand geniales wie Lily Evans so ein mittelmäßiges Kind haben könnte…"
„Aber Sir…", protestierte Harry.
„Lass mich zu Ende reden, Junge", sagte Filius eine Hand hochhaltend. „Später, nachdem ich einen Entwurf eines deiner Hausaufgaben auf dem Boden meines Klassenzimmers fand und ihn mit dem abgegebenen Ergebnis verglich, realisierte ich, dass du deine Arbeiten simplifizierst! Stell dir meine Überraschung vor, als du später im selben Jahr mehrfach andere Hinweise hinausschlüpfen ließest. Es schien seltsam, dass ein Kind, welches intelligent genug war, um auf deinem Niveau Magie zu benutzen, in anderen Bereichen so mangelte. Es machte einfach keinen Sinn. Anscheinend hattest du ja Köpfchen. Warum benutztest du ihn nicht? Dann wurde mir klar, dass du es ja tust, nur nicht auf die Weise, die ich erwartete! Mir ist durchaus bekannt, dass deine Freundin Miss Granger stolz darauf ist, die Beste des Jahrgangs zu sein, und dass Mr. Weasley ein Eifersuchtsproblem hat." Er seufzte tief. „Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass die Freundschaft der Beiden dir mehr wert ist als akademischer Erfolg. Das ist der Grund, warum ich dich in meinen Klassen nicht mehr gefordert habe."
Harry wartete mit gehängtem Kopf. Sein Herz schlug heftig gegen seinen Brustkorb. Jetzt würde er sicher rausgeschmissen werden. Dumbledore hatte dieses Schicksal so gut wie versprochen, sollte er irgendwann Oliver Twist schnappen.
„Ich habe dich seit deiner Ankunft hier beobachtet. Als mir klar wurde was mit dir los war, konnte ich es niemandem erzählen, da mir keiner geglaubt hätte. Du hast deine Spuren sehr gut verwischt, zu gut in manchen Fällen. Die anderen Professoren hatten sich bereits ihre Meinung über dich gebildet, welche mehr oder weniger in Stein gemeißelt sind."
Harry spähte durch seine Haare zum Professor und fand nur Sorge und ein wenig Belustigung. „Was meinen sie damit, Sir? Warum haben sie mein Geheimnis für sich behalten?" fragte Harry.
Filius seufzte und zuckte mit den Schultern. „Du musst verstehen, dass Albus mich nur in Hogwarts behält, weil ich ein angesehener Duellant und Zauberkunstmeister bin. Außerdem habe ich Verbindungen zu Gringotts. Das Ministerium kann mich nicht entlassen, selbst wenn sie wollten, da es allen möglichen Leuten Kopfschmerzen bereiten würde die Goblins zu beruhigen, da ich seit vielen Jahren fest angestellt bin."
Filius pausierte einen Moment und besah seinen Schüler. Harry blickte seinem Professor mit steigender Hoffnung in die Augen.
„Ich glaube, dass der sprechende Hut dich falsch sortiert hat, Harry", sagte Filius lächelnd und wechselte das Thema. „Ich glaube, dass Severus fassungslos gewesen wäre, wenn ein Potter nach Slytherin gekommen wäre, aber mal davon abgesehen zeigst du die besten Attribute des Hauses. Ich glaube, dass du einen hervorragenden Slytherin gemacht hättest, oder vielleicht einen Ravenclaw. Ich applaudiere deinen Fähigkeiten. Mit der Courage eines Gryffindors, der Gerissenheit eines Slytherins und der Intelligenz eines Ravenclaws wirst du ein top Duellant werden wenn du erwachsen bist."
„Sie meinen, wenn ich bis dahin überlebe, nicht wahr?" fragte Harry mit einiger Bitterkeit.
Filius hielt inne und nickte. „Das ist wahr, Junge. Das ist wahr." Der Professor seufzte und brachte das Gespräch wieder auf das entscheidende Thema zurück. „Nun wegen dieser Artikel. Wie ich schon sagte, ein guter Instruktor kennt die Schreibstile seiner Schüler. Ich muss zugeben, dass es mehrere Artikel gebraucht hat, bis ich mir sicher war, dass du es bist. Es hat in der Vergangenheit schon Ravenclaws gegeben, die durch Schriftmedien zu protestieren versucht hatten, aber scheiterten. Es gibt da etwas in der Ravenclaw-Mentalität, was sie dazu bringt, zu viele trockene Fakten und Zahlen in ihre Aufsätze einzubauen, als ob sie die Fakten den Lesern in einem großem Klumpen ins Gehirn pressen wollten. Sie schienen nicht zu verstehen, dass nicht jeder Statistiken mag, dass sie ein Rinnsal, und keine Flut davon bringen dürfen."
Der winzige Professor nickte. „Du hast ein Verständnis dafür, Fakten und Statistiken in kleinen, für den normalen Zauberer leicht verdaulichen Mengen zu liefern. Dein erster Brief kam zur richtigen Zeit, mit genau so viel Einschlag, dass es Aufsehen erregte. Ich salutiere, Mr. Potter", sagte Filius sich von seinem Stuhl erhebend und verbeugte sich vor dem verdutzten Schüler.
Harry wurde rot. „Äh, und was passiert jetzt?"
„Jetzt passiert erst einmal gar nichts", sagte Filius mit einem Grinsen und setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. „Ich weiß mit Sicherheit, dass kein anderer Lehrer es herausgefunden hat." Er schmunzelte ein wenig. „Tatsache ist sogar, dass sie Wetten auf Oliver's Identität platzieren, und dein Name steht noch nicht mal zur Auswahl. Nun zum eigentlichen Grund, warum ich dich hergebeten hatte. Ich werde dir weitere Hilfe mit Statistiken und wenig bekannten Fakten zur Verfügung stellen, im Geheimen versteht sich."
„Aber warum?" Harry sah fassungslos auf. Er wusste, dass er seiner eigenen Hauslehrerin nicht vertrauen konnte. Sie war nie für ihn da gewesen, sogar als er sich in Not an sie wandte. Letzte Woche, als er sich bei ihr wegen Umbridge's Nachsitzen beschwert hatte, sagte sie ihm einfach er solle „seinen Kopf einziehen". Und Snape? Er schnaubte innerlich.
„Deiner Mutter und dir zuliebe. Es wurden viel zu viele Geheimnisse für zu lange Zeit versteckt. Es ist an der Zeit, dass jemand die Vorhänge aufmacht und das Licht hereinlässt."
Harry schritt mit Hoffnung zurück in Richtung Gryffindor Turm. Zu schade, dass er den Professor nicht schon vor Jahren angesprochen hatte, aber er wusste damals genauso wenig wie heute, wem er vertrauen konnte. Im Moment hieß es für ihn „im Zweifel für den Angeklagten".
Sie wetteten also um Twist's Identität? Harry konnte sich kaum davon zurückhalten, in extrem böses Gelächter auszubrechen. Was man nicht alles tut für eine schnelle Galeone.
